Es ist nicht alles rosa - Kathrin Noreikat - E-Book

Es ist nicht alles rosa E-Book

Kathrin Noreikat

0,0

Beschreibung

Die Journalistin Nurith Crawford lernt bei ihrer Arbeit über Gallerieeinbrüchen in New York Detective Aldridge kennen. Die beiden sind sich gleich sympathisch und verabreden sich für ein Date auf einem Jahrmarkt. Dort ziehen sie Lose und gewinnen ein paar Dollar. Nach dem Motto "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", gewinnt Detective Aldridge das Herz von Nurith Crawford und überredet sie gemeinsam einen Lottoschein auszufüllen. Auch hier gewinnen sie und beschließen mit dem Geld für einige Zeit auf den Bahamas zu leben. Ist ihre junge Beziehung den Herausforderungen in einem fremden Land gewachsen?

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 81

Veröffentlichungsjahr: 2017

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Kathrin Noreikat

Es ist nicht alles rosa

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Es ist nicht alles rosa

Danksagung

Impressum neobooks

Es ist nicht alles rosa

Schon den ganzen Vormittag klingelte das Telefon. Ich konnte mich schlecht auf das Scheiben eines Artikels über die Fusion zweier Automobilhersteller konzentrieren, der jedoch bis zum Spätnachmittag fertig gestellt werden musste. Soeben hatte ich einen Satz formuliert und setzte zum Nächsten an, als schon wieder das Telefon schrillte. Gereizt nahm ich den Hörer ab: „Redaktion „Der Durchblick“. Crawford am Apparat. Was kann ich für sie tun?“

„Guten Tag, Mrs. Crawford. Hier spricht Detective Aldridge.”

„Detective. Guten Tag. Gab es wieder einen Einbruch?“

Schlagartig verflog beim Klang seiner warmen Stimme meine Gereiztheit.

„Nein. Deswegen rufe ich Sie auch nicht an. Ich wollte Sie fragen, ob sie mit mir in den nächsten Tagen einmal auf den Jahrmarkt gehen wollen.“

Eine Verabredung auf einem Jahrmarkt? Ich war sehr überrascht, als der Detective dies vorschlug.

„Einen Kaffee in einem normalen Café zu trinken kann ja jeder“, behauptete er.

Damit hatte er natürlich recht, denn wie viele Verabredungen hatte ich in überfüllten und lärmenden Cafés, Bars und Restaurants gehabt? Unzählige, seit mich vor fast vier Jahren mein Freund verlassen hatte.

Ich sagte zu und wir verabredeten uns für den kommenden Dienstag. Normalerweise mochte ich keine Jahrmärkte, aber für diesen Mann würde ich eine Ausnahme machen, weil er sich schon allein einen originellen Ort für ein Date ausgedacht hatte.

Am Dienstag um 17 Uhr klingelte es an der Wohnungstür. Ich öffnete. Detective Aldridge stand in dunkelblauer Jeans und hellem T-Shirt vor mir. Er sah selbst in legerer Kleidung unheimlich gut aus. Bisher hatte ich ihn nur in Anzug und Krawatte gesehen. Ich trug eines meiner Lieblingskleider und hatte meine hellroten Locken zu einem Zopf zusammen gebunden.

„Hübsch sehen Sie aus“, schmeichelte er mir.

Mr. Aldridge lernte ich während einer Recherche kennen. Ich arbeitete bei dem wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazin „Der Durchblick“. Meistens schrieb ich Artikel aus dem Bereich Wirtschaft und Börse. Darüber hinaus musste ich manchmal, wenn mein Kollege nicht da war, über Kriminalfälle berichten. Es sind nicht meine Lieblingsthemen, über die ich Artikel erstellen muss. Ich würde viel lieber über Literatur, Kunst und andere Kulturen schreiben.

Als im Frühjahr eine Reihe von spektakulären Einbrüchen in Galerien im Künstlerviertel Soho von New York verübt wurden, witterte der Redaktionschef Matthew Ferguson eine Story und beauftragte mich der Sache nachzugehen. Aus diesem Grund begab ich mich zum Revier in der Livingston Street. Hier begegnete ich Detective Aldridge zum ersten Mal, denn er leitete die Ermittlungen.

Nachdem ich mich telefonisch bei ihm angekündigt hatte, begrüßte er mich mit einem liebenswürdigen Lächeln zu der vereinbarten Zeit an der Empfangstheke.

„Nurith Crawford vom Magazin „Der Durchblick“, stellte ich mich vor.

