Silvia-Gold 110 - Katja Stein - E-Book

Silvia-Gold 110 E-Book

Katja Stein

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Beschreibung

Womit habe ich bloß so viel Glück verdient?, fragt sich Berit immer wieder. Sie hat nicht nur ihren Traummann gefunden, sondern ihn auch noch geheiratet. Und Manfred ist ein überaus liebevoller und zärtlicher Ehemann.
Berit glaubt sich im Paradies, als sich schon bald ein Baby ankündigt. Doch dann geschieht etwas Merkwürdiges - je weiter ihre Schwangerschaft fortschreitet, desto abweisender wird Manfred. Er lässt sie sogar im schönsten und wichtigsten Augenblick im Leben eines Paares allein - bei der Geburt ihrer Tochter Lena.
Wie kann Berit diesen Mann noch lieben, ihn verstehen? Es beginnt eine Zeit wie aus einem Albtraum ...

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Seitenzahl: 103

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Ein schöner Mund lernt wieder lachen

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Jacob Lund / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9726-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ein schöner Mund lernt wieder lachen

Wie die Liebe die Dunkelheit vertreibt

Von Katja Stein

Womit habe ich bloß so viel Glück verdient?, fragt sich Berit immer wieder. Sie hat nicht nur ihren Traummann gefunden, sondern ihn auch noch geheiratet. Und Manfred ist ein überaus liebevoller und zärtlicher Ehemann.

Berit glaubt sich im Paradies, als sich schon bald ein Baby ankündigt. Doch dann geschieht etwas Merkwürdiges – je weiter ihre Schwangerschaft fortschreitet, desto abweisender wird Manfred. Er lässt sie sogar im schönsten und wichtigsten Augenblick im Leben eines Paares allein – bei der Geburt ihrer Tochter Lena.

Wie kann Berit diesen Mann noch lieben, ihn verstehen? Es beginnt eine Zeit wie aus einem Albtraum …

Das hatte Berit sich immer unter dem Paradies vorgestellt: ein kleines Haus in einem blühenden Garten, Vogelgezwitscher, ein gedeckter Tisch, Kaffeeduft und ein Mann ihr gegenüber, der zu ihr gehörte, sie liebte und den auch sie mit all seinen Eigenschaften ganz und gar annehmen konnte. Und in Erwartung eines Kindes von diesem geliebten Mann zu sein, war die Krönung ihres Lebens.

Sie sah lächelnd über den Tisch.

Manfred hatte die Wochenendzeitung ausgebreitet und las gerade den politischen Teil. Er bemerkte ihren Blick nicht, und darüber war Berit eigentlich auch recht froh. Denn es konnte doch nicht normal sein, dass sie ihn ständig mit diesen strahlenden Blicken betrachtete und diesem Lächeln, das gar nicht mehr aus ihrem Gesicht verschwand. Manchmal hatte sie sogar den Verdacht, dass sie selbst im Schlaf noch lächelte.

»Was wollen wir denn heute unternehmen?«, fragte Manfred in ihre Gedanken hinein, ohne den Blick von der Zeitung zu nehmen. Also hatte er doch gespürt, dass sie ihn ansah!

Berit streichelte liebevoll über ihren ziemlich gerundeten Bauch und stieß einen leichten Seufzer aus.

»Faulenzen«, schlug sie vor. »Ich fühle mich bei jedem Schritt, als würde ich ein Fass vor mir her rollen. Ich weiß, dass ich spazieren gehen sollte, aber meine Füße schmerzen mich jetzt schon nach ein paar Schritten.«

»Na gut«, erwiderte Manfred wenig erfreut. »Dann machen wir uns ein faules Wochenende.«

»Wir könnten das Kinderbett und die anderen Möbel zusammenbauen«, schlug Berit vor. »Ich könnte dir Handreichungen machen. Oder ich nähe schon mal die Vorhänge für die Fenster vom Kinderzimmer.«

Sie bekam keine Antwort von ihrem Mann, dem sie vor einem dreiviertel Jahr angetraut worden war und mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte.

