Silvia-Gold 231 - Henriette Fröhlich - E-Book

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Henriette Fröhlich

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Beschreibung

Jana Schober liebt die Freiheit und das berauschende Gefühl, im freien Fall dem Alltag zu entfliehen. Deswegen hat sich die Achtundzwanzigjährige auch ihren Traum erfüllt und eine eigene Fallschirmsprungschule gegründet. Doch als plötzlich Tilo Berger, der Schwarm ihrer Jugend, vor ihr steht und einen Tandemsprung mit ihr erleben möchte, wirbelt er ihre Gefühle gehörig durcheinander. Zwischen luftigen Höhen und dem Boden der Realität entwickelt sich eine Anziehungskraft, die Jana sich nicht eingestehen will. Sie versucht zu fliehen. Denn schon als Teenager hat sie sich geschworen, niemals ihre Gefühle für einen Mann über ihre Unabhängigkeit zu stellen. Doch was wäre, wenn Jana endlich wagt, sich nicht nur in die Lüfte, sondern auch in die Liebe zu stürzen? Würden dann ihre Narben aus der Vergangenheit heilen können?

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Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Dem Himmel entgegen

Vorschau

Impressum

Dem Himmel entgegen

Ein Roman über die schwindelerregenden Höhenflüge der Liebe

Von Henriette Fröhlich

Jana Schober liebt die Freiheit und das berauschende Gefühl, im freien Fall dem Alltag zu entfliehen. Deswegen hat sich die Achtundzwanzigjährige auch ihren Traum erfüllt und eine eigene Fallschirmsprungschule gegründet. Doch als plötzlich Tilo Berger, der Schwarm ihrer Jugend, vor ihr steht und einen Tandemsprung mit ihr erleben möchte, wirbelt er ihre Gefühle gehörig durcheinander. Zwischen luftigen Höhen und dem Boden der Realität entwickelt sich eine Anziehungskraft, die Jana sich nicht eingestehen will. Sie versucht zu fliehen. Denn schon als Teenager hat sie sich geschworen, niemals ihre Gefühle für einen Mann über ihre Unabhängigkeit zu stellen. Doch was wäre, wenn Jana endlich wagt, sich nicht nur in die Lüfte, sondern auch in die Liebe zu stürzen? Würden dann ihre Narben aus der Vergangenheit heilen können?

Das erste Licht des Tages schien sanft und golden durch das Fenster herein, als Jana Schober aus dem Bett sprang. Ein schneller Blick nach draußen zeigte ihren geliebten Flugplatz. Die Sonne tauchte das Flughafengebäude, das Rollfeld und die umliegende Landschaft in ein tiefes Orange und versprach einen klaren Tag.

Ein perfekter Samstagmorgen für Fallschirmsprünge!

Jana duschte eilig, zog sich an, schnappte sich ihre Sportsachen, band im Gehen ihre schulterlangen, braunen Haare zu einem Zopf und zog ihre Sportjacke über.

Auf dem Weg zum Fallschirmsprungzentrum am Dorfrand begegnete sie niemandem. Die Familien genossen es, am Wochenende auszuschlafen, und diejenigen, die auch am Samstag arbeiten mussten, waren längst aufgebrochen.

Voller Vorfreude lief sie die gepflasterten Straßen, die von liebevoll gepflegten Fachwerkhäusern gesäumt waren, entlang.

Angekommen im Trainingszentrum, ging Jana sofort zum Ausrüstungsraum. Sie überprüfte jeden Fallschirm mit der schnellen Präzision, die sie sich in den Jahren angeeignet hatte. Jeder Gurt, jede Schnalle musste perfekt sitzen.

Ihr Blick wanderte über den Hangar. Die Flughalle war das Herzstück der Skydiving-Schule, die sie und Andreas, ihr guter Freund und Mitinhaber, mühevoll aufrechterhielten. Am Wochenende war hier am meisten los, wenn all die Hobbyspringer zum Training hierherkamen und Laien ihre ersten Tandemsprünge wagten.

Als sie gerade die letzte Überprüfung vornahm, hörte sie hinter sich eine dunkle Stimme:

»Hey Jana, du bist die Erste am Platz!«

Jana drehte sich überrascht um und musste einen Moment blinzeln.

Da stand doch Tilo Berger, ihr ehemaliger Mitschüler, der begehrteste Junge ihrer Schulzeit, vor ihr. Früher war er drei Klassen über ihr gewesen, und damals hätte er sie niemals so intensiv angesehen. Doch nun spielte der Altersunterschied von drei Jahren anscheinend keine große Rolle mehr.

