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Sie kann ihn nicht vergessen … doch ihre Gefühle bringen alle in Gefahr. Dramatische, rasante Young Adult-Romance für Fans von Leonie Lastella und Ayla Dade »Neben mir spüre ich, wie Aiden sich vorbeugt, sein Gesicht gefährlich nahe an meinem Ohr. Ich nehme seinen heißen Atem wahr, als er mit leiser Stimme sagt: ›Ich muss immer noch herausfinden, was du verheimlichst.‹« Als Amelia neu an die King City Highschool kommt, ist ihr einziger Wunsch, unauffällig zu bleiben und das Senior Year abzuschließen – ihr Leben hängt davon ab. Doch dann stößt sie mit dem heißen, mysteriösen Bad Boy Aiden zusammen und gerät mit ihm aneinander. Seine Freunde sind beeindruckt von ihrer Schlagfertigkeit und nehmen sie in ihre Gruppe auf. Trotz seiner abweisenden Art lernt Amelia so auch Aiden näher kennen und ehe sie sich versieht, verliebt sie sich in den verschlossenen Jungen mit weichem Kern und düsterer Vergangenheit. Doch Amelias Gefühle sind gefährlich, denn ihre Vergangenheit kann sie jederzeit einholen …
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Veröffentlichungsjahr: 2024
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Bei »She’s with me« handelt es sich um eine übersetzte Version des erstmals auf Wattpad.com von AvaViolet ab 2015 unter demselben Titel veröffentlichten Textes.
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Deutsche Erstausgabe
© 2020 by Jessica Cunsolo. The author is represented by Wattpad WEBTOON Studios.
Titel der Originalausgabe: »She’s with me« in Canada by Wattpad Books, 2020
© der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München 2024
Übersetzung: Mina E. Fischer
Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)
Covergestaltung: FAVORITBUERO, München
Covermotiv: Bilder unter Lizenzierung von Shutterstock.com genutzt
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Inhaltsübersicht
Cover
Textanfang
Impressum
Ich widme diese Geschichte meinen Leserinnen und Lesern, meinen Fans, Freunden und Violets. Diese Geschichte ist für euch.
In diesem Buch sind Themen enthalten, die triggernd wirken können. Am Ende des Textes findet sich eine Aufzählung, die jedoch den Verlauf der Geschichte spoilern kann.
Wir wünschen ein bestmögliches Leseerlebnis.
Ich habe schon immer unter diesem ungünstigen Zustand gelitten – man nennt ihn Orientierungsschwäche. Natürlich ist das eine Selbstdiagnose, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie zutrifft. Deshalb ist es nicht wirklich meine Schuld, dass ich Probleme habe, mich in diesem Labyrinth namens King City Highschool zurechtzufinden.
Es klingelt. Wie Tiere stürmen die Schüler aus ihren Gruppen und von den Schließfächern zum Unterricht. Verdammt! Ich werde zu spät kommen. Noch immer weiß ich nicht, wo meine erste Stunde stattfindet. Dass ich nur sehr langsam gehen kann, weil ich mich vor ein paar Wochen verletzt habe und meine Rippen immer noch nicht verheilt sind, macht die Sache nicht besser.
Als ich heute Morgen hier ankam, schickte mich die Sekretärin weg – nur mit einem Gebäudeplan und einem herablassenden »Viel Glück«. Es ist schon schwer genug, an einer neuen Schule anzufangen, besonders wenn das erste Halbjahr bereits vor anderthalb Monaten begonnen hat – aber mein Gesicht hinter einem Plan würde geradezu schreien: »Neues Mädchen, friss mich bei lebendigem Leibe!«. Ganz zu schweigen davon, dass es mein Vorhaben zunichtemachen würde, das letzte Schuljahr zu überstehen, ohne zu viel Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Nicht dass ich in der Lage wäre, die Karte überhaupt zu lesen. Wie gesagt: Orientierungsschwäche.
Als ich meinen Stundenplan erneut hervorhole, sehe ich, dass oben der Name Amelia Collins aufgedruckt ist. Diesmal ist es ein hübscher Name, trotzdem muss ich mich erst daran gewöhnen.
Noch einmal lese ich die Raumnummer, die ich mir bereits eingeprägt habe, als ob mich das erneute Lesen auf magische Weise dorthin bringen könnte. Ich werfe einen Blick auf mein nagelneues Handy und atme genervt aus. Ich habe nur noch fünf Minuten, um zum Unterricht zu kommen.
»Scheiß drauf«, murmle ich. Ziellos eile ich den Korridor entlang und suche in meiner Umhängetasche nach dem Gebäudeplan – ich hasse es wirklich, zu spät zu kommen.
Ich achte nicht darauf, wohin ich gehe, und werde plötzlich von einer Gruppe riesiger Jungs überrascht, die wie wandelnde Bäume aussehen. Sie reden und scherzen miteinander und laufen durch die Flure, als würde ihnen die ganze Schule gehören. Ich drücke mich an die Wand, ohne das Tempo zu verlangsamen, während ich in meiner Tasche nach dem Plan krame. Doch plötzlich werde ich zurückgeschleudert, als ich gegen einen Mauervorsprung knalle. Ich bin kurz davor, auf meinem Hintern zu landen. Wer entwirft denn so eine blöde Wand?
Meine Sachen haben sich überallhin verteilt. Hastig greife ich danach, ehe ich mich schnell umdrehe, nur um in ein menschliches Hindernis hineinzulaufen – wenn die eindrucksvollen Flüche ein Indiz dafür sind. Erneut krachen meine Sachen auf den Boden, während der Schmerz in meiner Rippengegend zunimmt.
Großartig. Einfach großartig!
»Bist du blind? Hast du mich nicht gesehen?«, knurrt eine Stimme.
Ich schaue auf und blicke in die aufgebrachten grauen Augen des atemberaubendsten Kerls, den ich je gesehen habe. Er ist einer dieser wandelnden Bäume – groß, muskulös, mit finsterem Gesichtsausdruck.
Sein Benehmen ist einfach furchtbar. Er war genauso schuld an dem Zusammenstoß, wenn nicht sogar mehr, denn er und seine Wolkenkratzerfreunde mussten sich ja unbedingt so breitmachen, aber ich möchte wirklich nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf mich ziehen.
»Es tut mir wirklich leid«, entschuldige ich mich, während wir uns bücken, um unsere Sachen zusammenzusuchen.
»Schafft es dein Gehirn nicht, deinen Beinen zu sagen, wohin sie gehen sollen? Falls du es nicht bemerkt hast, da war jemand vor dir. Das bedeutet, dass du Platz machen musst«, erwidert er scharf und steht mit seinem Ordner auf.
Um uns herum hat sich eine kleine Menschenmenge gebildet, die offensichtlich Gefallen daran findet, das arme Mädchen zu beobachten, das dumm genug war, sich den Zorn dieses intoleranten Idioten zuzuziehen.
Denk zuerst nach, Amelia. Sag nichts Dummes. Du musst den Kopf einziehen und das Jahr unbemerkt überstehen.
»Entschuldige. Ich bin neu hier und kenne mich nicht so gut aus.« Ich stehe mit meinen inzwischen zusammengesammelten Sachen ebenfalls auf und streiche mir mein erdbeerblondes Haar aus dem Gesicht. »Könntest du mir vielleicht sagen, wo Raum 341 ist?«
»Du bist neu, nicht blind. Versteck deine Dummheit nicht hinter Ausreden. Verschwinde, solange ich noch nett bin«, spottet er und fährt sich nun selbst mit der Hand durch sein blondes Haar.