„Detective T. H. Aldridge.“

Sein Händedruck war fest, seine Statur athletisch und seine braunen Augen strahlten. Sein Alter schätzte ich um die 40. Wir gingen unverzüglich in sein Büro im zweiten Stock. Es fiel mir schwer, mit ihm Schritt zu halten. Sein Büro war klein und voller Akten und Papierstapel. An den Wänden hingen Fotos von Tatorten. Auf dem Schreibtisch stand ein Schild mit seinem Namen: T. H. Aldridge. Das Angebot, eine Tasse Kaffee zu trinken, nahm ich an, bereute es schon nach dem ersten Schluck, denn er schmeckte so scheußlich, dass mir beinahe mein Frühstück wieder hoch gekommen wäre.

„Bitte stellen Sie ihre Fragen, meine Zeit ist nicht unbegrenzt“, forderte er mich auf.

Sofort begann ich meine Fragen zu den Galerieeinbrüchen zu stellen. Der Detective antwortete auf meine Fragen aus „ermittlungstaktischen Gründen“, wie er es nannte, nicht zu meiner vollkommenen Zufriedenheit. Trotzdem hatte ich nach dem Interview genügend Informationen, um einen Artikel schreiben zu können.

„Danke, dass Sie sich Zeit für mich genommen haben“, sagte ich schließlich.

„Das war es?“, fragte er verwundert. „Das ging ja schneller als ich gedacht hatte.“

Es kam mir so vor, als ob ich eine Spur Enttäuschung in seiner Stimme wahrgenommen hätte.

„Fast. Eine Frage habe ich noch, Detective Aldridge. Wie lauten bitte ihre beiden Vornamen, damit ich sie auch richtig in meinem Artikel zitieren kann? T. H. steht für ...?“

„Diese Frage werde ich Ihnen nicht beantworten, Mrs. Crawford“, antwortete er höflich.

Verdutzt blickte ich von meinem kleinen Schreibblock auf.

„Wieso? Sind ihre Vornamen so schrecklich?“

„Schreiben sie einfach Detective T. H. Aldridge. Das reicht.“

Er stand auf und begleitete mich zur Tür, doch bevor er sie öffnete, wollte er wissen:

„Da wir uns gerade über Namen unterhalten haben - Woher stammt eigentlich ihr Vorname? Nurith klingt ungewöhnlich.“

„Meine Eltern hatten ein Faible für außergewöhnliche Namen und gaben mir einen Hebräischen“, erklärte ich.

„Sicher hat er eine Bedeutung, oder?“

Ich wand mich ein wenig und murmelte: „Nurith bedeutet Glühwürmchen.“

Er schmunzelte, wurde aber sogleich wieder ernst: „Viel Erfolg bei ihrem Artikel, Mrs. Crawford und falls sie noch Fragen haben, wissen sie ja, wo sie mich finden. Auf Wiedersehen.“

Mein Artikel über die Galerieeinbrüche erschien in der nächsten Ausgabe des Magazins. Bei einer Redaktionssitzung wurde mein Text als „reißerisch, aber nicht zu brutal“ bezeichnet. Der Redaktionsleiter Matthew Ferguson rief: „Nurith, wunderbare Story! Die Bilder, die gestohlen wurden, konnte ich mir durch deine detaillierten Beschreibungen sofort vorstellen. Auch das Interview mit diesem Detective ist dir gut gelungen. Ich könnte mir sogar eine Artikelserie von dir vorstellen, in dem du über außergewöhnliche Verbrechen berichtest. Am besten gehst du nochmal zu diesem Polizisten und befragst ihn. Der wird ja sicher auch noch andere Ermittlungen über Kunstraub leiten. Vielleicht ist er auch für diese Sache mit dem Typen zuständig, der die Frauen übers Internet angelockt und sie an seine Badewannenarmatur gekettet hat.“

„Matthew, ich glaube nicht, dass das in den Zuständigkeitsbereich von Detective Aldridge fällt“, erwiderte ich.

Doch Matthew hörte mir nicht mehr zu, denn eine Kollegin meldete sich mit einer Nichtigkeit zu Wort. Die restliche Sitzung verlief routiniert und endete mit den Worten des Redaktionsleiters: „Wie heißt es so schön? Nach dem Erscheinen des Heftes ist vor dem Erscheinen des Heftes. In diesem Sinne: Frohes Schaffen!“

Als ich zwei Tage später erneut auf das Revier in der Livingston Street ging, um neue Informationen über die Galerieeinbrüche oder andere interessante Verbrechen zu bekommen, wurde ich enttäuscht. Dort teilte man mir nämlich mit, dass Detective Aldridge in der vorhergehenden Nacht bei einem Einsatz angeschossen worden sei.

