Sind denn alle Männer Feiglinge? - Soulsista - E-Book

Sind denn alle Männer Feiglinge? E-Book

Soulsista

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Beschreibung

Sind denn alle Männer Feiglinge? Meine Erlebnisse auf einem Dating Portal

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Seitenzahl: 163

Veröffentlichungsjahr: 2018

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„Be careful what you pray for,

someday you may get it“

Ich widme dieses Buch meinem Sohn, meiner Familie, in die ich hineingeboren wurde, sowie allen meinen Freundinnen und Freunden, die mir in den letzten Monaten beigestanden haben.

Lieben Dank

Eure Soulsista

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Alex

Marc, Axel, Ulmer, Italiaboy, Marco, JetztLust, Julian, Phillip & Co

NEUANFANG

Wendelin

Ron

Nette Männer, lustige Männer, verwirrte Männer

Mr. Putz

ARMSOPENWIDE

Gabriel Fabrini

„KOMM, GEH FORT“

Hubert, Herbert, Hermann & Kollegen

André

Resümee

Tipps und Tricks

Achtung Abzocke!

Schlusswort

Vorwort

Nach über dreißig nicht immer ganz leichten Jahren mit meinem Ehemann Johann, verbrachte er eines Tages eine längere Zeit bei seiner neuen Bettgefährtin, die er neun Monate zuvor näher kennengelernt hatte. Sie war eine fürsorgliche Kollegin, die halbtags in seiner Firma arbeitete und nichts unversucht ließ, unsere derzeitige Eiszeit für sich auszunutzen. Nun, wer nette Kolleginnen hat, dem fehlt es an nichts. Sie suchte einen Mann mit Geld und er tappte in ihre Falle. Endlich durfte er auch wieder die Hosen herunterlassen. Mittlerweile hatte sie zwar die Abteilung gewechselt, sich aber umso mehr an meinem Ehemann festgebissen. Ja, sie war wie ein kleiner, dicker Pitbull Terrier. Wie sich im Nachhinein noch herausstellte, arbeitet sie auch auf Sex Portalen, um nebenbei noch Geld zu verdienen. Johann ahnte diesen Aspekt seinerzeit noch nicht.

Mein Kampf um unsere Ehe dauerte ebenso neun Monate lang, und als er sich immer noch nicht komplett für mich oder sie entscheiden konnte, zog ich aus der gemeinsamen Wohnung aus. Ich war tief verletzt. Mein Leiden war mittlerweile so groß geworden, dass ich alles Mögliche unternahm, um nicht völlig durchzudrehen. Aus Kummer nahm ich ganze siebzehn Kilo ab und fühlte mich elend. Da beschloss ich, nach einem neuen Menschen an meiner Seite zu suchen, dem ich wieder vertrauen konnte und mit dem ich wieder lachen konnte. Die Zeit der Tränen musste ein Ende nehmen.

Mit Anfang fünfzig empfand ich es nicht mehr ganz so einfach neue Männer kennen zu lernen und begab mich im Netz auf ein gut besuchtes Dating Portal. Davon gab es eine große Auswahl und ich entschied mich für eine sehr bekannte Plattform, die ich aus der Werbung kannte. Ich buchte erst einmal nur das Probeabonnement für drei Monate, denn die Mitgliedschaft kostete mehr als der Monatsbeitrag im Fitnessstudio. Das Geschäft mit der Liebe blühte auch hier. Unzählige Agenturen versprechen die große Liebe zu finden. Im Minutentakt sozusagen.

Die Anmeldung war einfach.

Mit einer E-Mailadresse und einem Namen, den ich mir selber geben konnte, war man bereits Mitglied der großen Familie der Suchenden. Unter den vielen Zigtausenden Mitgliedern würde schon ein Mann für mich dabei sein, so hoffte ich. Nach ein paar Fragen und einer einigermaßen detaillierten Beschreibung meiner Person konnte es dann auch schnell mit der Partnersuche losgehen. Ich nannte mein Alter, meine Größe, Gewicht, Augen-und Haarfarbe, Beruf, Hobby und sonstige Interessen. Ich stellte noch drei aussagekräftige Fotos von mir mit ein, um den Kandidaten einen ersten Eindruck zu vermitteln. Meinen zukünftigen Wunschpartner beschrieb ich so genau wie nur möglich, in der Hoffnung die richtigen Männer damit anzusprechen.

