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Wenn wir den Hund an unserer Seite verstehen, erweitern wir unser eigenes Bewusstsein. Der Hund verhält sich auffällig und keine noch so gute Trainings- oder Behandlungsmethode zeigte bislang Wirkung? Dann kann es ratsam sein, einmal genauer bei sich selbst zu schauen, denn viele Hunde reagieren auf die psychischen Wunden ihrer Menschen. Indem ein Hund auf verschiedene Weisen die Traumatisierungen seines Menschen spiegelt, macht er ihn auf diese aufmerksam, damit sie bewusst werden und heilen können. Dies ist für Hunde sehr, sehr kräftezehrend und geht nicht nur ihnen unter die Haut. Sie tragen aus Liebe eine große Last für ihre Menschen, unter der die Hundeseelen nicht selten selbst zerbrechen können. Dieses Buch möchte Hundehaltern aufzeigen •wie ihr Hund sie spiegelt, •wieso sie sich fühlen, wie sie sich fühlen, •woher ihr Leid stammen könnte, •wie sie ihre eigene innere Not auflösen und •wie sie ihren Hund damit entlasten können. Anhand von Beispielen aus ihrer Praxis teilt die Autorin ihre über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen als systemische Familien- und Traumatherapeutin und stellt uns ein praktisches 6-Schritte-Programm vor, mit dem wir unser Leben und das unseres Hundes in neue, harmonische Bahnen lenken können.
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Seitenzahl: 381
Veröffentlichungsjahr: 2023
BIRGIT RUSCHE-HECKER
Hinweis
Die Angaben in diesem Buch sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Sie sind weder ein Ersatz für Medikamente noch für irgendwelche ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlungen. Hinsichtlich des Inhaltes dieses Werkes und der darin dargestellten Resultate sowie Literaturempfehlungen und Webseiten Dritter geben der Verlag und die Autorin weder indirekt noch direkte Gewährleistung. Demzufolge können und sollen die Inhalte dieses Buches keinen Arztbesuch ersetzen und stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose dar. Empfehlungen hinsichtlich Diagnoseverfahren, Therapieformen oder Ähnlichem werden nicht gegeben. Autorin und Verlag übernehmen somit keinerlei Haftung.
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Copyright © 2022 Verlag »Die Silberschnur« GmbH
ISBN: 978-3-96933-062-3
eISBN: 978-3-96933-941-1
1. Auflage 2023
Umschlagfoto: Verena Scholze, www.Verena-Scholze.de
Umschlaggestaltung & Satz: XPresentation, Güllesheim
Verlag »Die Silberschnur« GmbH · Steinstraße 1 · D-56593 Güllesheim
www.silberschnur.de · E-Mail: [email protected]
Tiere besitzen eine Kraft,die es ihnen ermöglicht, auf ganz besondere Weiseunsere Seele zu berühren.
Birgit Rusche-Hecker
Vorwort – Wer bist du wirklich?
Einleitung
Gebrauchsanleitung
1. Kapitel: Was ist und wie entsteht ein Trauma?
Ein kleiner Einblick in die inneren Prozesse
Die Definition von Trauma
Welche Arten von Traumata gibt es?
Unser Nervensystem
Darf ich dir das ANS vorstellen?
Was bei Stress in deinem Körper passiert
Das “Window of Tolerance”
Polyvagaltheorie
Drei neuronale Kreisläufe der Anpassung
Erste hilfreiche Tipps
2. Kapitel: Auswirkungen von Entwicklungstraumata
Entstehung von Entwicklungstraumata
Die Folgen unsicherer Bindungserfahrungen
Beispiel: Ina mit Moon & Gina
Bindungsstörungen
Beispiel einer Klientin und ihrem gereizten Hund
Bindungsmuster
Und andere unangenehme Gefühle
Die Scham
Das Tränenmeer im Dampfkochtopf
3. Kapitel: Was es für die Heilung braucht
Ein bisschen mehr Sicherheit
Orientierung
Memory-Karten
Beispiel: Merlin und die Gardine
Sichere Grenzen
4. Kapitel: So werdet ihr zu einem DREAMTEAM
Welcher Hund ist als Begleiter geeignet?
Was wir von Hunden lernen können
Rudeldynamiken erkennen und natürlich ausgleichen
Der sehnliche Wunsch nach einer sicheren Beziehung
Sichere Beziehungen brauchen Grenzen
Beispiel Grenzüberschreitung
Nuria und der Gartenzaun
Die heutige Beziehung zu den Eltern
Welche Folgen können unsere Projektionen auf unsere Hunde haben?
Versteckte Erwartungen
Wie unsere Hunde unsere Schatten aktivieren
Wie würde ich vorgehen?
Die innere Haltung
Die Spiegelung entschlüsseln
DREAMTEAMS in der Praxis
Dreamteam 1: Ich sprenge deine Grenzen!
Dreamteam 2: Wo bist du?
Dreamteam 3: Du musst nichts tun, um hier sein zu dürfen
Beispiel: “Bitte funktioniere wieder ‘normal’”
Warum ist dein Hund bei dir?
Wie können wir unsere Hunde entlasten?
Das 6-Schritte-Programm zum Dreamteam
Wenn das Lebensende uns trennt
Was aber, wenn die Verbindung ganz abreißt?
Zeit, ehrlich in den Spiegel zu schauen
5. Kapitel: Deine Heldenreise
Warum eine Therapie so wichtig ist
Der IST-Zustand einer traumatisierten Gesellschaft
Vorsichtig wieder fühlen lernen
Therapie in der Praxis
Therapiemethoden für die Arbeit mit Traumata
1. Somatic Experiencing
2. EMDR
Weitere Möglichkeiten zur Beruhigung des Nervensystems
Atmung
Achtsamkeit & Meditation
Entspannungstechniken
Schnelle Hilfe
Inspirationen für deine Heilung
Gehirn-Herz-Kohärenz
Das Gesetz der Resonanz
Welchen Wolf fütterst du?
Die Heldenreise durch das innere Tränenmeer
Einladung zu deiner Heldenreise
Die 7 Stationen deiner eigenen Heldenreise durch das innere Tränenmeer
Spiritualität
Meine Sicht auf das nicht Sichtbare
Der Seelenplan
Meine eigenen Erfahrungen
Besucher aus fremden Welten
Meine Reise nach Hause
Nachwort
Buchempfehlungen
Über Birgit Rusche-Hecker
Dieses Buch widme ich allen Tieren, die daran mitwirken, uns Menschen wieder an unsere wahre Natur zu erinnern.
Ich danke meinen Klienten und ihren Tieren, die mir ihr Vertrauen schenken. Ihr bringt den Mut und die Kraft auf, euch euren tiefsten Ängsten zu stellen, damit es euch, aber vor allem euren Tieren wieder besser gehen kann. Auch euch mutigen Seelen sei dieses Buch gewidmet, denn ihr habt mich zum Schreiben inspiriert und mir immer wieder gesagt, wie wichtig es sei, dass viele Menschen diesen Weg finden können, den ihr bereits eingeschlagen habt.
Mit diesem Buch danke ich euch von ganzem Herzen!
Als Baby warst du noch mit der Quelle verbunden, aber die Welt um dich herum hat dich abgelenkt, deine wilden Triebe gestutzt und dich und diese Verbindung vergessen lassen. In stillen Momenten, wenn du eine tiefe Sehnsucht fühlst, möchte deine Seele dich erinnern und spricht leise zu dir. Aber du traust ihr nicht mehr. Du traust dir nichts mehr zu.
