1,99 €
Blick senkt sich in Blick, und für zwei Menschen bleibt die Welt stehen. Alles, was Alexander Lahringer je an Wünschen und Sehnsüchten empfunden hat, scheint in der Unbekannten vereint. Doch darf er sich zu diesem überwältigenden Gefühl bekennen, da noch so vieles, eigentlich das Wichtigste, in seinem Leben unklar ist?
Dieser Mann vor ihr nimmt Liane Herzog den Atem. Kein schöner Mann wie Harald, ihr Fast-Ehemann, doch Mut ausstrahlend, Humor und absolute Ehrlichkeit. Aber zu viel ist in ihrem Leben durcheinandergeraten seit jenem Tag, da Harald ...
Liane verbietet sich, weiterzudenken. Sie will nur diesen Augenblick genießen, das Gefühl, einem Menschen begegnet zu sein, der die zweite Hälfte ihres Ichs ist.
Die Stunde jedoch, in der ihrer beider Geheimnisse preisgegeben werden, wird zum Prüfstein ihrer Liebe ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 104
Veröffentlichungsjahr: 2020
Cover
Impressum
Die Frau seines Lebens
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: goodluz / shutterstock
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)
ISBN 9-783-7517-0062-7
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Die Frau seines Lebens
Doch die Wahrheit verschwieg er ihr
Von Katja Stein
Blick senkt sich in Blick, und für zwei Menschen bleibt die Welt stehen. Alles, was Alexander Lahringer je an Wünschen und Sehnsüchten empfunden hat, scheint in der Unbekannten vereint. Doch darf er sich zu diesem überwältigenden Gefühl bekennen, da noch so vieles, eigentlich das Wichtigste, in seinem Leben unklar ist?
Dieser Mann vor ihr nimmt Liane Herzog den Atem. Kein schöner Mann wie Harald, ihr Fast-Ehemann, doch er strahlt Mut aus, Humor und absolute Ehrlichkeit. Aber zu viel ist in ihrem Leben durcheinandergeraten seit jenem Tag, da Harald …
Liane verbietet sich, weiterzudenken. Sie will nur diesen Moment genießen, das Gefühl, einem Menschen begegnet zu sein, der die zweite Hälfte ihres Ichs ist.
Die Stunde jedoch, in der ihrer beider Geheimnisse preisgegeben werden, wird zum Prüfstein ihrer Liebe …
Liane Herzog würdigte die Umgebung keines Blickes. Das vielsprachige Stimmengewirr, das sie umflirrte, erreichte nicht ihr Gehör. Mit gesenktem Kopf saß sie an einem der begehrten Fenstertische, rührte gedankenverloren in ihrer Tasse Cappuccino und dachte über das Problem Harald nach, das sich für sie als unlösbar herausgestellt hatte.
Liane wusste, dass es sinnlos war, all die hundertmal durchdachten Gedanken ein weiteres Mal zu überdenken. Es gab ein paar Tatsachen, an denen sie nicht vorbeikam und an denen auch nicht zu rütteln war.
Unwirsch schüttelte sie schließlich den Kopf. Sie musste sich von all den nutzlosen Überlegungen lösen, ehe ihr Vater landete. Sie wollte sich ihren Kummer ihm gegenüber nicht anmerken lassen.
Während sie die Tasse hob, um einen Schluck zu trinken, versuchte sie es mit dem geübten Lächeln, mit dem sie alle Welt schon immer von ihrer Sorglosigkeit hatte überzeugen können – mochte es ihr innerlich auch noch so elend zumute gewesen sein.
♥♥♥
Alexander Lahringer hatte keine Lust, nach Hause zu fahren. Unschlüssig stand er in der Abflughalle und überlegte fieberhaft, wohin er nun gehen könnte. Sein erster Urlaubstag war mehr als unbefriedigend.
Die Frau, die er eben zum Flugzeug begleitet hatte, war noch immer seine. Zum ersten Mal in ihrer nun siebenjährigen Ehe hatte er es durchgesetzt, dass sie getrennt verreisten – doch der Sieg, den er errungen hatte, hatte in ihm ein seltsames Gefühl von Bitterkeit hinterlassen.
Entschlossen machte er auf dem Absatz kehrt und rannte die Treppen zum Flughafen-Restaurant hinauf, indem er immer zwei Stufen auf einmal nahm.