Jeden Tag wurden mir einhundert neue Partnersuchende vorgeschlagen, wobei ich zu meinem Bedauern täglich neunundneunzig wegklicken musste. War ich zu anspruchsvoll? Aber entscheidet nicht auch der erste Eindruck? Ungepflegte Haare, schiefe Zähne und dicke Bäuche waren einfach nicht mein Ding. Doch was suchten eigentlich die Männer auf so einem Portal? Diese Frage werde ich im Laufe meiner Erzählungen sicher beantworten können. Und was suchten wir Frauen? Schauen wir mal.

Ich bekam hunderte von E-Mails, Smileys und Favoritenklicks in den ersten Tagen. Das empfand ich nicht als normal und dachte, es läge wohl an meiner Suche. Hatte ich mich nicht klar und deutlich ausgedrückt, warum ich auf dem Portal war? Die Anzahl der Zuschriften erschreckte mich und so langsam dämmerte es mir. Es handelte sich hauptsächlich um Anfragen für ein Abenteuer, Sex Dates also.

Bestimmt zeigte sich hier auch der eine oder andere Herr, der es womöglich ernst mit einem meinte, aber leider keinerlei Ahnung hatte wie man eine Frau ansprechen sollte. Zumindest stellten sich viele sehr ungeschickt mit ihren Nachrichten an. Deswegen waren sie vermutlich auch noch allein bzw. noch ledig mit Mitte fünfzig. Was im richtigen Leben nicht funktioniert, klappt auch nicht auf einem Dating Portal. Ich änderte meinen Begrüßungstext ab um mehr Klarheit in meine Suche zu bringen und ergänzte einen Hinweis, dass ich keinesfalls reine Sex Dates oder gar einen One-Night-Stand, sondern eine neue, feste Partnerschaft suche. Wie erwartet, war sogleich viel weniger Post in meinem Posteingang und auch die Anzahl der Smileys und Favoritenklicks hielten sich in Grenzen. Aha, jetzt haben die Jungs wohl genauer hingeschaut. Ja, wer lesen kann ist klar im Vorteil. Allerdings fühlten sich nun die älteren Herren aufgefordert mir zu schreiben.

Väterliche Freunde und Opa-Typen mit grauen Bärten. Vorher hatte ich Verehrer die gerade mal zwanzig Jahre alt waren. Sie suchten einen Cougar. Dazu komme ich später noch. Ich musste auch erst einmal lernen was das ist. Irgendwie schien meine Zielgruppe hier zu fehlen. Ich beschloss trotzdem ein paar der Männer kennen zu lernen und machte mir die Mühe hinter das Foto zu schauen. Der erste Blick war nun nicht mehr das Ausschlaggebende für mich. Ich selber nahm probeweise für ein paar Tage meine Bilder aus dem Portal um zu sehen, wie das ganze Spiel dann funktionierte. Doch ohne Bild bekommt man am Tag höchstens ein oder zwei Anfragen, und die sind nur mit sexuellem Hintergrund, weil bei diesem Thema das Aussehen und der Status keine so große Rolle spielen. Hauptsache Frau. Ob sie nun verheiratet, verwitwet oder geschieden waren, interessierte die Herren der Schöpfung nicht. Diese Tatsache überraschte mich aber auch nicht. Puh, wo war ich hier hineingeraten. Nützt nichts, drei Monate sind bezahlt und jetzt wird gechattet und geflirtet, ermunterte ich mich selber. Die Bilder mussten wieder rein.

Doch eigentlich war ich gar nicht wirklich in der Stimmung dazu. Zu sehr schmerzte mich das Verhalten meines Ehemannes. Mein Selbstwertgefühl war auf dem Nullpunkt. Mit dem Portal versuchte ich mich dennoch etwas abzulenken und schaute mir nun meine Zuschriften nochmals an.

Ich möchte mich später ein paar der bemerkenswertesten Herren etwas genauer widmen. Sie stehen aber auch für viele Gleichgesinnte ihrer Art. Nicht jeder bekommt hier sein eigenes Kapitel, denn in exakt fünf Monaten hatte ich mehr als dreitausend Besucher auf meiner Seite. Eine große Bandbreite an Männernamen bekam ich zu lesen aber auch jede Menge Fantasienamen waren darunter. Viele dieser Mitglieder geben hier nicht den richtigen Namen preis, denn man(n) möchte alles wissen und sehen, aber trotzdem sich nicht ganz zu erkennen geben. Ergänzend zum Namen eigneten sich vorzüglich coole Bilder mit Sonnenbrille oder Ski Helm, mit Hund oder Katze vor dem Gesicht, mit Motorrad oder Auto im Vordergrund und so weiter. Tarnung ist alles, nur die Frau soll so viel wie möglich von sich zeigen. Und immerhin tummelten sich ebenso viele verheiratete Männer auf dem Portal, und diese wollten so gut es eben ging, unerkannt bleiben. Auch ich hatte das Vergnügen, solchen Typen immer wieder zu begegnen. Mit dem Namen, den man sich selber gab, kam schon eine gewisse beabsichtigte Aussage zustande. Zum Beispiel bekannten Männer sich gerne als Fan einer bestimmten Fußballmannschaft, dann hieß er SFC und BVB. Einige Männer wollen bestimmte Vorlieben andeuten, die bei einem erhofften Treffen zum Zuge kommen könnten.

