Sie glaubte an die Liebe - Marie Francoise - E-Book

Sie glaubte an die Liebe E-Book

Marie Francoise

0,0

Beschreibung

Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht. Mit gemischten Gefühlen betrat Ariane Gregor die Praxis von Dr. Robert Daniel. Wenn sich ihr Verdacht tatsächlich bewahrheiten sollte… »Guten Morgen, Fräulein Gregor.« Die junge Empfangsdame Gabi Meindl verbarg ihr Erstaunen über Arianes unangemeldetes Erscheinen nicht. Immerhin war die junge Frau erst vor zwei Wochen zu einer Routineuntersuchung hier gewesen, und da war es doch etwas merkwürdig, daß sie heute schon wieder in die Praxis kam – noch dazu ohne Termin, was von Gabi ohnehin sehr ungern gesehen wurde. »Es tut mir leid, daß ich unangemeldet hereinplatze«, entschuldigte sich Ariane. »Aber… es ist wirklich dringend. Ich muß unbedingt mit Dr. Daniel sprechen.« Gabi warf einen kurzen Blick in ihren Terminkalender, obwohl sie wußte, wie chaotisch es momentan schon im Wartezimmer aussah. »Wenn Sie ausreichend Zeit mitgebracht haben, dann können Sie gern hierbleiben«, meinte sie dann. »Allerdings werden Sie wohl mit einer Wartezeit von mindestens zwei Stunden rechnen müssen.« Ariane erschrak. »Zwei Stunden!« Sie sah auf die Uhr. »So lange kann ich unmöglich bleiben. Ich muß spätestens um zehn Uhr im Büro sein.« Sie dachte an die vielen Zugeständnisse, die sie ihrem Chef heute am Telefon hatte machen müssen, als sie darum gebeten hatte, ob sie ausnahmsweise eine Stunde später kommen könnte. Sie war sonst immer pünktlich, meistens sogar noch früher im Büro als nötig und beschwerte sich nie, wenn sie Überstunden machen mußte, doch wenn sie einmal um ein Entgegenkommen ihres Chefs bat, gab er sich jedesmal äußerst kleinlich. »Worum geht es denn, Fräulein Gregor?« wollte Gabi wissen. »Ich meine… wenn es nicht ganz eilig ist,

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 110

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dr. Daniel – 74 –Sie glaubte an die Liebe

Marie Francoise

Mit gemischten Gefühlen betrat Ariane Gregor die Praxis von Dr. Robert Daniel. Wenn sich ihr Verdacht tatsächlich bewahrheiten sollte…

»Guten Morgen, Fräulein Gregor.« Die junge Empfangsdame Gabi Meindl verbarg ihr Erstaunen über Arianes unangemeldetes Erscheinen nicht. Immerhin war die junge Frau erst vor zwei Wochen zu einer Routineuntersuchung hier gewesen, und da war es doch etwas merkwürdig, daß sie heute schon wieder in die Praxis kam – noch dazu ohne Termin, was von Gabi ohnehin sehr ungern gesehen wurde.

»Es tut mir leid, daß ich unangemeldet hereinplatze«, entschuldigte sich Ariane. »Aber… es ist wirklich dringend. Ich muß unbedingt mit Dr. Daniel sprechen.«

Gabi warf einen kurzen Blick in ihren Terminkalender, obwohl sie wußte, wie chaotisch es momentan schon im Wartezimmer aussah.

»Wenn Sie ausreichend Zeit mitgebracht haben, dann können Sie gern hierbleiben«, meinte sie dann. »Allerdings werden Sie wohl mit einer Wartezeit von mindestens zwei Stunden rechnen müssen.«

Ariane erschrak. »Zwei Stunden!« Sie sah auf die Uhr. »So lange kann ich unmöglich bleiben. Ich muß spätestens um zehn Uhr im Büro sein.« Sie dachte an die vielen Zugeständnisse, die sie ihrem Chef heute am Telefon hatte machen müssen, als sie darum gebeten hatte, ob sie ausnahmsweise eine Stunde später kommen könnte. Sie war sonst immer pünktlich, meistens sogar noch früher im Büro als nötig und beschwerte sich nie, wenn sie Überstunden machen mußte, doch wenn sie einmal um ein Entgegenkommen ihres Chefs bat, gab er sich jedesmal äußerst kleinlich.

