Selective Yellow - Alexander Sommerburg - E-Book

Selective Yellow E-Book

Alexander Sommerburg

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Beschreibung

Der unscheinbare Student Jonas hat eine kurze Liebschaft mit seiner Dozentin Helena. Diese endet abrupt, als Jonas in einen Autounfall verwickelt wird, bei dem Helena nicht ganz unschuldig ist. Sieben Jahre später sehen sie sich wieder. Von ihrem Ehemann Bertold im Stich gelassen, erhofft sich Helena Hilfe von Jonas, denn sie leidet an MS und ihr fehlt der Lebensmut.

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Seitenzahl: 240

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Selective Yellow (hellgelb) ist eine gelbliche Farbnorm für die Fahrzeugbeleuchtung. Sie ist gleichartig definiert in der europäischen ECE-Regelung Nr. 19 und der nordamerikanischen SAE J583, jeweils bezugnehmend als besondere Farbe für Nebelscheinwerfer.

Wikipedia

Inhaltsverzeichnis

Teil I

Teil II

Teil I

Genüsslich schlürfend trank Jonas den letzten Schluck Kakao aus der Flasche. Der Zug verlangsamte sein Tempo und rollte in den Bahnhof ein. Jonas warf die Glasflasche in den am Tisch angebrachten Mülleimer. Dann legte er seinen Collegeblock auf den Schoß und guckte aus dem Fenster des Fernverkehrszuges. Irgendeine kleine Stadt, die er noch nicht kannte, aber auch nicht kennen wollte. Vielmehr schaute er aus dem Fenster, um den fordernden Blicken der einsteigenden Leute auszuweichen, damit er nicht seinen benachbarten Sitzplatz anbieten musste, auf dem er seinen Rucksack liegen hatte.

Das kleine Zugabteil füllte sich rasant, bloß der Platz neben Jonas blieb frei. Fünf Menschen und ein Rucksack, sechs Sitzplätze und ein kleiner Raum. Man müsste meinen, in diese Fülle würde sich niemand mehr quetschen wollen, doch es dauerte nicht lange, da setzte sich eine schlanke, blondierte Frau neben ihn. Ohne zu fragen, hatte sie seinen Rucksack beiseitegelegt. Mit ihren langen künstlichen Fingernägeln versuchte sie ungeschickt, etwas in ihr Smartphone zu tippen. Er sah sie nur aus dem Augenwinkel und machte, obwohl es eine Frau mit einem gewissen Reiz auf Männer zu sein schien, keinerlei Anstalten, sie genauer zu betrachten.

Das Abteil war nun komplett belegt und dennoch war es leise. Mit geschlossenen Augen hätte man annehmen können, man wäre in einer Bibliothek: raschelndes Papier, vorsichtiges Hüsteln und leises Tastaturklappern.

In dem Abteil saßen noch ein älteres Ehepaar, das gedankenversunken aus dem Fenster schaute, ein junger Mann, der geschäftig an seinem Laptop arbeitete, und eine gut betuchte Dame, die in einer Frauenzeitschrift Kreuzworträtsel löste. Jonas nahm wieder seinen Collegeblock zur Hand, lehnte sich an die ungemütlich harte Armlehne und schrieb weiter, als er plötzlich durch die laute Melodie des nervigen Popsongs, den er schon etliche Male im Radio gehört hatte, hochschreckte. Die Töne kamen vom Smartphone der Blondine. Sie ließ es geschlagene dreißig Sekunden – er hatte auf seine Armbanduhr geschaut – klingeln und nahm dann seelenruhig den Anruf an.

Mit der Ruhe war es schnell vorbei, denn sie kreischte förmlich in den Hörer: »Hey! – Ach, du bist es. Schön, dass du dich meldest, ich muss dir noch so viel erzählen. Gestern in der Bar – Ja? – Weißt du noch, da war dieser braunhaarige Typ, der mich die ganze Zeit so beobachtet hat? Ja, der, den auch Lisa so süß fand. Auf jeden Fall war es toll. Schade, dass du nicht bis zum Schluss dabei gewesen bist. Aber ich kann dir ja alles erzählen. Sitze gerade im Zug und langweile mich hier sowieso.«