„Das ist ja schrecklich!“, rief ich. „Können Sie mir sagen in welchem Krankenhaus er liegt?“

„Bedaure. Das darf ich Ihnen nicht mitteilen“, meinte der junge Officer am Empfang.

Ich musste unbedingt Detective Aldridge sprechen, um Material für einen neuen Artikel zu erhalten. Außerdem wollte ich ihn wiedersehen, denn er war mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

„Ach, bitte. Ich habe den Detective erst neulich interviewt und mir fehlen noch ein paar wichtige Angaben, sonst kann ich den Artikel nicht fertig schreiben, und er wird nicht authentisch genug sein. Mein Chef legt immer sehr viel Wert auf Authentizität. Er sagt immer „Wir sind ja nicht irgendein Klatschblatt.“ Er hat es sowieso schon auf mich abgesehen und wenn ich jetzt nicht einen guten Artikel abliefere, dann wird er einen seiner Tobsuchtsanfälle bekommen. Wissen sie Officer, da fliegen auch schon mal Gegenstände durch die Luft. Letztes Mal hatte ich sogar eine Platzwunde am Kopf ...“, log ich, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich war selbst erstaunt über meinen Einfallsreichtum.

Der junge Officer schüttelte entsetzt den Kopf: „Also wenn das so ist. Das grenzt fast schon an Körperverletzung. Haben sie schon einmal über eine Anzeige nachgedacht oder die Möglichkeit den Job zu wechseln?“

Er reichte mir ein Klemmbrett an dem ein Kugelschreiber befestigt war.

„Hier ist ein Formular für eine Anzeige“, erklärte er. „Sie können es gleich hier ausfüllen.“

Meine Geduld war meinem Einfallsreichtum nicht grenzenlos gewachsen, daher wiederholte ich: „Bitte Officer, welches Krankenhaus?“

Er schaute sich unsicher um und flüsterte dann: „Ach so. Er liegt im St. Vincent Krankenhaus. Aber von mir haben sie das nicht.“

„Dieses Gespräch hat nie stattgefunden“, zwinkerte ich ihm zu und drehte mich auf dem Absatz um.

Jetzt hatte ich die Polizei angelogen und hoffte, dass der Officer nicht in der Redaktion anrufen würde.

Ich fuhr geradewegs mit der Subway zum St. Vincent Krankenhaus, das von außen eher wie eine Fabrik aussieht. Ein Stararchitekt hatte das gesamte Belüftungssystem an die Außenfassade gelegt, und hatte damit in der Bevölkerung heftige Diskussionen ausgelöst. Doch die Ärzte und Schwestern hatten einen guten Ruf.

Nachdem ich mich am Informationsschalter erkundigt hatte, auf welcher Station der Detective lag, suchte ich den passenden Aufzug. Das Innere des Krankenhauses glich einem Labyrinth aus Stockwerken, Fluren, Treppenhäusern und Aufzügen. Eingezwängt im Lift mit zwei Rollstuhlfahrern erreichte ich den 8. Stock.

Ich stieg aus und wendete mich nach links. Der Flur war mit grünem Teppich ausgelegt, die Wände gelb gestrichen. Irgendwann wechselte der Flur seine Farbe, die Wände waren nun orange. „Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin“ las ich auf einem Hinweisschild. Da war mir sofort klar, dass ich mich in dem Krankenhauslabyrinth verirrt hatte. Ich ging den Flur zurück, bog links ab und fand nach einer gefühlten Ewigkeit die richtige Station. Erst jetzt fiel mir ein, dass es üblich war, einem Kranken ein Geschenk mitzubringen. Zum Glück entdeckte ich in einer kleinen Patientenküche eine Schale mit Obst. Schnell steckte ich einen Apfel in meine Jackentasche und hatte somit ein Geschenk für den Patienten. Hinter mir hörte ich eine energische Stimme: „Kann ich Ihnen weiterhelfen?“

„Äh, ja. Das können sie wirklich“, erwiderte ich und drehte mich um.

Vor mir stand eine kleine übergewichtige Krankenschwester. An ihrem weißen Kittel hing ein Namensschild: Schwester Angela.

„Ich möchte gerne zu Mr. Aldridge.“

Resolut antwortete die Krankenschwester: „Das geht nicht. Der Patient braucht absolute Bettruhe. Wer sind Sie denn überhaupt?“

Fieberhaft suchte ich nach einer Antwort.