Seine braunen Augen musterten sie neugierig, und das kantige Gesicht hatte nichts von seiner jugendlichen Attraktivität eingebüßt – im Gegenteil.

»Du bist also wirklich zurück in der Heimat«, stellte sie fest und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. »Hast du das Fallschirmspringen für dich entdeckt?«

Tilo zuckte mit den Schultern. »Noch nicht. Kommt drauf an, wie es heute wird. Ich springe zum ersten Mal. Allerdings bin ich etwas früh. Hoffentlich nicht zu früh.«

Er zwinkerte ihr zu. Flirtete er etwa mit ihr?

»Die anderen müssten auch bald kommen«, sagte Jana. »Ihr seid heute eine Gruppe von fünf Anfängern – ihr bekommt erst eine Einführung und dann springen mein Kollege Andreas und ich mit euch nacheinander.«

Er nickte. »Ich würde gerne mit dir den Tandemsprung machen!«

Sein Blick blieb an ihr hängen, und Jana stieg die Hitze in die Wangen.

»Kriegen wir hin«, sagte sie so beiläufig wie möglich.

Bald trafen auch die anderen Kunden ein. Es waren ebenfalls ehemalige Mitschüler, vier ehemalige Freunde von Jana, die nun alle bereits im Berufsleben standen. Mit dem gemeinsam geplanten Fallschirm-Tandemsprung wollten sie einen lang gehegten Traum verwirklichen.

Janas Augen leuchteten, als sie die Gruppe sah. Sie hatten früher viel Zeit zusammen verbracht, jetzt kannten sie sich kaum noch. Jana freute sich, die vier wiederzusehen.

Da war Lisa, heute erfolgreiche Architektin, und immer noch energisch und leidenschaftlich wie vor zehn Jahren. Neben ihr stand Paul, jetzt ein angesehener Anwalt, der als Schüler eher ein Außenseiter gewesen war und den Spitznamen »Lexikon« gehabt hatte. Daneben wartete Marie, die inzwischen als Krankenschwester arbeitete und immer noch den gleichen scharfen Humor besaß. Und schließlich war da Tim, der Nervöseste in der Runde. Unruhig trat der IT-Spezialist von einem Bein aufs andere und schaute sich hektisch um. Rote Flecken hatten sich auf seinem Gesicht gebildet.

»Guten Morgen, ihr alle! Seid ihr bereit für das Abenteuer eures Lebens?« Jana ging auf die Gruppe zu und begrüßte jeden einzelnen mit einer Umarmung. »Kennt ihr noch Tilo? Er war ein paar Klassen über uns. Er macht heute auch seinen ersten Fallschirmsprung!«

»Hi zusammen«, Tilo begrüßten die anderen mit einem lockeren Handschlag.

Lisa, Paul und Marie waren erfreut und plauderten direkt mit Tilo. Aber Tim wirkte völlig angespannt. Er schluckte so schwer, dass sich sein Adamsapfel hektisch auf und ab bewegte.

»Ich hoffe, ich überlebe das«, murmelte er.

Die vier anderen lachten aufmunternd.

Jana legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. »Du wirst es großartig machen, Tim. Wir haben alles im Griff. Vertraue mir. Gerade habe ich die Ausrüstung extra für dich noch einmal überprüft«, scherzte sie.

Jana mochte diese Mischung aus Aufregung und Nervosität, die in der Luft lag, mehr als alles andere. Das war ihre Leidenschaft! Und Menschen wie Tim waren ihre persönliche Herausforderung. Wenn auch Skeptiker wie er später begeistert waren, dann hatte sich ihre Arbeit gelohnt.

Während die fünf in der Gruppe konzentriert ihren Einweisungen lauschten, beobachtete Jana jede ihrer Bewegungen. Wichtig war es, schon im Vorfeld genau zu verstehen, wie jeder von ihnen tickte, das konnte bei einer eventuellen Gefahrensituation Leben retten, auch wenn sie nicht mit Unerwartetem rechnete. Doch die gute Vorbereitung war in ihrem Beruf alles.

Dann kam ihr Geschäftspartner Andreas hinzu. Er führte die Gruppe durch die ersten Sicherheitshinweise und erklärte den Ablauf des Sprungs. Andreas sprach ruhig und sachlich, wieder dachte Jana, was für ein tolles Team sie doch waren.