Mit einem Blick schätzte er das Publikum ein, das nicht allzu zahlreich an diesem frühen Nachmittag im Restaurant saß. Etliche Tische waren frei, und er kam sich ein wenig albern und auch ziemlich verwegen vor, als er sich dem Tisch am Fenster näherte, an dem eine junge Frau saß.
»Verzeihen Sie, ist hier noch frei?«, fragte er halblaut.
Der schmale Kopf mit den glänzenden, halblangen, dunklen Haaren hob sich, und Alexander schaute in leuchtend blaue Augen, die ihn mit leicht verwirrtem Blick ansahen.
Er lächelte.
Das bewirkte, dass sich die junge Frau im Raum umsah, all die unbesetzten Tische registrierte, wieder zu ihm schaute und fragte:
»Müssen Sie unbedingt an diesem Tisch sitzen?«
Er nickte.
»Sie sind der beste Anblick, den der Tag heute für mich zu bieten hat«, gestand er, und sein offener Blick überzeugte mit seiner Ehrlichkeit.
»Na dann«, kam es eher gleichgültig. Die schmale Hand der jungen Frau machte eine Bewegung, die Alexander Lahringer gern als Aufforderung deutete, sich zu setzen.
»Sind Sie kurz vor dem Abflug?«, fragte er interessiert, weil er das gerade erst begonnene Gespräch nicht gleich wieder enden lassen wollte.
»Nein, ich warte auf jemanden«, erhielt er bereitwillig zur Antwort. »Und Sie?«
»Ich habe jemanden zum Abflug gebracht«, erwiderte Alexander und dachte dabei: Frag jetzt bloß nicht, wen!
Liane Herzog fragte nicht. Sie betrachtete recht unverhohlen ihr unerwartetes Gegenüber. Sie schätzte den Mann auf Mitte, vielleicht Ende Dreißig. Er war schlank und strahlte eine Selbstsicherheit aus, die sie von sich kannte, die sie aber im Augenblick ganz und gar nicht in sich fühlte.
Er ist kein schöner Mann, dachte sie und wunderte sich darüber, dass diese Erkenntnis sie freute. Sie mochte keine schönen Männer. Sie mochte Männer, die kantig waren und lebenserprobt. Dieser Mann hier war interessant, und der Blick aus seinen hellbraunen Augen nicht weniger unverhohlen als ihr eigener.
Sie merkten es gleichzeitig und fingen beide zur gleichen Zeit an zu lachen.
»Wie misstrauische Kinder«, sagte Alexander vergnügt. »Verzeihen Sie, dass ich mich Ihnen so rücksichtslos aufgedrängt habe. Das ist sonst gar nicht meine Art.«
»Das glaube ich Ihnen nicht«, erwiderte Liane lachend.
Mit gespieltem Schuldbewusstsein senkte Alexander für einen Moment den Blick und gestand in offensichtlich unehrlicher Zerknirschung:
»Sie haben leider mit Ihrer Vermutung recht. Ich bin recht zupackend.«
»Und ich mag das«, versetzte Liane.
Sie sahen sich wieder an.
»Wen holen Sie ab?«, fragte Alexander.
»Meinen Vater«, erwiderte Liane blitzschnell. »Und wen haben Sie zum Flieger gebracht?«
»Einen Freund«, erwiderte Alexander genauso schnell und dachte, dass dies nicht weniger geschwindelt war als von ihr. Sein letztes Hemd hätte er verwettet, dass sie hier auf ihren Mann wartete.
»Ich habe heute meinen ersten von dreiundzwanzig Urlaubstagen«, fügte er rasch hinzu, so, als müsste er seine ketzerischen Gedanken blitzartig überdecken. »Schade, dass Sie nicht frei sind, sonst hätte ich vorgeschlagen, dass wir uns heute Abend irgendwo treffen könnten.«
»Wie kommen Sie auf die Idee, dass ich nicht frei sein könnte?«, fragte Liane mit überraschtem Gesichtsausdruck. »Wenn ich meinen Vater zu Hause abgeliefert, mit meiner Mutter noch ein paar Worte gewechselt und einen Sprung ins Büro hinter mich gebracht habe, bin ich nahezu vogelfrei.«
Alexander staunte. »Haben Sie keine Angst, dass man Sie einfängt?«
Liane zuckte die Schultern. »Nein, gar nicht. Ich sehe zwar sanft aus, bin es aber nicht.«
»Was verbirgt sich hinter dem Büro, in das Sie noch gehen müssen?«, fragte Alexander neugierig, nachdem er innerlich eine Weile über den möglichen Beruf seines hübschen Gegenübers gerätselt hatte.