Ach, so ist er also, wenn er nett ist? Um mich herum sehe ich die zahlreichen neugierigen Gesichter der anderen wandelnden Bäume und vieler weiterer Schüler. Ich bin gerade dabei, das genaue Gegenteil davon zu tun, mich unauffällig anzupassen. Um nicht noch mehr aufzufallen, unterdrücke ich mühsam meine Wut und schaue ihn nicht einmal mehr an, als ich an ihm vorbeischreite.
»Sieh mal einer an, sie hat doch noch ein paar gute Ideen in ihrem sonst so nutzlosen Gehirn«, höre ich ihn zu seinen Freunden sagen. Scheinbar hat er eine genetische Veranlagung dafür, ein Idiot zu sein.
Das war’s. Ich wirbele herum und gehe zu ihm zurück. Ich schaue ihm direkt in seine grauen Augen, während ich meine haselnussbraunen zu Schlitzen verenge.
»Oh, anscheinend ist ihr Gehirn doch zu einhundert Prozent nutzlos«, höhnt er zu seinen Freunden gewandt. Dann beugt er sich zu mir hinunter – dank meiner herrlichen braunen Keilabsätze bin ich immerhin drei Zentimeter größer als sonst. Er sieht mir direkt in die Augen, während er mit mir redet wie mit einem Kleinkind. »Soll ich dir einen Plan aufmalen, wie du verdammt noch mal von hier wegkommst?«, fragt er langsam und deutlich.
»Nein danke«, erwidere ich betont ruhig. »Aber ich kann dir einen Plan aufmalen, damit du genau weißt, wo du hinmusst, wenn ich dir sage, dass du zur Hölle fahren sollst.«
Alle Schüler auf dem nun überfüllten Korridor saugen hörbar die Luft ein und halten den Atem an, während sie die Szene beobachten. So überrascht, wie dieses blonde Arschloch und seine Freunde aussehen, hat noch nie jemand etwas so Gewagtes zu ihm gesagt.
Er kommt ganz nah an mein Gesicht heran und knurrt: »Jetzt hörst du mir mal zu, du kleine –«
»Nein, du hörst mir zu, Arschloch«, unterbreche ich ihn ruhig. »Erstens, verschwinde, dein Atem stinkt von dem ganzen Mist, der aus deinem Mund kommt. Zweitens, dein Schwanz gehört zu deinem Körper, nicht zu deinem Charakter« – ich schiebe ihn von mir weg –, »also solltest du besser einsehen, dass du nicht die einzige Person auf diesem verdammten Schulgelände bist. Wenn du und deine wandelnden Wolkenkratzerfreunde nicht so durch den Flur rasen würden, müssten die Leute vielleicht nicht zur Seite springen, um der Zerstörung zu entgehen. Tut mir leid, wenn dir heute Morgen jemand in deine Froot Loops gepinkelt hat, aber bitte tu uns allen einen Gefallen und belaste uns nicht mit deinen Problemen. Ein Hobby oder eine Gruppentherapie könnten dir bei deinen sozialen Schwierigkeiten helfen. Also, vielen Dank für die freundliche Begrüßung in deiner Schule, aber ich möchte jetzt gern in den Unterricht.«
Im Flur ist es still. Blondie sieht vollkommen verblüfft aus. Seine Freunde beginnen zu lachen. Sie sind ganz außer Atem und schnappen gackernd nach Luft. Diese anderen Berge sind alle genauso attraktiv wie Arschloch Nummer eins.
Es klingelt zum letzten Mal.
Na toll. Ich komme zu spät zum Unterricht.
Überzeugt davon, dass ich mich klar genug ausgedrückt und diesen Idiot zurechtgewiesen habe, drehe ich mich auf dem Absatz um. Dabei peitscht mein Haar gegen seine Schulter. Ich durchquere die sich jetzt auflösende Menge und überlasse ihn seinem brodelnden Ärger.
»O mein Gott, sie hat es dir so was von gezeigt, Aiden! Das war zum Kaputtlachen«, höre ich einer seiner hübschen Freunde rufen, während er sich vor Lachen krümmt. Der Idiot heißt also Aiden. Es ist wirklich eine Schande, dass ein so hübscher Name und ein so hübsches Gesicht an eine so hässliche Persönlichkeit verschwendet werden.
Jetzt, wo die Show zu Ende ist, ziehen die Leute ab. So viel dazu, nicht aufzufallen; ich habe das Gefühl, dass nach dieser Sache jeder über mich reden wird. Na ja, wenigstens sehe ich in meinem Rock und mit den Absätzen prima aus.
Als ich den Gang hinunterstolziere und um eine Ecke biege, fällt mir wieder ein, dass ich immer noch keine Ahnung habe, wo zum Teufel ich hinwill. Ich nehme mir eine Minute Zeit, um mich zu sammeln, und schaue mich um, ob vielleicht noch jemand auf dem Flur ist, der wissen könnte, wo mein Klassenzimmer ist.
Ich bin bereits nervös, als ich hinter mir ziemlich schwere, bedrohliche Schritte höre, und dann werde ich plötzlich herumgewirbelt und über Aidens Schulter geworfen. Mit meinem Gesicht fest auf seinen Rücken gepresst, meinem Hintern über seiner Schulter in der Luft und meiner Tasche über seinem Arm, läuft er den Flur entlang.
»Was zur Hölle tust du da? Lass mich sofort runter!«, schreie ich. Aber Aiden wird nicht langsamer und ich höre, wie dieser Idiot unter mir kichert. Ich kann nicht umhin zu bemerken, dass Aiden wirklich einen sehr schönen Rücken hat. Seine Muskeln sind unter dem engen schwarzen T-Shirt deutlich zu erkennen. Ich verrenke mir den Hals, nur um die ratlosen Gesichter von zwei der hübschen baumähnlichen Freunde zu sehen, die eben mit ihm auf dem Korridor waren.
»Könnt ihr ihn nicht zur Vernunft bringen?!«, fauche ich.
»Tut mir leid, Babe«, ruft mir der mit den kurzen braunen Haaren und den schokoladenfarbenen Augen zu und grinst amüsiert. »Wolkenkratzer halten nicht so viel vom Reden.«
Wir biegen um eine Ecke. Ich sehe die neugierigen Blicke einiger Schüler, die sich noch in den Fluren aufhalten – offensichtlich haben aber auch sie keine Lust, mir zu helfen.
Schmerz schießt durch die linke Seite meiner Brust. Verdammt. Erst gegen eine Wand zu rennen, nur um dann von dem sehr muskulösen Aiden hochgehoben zu werden, in Verbindung mit dieser unbequemen Position – das ist nicht gut. Der Schmerz breitet sich aus. Ich muss runter, bevor alles noch schlimmer wird.
»Hör zu, Kumpel. Tut mir leid, was ich vorhin gesagt habe«, lüge ich. »Aber Leute zu entführen, ist nicht der richtige Weg, um mit deinen Problemen fertig zu werden.«
Aiden rückt meinen Körper zurecht und löst eine Welle des Schmerzes in meinen Rippen aus. Ohne langsamer zu werden, rennt er eine Treppe hinauf. Mann, dieser Typ ist wie der Duracell-Hase, er wird einfach nicht müde. Ich habe Probleme zu atmen. »Bitte«, keuche ich. »Lass mich runter. Wir können darüber reden.«
Er ignoriert mich und läuft unbeirrt weiter.
