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Wer den Gardasee nur mit belebten Uferpromenaden verbindet, verpasst einige seiner stillen Rückzugsorte. Im abgeschiedenen Valle delle Cartiere erzählen alte Papiermühlen von vergangenem Handwerk. Am eher einsamen Lago di Cavedine schimmert smaragdgrünes Wasser geheimnisvoll zwischen Felsen. Und auf dem kaum besuchten Torre di San Martino della Battaglia öffnen sich Panoramen voller Geschichte. Diese und andere weniger bekannte Plätze laden ein, den Gardasee neu und fernab der Massen zu entdecken – dieses Buch zeigt den Weg.
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Seitenzahl: 187
Veröffentlichungsjahr: 2026
Regine Heue
Traumhafte Orte abseits des Trubels
Karte
Vorwort
Der Gardasee – Geformt von Eiszeit und Geschichte
Der Norden
1
Trient – Der Zeitpunkt macht’s
2
Valle dei Laghi – Unterschätzte Natur
3
SP85 – Auf Entdeckungstour
4
Monte Casale – Weitblick von der Höhe
5
Lago di Cavedine – Klar und naturbelassen
6
Forte Larino – Vergangene Kriege erlebbar gemacht
7
Castel Beseno – Wehrhaft in strategisch gewählter Lage
8
Canale di Tenno – Hoch über dem Gardasee
9
Villa Lagarina – Architektonische Perle
10
Rovereto – Alles bleibt anders
11
Marmitte dei Giganti – Gletschermühlen
12
Porto San Nicolò – Still abtauchen
13
Strada del Ponale – Der Weg ist das Ziel
Der Westen
14
Von Riva nach Gargnano – Rundfahrt mal anders
15
Sunriser Spaziergang – In luftige Höhen
16
Terrazze del Brivido, di Cimaporto und Bassanega – Atemberaubende Aussichten
17
Madonna di Montecastello und Monte Cas – Alpine Wallfahrtskirche und Gipfelfreuden
18
Gargnano – Zwischen zwei Seen
19
Valle delle Cartiere – Historisch wertvoll
20
Gardone Riviera – Alter Kurort
21
Terme di Vallio – Ein Ort kristallklaren und reichhaltigen Wassers
22
San Felice del Benaco – Für Sonnenanbeter
23
Manerba – Minerva und Moränenhügel
24
Rezzato – Dorf der Steinmetze
25
Brescia – Perle der Kunstgeschichte
26
Palazzolo sull’Oglio – Zwischen Fluss und Hügel
27
Eremo di San Paolo – Von Felsen gerahmt
Der Süden
28
Jamaica Beach – Naturidyll höchster Güte
29
Rivoltella del Garda – Traditioneller Charme
30
Torre di San Martino della Battaglia – Für die Freiheit
31
Santuario della Madonna del Frassino – Ein Ort des Friedens
32
Pozzolengo – Verborgene Schätze und grüne Hügel
33
La Collina di Lorenzo – Riesiges Naturlabor
34
Castiglione delle Stiviere – Auf den Spuren der Gonzaga
35
Solferino – Geburtsort einer weltweiten Bewegung
36
Borghetto di Valeggio – Wasser, Geschichte und Tortellini
37
Castello Scaligero – Geschichte über dem Tal
38
Museo Nicolis – Echtes Kleinod
Der Osten
39
Eremo di San Giorgio – Ort des Friedens
40
Alternative Wasserweg – Mit der Fähre über den See
41
Crero – Eine Prise Adrenalin
42
Bosco Chiesanuova – Bierliebhaber aufgepasst
43
Balot Tacà Via – Schwebender Fels
44
Sant’Ambrogio di Valpolicella – Starke Steine
45
Cassone di Malcesine – Naturschönheit
46
Spiaggia delle Lucertole – Klein, aber oho
47
An den Ufern entlang – Buon appetito!
Register
Bildnachweis
Impressum
Tolle Ansichten des Amphitheaters Vittoriale degli Italiani (li.) und des Santuario di Montecastello (re.).
Überall locken Sonne, Wasser und kulinarische Spezialitäten.
Traumhafter Blick über den Gardasee, den größten See Italiens.
