Silvia-Gold 137 - Jenny Longin - E-Book

Silvia-Gold 137 E-Book

Jenny Longin

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Beschreibung

Breite Schultern, eine warme, tiefe Stimme und dichte, schwarze Haare - mehr kennt Krankenschwester Christine nicht von dem Onkel ihres kleinen Patienten Piet, und doch hat sie sich rettungslos in diesen Mann verliebt, der stets wie ein Phantom auftaucht und wieder verschwindet, ehe sie mehr von ihm kennenlernen kann.
Die überraschende Einladung nach Schloss Winkelhof zu Piet bringt sie deshalb ganz aus dem Häuschen. Endlich wird sie ihrem Traummann von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Doch wieder wird Christine enttäuscht, denn der Schlossherr tummelt sich in Baden-Baden. Und in Baden-Baden ist zurzeit auch Christines Zwillingsschwester - auf der Suche nach einem reichen Mann ...


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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Der Champagner-Baron

Vorschau

Impressum

Der Champagner-Baron

Christina kannte seinen Ruf und war doch wehrlos

Von Jenny Longin

Breite Schultern, eine warme, tiefe Stimme und dichte, schwarze Haare – mehr kennt Krankenschwester Christina nicht von dem Onkel ihres kleinen Patienten Piet, und doch hat sie sich rettungslos in diesen Mann verliebt, der stets wie ein Phantom auftaucht und wieder verschwindet, ehe sie mehr von ihm kennenlernen kann.

Die überraschende Einladung nach Schloss Winkelhof zu Piet bringt sie deshalb ganz aus dem Häuschen. Endlich wird sie ihrem Traummann von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Doch wieder wird Christina enttäuscht, denn der Champagner-Baron tummelt sich in Baden-Baden. Und in Baden-Baden ist zurzeit auch Christinas Zwillingsschwester – auf der Suche nach einem reichen Mann ...

Die junge Kinderkrankenschwester Christina kam besorgt aus dem Zimmer eines ihrer Schützlinge. Warum konnte sich der sechsjährige Piet nicht von seiner schweren Lungenentzündung erholen?

»Ich begreife das einfach nicht«, sagte sie leise zu ihrer Kollegin Andrea, »sein Fieber ist gesunken, seine Atmung wieder normal, die Hustenanfälle haben aufgehört – trotzdem liegt der Junge immer noch apathisch in seinen Kissen. Warum lächelt er denn nicht ein einziges Mal? Ich kann den Blick seiner todernsten Augen fast nicht mehr ertragen.«

Christinas Kollegin zuckte die Schultern. Woher sollte sie das wissen? Bei dem herrschenden Personalmangel hatte keine Krankenschwester genügend Zeit, um sich mit all den kleinen und großen Kümmernissen ihrer Patienten zu befassen. Man musste froh sein, mit den zu leistenden Arbeiten und Verrichtungen pünktlich über die Runden zu kommen.

Christina ging zurück ins Patientenzimmer und blieb am Bett des kleinen Piet stehen. Liebevoll betrachtete sie sein feines Gesichtchen.

»Na, wie fühlst du dich? Hast du brav gegessen?«, fragte sie mit einem zärtlichen Unterton in der Stimme.

Der Junge sah sie nicht an und zog seine blasse Hand zurück, als sie danach greifen wollte. Er gab keine Antwort und drehte sein flachsblondes Köpfchen zur Seite.

♥♥♥

Am nächsten Tag war es nicht anders.

Christina fand, dass Piet sogar noch trauriger aussah. Ob es damit zusammenhing, dass er nie Besuch bekam? Während den Schwestern in allen übrigen Krankenzimmern besorgte Mütter und Väter entgegenkamen, blieb der Stuhl neben dem Bett des Jungen immer leer.

Wer war dieser kleine Patient, der nie besucht wurde? Auf dessen Nachttisch nie ein Mitbringsel lag? Kein Bilderbuch, kein Spielzeug, keine Süßigkeit. Nicht mal ein Stofftier. Wer war der kleine Piet? Ein Kind aus dem Waisenhaus?

Vor lauter Mitleid hätte Christina das Kind am liebsten in die Arme geschlossen. Doch sie bezwang sich, ließ sich aber auf dem Stuhl neben seinem Bett nieder.

»Komm, sei lieb und sieh mich doch mal an«, bat sie.

Der Junge rührte sich nicht.

