• Herausgeber: Humboldt
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2012
Beschreibung

Ein Mann kann jede Frau verführen, die er will. Leidenschaft, Lust und Hingabe sind keine bewussten Entscheidungen, sondern unterliegen dem Instinkt. Der Autor zeigt, dass Frauen in erstaunlich kurzer Zeit zum Sex bereit sind – wenn der Mann das Richtige tut.

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Seitenzahl: 172

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Impressum

Armin Fischer: Sex nach sechs Stunden

ISBN 978-3-86910-570-3 (EPUB)

ISBN 978-3-86910-580-2 (PDF)

ISBN 978-3-86910-581-9 (Print, 3. Auflage))

© 2012 humboldt

Eine Marke der Schlüterschen Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover

www.schluetersche.de

www.humboldt.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Autor und Verlag haben dieses Buch sorgfältig geprüft. Für eventuelle Fehler kann dennoch keine Gewähr übernommen werden. Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden.

Lektorat: Alexandra Steiner, München

Covergestaltung: DSP Zeitgeist GmbH, Ettlingen

Coverfoto: Shutterstock/Morozova Oxana

*

Der Autor: Armin Fischer ist Journalist und Autor in München. Er hat in seinem Bestseller »Frauen. Eine Bedienungsanleitung, die selbst Männer verstehen« bereits das Verhalten des schönen Geschlechts entschlüsselt. Nun widmet er sich voll und ganz der erfolgreichen Verführung.

INHALT

Vorwort

1  Sucht, Glück, Sex und Biologie

2  Das erotische Minenfeld

3  Mann sein

4  Verführung: Frauen durchschauen

5  Verführung: Als Mann agieren

6  In sechs Stunden zum Sex

7  Ekstase, Orgasmus, Routine und Monotonie

Ein Wort zum Schluss

Vom selben Autor bei humboldt erschienen

Impressum

Vorwort

Wenn du eine Frau willst, geh hin und nimm sie dir. Das könnte die Kurzform dieses Buches sein.

Ja, natürlich ist uns klar, dass Frauen die auswählende Rolle bei der Partnerfindung übernehmen. Das hat tiefere biologische Ursachen, auf die ich später im Detail eingehe. Ein Verführer aber, ein überlegener Mann, der die Interaktion von Frau und Mann verstanden hat, vermag es mehr und mehr, die Selektionsrichtung zu ändern: Vom Ausgewählten wird er zum Auswählenden. Das ist der Kern dieses Buches. Es zeigt Ihnen die Grundlagen, den Weg und die Techniken, die Sie brauchen, um als überlegener Mann aus einer Vielzahl von Frauen auszuwählen. Dass Sex in diesem Zusammenhang keine Frage von Wochen oder Monaten ist sondern von Stunden, versteht sich. Und es deckt sich im Übrigen ziemlich genau mit Erkenntnissen der Flirtforschung: Vom ersten Kennenlernen bis zum Sex vergehen im Durchschnitt nicht viel mehr als sechs gemeinsame Stunden – wobei diese natürlich aufgeteilt sein können in beispielsweise drei Dates.

Sex mit einer fast fremden Frau ist keine Sensation und kein Zauberkunststück, sondern eine natürliche und folgerichtige Zuspitzung des emotionalen Bündnisses, das Sie in den gemeinsamen Stunden geschaffen haben. Wenn Sie es richtig gemacht haben, hat die Frau gar keine andere Wahl. Leidenschaft, Lust und Hingabe sind keine bewussten Entscheidungen, sondern kommen aus dem Instinkt.

Passen Sie auf: Wenn Sie sich nicht um diese Dinge kümmern und sich nicht mit diesem überlebenswichtigen Thema beschäftigen, kann es sein, dass Ihre Gene für immer und endgültig aus dem Kreislauf des Lebens gelöscht werden. Wollen Sie das? Wohl kaum.

Der Verführer ist »in«. Im Fernsehen laufen Reality TV-Shows, in denen die Kamera bekannte »Pickup Artists« dabei beobachtet, wie sie in Bars und auf der Straße schöne Frauen ansprechen und »aufsammeln« (»to pick up«). Flirtschulen und Verführseminare speziell für Männer boomen.

Es hat gute Gründe: Der Identitätsverlust des Mannes in den letzten drei Jahrzehnten ist deutlich, es fehlt an Initiationsriten und männlichen Vorbildern. Viele Männer orientierten sich eine Weile an Rollenbildern, die für das Verführen von Frauen nur unzureichend geeignet sind. Es entstand ein echtes Wissensdefizit in Sachen Männlichkeit. Was früher selbstverständlich war, wird heute neu erlernt.