Nachdem ich den Auftrag, ein Buch mit dem Titel Secret Places Gardasee zu schreiben, angenommen hatte, beschlich mich ein etwas ungutes Gefühl: Was hatte ich mir nur dabei gedacht, dieses Buch anzunehmen? Klar bin ich totaler Gardaseefan und habe sehr viele wunderbare Wochenenden dort verbracht – aber Geheimtipps? In Gedanken höre und lese ich schon die Aufschreie und Kommentare in den Sozialen Medien von eingefleischten Gardaseefans: »Das sind doch keine Geheimtipps«, »Schlecht recherchiert«, »Nichts Neues« oder sogar noch schlimmer.
Aus diesen Gründen möchte ich gerne etwas vorweg klarstellen: Absolut geheime Ziele sind am und um den Gardasee wahrscheinlich nicht mehr zu finden. Was es aber noch gibt: Orte, die touristisch noch nicht komplett überlaufen sind und die vielleicht auch einige hartgesottene Liebhaber dieses Sees noch nicht wirklich auf dem Schirm haben. Genau um solche Orte und Plätze geht es in diesem Buch.
Diese sind natürlich Geschmackssache, ich habe diese ganz nach meiner persönlichen Präferenz ausgewählt. Sicherlich sind auch Tipps dabei, die zu bestimmten Urlaubszeiten nicht gerade leer sind – aber wo am Gardasee findet man zur Hauptsaison keine Touristen?
Deswegen meine Empfehlung: Wer kann, sollte im Frühling von Ende März bis Ende Mai oder im Herbst von Mitte / Ende September bis Anfang November reisen. Zu diesen Zeiten kann man ihn erleben, den authentischen italienischen Flair am Gardasee – ohne Massenandrang. Dabei versteht es sich, Oster- und Pfingstfeiertage zu vermeiden.
Auf jeden Fall wünsche ich allen Gardaseefreunden und -besuchern viel Spaß beim Erkunden dieser vielleicht noch nicht so bekannten Ziele am – in meinen Augen immer noch – wunderschönen Gardasee.
Herzlich
Regine Heue
Auf Entdeckungstour am See, hier bei Riva del Garda.
Der Gardasee hat sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schnell zu einer der beliebtesten Tourismusregionen Europas entwickelt, was der Gegend einen gewissen Wohlstand beschert hat. Auch heute noch sind die verschiedenen Kulturen spürbar, die das Ufer des Sees säumen. Mit Brescia, Verona und Trento teilen sich jetzt drei sehr unterschiedliche Provinzen den Lago di Garda – auf friedliche Art und Weise.
Der Gardasee entstand durch einen Gletscher der letzten Eiszeit, der das Etschtal hinabwanderte und das lang gestreckte Becken des Sees formte. Schon vor 4000 Jahren errichteten Menschen hier Pfahlbauten, deren Überreste heute zum UNESCO-Welterbe zählen. Auch Felszeichnungen am Monte Baldo zeugen von früher Besiedlung. Ligurier, Veneter, Etrusker und Gallier siedelten später am See, während Jäger und Nomaden ihn bereits kannten – zeitgleich mit »Ötzi« vor 5400 Jahren.
Mit der Eroberung durch die Römer wurde der Gardasee Teil der Provinz »Gallia Cisalpina«. Am Südufer entstanden Villen und Thermalbäder. 268 n. Chr. kam es hier zur Schlacht am Lacus Benacus zwischen den Alamannen und den Römern unter Kaiser Claudius Gothicus. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit siegten die Römer und vertrieben die Alamannen aus Norditalien.
Nach dem Niedergang Roms übernahmen Langobarden und später Karl der Große die Region. Im 13. Jahrhundert gelangten die Städte des Sees unter die Herrschaft der Scaliger von Verona, die eindrucksvolle Burgen errichteten, etwa in Malcesine, Sirmione und Desenzano. 1387 fiel Verona an Mailand, bis dann Venedig 1405 die Kontrolle über den See übernahm.