»Ich habe eine Art Agentur. Sehr klein noch, nur zwei Mitarbeiter, aber in guter Entwicklung. Wir machen Einkaufsberatung. Ich selber berate Frauen im Hinblick auf Kleidung, Stil und Kosmetik, mein männlicher Mitarbeiter berät Kaufinteressenten bei technischen Neuanschaffungen, und meine Sekretärin erledigt den Bürokram und berät Eltern beim Kauf von Spielzeug. Wir sind ein gutes Team und arbeiten alle drei im Augenblick viel zu viel, weil wir uns davor fürchten, neue Leute einzustellen, mit denen wir uns möglicherweise dann nicht so gut vertragen.« Liane hielt inne, lächelte und fügte hinzu: »Und nun möchte ich wissen, was Sie tun. Ich kann mir etliche Berufe für Sie vorstellen, aber alle klingen nicht recht passend.«
Alexander lachte leise.
»Ich bin Tierfilmer und jette in der Weltgeschichte herum. Ich habe viele Freunde – Leiter von Tierschutz-Organisationen und Nationalparks, die mir immer wieder hervorragend helfen.«
»Und wie bewegen Sie sich bei diesen Reisen?«, fragte Liane interessiert.
»Ich habe ein kleines Flugzeug in Afrika stehen, das ich selbst fliege, und an Ort und Stelle fahre ich meistens mit irgendeinem Jeep, den mir offizielle Stellen für meine Arbeit ausleihen.«
»Mein Vater ist Pilot«, sagte Liane und sah auf ihre Uhr. Sie erhob sich. »Er fliegt oft die Afrika-Tour. Und nun muss ich ihn abholen und heimbringen.«
Sie öffnete ihre Handtasche, suchte einen Moment und fand eine ihrer Visitenkarten. Sie streckte sie dem Mann entgegen, der sich auch erhoben hatte.
»Gegen acht Uhr erreichen Sie mich unter meiner Privat-Nummer, Herr ... Herr ...«, sagte sie.
Er nahm ihr die Visitenkarte ab, schaute kurz darauf und erwiderte lächelnd: »Alexander Lahringer, Alexander reicht aber, Liane. Ich rufe Sie ganz bestimmt an.«
Während er sprach, griff er in die Brusttasche seines Hemdes und hatte sofort seine eigene Visitenkarte parat, die er Liane gab.
»Ich würde mich freuen«, meinte sie freundlich, nahm die Karte, hob die Hand zum Gruß und eilte davon.
Alexander blieb reglos stehen und blickte ihr nach, und etwas in ihm begann zu vibrieren. Konnte es sein, dass sein Urlaub in diesem Augenblick angefangen hatte und sehr, sehr aufregend dazu?
Dass er seine Noch-Ehefrau als Freund ausgegeben hatte, verursachte ihm kein Schuldbewusstsein.
♥♥♥
Liane ließ sich lachend in die Arme ihres Vaters fallen.
»Immer habe ich so wahnsinnige Angst, wenn du fort bist«, sagte sie mit einem winzigen Vorwurf in der Stimme.
Ernst Herzog hielt seine Tochter ein Stück von sich weg und schaute sie aufmerksam an.
»Das hast du noch nie zugegeben, Liebes, aber ich habe es immer gespürt. Du weißt ja hoffentlich, dass fliegen viel sicherer ist als Autofahren, oder?«
»Tja, das eine weiß man, und das andere fürchtet man«, meinte Liane sichtlich bewegt.
»Du solltest einmal mit mir fliegen«, schlug ihr Vater vor. Er ließ seine Tochter los, trat neben sie und legte seinen Arm um ihre Schultern. »Leider bist du dazu ja nicht zu überreden.«
»Nein«, rief Liane lachend aus. »Ehe ich fliege, muss schon Gewaltiges geschehen!«
»Und dabei hast du einen Piloten zum Vater und einen Flugzeugbauer zum Fast-Ehemann. Wie geht es Harald?«
»Gut, schätze ich«, erwiderte Liane unbedacht spontan. »Wir haben uns eine Weile nicht gesehen.«
»Ach!«, meinte ihr Vater. »Ärger?«
»Zu viel Arbeit bei mir und bei ihm«, behauptete Liane schnell. Den prüfenden Seitenblick ihres Vaters übersah sie geflissentlich.