Als Kind hast du noch alles für möglich gehalten, aber es wurde dir ausgeredet oder belächelt. Deine Seele erinnert dich täglich, aber du kannst sie nicht mehr hören. Irgendwann hat sie sich immer wieder neue Strategien einfallen lassen und lauter rufen müssen, damit du sie wahrnimmst: Du wurdest aus unerklärlichen Gründen krank, hattest einen Unfall, wurdest verlassen, hast ein geliebtes Wesen verloren oder wurdest zutiefst gedemütigt. Aber du konntest deine Seele immer noch nicht fühlen, sie nicht hören, und du dachtest, du seist mutterseelenallein auf dieser Welt.
Was für eine schlimme Erfahrung das für dich gewesen sein muss!
Nach und nach hast du dein Herz verschlossen und das Fühlen eingestellt, weil es einfach zu schmerzhaft war. Das vielleicht einzige Wesen, dem du heute noch vertrauen kannst, ist dein Hund, den du über alles liebst, bei dem du dich verstanden und mit dem du dich verbunden fühlst. Bei ihm kannst du sein, wie du wirklich bist – verletzlich, zart, offen, schwach und unglaublich müde vom Durchhalten. Durch deinen Hund fühlst du dich nicht mehr ganz allein in dieser Welt. Wie gut, dass er als treuer und loyaler Begleiter an deiner Seite ist!
Ich verstehe deine Verzweiflung, deinen Schmerz, und ich weiß, wie hilfreich es sein kann, einen Hund an seiner Seite zu haben. Dein Hund erinnert dich täglich daran, dir und dem Leben zu vertrauen und das, was alles in dir steckt und unbedingt in die Welt möchte, endlich rauszulassen und wirklich zu leben! Er zeigt dir all die Hürden und Hindernisse in dir auf, die dich davon abhalten, deiner Seele zuzuhören und dich von ihr leiten zu lassen.
Deine Ängste sind die dunklen Wolken der Vergangenheit, die die klare Sicht nach vorn behindern. Deine Sehnsüchte sind wie die Lichter deiner Seele, mit der sie dir den Weg zeigen möchte. Irgendwo dazwischen befindest du dich gerade und suchst vielleicht nach Orientierung und nach deinem Weg. Erinnere dich. Vertraue dir! Glaube dir!
Genau so, wie du geboren wurdest,
bist du gedacht – und nicht anders!
Werde wieder der Mensch, als der du in diese Welt gekommen bist.
Stell dir nur einmal vor, was alles in deinem Leben möglich wäre und wie befreit du dich fühlen und wie sehr du es genießen würdest, wenn du wahrhaftig DU selbst sein könntest!
Und bist du einmal unsicher, dann schau in die Augen deines Hundes. Dort begegnest du diesem zauberhaften Wesen deines Gefährten und lernst mehr und mehr, dich selbst zu erkennen.
Dein Hund ist ein Spiegel und ein Begleiter deiner Seele – er ist dein Seelenhund!
Wenn im Frühjahr das welke Grau der Wiesen dem Grün Platz macht, so geschieht dies dadurch, dass Millionen von Trieben aus den Wurzeln neu sprossen. Also auch kann die Gedankenerneuerung, die für unsere Zeit kommen muss, auf keine andere Weise zustande kommen, als dass die vielen ihre Gesinnungen und Ideale aus dem Nachdenken über den Sinn des Lebens und den Sinn der Welt neugestalten.
Albert Schweitzer,
ev. Theologe, Philosoph und Arzt (1875-1965)
Dieses Buch entsteht im Sommer 2022. Eine globale Pandemie scheint allmählich zu enden, während in der Ukraine ein Krieg tobt und weltweit große Unruhe herrscht. Nach wie vor sind viele Menschen zutiefst verunsichert und bangen um ihre Gesundheit sowie um ihre Existenz. Inwieweit all diese Belastungen sich möglicherweise traumatisch auswirken werden, können wir heute nur erahnen. Dabei wurden mögliche Traumatisierungen vorangegangener Kriege, die der Kindheit oder anderer Ereignisse bis heute noch nicht vollends aufgearbeitet – und nicht wenige Menschen fühlen sich angesichts der aktuellen Bedrohungen an sie erinnert und nicht selten wie gelähmt.
So dramatisch es für uns alle ist, aber könnte das aktuelle Zeitgeschehen, auch wenn dies sicher ein wenig ungewöhnlich klingen mag, vielleicht auch ein vom Himmel geschickter Tsunami für die Transformation unserer Erde sein, der mit seiner tiefen Erschütterung eine gigantische Flutwelle aus Bewusstsein in die verschlossenen Herzen vieler Menschen spült?
Viele trifft dies überraschend und mit voller Wucht, andere hatten schon vorher schwere Krisen erlebt, in denen sie den wahren Sinn des Lebens hinterfragen konnten.
So kam vor Jahren bei einem Spaziergang mit meinen Hunden die Frage
‘Wer oder was bist du, wenn alles andere wegbricht?’
zu mir und rüttelte mein scheinbar sicher eingerichtetes Leben bis tief hinunter in die Basis ordentlich durch. Ich bin dem wirklich ungemütlichen Drängen dieser Frage nach innen gefolgt, habe mich meinen Ängsten gestellt und darüber erkannt, dass ich mein Leben vollkommen umkrempeln möchte. Dafür hatte ich viele Jahre Zeit. Die meisten hatten diese Zeit jedoch nicht oder ahnen bis heute nicht einmal, dass auch ihr Leben einen tieferen Sinn für sie bereithält.
Altes muss zusammenbrechen,
damit das Wahrhaftige
zum Vorschein kommen kann und
der Phönix aus der Asche aufsteigen kann.
Kollektiv werden wir spätestens seit dem Beginn der Pandemie getriggert, wodurch in jedem von uns verdrängte Themen an die Oberfläche gespült werden. Dies fühlt sich für viele an wie ein Sturm im Inneren, welcher mit jeder neuen Nachricht die Flammen eines nicht mehr kontrollierbaren Flächenbrandes anfacht, der teilweise dramatische Züge anzunehmen droht und dadurch weitere Ängste aktiviert.
Ich sehe all dies, auch wenn es wirklich turbulent zugeht, als die größte Chance der Menschheit!
Mittlerweile glaube ich, jemand hat gerade noch rechtzeitig beschützend ins Spielfeld Erde eingegriffen, um den totalen Kollaps zu verhindern, auch wenn es sich für die meisten von uns überhaupt nicht danach anfühlen mag.
Als ich vor wenigen Jahren das Buch Fühlende Wesen geschrieben habe, erwähnte ich bereits meine Sorge, dass sich die Menschheit den Ast unter dem eigenen Hintern absägen und in 50 Jahren nicht mehr viel von uns und unserem Lebensraum übrig bleiben würde, wenn wir so weitermachten wie bisher.
Umweltverschmutzung, Waldrodung, Menschenhandel, Tierquälerei, riesige Plastikteppiche in den Meeren und vieles mehr sind die Ergebnisse von der Gier nach Macht, Kontrolle und Geld sowie eines ausgeprägten Narzissmus, der gesellschaftsfähig und zu einem anerkannten Maßstab für Erfolg und Ruhm geworden ist. Jeder gegen jeden wurde zur Normalität. Ist es nicht wirklich Zeit, dass sich hier grundlegend etwas ändert?