Verwundert und amüsiert las ich zuerst einmal nur die Namen der Herren und machte mir so meine eigenen Gedanken dazu. Einige waren nett, andere weniger. Hier nenne ich nun ein paar Beispiele: Was will mir einer sagen, der sich ThomasGPunkt nennt? Ist GPunkt einfach nur der Anfangsbuchstabe seines Nachnamens? Aber auch Namen wie Ladenhüter (ja wie, und ich soll den aufräumen?), Rumtreiber (na da der ist dann wohl nie zu Hause), Liebhaber007(Wow, mit James Bond wollte ich mich schon immer mal treffen), Ich-will-dich(klare Aussage. Will aber dann wohl jede, die das liest), hhn-lover, (das muss ich erst noch nachlesen, diese Variante kenne ich nicht), Hunter (ich die Beute?),

Weichei (hatte ich schon in langjähriger Ehe, brauche ich nicht nochmal),

Hungerleider (oje, so ganz ohne Geld– geht gar nicht) Forellenmaul (mmh, wie der wohl küsst? Lecker), Flegel (na da weiß Frau doch gleich wo sie dran ist), Filou (das versteh ich auch auf Französisch, und dir soll ich trauen?),

Affäre-BW (ohne Worte),

Straßenköter (ok, er ist ein Hund) oder

Glöckner (hoffentlich nicht der von Notre Dame)

Pofan (Italienfan oder macht der gerne Flusskreuzfahrten?)

Berührungslust (ist schon klar, deswegen sind wir ja hier)

Heutenacht (alles klar, warum auch nicht)

Sonnenuntergangskuss (aha, also gleich heute Abend)

Meisterlein (in welcher Kategorie ist der nur ein „lein“ und kein Meister?)

Rübenase (oh, ein Schneemann sucht auch eine Frau)

Drsommer (na Bravo, jetzt werde ich erst einmal aufgeklärt)

Ein69samer (aha, auch das noch)

Fitzelchen (…also so klein muss es jetzt ja auch nicht sein) oder

Böserbube (hmm, sucht böses Mädchen?!)

Lover (auf jeden Fall, was sonst)

Lovedreamer (ach, der träumt nur, na dann)

Darkroom (Stromsparer oder was?)

Excuse-me (oh, er entschuldigt sich schon vorher)

Mann_für_alle_Fälle (ich bin aber nur ein Fall) und Darmspiegelung (das war bestimmt kein Urologe) fordern eine Frau nicht unbedingt auf, diese Männer kennenlernen zu wollen. Und verlieben sollte man sich in diese Jungs mit eindeutiger Botschaft wohl besser auch nicht.

Grinsend las ich weiter und dachte so bei mir:

„Da stehen wir Frauen doch eher auf echte Kerle, die sich da Commander, Fighter, Checker oder Joker nennen. Da kann doch gar nichts mehr schiefgehen. Die geben dir den Ton an und du weißt was zu tun ist. Machos eben. Und wenn ich dann auch noch den Joker gezogen habe, bin ich am Ziel. Ja, ihn will Frau ganz sicher für die Zukunft an ihrer Seite haben.

Ich musste laut lachen. Wo bin ich hier nur gelandet. Eines wurde mir ganz schnell klar: Dass ich einen zuverlässigen Partner für mein zukünftiges Leben finden werde ist unsicher und tendenziell unwahrscheinlich, aber Unterhaltung würde es hier auf diesem Portal sicherlich genügend geben. Für Ablenkung war gesorgt. Ich gab dennoch die Hoffnung nicht auf und las täglich meine neu dazugekommenen Zuschriften. Ich bemühte mich auch, alle zeitnah zu beantworten. Zum Teil aber kamen bei der ersten Kontaktaufnahme ohne großartige Begrüßung, auch schon eindeutige Fragen oder unpassende Aussagen. Man(n) musste sich ja ein Bild machen können.