»Keine Lust?«, fragte sie nach einer Weile.

Noch immer schwieg Manfred und blätterte geräuschvoll in der Zeitung weiter.

»Andere werdende Eltern haben das Kinderzimmer schon fertig, noch ehe ein Kind in Sicht ist, doch ich muss langsam glauben, dass wir unser Kind in einen Wäschekorb legen müssen, weil wir bis zur Geburt von Woche zu Woche hinausschieben, überhaupt nur mal anzufangen. Wir wollten doch das Zimmer auch noch streichen.« Sie lachte dabei amüsiert über ihre Saumseligkeit. »Das kann mit dem Kind ganz schön plötzlich losgehen, weil man ja den Geburtstermin nicht auf den Tag genau weiß.«

Manfred sah sie endlich an.

»Wenn du in der Klinik bist, ist das alles ein Klacks für mich«, erklärte er. »Also mach hier bitte nicht in Panik, ja?«

»He?«, fragte Berit erstaunt. »Hast du bei diesem herrlichen Wetter etwa schlechte Laune?«

»Ich habe Kopfschmerzen«, behauptete er.

»Soll ich dir eine Tablette holen?«, bot Berit sofort an.

»Nein, danke. Ich hasse es, ständig was zu schlucken. Weißt du was, ich lege mich einfach noch ein bisschen ins Bett und versuche, noch eine Runde zu schlafen.«

»Ja, mach das«, entgegnete Berit noch immer lächelnd, obwohl sie eine kleine Enttäuschung in sich spürte. Das war jetzt schon das dritte Wochenende, dass Manfred sich mit Kopfschmerzen herumplagte. Und dabei hatte sie sich so darauf gefreut, Seite an Seite mit ihm zusammen auf den neuen bequemen Gartenliegen im Schatten unter den Bäumen zu liegen.

»Vielleicht solltest du mal mit einem Arzt über diese ständigen Kopfschmerzen sprechen. Das ist doch nicht normal, dass dir jedes Wochenende davon verdorben wird.«

»Ich brauche keinen Arzt dazu, um zu wissen, woher die Kopfschmerzen kommen«, widersprach Manfred heftig. »Ich arbeite im Moment zu viel, und wenn ich dann Ruhe habe, bekomme ich den Brummschädel. Das war schon immer so. Und das habe ich von meinen Eltern mitbekommen. Sie hatten es nur schlimmer als ich. Sie litten beide unter Migräne, und bei mir ist es nur ein Druck auf den Schläfen.«

Als das Telefon klingelte, wartete Berit ab, ob Manfred ins Haus gehen wollte. Doch er blieb sitzen und überließ es ihr, sich aus ihrem Balkonsessel hochzuwuchten und ins Wohnzimmer zu eilen.

»Ja, hallo?«, fragte sie ins Telefon.

»Hier ist Ilona«, antwortete ihre Schwägerin. »Ich wette mit dir, dass ihr dieses Wochenende wieder nur in eurem Garten herumliegt. Wir möchten euch besuchen kommen. Wir bringen Grill-Zutaten mit und Bier für Manfred und Limo für dich, du Rollmops.«

Ilona lachte. Sie mochten sich gern, und ihr Mann Holger und sie waren froh, dass Manfred endlich so eine hübsche und liebe Frau gefunden hatte.

»Ich werde Manfred fragen«, sagte Berit. »Er hat Kopfweh, und vielleicht wird ihm das zu viel mit eurem Besuch.«

»Gib mir den Telefonhörer«, sagte Manfred so plötzlich hinter ihr, dass Berit erschrocken zusammenzuckte, weil sie ihn nicht hatte kommen hören.