Solange es Schlachthäuser gibt,
wird es Kriege geben.
Leo Tolstoi
Als in 2020 der erste weltweite Lockdown ausgerufen wurde, sahen Kinder in China zum ersten Mal blauen Himmel. Delfine kamen wieder in Lagunen zurück, in denen man sie lange nicht gesehen hatte. Wildtiere trauten sich tagsüber aus ihren Verstecken, und wir Menschen konnten all dem staunend aus unseren Wohnungen zusehen. Uns wurde gezeigt, was passiert, wenn wir uns zurückziehen bzw. wir diejenigen sind, die eingesperrt werden. Wir durften eine Ahnung davon bekommen, wie sich Milliarden Tiere ihr gesamtes Leben lang fühlen müssen. Ich hoffte damals so sehr, dass dieser Umstand nachhaltig einen Denkprozess und in der Folge entsprechende Veränderungen auslösen würde. Aber dafür reichte es scheinbar noch nicht. Die Menschen hätten vermutlich weitergemacht, und es hätte sich nichts geändert. Kontinuierlich wurden weitere Maßnahmen eingeführt, Lockerungen angekündigt, Versprechungen gemacht und durch die ständigen Änderungen und Ungereimtheiten jede Menge Verwirrung gestiftet. Die Trennung von unseren Liebsten (z. B. durch Lockdowns) hat in vielen von uns den Verlust von Verbundenheit zu allem, was uns Sicherheit gibt, zur Folge gehabt.
Für Menschen, die sich bislang nicht um ihre psychische Gesundheit gekümmert hatten, müssen sich die vielen Monate der Ungewissheit wie Folter angefühlt haben. Einige von ihnen erlebten die ständig wechselnden Umstände wie eine Kugel im Flipperautomat. Tiere wurden adoptiert, um im Lockdown oder Homeoffice nicht allein sein zu müssen. Als wieder gelockert wurde, platzten die Tierheime aus allen Nähten, weil in der Not nur an das eigene Leid gedacht wurde.
Wehe dem Menschen, wenn auch nur
ein einziges Tier beim Jüngsten Gericht sitzt!
Christian Morgenstern
Ich sehe heute viele Menschen, die aufgeschreckt und verunsichert sind. Sie werden durch tägliche Reize in den Medien und durch Mitmenschen weiterhin in einer nicht enden wollenden Angstspirale gehalten und suchen nach Orientierung im Außen – in der Hoffnung, endlich irgendwo sicheren Halt zu finden. Die scheinbare Sicherheit, die sie bisher als Halt empfunden haben, löst sich aber gerade auch immer mehr auf. Die Säulen von Politik, Gesundheitswesen, Kirche und Finanzwesen bröckeln. Überall brodelt es, selbst unter der Erdoberfläche – mehr als jemals zuvor.
Alte Konstrukte im Innen und Außen brechen zusammen.
Umso schwerer fällt es, sich überhaupt vorstellen zu können, dass wir Sicherheit letztlich nur in uns selbst finden. Aber genau das ist gleichzeitig auch die gute Nachricht in all dem, denn es ist möglich!
Damals schon, als ich das Buch Fühlende Wesen schrieb, trieb mich die Frage um, was passieren müsste, um das Bewusstsein aller Menschen zu wecken. Schließlich sitzen wir alle in einem Boot, und das sah ich am Horizont schon kentern. Ich fragte mich daher, was wir tun könnten, um das Ruder noch einmal herumzureißen und in eine Zukunft zu segeln, die für alle fühlenden Wesen erstrebenswert ist. Der einzige Weg, der mir sinnvoll erschien, war die innere Heilung eines jeden Menschen. Bewusste Menschen würden niemals ihren eigenen Lebensraum und andere fühlende Wesen in Gefahr bringen oder gar schädigen.
Also habe ich damals schon meine Leser eingeladen, sich ihrer Heilung zuzuwenden. Mehr denn je sehe dies als den einzig sinnvollen Weg an, für jeden Einzelnen und für das Kollektiv, weshalb dieses Buch noch einen Schritt weiter bzw. tiefer geht, um dich dabei zu unterstützen und deinen Hund zu entlasten.
Alle Menschen können durch ihre eigene Heilung daran mitwirken, die Weichen für unsere Zukunft neu zu stellen, indem sie ihre Ängste transformieren. Frei von Angst kann sich unser Herz wieder öffnen und unsere Liebe frei fließen.
In einer Studie will man die Hirn- und Herzwellen von Probanden gemessen und dabei festgestellt haben, dass, wenn sie sich im selben Raum aufhalten, ihre Gehirnwellen die Herzschläge des anderen erkennen und diese sich aufeinander einschwingen.
Kannst du dir vorstellen, was dies bedeutet?
Jeder einzelne Mensch wird durch die eigene Transformation seiner Traumata und die damit verbundene Herzöffnung die Verbindung zu allen anderen wieder fühlen können. Dadurch wird er zu einer Art Lichtsäule oder Akupunkturnadel für Mutter Erde.
Je mehr sich auf diesen Weg begeben, umso schneller kann die Menschheit kollektiv als Phönix aus der Asche steigen, so wir die Dringlichkeit erkennen und die Chance selbst nutzen. Es war noch nie so wichtig, ein Teil der Lösung zu werden und nicht ein Teil des Problems zu bleiben.
Bewusstwerdung, Heilung oder Erwachen bedeutet nicht zu verändern, wer du in Wahrheit bist, sondern all das wieder abzulegen, was du nicht bist, nämlich deine erworbene Identität. Du bist vollkommen geboren worden und brauchst nichts zu lernen oder zu tun, um hier sein zu dürfen.
Es ist schon längst alles da!
Nur wurde es “verschüttet” und dann häufig ganz vergessen. Diesen Schatz in dir, deinen Wesenskern und dein Potenzial, das gilt es, zu finden und zu bergen.
Manche Menschen aber verzweifeln an ihrem Leid, denn ihre Angst vor diesem ihnen noch unbekannten Weg hält sie zurück, und auch ihr Verstand lässt immer neue Schreckensszenarien entstehen, die wiederum weitere Ängste auslösen.
Dazu eine kleine Metapher, die vielleicht etwas Hoffnung säen kann: Macht sich die Raupe während ihrer Verpuppung Gedanken über ihre sich auflösenden Zellen? Hegt sie mögliche Zweifel, dass sie als kriechendes Tier irgendwann einmal wunderschöne Flügelchen entknittern und davonfliegen wird? Sie kann nicht darüber nachdenken, weil ihr der dafür notwendige Verstand fehlt. Sie gibt sich ihrer naturgemäßen Transformation hin, die im Inneren des Kokons abläuft. Sie bleibt einfach nur dabei und beginnt, sich aus der Puppe herauszuschälen, wenn die Zeit reif dafür ist.
Was glaubst du, wie viele Menschen schon längst hätten schlüpfen können? Sie tun es aber nicht, weil es sich im Kokon scheinbar sicherer anfühlt.
Ich kann das absolut nachvollziehen. Nur wie wäre es, dir und deinem Hund einen klitzekleinen Vertrauensvorschuss zu geben, deine Wünsche und Vorstellungen davon, wie ihr und wie euer Miteinander sein sollte, infrage zu stellen und eurem Transformationsprozess mit Neugierde und viel Liebe entgegenzusehen?