Jonas legte seinen Collegeblock aus der Hand, da er unter diesen Umständen keinesfalls in der Lage war, sich zu konzentrieren, atmete tief durch und hoffte, sie würde in den nächsten Minuten auflegen. Sie tat es nicht. Er wurde allmählich ungeduldig und wippte mit seinen Beinen auf und ab. Auf und ab. Auf und ab. Doch so viel er auch wippte und sich abzulenken versuchte, umso unerträglicher wurde es für ihn. Verwundert stellte er fest, dass sich die anderen Fahrgäste nicht an ihr zu stören schienen. Die Frau resümierte mit ihrer Gesprächspartnerin gar die vergangenen Jahre ihres Lebens. Er wusste sich nicht anders zu helfen, als ihr und den schweigenden Gutmenschen das Feld zu überlassen. Sie hatte gesiegt. Hastig räumte er seinen Schal und den Collegeblock in den Rucksack, warf sich seinen olivfarbenen Parker über die Schulter und stand schnaubend auf. So sehr mit dem Handytelefonat beschäftigt, bemerkte ihn die Frau nicht einmal, als er sie darum bat, ein wenig Platz zu machen. Wer nicht hören will, muss fühlen. Er schob sich breitschultrig an ihr vorbei.

Angekommen vor der Schiebetür des nächsten Abteils, nahm Jonas einen widerlichen Gestank wahr, dessen Herkunft er nicht zuzuordnen vermochte. Es war eine Mischung aus Schweiß und Alkohol. Er trat ein und war kurz davor, sich angesichts der Leere zu freuen, da bemerkte er etwas, das ausgebreitet über zwei Sitzen lag. Es war eine Jacke, aber sie sah aufgrund der vielen Schmutzflecken eher wie ein Tarnzelt aus. Vorsichtig bückte er sich, um sie genauer begutachten zu können. Da bewegte sich die Jacke schlagartig, sodass aus einer der beiden Taschen eine Geldbörse herausrutschte. Zudem kam ein kleiner Mann zum Vorschein. Er war so klein, dass man nur von der Statur her hätte denken können, er wäre noch ein Kind. Doch die Falten an den Augen und sein mit einem übergroßen Mund versehenes, bulldoggenartiges Gesicht ließen zweifelsfrei erkennen, dass er mindestens um die fünfzig Jahre alt sein musste. Der Gestank kroch eindringlich in Jonas‘ Nase.

Der Mann schaute Jonas für einen kurzen Augenblick an und übergab sich dann. Er spie inmitten des Abteils. Mit zwei Fingern hob Jonas die vom Erbrochenen verschont gebliebene Geldbörse auf und steckte sie ihm zu. Die Bulldogge grunzte nur kurz und wühlte sich wieder tief in ihren Unterschlupf. Angewidert drehte sich Jonas um und stiefelte den Gang entlang. Auf einmal vernahm er von hinten eine liebliche Stimme: »Junger Mann, mögen Sie nicht hierherkommen? Hier wäre noch ein Plätzchen frei. Ich würde mich über Gesellschaft freuen.«

Jonas überlegte und verharrte in seiner Position, als hätte er nichts gehört. Würde er bejahen, müsste er die restliche Fahrt – und es waren immerhin noch knapp zwei Stunden – bei einer geschwätzigen Dame sitzen, wo er sich doch auf das Schreiben konzentrieren wollte. Jedoch war verneinen überaus unhöflich, grübelte er. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Er beschloss, schnell das Weite zu suchen, und huschte ins nächste, ihn rettende Abteil. Dort fand er direkt neben der Tür einen Sitzplatz. Ohne die anderen Fahrgäste zu beäugen, setzte er sich hin. Es war erfreulich ruhig und in der Hoffnung, dass es auch so bleiben würde, holte Jonas voller Tatendrang seinen nun zerknitterten Collegeblock aus dem Rucksack. Den letzten Satz las er sich noch einmal durch, nahm dann seinen mit Zahnabdrücken übersäten Kugelschreiber in die Hand und fing an zu schreiben. Die Stunden vergingen wie im Flug.

»Wir haben unseren Ziel- und Endbahnhof erreicht. Bitte alle aussteigen. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts. Im Namen der Deutschen Bahn wünsche ich Ihnen noch einen schönen Montagabend.«

Noch bevor der Schaffner die Ansage auf Englisch wiederholen konnte, stieg Jonas aus und drängelte sich durch die Menschenmasse nach draußen. Es nieselte leicht und er zog sich die Kapuze seines Parkers über, der ihn schon jahrelang durch Sturm, Schnee und Eiseskälte begleitete, seitdem er ihn als Jugendlicher aus dem Nachlass seines Großvaters bekommen hatte. Um sein Gesicht vor dem Regen zu schützen, schaute er auf den Boden. Die Pfützen reflektierten das pfirsichfarbene Licht der untergehenden Sonne. Eine Frau mit langen, bunten Gewändern und einem Kleinkind auf dem Arm fragte ihn nach Geld, was er emotionslos verneinte. Beim Weggehen zischte sie ihm unverständliche Laute hinterher.

