Silvia-Gold 246 - Julia Rosenthal - E-Book

Silvia-Gold 246 E-Book

Julia Rosenthal

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Beschreibung

Leyla und David - zwei junge Menschen, deren Welten nicht weiter voneinander entfernt sein könnten. Und doch begegnen sie sich im entscheidenden Moment ihres Lebens. Was wie ein Zufall beginnt, wird zum Schicksal: ein flüchtiger Kuss, ein versäumter Abschied, eine Erinnerung, die nie vergeht. Jahre vergehen. Das Leben trennt sie, prägt sie - und hinterlässt Narben. Doch tief in ihren Herzen lebt das unausgesprochene Versprechen jener Nacht weiter. Als sich ihre Wege unter dramatischen Umständen erneut kreuzen, steht mehr auf dem Spiel als eine verpasste Liebe. Es geht um alles: um Würde, um Wahrheit - und um den Mut, sich selbst zu retten, indem man einen anderen liebt ...

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Seitenzahl: 110

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Zeichen der Zeit

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Zeichen der Zeit

Zwei Leben, zwei Wege – verbunden durch ein unsichtbares Band

Von Julia Rosenthal

Leyla und David – zwei junge Menschen, deren Welten nicht weiter voneinander entfernt sein könnten. Und doch begegnen sie sich im entscheidenden Moment ihres Lebens. Was wie ein Zufall beginnt, wird zum Schicksal: ein flüchtiger Kuss, ein versäumter Abschied, eine Erinnerung, die sich für immer in ihnen festbrennt.Jahre vergehen. Das Leben trennt sie, prägt sie – und hinterlässt Narben, die Zeichen der Zeit sind. Doch tief in ihren Herzen lebt das unausgesprochene Versprechen jener Nacht weiter.Als sich ihre Wege unter dramatischen Umständen erneut kreuzen, steht mehr auf dem Spiel als eine verpasste Liebe. Es geht um alles: um Würde, um Wahrheit und um den Mut, sich selbst zu retten, indem man einen anderen liebt ...

Eine weise Frau sagte einst: Wahre Liebe ist der Tanz zweier Seelen im Auge des Sturms. Eine Liebe, die den Tod nicht scheut. Aber was soll Liebe mit dem Tod zu tun haben? Es gibt doch nichts Gegensätzlicheres als diese zwei Pole des menschlichen Lebens, oder?

Wie so oft bei Gegensätzen besteht auch hier eine unverhoffte Nähe, denn manchmal muss man Vieles aufgeben, um einen anderen Menschen wahrhaft zu lieben.

Manchmal muss man Sicherheiten und Gewohnheiten aufgeben, die einem so viel bedeuten, und oft muss man sogar ein kleines bisschen sterben, ein Stück von sich selbst aufgeben – ein Stück Egoismus vielleicht, das man schon ein ganzes Leben lang mit sich herumschleppt und irrigerweise glaubt, es würde zu einem gehören, wäre ein Teil des Charakters. Obwohl es im wahrhaftigen Sinne überhaupt nichts mit einem zu tun hat und man eigentlich gar kein egoistischer Mensch ist.

Das bedeutet also, man muss sich selbst überwinden, um auf die andere Seite zum Geliebten oder zur Geliebten zu gelangen – dazwischen liegen all die Berge, all die menschlichen Unzulänglichkeiten, die den Weg zu wahrem Glück, zur wahren Liebe versperren.

Die Ironie des Schicksals ist, dass es viel einfacher ist, sich auf jemanden einzulassen, der einem nicht wirklich etwas bedeutet, ja, dass es viel einfacher ist, sich mit einem Menschen für lange Zeit zusammenzutun, für den man keine Unzulänglichkeiten überwinden und auch keine Berge versetzen muss. Weil dieser Mensch uns nicht bewegt und keine großen Gefühle in uns erzeugt, weder negative noch positive.

Dabei kann es durchaus sein, dass wir diesen Menschen, den wir gar nicht lieben, dennoch in irgendeiner Art und Weise gefällig finden – sein Lachen vielleicht oder seine Hände, sein attraktives breites Kreuz und auch, dass er so gut küssen kann, und vielleicht, dass er so angesehen ist.