Männer, denen die natürliche Fähigkeit, Frauen zu verführen im Blut liegt, nennt die »Seduction community«, eine weltweite Bewegung, die sich mit der Kunst der Verführung beschäftigt, »Naturals«. Mein Onkel, ein echter Münchner »Stenz« wie aus einem Helmut Dietl-Film, war so einer, einige meiner besten Freunde sind es auch. Vielleicht hatten auch Sie prägnante Vorbilder, vielleicht wurden Sie dadurch sogar selbst ein Natural. Gratuliere! Lesen Sie das Buch trotzdem, auch Sie können noch was lernen! Vielleicht aber spüren Sie, dass viel mehr in Ihnen steckt, als Sie bisher ausleben konnten. Dann müssen Sie dieses Buch lesen, Ihren Genen zuliebe.

Wenn Sie einige Grundregeln und ein von der Natur genau festgelegtes Ablaufschema befolgen (siehe Kapitel 5), ist es ein Kinderspiel, die schönsten Frauen in kürzester Zeit ins Bett zu bekommen. Lernen Sie es und genießen Sie es. Das widerspricht dem Konzept der großen Liebe überhaupt nicht. Denn die Frau fürs Leben werden Sie viel einfacher finden, wenn Sie mehr als eine einzige kennenlernen.

Bedenken Sie aber: Die Wirkmechanismen, die Sie hier erfahren, sind so zuverlässig, dass es für Sie zur bloßen Routine werden kann, schöne Frauen anzusprechen, sie zu verführen und mit ihnen zu schlafen. Ich kann Sie zwar nicht daran hindern, das zu tun, aber ich empfehle es nicht (oder jedenfalls nicht uneingeschränkt). Das Ziel der Übung ist nicht, zum »Sozialroboter« zu werden, der mit standardisierten und eingeübten Routinen jede Frau »rumkriegt«, aber das Gefühl dabei vergisst. Sondern im Gegenteil: Lieben Sie jede einzelne Frau, mit der Sie schlafen. Dann wird es gut, und nur dann wird übrigens auch der Sex wirklich gut.

Armin Fischer

1  Sucht, Glück, Sex und Biologie

Sex ist antiintellektuell, instinktgesteuert, manchmal wild, verschwitzt und uncool, manchmal schmutzig, gern versaut. Sex ist ein Kristallisationspunkt unserer Existenz, mächtig, allmächtig manchmal, überwältigend – hoffentlich. Und ganz und gar nicht kopfgesteuert – hoffentlich nicht.

Genau so sollten Sie es halten, und viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Wäre da nicht die vertrackte Frage: Wie kommen Frau und Mann eigentlich zusammen, was zieht sie an, was lässt die Sicherungen durchbrennen, was hält sie, was macht sie süchtig und abhängig voneinander? Und was bindet und schweißt sie für immer (Vorsicht!) zusammen?

Bevor es richtig losgeht, ein kleines Brainstorming und einige geniale Erkenntnisse der Wissenschaft, die sich in den letzten Jahren verstärkt auf dem Minenfeld Mann-Frau zu schaffen macht. Einiges wird Sie überraschen, einiges aber ahnten Sie vielleicht auch schon – wenn Sie mit Herz und Körper lieben oder liebten.

1.1  Was uns süchtig macht: Hormone & Leidenschaft

Sex kann süchtig machen. Und nicht nur Sex. Der Geruch des geliebten Menschen, seine Berührungen, seine Stimme, seine bloße Anwesenheit. Der Wunsch, mit einem bestimmten Menschen zusammen zu sein, kann überwältigend werden, wie ein Rausch. Eine Droge, die es nicht auf dem Schwarzmarkt zu kaufen gibt, und die auch der Arzt nicht verordnen kann. Sondern eine, die unser eigener Körper produziert, die uns von innen überwältigt und antreibt, irrwitzige Dinge zu tun, die wir sonst nie getan hätten: aus einem Helikopter kübelweise Rosen über dem Haus der Geliebten abwerfen; plötzlich jeden Morgen 15 Kilometer joggen, um wieder sportlich und schlank zu werden; um die halbe Welt reisen – für eine einzige Nacht, vielleicht nur für einen einzigen Kuss – Beispiele könnten wir hier beliebig viele aufzählen. Was ist los mit uns? Spinnen wir, wenn uns die Liebe überfällt?