Eilig sprang er in die vor dem Bahnhof haltende Straßenbahn. Sie war älteren Baujahrs und wäre in einer wohlhabenden Stadt wahrscheinlich schon längst ausgemustert worden. Während er sich auf einen der freien Plätze fallen ließ, fragte er sich, warum Sitzbezüge in öffentlichen Verkehrsmitteln immer mit so hässlichen Mustern verziert waren. Der klebrige Dreck, in den er sich unwissentlich gesetzt hatte, beantwortete seine Frage. Am Fenster zogen viele alte, aufwendig verzierte Fachwerkhäuser vorbei. Da die Fahrt nicht lange dauern würde, schrieb er nicht weiter, sondern beobachtete verträumt den sich in der Seitenscheibe spiegelnden Vordermann und dachte über dessen Leben nach.

Wie wohl so ein normaler Tag bei ihm aussieht? Wartet zu Hause jemand auf ihn? Was sind seine Träume, Wünsche und Geheimnisse?

Des Öfteren verlor er sich in diesen Gedanken, weshalb er schon einmal die Haltestelle verpasst hatte. Dieses Mal nicht. Vor einem großen Mietshaus stieg er aus. Jonas war an seinem Ziel angekommen: sein Zuhause, das er jedoch niemals so nannte. Er lebte allein. Das erste Mal ohne den Zwang, der einen im Kindsein begleitet, dafür auch ohne die Fürsorge. Und so war sein Leben äußerst spartanisch, wenngleich selbstbestimmt. Gleich nachdem er seine Wohnung betreten hatte, holte er seinen Collegeblock heraus und warf seinen Rucksack auf den Boden. Er ließ sich auf eine Matratze fallen, die in einer Ecke des Zimmers lag und sein Bett darstellte, und begann, eifrig die nächsten Seiten zu füllen.

Bis in den frühen Morgen schrieb er und wachte erst durch das schrille Klingeln seines alten Haustelefons auf. Nicht, dass er besonderen Wert auf Vintage legte, er hatte es kostenlos von seinem Vormieter übernommen. Noch schlaftrunken nahm er den Hörer ab, wobei ihm sogleich ein Schwall geschriener Vorwürfe entgegenschoss.

»Wo bleibst du denn? Bist du echt zu blöd, einmal pünktlich zu kommen? Meine Güte, beweg deinen Arsch jetzt hierher, sonst kannst du sehen, wo du bleibst. Das ist deine letzte Chance!«

Sein Chef. Jonas bejahte nur kurz und legte ohne Verabschiedung auf. In Momenten wie diesen trauerte er seiner Stelle als Kurierfahrer nach. Da hatte er sich die Zeit selbst einteilen können. Er lieferte auf dem Fahrrad Medikamente an Senioren aus, die nicht mehr in der Lage waren, das Haus zu verlassen, und niemanden hatten, der sie ihnen bringen konnte oder wollte. Irgendwann jedoch kündigte er wie so oft. Danach arbeitete er mal hier und mal da. Ein paar Wochen lang schrieb er für ein Klatschblatt Horoskope, schuftete ein paar Tage lang in einer Verpackungsfirma und in dem Lager eines Möbelhauses. Als er einmal knapp bei Kasse war, versuchte er, selbstgeschriebene Gedichte zu verkaufen. Zwei Stück wurde er los – an seine Mutter und eine Kommilitonin. Welcher Job auch immer, er hatte nie lange durchgehalten. Sein jetziger bildete die Ausnahme.

Er lief aus der Wohnung. Im Hausflur versperrten ihm Kinderwagen den Weg. Die Straßenbahn fuhr gerade davon. Also holte er einen Schlüssel aus der Tasche, um sein Fahrradschloss zu öffnen. Es diente, wenn überhaupt, nur noch zur Abschreckung, da es so verrostet war, dass es von jedermann mit ein wenig Anstrengung aufgebrochen werden könnte. Die Kette hätte mal wieder geölt werden müssen, bemerkte Jonas beim Fahren unter Knacken und Krächzen, was die Aufmerksamkeit einiger amüsierter Spaziergänger auf sich zog.

Als er das wohl älteste und hässlichste Gebäude der Stadt erreicht hatte, stieg er ab. Der Putz bröckelte von der Fassade und der einzige Farbtupfer dieser dunkelgrauen Bauruine war das neongrün leuchtende Reklameschild der Dean's Bar. Es lag in einem Industriegebiet, in dem nicht mehr viel los war, seitdem die meisten Firmen ihren Sitz nach Osteuropa verlagert hatten.

Sein Fahrrad stellte er in den Hinterhof und ließ es dort unabgeschlossen stehen. Er musste sich an überfüllten Mülleimern und hohen Bergen an leeren Getränkekisten vorbei zum Hintereingang zwängen, der früher einmal ausschließlich als Notausgang gedacht war. Die Tür war nur angelehnt und ein ähnlich ekliger Geruch wie der am Tag zuvor stieg seine Nase hoch. Eigentlich war er diesen Gestank gewohnt und doch schien er ihm dieses Mal stärker als zuvor.