All diese Dinge sind anziehend, aber wenn sie nicht von tiefer Liebe erfüllt sind, wenn da eben keine Seelen sind, die miteinander im Auge des Sturms tanzen – dann nützt das alles nichts.

Anfangs vielleicht noch schön, nutzen diese Dinge sich ab, können Beziehungs- und Ehejahre nicht überdauern. Sie vergehen und werden zu leeren Handlungen, zu Ritualen ohne Sinn. Ein Kuss, der dann nicht viel mehr ist als ein Aufeinandertreffen von zwei Mündern. Sex, der nicht viel mehr ist als die gewohnheitsmäßige Vereinigung zweier Körper. Eine Berührung, die nicht viel mehr ist als Haut auf Haut.

Eine Liebe allerdings, die den Tod nicht scheut, vermag tiefe Abgründe und hohe Grenzzäune zu überwinden, die eigenen und auch solche, die einem von außen gesetzt worden sind.

Eine solche wahre Liebe gab es zwischen Leyla und David.

Ihre Welten hätten nicht unterschiedlicher sein können.

Während sie mit ihren türkischen Eltern in einem verwitterten Wohnblock lebte, wohnte er mit seiner Familie in einer betuchten Wohnsiedlung in einem riesigen Haus mit zwei dicken Autos in der Garage. Er war Athlet und Sport-Ass, sie hatte zwei linke Hände. Er war der Held aller Mädchen, sie die typische Unscheinbare – kurzum: Sie waren einander wie Tag und Nacht.

Und wären sie in jener Nacht im Juli 1999 nach der Abiturfeier nicht zusammen in der Turnhalle der Schule eingeschlossen worden, wären sie einander für immer fremd geblieben, unerkannt und ungeliebt.

Doch wenn das Schicksal etwas will, setzt es seinen Kopf immer durch. Und so kam es, dass Leyla und David, zwei junge Menschen, die frisch ihr Abitur in der Tasche hatten und scheinbar sonst nicht viel gemeinsam, in jener schicksalhaften Nacht entdeckten, was wahre Liebe ist.

♥♥♥

»Hey! Lasst uns hier raus! Hey! Macht die Tür auf!«, rief David und hämmerte mit der Faust gegen die Doppeltür der Turnhalle.

Leyla ließ sich davon nicht beirren und schaute durch das Glas, ob sich vielleicht doch noch unverhofft irgendeine Person finden würde, die ihnen hätte helfen können. Doch der lange Flur hinter der Tür gähnte leer in der Dunkelheit – alle Songs waren bereits verklungen, und die übermütigen Abiturienten tobten sich inzwischen auf irgendwelchen wilden Wohnzimmerpartys aus.

»Scheiße – wir sitzen hier fest ...«, sagte David leise und lehnte seine Stirn enttäuscht gegen die Glasscheibe.

»Es ist jetzt wahrscheinlich ein oder zwei Uhr, der Hausmeister kommt bestimmt erst gegen neun mit seiner Kolonne putzen ...«, sagte Leyla, während sie David betrachtete, der immer noch seiner Enttäuschung nachhing. »Verpasst du jetzt dein heißes Abi-Date?«, fragte sie plötzlich und überraschte sich selbst mit dieser forschen Herangehensweise.

Langsam schaute David von seinem Trauerspiel auf. »Was? Du bist doch sonst nicht so gesprächig ...«

»Sonst bin ich ja auch nicht nachts betrunken in irgendwelchen Turnhallen eingesperrt ...«, versetzte sie.

Die forsche Herangehensweise schien ihr Spaß zu machen, und außerdem: Was soll's! Sie würde diesen Typen, dem alle Mädchen hinterherrannten und der zugegeben göttlich aussah, sowieso nie wiedersehen. Also konnte sie ihn genauso gut aus der Reserve locken.

»Auch wenn's dich nichts angeht – du hast mitten ins Schwarze getroffen, ich verpasse gerade mein heißes Abi-Date ...«, sagte er, fuhr plötzlich herum und ließ sich mit dem Rücken gegen die Glastür sinken.