Mailand kontrollierte den Norden des Sees, Venedig den Süden. Um ihre Flotte in den Gardasee zu bringen, ließen die Venezianer ihre Schiffe spektakulär über Land transportieren: Sechs Galeeren, zwei Galeonen und 26 Barken wurden mit 2000 Ochsen und Seilen über die Berge gezogen. In der Seeschlacht bei Torbole wurden viele dieser Schiffe jedoch zerstört. 1440 errangen die Venezianer dennoch den Sieg und sicherten ihre Herrschaft für 350 Jahre.
1796 eroberte Napoleon die Republik Venedig und gliederte den Gardasee ins österreichische Reich ein. 1859 kam es zur entscheidenden Schlacht um Italiens Unabhängigkeit bei Solferino und San Martino. Die grausamen Folgen der Kämpfe inspirierten den Schweizer Henry Dunant zur Gründung des Roten Kreuzes. Heute ist der Gardasee ein Ort voller Geschichte und natürlicher Schönheit.
Kiesstrand bei Nago-Torbole am Nordufer des Gardasees.
Die Welt birgt viele Wunder, Abenteuer und spektakuläre Aussichten, die wir gerne erkunden möchten. Doch sie ist auch leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hier ein paar Tipps, wie wir unsere Welt nachhaltig entdecken können:
Die Hauptsaison meiden: Wenn wir nicht gerade auf die Ferienzeiten angewiesen sind, können wir der Umwelt einen großen Gefallen tun, indem wir in der Nebensaison verreisen. Damit tragen wir zu einer gleichmäßigeren Auslastung der Umwelt und der Infrastruktur bei, und der Urlaub wird dazu auch noch wesentlich entspannter.
Die Aufenthaltsdauer dem Reiseziel anpassen: Je weiter das Reiseziel ist, desto länger sollte der Aufenthalt sein. Dadurch lernen wir die Region nicht nur intensiver kennen, sondern stärken sie ganz nebenbei noch durch unsere Ausgaben vor Ort. Anfahrtsintensive Tagesausflüge sollten besser vermieden werden, das bedeutet nur Stress, sowohl für die Umwelt als auch für uns selbst.
Auf umweltschonende Verkehrsmittel setzen: Wo es möglich ist, reisen wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Das reduziert nicht nur die Luftverschmutzung, sondern schont auch unsere Nerven. Falls das nicht geht, helfen verschiedenste Plattformen dabei, den CO2-Ausstoß auszugleichen, vor allem, wenn das gewünschte Reiseziel nur mit dem Flugzeug zu erreichen ist.
Nur dort parken und campen, wo es erlaubt ist: Selbst wenn wir uns noch so vorbildlich verhalten und unseren Aufenthaltsort so hinterlassen, wie wir ihn vorgefunden haben, stören wir den Lebensraum von Wildtieren und hinterlassen Spuren und Gerüche. Auch Lagerfeuer entzünden wir ausschließlich an den dafür vorgesehenen Stellen und achten dabei auf Waldbrandstufen und Naturschutzgebiete.
Ressourcen gewissenhaft nutzen: Manche Umweltressourcen sind bereits knapp, endlich sind auf jeden Fall alle. Um sie zu schonen, sollten wir sparsam mit ihnen umgehen, gerade in Gegenden, in denen zum Beispiel Wasser oder Strom nicht im Überfluss vorhanden sind.
Ein guter Gast sein: Nachhaltig unsere Umgebung zu erkunden bedeutet auch, der hiesigen Flora und Fauna mit Respekt zu begegnen. Pflanzen sollten auf keinen Fall gepflückt werden, aber sie stehen uns bestimmt gerne Modell für das eine oder andere Foto. Das Gleiche gilt für wilde Tiere: Wir füttern sie nicht, halten Abstand und beobachten sie aus der Ferne.
Auf den Wegen bleiben: Wer die vorgegebenen Wege verlässt, dringt nicht nur in die Rückzugsräume heimischer Arten ein, sondern trägt auch dazu bei, dass sich neue Wege bilden, was zur Erosion des Bodens führt.