Wir gehen in diesem Prozess 1000 kleine Schritte. Nach zwei Schritten, die wir gemacht haben, gehen wir wieder einen Schritt zurück. Dies mag sich für viele Menschen wie ein Rückfall anfühlen und sie geben frühzeitig auf. Sie können nicht erkennen, dass sie durch die Wiederholung jedes einzelnen Schrittes das Neue festigen und dadurch immer sicherer werden.
Dabei ist es so wichtig, genau dort, wo es eine Grenze zu geben scheint, mutig weiterzugehen. Aber das ist allein nicht immer zu schaffen, weil die Gefühle im Inneren manchmal einfach zu bedrohlich und die Grenzen unüberwindbar erscheinen. Dabei sind diese Grenzen häufig in der Kindheit entstanden und wir haben heute ganz andere Möglichkeiten, ihnen zu begegnen.
Erleben wir in unserer Kindheit etwas Schlimmes, das uns ängstigt und überwältigt, so frieren wir mit diesem Gefühl im jeweiligen Alter ein. Bist du z. B. mit 3 Jahren abends noch einmal wach geworden und musstest feststellen, dass deine Eltern dich schon wieder allein gelassen haben, um mit Freunden essen zu gehen, wirst du sehr wahrscheinlich große Angst zu Hause gehabt haben. Du wurdest dadurch in deinem Gefühl von Sicherheit immer wieder schwer erschüttert. Daraus kann sich eine Angst vor dem Verlassenwerden entwickeln, die dich im späteren Leben noch schwer belastet. Es ist wichtig, sich liebevoll um diesen Teil zu kümmern, der heute immer noch Angst hat – und auf den dich dein Hund möglicherweise schon aufmerksam macht.
In jedem Trauma liegt ein Teil unseres Schatzes verborgen, nämlich deine eingefrorene Lebensenergie und mit ihr zusammen ein wichtiger Anteil von dir, den dein Hund befreien möchte. Ich habe dazu ein Bild von vielen kleinen Eiswürfeln, in denen diese Anteile vor langer Zeit eingefroren sind.
Kümmern wir uns nicht um sie, bleiben diese Anteile in der Vergangenheit stecken. Werden die darin eingefrorenen Gefühle durch unsere Hunde und auch andere Weisen getriggert, reagieren wir mit den Möglichkeiten, die uns im jeweiligen Alter der Traumatisierung zur Verfügung gestanden haben. Daher können unsere Reaktionen und unser Verhalten auf andere dann irritierend wirken, denn es handelt sich um die Reaktionen, mit denen wir als Kind reagiert haben oder hätten, aber vielleicht nicht durften.
Eiswürfel tauen bei Zimmertemperatur langsam auf, wenn wir sie aus dem Eisfach, in unserem Fall aus der Verdrängung holen. In einer Therapie tun wir dies mit viel Zeit und Achtsamkeit, um die darin gebundenen Gefühle, die uns seinerzeit überwältigt haben, diesmal in einem sicheren Umfeld fühlen zu können. Der damals eingefrorene Anteil wird anschließend “nachreifen” können, sich wieder integrieren sowie dich vervollständigen – und dein Hund hat sein Werk vollendet und kann sich entspannen.
Ich möchte dich daher ermuntern, deinen Fokus von dem Problem, das dich beschäftigt, auf diesen kostbaren Schatz in dir umzulenken. Bereits durch diese kleine Korrektur der inneren Haltung kann sich einiges verändern. Eine vollkommen neue, andere Energie durchströmt unseren Körper, wenn wir uns mit Schätzen befassen, oder? Wir fühlen uns nicht mehr wie Opfer, sondern entwickeln Neugierde für die Signale unseres Hundes und die Vorgänge in unserem Inneren. Vorfreude auf unsere Heilung sowie eine innige Beziehung zu unserem Begleiter kommt auf, und wir werden zunehmend handlungsfähig.
Herausforderungen gehören zum Leben dazu und werden uns immer wieder begegnen, damit wir an ihnen wachsen können. Um ein erfülltes Leben genießen zu können und nicht jederzeit neue Überforderungen zu befürchten, sollten wir uns um die Ursachen unserer Ängste kümmern. Dann können wir die Herausforderungen, die das Leben uns bietet, für uns nutzen, um unser Potenzial zu entfalten, das nur darauf wartet und auf das unser Hund uns aufmerksam macht.
Mit diesem Buch möchte ich allen Menschen, insbesondere jenen, die als einzigen Trost ihren Hund an ihrer Seite haben, aufzeigen,
woher ihr Leid stammen könnte,
wieso sie sich fühlen, wie sie sich fühlen,
wie ihr Hund sie spiegelt,
wie sie ihre innere Not auflösen können,
wie sie ihren Hund entlasten können und
wie sie die Liebe zu ihrem Hund frei fließen lassen können.
Meine Seele hat sich für dieses Leben entschieden, um zur Heilung von Menschen, Tieren und der Natur beizutragen. Mein Wirken möchte all die Tiere entlasten, die ihre Menschen spiegeln, indem ich ihre Botschaften übersetze und ihren Haltern helfe, alles aus dem Weg zu räumen, was sie daran hindert, sie selbst zu sein.
Um dies besser zu veranschaulichen, habe ich für dieses Buch einige Fallbeispiele aus meiner Praxis zusammengetragen und erzähle auch hier und da kleine Episoden meiner eigenen Heilreise, denn ich weiß, dass viele Menschen unter den Folgen traumatischer Erfahrungen leiden und sich nicht vorstellen können, dass es auch für sie und ihren Hund einen Weg geben kann, der zu einem erfüllten Leben für beide führt. Ich durfte miterleben, zu was Menschen fähig sind, was sie aushalten und dass sie heilen können – und vor allem, wie sehr Tiere dabei helfen können.
Ja, es ist meist ein Weg, für den man viel Geduld und Zeit braucht, aber bitte gib dich oder deinen Hund niemals auf! Halte durch und bleib dran, denn du hast mit deinem einzigartigen Potenzial einen immensen Einfluss darauf, in welche Richtung sich die Entwicklungen in deinem eigenen Leben, in dem deines Hundes und auch in unserer Welt bewegen werden, selbst wenn es dir jetzt noch nicht bewusst sein sollte.
Stell dir einmal vor, die Menschheit wäre ein Puzzle, das aus 8 Milliarden Teilchen besteht. Jedes Teilchen gibt es nur ein einziges Mal und es passt auch nur an eine einzige Stelle. Gingen alle Teile an ihren Platz, den nur sie ausfüllen können, würden 8 Milliarden Menschen ein großes Ganzes ergeben, in dem alle Teile harmonisch ineinandergreifen. Würde auch nur ein Teil fehlen, wäre das Ganze nicht mehr komplett. Merkst du, wie essenziell der Einsatz deines Hundes ist, der dich daran erinnern will, ganz DU zu werden? Wir alle warten auf dich!
Unsere Hunde helfen uns auf ihre zauberhafte Art dabei, ganz wir zu werden, und mit dem Lesen dieses Buches wirst du vielleicht feststellen können, dass du niemals alleine warst und auch niemals sein wirst!
Wenn du wüsstest, wer auf deinem Weg,
den du gewählt hast, ständig neben dir geht,
hättest du nie mehr Angst oder Zweifel.