»Soll ich dir vielleicht eine Geschichte erzählen?«

Da wandte er den Kopf um, blickte Christina erwartungsvoll an und nickte zaghaft.

Christinas Herz zog sich zusammen. Wann hatte sie je in solch traurige Kinderaugen gesehen? Sie konnten nur einem Waisenkind gehören. Sollte sie sich nach den Familienverhältnissen des Jungen erkundigen? Bei wem? Bei der Stationsschwester? Oder lieber bei dem freundlichen neuen Oberarzt?

Ausgerechnet jetzt mussten beide im Krankenzimmer auftauchen! Oberarzt Dr. Hachenburg lächelte, doch Stationsschwester Elisabeth war mal wieder in Gewitterstimmung.

»Sie scheinen über viel Zeit zu verfügen!«, schnarrte sie. »Ich allerdings nicht! In der Wäschekammer wartet Arbeit auf Sie!«

Christina ging wortlos zur Tür. Diese Stationsschwester! Dass sie es nicht lassen konnte, einen in Gegenwart der Ärzte unnötig zu tadeln.

Dr. Hachenburg war vom Verhalten der Stationsschwester auch nicht angetan. Im Gegenteil. Außerdem schwärmte er für Schwester Christina. Schon am ersten Tag seiner Tätigkeit in der Klinik war sie ihm aufgefallen, und er hatte sich sofort in ihre sanfte Blondheit verliebt.

Doch davon ahnte sie nichts. Wie sollte sie auch? Er hatte es bisher nicht geschafft, ein privates Wort an sie zu richten.

Stationsschwester Elisabeth, die ihre Argusaugen überall herumschweifen ließ, war es nicht entgangen, dass der neue Oberarzt seine Stirn in Unmutsfalten gelegt hatte.

»Worüber denken Sie nach? Dass ich mit Schwester Christina zu unsanft umgegangen bin?«

Dr. Hachenburg gab nicht zu erkennen, was er dachte.

»Disziplin muss nun mal sein«, glaubte sie ihn belehren zu müssen. »Sie ahnen nicht, was sonst hier für ein Chaos herrschen würde! Viele der schönen Köpfchen sind weniger mit ihrer Arbeit als viel mehr mit unseren Ärzten beschäftigt. Also, größte Vorsicht, mein lieber Herr Doktor!«

Hachenburg lächelte, ohne die Lippen zu bewegen. Wenn die Stationsschwester gewusst hätte, wie sehr er sich wünschte, dass wenigstens eine der jungen Schwestern sich in Gedanken mit ihm beschäftigen würde: Christina.

♥♥♥

Während Christina nach Dienstschluss gekränkt die Klinik verließ, kniete ihre Zwillingsschwester Tamara im Modehaus am Roßmarkt schon minutenlang auf dem weichen Velour und bemühte sich, den Saum eines pompösen weiten Abendkleides sorgfältig zu markieren.

Wie sie diese Änderungsarbeiten, mit denen sie sich herumplagen musste, hasste! Hatte sie dafür die bekanntesten, teuersten Modeschulen besucht?

Während sich die walkürenhafte Kundin vor dem dreiflügeligen Standspiegel bewunderte, erhob sich Tamara, schlang das Maßband um den Hals und ging auf die Direktrice zu.

»Wie kann man nur eine so dicke welke Frau in diesen Traum aus beigefarbenem Crêpe stecken? Und ihr auch noch diese schreckliche Federboa umhängen!«, flüsterte sie.

Die Direktrice, klapperdürr und mittelalt, verdrehte die Augen.

»Was kann ich dafür?«, wehrte sie ab und sah ungerührt zu, wie die Erste Verkäuferin die Kundin auch noch in gerüschten giftgrünen Taft steigen ließ, obwohl sich die steifen Rüschen des Kleides wie Greifarme um die ausladenden Hüften der armen Frau legten.

»Ich verstehe das nicht«, ereiferte sich Tamara, »der Chef wünscht doch, dass Stammkundinnen, die viel Geld hinblättern, bestens beraten werden!«

»Ach, der Chef, dieser Traumtänzer! Der wünscht viel, wenn der Tag lang ist.« Die Direktrice zog einen spöttischen Mund und machte eine wegwerfende Handbewegung. »Wo kämen wir denn hin? Die Kasse muss schließlich stimmen, meine Liebe. Das werden Sie auch noch lernen!«

Tamara wollte ins Atelier zurück, doch die Direktrice war mit ihren Sprüchen noch nicht zu Ende.