»Kannst du mich nicht einfach gehen lassen …«
Aiden hält abrupt in seiner Bewegung inne und setzt mich auf dem Boden ab. Ich schaue zu ihm hoch. Mir bleibt die Luft weg. Die linke Seite meiner Rippen brennt – ja, ich habe sie mir erneut verletzt.
»Raum 341«, brummt er, lässt meine Tasche neben mir fallen und wendet sich ab.
Benommen versuche ich aufzustehen, aber der Schmerz schießt in meine linke Seite und zwingt mich zurück auf den Boden. Das wird kein gutes Ende nehmen. Entschlossen, keine Sekunde länger auf diesem unappetitlichen Fußboden zu liegen, versuche ich es erneut, aber der Schmerz breitet sich in meiner ganzen Brust aus. Ich kann mich nicht bewegen. Verdammt noch mal. Sieht so aus, als ob dies doch nicht mein erster Tag sein wird.
Ich habe mir jetzt schon dreimal die Rippen verletzt. Das ist nicht gerade gut. Ich greife in die Tasche neben mir, suche mein Handy und ziehe es heraus. Meine Mutter ignoriert meinen ersten Anruf. Typisch. Beim zweiten Mal geht sie nach dem dritten Klingeln ran. »Hallo? Haile… Ich meine Amelia?«
»Hey. Ich glaube, ich habe mir wieder die Rippen verletzt. Ich werde selbst ins Krankenhaus fahren. Ich sage es dir nur, damit du nicht ausflippst und das Schlimmste denkst, wenn die Schule anruft und sagt, dass ich nicht im Unterricht war, obwohl ich mich angemeldet habe«, erkläre ich, während ich auf dem Boden liege.
Sie seufzt, als würde sie sich fragen, wie ich es geschafft habe, meinen ersten Schultag zu ruinieren. »Wie konnte das passieren? Du musst vorsichtiger sein. Er ist immer noch da draußen. Es ist noch nicht vorbei …«
»Ich weiß. Wie es passiert ist, ist jetzt egal. Ich wollte es dich nur wissen lassen.« Selbst das Sprechen tut weh. »Ich rufe dich an, wenn ich die –« Meine Stimme versagt, als der Schmerz zu stark wird.
»Amelia? Du kannst doch nicht selbst fahren.« Ich versuche, den Hauch von Verärgerung zu ignorieren, der sich jetzt in ihren Tonfall schleicht. »Ich hole dich von der Schule ab – ich bin gleich da. Versuch in der Zwischenzeit, nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen.«
»Okay, wir treffen uns auf dem Parkplatz.«
Ich lege auf und stecke das Telefon zurück in meine Tasche, ehe ich an die Decke starre und überlege, wie ich am besten hochkomme.
»Okay, Amelia. Du bist dabei, drei gebrochene und zwei geprellte Rippen auszukurieren – du hast es beim ersten Mal geschafft, du kannst es noch einmal schaffen«, mache ich mir Mut.
Ich winkle meine Knie an, ziehe die Absatzschuhe aus und stecke sie in meine Tasche. Bevor ich es mir anders überlegen kann, rolle ich mich schnell von der rechten Seite auf den Bauch, wobei ich darauf achte, dass meine linke Seite nichts berührt.
Ich fädle meinen Arm durch den Riemen meiner Umhängetasche, damit ich mich später nicht danach bücken muss, und lege meine Arme schließlich in Liegestützposition neben meinen Kopf. Gleichzeitig setze ich die Knie ein. Nachdem ich die Füße unter mir in die richtige Position gebracht habe, stehe ich vorsichtig auf und lehne mich gegen die Schließfächer.
»Toll, du stehst. Jetzt musst du nur noch den verdammten Ausgang aus dieser labyrinthartigen Schule finden«, murmele ich zu mir selbst.
Ich versuche, mich zu orientieren, als mein Blick auf ein Paar vertraute schokoladenbraune Augen fällt. Verdammt! Wie lange ist er schon hier? Aidens braunhaariger Freund, der sich an meinen Wolkenkratzerspruch erinnert hat, steht neben einem offenen Spind und starrt mich an. Der andere wandelnde Baum mit den schmutzig blonden Haaren steht neben ihm, die Augen weit aufgerissen und ohne zu blinzeln. Ich schlucke meinen Stolz hinunter und weigere mich, Schwäche zu zeigen. Ich sehe weg und gehe in die entgegengesetzte Richtung.
»Zum Ausgang geht’s hier entlang«, ruft eine zaghafte Stimme hinter mir – es ist der mit dem schmutzig blonden Haar.
Dieser verdammte kaputte innere Kompass!
»Was habt ihr gesehen?«, frage ich, drehe mich um und schleiche auf sie zu.
»Na ja, so ziemlich alles, seit Aiden verschwunden ist und dich zurückgelassen hat«, antwortet er zögernd.
Großartig, also alles.
»Und es ist keiner von euch auf die Idee gekommen, dem Mädchen zu helfen, das mit Schmerzen auf dem Boden liegt?«
Das reißt sie aus ihrer Benommenheit. Der Braunäugige schließt schnell seinen Spind, und sie stürmen auf mich zu.
»Jetzt brauche ich eure Hilfe nicht mehr!«, rufe ich, wobei ich vor Schmerzen zusammenzucke.
Sie erstarren. »Bist du sicher, dass du uns nicht mehr brauchst?«, fragt der Braunhaarige und grinst.
Eingebildeter Mistkerl, so kann man nachtreten, wenn ein Mädchen schon am Boden liegt. Dass sie beide wie Models aussehen und ich nun, als wäre ich durch den Müllcontainer eines Restaurants geschleift worden, macht es nicht besser. Ich bin kurz davor, ihm zu sagen, wohin er sich verpissen soll, aber das Atmen fällt mir immer schwerer. Außerdem wird mir klar, dass ich nach wie vor nicht weiß, wie ich zum Parkplatz komme.
Ich hole tief Luft. »Könnt ihr mir bitte den Weg zum Parkplatz zeigen?«
»Wir bringen dich hin«, sagt der Blonde.
»Solltet ihr nicht im Unterricht sein?«
»Nein«, erwidert er. »Wir sind in deinem Kurs. Der ist das langweiligste überhaupt, und das hier ist viel interessanter.«
»Freut mich, dass mein Elend in der Lage ist, die Eintönigkeit deines Tages zu durchbrechen«, gebe ich trocken zurück.
»Verdammt, so habe ich es nicht gemeint«, murmelt er verlegen und kommt auf meine linke Seite, um meinen Arm über seine Schulter zu legen, wobei der Braunhaarige dasselbe rechts tut.
»Au!«, rufe ich Blondie zu, als der Schmerz pulsierend durch meine Rippen zieht. »Das ist die Seite, die wehtut, lass es einfach.«
»Scheiße, tut mir leid«, flucht er, während wir quälend langsam den Flur hinuntergehen. Blondie läuft voraus. Meinen rechten Arm habe ich um das braunhaarige Model gelegt, das mir beim Gehen hilft.