Ein Kurs in Wundern
Viel Freude beim Lesen!
Alles Liebe
Birgit
Bitte betrachte dieses Buch nicht als weiteres Konsumgut oder Lehrbuch, sondern vielmehr
als Achtsamkeits- und Bewusstseinsübung,
als Einladung zu deiner eigenen Heldenreise,
als liebevollen Kuss auf dein Herz und die Stirn deines Hundes und
als Seelenbalsam für dich und dein Leben sowie
als große Chance, einen Weg für dich zu finden und deinen Hund zu entlasten.
Dieses Buch behandelt die Ursachen und Auswirkungen von tiefen Verletzungen der menschlichen Psyche und stellt den Zusammenhang zu den daraus resultierenden Schwierigkeiten im Zusammenleben von Menschen und ihren Hunden her. Indem Hunde auf verschiedene Weisen die Traumata ihrer Menschen spiegeln, machen sie ihn auf sie aufmerksam, damit sie bewusst werden und geheilt werden können. Dies ist für Hunde meist sehr, sehr kräftezehrend und geht nicht nur ihnen unter die Haut. Einige tragen aus Liebe eine große Last für ihre Menschen, unter der die Hundeseelen aber auch selbst zerbrechen können.
Du wirst zunächst einen kleinen Einblick auf den Einfluss von Gehirn und Nervensystem erhalten, damit du dich, deinen Hund sowie eure möglichen Probleme besser verstehen und zuordnen kannst. Im Anschluss an den fachlichen Teil erfährst du, was wir von Hunden lernen und wie wir Rudeldynamiken erkennen sowie ausgleichen können. Ich stelle dir Fälle aus meiner Praxis vor, anhand derer ich dir aufzeige, wie komplex die Spiegelungen unserer Schatten durch die Tiere ausfallen können. Außerdem gebe ich dir mein 6-Schritte-Programm an die Hand, mit dem du eure Beziehung hinterfragen bzw. verbessern kannst, damit ihr gemeinsam zu einem Dreamteam werden könnt.
Im weiteren Verlauf erhältst du viele Hinweise und einen Vorschlag für eine mögliche Route durch dein inneres Tränenmeer. Die dafür vorgestellten sieben Stationen sind angelehnt an die Heldenreise von Paul Rebillot und zeigen einen Weg auf, wie du dein Leben aktiv in die Hand nehmen und verändern kannst.
Die Ausarbeitungen zum Thema “Trauma” habe ich nur kurz zusammengefasst und für dich aufgearbeitet, damit du eine Grundlage erhältst, auf deren Basis du die Herausforderungen, die dir in deinem Leben und mit deinem Hund begegnen, besser verstehen kannst. Meine Zusammenfassung erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit, denn aufgrund der Komplexität dieses Themas könnten viele der angeführten Themen ein eigenes Buch füllen, und es gibt auch bereits reichlich gute Literatur zum jeweiligen Thema. Am Ende des Buches findest du dazu entsprechende Empfehlungen von mir.
Was mir ganz wichtig ist:
Wenn wir uns intensiv mit unserem Inneren beschäftigen, kann es zu “Seelenmuskelkater” kommen. Bitte achte daher beim Lesen unbedingt auf Pausen. Wenn du merkst, dass dich etwas berührt, dann nimm dir Zeit, dies wirklich wahrzunehmen und es nicht einfach zu übergehen, bevor du weiterliest.
Auch kann es sein, dass frühe Erinnerungen auftauchen. Vielleicht magst du sie dir notieren. Sollten sie dich noch belasten, dann kannst du sie mit in eine Therapiesitzung nehmen, um sie mithilfe des Therapeuten zu bearbeiten.
Die vorgestellten Übungen dienen lediglich als Inspiration für einen möglichen Weg und als Begleitung zu einer Therapie. Bitte setze sie nur um, wenn du psychisch stabil bist und jemanden an deiner Seite hast (Therapeut), der dich dabei begleiten kann und mit dem du besprechen sowie aufarbeiten kannst, was in dir berührt wird.
Sprich dies aber unbedingt vorher mit deinem Therapeuten ab.
Die Inhalte des Buches, Gesundheitshinweise sowie die Übungen habe ich sorgfältig erarbeitet, jedoch kann ich weder eine Garantie geben noch die Haftung für Schäden in irgendeiner Art übernehmen. Du trägst die Verantwortung für dich selbst und machst die Übungen bitte nur, wenn du keine psychischen oder physischen Erkrankungen hast, die dadurch negativ beeinflusst werden könnten.
Ich wünsche mir von Herzen, dass durch dieses Buch etwas in dir mehr entspannen und im besten Fall sogar deiner Heilung die Tür geöffnet werden kann, so dass es dir und deinem Hund zukünftig besser geht. Mir ist es wichtig, dir Hinweise zu geben, mit denen du aus dem Schmerz und der Ohnmacht herausfinden und dir selbst helfen bzw. wirkliche Hilfe finden kannst. Je bewusster du den Inhalten folgen kannst, umso mehr wird dieses Buch dein Leben bereichern können.
Ich kann mir vorstellen, dass du dich jetzt vielleicht so fühlst, als würde ich dich zu einer Gipfelbesteigung einladen. Wenn das so sein sollte, dann denke weniger an die vielen 1000 Schritte, die vor dir liegen, sondern beginne nur mit dem ersten, indem du deinen Fokus immer wieder auf deinen geheilten Zustand und die entspannte Beziehung zu deinem Hund umlenkst. Dabei wird dir wahrscheinlich auffallen, wie eingefahren das bisherige Muster mittlerweile ist und wie schnell du wieder zurückfällst, weil du es so gewohnt bist. Das ist völlig normal und gar nicht schlimm. Lenke nur wieder deinen Fokus auf das, was du erleben möchtest, und die Energie wird deiner Aufmerksamkeit folgen.
Als Nächstes könnte es dann interessant sein, die eigenen Überzeugungen zu überprüfen, um erst einmal weitere solcher Muster ausfindig zu machen, aus denen sich deine Identität zusammensetzt. Später tauchen wir dann schrittweise ein in tiefere Regionen.
Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind.
Wir sehen sie so, wie wir sind.
Anais Nin
Wenn wir die Dinge so sehen, wie wir sind, könnte dies bedeuten, dass unsere Prägungen und unsere eigenen Erfahrungen Einfluss darauf nehmen. Daher liegt es nahe, einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, wie wir auf uns, unseren Hund und in die Welt schauen.
Anfangen könnten wir mit Kindern in unserer zivilisierten Welt, denn sie werden schon früh entsprechend geprägt, damit sie sich möglichst reibungslos in sie einfügen. Schon in dieser Zeit lernen sie, ob sie als eigenständige Wesen geliebt werden oder ob sie gut funktionieren sollen, und entwickeln daraus entsprechende Strategien, um weiter dazugehören zu können. Vielleicht kommen hier schon Erinnerungen in dir auf, weil du ähnliche Erlebnisse hattest, die dich geformt haben.
Zu all dem ist unser Schulsystem so aufgebaut, dass alle Kinder denselben Stoff eingetrichtert bekommen, anstatt dass auf ihre individuellen Anlagen und Bedürfnisse eingegangen wird. Wer angepasst gut auswendig lernen kann, bekommt gute Noten. Wer “zu lebendig” ist, kritische Fragen stellt oder Widerworte gibt und – zu Tode gelangweilt – den Unterricht stört, fällt durch das Raster.