Aus dem Augenwinkel bemerkte Jana, dass Tim jedoch immer nervöser wurde. Er stand abseits der Gruppe, seine Hände zitterten, und er rieb sich unaufhörlich die Schläfen, als hätte er starke Kopfschmerzen.

Andreas schien es nicht zu bemerken, gut gelaunt fuhr er mit seinen Erklärungen und Anweisungen fort. Dass sich die Unruhe von Tim allmählich auf die anderen übertrug, merkte er auch nicht.

Jana seufzte. Das war nicht der perfekte Start, den sie sich vorgestellt hatte. Sie musste schnell handeln, um die wachsende Nervosität in den Griff zu bekommen.

Mit festen Schritten ging sie auf Tim zu.

»Hey Tim«, sagte sie sanft und legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Komm, lass uns kurz sprechen.«

Tim nickte. Sie führte ihn auf eine Bank am Rand der Halle.

»Jana, ich ... ich weiß nicht, ob ich das kann. Ich habe mir das alles ganz anders vorgestellt. Habe mir unzählige Videoclips im Internet angesehen. Da schien es so leicht. Und jetzt? Was, wenn etwas schiefgeht?«

Jana sah ihn direkt an. »Ich verstehe, dass du nervös bist. Das geht anfangs jedem so. Auch mir vor meinem allerersten Sprung. Aber glaub mir, wir haben das hier alles hundertfach ... ach was, tausendfach durchgespielt. Die Ausrüstung ist top, die Sicherheitsvorkehrungen sind auf dem neuesten Stand. Und ich bin immer bei dir. Komm, zusammen schaffen wir das.«

»Ich weiß nicht.«

Sie erklärte ihm geduldig noch einmal alle Sicherheitsmaßnahmen, sprach über ihre eigene Erfahrung und erzählte ihm von den vielen erfolgreichen Sprüngen, die sie schon absolviert hatte, und von ihrer Teilnahme und den Siegen bei den Deutschen Meisterschaften im Fallschirmspringen.

»Es ist ganz normal, Angst zu haben. Aber ich verspreche dir, es wird ein unvergessliches Erlebnis.«

Tims Atmung beruhigte sich langsam, obwohl noch Zweifel in seinen Augen lagen. »Okay. Ich vertraue dir. Versprich mir, dass du mit mir springst.«

»Versprochen. Komm. Lass uns zu den anderen gehen, sie warten schon.«

Als sie zurück zur Gruppe gingen, sah sie, dass Tilo sie beobachtet hatte. Als sie neben ihm stand, flüsterte Tilo ihr ins Ohr:

»Aber nicht vergessen. Auch ich will mir dir springen!«

Sie räusperte sich. »Geht klar.«, antwortete sie.

Aber ihr Herz schlug schneller bei dem Gedanken, später an ihm festgebunden zu sein und mit ihm seinen Premiere-Sprung zu teilen. Das wollte sie nicht verpassen.

Sie gab Andreas Bescheid, dass heute ausnahmsweise schon feststand, mit welchen Schülern sie sprang. Sie würde Marie, Tim und Tilo übernehmen, und Andreas Lisa und Paul. Er war natürlich einverstanden, wunderte sich aber etwas über ihre entschlossene Wahl.

Der Pilot hatte die kleine Propellermaschine schon aus der Halle gebracht, er wartete im Cockpit. Es war Zeit, ins Flugzeug zu steigen. Jana konnte die Mischung aus Angst und Adrenalin in der Luft förmlich riechen.

Sie schloss die Augen für einen Moment, atmete tief durch und sammelte ihre Gedanken. Dann öffnete sie sie wieder, bereit für das, was kommen würde.

»Okay Leute, auf geht's!«, rief sie. »Die ersten beiden können jetzt schon einsteigen. Die anderen beiden können erst mal zusehen. Wer beginnt?«

Tim meldete sich sofort. Mit ihm stieg Lisa ein. Paul, Marie und Tilo blieben am Boden. Tim hielt sich dicht an Janas Seite. Jana lächelte ihm aufmunternd und professionell zu und ergriff seine Hand.

Bald hob der Flieger ab, und die vertraute Vibration des Motors erfüllte den Innenraum. Jana spürte noch immer das altbekannte Kribbeln in ihrem Bauch, als sie aus dem Fenster blickte und die Welt unter sich kleiner werden sah. Es würde sich wohl nie ändern, wie viele Sprünge sie auch absolvierte.