»Scheiß drauf«, murmelt der Typ, um den mein Arm geschlungen ist. Er bleibt stehen, nimmt mich wie eine Braut in seine braun gebrannten muskulösen Arme und geht weiter.
»Noah, halte ihre Tasche und öffne die Türen für uns«, kommandiert er. Offensichtlich hat er es satt, dass wir nur langsam vorankommen.
Ich bin froh, nicht mehr laufen zu müssen, und obwohl es untypisch für mich ist, sage ich nichts, denn ich bin zu müde und habe zu starke Schmerzen, um zu widersprechen. Wir nähern uns der schweren Flügeltür, die nach draußen auf den Parkplatz führt. Noah hält sie auf, während wir hindurchgehen. Ich schütze meine Augen vor dem plötzlich blendenden Sonnenlicht und halte Ausschau nach meiner Mutter.
»Du kannst mich jetzt absetzen. Meine Mutter sollte bald hier sein.«
Er stellt mich auf die Beine, behält aber den Arm um mich und macht keine Anstalten zu gehen. »Ihr müsst nicht mit mir warten.«
»Wir können dich doch nicht allein hier stehen lassen, oder?«, sagt Noah, setzt sich auf die Betonstufen und sieht seinen Freund an, der zustimmend nickt.
»Werdet ihr nicht Ärger bekommen, weil ihr die Schule geschwänzt habt?«, frage ich neugierig.
»Nee. Ich bin übrigens Mason.« Er lächelt und hilft mir, mich ebenfalls auf die Stufen zu setzen. »Noah hast du schon kennengelernt. Und du bist?«
»Amelia«, antworte ich. Der Schmerz in meiner Brust hat nicht nachgelassen, und obwohl ich es nicht zugeben will, bin ich irgendwie froh, dass sie mir Gesellschaft leisten.
»Weißt du«, beginnt Noah zögernd und sieht mich mit blassgrünen Augen an, »Aiden ist wirklich kein schlechter Kerl. Er wusste nicht, dass er dir wehtun würde.«
»Wenn er gewusst hätte, dass du ein paar gebrochene Rippen auskurierst, hätte er dich nicht hochgenommen. Wir sind nur ein paar Jungs, die herumalbern, weißt du? Er würde nie jemanden absichtlich verletzen, schon gar nicht jemanden, der kleiner ist als er.«
Ich wünschte wirklich, sie hätten meine Selbstgespräche im Flur nicht gehört. »Es schien ihm nichts auszumachen, ein unschuldiges Mädchen verbal zu attackieren. Und soweit ich das beurteilen kann, war es nicht das erste Mal«, antworte ich.
»Er verhält sich nicht oft so – er ist schnell gereizt und macht gerade eine schwere Zeit durch. Außerdem war er heute Morgen wirklich schlecht gelaunt, also ist er logischerweise auf das Erste losgegangen, was ihm einen Grund dazu gegeben hat – dich«, erklärt Noah, als ob das eine akzeptable Entschuldigung wäre.
»Außerdem hast du dich großartig geschlagen. Wie du ihm die Meinung gesagt hast, war mit Abstand das Beste, was ich je gesehen habe.« Mason lächelt.
»Wirklich?«, frage ich vorsichtig.
»Ernsthaft. Ihm einen Plan zur Hölle aufmalen? Unbezahlbar! Und hast du sein Gesicht gesehen, als du ihm gesagt hast, wie er seine Probleme lösen kann?« Noah lacht.
»Meine persönliche Lieblingsstelle war, als sie ihm gesagt hat, wo sein Schwanz hingehört.« Mason zwinkert mir zu.
»Ihr seid doch nicht sauer wegen dem, was ich über euch gesagt habe?«
»Was meinst du? Der Bemerkung darüber, dass wir wie wandelnde Wolkenkratzer seien, die durch die Flure rasen und alles zerstören, was ihnen in die Quere kommt?«, fragt Noah mit einem niedlichen Grinsen.
»So ähnlich«, murmle ich.
»Nein, es war lustig, und die Tatsache, dass mal jemand anderes als wir Aiden auf den Arm genommen hat, war es wert. Vor allem ein so kleines Mädchen wie du«, antwortet Mason kichernd.
»Ich hatte genug davon, mir seinen Schwachsinn anzuhören«, sage ich.
»Er ist kein schlechter Kerl, wirklich nicht.« Noah gluckst. »Und er würde sich schrecklich fühlen, wenn er wüsste, dass er der Grund dafür ist, dass du jetzt ins Krankenhaus fährst.«
»Es ist nicht seine Schuld, ich bin nicht böse auf ihn. Ich ärgere mich zwar über sein Verhalten, aber ich verstehe, dass er mich nicht verletzen wollte«, gebe ich zu. »Wenn mit meinen Rippen alles normal wäre, wäre ich einfach aufgestanden, in den Unterricht gegangen und hätte ihm eine Menge Schimpfwörter an den Kopf geworfen, wenn ich ihn das nächste Mal auf dem Flur gesehen hätte. Es wäre mir lieber, wenn das unter uns bleiben würde«, sage ich zu den beiden hübschen Jungs neben mir. »Niemand muss von meinen Verletzungen erfahren, okay?«
Die Jungs tauschen einen Blick aus. Noah mustert mich. »Wie hast du dir … wie viele waren es noch gleich … drei Rippen gebrochen? Und drei weitere geprellt?«
»Drei gebrochen, zwei geprellt«, sage ich und beantworte seine Frage absichtlich nicht.
»Richtig, also wie ist es passiert? Der Klassiker, Singen unter der Dusche und dann ausrutschen?«, scherzt Mason.
Die Erinnerung an diese schreckliche Nacht lässt mich erschaudern. Ich denke an die leblosen braunen Augen, die mich immer noch verfolgen – er ist der Grund, warum ich in einen anderen Staat ziehen musste. Mal wieder.
»Nein, ehrlich gesagt neige ich einfach nur zu Unfällen«, wiegele ich ab und versuche, sie zu beruhigen.
»Das muss ein ziemlich schlimmer Tollpatschmoment gewesen sein«, meint Noah kichernd.
Meine Mutter hält vor uns an und erspart mir damit eine Antwort. Ihr missbilligender Gesichtsausdruck führt sofort dazu, dass ich mich anspanne. Mist, ich hätte mich mehr anstrengen müssen, damit die Jungs zum Unterricht gehen. Jetzt werde ich von meiner Mutter eine Standpauke bekommen. Sie steigt aus dem Auto, schiebt sich ihre Sonnenbrille auf die Stirn und streicht ihr schulterlanges braunes Haar zurück, während sie Mason und Noah zornig anschaut. »Danke, dass ihr Amelia geholfen habt, Jungs, aber jetzt kann ich übernehmen. Geht zurück in den Unterricht.«
Sie zögern kurz und sehen sich an, aber ich versichere ihnen, dass es mir gut geht, und bedanke mich dafür, dass sie mir Gesellschaft geleistet haben.
»Wirklich, Amelia?«, sagt meine Mutter, als sie vom Schulparkplatz runterfährt, die Finger fest ums Lenkrad gekrallt.
