Seelenfragmente - Louisa August - E-Book

Seelenfragmente E-Book

Louisa August

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Beschreibung

Lesbische Kurzgeschichten & Flash Fiction über flüchtige Begegnungen, unerwiderte Liebe und Einsamkeit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 45

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Für Penelope.

INHALT

Du

Elisa

London

Orion

Ich

DU

Du hast viele schlechte Angewohnheiten. Du bist unpünktlich, unaufmerksam und vergesslich. Tollpatschig. Ignorant und oberflächlich. Und manchmal regelrecht unsympathisch.

Du entschuldigst dich nie.

Ich beobachte dich von weitem. Aus sicherer Entfernung. Je weiter ich von dir entfernt bin, desto weniger Makel kann ich an dir wahrnehmen.

Und mein Herz beruhigt sich.

Durch Zufall gerate ich in deine Nähe. Etwas erinnert mich an dich. Ein Fehler. Eine Geschichte oder ein altes Kleid in meinem Schrank, das ich längst wegwerfen wollte. Ich halte es in meinen Händen, denke darüber nach, ob ich es vermissen würde. Ich erinnere mich daran, wie du darin ausgesehen hast. Dann lege ich es in den Schrank zurück. Du bist meine schlechte Angewohnheit.

Und mein Puls beschleunigt sich.

Wenn ich an dich denke, ist es so, als würde ich gleichzeitig Gas geben und auf die Bremse treten. Ich bleibe auf der Stelle stehen.

Die Gedanken an dich breiten sich in meinem gesamten Körper aus.

Du, in sicherer Entfernung, bemerkst das überhaupt nicht.

Ich würde dich am liebsten überfahren.

Stillstand mit Vollgas.

ELISA

Kaum jemand wusste noch, dass es diesen Ort einmal gegeben hatte. Niemand verirrte sich mehr hier hin. Dazu war der Club zu versteckt. Früher gingen die Studenten der Stadt hier noch ein und aus. Dann aber, nachdem sich der Inhaber verschuldet hatte, war das Gebäude der Natur überlassen worden. Überall wucherte Unkraut. Die bunten Farben sind einem alten Grau gewichen und der Beton bröckelte. Dabei waren nicht einmal viele Jahre vergangen. Das Gebäude gab nur vor, älter zu sein als es eigentlich war. Doch die Erinnerungen lagen gar nicht so weit zurück. An der Eingangstür war ein Verbotsschild angebracht. Kein Zutritt! Die Tür war mit einem rostigen Schloss versehen. Um den Club herum lagen immer noch Glasscherben von alten Bierflaschen. Vielleicht war dies aber auch zu einem Ort geworden, an dem sich verlorene Seelen nachts zum Trinken trafen. Kein großer Unterschied zu damals. Doch die Wände hatten Risse bekommen.

Ich hatte mich damals bei dem Club als Servicekraft beworben. Obwohl ich selbst nicht gerne ausging und Party machte, hoffte ich doch, so quasi dazu gezwungen zu werden und neue Leute kennenzulernen. Die meisten meiner Kollegen waren in meinem Alter und studierten an derselben Uni wie ich. Sie waren sehr nett und es fühlte sich an, als seien alle bestens miteinander befreundet. Sie hatten Insider-Witze, machten sich über die Eigenheiten der Gäste lustig und bildeten so etwas wie eine verschworene Gemeinschaft. Viele von ihnen kamen auch in ihrer Freizeit und unterhielten sich mit denen, die gerade Dienst hatten. Oftmals blieben sie noch lange nachdem der Laden längst zugemacht hatte und führten im Geheimen ihre eigene kleine Party fort. Zumindest glaube ich, dass sie das taten. Ich war nie dabei gewesen. Ich hatte es nie geschafft über meinen Schatten zu springen und neue Freundschaften zu knüpfen. Über den Smalltalk kam ich einfach nicht hinaus und auch der verlief meistens stockend, weil ich mich andauernd verhaspelte. Immer dachte ich, dass ich nun ja nichts Falsches sagen sollte. Ich musste unbedingt cool und lässig erscheinen, damit sie mich auch einmal einluden, länger mit ihnen dortzubleiben. Doch natürlich ist man nicht cool und lässig, wenn man es sich vornimmt. Und so stotterte ich meine kleinen Anekdoten herunter, bekam ein nettes Lächeln und eine kurze nichtssagende Bemerkung als Dankeschön. Ja, sie waren nett zu mir. Aber ich blieb eine Außenstehende.

Im Grunde war ich nicht sonderlich enttäuscht darüber. Zwar waren die Kollegen, wie gesagt, alle nett, aber mehr auch nicht. Sie wirkten manchmal sogar etwas unehrlich. Zu lässig, zu gut gelaunt. So, als ob sie wussten, dass es Außenstehende wie mich gab, die sie beobachteten und vor denen sie die Fassung bewahren wollten, um sich besser zu fühlen. Mir gefiel dieses Spiel nicht und wahrscheinlich wirkte ich auf sie wiederum viel zu ernst. Man sah mir sicherlich an, dass ich nicht so sorgenfrei und unbekümmert war wie sie. Es gab allerdings eine Ausnahme.

Elisa. Ich wünschte mir sehnlichst, mit ihr einmal in ein längeres Gespräch vertieft zu sein, doch bei der Arbeit ergab sich auch mit ihr immer nur das kurze „Wie geht's dir?“ Ich weiß noch, dass sie strahlend helle blaue Augen hatte, mit denen sie mich gelegentlich dabei ertappte, wie ich sie musterte. Manchmal, wenn sie neben mir an der Bar ausschenkte, scheinbar vergnügt die Gäste bediente und den einen oder anderen Flirt erwiderte, drehte sie sich zu mir und sah mich mit einem Blick an, der mir zu verstehen gab, dass auch sie erschöpft war und sich wünschte, woanders zu sein. Sie musste nicht um jeden Preis unbekümmert wirken. Sie war vielleicht zwei, drei Jahre älter als ich und arbeitete schon etwas länger in dem Club. Ich fand heraus, dass sie Grafikdesign studierte und in ihrem letzten Studienjahr war. Ein Fakt, der mich unruhig werden ließ, denn das bedeutete auch, dass sie bald aufhören würde, hier zu arbeiten und meine Chance, sie näher kennenzulernen, wäre dahin gewesen.