Die Luft war ihr Element, hier fühlte sie sich frei und lebendig. Alle Gedanken an den Alltag und an Zweifel und Sorgen fielen von ihr ab. Das war der Grund, warum sie überhaupt mit dem Fallschirmspringen begonnen hatte. Schon, wenn sie vom Boden abhob, war sie in einer anderen Welt.

Dann erreichten sie auch die perfekte Absprungstelle über freien Feldern. Mit einem letzten ermutigenden Blick zu Tim nickte sie und öffnete die Tür. Der Wind rauschte herein, und der Lärm ließ die Körper vibrieren. Andreas und Jana brauchten sich nicht abzusprechen, es war klar, dass Jana mit Tim zuerst springen würde, um Tims Angst nicht durch eine zusätzliche Wartezeit zu verschlimmern.

»Bereit?«, schrie sie.

Tim atmete tief durch, seine Augen fest verschlossen. »Bereit!«, rief er zurück.

Mit einem letzten Händedruck sprang Jana und zog Tim mit sich in die Tiefe. Das Freiheitsgefühl und das Adrenalin fluteten jede Faser ihres Körpers. Tims langgezogener Angstschrei verwandelte sich langsam in Jubel, als auch er begann, den freien Fall zu genießen.

Jana sah nach oben, beobachtete, wie auch Andreas mit Lisa sprang.

Als sie wieder sicher auf dem Boden waren und Lisa und Tim auf dem Fußweg zum Flugplatz, berauscht von all dem Adrenalin, ihre Eindrücke ausgetauscht hatten, wiederholten Jana und Andreas den Tandemsprung mit Marie und Paul. Diesmal sprang Jana mit Marie, die keinerlei Angst zeigte. Andreas kümmerte sich um Paul.

»Und nun bist du dran«, sagte Jana zu Tilo.

»Ich bin dabei.«

»Das wird spannend.« Jana merkte, dass ihr Herz plötzlich schneller schlug. Sie wusste nicht, ob es die Vorfreude auf den Sprung war oder die Tatsache, dass sie gleich mit Tilo springen würde.

Der Flieger hob ab, und die vertraute Vibration des Motors erfüllte den Innenraum. Janas Nervosität wich, als sie nach draußen blickte und die Welt unter sich immer kleiner werden sah.

Doch die Gegenwart von Tilo, der neben ihr saß, ließ das Kribbeln in ihrem Bauch immer wieder erneut aufflammen. Früher waren sie zu jung zum Flirten gewesen, nun war die Spannung zwischen ihnen fast greifbar, auch wenn sie versuchte, das Gefühl zu ignorieren. Er sah unwahrscheinlich gut aus mit seinem dunklen Dreitagebart und seinen strahlendblauen Augen. Sie erinnerten ihn an die Farbe des Himmels bei Sonnenschein.

»Bereit?«, schrie sie ihm zu, als sie die Tür öffnete.

Der Wind zerrte an ihren Haaren, und der Lärm war ohrenbetäubend. Tilo nickte, aber in seinen Augen lag ein Leuchten, das Jana eine Gänsehaut über den Rücken jagte.

Sie wusste, dass er genau das gleiche spürte, wie sie auch, diese Mischung aus Vorfreude, Aufregung, Nervosität und dem Quäntchen Unsicherheit, das immer mitspielte.

Dann sprangen sie gemeinsam. Der Fall in die Tiefe ließ alles andere um sie herum verschwinden. Unzählige Male war Jana bereits gesprungen, aber nun fühlte es sich anders an. Es war, als gäbe es nur noch Tilo und sie.

Die Geschwindigkeit, das Rauschen des Windes, die Freiheit, die sie beide im freien Fall spürten – es war überwältigend. Tilo streckte seine Hand nach hinten, und Jana umschloss sie fest. Nun waren sie eine Einheit, aneinander gebunden auf Leben und Tod.

Adrenalin pumpte durch ihre Adern, und für einen Moment waren sie schwerelos, schwebten über der Welt, als gäbe es nichts, was sie aufhalten konnte. Als würden sie in eine Parallelwelt eintauchen, in der es keine Grenzen gab, kein Morgen, sondern nur ein allumfassendes Jetzt.

Als sie sicher landeten, sah Jana in Tilos Augen ein Funkeln. Am liebsten hätte sie ihn umarmt. Doch stattdessen trat sie einen Schritt zurück und kümmerte sich um die Fallschirme.

»Das war unglaublich«, sagte Tilo atemlos, als er den Helm abnahm und sich durch die Haare fuhr. Seine Augen waren immer noch auf Jana gerichtet.