In gewisser Weise – ja. Die Wissenschaft ist den »Durchdreh-Stoffen« in unserem Körper auf der Spur, und fast an einem Punkt, an dem sie das Geeiere und Gezerre, das Bangen und Hoffen, Schmachten und Sich-Verzehren der Verliebten erklären kann.

Warum es losgeht, durchschaut die Wissenschaft (noch) nicht so genau, sie beobachtet aber, dass dann, wenn die Verliebtheit eingeschlagen hat, eine Menge passiert. Deutlicher: Innere hormonelle Dämme brechen, Wolfsrudel fangen an zu heulen, die Titanic sinkt, die Erde bebt. Das Warum ist aber vielleicht auch banal: Wir warten darauf. Wir, unser Körper, unsere Sinne, unser Fleisch und Geist, ist stets auf der Lauer – dass »es« passiert. Dass wir IHR oder IHM endlich begegnen. Nur ein paar kleine Rahmenbedingungen müssen stimmen – und zack!

Arthur Aron, Psychologe und »Liebesforscher« (bekannt geworden vor allem durch das »Brückenexperiment«, siehe Seite 106, Kapitel 5), fasst die Ergebnisse seiner jahrelangen Studien so zusammen: »Es scheint, als ob wir einfach nur auf einen attraktiven Menschen warten, der etwas tut, das wir als folgendes Zeichen deuten können: Ich mag dich.« Attraktivität und Zuneigung – das sind die simplen Grundzutaten, damit die Achterbahnfahrt losgehen kann.

Aber dann! Wenn plötzlich alles passt, wenn man diese Schwingungen spürt, wenn die Luft zittert, wenn man sich immer näherrückt, wenn aus dem konventionellen Ein-Meter-Abstand, den wir üblicherweise einhalten, 50 Zentimeter werden. Dann nur noch 15. Wenn wir nichts weiter wollen, als mehr und näher und enger und … und … und … – dann hat uns zwar noch nicht die Liebe gepackt, aber die Leidenschaft und die Verliebtheit. Dann drehen wir durch. Unsere Hormonpumpen arbeiten, unser Körper kommt ins Schwitzen, Adrenalin jagt durch die Adern und unsere Augen sehen plötzlich nicht mehr klar und deutlich. Wir sehen nur noch »schön«.

Was ist los? In unserem Gehirn verändert sich massiv etwas, wenn wir verliebt sind. Der Serotoninwert im Körper Verliebter sinkt dramatisch – und ähnelt damit sehr dem Profil, das man auch von Patienten kennt, die unter neurotischen Zwangshandlungen leiden: fünfmal nachsehen, ob die Tür wirklich abgeschlossen ist, sich fünfzigmal am Tag die Hände waschen, beim Verlassen das Hauses eine exakte Route einhalten und auf keinen Fall aufs falsche Pflaster treten und Ähnliches. Verliebte werden also in gewisser Weise zu Neurotikern – nur sind es hier weniger die Handlungen, die in ein Zwangsraster gepresst werden, sondern die Gedanken: Alles kreist plötzlich nur noch um die Zielperson unserer Begierde. Hochgradig verliebte Studenten, die an einer wissenschaftlichen Studie teilnahmen, gaben an, dass sie mindestens vier Stunden am Tag damit beschäftigt waren, intensiv an das Objekt ihrer Begierde zu denken.

Die Glücksboten

Serotonin und Dopamin sind chemisch verwandte Stoffe, die im Körper an vielen Stellen regelnd eingreifen und sich gegenseitig beeinflussen. Beide wirken stimmungshebend. Während Serotonin auch das Blutdrucksystem, den Magen-Darm-Trakt und das Zentralnervensystem positiv beeinflusst, schreibt man dem Dopamin die heftigen Glückserfahrungen zu, die im Gehirn zum Beispiel durch Drogen oder einen Orgasmus entstehen. Unabhängig davon ist Dopamin an zahlreichen grundlegenden und lebensnotwendigen Steuerungs- und Regelungsvorgängen im Körper beteiligt.

Verliebtsein versetzt unser Gehirn also in einen labilen Unglückszustand, der nur durch das Wiedersehen des geliebten Menschen vorübergehend geheilt werden kann. Es ist eine innere Pein und ein Schmerz, den der Körper aufbaut – um das Streben nach Erlösung umso drängender zu machen. Die Belohnung folgt auf dem Fuße: Alles löst sich auf in Ruhe, Gelassenheit und Glücksgefühle, wenn wir unseren Schatz endlich wiedersehen. Der Serotoninspiegel steigt vorübergehend, der Glücksstoff Dopamin wird kurzfristig mit dem Rasensprenger im Gehirn verteilt, das Angstzentrum im Gehirn (Amygdala) ist deaktiviert – schlagartig geht es uns gut. Aber nur, solange wir mit unserem Herzblatt zusammen sind.