»Na, alter«, brummte ihn sein dickbäuchiger Arbeitskollege Frank an, der sich eine Handvoll von den auf dem Tisch stehenden Erdnüssen in den Rachen warf.

»Der Chef ist schon weg. Er war echt scheiß sauer, weil du wieder nicht pünktlich warst. Ich habe ihm gesagt, dass du bestimmt gleich auftauchst, aber er wollte dich trotzdem anrufen. Tut mir leid, ey.«

Seine für das große Gesicht viel zu kleinen Augen blickten Jonas schüchtern an. Frank wischte seine verschwitzten, salzigen Hände an seinem grauen T-Shirt ab, auf dessen Rückseite noch schemenhaft das ausgewaschene Logo einer Heavy-Metal-Band zu erkennen war. Frank wollte Jonas gerade auf die Schulter klopfen, als er nur abwinkte und zu einem der Tische ging. An dem saß ein alter Mann, der, seinen Kopf aufgestützt, in ein leeres Bierglas schaute, als suchte er dort etwas. Jonas zeigte auf das Glas und der Mann nickte zustimmend mit dem Kopf. Nachdem Jonas ihm ein neues Bier gebracht hatte, seufzte der Alte und legte ihm einen großen Haufen brauner Geldmünzen hin.

»Das ist mein letztes«, sagte er.

Jonas schob ihm das Geld zurück und lächelte so gut er konnte. Er ging zurück an den Tresen und wollte gerade seinen Collegeblock aus dem Rucksack holen, als ihm auffiel, dass dieser noch in seiner Wohnung lag. Und so verschwand er rasch und doch leise aus der Hintertür, sodass ihn Frank, der noch immer an der Bar saß und die Snacks für die Gäste hinunterschlang, nicht bemerkte.

Daheim stürzte er sich auf den Collegeblock und fing an, die Seiten mit Tinte zu füllen. Minuten vergingen. Stunden vergingen. Schon das Ende der letzten Seite erreicht, vermochte Jonas nicht den Stift wegzulegen. Er grübelte. Dann, kurz vor 23 Uhr, schrieb Jonas den letzten Satz nieder. Erleichtert und völlig erschöpft, ließ er den Stift herabsinken und betrachtete die kahle graue Wand vor sich.

Er hatte es geschafft. Innerhalb von nur zwei Tagen schrieb er die Hausarbeit »Intermedialität – Interpendenz zwischen Literatur und Film« nieder. Obwohl er bereits seit einigen Semestern Buchwissenschaften studierte, war dies seine erste vollendete Ausarbeitung. Sie stellte die Prüfungsleistung in dem Seminar «Das Reisemotiv in der neueren deutschen Literatur« dar, das er bei seiner Lieblingsdozentin belegte.

Er hatte das Reisen immer gemocht. Eine zehntägige Zugfahrt mit seinem Vater durch Sibirien war seine erste richtige Reise gewesen. Trotz der Fotos in seinem Album wirkten die Erinnerungen daran weit entfernt.

Seine Veranstaltungen wählte er nicht nach Creditpoints aus, sondern nach Interesse, wobei dieses Mal nicht das Thema ausschlaggebend gewesen war.

Zwar hatte er sich bei der Hausarbeit den Großteil seiner wenigen Quellennachweise ausgedacht und ausschließlich einfließen lassen, was er vor einiger Zeit in einem Feuilletonartikel gelesen hatte, doch von einer Kommilitonin wusste er, dass die wenigsten Dozenten mehr als die Einleitung und den Schluss begutachteten. Und bei diesen reichten meist schöne Phrasen und große Worte aus. So beließ er es dabei, die Fakten noch einmal zu überprüfen, und legte das zwanzigseitige Bündel Blätter beiseite. Er hatte Glück, dass ihn die Dozentin mochte und ihm erlaubte, die Hausarbeit mit der Hand zu schreiben. Als er sie in der letzten Stunde des Semesters auf dem Weg zur Tür danach gefragt hatte, hatte sie bloß gelächelt und genickt. Ihr Blick hatte dabei etwas Eigenartiges, was ihm noch Tage darauf im Kopf geblieben war.

Mühelos hätte er die Arbeit per Post schicken können, wenn er nur frühzeitig fertig geworden wäre, aber so musste er zu ihrem Büro auf dem Campus fahren, der am anderen Ende der Stadt lag. Er warf sich einen Pfefferminzbonbon ein, den er in einem der hintersten Winkel seiner Hosentasche fand, und begab sich auf den Weg. Er hatte nicht mehr viel Zeit, wollte er noch die Frist einhalten, weshalb er, fast über die Treppen und die im Flur stehenden Kinderwagen stolpernd, nach draußen hastete.