Abfall wieder mitnehmen: Plastikverpackungen jeglicher Art, Dosen, Flaschen und Papiertaschentücher (es dauert Jahre, bis sich ein einzelnes Taschentuch vollständig abgebaut hat!) gehören nicht in die Natur, sondern artgerecht entsorgt. Am besten gleich eine wiederverwendbare Brotdose oder Trinkflasche mitnehmen. Dazu zählen natürlich auch Toilettenpapier und der Inhalt von (Chemie-)Toiletten. Entsprechende Entsorgungsstationen finden sich überall.
Lokal kaufen: Dadurch lernen wir Land und Leute besser kennen und unterstützen die regionale Wirtschaft, außerdem sind regionale Produkte meist auch preisgünstiger und qualitativ hochwertiger.
So wie wir die Umwelt respektieren, wollen wir auch unseren Mitmenschen und deren Kultur Respekt entgegenbringen, gerade im Hinblick auf deren Traditionen, Religion oder typische Gebräuche. So können ein Lächeln oder ein paar Worte in der Landessprache Berge versetzen!
Farbenprächtige Bougainvillea, die sich im Sonnenschein über eine Hauswand in Sirmione rankt.
Alpin geprägt mit viel Natur und hohen Berggipfeln
Der See ruht still zu Füßen der Berge, als spiegle er ihre Träume, hier gesehen von der Bastione in Riva del Garda.
Buonconsiglio – wo die Zeit stehen geblieben scheint, ganz ohne Eile.
Unerwartetes Kulturelles Kleinod
Das norditalienische Städtchen punktet mit seinem historischen Stadtkern und überrascht mit dem Kunst- und Kulturviertel San Marino.
Je nach Blickwinkel ist die italienische Stadt Trento, zu Deutsch Trient, das Tor zum Norden – oder zum Süden. Aber die lebendige Universitätsstadt mit Museen, Geschäften, Restaurants und Cafés ist weit mehr als nur ein Halt auf der Reise an den Gardasee. So ist die kleine Alpenmetropole mit ihrer wunderschönen Altstadt und den prächtigen historischen Palästen durchweg auch einen längeren Besuch wert. Kenner wissen um das Herz der Stadt, den Domplatz mitten in der Altstadt sowie die imposante, im romanischen Stil errichtete Kathedrale San Virgilio, den sehenswerten Palazzo Pretorio und den berühmten Neptunbrunnen.
Wie wäre es mit einem Besuch im Schloss bzw. auf der Festung Buonconsiglio, die im Nordosten der Altstadt thront? Kenner werden aufschreien: »Nichts Neues!«. Und ja, es stimmt – aber es geht um den Zeitpunkt des Besuchs: nämlich außerhalb der Hauptsaison, versteht sich! Denn dann findet man ein Idyll an Ruhe und Entspannung nicht nur in dem wunderschönen italienischen Park vor. Der einstige Sitz der Herrscher von Trient ist von Türmen und Mauern umgeben und die bedeutendste Burg der Region, vor allem wegen der eindrucksvollen gotischen Fresken: Der aus zwölf Bildern bestehende Ciclo dei Mesi (Zyklus der Monate) ist im Adlerturm der Burg zu bewundern und zeigt die Landschaft der Umgebung im Wandel der Jahreszeiten. Übrigens ist im Schloss seit 1973 das regionale Kunstmuseum untergebracht. Zahlreiche Kunstsammlungen, von Bildern und Skulpturen bis hin zu wertvollen Manuskripten, Kachelöfen sowie archäologischen und numismatischen Sammlungen, kann man in den alten Räumen bewundern. Kleiner Tipp: Die Parkgarage des Hi Hotels liegt fast um die Ecke.
Trients Innenstadt ist noch ziemlich überschaubar. Was gibt es da Schöneres, als durch die schmalen Gassen mit ihren wunderbaren Geschäften und Cafés zu Bummeln? »Giro al Sass«, diesen Ausdruck kennt jeder Trentiner; er beschreibt eine klassische Spazierrunde durch die Straßen der Stadt. Und was man dabei nicht alles entdecken kann: kleine familiäre Buchhandlungen wie die Libreria Due Punti, individuelle Boutiquen, lokale Feinkostläden und wunderbare Cafés wie das La Vie en Rose mit seiner charmanten Einrichtung. Die gemütliche Osteria Il Libertino oder Le due Spade mit ihrer winzigen getäfelten Gaststube – eine echte Institution. Oder die älteste Wurstwarenhandlung des Trentino, La Salumeria Belli, die am Fuß des Monte Bondone liegt.