»Worum geht es denn, Fräulein Gregor?« wollte Gabi wissen. »Ich meine… wenn es nicht ganz eilig ist, könnte ich Sie heute nachmittag irgendwie einschieben.«

Resigniert schüttelte Ariane den Kopf. »Ich habe meinem Chef zugesagt, heute bis sieben Uhr im Büro zu bleiben, und ab morgen muß ich ihn für drei Tage zu einem Kongreß begleiten.«

Gabi seufzte, dann nickte sie. »Also schön, bleiben Sie hier draußen, ich werde Sie ausnahmsweise dazwischenmogeln.«

Ariane atmete auf. »Dafür würde ich Sie jetzt am liebsten umarmen.«

Unwillkürlich mußte Gabi lächeln. »Das ist denn doch nicht nötig.« In diesem Moment kam auch schon die Patientin, die zuletzt bei Dr. Daniel gewesen war, aus dem Untersuchungszimmer. Sofort schnappte sich Gabi die Karteikarte von Ariane und eilte damit zu ihrem Chef. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis die junge Frau ins Sprechzimmer gerufen wurde.

Dr. Daniel begrüßte sie mit dem ihm eigenen besonders warmherzigen Lächeln und bot ihr Platz an.

»Nun, Fräulein Gregor, was gibt es denn so Dringendes?« wollte er wissen. Er überflog die letzten Eintragungen auf der Karte. »Vor zwei Wochen war doch alles in bester Ordnung.« Besorgt schaute er Ariane an. »Haben Sie Beschwerden?«

Die junge Frau schüttelte den Kopf und spielte dabei nervös mit dem Riemen ihrer Handtasche.

»Nein, ganz und gar nicht. Es ist vielmehr…« Sie stockte für einen Moment, dann fuhr sie mit gesenktem Kopf fort: »Ich glaube, ich bin schwanger.«

Dr. Daniel erhob sich. »Das wird sich rasch feststellen lassen. Kommen Sie, Fräulein Gregor, meine Sprechstundenhilfe wird einen Schwangerschaftstest vornehmen.«

Er begleitete Ariane ins Labor, wo Sarina von Gehrau gerade beschäftigt war, und bat sie, bei der Patientin einen Schwangerschaftstest durchzuführen. Das Ergebnis lag kaum zehn Minuten später vor und war eindeutig.

»Ihr Verdacht war richtig«, meinte Dr. Daniel. »Sie erwarten tatsächlich ein Baby.« Er musterte Ariane eingehen. »Bedeutet das ein Problem für Sie?«

Ariane seufzte. »Ja.« Mit zitternden Fingern strich sie ihr langes, rotbraunes Haar zurück. »Nun ja, ein so großes Problem nun auch wieder nicht«, räumte sie dann ein. »Es ist vielmehr… wissen Sie, Peter… mein Verlobter und ich, wir hatten so unsere Pläne. In einem halben Jahr wollten wir Deutschland für eine Weile den Rücken kehren. In der Firma, in der ich momentan noch arbeite, bin ich nicht mehr besonders glücklich. Mein Chef verlangt mir eine Menge ab, doch mit den Gegenleistungen sieht es weniger gut aus. Mein Gehalt bewegt sich haarscharf an der untersten Grenze, die laut Tarifvertrag vorgeschrieben ist, Überstunden stehen an der Tagesordnung…« Sie winkte ab. »Ich werde so oder so kündigen, nur… unser Traum wird sich mit einem Baby nur schwer verwirklichen lassen.«

»Wenn Sie nicht irgendwo im tiefsten Dschungel leben wollen, sehe ich für einen Auslandsaufenthalt eigentlich kein Problem«, wandte Dr. Daniel ein.