»Es ist nicht das, wonach es aussieht.«
»Das hoffe ich. Willst du wirklich wieder umziehen?«
Ich beiße meine Zähne zusammen, um sie nicht anzuschreien. Ich weiß es. Ich weiß das alles. Ich brauche sie nicht, um mich daran zu erinnern. »Nein.«
»Dann denk daran, was du versprochen hast. Keine Partner. Keine sozialen Medien. Keine Teams oder Vereine. Du darfst ins Fitnessstudio gehen und zum Ju-Jutsu-Training. Ich kann dir nicht verbieten, Freunde zu finden, aber du musst verantwortungsbewusst sein.«
Den Rest der Fahrt zum Krankenhaus schweigen wir. Ich weiß, was zu tun ist. Ich muss mich um jeden Preis ruhig verhalten.
Zwei Wochen und eine Menge Schmerzmittel später finde ich mich erneut in den überfüllten Korridoren der King City Highschool wieder.
Da ich im Grunde nichts zu tun hatte, während ich mich von meinen frisch geprellten Rippen erholte, machte ich es mir zur Aufgabe, den Gebäudeplan der Schule zu studieren, der für mich wie in Hieroglyphen geschrieben zu sein scheint. Mit neu gewonnenem Selbstvertrauen stolziere ich nun durch die Flure, als gehörten sie mir. Ich werfe mein leicht gelocktes erdbeerblondes Haar über die Schulter, was superheiß aussehen würde, wenn ich dabei in Zeitlupe gefilmt würde.
Während ich den Flur hinuntergehe, spüre ich, wie viele Augen auf mich gerichtet sind. Ich würde gern glauben, dass es an meinem hübschen Outfit liegt, aber tief im Inneren weiß ich, dass dem nicht so ist.
Meine Mitschüler sehen mich entweder an, weil ich, obwohl es schon Mitte Oktober ist, die Neue bin. Da ich es an meinem ersten Tag noch nicht einmal in meine erste Stunde geschafft habe, haben mich viele dieser Leute noch nicht gesehen. Oder weil sie, und das ist der weniger wahrscheinliche Grund – und ich bete, dass es nicht das ist –, immer noch über meinen Vorfall mit Aiden sprechen. Aber in einer so großen Schule sind in den letzten zwei Wochen sicher noch viel interessantere Dinge passiert.
Ich erreiche Nummer 341 und nehme einen Platz in der Mitte des Geschichtssaals ein. Ein paar andere Schüler sind hier, aber die meisten lungern noch auf den Fluren herum und genießen ihre letzten kostbaren Momente der Freiheit, bevor sie sich durch die Allgemeinbildung quälen müssen.
Ich ziehe mein Heft aus der Tasche und beschäftige mich damit, die Seite am oberen Rand zu datieren. Ich versuche, das Datum mit Rot zu unterstreichen, aber die Tinte kommt nicht raus. Blöder Stift! Er funktioniert nicht einmal, als ich damit auf den Rand der Seite kritzle. Ich bin so vertieft in den Versuch, den Stift zum Schreiben zu bringen, dass ich überrumpelt werde, als sich ein Paar Hände über meine Augen legt. Für einen Moment wird alles schwarz.
Es geht so schnell, ich reagiere automatisch. Meine Hände greifen nach den Handgelenken meines Angreifers, ich zerre daran und drehe sie ein bisschen, übe Druck aus, denn ich weiß, dass ich sie wegziehen kann, wenn ich sie nur noch ein bisschen mehr rotiere. Ich springe von meinem Platz auf und wirbele herum.
»Aua, aua, aua, aua.« Vertraute schokoladenbraune Augen. Schnell lasse ich seine Hände los.
»Verdammte Frau, kein Grund, Karate Kid mit mir zu spielen«, jammert Mason und reibt sich die Handgelenke.
»Tut mir leid!«, sage ich verlegen. »Nächstes Mal schleichst du dich nicht an ein Mädchen heran.«
Zum Glück hat es noch nicht geklingelt, sodass mir nur ein paar wenige Leute neugierige Blicke zuwerfen; die meisten Jugendlichen im Raum sind sowieso total mit ihren Handys beschäftigt.
»Du hast wirklich einen eisernen Griff. Das ist so seltsam, weil du so süße, klitzekleine Hände hast«, stichelt er und macht sich über die ganze Sache lustig.
Ich weiß nicht wirklich viel über Mason, aber der Junge fängt irgendwie an, mir ans Herz zu wachsen. Wenn er nur nicht BFF mit dem Idioten Aiden wäre, hätte ich in Betracht gezogen, mich mit ihm anzufreunden.
Es klingelt. Anstatt zu antworten, strecke ich ihm die Zunge raus und drehe mich um, um mich wieder auf meinen Platz zu setzen.
»Das kannst du viel besser«, sagt eine Stimme zu meiner Linken. Ein wirklich hübsches Mädchen sitzt am Tisch neben mir und wirft mir mit ihren strahlend blauen Augen einen enttäuschten Blick zu.
»Wie bitte?«, frage ich verwirrt.
»Oh, ich meine es nicht böse«, erwidert sie und schiebt sich ihr lockiges, schulterlanges braunes Haar mit karamellfarbenen Strähnen über die Schulter. »Jemand, der so hübsch ist und einen so guten Sinn für Mode hat wie du, sollte nicht so tief sinken und sich mit diesem Aufreißer einlassen.«
Mason steht nun im hinteren Teil des Klassenzimmers und unterhält sich mit Noah und ein paar anderen Jungs. Fast jedes Mädchen im Raum (außer dem neben mir) schaut verliebt in ihre Richtung, als wären sie in Trance.
»Oh, nun, danke. Aber ich und Mason? Igitt, niemals. Ich will nichts mit ihm und seinen idiotischen Freunden zu tun haben, vor allem nicht mit diesem Arschloch Aiden.«
Sie sieht mich an, und ihre blauen Augen beginnen vor Anerkennung zu leuchten. »O mein Gott! Du bist das Mädchen, das vor ein paar Wochen Aiden die Meinung gesagt hat! Ich wusste, dass es einen Grund gibt, warum ich dich sofort mochte, mal abgesehen von deinen hübschen Schuhen.«
»Du hast es gesehen?«
»Das war nicht nötig! Alle haben darüber gesprochen. Was ist passiert? Es gab Gerüchte, dass du die Schule abgebrochen hast und in die Antarktis gezogen bist, aus Angst, er würde sich rächen.«
»Bitte, ich habe keine Angst vor diesem Arschloch. Bin ich genervt? Ja. Verärgert? Auf jeden Fall. Aber verängstigt? Niemals«, antworte ich.
»Ich glaube, wir werden uns gut verstehen.« Sie lächelt mich an. »Ich bin übrigens Charlotte, und nein, du darfst mich nicht Charlie nennen. Char? Ja. Aber ich bin kein Mann, also nenn mich nicht Charlie.«
»Amelia.« Ich lache.
»Zeig mir mal deinen Stundenplan. Vielleicht haben wir ja noch ein paar andere Kurse zusammen!« Sie quiekt. »Wir haben in der dritten Stunde Chemie, und dann können wir zusammen Mittagessen gehen!«
»Klingt gut.« Zum ersten Mal seit langer Zeit lächle ich aufrichtig und verdränge das Echo der Stimme meiner Mutter, die mich daran erinnert, dass ich vorsichtig sein soll.
Ein Mann Anfang vierzig kommt herein und stellt seine Aktentasche auf dem Lehrerpult ab. Da der Unterricht beginnt, können wir uns nicht länger unterhalten. Nach der ersten Stunde und nachdem ich einer sehr energischen Charlotte versprochen habe, mich in Chemie neben sie zu setzen, sitze ich in der zweiten Stunde ganz vorn: in Mathe.