Wer eine komplette Aussicht über Trient sucht, für den ist die Busa degli Orsa genau das Richtige. Benannt nach den Bären, die hier bis in die 1990er-Jahre zu Hause waren (man stelle sich das vor!), kann man Sardagna (siehe Kapitel Nr. 3) vom Zentrum aus erreichen. Wo heute die moderne Konstruktion aus Cortenstahl am Felsvorsprung hängt, befand sich früher das Bärengehege, der Namensgeber. Der Ausblick von der installierten Panoramaterrasse auf die Stadt reicht weit, aber eigentlich ist die Seilbahnfahrt vom Etschufer nach Sardagna auf 600 Metern das Außergewöhnliche dabei. Besonders schön, um bei Sonnenuntergang ein Glas Wein zu genießen – um 22.30 Uhr fährt übrigens die letzte Seilbahn zurück ins Tal.
Das Castello del Buonconsiglio ist das bedeutendste profane Bauwerk des Trentino.
Ansonsten lohnt sich der Weg über die Etsch. Gleich nach der Brücke kann man sich von der bunten Schönheit des Viertels Piedicastello einfangen lassen. Es handelt sich um eines der ältesten Viertel der Stadt und das zeigt sich besonders durch die zahlreichen historisch-architektonischen Zeugnisse, die man hier findet. Darunter ist nicht nur der Dosso Trento, der zusammen mit dem Dosso di San Rocco und dem Dosso Sant’Agata die drei Zähne des antiken Tridentum Romana bildet, sondern auch die außergewöhnliche Kirche Sant’Apollinare (Chiesa die Saint’Applinaire) aus dem 14. Jahrhundert, die sich gegenüber der Lungadige Marco Apuleio erhebt und den Platz Piedicastello beherrscht.
Die Kirche besticht mit ihrer merkwürdigen Kombination künstlerischer Elemente aus verschiedenen Epochen. Man kann bei genauer Betrachtung der Mauern und der Pilaster sogar Spuren von Materialien aus der Römerzeit entdecken. Die Inschrift aus dem Jahr 23 v. Chr. ist einer der ältesten Funde im Trentino. In der Fassade sticht das interessante Portal im spätromanischen Stil hervor. Im Inneren, wo kürzlich bei Restaurierungsarbeiten Überreste eines Freskenzyklus ans Tageslicht kamen, befinden sich drei Marmoraltäre und ein Holzkruzifix aus dem 18. Jahrhundert.
Gleich daneben liegt die Galerie Piedicastello. Der Name Le Gallerie lässt nicht gleich erahnen, dass es sich um ein außergewöhnliches Museum handelt. Man sollte sich bei der Erkundung auf eine Erfahrung der anderen Art vorbereiten, interaktiv und mitreißend. In den beiden einstigen Straßentunneln befinden sich nämlich seit 2007 zwei supermoderne Ausstellungsräume: die Galleria Nera und die Galleria Bianca. Die Galleria Nera, der »schwarze Tunnel«, ist ein 300 Meter langer Raum mit großen Installationen aus Fotos, Videos u. Ä., die über die Geschichten Olympias und des Trentino erzählen. Die Galleria Bianca, der »weiße Tunnel«, bietet hingegen Raum für temporäre Ausstellungen und Events. Der Besuch der Tunnel ist übrigens kostenfrei, nur Führungen sind kostenpflichtig. Wer nach dem Besuch im Stadtteil Piedicastello noch Lust auf eine schöne Wanderung in der Natur hat, der kann das Mausoleum von Cesare Battisti, eines Trienter Geografen, der im späten 19. Jahrhundert lebte, zu Fuß erreichen.
Ein Platz, den viele Einheimische kennen und lieben: La Vie en Rose.