Ariane versuchte ein Lächeln, doch es mißlang kläglich. »Das ist es ja gerade. Peter ist Wissenschaftler, und… nun ja, wir wollten in den Kongo – für mindestens zwei bis drei Jahre.«

»Ich fürchte, in diesem Fall wird es tatsächlich schwierig«, meinte Dr. Daniel. »Mit einem Neugeborenen in den Kongo zu übersiedeln, wäre wohl nicht die günstigste Lösung.« Er schwieg kurz. »Glauben Sie nicht, Ihr Verlobter könnte auch anderswo als Wissenschaftler tätig werden?«

Ariane nickte etwas halbherzig. »Das werden wir demnächst besprechen müssen.«

Aufmerksam blickte Dr. Daniel sie an. »Hatten Sie ursprünglich an eine andere Lösung gedacht?«

Ariane wußte sofort, was der Arzt meinte. Sie schüttelte den Kopf. »Nein, Herr Doktor, Abtreibung käme für mich niemals in Frage – mag das Baby zu einem noch so ungünstigen Zeitpunkt kommen.« Wieder senkte sie den Kopf. »Im übrigen waren wir ja selbst schuld. Wir wußten beide, daß es meine fruchtbaren Tage waren, aber…« Sie zuckte die Schultern, dann stand sie entschlossen auf. »Peter und ich werden schon eine Lösung finden.«

*

Peter Sellmann rieb sich zufrieden die Hände. Das klappte ja alles wie am Schnürchen! Nun mußte Ariane nur noch kündigen, dann würden sie im Herbst im Kongo sein. Das bedeutete, daß er mit seiner Arbeit fast ein halbes Jahr früher beginnen könnte, als er es ursprünglich gedacht hatte.

In diesem Moment hörte er, wie sich der Schlüssel im Schloß der Wohnungstür drehte. Rasch sprang er auf und trat mit langen Schritten auf den Flur.

»Hallo, Liebling«, begrüßte er seine Verlobte und küßte sie zärtlich. »Du kommst heute aber spät.«

Ariane seufzte. »Ich weiß schon.« Sie senkte den Kopf. »Ich mußte sehr früh zum Arzt, und die eine Stunde, die ich dort verbracht habe, mußte ich natürlich wieder doppelt nacharbeiten.«

Besorgt runzelte Peter die Stirn. »Du warst beim Arzt? Warum denn?«

Ariane streifte die reichlich unbequemen Pumps ab und schlüpfte in Peters Biopantoffeln, die unter der Garderobe im Flur standen, dann ging sie ihm voran ins Wohnzimmer und ließ sich aufatmend in den nächsten Sessel fallen.

»Tut das gut«, seuzte sie. »Heute war ich praktisch den ganzen Nachmittag über auf den Beinen.«

Peter war ihr gefolgt.

»Du hast meine Frage noch nicht beantwortet«, stellte er fest, und sein Ton zeigte Ariane, daß seine Besorgnis durch ihr Ablenkungsmanöver gewachsen war.

Mit einer fahrigen Handbewegung strich sie ihr langes Haar zurück.

»Ich habe keine guten Neuigkeiten«, rückte sie dann endlich heraus. »Schon seit ein paar Tagen merkte ich… nun ja, die Anzeichen waren eindeutig, und heute hat Dr. Daniel es mir bestätigt…« Sie blickte zu Boden und hatte ganz plötzlich das Gefühl, als wäre sie die Alleinschuldige an dem, was geschehen war. »Ich bin schwanger.«

»Ach, du Schande«, entfuhr es Peter, während er sich Ariane gegenüber auf das Sofa fallen ließ. »Ausgerechnet jetzt.« Mit gespreizten Fingern fuhr er durch seine dichten Locken. »Vor einer halben Stunde habe ich mit Thorsten telefoniert. Das Team fliegt noch in diesem Jahr in den Kongo. Ein genauer Termin steht zwar noch nicht fest, aber es wird wohl irgendwann Ende Oktober, Anfang November sein.«