Leiden und Belohnung: Nichts weiter als einer von vielen biologischen Tricks der Evolution, um uns dazu zu bringen, das zu tun, was wir tun müssen: uns paaren und vermehren. Darum sind die ersten acht Wochen (oder 9½, wie in dem Kinoklassiker) einer Beziehung eine anstrengende, manchmal katastrophale, auf jeden Fall aber aufregende Achterbahnfahrt.

1.2  Was uns glücklich macht: Hormone & Liebe

Wenn die genialen biologischen Mechanismen unserer Körper den ersten Leidenschaftskick erzeugt haben, ist das aber erst der Anfang. Worauf die Biologie abzielte, war Vereinigung, Verschmelzung der Körper, Sex. Wenn das im Turbotempo vor sich ging, sind unsere Gene darüber nicht traurig. Im Gegenteil, sie jubeln. Im evolutionsbiologischen Sinne ist eine Drei-Minuten-Wäschekammer-Affäre ein höchst erfolgreicher Akt: Wham-Bam, thank you Ma’am.

Die Natur belässt es aber nicht dabei. Sie denkt auch an später. Klar, das Zeugen ist das A und O, ohne Beischlaf keine Fortschreibung unserer Gene. Wenn das aber erledigt ist, plant die Natur schon weiter: Der Nachwuchs muss auch aufgepäppelt werden, das Baby braucht Schutz und Versorgung – zumindest für eine gewisse Zeit. Dafür ist es am besten, wenn die beiden Elternteile für eine Weile zusammenhalten und ein Team bilden. Darum sind wir Wesen, die sich nicht täglich quer durch die Fußgängerzone vögeln, sondern eher temporär-partiell monogam veranlagt. Kurz – wir wollen mehr als Sex: Bindung, Liebe, Verlässlichkeit, eine Partnerschaft, die hält. Auch dafür hat die Wissenschaft den Geheimstoff entdeckt.

Oxytocin: Klebstoff der Liebe

Oxytocin ist, populärwissenschaftlich gesprochen, ein Hormon der Bindung, das uns lebenslang begleitet. Durch das Saugen eines Babys an der Brust der Mutter wird deren Oxytocin-Ausschüttung angeregt, was einerseits für einen schnelleren Milchfluss sorgt, andererseits bei der Frau wohlige bis lustvolle Gefühle hervorruft. Dieser angenehme Wirkkreislauf sorgt letztlich für eine stärkere emotionale Bindung von Mutter und Kind. Die Sexualwissenschaft hat herausgefunden, dass ein ähnlicher Effekt der Zufriedenheit und Bindung, ausgelöst durch Oxytocin, auch kurz nach dem Orgasmus von Mann und Frau auftritt und so die sexuelle Vereinigung sozusagen emotional aufwertet. Der Name Oxytocin kommt aus dem Griechischen und bedeutet »schnelle Geburt«. Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, die der Stoff bewirkt, sorgen einerseits beim Orgasmus dafür, dass das Sperma des Mannes regelrecht »eingesaugt« wird; andererseits lassen sich damit bei Schwangeren die Wehen auslösen. Oxytocin wird daher in der Geburtshilfe seit langem als Medikament eingesetzt, das den Geburtsvorgang beschleunigt.Der Rausch der Leidenschaft kann nicht ewig andauern, das würde unser Körper nicht durchhalten. Ständig gebeutelt zwischen Hoffen und Bangen, Sehnsucht und Wiedersehen. Kurzfristig den Kopf gespült mit Glücksdrogen, dann Entzug, neues Leiden, Angst und Depression. Darum stellt sich nach einer Weile wieder Normalität ein: Die Sucht, der Rausch verfliegt, die Droge wirkt nicht mehr. Damit die Partner aber im evolutionär vorteilhaften Sinne eine Weile zusammenbleiben, hat die Natur eine andere starke Waffe im Arsenal: Oxytocin, das »Bindungshormon« schlechthin. Dieser »Beziehungsklebstoff« macht es möglich, eine leidenschaftliche Affäre in eine beständige Partnerschaft umzuwandeln – wenn die Partner denn überhaupt zusammenpassen und zusammenkommen wollen. Denn was in den leidenschaftlichen ersten paar Wochen passierte, geschah im Rausch. Ob es einer nüchternen Betrachtung standhält, zeigt sich erst danach.