Info
Kastanien-Panorama-Wanderung
Start ist in Trient mit der Seilbahn nach Sardagna (siehe oben). Von der Bergstation folgt man ein Stück der SP85 (siehe Kapitel 3), biegt dann rechts ab auf die Via del Ronco d’Andrea Richtung Passo Camponzin. Ein schmaler Weg führt nordwärts durch Felder und Kastanienhaine bis zum Parco de le Poze mit Blick ins Etschtal. Danach zurück auf die SP85, bergauf bis zur fünften Kehre, dort folgt man den Schildern nach Candriai durch Wald und über Schotterwege. Von Candriai aus wandert man über den Talweg des Rio di Sardagna bergab zurück nach Sardagna – vorbei an Kastanienwäldern, alten Wasserfassungen und einer kleinen Kirche mit Ausblick über das Tal. Dauer: ca. 2–2,5 Std., einfach, aussichtsreich, und schattig durch Kastanienhaine!
Weitere Informationen
Anreise: Mit dem Auto, dem Motorrad oder dem Wohnmobil fährt man auf der Brennerautobahn A22, die das gesamte Etschtal in Nord-Süd-Richtung durchquert und im Süden in die A1 Mailand – Neapel und in die A4 Mailand – Venedig mündet. Mit der Bahn kommt man entweder direkt am Bahnhof Trient oder in Rovereto an. Im Trentino kann man sich in jeder Saison mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einfach und bequem (lokales Bus-, Bahn-, und Seilbahnnetz) fortbewegen.
Auf den Monde Bondone geht es vom Ponte San Lorenzo in Trento mit der Seilbahn Funivia.
Die Valle dei Laghi wird ihrem Namen gerecht: ein Tal voller Seen.
Von Einem See Zum Nächsten
Die Valle dei Laghi zwischen Trient und Riva del Garda verspricht wunderschöne Ausblicke, malerische Dörfer und weite Weinberge.
Die Valle dei Laghi – Tal der Seen – erstreckt sich in der südwestlichen Region des Trentino und bietet aufgrund der vielen Seen nicht nur den Anblick wunderschöner Naturlandschaften, sondern auch die Möglichkeit, die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte in alten Burgen, Schlössern und Baudenkmälern zu erleben.
Geheimtipp: Die ruhigste und schönste Zeit, um das Tal in seiner ganzen Pracht zu genießen, ist das Frühjahr, wenn die Natur erwacht, oder im Herbst, wenn alles in den buntesten Farben leuchtet. Dann kann man auf einem der unzähligen Feldwege einsam spazieren gehen oder eine Wanderung auf den Gebirgspfaden unternehmen, um aus der Höhe die azurblauen Wasserspiegel zu bewundern. Man kann auf den sanften Hügeln oder im Tal eine Radtour unternehmen oder mit dem Mountainbike bis hinauf zu den verstreut liegenden Berghütten fahren. Auch Ausritte sind möglich, man kann mit dem Drachenflieger über die Seen und Schlösser gleiten oder in Stravino seine Kondition und Stärke auf dem Fitnesspfad versuchen. Wer höher hinaus will, der geht zum Freeclimbing in die Felswände, auf ausgewiesene Bergpfade oder in Klettergärten.
Die Valle dei Laghi ist aber nicht nur eine Oase der Naturschönheiten und malerischen Landschaften. An ihren Monumenten aus der Römerzeit, den alten Schlössern, Kirchen und Häusern der Adeligen kann man die glorreiche Vergangenheit erahnen. Wege und Pfade wie der Antonio-Stoppani-Weg, die römische Straße von der Valle di Cavedine (siehe Kapitel Nr. 5) oder der Saumpfad von Schloss Toblino führen zu den grünen Wiesen der Frate (im Tal der Seen), zu den kleinen Gebirgsseen und in alte Dörfer. So kann man oftmals einsame Orte und Landschaften von großem Reiz entdecken.
Auch die Pflanzen- und Tierwelt, die Waldfrüchte und der Obstanbau des Tals sind erwähnenswert: die guten Äpfel und Edelkastanien von Drena oder die Pflaumen von Dro. Aus den Trauben wurden hier schon immer rote und weiße Qualitätsweine, Tresterschnaps, die bekannten Spumanti Valle dei Laghi und der Vino Santo erzeugt. Außer den üblichen Gerichten kann man fast überall auch einheimische Produkte wie guten Käse und Pasta kosten und dadurch, dass Obst und Gemüse vor Ort angebaut werden, wieder auf den Geschmack der einfachen Gerichte der italienischen Vorfahren kommen.