Er glaubte, sie hätte die Drohung, um Punkt Mitternacht ein letztes Mal in ihren Briefkasten am Büro zu schauen, nur als Warnung für die Erstsemester ausgesprochen und läge wie jeder andere Mensch zu dieser Zeit bereits im Bett; doch insgeheim hoffte er, dem wäre nicht so, denn damit bekäme er die Möglichkeit, sie noch einmal außerhalb des alltäglichen Universitätsbetriebes in einem nächtlich intimen Moment zu Gesicht zu bekommen. Bereits vor einigen Wochen hatte es einen solchen gegeben, mitsamt einem Kuss. Ein Kuss zwischen ihm und seiner Dozentin. Seitdem hatten sie darüber kein einziges Mal gesprochen und es wirkte so, als hätte er nie stattgefunden. Doch für Jonas hatte er das definitiv.

Während er auf seinem krächzenden Drahtesel durch die Dunkelheit fuhr, polterten allerlei existenzielle Fragen durch seinen Kopf, die ihn normalerweise nur abends im Bett heimsuchten: Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Werde ich mal Vater? Habe ich mal ein Kind? Die Fragen sprangen von einer Gehirnhälfte in die andere, immer wieder, sodass er Mühe hatte, das Gleichgewicht zu halten.

Vor dem Gebäude der Fakultät sah er den roten Citroën seiner Dozentin, dem er bereits das eine oder andere Mal heimlich nachgesehen hatte. Tatsächlich: Es war keine leere Drohung gewesen. Sie war dort, um die Hausarbeiten einzusammeln. Er fuhr mit seiner Hand durch seine verschwitzen Haare und kratzte sich am Kopf. Was sollte er sagen, wenn er sie um diese Uhrzeit allein vor ihrem Büro traf?

»Guten Abend, Frau Rotheld. Entschuldigung für die verspätete Abgabe, aber noch ist sie ja in der Frist. Schlafen Sie wohl.« – Natürlich nicht. Sowieso sagt niemand mehr »Schlafen Sie wohl«. Er müsste persönlicher werden und sie in ein Gespräch verwickeln.

Doch er wusste, dass er dabei schon oft gescheitert war und erinnerte sich nur zu gut an die zahlreichen Rücken der Mädchen, die ihm zugedreht wurden, als er sie in den hiesigen Studentenclubs anzusprechen versucht hatte.

Aber ein Kuss bedeutet doch etwas, dachte er. Also nahm er seinen ganzen Mut zusammen, jedenfalls das bisschen, das ihm nach all den gescheiterten Versuchen des Kennenlernens übrigblieb, und ging in Richtung Eingangstür der Fakultät. Da sah er, dass in ihrem Wagen Licht brannte. Verwundert schaute er auf die Uhr: Es war fünf nach zwölf. Die Frist war abgelaufen. Er hatte es nicht mehr rechtzeitig geschafft.

Helenas Handy vibrierte zum dritten Mal und sie deaktivierte den Alarm.

»Berti, ich bin gleich wieder zurück. Ich fahre nur schnell in die Uni, um die Hausarbeiten abzuholen.«

Bertold zupfte seinen Rollkragenpullover zurecht und musste schmunzeln: »So willst du raus?«

»Wieso nicht? Ich werde jetzt nicht extra duschen.«

»Aber Lippenstift? – Naja. Ich dachte, es sei ein Scherz von dir gewesen, als du meintest, die Frist um Mitternacht anzusetzen. Das macht doch kein Mensch.«

»Da hast du Unrecht, mein Schatz. Wie du eigentlich wissen solltest, verfuhr Madame Mathieu auf gleiche Weise.«

»Du und deine Frau Mathieu. Man könnte meinen, du wärst nach wie vor eine ihrer Studentinnen. – Nimm doch meinen Wagen, er ist vollgetankt.«

»Gern. Dann kann ich mir den Weg zur Tankstelle sparen.«

Helena stellte den Kragen ihres hellblauen Mantels auf, nahm sich einen der Limonenbonbons, die ihr Mann Bertold eingekauft hatte, obwohl sie ihm schon zig Mal gesagt hatte, der Geschmack erinnere sie an Spülmittel, und schritt zur Tür. Fast vergaß sie die Autoschlüssel, hätte ihr Bertold nicht hinterhergerufen: »Liebling, pass bitte mit deinen spitzen Absätzen auf. Nicht, dass sich in der Fußmatte Löcher bilden. Der Wagen ist nicht einmal acht Wochen alt.«