Oxytocin ist ein Dopamin-Ankurbler erster Güte – diesen Glücksstoff des Gehirns hatten wir bereits zuvor erwähnt. Aber im Gegensatz zum suchthaften Wechselspiel des Dopamins mit dem Serotonin, das den rauschhaften Zustand des Verliebtseins kennzeichnet, sorgt Oxytocin auf eine friedvolle Weise für den wohligen Dopamin-Regen im Gehirn. Man kann sagen, es stellt die Beziehung – vorher flatterhaft, unsicher und nervös – auf gesunde Beine. Die Liebe wird erwachsen.

Massenhaft freigesetzt wird das Hormon – raten Sie mal – beim Orgasmus. Um das zehn- bis zwanzigfache steigt der Oxytocin-Pegel bei Mann und Frau kurz nach dem Orgasmus an – und ist verantwortlich für die entspannte Zufriedenheit nach dem Sex. Frauen, die multiple Orgasmen erleben, schwingen sich zu einem regelrechten Oxytocin-Rausch auf. Mehr, mehr, mehr …

Wissenschaftler sind heute der Meinung, dass Oxytocin für uns der wichtigste Bindungsklebstoff ist. Zwei Menschen, die aufeinander mit der Ausschüttung dieses Hormons reagieren, sind ziemlich solide zusammengeschweißt. Und das Spiel der Bindungsstoffe scheint sogar eine Eigendynamik zu entwickeln. Nach einiger Zeit ist es nämlich so, dass Partner durch einen einfachen Körperkontakt, eine Umarmung, eine Berührung einen Oxytocin-Ausstoß erleben. Nicht so wuchtig wie bei einem Orgasmus, aber immerhin. Berührungen, die gepflegt werden, und körperliche Nähe sind deshalb auch ein wesentliches Fundament für eine Beziehung, die etwas länger dauert als ein paar Stunden oder heftige Monate.

1.3  Sex nach sechs Stunden

Von vielen meiner weiblichen Bekannten kam bezüglich des Buchtitels »Sex nach sechs Stunden« fast standardmäßig (halb scherzhaft) der Satz: »Sechs Stunden? So lange? Das geht doch auch in ein oder zwei Stunden!« Sie haben völlig Recht. Wenn beide es wollen und keine äußeren Hindernisse im Wege stehen, reicht auch eine intensive Stunde in einer Bar oder in einem Café für das präkoitale Beschnuppern. So schnell sind wir bereit, uns mit einem völlig Fremden einzulassen. Zum einen, weil es Spaß macht. Zum anderen sind Flirten und Sex auch Tests, um herauszufinden, ob es der/die Richtige ist. Weil Frauen durch die Pille oder andere Methoden ihr Schwangerschaftsrisiko besser einschränken können denn je, ist auch für sie Sex nicht mehr der letztgültige, ultimative Akt einer Beziehung oder Partnerschaft, sondern eher eine Stufe auf dem Weg dorthin. Für uns Männer war es ja noch nie etwas anderes als eine Suche.

So setzt »Sex nach sechs Stunden« also eher den Zeitrahmen nach oben fest. Wenn es wesentlich länger dauert, wird wahrscheinlich gar nichts mehr daraus. Dann ist irgendwas schiefgelaufen. Diese sechs Stunden müssen aber nicht »am Stück abgearbeitet« werden. Realistischer und lebensnaher ist eine Aufteilung in Liebeshäppchen: ein erstes Date im Park, ein Abendessen, ein gemeinsames Kochen – und hoppla, dann ist es passiert … Zufall oder Notwendigkeit? Die Natur lacht sich eins und sagt: »Da hab ich euch aber mal wieder schön eingelullt – und am Ende habt ihr guten Sex gehabt, danke! Und hoffentlich funktioniert die Verhütung nicht perfekt, denn es muss doch weitergehen mit der Menschheit.« (Dass Sie sich, unabhängig von den größeren Plänen der Natur, beim Sex mit einer neuen Partnerin durch ein Kondom schützen sollten, ist klar.)

Beobachtungen und wissenschaftliche Studien zeigen: Wenn es zum Sex zwischen Mann und Frau, die sich neu kennenlernen, kommt – dann geschieht das zu 80 Prozent beim ersten bis dritten Treffen. Passable Chancen gibt es noch beim vierten Treffen, aber danach sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Sex zwischen diesen beiden Kandidaten überhaupt jemals stattfindet, rapide. Und dann ist auch die Sex-entscheidende Sechs-Stunden-Frist abgelaufen. Nichts geht mehr.