Ariane seufzte wieder. »Ich hatte mich ja auch schon so darauf gefreut, Peter, aber im Herbst… dann werde ich ungefähr im siebten Monat sein. Allein die restliche Zeit der Schwangerschaft würde sich schon schwierig gestalten, ganz zu schweigen von der Geburt.« Sie schwieg einen Moment. »Mein Kind soll schließlich nicht in einer Lehmhütte im Kongo geboren werden.«

»Das ist ja klar«, stimmte Peter zu. »Selbstverständlich mußt du hierbleiben, Ariane.«

Erschrocken blickte sie auf. »Soll das heißen… du wirst allein in den Kongo gehen?«

Peter zögerte einen Moment, dann schüttelte er den Kopf. »Nein, Ariane, wenn du hierbleibst, dann bleibe ich natürlich auch – ganz davon abgesehen, daß unser Kind Mutter und Vater haben soll, wenn es zur Welt kommt.«

Ein Stein fiel Ariane vom Herzen. Einen Augenblick hatte sie tatsächlich befürchtet, die wissenschaftliche Arbeit wäre für Peter wichtiger als sie und das Kind. Natürlich war er jetzt enttäuscht – aber durch seine Haltung hatte er bewiesen, daß sie sich auf ihn verlassen konnte.

*

Ralf Neugebauer fühlte sich gar nicht wohl in seiner Haut. Die Frauen hier im Wartezimmer betrachteten ihn wie ein seltenes Fossil, aber so etwas ähnliches war ein junger Mann in einer Frauenarztpraxis wohl auch – vor allem, wenn er allein kam und nicht in Begleitung einer schwangeren Frau.

Als die letzte Patientin endlich ins Sprechzimmer gerufen wurde, atmete Ralf erleichtert auf. Die eine Stunde, die er hier gewartet hatte, war beinahe einem Martyrium gleichgekommen.

»Herr Neugebauer, bitte.«

Ralf fuhr erschrocken hoch, dann lächelte er die freundliche, junge Sprechstundenhilfe an und folgte ihr ins Sprechzimmer. Bei seinem Eintreten stand Dr. Daniel auf und reichte ihm mit einem äußerst herzlichen Lächeln die Hand.

»Guten Tag, Herr Neugebauer«, begrüßte er den jungen Mann. »Nun, haben Sie die Wartezeit gut überstanden?«

Ralf grinste verlegen. »Wie man’s nimmt. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man so von allen Seiten angestarrt wird.«

Dr. Daniel nickte. »Das glaube ich Ihnen gern.« Er blickte auf die Papiere, die vor ihm auf dem Schreibtisch lagen. »Sie haben geschrieben, daß Sie hier in meiner Praxis ein mehrwöchiges Praktikum machen möchten, da Sie sich noch nicht schlüssig darüber sind, welche Fachrichtung sie einschlagen wollen.«

»Das ist richtig«, stimmte Ralf zu, dann lächelte er wieder. »Allerdings ist mir während der vergangenen Stunde die Lust auf eine Tätigkeit hier in Ihrer Praxis beinahe vergangen.«

Dr. Daniel mußte lachen. »Das kann ich mir vorstellen, aber ich versichere Ihnen, daß Sie als Praktikant ganz bestimmt nicht von den Patientinnen angestarrt werden.« Er blickte wieder auf die Unterlagen hinab. »Eines verstehe ich jedoch nicht so ganz. Sie haben Ihr Examen hinter sich und könnten nun als Assistenzarzt ohne Probleme Einblick in verschiedene Bereiche der Medizin bekommen.«

Niedergeschlagen senkte Ralf den Kopf. »Ich habe mein Examen nicht gerade mit Auszeichnung bestanden. Ich habe unzählige Bewerbungen geschrieben, aber aufgrund meiner Zeugnisse haben sich die Kliniken absolut nicht um mich gerissen, dabei… so schlecht bin ich eigentlich gar nicht. Ich leide nur unter einer schrecklichen Prüfungsangst.« Erst jetzt händigte er dem Arzt seine Zeugnisse aus, die seine Worte bestätigten.