Dabei sind Kinder offen, wissbegierig und wollen lernen, nur haben sie eben bestimmte Vorlieben und Fähigkeiten und die möchten gefördert werden, ansonsten kann ein Kind schnell frustriert sein, weil es sich nicht entfalten kann.
Folgender Satz kam vor Jahren in einer Meditation zu mir:
Du musst nichts tun, um hier sein zu dürfen!
Ich verstehe den Satz so, dass alle Lebewesen herzlich willkommen sind und bedingungslos geliebt werden, ohne sich dafür anstrengen zu müssen. Die Realität sieht jedoch meist anders aus, denn immer häufiger gehen fühlende Wesen in unserer zivilisierten Welt vollkommen unter, wenn ihr Wert in erster Linie von ihrer Leistung und ihrem Erfolg abhängig gemacht wird.
Dabei sind wir doch von Natur aus längst mit allem ausgestattet, was für das Leben auf diesem Planeten und unsere Entwicklung wichtig ist. Jedes frei lebende Tier lernt in seinem direkten Lebensumfeld alles von seinen Familienmitgliedern.
Wie würden sich wohl unsere Kinder entwickeln, wenn wir sämtliche Normen, Erwartungen und Vorstellungen fallen lassen würden? Wie würde die nächste Generation aussehen, wenn wir stattdessen eine Atmosphäre schaffen könnten, in der Kinder nicht entgegen ihres eigenen Schlafrhythmus geweckt werden, um in den Kindergarten oder in die Schule zu gehen, sondern in der man sie die Welt selbst erforschen und begreifen lassen würde?
Wir alle kommen mit besonderen Fähigkeiten auf diese Welt. Jeder Mensch ist einzigartig. Wäre es daher nicht viel sinnvoller, wenn diese Fähigkeiten sich voll entfalten und Menschen dort wirksam sein dürften, wo es sie hinzieht und wo sie gebraucht werden? Stattdessen werden uns frühzeitig die wilden Triebe gestutzt – wir werden “gebonsait”. Aus Angst vor dem Schmerz der Schere bleiben wir lieber klein und in der Form, die die Großen für uns vorgesehen haben. Das Ergebnis sind viele kleine Menschenpuzzleteile, die alle gleich funktionieren, gleich aussehen und sich mit der Masse bewegen. Tanzt eines aus der Reihe, werden die anderen schon dafür sorgen, dass es sich wieder einreiht. Irgendwann wird es das schon sein lassen.
Wie soll sich daraus ein buntes, lebendiges und harmonisches großes Ganzes ergeben?
Und wie muss sich ein solches Kind fühlen?
Es fühlt sich falsch, allein, abgelehnt, unverstanden und ungeliebt. Die Mutigen unter ihnen drücken ihren angemessenen Frust aus. Andere Kinder hingegen fressen ihn resigniert in sich hinein und werden krank, vielleicht weil auch noch andere Bereiche in ihrem Leben schwer zu ertragen sind. Leider wird hier nur selten nach der Ursache des kindlichen Verhaltens geforscht. Stattdessen wird überlegt, wie das “auffällige” Kind wieder “funktionieren” kann. Im Erwachsenenalter erwartet es dies dann in der Folge vielleicht auch von seinem Hund und anderen Mitmenschen, weil es davon ausgeht, dass diese Haltung normal ist, denn es hat es so gelernt.
Welchen Eindruck erhält ein solches Kind vom Leben, und welche Überzeugungen bilden sich in ihm, wenn schon früh auf sein natürliches So-Sein reagiert wird?
Kinder können sehr leicht in ihrem Selbstwert erschüttert werden und denken, sie wären nicht gut genug. Daraus entwickeln sich dann Überzeugungen, wie:
Niemand hat mich lieb.
Ich bin zu laut.
Ich bin zu lebendig.
Ich kann nichts.
Ich bin nicht gut genug.
Kleine Kinder glauben, was ihnen vermittelt wird, und hinterfragen nicht die Reaktionen der Erwachsenen auf ihr Verhalten. Solche Überzeugungen bleiben nicht selten bis ins Erwachsenenalter bestehen und beeinflussen die Betroffenen und ihr Leben nachhaltig.
Eine Freundin von mir sagte kürzlich scherzhaft: “Lass deine Gedanken niemals unbeaufsichtigt!” Damit ist gemeint, dass unsere Gedanken unvermittelt Gefühle in uns auslösen, die dann wiederum unser Handeln beeinflussen und umgekehrt. Aber hast du all deine Gedanken jemals auf ihren Ursprung und ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft oder die Ursache deiner Gefühle entschlüsselt? Wusstest du, dass 80 % aller Signale aus deinem Körper kommen und deine Gedanken beeinflussen? Dies lässt dich jetzt vielleicht schon erkennen, dass wir uns viel mehr den Prozessen in unserem Körper zuwenden müssen, denn dort wurde seinerzeit alles abgespeichert.
Damit dies von nun an leichter möglich wird für dich, möchte ich dich einladen, deinen Hund als deinen Spiegel zu betrachten und seine Signale lesen zu lernen. Was will er dir sagen? Auf was möchte er dich aufmerksam machen?
Solltest du keinen Hund haben und auch mit keinem anderen Tier zusammenleben, so möchte ich für dich ein kleines Vögelchen einladen, das sich als wohlwollender Beobachter auf deine Schulter setzt, dich von nun an begleitet und dir zuschaut, zuhört, mit dir fühlt und dich auf die Spiegelungen deiner Umwelt aufmerksam macht.
Dein Hund oder das Vögelchen erinnern dich in jedem Moment an das unendliche Bewusstsein, das du in Wahrheit bist. Sie werden dich immer wieder wecken, wenn dein Verstand unaufgefordert mögliche Szenen phantasiert und für real hält – oder du sogar schlecht über dich selbst sprichst. Das ist deshalb so wichtig, damit dir das bisher unbewusste Geschnatter in deinem Kopf bewusst wird, du dich darüber wundern und im besten Fall sogar darüber lachen kannst.
Dein Hund schnauft, verhält sich auffällig oder schaut dich mit durchdringendem Blick an. Das kleine Vögelchen wird dich im Geiste vielleicht kurz liebevoll antippen, wenn du in ein altes Verhaltensmuster kippst, um dich daran zu erinnern, dass du ja auch einmal etwas Neues ausprobieren könntest. Dein Begleiter wird dir helfen zu erkennen, dass du viel mehr bist als deine Gedanken und Überzeugungen, nämlich eine ganz besondere Seele, die jetzt mit uns allen hier auf dieser Erde zu dieser besonderen Zeit inkarniert ist. Und das nicht ohne Grund!
Mir ist es ein tiefes Anliegen, dass du mit diesem Buch nicht nur deine Entfaltungs- und Heilungschancen, sondern auch deine Liebe zu dir selbst sowie deine Würde wiederentdeckst. Du würdest dieses Buch nicht lesen, wenn es dich nicht angezogen hätte. Entweder hat jemand, der dich sehr liebt, es dir geschenkt oder in dir hat etwas intuitiv nach ihm gegriffen. Vertraue diesem Teil, deiner Intuition, denn sie ist ein zuverlässiger Navigator auf deinem Heilungsweg und für dein Leben!