»Hallo, Ilona. Was höre ich da? Ihr wollt uns besuchen? Was für ein Glück, dass ihr so früh anruft, dann kann ich noch ein bisschen einkaufen gehen.«

»Nein, nein, wir bringen alles mit«, widersprach Ilona sofort. »Wir müssen doch die schönen Tage ausnutzen, und außerdem ist es ja nicht mehr lange hin, bis das Baby da ist, und dann hat Berit ja erst einmal keine Ruhe mehr.«

»Dann mal her mit euch«, meinte Manfred, plötzlich wieder fröhlich. »Ich werfe schon mal den Grill an, okay?«

»Wir wollten so gegen zwölf bei euch sein«, sagte Ilona. »Nimm doch eine Tablette gegen deinen dicken Kopf.«

»Ja, mal sehen«, erwiderte Manfred. »Kannst du mir eben noch Holger geben?«

»Klar, er steht neben mir. Tschüss, bis nachher.«

»Ja?«, fragte Manfreds Bruder einen Augenblick später.

»Sag mal, hättest du Lust, mit mir heute die Kindermöbel zusammenzubauen und eben mal über die Wände zu streichen?«

Berit sah ihren Mann mit erstauntem Blick an.

»Kein Problem«, erwiderte Holger. »Wieso hast du Kopfschmerzen? Hast du Probleme?«

»Ach was!«, meinte Manfred wegwerfend. »Bringt ihr auch Getränke mit, oder soll ich noch was holen?«

»Wir bringen alles mit, aber du darfst dich an den Kosten gern beteiligen, wenn du möchtest.«

»Das mache ich gern«, erklärte Manfred freundlich. »Bis später dann.«

Als er den Telefonhörer auflegte, sagte Berit mit leicht gereizter Stimme:

»Ich finde es ein bisschen putzig, dass du mit Holger die Möbel zusammenbauen willst. Immerhin fahren sie hundert Kilometer, um mit uns zusammen zu sein und sich am Wochenende auch zu entspannen.«

»Weil es mit ihm zusammen schneller geht, und weil du Ilona zum Reden hast«, entgegnete ihr Mann lachend. »Ich gehe jetzt als Erster ins Bad, und danach baue ich den Grill auf.«

»Ja, gut, meinetwegen«, sagte Berit.

Sie kehrte auf die Terrasse zurück und begann, das Frühstücksgeschirr auf den Teewagen zu räumen, den sie vor einer Woche gekauft hatten, weil sie nicht mehr schwer tragen konnte. Sie verstand Manfreds Stimmungsumschwung nicht, und sie gestand sich nur ungern ein, dass er sie störte.

Manfred hatte sich sowieso in den letzten Monaten verändert. Auf seltsame Weise war der weltgewandte, liebevolle und zärtliche Mann verschwunden. Und er hatte kaum verbergen können, dass eine so frühe Schwangerschaft ihm nicht in sein Konzept passte. Er hatte gute Miene dazu gemacht, doch er rührte sie seither fast nicht mehr an. Und für ihre Schwangerschaft interessierte er sich überhaupt nicht.

Berit richtete sich auf, weil ihr Rücken bei der gebückten Haltung zu schmerzen begann, und schaute sich um. Ihre leichte innere Verstimmung verging, als sie den schönen Garten betrachtete, der, von Sonne überglänzt, das Haus umgab. Der Himmel war strahlend blau und wolkenlos, und die Wettervorhersage hatte für das ganze Wochenende das schönste Wetter angekündigt.

Warum also Trübsal blasen, nur weil Manfred ein bisschen launisch war in letzter Zeit? Sicherlich war es die Sorge um sie und das Kind, die er nicht zugeben wollte. Männer waren ja so! Sie hatten immer Probleme mit ihren Gefühlen.

Berit rollte den Teewagen durchs Wohnzimmer in die Küche und war froh, dass sie am Vortag das Haus auf Vordermann gebracht hatte. Dann ging sie ins Schlafzimmer und suchte sich ihr schönstes Umstandskleid aus. Sie würde ihre Haare noch waschen und sich die Finger- und Fußnägel rot lackieren, denn Ilona war immer wie aus dem Ei gepellt und natürlich so schlank, wie sie es bis vor ein paar Monaten auch noch gewesen war.