Nachdenklich rieb Dr. Daniel sein Kinn. »Ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, daß ich neben meiner Praxistätigkeit hier auch Direktor der Waldsee-Klinik bin.«

Überrascht sah Ralf ihn an. »Das ist mir tatsächlich neu, dabei hatte ich doch schon von der Waldsee-Klinik gehört.« Plötzlich fühlte er aufsteigende Nervosität in sich. Sollten Dr. Daniels Worte womöglich bedeuten…

»Ich muß Sie leider enttäuschen, Herr Neugebauer«, meinte Der Arzt, als hätte er seine Gedanken gelesen. »Eine Assistentenstelle kann ich Ihnen nicht anbieten. Die Waldsee-Klinik hat einen Assistenzarzt – ein zweiter ist finanziell nicht tragbar. Allerdings… wenn Sie Interesse hätten, Ihr Praktikum in der Waldsee-Klinik zu machen, so ließe sich das sicher einrichten.« Er holte seinen Kalender heravor. »Sagen wir mal, von jetzt an bis zum Ende des Jahres. Damit hätten Sie dann ein halbes Jahr Zeit, um sich sowohl die Gynäkologie als auch die Chirurgie genauer anzusehen. Über mehr Abteilungen verfügt die Waldsee-Klinik allerdings nicht.«

In Ralfs Gesicht ging die Sonne auf. »Das ist auch gar nicht nötig, Herr Dr. Daniel! Wenn ich nur mal ein bißchen Krankenhausluft schnuppern darf…«

Dr. Daniel nickte lächelnd. Die Begeisterung des jungen Mannes gefiel ihm.

»Dazu haben Sie in der Waldsee-Klinik sicher ausreichend Gelegenheit.« Er überlegte kurz. »Wenn ich während dieser Zeit sehe, daß Ihre Leistungen doch anders ausfallen als Ihre Zeugnisse, dann läßt sich vielleicht auch mit einer Assistentenstelle etwas arrangieren. Zufällig kenne ich den Chefarzt des Kreiskrankenhauses sehr gut. Allerdings nimmt Dr. Metzler nur erstklassiges Personal, und wenn ich Sie nicht guten Gewissens empfehlen kann, werde ich es auch nicht tun.«

Ralf verstand. Er mußte während des kommenden halben Jahres unbedingt beweisen, daß seine schlechten Zeugnisse wirklich nur durch die Prüfungsangst entstanden waren, nicht aber durch Unfähigkeit auf medizinischem Gebiet.

»Ich werde Sie nicht enttäuschen, das verspreche ich Ihnen«, entgegnete Ralf beinahe feierlich.

*

Dr. Gerrit Scheibler, der Chefarzt der Waldsee-Klinik, war nicht sehr erfreut, als Dr. Daniel ihm die Zeugnisse von Ralf Neugebauer vorlegte.

»Ich fürchte, da legen Sie mir ein rechtes Ei, Robert«, meinte er und lehnte sich auf seinem Sessel so weit zurück, daß es den Anschein hatte, als wolle er zwischen sich und die Unterlagen über Ralf Neugebauer eine besonders große Distanz legen. »Im Moment ersticken wir hier fast in Arbeit, da habe ich wirklich keine Zeit, diesem Burschen nebenbei auch noch auf die Finger zu sehen.«

»Er hat offen zugegeben, daß seine Zeugnisse schlecht sind«, erwiderte Dr. Daniel. »Angeblich leidet er unter extremer Prüfungsangst. So etwas liegt durchaus im Bereich des Möglichen.«

»Das schon«, räumte Dr. Scheibler widerwillig ein, dann zog er die Unterlagen, die Dr. Daniel ihm mitgebracht hatte, etwas näher heran. »Seine Noten sind wirklich haarsträubend. Es wundert mich nicht, daß er damit keine Stellung gefunden hat.« Er sah Dr. Daniel wieder an. »Wie soll es denn nach dem Praktikum bei ihm weitergehen? Rainer wird fast noch ein Jahr als Assistenzarzt bei uns arbeiten, und zwei Assistenzärzte sind nicht drinn, das wissen Sie genausogut wie ich.«

Dr. Daniel nickte. »Ich dachte an Wolfgang. Er ist Chefarzt des Kreiskrankenhauses und…«