Ich bin so aufgeregt! Ich werde in diesem Kurs so viel Spaß haben!
Sarkasmus. Das war Sarkasmus.
Gerade als es klingelt, kommt das Arschloch höchstpersönlich reinspaziert. Es unterhält sich mit einem Jungen mit dunkelbraunem, fast schwarzem Haar – dem vierten BFF der wandelnden Bäume. Weder Aiden noch sein Freund nehmen mich wahr. Sie setzen sich in die hinteren Reihen auf der gegenüberliegenden Seite des Klassenzimmers. Ich rutsche auf meinem Sitz weiter nach unten und bete, dass ich die mir zugewiesene Folter überstehe, ohne dass er mich bemerkt.
Der Unterricht verläuft ohne Probleme, alle meine Gebete werden erhört. Da ich nichts lieber als hier raus will, packe ich beim Klingeln schnell alles wieder in meine Tasche. Ich habe es so eilig, dass dabei mein Heft auf den Boden fällt.
»Scheiße«, fluche ich leise.
Als ich danach greifen will, kommt mir eine große Hand zuvor. Ich richte mich auf und stehe dem atemberaubend gut aussehenden Aiden direkt gegenüber. In den Händen hält er mein Schulheft.
Dieser Moment ist so klischeehaft, dass ich versucht bin, mit den Augen zu rollen.
Sein Blick ist nicht zu entziffern. Ich nehme ihm mein Heft ab, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen und ohne dass er sich wehrt. Ich stehe da und schaue ihn fragend an. Dann drehe ich mich um und gehe zur Tür hinaus in Richtung dritte Stunde, Chemieunterricht.
Das war seltsam. Und was macht er überhaupt in Mathe? Ist es nicht illegal, umwerfend auszusehen, körperlich fit und klug zu sein, wenn man eine schreckliche Persönlichkeit hat? Wow, ich möchte mit demjenigen sprechen, der entscheidet, wer welche Gene bekommt – das ist wirklich unfair.
Ich komme früh in den Chemieunterricht. An einem Zweiertisch in der Mitte des Klassenzimmers sehe ich Charlotte sitzen. Begeistert winkt sie mich zu sich herüber und ich setze mich neben sie.
»Wie war’s in Mathe?«, fragt sie, als wüsste sie bereits, wie sehr ich das Fach liebe.
»Ach, du weißt doch, Mathe macht immer wieder Spaß! Aber Aiden und sein Freund sind in meinem Kurs.« Ich versuche, nicht verbittert zu klingen.
Ihre Augen weiten sich. »Hat er was gesagt? Irgendwas gemacht? Und warte, welcher Freund?«
»Nun, nicht Mason oder Noah, die kenne ich. Der hier war groß, muskulös und zugegebenermaßen ziemlich gut aussehend.« Was ich ihr nicht sage, ist, dass er nicht so süß ist wie Aiden. Was? Ich habe Augen! Ich kann nichts dafür, wozu sie sich hingezogen fühlen! »Er ist eher blass, hat dunkelbraunes Haar, fast schwarz«, fahre ich fort.
»Das war Julian«, setzt sie mich ins Bild. »Hör zu, ich sag dir, wie es hier läuft.« Sie senkt ihre Stimme, obwohl noch kaum jemand im Klassenzimmer ist. »Also, da gibt es die Gruppe der Jungs: Aiden, Mason, Noah und Julian, und ja, sie stehen sich sehr nahe, sind beste Freunde. Sie sind berüchtigt für ihr eingebildetes, egoistisches Auftreten. Jeder liebt sie. Die Jungs wollen mit ihnen befreundet sein, und von den Mädchen will ich gar nicht erst anfangen.«
»Sind sie Aufreißer?«
»Bitte«, spottet sie. »Sie behalten die Mädchen nicht lange genug, um als Aufreißer durchzugehen. Noah und Mason können jede bekommen, die sie wollen, aber sie hatten noch nie eine richtige Beziehung. Alle Mädchen sind hinter Aiden her, aber er schenkt ihnen kaum Beachtung. Er hatte mal eine Zeit lang etwas mit der Bienenkönigin der Schule, Kaitlyn Anderson, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er mit ihr fertig ist. Sie ist ein richtiges Miststück, deshalb bin ich überrascht, dass er so lange mit ihr zusammen war.«
»Ich finde immer mehr Gründe, diese Jungs zu mögen.« Charlotte lacht nur, aber ich bin trotzdem neugierig. »Was ist mit Julian? Dem, den ich mit Aiden in meinem Mathekurs gesehen habe?«, frage ich.
»Früher war er genauso schlimm wie Noah und Mason, aber ich glaube, er hat sich geändert. Er ist jetzt seit etwa vier Monaten mit demselben Mädchen zusammen, Annalisa, und es scheint ziemlich gut zwischen ihnen zu laufen«, antwortet sie.
»Was für ein Problem hast du mit ihnen?«, frage ich.
»Was meinst du?«
»Du bist neben mir das einzige Mädchen, das in ihrer Gegenwart nicht zu sabbern anfängt.«
»Ich bezweifle nicht, dass sie heiß sind. Das Einzige, was für sie spricht, ist ihr Aussehen, das kann selbst ich nicht leugnen.«
»Redest du wieder über mich, Charlie?«, unterbricht uns ein gut aussehender Typ mit verführerischen braunen Augen, der gerade in den Klassenraum gekommen ist und den letzten Teil unserer Unterhaltung gehört hat. Er setzt sich an den Gruppentisch hinter uns.
»Krieg dich wieder ein, Chase. Das ist übrigens Amelia. Amelia, dieser bescheidene Trottel hier ist Chase.« Sie stellt uns einander vor, sichtlich verärgert darüber, dass er den von ihr nicht gerade bevorzugten Spitznamen benutzt hat. »Sie ist diejenige, die vor ein paar Wochen Aiden die Meinung gegeigt hat.«
Seine Augen weiten sich, als er mich ansieht. Dann lacht er. »Ich wünschte so sehr, ich wäre dabei gewesen.«
»Du bist mit ihnen befreundet?«
»Wider besseres Wissen«, schaltet sich Charlotte ein.
»Komm schon, Charlie, du weißt, dass ich dich immer mehr lieben werde als sie.« Er zerzaust ihr das Haar und schenkt ihr ein unschuldiges Lächeln.
»Hey, nicht die Haare!« Sie blickt ihn finster an.
×
Nach dem Chemieunterricht zieht mich Charlotte aufgeregt durch die Korridore in Richtung Cafeteria. Dabei redet sie über alles und jeden. Als wir hineingehen, fallen uns sofort Aiden und seine Freunde auf. Sie teilen sich einen Tisch mit ein paar Mädchen.
»Siehst du das blonde Mädchen, das praktisch auf Aidens Schoß sitzt? Das ist Kaitlyn Anderson. Sie ist diejenige, von der ich dir vorhin erzählt habe – die Zickenkönigin hier. Sie ist wunderschön, Furcht einflößend, und ihre Mutter ist die Schulleiterin. Manchmal sitzt sie mit ihnen am Tisch«, erzählt sie mir.
»Allerdings mag sie keiner der Jungs – sie ertragen sie eher«, fügt Chase hinzu, der hinter uns auftaucht.