Sie stöhnte laut, aber gerade noch so leise, dass Bertold es nicht mitbekommen hatte, und stieg auf den Fahrersitz ihres alten Citroëns. Beim Verlassen des Parkplatzes glänzte unter dem schummrig gelben Licht ihres Wagens der schwarze Lack des neuen Audis. Sie wollte ein Zeichen setzen und damit einen der fast wöchentlichen Versuche starten, Bertold seine pingelige Art aufzuzeigen. Als sie einige Meter gefahren war, musste sie daran denken, wie oft er sie dazu drängen wollte, sich auch nach einem neuen umzuschauen, da ihre Umweltschleuder nicht mehr zeitgemäß wäre. Außerdem sei das Selective Yellow bestimmt nicht mit dem EU-Recht konform, sagte er immer.

Aber sie mochte ihren Chéri, weil er sie an die Zeit in Frankreich erinnerte, wo sie ihn von einem damaligen Freund – mehr oder weniger – geschenkt bekommen hatte. Diese Erinnerung verewigte sie in den Endstellen ihres Kennzeichens: FR–81. Zwar fuhr der Wagen mehr schlecht als recht, so lange er sie allerdings von A nach B brachte und das Kassettenlaufwerk funktionierte, war sie zufrieden. Sie legte Édith Piafs l'Hymne à l'amour ein, kurbelte das Fenster herunter und spuckte den kaum gelutschten Bonbon in den Fahrtwind. Das Benzingeld bezahlte sie aus der Gemeinschaftskasse, auch wenn das bedeutete, dass sie mit Bertold später darüber diskutieren musste, wieso sie nicht den Audi genommen hatte. Er hatte die Finanzen genau im Blick und überprüfte akribisch jede Transaktion des Bankkontos.

Das Universitätsgelände war wie ausgestorben, weshalb sie ihren Wagen großzügig auf zwei Parkplätzen abstellte. Sie ließ ihren Mantel auf dem Rücksitz liegen, auch wenn sie nur einen ausgewaschenen Kapuzenpullover trug, mit dem sie sich sonst niemals außerhalb ihrer Wohnung gezeigt hätte. Mit den hohen Stilettos, dem langen Batikrock und dem dazu völlig unpassenden Oberteil sah sie aus wie eine der Biologie-Erstsemestermädchen, die verzweifelt versuchten, sich für den ersten Tag in der Uni sowohl sexy elegant als auch locker leger zu kleiden.

Es war erst viertel vor zwölf. Daher hatte Helena noch genügend Zeit, eine Zigarette vor der Eingangstür zu rauchen. Sie musste nur aufpassen, dass der Rauch nicht zu stark in ihre Kleidung einzog, damit sie sich von Bertold zu Hause nicht wieder eine Standpauke anhören musste. Sie rauchte nicht oft, nur ab und an, wenn ihr danach war. Und heute Abend wollte sie. Genüsslich zog sie an dem Glimmstängel und blies den Rauch in die kalte Abendluft. Mit den letzten Zügen versuchte sie Rauchringe zu formen und scheiterte kläglich.

Zu ihrer Schulzeit hatte sie damit anerkennende Blicke ernten können, heutzutage würde sie höchstens ein mitleidiges Lächeln hervorrufen. Ihre beste Freundin Susanne, mit der sie heimlich die Pausen in der abgelegenen Raucherecke verbracht hatte, war nun einer dieser vegan lebenden, yogamachenden Sportjunkies. Nicht aus ethischen, sondern aus gesundheitlichen Gründen. Sie aß nur das, was ihrem Kopf schmeckte, nicht das, wonach sich ein Körper sehnte. Damals war sie die Schwester gewesen, die Helena nie gehabt hatte. Nun lebte sie auf einem kleinen Bauernhof auf dem Land und sie sahen sich nur selten. Susanne hätte ihr die Zigarette noch während des Anzündens aus dem Mundwinkel gezerrt und zerbrochen. In Momenten wie diesen vermisste sie die alte Zeit.

Helena schnippte den Kippenstummel tief in das dichte Gebüsch neben sich, sodass ihn auch bei Tage niemand sehen könnte, denn der Campus wurde gewissenhaft von dem verschroben dreinblickenden Hausmeister Willy Wo – wieso ihn alle so nannten, wusste sie nicht – sauber gehalten und mit ihm wollte sie keine Probleme bekommen. Auch wenn sie sich nicht im Klaren darüber war, wieso der Zigarettenstummel ein Hinweis auf sie sein sollte, siegte ihre irrationale Besorgnis. Diese hatte sie bereits häufiger heimgesucht.