»Ist es die total hängengebliebene, aber sehr hübsche rothaarige Anita, die ganze zwei Hirnzellen ihr Eigen nennt, oder tröstest du dich über dein frisch erworbenes Abitur mit Claudia, dem Spatzenhirn, hinweg?«

Er sah sie das erste Mal aufmerksam an und grinste über das ganze Gesicht. »Wie bist du nur so bösartig geworden?«

Sie grinste zurück und sagte: »Entweder es liegt an dir oder an mir – und findet erst jetzt den Weg nach draußen.«

»Anita war's«, sagte er ohne Umschweife und rutschte mit dem Rücken an der Glastür entlang, bis er unten angekommen war und sich setzte, « ... die total Hängengebliebene, wenn's nach dir geht. Aber eigentlich ist sie voll nett, zu mir jedenfalls, zu dir wahrscheinlich eher weniger ... – ich hab's, du bist eifersüchtig auf sie!«, rief David und lachte.

Fuchsteufelswild drehte sich Leyla zu ihm um und rief: »Niemals! Glaub bloß nicht, dass ich auf dich stehe – nicht alle Mädchen tun das!« Dann rutschte sie ebenfalls mit dem Rücken an der Glastür entlang und setzte sich auf den Boden. »Ich frag mich gerade ernsthaft, ob dein Ego und ich hier in dieser Turnhalle genug Platz haben.«

»Hey, komm schon, das war doch nur ein dummer Spruch – außerdem hast du angefangen, über Anita herzuziehen, immerhin ist sie mein Abi-Date«, sagte er, in der Hoffnung, sie damit zu beruhigen.

Zu seinem Glück war sie nicht nachtragend. »Schon okay.«

Mit einem Ruck stand er auf, stellte sich vor sie, lächelte sie an und hielt ihr seine Hand hin. »Ich weiß, was wir machen.«

Sie schaute verdutzt zu ihm auf. »Entschuldigung, hab ich nicht ›Was‹ gesagt?« Als er immer noch nicht antwortete, sondern weiter lächelte, sagte sie theatralisch: »WAS?«

»Lass dich überraschen!«

Daraufhin nahm sie seine Hand, ließ sich von ihm hochziehen und folgte ihm in die große Turnhalle.

♥♥♥

Heute Nacht rannten hier keine unmotivierten Schüler mehr durch die Hallen, alles war mit Gold und Glitzer geschmückt, in der Luft hingen noch Träume, aber auch Wehmut, und das Gefühl von Abschied und Neuanfang.

Viele Tränen waren in dieser Nacht geflossen, und alte Fehden waren neu aufgeflammt – das alles war die Jugend: bitter und schön und grausam. Das Leben der jungen Menschen verlief auf einem schmalen Grat: Permanent verschwendeten sie ihre Jugend mit Partys, Sex und allerlei Ausschweifungen, während sie gleichzeitig aus einem grenzenlosen Reservoir neue Kraft schöpften, als könnten sie für immer jung sein, als würde dieser Brunnen nie versiegen.

David ging durch eine Tür hinter die Bühne, während Leyla in der Halle wartete.

Plötzlich ging das Licht aus, und ein warmes, goldenes Lichtermeer funkelte über Leyla an der Decke. Sie spürte, wie ihr kämpferisches Herz ruhiger wurde, fast schon sanft.

Für einen Moment schloss sie ihre Augen, und als sie sie wieder öffnete, sah sie ihn – mit einer Flasche Rotwein und zwei Gläsern.

»Du bist eine Träumerin«, sagte er, während er einschenkte.

Sie hockten sich im Schneidersitz nebeneinander auf den Boden. Silberne Lichter glitten langsam über den Turnhallenboden und über ihre Körper, ihre Gesichter, streiften und streichelten sie.

Sie nickte zur Antwort.

Schweigend tranken sie den Wein und spürten jenes seltene Glück, das ganz von selbst über einen kommt, wenn Herz und Seele erfüllt sind, weil in jenem Augenblick alles richtig ist.

Ihr Haar fiel schwarz und in natürlichen Wellen über das lange blaue Batik-Sommerkleid. Nachdem er einen Schluck Rotwein genommen hatte, wanderten seine Augen über ihre in Bronze schimmernde Haut.

Er erinnerte sich an sie, wie sie im Englischunterricht im Winter einmal neben ihm gesessen hatte. Damals schneite es draußen. Er beobachtete die Schneeflocken, wie sie ganz still durch die Hemisphäre fielen, und einen Augenblick später fiel sein Blick auf sie, auf ihr Antlitz, das genauso still und rein war wie der Schnee.