»Jedenfalls«, sagt Charlotte, sichtlich verärgert darüber, dass sie mitten in ihrer Erklärung unterbrochen wurde, »ist sie hoffnungslos in Aiden verliebt, extrem besitzergreifend ihm gegenüber –«
»Obwohl er ihr schon so oft gesagt hat, dass sie sich verpissen soll. Sie läuft ihm einfach hinterher und schüttelt seine Beleidigungen ab. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, dass sie das perfekte Paar wären, und jetzt versucht sie alles, um diese Fantasie Wirklichkeit werden zu lassen«, schaltet sich Chase wieder ein, und Charlotte starrt ihn an. »Was?« Er zwinkert. »Ich bin mit dem Typen befreundet – ich helfe nur, die ganze Erklärung ins rechte Licht zu rücken!«
»Richtig. Wie ich schon sagte. Sie ist eine Schlampe. Kaitlyn und ihre Stellvertreterin Makayla Thomas sowie ihre Möchtegern-Barbie-Anhängerinnen sind skrupellos. Versuch einfach, so wenig wie möglich mit ihnen zu tun zu haben.«
Kaitlyn hält Hof an Aidens Tisch und unterhält sich mit ein paar anderen Mädchen. Soweit ich sehen kann, ist sie das klassische Klischee einer Schulkönigin, wie sie in jedem Teeniefilm vorkommt. Sie weiß, dass sie heiß ist, und das nutzt sie aus, obwohl sie ohne den selbstgerechten Gesichtsausdruck noch viel hübscher wäre.
»Ich glaube, ich könnte es mit ihr aufnehmen«, murmele ich und folge Charlotte zu einem der leeren Mittagstische. Charlotte und Chase lachen und lassen mich wissen, dass sie nicht daran zweifeln.
»Isst du heute mit uns, Charlie?« Chase nickt in Richtung des Tisches von Aiden und seinen Freunden.
Charlotte macht ein Gesicht, als hätte er sie gerade gebeten, einen Tausendfüßler zu verspeisen. »Nö. Aber geh du nur und hab Spaß. Und nenn mich nicht Charlie.«
Chase zögert, widerspricht aber nicht. Er sagt, dass wir uns später sehen, ehe er sich zu seinen Freunden setzt.
Während wir essen, reden wir über Lehrer, Filme, Make-up und auch sonst über fast alles.
Plötzlich hält Charlotte mitten im Satz inne und schaut hinter mich. Da ist Aiden. Er geht direkt auf unseren Tisch zu. Wie immer sieht er umwerfend aus. Sein T-Shirt spannt sich über seine breite Brust, betont sie und hebt die Bauchmuskeln leicht hervor. Als er näher kommt, bleibt sein Blick aus irgendeinem Grund an mir hängen.
Er bleibt stehen, schaut zu mir herunter und sagt schließlich: »Amelia.«
Es ist mir etwas peinlich zuzugeben, dass mein Herz ein wenig flattert, als er meinen Namen sagt. Warum muss er nur so verdammt perfekt sein?
»Hey, Charlotte.« Aiden schaut Charlotte an, und sie grüßt zurück. Dann sieht Aiden wieder zu mir. »Ich muss mit dir reden, Amelia.«
Alle Augen in der Cafeteria sind auf uns gerichtet. Entweder spürt Aiden es nicht, oder es ist ihm egal, denn er steht ruhig da und wartet darauf, dass ich antworte.
»Oh, wir sind also bereit, uns heute zivilisiert zu benehmen?« Ich sage es, ohne nachzudenken; es rutscht mir einfach so raus.
»Schon streitsüchtig?«
»Sagt der Typ, der ein Mädchen runtermacht, wenn er sie über den Haufen rennt.«
»Hör zu, es dauert nicht lange. Bitte.«
Ich bin gespannt, was er zu sagen hat, und da er anscheinend nicht vorhat, mich zu ermorden, beschließe ich, es mir anzuhören.
Ich werfe einen Blick zu Charlotte. »Ist es okay, wenn ich gehe?«
Sie nickt und lächelt, also stecke ich mein Pausenbrot zurück in meine Tasche und stehe auf. Aiden dreht sich um und geht aus der Cafeteria, erwartet, dass ich hinter ihm bin. Es verlangt mir viel ab, nicht zu flüchten, aber ich folge ihm nach draußen.
Ich finde ihn an die Wand vor der Cafeteria gelehnt, mit verschränkten Armen. »Mason hat mir erzählt, was passiert ist.«
»Okay? Und?« Mason und sein loses Mundwerk – sein Versprechen, es niemandem zu sagen, schloss seinen besten Freund offensichtlich aus.
»Du bist wieder in der Schule, also schätze ich, du hast überlebt.«
»Mir geht’s gut. Danke für die herzerwärmende Sorge.«
»Du solltest wirklich aufpassen, wo du im Korridor hinläufst, vor allem, wenn du mit gebrechlichen Rippen so schnell unterwegs bist.«
»War das der Grund, warum du mit mir sprechen wolltest? Um mich zu belehren, was meine Gehgeschwindigkeit betrifft? Ich habe mich nämlich den ganzen Tag auf das Mittagessen gefreut, und jetzt ruinierst du es grundlos.«
Wenn er mich hierherbestellt hat, weil er erwartet, dass ich mich für das entschuldige, was ich an diesem Tag im Korridor zu ihm gesagt habe, kann er sich auf was gefasst machen. Ich werde mich auf keinen Fall entschuldigen – meiner Meinung nach war jedes Wort notwendig.
»Warum musst du alles so schwierig und kompliziert machen?«
»Nein, im Ernst – es sind noch etwa sieben Minuten von der Mittagspause übrig, und ich habe immer noch Hunger, also …«
»Ich wusste nicht, dass ich dich verletzen würde. Das war nicht meine Absicht«, sagt er eilig und sieht aus, als fühlte er sich unwohl.
O. Mein. Gott. Fühlt sich Aiden schlecht wegen meiner Rippen? Ist das sein lahmer Versuch einer Entschuldigung?
»Es hat dir nichts ausgemacht, mich sehr grob runterzumachen, obwohl du derjenige warst, der mich angerempelt hat. Worte können auch wehtun, weißt du.«
»Was ich damit sagen will, ist, dass ich dich nicht ins Krankenhaus befördern wollte«, murmelt er und ist jetzt sichtlich frustrierter. »Außerdem war der Scheiß, den du zu mir gesagt hast, zehnmal schlimmer als das, was ich zurückgegeben habe.«
»Oh, das ist das Netteste, was du je zu mir gesagt hast«, flöte ich mit übertrieben verliebter Stimme und lege meine rechte Hand auf mein Herz. Er ist schlecht in dieser ganzen Entschuldigungssache. Bis jetzt hat er nichts gesagt, bei dem ich ihm nicht gern ins Gesicht schlagen wollte, dafür, wie nervig er ist.
»Benimmst du dich jemals nicht wie eine Zicke? Ich versuche, mich hier zu entschuldigen, aber du machst es mir extrem schwer.«
»Benimmst du dich jemals nicht wie ein Arschloch? Und das ist wahrscheinlich die schlechteste Entschuldigung, die ich je gehört habe. Sie verdient es nicht einmal, in die Kategorie einer Entschuldigung aufgenommen zu werden. Es war eher eine subtile Beleidigung mit einigen unterschwelligen Tönen einer sehr knapp ausfallenden Besorgnis.«
»Da bist du ja, Babe!«
Kaitlyn.