Aber egal, wie viele Minuten, Stunden oder Tage bis zum ersten Sex vergehen: Gewisse Stufen der Annäherung müssen auf jeden Fall eingehalten werden – ohne die geht es nicht. Flirtforscher, die erstmals den magischen Moment des ersten Kennenlernens zweier Sexkandidaten unter die Lupe nahmen, waren fasziniert davon zu sehen, dass eine gewisse Reihenfolge im Ablauf der romantischen Geschehnisse unbedingt und in jedem Fall eingehalten werden muss – wenn das Vorhaben denn zum Erfolg (Koitus) führen soll. Als sie die Muster erkannten, sahen sie plötzlich die Paare wie mit festgeklebten Post-its auf der Stirn vor sich: »Fass mich an!«, »Erzähl mehr, es erregt mich!«, »Komm näher!«, »Halt, ich bin noch nicht so weit!«, »Ich bin schon ganz heiß!«, »Lass uns noch woanders hingehen …« Es war plötzlich alles so klar, dass die Wissenschaftler mit großer Sicherheit vorhersagen konnten, ob ein Paar die Bar gemeinsam verlassen würde oder nicht.

Für den Verführer bedeutet das: Wenn er die Stufen der Annäherung kennt und verinnerlicht hat, muss er gar nicht viel tun. Eher weniger. Nur nichts falsch machen und warten, bis ihm die Frau wie eine reife Frucht in die Arme fällt. Irgendwann gibt es einen Punkt, an dem sie gar nicht anders kann. Wir kommen bald darauf zurück – versprochen!

2  Das erotische Minenfeld

Liebe, Beziehung, Leidenschaft, Affäre, Treue – all diese Worte sind mit Erwartungen behaftet. Und mit Verhaltensmustern verbunden, die wir aus Filmen, Romanen und Geschichten aus Zeitungen kennen. Die Worte sind Hilfskonstrukte, an denen wir uns festhalten.

2.1  Die großen Worte

Die Liebe gehört nicht zu den urzeitlichen Grundgefühlen des Menschen wie Hunger, Sexualtrieb, Angst, Schmerz. Nein, sie ist ein – zwar wunderbares und prima funktionierendes, aber dennoch – soziales Konstrukt, das wir uns wuschgemäß zusammenbasteln. Liebe ist die von uns selbst erschaffene Manege, in der die wilden Pferde Gier, Trieb, Leidenschaft und sexuelle Ekstase brav im Kreis trotten sollen, damit wir alles schön im Griff haben. Die Pferde tun uns bisweilen den Gefallen, aber nicht immer, denn sie sind wild. Sie brechen gern mal aus. Brennen durch, in die Prärie, rennen, schnaufen, paaren sich und wollen frei sein. Der Kern der Liebe zwischen Mann und Frau ist die sexuelle Spannung, der Trieb, es miteinander zu treiben. Falls Sie etwas anderes glauben, haben Sie zu viel in der Bibel gelesen oder sind von dem vielen Zuckerguss, den wir über die Liebe kippen, schwindlig geworden. Sex ist die Kraft, die sie zusammengeführt hat, und so sollte es sein und bleiben. Sex zwischen Mann und Frau ist unser Bindungselexier.

Das erste große Wort: Liebe

Populäre Irrtümer über die Liebe – Irrtum Nummer 1: Wahre Liebe hält ewig

Ein verbreiteter Irrglaube: Wenn es nicht gehalten hat, dann war es keine wahre, keine echte Liebe. Doch, das war es. Sonst hättet ihr es wahrscheinlich gar nicht bis ins Bett geschafft, oder jedenfalls nicht mehr als einmal. Es gibt keine größere oder kleinere Liebe – es gibt nur die Liebe. Und wenn sie uns packt, dann ist es für den Moment der richtige Partner. Wie lange dieser Moment andauert, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ein guter Verführer wurde gefragt: »Wie viele Frauen in deinem Leben hast du geliebt?« Seine Antwort: »Jede einzelne, mit der ich geschlafen habe.« Das ist gleichzeitig eines der Geheimnisse eines jeden guten Verführers, angefangen mit Großmeister Casanova: Lassen Sie sich ganz auf die Frau ein, leben Sie im Jetzt und lieben Sie im Jetzt. Erst eine Frau, die Liebe spürt, wird sich wirklich öffnen.