Doch sie erwiderte seinen Blick nicht. Sie war so bewegt, dass es ihr unprofessionell vorkam. Aus Verlegenheit konzentrierte sie sich lieber auf ihre Ausrüstung.

Der Jubel der Gruppe hallte über den Platz, als Jana und Tilo zurückkamen. Erschöpft und glücklich atmete Jana tief durch. Jetzt, wo die Aufregung nachließ, fühlte sie eine leichte Erschöpfung.

Jana half Tilo aus dem Gurtzeug. Ihre Hände berührten sich, und erneut durchzog ein Kribbeln ihren gesamten Körper.

»Du warst großartig«, sagte sie.

»Das habe ich dir zu verdanken«, antwortete Tilo. »Vielleicht sollten wir das wiederholen.«

»Gerne«, erwiderte Jana und bemerkte, dass sie errötete.

Zurück im Hangar stellte sie sicher, dass die gesamte Ausrüstung wieder an Ort und Stelle verstaut wurde. Während die fünf Kunden in der Lounge ausgelassen von ihren Erfahrungen erzählten und über ihre vorherigen Ängste schmunzelten, gönnte sich Jana einen Moment der Ruhe.

Sie ließ sich auf einen Stuhl fallen und schloss kurz die Augen.

In diesem Moment kam Kathrin herein, ihre beste Freundin, die sie bereits seit der siebten Klasse kannte. Mit einem Becher dampfendem Kaffee in der Hand trat sie auf Jana zu.

»Hier, für die tapfere Heldin des Tages«, sagte sie und drückte Jana die Tasse in die Hand. »Wenn du heute schon keine Zeit hast, mit mir auf den Flohmarkt zu gehen, wollte ich euch etwas zuschauen. Vielleicht kannst du ja doch etwas früher Feierabend machen! Bei mir ist Sommerflaute in der Redaktion, und ich hab nicht viel zu tun. Wie wäre es mal wieder mit einem Mädelsabend?«

Jana nahm den Kaffee dankbar entgegen und lächelte müde. »Danke, Kathrin. Das habe ich jetzt wirklich gebraucht.«

»Es sah ziemlich hektisch aus da draußen«, meinte Kathrin und setzte sich neben Jana. »Tim ist ja vorher fast durchgedreht. Du hast es großartig gemeistert.«

»Du warst so früh schon hier? Ich habe dich gar nicht gesehen. Warum bist du nicht zu mir gekommen?«

»Ich wollte nicht stören.«

Jana trank einen Schluck und genoss die wohltuende Wärme des Kaffees. Sie spürte, wie das Koffein die aufkommende Müdigkeit vertrieb.

Ihre Pause wurde schneller unterbrochen, als ihr lieb war. Andreas stürmte herein. Sein Gesichtsausdruck war angespannt, seine Lippen aufeinandergepresst, und Jana wusste sofort, dass etwas nicht stimmte.

»Jana, wir haben ein Problem«, sagte er.

Jana stellte den Kaffeebecher ab. »Was ist los?«

»Es zieht ein Sturm auf. Die Nachmittagsflüge müssen verschoben werden. Die Winde sind zu stark, es wäre zu gefährlich.«

Jana schaute nach draußen. Mit einem Kleinbus kam gerade bereits die nächste Gruppe an. Alle plapperten voller Vorfreude durcheinander.

»Okay, wir müssen die Kunden beruhigen und ihnen alternative Termine anbieten. Wir werden noch etwas finden, bevor dann die Renovierungsarbeiten wegen des Wasserschadens beginnen. Lass uns das gemeinsam angehen.«

Jana atmete tief durch und stand auf. Diesen Teil hasste sie an ihrem Job, aber es war nicht zu vermeiden. Sicherheit ging vor.

Zusammen mit Andreas trat sie vor die wartenden Männer und Frauen, es war ein Betriebsausflug. Im Hintergrund verdunkelte sich bereits der Himmel. Wolken zogen auf.

Niemand beachtete Jana. Sie hob die Hände, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

»Meine Damen und Herren, leider müssen wir die Nachmittagsflüge wegen des Wetters verschieben. Die Sicherheit geht vor, und bei diesen Bedingungen können wir keine Risiken eingehen.«

Einige Kunden schauten bloß enttäuscht und murmelten etwas vor sich hin, andere zeigten offen ihren Unmut.

»Wir sind extra hierhergekommen!«

»Zwei Stunden Fahrt für nichts.«

»Das können Sie nicht machen. Ich verlange Schadensersatz!«

Unruhe breitete sich aus.