Als er einen weiteren Schluck von seinem Rotwein nahm, dachte er: Im Winter ist sie hell, jetzt im Sommer ist ihre Haut weich und bronzefarben, als würde sie mit den Gezeiten gehen.

»Woran denkst du?«, fragte sie ihn, als sich ihre Blicke trafen.

»An dich.«

Überrascht hielt sie inne. »Was denkst du denn über mich?«

David lächelte leicht. »Dass deine Haut mit den Gezeiten geht.«

»Was?«

»Im Winter ist sie hell und im Sommer bronzefarben.«

Leyla war verwirrt. Warum sagte er solche Sachen über sie? Wann sollte er festgestellt haben, wie ihre Haut im Winter aussah?

»Ich wusste gar nicht, dass du ... solch ein Poet bist«, stammelte sie fast.

»Ich habe so meine Momente«, sagte er verschmitzt und richtete seinen Blick auf das goldene Licht, das langsam durch die lange Halle glitt.

Sie mochte sein Gesicht, ein helles, ausdrucksstarkes Gesicht mit feinen Konturen und einer römischen Nase. Dichtes, kurz geschnittenes schwarzes Haar – seine Mutter war Italienerin, von ihr musste er das Haar und das Charisma geerbt haben. Und sein Vater war Engländer, zwar schon seit einigen Generationen eingedeutscht, aber sie sah es in seinen empfindsamen dunkelgrünen Augen.

Sie mochte es, dass er so groß war; er überragte sie um zwei Kopflängen. Dabei war er kein körperlich plumper Kerl, im Gegenteil, er war eher schlank hochgewachsen und hatte eine natürliche maskuline Eleganz. Wahrscheinlich rannten ihm deshalb die Mädchen allenthalben nach.

»Was fängst du jetzt an mit deinem Leben?«, fragte sie ihn.

Er richtete seinen Blick wieder auf sie, nahm noch einen Schluck Wein und sagte: »Ich mache mit ein paar Leuten eine Reise durch Europa, wir werden über ein halbes Jahr unterwegs sein.«

»Oh, wow, das klingt toll«, sagte sie gedehnt, während sie versuchte, sich ihr Interesse nicht anmerken zu lassen. »Und dann?«

»Dann bereite ich mich auf das Studium vor – Medizin.«

»Noch mal wow, das wird bestimmt nicht einfach ...«

Sein Blick bekam einen harten Glanz, und plötzlich machte sich eine harte Spannung in seinem Körper und in seinem Gesicht breit, die sie zuvor noch nicht an ihm bemerkt hatte. »Ich will in die Chirurgie.«

»Oh, da hast du dir ja gleich das schwerste Fachgebiet ausgesucht.«

Er nickte. »Mein Vater ist Chefarzt der Chirurgie in Frankfurt, ich werde bei ihm lernen und später mit ihm auf seiner Station zusammenarbeiten.«

»Und wie ist er so?«

»Wer?«

Sie lächelte sanft. »Dein Vater.«

Er holte tief Luft. »Er ist ...«

»Was?«, hakte sie nach.

»Egal, was ich tue, es ist nie gut genug für ihn.«

Verwundert schaute sie ihn an. »Und warum willst du dann bei ihm lernen und auch noch bei ihm arbeiten?«

Ratlos schüttelte er den Kopf. »Ich weiß nicht, das hab ich mich schon oft gefragt. Warum willst du ausgerechnet mit dem Mann, der dich, seitdem du denken kannst, nur fertiggemacht hat? Warum willst du ausgerechnet mit dem deine Zeit verbringen?« Er fuhr sich über das kurze Haar. »Ich weiß nicht, vielleicht will ich mir einfach was beweisen, dass ich es doch drauf hab, vielleicht will ich ihm beweisen, dass ich besser bin als er ...«

Leyla schwieg. Sie war empathisch genug, zu wissen, dass er sonst nie über diese Dinge sprach, also ließ sie ihn gewähren.

»Ich glaube, ich weiß, ich mache einen großen Fehler. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, ich kann nicht mehr zurück, als könnte ich die eine Entscheidung, die ich einmal getroffen habe, nicht wieder rückgängig machen, weil er das als Zeichen meiner Schwäche werten würde und mir immer unter die Nase reiben würde, dass ich nicht das Zeug zu einem guten Chirurgen habe ...«