Als Bertold vor einigen Jahren abends häufig länger auf der Arbeit geblieben war, hatte sie abermals dieses Gefühl der Angst beschlichen. Daher entschied sie sich – ohne dass sie eine große Wahl gehabt hätte, weil nicht mehr der Kopf, sondern das Herz sie leitete – ihm nach Feierabend heimlich einen Besuch abzustatten. Am besagten Abend fuhr sie mit dem Fahrrad zu seinem Architekturbüro, das unweit ihrer damaligen Wohnung lag, und hockte sich vor das mit Gardinen behangene Fenster im Erdgeschoss. Ihr Herz pochte so stark, dass sie das Gefühl hatte, jeden Moment zu kollabieren. Sie lugte unauffällig in das Großraumbüro und sah das, wovor sie sich am meisten gefürchtet hatte.

Nur Bertold und eine Frau – wenn sie überhaupt schon volljährig war. Sie saßen gemeinsam vor einem ausgeschalteten matten PC-Bildschirm und unterhielten sich amüsiert. Sofort fühlte sich Helena in ihrer Angst bestätigt. Sie verharrte mehrere Stunden lang in dieser Position und beobachtete argwöhnisch jede ihrer Bewegungen. Zwar saßen sie sich bedrohlich nahe, doch war keine einzige Berührung zwischen Bertold und dem Mädchen zu erkennen. Kurz nach 22 Uhr wurde das Mädchen von einer anderen jungen Frau abgeholt. Die beiden begrüßten sich mit einem leidenschaftlichen Kuss und verließen händchenhaltend das Büro in Richtung Parkplatz. Und so zog Helena mit einem Bauch voller Scham von dannen. Sie hatte Bertold nie von dieser Nacht erzählt.

Helena öffnete mit einem lauten Ruck die Eingangstür der Fakultät, die zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet war. Das hatte die Fachschaft vor einigen Jahren erkämpft, um einen 24-Stunden-Lernbereich anzubieten, den nun kaum einer nutzte; mit Ausnahme einiger panischer Studenten zu Beginn der Klausurenphase. Das Licht ging automatisch an. Der Flur roch muffig. Bertold hätte jetzt eine Rede über die krebserregenden Ausdünstungen des PVC-Bodens gehalten. Mit lautem Klackern stöckelte sie den menschenleeren Flur entlang, vorbei an Postern, Vitrinen mit Büchern und Wohnungsgesuchen.

»Suche Wohnung mit mindestens 50m2 für maximal 300 Euro warm« – Sie konnte sich ein Schmunzeln bei solch naivem Optimismus nicht verkneifen und erinnerte sich an ihre erste Wohnung.

Diese war nicht einmal halb so groß wie die Gesuchte gewesen. Ein Zimmer, Küche, Bad. Sauber, aber klein. Hell, aber anstrengend. Es war eine Dachgeschosswohnung mit einem einzigen Fenster. Die Wohnung lag im fünften Stock ohne Aufzug. Nach einem halben Jahr hatte sie strammere Waden als Lance Armstrong zu seinen besten Zeiten. Und das ohne Doping. Jedenfalls ohne illegale Substanzen, denn Koffein und Nikotin waren unerlässlich für sie. 400 Euro warm. Eigentlich war die Wohnung zu teuer. Die eine Hälfte wurde von ihren Eltern finanziert und die andere klaubte sie mit Nebenjobs zusammen. Bei dem Wohnungsmarkt war sie froh gewesen, überhaupt eigene vier Wände zu besitzen.

Sie kam am erst kürzlich errichteten Anbau vorbei. Für eine neue Bibliothek war kein Geld vorhanden gewesen, für ein neues Forum und zahlreiche Einzelbüros schon. Beim Vorbeigehen schaute sie verträumt auf eine der Bürotüren. An ihr war das Namensschild eines Doktors befestigt. Was sich für eine große Geschichte hinter solch einem kleinen Schildchen verbirgt, grübelte sie. Ein Mensch, der dreizehn Jahre lang zur Schule ging, der fünf Jahre studierte und mindestens ebenso lange promovierte. Eine jahrelange Anhäufung von Wissen für ein paar Worthülsen.

Leicht tänzelnd ging Helena weiter zu ihrem Büro, an dessen Tür ein Plakat für einen Workshop angebracht war, den sie in ihrer Freizeit anbot. Sie leerte den Briefkasten und hielt sieben Exemplare in ihren Händen. Ihre Augen scannten die Namen und sie wunderte sich, dass Jonas‘ Arbeit nicht dabei war. Er hatte sie doch extra gefragt, ob er die Hausarbeit per Hand schreiben dürfe. Irgendwie hatte sie sich darauf gefreut, was sie sich nicht wirklich erklären konnte. Vielleicht weil es etwas anderes war, ein handgeschriebenes Wort vor sich zu haben als das immer gleiche Times New Roman oder Arial. Bereits in ihrer Zeit als Studentin hatte sie eine Vorliebe für ausgefallen Schriftarten entwickelt. Leider würdigten die meisten Menschen – besonders ihr Deutschlehrer aus der Oberstufe – ihre Kreativität bei der Schriftartenauswahl nicht so, wie sie es sich gewünscht hätte. Sie grinste.