Der Toblinosee in der Valle dei Laghi ist das romantische Ziel schlechthin.
Info
Seen So Weit Das Auge Reicht
Ein Tal voller Seen. Manche größer, manche kleiner. Manche über die regionalen Grenzen hinaus bekannt – andere noch eher unbekannt. Kein Wunder also, dass sich in diesem Tal auch so einige versteckte Badeseen befinden, wie der Lamar-See, der Heilige See (Lago Santo), der Lagolo-See oder der Terlago-See (siehe auch Kapitel 3).
Weitere Informationen
Die Valle dei Laghi, eine subalpine Seenplatte nördlich des Ortes Sarche, erstreckt sich zwischen dem Gardasee und Trient. Dort entdeckt man auch charmante Ortschaften wie das kleine, geschichtsträchtige Dorf Santa Massenza (Hauptstadt des Grappa), Vezzano, Padergnone, Sarche oder Ranzo.
Es Gibt Viel Zu Sehen
Abseits der großen Touristenpfade führt die SP85 durch stille Dörfer, vorbei an historischen Schlössern, glitzernden Seen und alpiner Naturvielfalt – eine landschaftlich reizvolle Route für Genießer.
Nur wenige Minuten von den lebhaften Straßen Trients entfernt beginnt eine beeindruckende Panoramastraße: die Strada Provinciale 85 (SP85). Wer dem städtischen Trubel entfliehen möchte, findet hier stille Orte, authentische Begegnungen und überraschende Perspektiven auf Geschichte und Natur.
Gleich zu Beginn empfiehlt sich ein Stopp im kleinen Ort Sardagna. Hier liegt etwas versteckt die Villa Rizzi, ein Projekt der Comunità Murialdo. Inmitten eines Gartens werden regionale Spezialitäten produziert und verkauft – ideal für eine kurze Rast. Gleichzeitig ist die Villa ein sozialer Lernort für junge Menschen, die sich hier handwerklich, gärtnerisch und persönlich weiterentwickeln.
Weiter Richtung Candriai lohnt sich ein kleiner Abstecher nach Terlago. Der beschauliche Ort besticht durch das Castel Terlago (Schloss Terlach) und die Kirche San Pantaleone aus dem 16. Jahrhundert, die am Ortsrand zu finden ist. Leider ist das Schloss nicht zu besichtigen, da es in eine private Residenz umgewandelt wurde. Aber man kann wunderbar durch die engen Gassen der Stadt und entlang der Burgmauern schlendern und die Aussicht genießen. Die Burg wurde früher zu Verteidigung- und Kontrollzwecken zwischen dem Sarca- und dem Nons-Tal erbaut. Der Legende nach schwebt heute noch der Geist einer Gräfin durch die Räume des Castels und bewacht einen sehr kostbaren Schatz.
Wunderschön gelassen ist auch der Lago di Terlago (Terlachsee). Reich an Unterwasserflora und -fauna bildet er das üppigste See-Ökosystem im Trentino. Sein Wasser ist bräunlich-olivfarben, eine außergewöhnliche – nicht wirklich schöne – Farbe, die von den vielfältigen Pflanzen herrührt. Übrigens reichen die ältesten archäologischen Zeugnisse, nämlich eine Siedlung an den Ufern des Sees, in das ausgehende Paläolithikum zurück, d. h. ca. 10.000 v. Chr.
Noch stiller wird es an den beiden Seen unterhalb des Monte Paganella: dem Lago Santo (Heiliger See) und dem Lago di Lamar (Lamar-See). Entstanden durch einen Erdrutsch, bezaubern sie mit ihrer friedlichen Lage. Übrigens befindet sich auf einem unebenen Felsen über dem Lago Lamar eine tiefe Höhle, die aber nur von erfahrenen Höhlenforschern begangen werden darf. Sie zählt mit 400 Metern Höhenunterschied zu den tiefsten Höhlen des Trentino und besteht aus vielen miteinander verbundenen Brunnen und Mäandern, von denen einige immer noch unerschlossen sind.