Dein Hund ist, als Begleiter an deiner Seite, nicht nur dein Spiegel, sondern auch ein Erinnerer für Leichtigkeit und Lebendigkeit, nach der du dich vielleicht so sehr sehnst, aber vergessen hast, wie sie sich anfühlt. Er freut sich mit seinem ganzen Sein, wenn er dich sieht. Seine Zuneigung drückt er ungehindert aus, macht dabei lustige Töne und zappelt mit dem gesamten Körper. All dies war als kleines Kind auch noch in dir aktiv. Möchte es sich heute vielleicht auch noch gerne ausdrücken, traut sich jedoch nicht mehr, weil Angst und Scham dich hemmen?
Dein Hund ist sozusagen einerseits derjenige, der dich zurück auf deinen Seelenweg führt, und andererseits derjenige, der dafür auf deinen wunden Punkten wie ein Großmeister Klavier spielt. Ist er beispielsweise ängstlich, aggressiv, sehr lebendig usw., kann sein Verhalten etwas in dir auslösen. Hat sein Ausdruck etwas mit dir zu tun, wird er sich höchstwahrscheinlich verändern, sobald du deine durch ihn berührten Wunden heilst.
Hier kommt mit einem Beispiel schon einmal ein kleiner Vorgeschmack für dich auf den Buchinhalt:
Reagiert dein Hund beispielsweise aggressiv auf Besucher, dann frage dich, was sein Verhalten in dir auslöst. Bist du überfordert, hilflos, genervt vom Besuch oder wirst selbst aggressiv? Sind Überforderung, Hilflosigkeit oder Aggression Themen, mit denen du schon länger zu tun hast? Dann weißt du, wo du ansetzen kannst. Woher kennst du das Gefühl? Woran hindert es dich? Wovor möchte es dich bewahren?
Als der Mensch, der diesen Hund adoptiert hat, trägst du die Verantwortung für dein und sein Wohlergehen. Er ist abhängig von dir, und nur du kannst ihm helfen. Löst du deine inneren Konflikte und kümmerst dich um dich, so entlastest du dein Tier und ihr beide könnt zukünftig eine wundervolle Zeit miteinander genießen.
Und noch etwas:
Sollte dir beim Lesen auffallen, dass du deinen Hund falsch verstanden, unabsichtlich belastet oder nicht ausreichend beschützt hast, so fühle dich bitte nicht schuldig. Du wusstest es nicht besser und hast sogar möglicherweise dieselben Erfahrungen machen müssen. Nicht selten erkennen wir durch unsere Tiere und unseren Umgang mit ihnen unsere eigenen verdrängten Gefühle.
In diesem Buch erfährst du, wie du deine Verletzungen heilen und deinen Begleiter entlasten kannst. Verständnis und Mitgefühl für deinen Hund und für dich selbst werden sich mit der Zeit einstellen und dich befähigen, zukünftig gut auf euch zu achten.
Und manchmal, während wir so schmerzhaft reifen,
dass wir beinahe daran sterben,
erhebt sich aus allem, was wir nicht begreifen,
ein Gesicht und sieht uns strahlend an.
Rainer Maria Rilke
Du wirst nun einen kleinen Einblick auf den Einfluss von Gehirn und Nervensystem auf dich, aber auch auf deinen Hund erhalten, denn der “tickt” ganz ähnlich.
Zunächst einmal möchte ich vorausschicken, dass traumatische Erfahrungen gemacht zu haben nicht bedeutet, dass Menschen oder Tiere für immer in diesem Zustand verbleiben müssen. Wie auch ein gebrochenes Bein von selbst heilen würde, so sind wir zunächst einmal mit allem ausgestattet, um auch Traumafolgen heilen zu können. So, wie eine körperliche Verletzung ärztliche Versorgung benötigt, braucht mitunter auch ein Nervensystem eine Nachsorge und die Unterstützung eines Therapeuten. Fokussieren wir uns daher auf die Gesundheit, was glaubst du, in welche Richtung sich die Situation entwickeln wird?
Zudem muss nicht jede Verletzung auf physischer und psychischer Ebene auch gleichzeitig ein Trauma zur Folge haben. Ist ein mitfühlender Mensch oder ein Tier vor Ort und kann ein Gefühl von Sicherheit bzw. Schutz vermitteln, so kann sich das Nervensystem oft auch wieder regulieren. Die Natur hat ihre fühlenden Wesen also bestens ausgestattet, damit sie auch schwierige Zeiten unversehrt durchstehen können.
Dennoch kann es auch andere Verläufe geben, die nachhaltig belastend sein können. Deshalb schauen wir uns einmal genauer an, was ein Trauma eigentlich ist, und tauchen zunächst ein wenig in die Theorie ein, in der ich mich vorrangig auf Trauma beim Menschen konzentriert habe. Dennoch wirst du die Inhalte auch nutzen können, um deinen Hund noch besser verstehen zu können.
Ein Trauma ist eine Wunde, die durch eine existenzielle psychische und/oder physische Erschütterung entsteht. Findet durch ein einzelnes, extrem belastendes Ereignis oder über längere Zeit eine Form von z. B. Vernachlässigung, Ablehnung oder Gewalt statt, kann dies zu einer Überforderung der psychischen Schutzmechanismen führen und ein Trauma hervorrufen. Dies wiederum verhindert, dass die ausgelösten Emotionen angemessen verarbeitet werden, weshalb Betroffene das Erlebte nicht wie gewohnt in ihren Erfahrungsschatz integrieren und es somit abschließen können. Dies hat zur Folge, dass die traumatischen Erfahrungen immer wieder von Neuem durchgespielt und reinszeniert werden. Trauma meint also nicht das Erlebte, sondern dessen psychische, geistige und körperliche Folgen.
Wer sein Trauma nicht erkennt, ist gezwungen,
es zu wiederholen oder zu reinszenieren.
Pierre Janet
(franz. Philosoph, Psychologe und Psychiater)
Viele Menschen haben bereits in ihrer frühen Zeit traumatische Erfahrungen gemacht, die sie heute noch beeinträchtigen – meist, ohne es zu wissen. Während der Not, die die Betroffenen zum Zeitpunkt der Erschütterung bzw. der Überforderung empfunden haben, wurde jede Einzelheit unzusammenhängend abgespeichert. Ihr Gehirn hat zur Sicherheit sozusagen eine Momentaufnahme gemacht und auf ihrer Festplatte gesichert, um sie zukünftig vor einer ähnlichen Gefahr frühzeitig warnen zu können. Bei längeren Phasen, in denen Betroffene sich nicht sicher fühlen konnten, wie z. B. in der Kindheit, kann sich dabei einiges ansammeln. Zu diesen gespeicherten Eindrücken gehören u. a. Gerüche, Geräusche, Mimik, Farben, Muster, Stimmen, Worte, Materialien, Untergründe, Bewegungen, Gedanken, die Stimmung anderer und auch die Befürchtungen von dem, was ihnen weiter hätte passieren können.
Die Tatsache, dass diese Eindrücke nicht als zusammenhängend gespeichert werden, führt in der Folge dazu, dass heute bereits nur ein einziger dieser Eindrücke/Reize ausreichen kann, um das Nervensystem Traumatisierter sofort wieder in einen Alarmzustand zu versetzen. Dies hat zur Folge, dass viele sich nur selten wirklich entspannen können, weil sie sich nach wie vor in einer Übererregung befinden und ständig mit einer neuen Überforderung rechnen. Und weil wir hier über die Beziehung zwischen Menschen und ihren Hunden sprechen: Für eben solche Reize können auch unsere Hunde sorgen!