Es hatte zu regnen angefangen. Jonas setzte sein charmantestes Lächeln auf und klopfte vorsichtig an das leicht heruntergekurbelte Fenster der Beifahrerseite.

»Oh mein Gott, Jonas!«, schrie Helena und sein Gesicht wurde leichenblass.

»Wieso erschreckst du mich so, verdammt nochmal?«

Jonas bekam kein Wort über die Lippen und blickte reumütig in das Wageninnere.

Schlagartig wurde Helena ihre patzige und unangebrachte Ausdrucksweise bewusst: »Verzeihung. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht. Und ich bin noch immer ein wenig, wie soll ich sagen, geschockt. Also, Jonas, was gibt es?«

»Guten Abend, Frau Rotheld. Ähm. Ich bitte erstmal vielmals um Entschuldigung. Eigentlich. Ich wollte, ich wollte… Äh… gerade einwerfen. Und da. Äh.«

Helena wäre aus ihrem Wagen gestiegen, hätte sie nicht dieses unvorteilhafte Outfit angehabt, weshalb sie in der Hoffnung, im Halbdunkel der Wageninnenbeleuchtung nur schemenhaft zu erkennen zu sein, sagte: »Komm, steig ein. Dann kannst du es mir in Ruhe erklären und wirst nicht nass.«

Jonas öffnete behutsam die Beifahrertür und versuchte, ohne ihr den Rücken zuzuwenden, sich halbwegs galant auf den Sitz gleiten zu lassen. Dabei sah er nicht, dass er sich auf rote, im Polster eingezogene Flecken setzte. Vor Schreck hatte er einen seiner häufig vorkommenden Schweißausbrüche gehabt, sodass sein Shirt und der olivfarbene Parker vor allen Dingen im Rückenbereich wie eine zweite Haut an seinem Körper klebten. Er wischte sich die nassen Haarsträhnen von der Stirn und bemühte sich, es aussehen zu lassen, als würde er sich überlegend am Kopf kratzen. Helena bemerkte dies.

»Nun Jonas, was führt dich zu so später Stunde hierher?«, fragte Helena, obwohl sie den Grund dafür kannte. »Die Hausarbeit?«

»Ja, Frau Rotheld«, antwortete Jonas mit einem kräftigen Schlucken. »Ich habe die letzten Tage wirklich nichts anderes getan, als zu schreiben. Jede freie Minute. Und da habe ich völlig die Zeit vergessen. Könnten Sie meine Arbeit trotzdem noch annehmen, auch wenn die Frist schon vorbei ist? Bitte. Das wäre sehr nett.«

Er strich mit seiner rechten Hand unsicher über das Deckblatt der Hausarbeit, die auf seinem Schoß lag, und blickte verlegen auf die durch seine Schuhe verdreckte Fußmatte.

»Ausnahmsweise«, sagte Helena und bemühte sich streng zu klingen. Wie hätte sie »Nein« sagen können, wenn sie selbst jeden Termin und jede Frist nur mit Hilfe der Erinnerungsfunktion ihres Handys einhalten konnte?

Jahrelang hatte sie sich erfolgreich gegen diesen neumodischen Schnickschnack gewehrt, bis ihr Bertold zum vierunddreißigsten Geburtstag ein iPhone schenkte. Scheiß-Phone. Sie mochte es nicht. Das Teil lag drei Wochen lang unberührt in seiner Verpackung. Eines Morgens in einem Anflug von unüberlegtem Enthusiasmus bat sie Bertold, ihr das Ding fertig zu machen.

»Fertig machen? Das Einrichten auf deine individuellen Vorlieben kann Stunden dauern. Aber für dich mache ich das gerne, mein Schatz«, hatte Bertold gespottet.

Da hatte sie den Salat, den Obstsalat. Fortan musste sie es benutzen, um Bertolds Bemühung wertzuschätzen. Zu ihrem Missfallen wurde aus der ungeliebten Beziehung so etwas wie Abhängigkeit: Erinnerungsfunktion, Wetternews, schnell etwas googlen. Am meisten hasste sie, dass sie anfing, das Teil zu mögen. Und ein paar Wochen später hatte sie sich dabei erwischt, wie sie überlegte, eine im Schaufenster liegende, zwanzig Euro teure Handyhülle, auf die der Eiffelturm gedruckt war, zu kaufen.