»Die Zeiten haben sich geändert, und selbst die besten Kundinnen haben sich angewöhnt, nach den Preisen zu schielen. Unser Umsatz stagniert! Da werden Sie doch nicht erwarten, dass ich der dicken Frau Schwarz-Schmitter die beigefarbene Crêpe-Robe und das giftgrüne Rüschenkleid ausrede. Womöglich kauft sie dann überhaupt nichts!«

»Aber in dem hellen Crêpe sieht sie doch fürchterlich aus! Und erst in dem giftgrünen Taft! Unmöglich!«, flüsterte Tamara.

»Was soll's!«, wehrte die Direktrice ab. »Die Gute fährt mit den Kleidern ja nicht zu den Bayreuther Festspielen. Tanzt auf keinem Adelsball. Sie will höchstens auf dem Feuerwehrfest in Lichtenau, wo sie zu Hause ist, glänzen und den übrigen Damenflor ausstechen, sonst nichts ...«

»Das wird ihr in unseren Schöpfungen kaum gelingen«, warf Tamara bissig ein.

Die Direktrice überhörte die Bemerkung, holte tief Luft und ging auf die verunstaltete Kundin zu, die wie ein plustriger Teewärmer aussah.

»Sehr elegant, gnädige Frau, wirklich sehr elegant!«, flötete sie, ohne zu erröten.

Diese falsche Schlange! Tamara kochte innerlich. Jezt war es der Direktrice sogar noch gelungen, den zweibeinigen Teewärmer in die Boutique des Salons zu locken und ihm anzudrehen, was an Accessoires gut und teuer war. Seidenblumen aus Paris, handgemachte Sandaletten aus derselben Stadt und ein italienisches Abendtäschchen aus Silbergeflecht.

Die Direktrice verstand ihr Geschäft. Dass musste man ihr lassen. Sie wusste, wie man Frauen, die es nötig hatten, das Gefühl finanzieller Gehobenheit gab.

Tamara verließ den Salon und ging die kahlen Treppen zu den Ateliers hoch. Hier gab es keinen Velour, nirgendwo Marmor oder seidene Wandbespannungen. Hier war alles ziemlich schäbig und eng.

Die Rollen mit den kostbaren Stoffen lagen nicht auf antiken, hochbeinigen Tischchen, sondern steckten in rohen Holzregalen. Die Wände waren voller Skizzen und Schnitte. Alle auf lange Haken gespießt.

Tamara machte sich verdrossen daran, einen Reißverschluss festzusticheln. Wie langweilig und lästig! Eine Arbeit für eine Flickschneiderin, aber doch nicht für eine der besten Modeschulabsolventinnen, die große Pläne hatte und sie möglichst schnell verwirklichen wollte! Die elegante Welt würde bald nicht mehr an Tamara Lingg vorbeikommen. Daran sollte nur ja niemand zweifeln!

♥♥♥

Tamara und ihre Schwester teilten sich eine gemütliche Mansardenwohnung. Mitten in der Innenstadt in einem neuen nüchternen Mietshaus.

Das Zusammenleben hatte seine Vor- und Nachteile. Die Vorteile genoss die lebhafte dunkle Tamara, während die sanfte helle Christina die Nachteile in Kauf nehmen musste. Denn Tamara hielt sich selten an getroffene Abmachungen, wollte keine häuslichen Pflichten übernehmen, sorgte für geniale Unordnung und blieb kaum einen Abend zu Hause. Sie war immer ausgebucht und mit irgendwelchen Freunden unterwegs.

Christina hatte weniger Freizeit. Den größten Teil ihres Daseins verbrachte sie in der Klinik. Die meisten der Stunden, die übrig blieben, brauchte sie, um sich von ihrem harten Dienst auszuschlafen. Der kümmerliche Rest war ihr Privatleben.

Privatleben? Was sollte das sein? Der gelegentliche Bummel über die Zeil? Oder der Gang um die Ecke zum Friseur? Doch höchstens die Besuche bei den Eltern im Taunus. Bei ihnen konnte man abschalten, sich verwöhnen und mit Liebe umhüllen lassen.

Da ging die Wohnungstür. Tamara kam nach Hause. Leider ohne ihre sprichwörtlich gute Laune. Sie streifte missmutig ihre hochhackigen Pumps von den schönen schmalen Füßen und warf sie durch die Gegend. Dann verschwand sie wortlos auf dem kleinen, straßenwärts gelegenen Balkon und lehnte sich über das Geländer.