Du wirst deinen Hund intuitiv aufgenommen haben oder er kam “rein zufällig” in dein Leben. Und wie heißt es doch so schön? “Jeder bekommt den Hund, den er braucht bzw. verdient.” Das ist kein “mieses Karma”, sondern ein liebevoller Eingriff des Schöpfers und bedeutet, dass etwas in dir dich zu deinem Hund geführt oder er dir “geschickt” wurde, damit du dich entwickeln und heilen kannst. Dein Hund wiederum bringt dafür alle Anlagen mit, um dich zu berühren, herauszufordern und auch zu triggern. Auf magische Weise weiß er, wie er das tun muss, und macht zielgenau die Stellen aus, an denen der verdrängte Schmerz in dir wohnt. Damit kommt dieser an die Oberfläche, was sich zunächst natürlich alles andere als angenehm anfühlt. Wenn du dann aber erkennst, dass nicht dein Hund “das Problem” ist, sondern er dich lediglich auf deinen Schmerz aufmerksam macht, ist dies der erste Schritt in Richtung Heilung. Der Fokus wird vom Hund umgelenkt auf die Wunde in dir, die noch versorgt werden möchte.
Traumatische Erfahrungen werden unterteilt in
Schocktrauma (einzelnes Ereignis wie Unfall, Gewalt, sexuelle Gewalt, schwere Erkrankung, Operation, Geburt),
Entwicklungstrauma (Störung der frühen Bindung durch z. B. psychische und körperliche Vernachlässigung, wiederholte Gewalt),
Sekundärtraumata (betroffen sein können Helfer und Zeugen von traumatischen Ereignissen),
soziales, kollektives Trauma (Flugzeugabstürze, Kriege, Pandemien, Naturkatastrophen), und
Generationentrauma (vererbtes Trauma/Kriegskinder und -enkel).
Nach Erfahrungen wie diesen kann für die Betroffenen ihre Welt zusammenbrechen. Die Tatsache, dass die aufgewendete Energie, mit der sie sich oder andere schützen oder in Sicherheit bringen wollten, nicht zum Erfolg geführt hat oder sie keinen Schutz erhalten haben, selbst wenn er möglich gewesen wäre, hinterlässt ein tiefes Gefühl von Unsicherheit und Entsetzen.
Obwohl die angstauslösende Situation längst vorüber ist, begleitet sie dennoch weiterhin einerseits ein Gefühl von Ohnmacht, durch die sich die Betroffenen hilflos und wie gelähmt fühlen, während andererseits in ihrem Inneren das Erlebte immer noch für große Unruhe und Unsicherheit sorgt.
All dies spürt ein Hund, und es nimmt Einfluss auf ihn, dem er sich nicht entziehen kann, wenn er mit einem Menschen zusammenlebt. Dies ist für die meisten Hunde sehr belastend, ohne dass ihre Menschen dies wollen oder wissen. Hinzu kommt, dass die Hunde ihre Menschen nicht wirklich wahrnehmen können, weil sie, um es bildlich auszudrücken, in einen Nebel von Gefühlen eingehüllt sind und für die Hunde nur schwer lesbare Signale aussenden.
Welche Folgen dies haben kann und was du tun kannst, um deinen Hund zu entlasten, erfährst du im weiteren Verlauf des Buches.
Wie schon erwähnt, können gewisse Reize das autonome Nervensystem Betroffener immer wieder Alarm schlagen lassen, selbst dann, wenn in der Gegenwart gar keine wirkliche Bedrohung existiert. Ein solcher Reiz kann sie augenblicklich in ihre Vergangenheit zu der Zeit zurückkatapultieren, in der sie sich hilflos und ohnmächtig gefühlt haben. Die Not, in die sie dann geraten, fühlt sich für sie genauso überwältigend an, wie sie sie seinerzeit empfunden haben. Häufig fühlen sie sich dadurch noch ohnmächtiger, weil sie nicht verstehen, was in ihnen abläuft, warum sie überreizt reagieren, und weil auch andere sie nicht verstehen. Sie wissen nicht, dass ihr Trauma berührt wurde und können die Zusammenhänge nicht erkennen.
Typische Notsituationen im Zusammenleben mit Hunden sind jene, in denen der Hund auffällig wird und sein Halter versucht, dies mit allen Mitteln abzustellen, weil er den augenscheinlich durch seinen Hund verursachten Stress nicht aushalten kann. Ihm ist nicht bewusst, dass dabei seine verdrängten Gefühle an die Oberfläche gespült werden und er an eine Situation erinnert wird, in der er sich früher schon einmal überfordert oder gar überwältigt gefühlt hat. Führen die dann eingesetzten, meist das Symptom unterdrückenden Maßnahmen am Hund nicht zum gewünschten Erfolg, kann dies dazu führen, dass eine noch härtere Gangart eingeführt wird. Greift auch diese nicht, wird schlussendlich vielleicht sogar überlegt, den Hund abzugeben oder gar einzuschläfern, weil der Halter sich vollkommen überfordert fühlt. Der Hund erfährt dabei nicht selten dieselbe Traumatisierung, die seinen Menschen in diese Situation gebracht hat. Der Halter kann schlichtweg nicht erkennen, dass sein Hund ihn lediglich triggert und ihm im Grunde, wenn auch unbewusst, helfen will. Der Mensch aber reagiert entsprechend seiner traumatischen Erfahrungen völlig hilflos auf die Ereignisse der Gegenwart und tut ungewollt seinem Hund vielleicht dasselbe an, was er selbst erleben musste.
Erleben wir etwas Unaushaltbares, bleibt ein Teil von uns in der Vergangenheit regelrecht stecken und friert dort im jeweiligen Alter der Traumatisierung ein. Betroffene reagieren dann mit den Möglichkeiten der Problembewältigung, die ihnen seinerzeit zur Verfügung gestanden haben. Dabei handelt es sich meist um die eingeschränkten Möglichkeiten eines kleinen Kindes. Dass sich dieses innere Kind heute mit der Spiegelung durch einen aggressiven oder nicht zu kontrollierenden Hund überfordert fühlt, ist nachvollziehbar. Um die Dramatik der Halter-Hund-Dynamik auflösen zu können, müssen wir also nicht am Symptom “Hund” herumdoktern, sondern uns bewusst machen, dass in seinem Menschen ein hilfloses Kind in Panik geraten ist und dringend liebevolle Unterstützung braucht. Es sucht heute noch nach dem Schutz, den es damals nicht erhalten hat, und muss erst einmal beruhigt werden. Was es dann noch braucht, erfährst du ausführlich beschrieben in den nächsten Kapiteln.
Nur noch so viel: Steckt ein Anteil von Hundehaltern noch in der Vergangenheit fest, so erklärt dies, warum diese Menschen nicht vollständig in der Gegenwart sein können. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf ihr eigenes Leben, sondern auch auf das ihrer Hunde, denn diese fühlen sich möglicherweise nicht gesehen, nicht verstanden oder gar alleingelassen, was für ein soziales Wesen nur schwer auszuhalten ist und zu weiteren Auffälligkeiten führen kann.