Sie freute sich auf die beiden, deren Kinderwunsch bisher unerfüllt geblieben war und die sich trotzdem mit ihr zusammen auf das Kind freuten, das sie erwartete.

Nur mit mir?, fragte eine kleine Stimme in ihrem Kopf. Sie schüttelte den Kopf, als könne sie so den lästigen Gedanken loswerden. Natürlich freute sich Manfred auch auf das Kind. Dass er seiner Freude nicht so viel Ausdruck verleihen konnte wie sie selber, hieß doch gar nichts. Vielleicht hatte er ein bisschen Angst vor den Veränderungen, die dieses neue kleine Leben, das in ihr entstanden war, mit sich bringen würde.

Ach, was sollte sie grübeln! Nur noch ein paar Wochen Geduld, und dann würde alles so heiter und gut werden wie zuvor. Und wenn stimmte, was ihre Frauenärztin beim Ultraschall gesehen hatte, dann würden sie einen kleinen Jungen bekommen – den Traum eines jeden Vaters.

♥♥♥

»Übrigens«, sagte Berit ein paar Tage später, als Manfred gerade erst nach Hause gekommen war, »Ilona hat mich gefragt, ob du bei der Geburt dabei sein wirst. Du hast dich noch nicht entschieden, aber ich denke, es wäre gut für mich und das Kind, wenn du mitkämst.«

Manfred blieb mitten im Flur wie angewurzelt stehen und drehte sich dann blitzartig zu Berit um. Seine Augen sprühten Funken, und ohne jede Vorwarnung begann er laut zu schreien:

»Lass mich doch endlich mit diesem Mist in Frieden, verdammt noch mal! Ich kann das nicht und will das nicht. Ich kann kein Blut sehen, und ich kann nicht bei der Geburt eines Kindes helfen, das ich nicht haben will. Es ist zu früh, hörst du? Ich sitze in der Falle einer Ehe, und nun auch noch das Kind. Himmel noch mal, kannst du denn das nicht verstehen?«

»Nein!«, schrie Berit zurück, während sie merkte, wie sie am ganzen Körper zu zittern begann. »Nein, das kann ich nicht verstehen. Das war doch nicht geplant. Das kam durch den Magen-Darm-Infekt, den ich hatte. Da war die Pille nicht mehr sicher. Ich habe das nicht bedacht, Manfred. Aber was ändert es denn, ob ein Baby jetzt kommt oder erst in einem Jahr! Es ist unser Kind, und ich erwarte von dir, dass du es annimmst, wenn du es auch noch nicht lieben kannst. Das ist nicht zu viel verlangt, das ist normal, wenn man sich liebt.«

Sie brach in Tränen aus und wandte sich von ihm ab. Das Weinen schüttelte ihren Körper, und sie lehnte ihre Stirn gegen die Flurwand, um eine Art Halt zu finden vor dem Grauen, das sie erfasst hatte. Sie fühlte sich plötzlich hässlich in ihrer Schwangerschaft und genauso abgelehnt wie das Kind, das sie erwartete.

»Alle jungen Väter, die ich kenne, waren bei der Geburt ihrer Kinder dabei. Alle haben der Geburt entgegengefiebert. Aber du nicht. Nein, du nicht. Du siehst mich ja seit Monaten nicht mehr an. Als ob ich plötzlich aussätzig geworden wäre. Das ist nicht zu ertragen, hörst du? Dann bleib doch ganz weg! Ich schaffe das hier auch allein, und ich schaffe auch die Geburt allein, und ich kann das Kind auch allein aufziehen, wenn es dich so nervt. Lass dich scheiden.«

»Ich will mich nicht scheiden lassen«, schrie er hinter ihr weiter. »Ich weiß nicht, wie ich mit dieser Situation fertig werden soll. Ich weiß nicht, was von mir erwartet wird. Ich fühle nichts mehr!«