»Was ist denn los?«, fragte Christina, die immer und überall helfen und trösten wollte.

»Ach, lass mich«, fauchte Tamara, bedauerte ihre Heftigkeit aber sofort und legte einen Arm um die Schultern ihrer Schwester. »Ich hab's so satt! Ich mag nicht länger in einem fremden Atelier hocken! Ich will meinen eigenen Laden! Schließlich verstehe ich was von Mode und Design. Mehr als mein Chef!«

»Na, na ...«, dämpfte Christina.

»Wenn ich es dir sage!«, verteidigte sich Tamara und kniff ihre schrägen braunen Augen zusammen. »Dieser eitle Pfau bekäme doch ohne mich kein Kleid auf den Bügel, denn auf seinen Skizzen und Entwürfen stimmt keine einzige Naht!«

»Aber er besaß genug Geld, um seinen Modesalon zu eröffnen. Und du hast keines«, warf Christina ein. »Um eine zweite Coco Chanel zu werden, brauchst du leider welches.«

»Die Chanel hatte überhaupt kein Geld! Dafür aber reiche Liebhaber! Und die massenhaft!«

»Du willst sie dir doch hoffentlich nicht zum Vorbild nehmen?«, fragte Christina belustigt.

»Warum denn nicht? Für den eigenen Salon gehe ich über alle Hürden«, antwortete Tamara aufreizend. »Ich mache Nägel mit Köpfen! Worauf du dich verlassen kannst!«

Christina blieb vollkommen ruhig. Sie nahm ihre Zwillingsschwester nie ernst, wenn die Phantasie mit ihr durchging.

»Meinst du nicht, dass du dir mit deinen dreiundzwanzig Jahren ruhig noch Zeit nehmen kannst?«

»Kann ich! Will ich aber nicht!«

Christina sagte nichts mehr. Sie lehnte sich neben Tamara über das Balkongeländer, hörte auf die Geräusche des mörderischen Autoverkehrs und konnte zwischen den neuen brutalen Wolkenkratzern den Taunus sehen, dessen Südhänge die Stadt von Norden her umschlossen.

Tamara, egozentrisch und von sich eingenommen, sprach immer nur von ihren eigenen Wünschen und Plänen. Dass ihre Schwester auch welche haben könnte, kam ihr selten in den Sinn.

»Wenn ich erst einmal selbstständig bin«, spann sie den Faden weiter, »werde ich die teuersten Models engagieren und in meinen Kreationen auf den Laufstegen rotieren lassen! Du wirst es erleben!«

»Ich nehme dich beim Wort«, entgegnete Christina mit ironischem Unterton, von dem Tamara sich nicht beeindrucken ließ.

»Weißen Marmor wird es bei mir geben. Rauschende Seidenvorhänge. Regale aus gebürstetem Messing, Mahagonistühle! Und mein Name muss in Blattgold auf der gläsernen Eingangstür stehen: Tamara Lingg! Wenn nur der Weg dahin nicht so verdammt weit wäre!«, seufzte sie. »Aber ich werde ihn abkürzen. Verlass dich drauf!«

»Wie meinst du das?«

»Ich werde es so machen wie die Chanel! Wozu bin ich jung? Warum soll ich da die Schwäche mancher Männer für attraktive Begleiterinnen nicht ausnützen?«

»Hör auf damit!«, bat Christina entsetzt. »Das kann doch nicht dein Ernst sein!«

»Und ob das mein Ernst ist!«, antwortete Tamara mit tiefer, scharfer Stimme, warf ihren schönen Kopf in den Nacken und dachte an die tolle, ausschweifende Party, auf der sie dem aufregenden millionenschweren Weingutbesitzer und Sektfabrikanten Jan von Wallrodt begegnet war.

Sie schloss die Augen und spürte, wie sie jetzt noch glühte, wenn sie nur an diesen Mann dachte und daran, dass er den ganzen Abend bis in die frühen Morgenstunden hinein in ihrem Windschatten geblieben war. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als ihn wiederzusehen.

Es musste doch mit dem Teufel zugehen, wenn es ihr nicht gelingen sollte, dieses Bild von einem Mann etwas ernsthafter für sich zu interessieren!

♥♥♥

Christinas Dienst war zu Ende, aber sie hatte es nicht eilig. Es drängte sie noch einmal zu dem kleinen Piet, und sie schlich sich im Dämmerlicht auf Zehenspitzen an sein Bett.