»Das glaube ich dir nicht«, entgegnete Ernst Herzog trocken.
»Er engt mich ein«, gab Liane zu. »Wenn ich es zuließe, würde er mich zu Hause einsperren und jeden meiner Schritte bewachen lassen.«
»Du übertreibst mal wieder schamlos«, rief ihr Vater aus. »Ist es nicht normal, dass man immer zusammen sein möchte, wenn man sich liebt?«
»Ein bisschen Abstand wäre aber sehr gut«, widersprach Liane, »und meine Arbeit möchte ich auch nicht aufgeben, auch wenn Harald noch so viel verdient und für uns beide noch so gut sorgen kann.« Sie presste die Lippen aufeinander, eine Mimik, die ihr Vater nur zu gut bei ihr kannte.
»Thema beendet?«, fragte er sanft, während er darauf wartete, dass seine Tochter die Beifahrertür ihres Wagens aufschloss.
Liane lächelte ihn an.
»Danke, dass du so rücksichtsvoll bist«, erwiderte sie und atmete einmal tief durch.
Diese Hürde war genommen! Mehr musste sie nun nicht mehr erzählen. Wie hätte sie ihrem Vater auch erklären sollen, dass sie von Harald nichts mehr wissen wollte, obwohl sie doch ein Kind von ihm erwartete? Immerhin hatte sie gute Gründe, über die sie aber nie sprechen wollte, niemals.
»Du siehst mir wirklich angestrengt aus, mein Herz«, sagte ihr Vater, als sie ein wenig hektisch und ruckartig anfuhr. »Lässt es deine Firma nicht zu, dass du mal ein paar Tage Urlaub machst? Das Geld dafür würde dir dein Vater liebend gern spendieren.«
»Danke, Papa, sehr lieb von dir, aber das ist wirklich nicht nötig. Nein, im Augenblick bin ich ziemlich ausgelastet. Aber ich werde deinen Vorschlag wohlwollend überdenken.«
Ihr Vater nickte. Seine braungebrannte Hand tätschelte leicht ihre auf dem Steuer ruhende Hand. »Braves Mädchen, meine Tochter.«
Liane ließ sich auf ihre Couch fallen und legte ihre Beine hoch. Sie fühlte sich völlig erschöpft. Alles war durcheinander in ihrem Leben. Die kleine Agentur lief wie geschmiert und forderte viel von ihr. Mit Harald lief gar nichts, und nun auch noch das Kind – ihr Wunschkind –, das sie empfangen hatte vor Haralds unverzeihlichen Ausrutscher, über den sie nicht hinwegkam.
Sie legte den Kopf gegen die Rückenlehne der Couch und schloss die Augen. Und in diesem Augenblick der Entspannung fiel ihr dieser Mann ein, der versprochen hatte, sich bei ihr heute noch zu melden. Alexander Lahringer. Ein Tierfilmer. Der dritte Mann in ihrem Leben, der mit der Fliegerei zu tun hatte. War das nun schicksalhaft oder reiner Zufall?
Sie seufzte. Er würde nicht anrufen, soviel war sicher. Es war ein netter Flirt gewesen, und das war es dann wohl.
Das Telefon auf dem Beistelltisch neben ihr begann zu klingeln. Sie ließ es klingeln, denn um diese Zeit versuchte Harald immer, sie zu sprechen. Es gab nichts mehr zwischen ihnen zu besprechen, und sie hatte heute keine Kraft mehr, mit ihm zu streiten.
Doch das Telefon verstummte nicht. Schließlich griff Liane doch zum Hörer und nahm ihn ans Ohr.
»Hallo?«, fragte sie ruhig, obwohl ihr Herz in Abwehr gegen Haralds Stimme heftig zu pochen begann.
»Hallo?«, fragte eine Männerstimme, die nicht Haralds war. »Spreche ich mit der schönsten Frau des Tages?«
Liane lachte und spürte, wie ihre Lebensgeister durch die Heiterkeit in der Stimme des Mannes wieder geweckt wurden.