Sie geht an mir vorbei und stellt sich ganz dicht neben Aiden. Dann dreht sie sich um und sieht mich mit zusammengekniffenen Augen an. »Du hast mich stehen lassen, um mit ihr zu reden?« Aus der Nähe kann ich sehen, dass sie ein kleines Nasenpiercing sowie eisblaue Augen hat.
Eigentlich haben wir uns noch gar nicht richtig kennengelernt, und ich weiß jetzt schon, dass ich Kaitlyn hasse.
»Ich habe dir gesagt, du sollst mich nicht Babe nennen. Wir sind nicht zusammen. Wo ich hingehe, geht dich verdammt noch mal nichts an«, sagt Aiden sichtlich genervt.
»Du könntest etwas Besseres mit deiner Zeit anfangen, als mit dieser Außenseiterin zu reden. Warum lassen wir nicht die vierte Stunde ausfallen und gehen zu dir nach Hause, um was viel Sinnvolleres zu tun.« Sie lässt ihre Hand über seine Brust wandern.
»Niemals. Ernsthaft, Kaitlyn, gib es auf. Ich habe genug von diesem Scheiß.« Er stößt sie von sich.
Das geht mich nichts mehr an, also begebe ich mich zu meinem Spind. Es hat keinen Sinn, noch einmal in die Cafeteria zu gehen. Die Mittagspause ist fast vorbei. Als ich um die Ecke biege, höre ich, wie jemand joggt, um mich einzuholen. Plötzlich versperrt mir Aiden den Weg. Er hat es geschafft, Kaitlyn abzuschütteln.
»Ich wollte nur sicherstellen, dass alles okay mit dir ist.«
»Mir geht es gut. Und ich bin sicher, Mason oder Noah haben dir gesagt, dass ich dir keine Schuld gebe, also kannst du heute Nacht ruhig schlafen, weil du jetzt weißt, dass sie nicht gelogen haben. Du wusstest nicht, dass meine Rippen gerade dabei waren zu heilen, aber tu allen einen Gefallen und verzichte in Zukunft darauf, Mädchen zu entführen und dir über die Schulter zu werfen.«
Ich gehe um ihn herum und setze meinen Weg fort.
Alles an Aiden ist nervtötend. Sein beschissener Körper, sein beschissenes Gesicht, seine beschissenen Augen, seine beschissene Persönlichkeit, sogar die Art, wie er sich mit der Hand durch die Haare fährt, ist beschissen. Es macht mich wirklich wütend, dass ich vier dieser fünf Beschissen leicht durch perfekt ersetzen könnte – seine Persönlichkeit hingegen ist wirklich unbrauchbar.
Nachdem ich meine Bücher für Englisch geholt habe und es nur noch fünf Minuten bis zum Klingeln sind, begebe ich mich auf die andere Seite des Schulgebäudes zu meinem nächsten Kurs.
»Er ist eine Nummer zu groß für dich, weißt du.«
Kaitlyn. Schon wieder.
Dieses andere Mädchen ist bei ihr – ich glaube, sie heißt Melissa oder Marcella oder so –, und ihre Schar von Anhängerinnen umgibt sie. Irgendwie haben sie es sogar geschafft, mich zu umzingeln und mir keine andere Wahl zu lassen, als diese verrückte Konfrontation zu ertragen.
»Wie bitte?«
»Makayla, glaubst du, sie ist taub?« Kaitlyn sieht ihre schwarzhaarige Stellvertreterin an, die mich von oben bis unten mustert.
»SIE SAGTE, ER IST EINE NUMMER ZU …«
»Ich bin nicht taub, du brauchst mir nicht ins Ohr zu schreien«, schnauze ich.
»Gut, dann hörst du mich ja, wenn ich dir sage, dass du dich von Aiden fernhalten sollst. Er gehört mir. Das hat er immer, und das wird immer so sein«, zischt Kaitlyn.
Wow, hat Kaitlyn einen Knall?
»Hast du dasselbe gehört wie ich vor zwei Minuten? Ich erinnere mich genau, dass Aiden zu dir gesagt hat, dass du verschwinden sollst.«
»Er wird mir gehören. Jeder weiß, dass wir praktisch zusammen sind. Ich warne dich – geh mir verdammt noch mal aus dem Weg, oder wir haben ein Problem.«
Meine Güte, ich will Aiden noch nicht einmal. Er ist ein Idiot – ein heißer Idiot, aber nach einer Weile müssten wir auch mal miteinander reden. Und während mein Körper sich zu ihm hingezogen fühlt, wird mein Gehirn jedes Mal wütend, wenn er seinen Mund aufmacht.
»Ich habe keine Zeit für so was.« Ich versuche, um Kaitlyn und ihre Drohnen herumzukommen, aber sie versperren mir den Weg und sind offensichtlich noch nicht fertig mit mir.
»Wenn ich einen Stock werfe, jagst du ihm dann nach?« Ich schnaufe laut aus, denn ich bin es leid.
»Schlampe, ich versuche nur, nett zu sein und dich zu warnen. Wenn du dich nicht von meinem Kerl fernhältst, wird die Kacke am Dampfen sein, und du wirst wieder in das Loch zurückkriechen wollen, aus dem du gekommen bist.«
Kaitlyn sieht mich mit zusammengekniffenen Augen an.
»Mach dir keine Sorgen um mich, mach dir Sorgen um deine Augenbrauen«, sage ich.
Sie schnappt nach Luft, und ihre Hände fliegen zu ihrem Gesicht. Mit ihren Augenbrauen war alles in Ordnung, aber ich wusste, dass sie das aufbringen würde. Ich schiebe mich durch die Schar hindurch und sehe Mason, der amüsiert an einem Spind auf der anderen Seite lehnt. Er geht neben mir her und passt sich meinem Schritt an.
»Du steckst voller Überraschungen, Koala.«
Ich sehe ihn verwirrt an. »Hast du mich gerade als Bären bezeichnet?«
»Koalas sind keine Bären, sondern Beuteltiere, aber ja, das passt schon. Du siehst so niedlich und unschuldig aus, aber wenn du dich aufregst, wirst du gemein – genau wie ein Koala.«
»Ich weiß nicht, ob das ein Kompliment sein soll«, sage ich.
»Es könnte eins sein.« Er zwinkert. »Das ist das zweite Mal, dass ich dich in einer Auseinandersetzung mit einer notorisch bösartigen Person sehe, und du hast beide Male gewonnen. Diesmal wollte ich eingreifen, aber es war verdammt unterhaltsam – und offensichtlich, dass du meine Hilfe nicht gebraucht hast.«
Es ist leicht nachzuvollziehen, warum Mason so ein Aufreißer ist. Ich könnte mir vorstellen, etwas Dummes zu tun, wie mich in ihn zu verlieben, wenn ich nicht so schlau wäre. Oder wenn ich nicht so versessen darauf wäre, nicht in Schwierigkeiten zu geraten.
»Ich bin froh, dass ich zu deiner Unterhaltung beitrage, und danke, dass du Aiden nicht erzählt hast, was passiert ist, wie du es versprochen hast.«
»Sarkasmus ist die Waffe der geistig Schwachen«, scherzt er.