Nachfolgend ein paar Auszüge aus den Zuschriften der Herren der Schöpfung, die mich nicht gerade motiviert hatten, den Kontakt weiterhin zu vertiefen.

Diese Nachrichten begannen mit Worten wie folgt:

„Trägst du gerne Nylons?

Bevorzugst du Kostüme?

Welche Konfektionsgröße hast du?

Magst du generell keinen Sex?

Bevor wir uns treffen muss ich ein paar Dinge klären, ich bin halt viel Mann.

Warum suchst du immer noch, nimm doch endlich mich!

Wollen wir heute Abend essen gehen, damit wir uns live kennen lernen?

Wenn ich dich anschaue werde ich verrückt, bist 'ne geile Frau.

Hallo Liebes!

Sehe ich das richtig, dass du breite Hüften hast und oben herum schmaler bist?

Ich bin devot, magst Du das?

Ich bin dominant, ich habe Dich ausgesucht!

Wie viel wiegst Du?“

und so weiter und so weiter.

Fragen und Aussagen dieser Art konnte ich nur abweisend beantworten, weil ich sie in den ersten fünf Minuten der Kontaktaufnahme sehr unpassend fand und mir deutlich zeigten: Wieder ein Kandidat, der höchstwahrscheinlich nur seine sexuelle Befriedigung sucht. Von zukünftiger und seriöser Partnerschaft keine Spur. Ja bin ich hier auf einem Sex Portal gelandet? Oder war ich die dreißig Jahre meiner Ehe im Dornröschenschlaf und das ist heutzutage die Art seinen Partner zu finden?

Es gab aber auch ein paar wenige Männer, die ich selber zuerst angeschrieben hatte, die wirklich sehr gutaussehend waren und mir gut gefallen hätten, doch sie hatten wiederum nicht den geringsten Anstand, wenigstens eine kurze Antwort zu verfassen, wenn sie kein Interesse hatten. Leider kann man hier nicht auf Anstand und gute Umgangsformen hoffen. Ausnahmen gab es wenige. Ich meinerseits war immer bemüht, eine Antwort auf die Anfragen zu schreiben. Wenngleich auch nur sehr kurz. Das gehört sich einfach im Umgang mit Menschen.

Ein weiteres Thema war die Art der Mitgliedschaft. Es gab mehrere Möglichkeiten, preislich gestaffelt. Eine große Anzahl der Männer waren sogenannte Premiummitglieder. Das hatte folgenden Hintergrund: Sie bezahlten mehr und konnten dadurch alle Frauen anschreiben und diese Frauen konnten ihnen auch antworten, obwohl sie selber keinen Mitgliedsbeitrag bezahlten. Mir war, wie vielen anderen Frauen auch, eine dauerhafte Mitgliedschaft offen gestanden zu teuer. Aber, wer nicht zahlt konnte eben nicht allen schreiben, nur denen, die diese Premiummitgliedschaft hatten. Daher freute ich mich auch auf diese Zuschriften, da ich mit ihnen schreiben konnte.

Doch sehr bald merkte ich, wie der Hase bei diesen Männern läuft. Diese Premiums nutzten den Vorteil aus, dass Ihnen alle Frauen antworten konnten und dies diente nur einem Zweck: Sexkontakte knüpfen! Diese Männer suchten ständig Nachschub an Frauen, was nicht unbedingt für eine dauerhafte Beziehung sprach. Eines dieser Prachtexemplare Mann hat mir etwas detaillierter davon erzählt, wir lernen ihn auf den nachfolgenden Seiten noch besser kennen. Sie wollten unbegrenzten Kontakt in alle Richtungen. Immer Frischfleisch sozusagen. Ja, man(n) sollte die Auswahl und die Abwechslung haben. Ein Riesenangebot an kontaktfreudigen Frauen, zu denen ich nun auch gehörte. Keine Chance sollte ungenutzt bleiben.

Bei den Frauen sieht es etwas anders aus. Auch hier gibt es Premiums, aber aus einem anderen Grund. Hierzu später mehr.

So, genug der Vorrede. Jetzt werde ich bei einigen Männern ins Detail gehen und meine teils haarsträubenden Geschichten erzählen. Ich habe viele Aussagen der Männer genauso übernommen, wie sie in den Nachrichten an mich standen, daher bitte ich um Nachsicht in Bezug auf die Wortwahl. Dies ist nicht meine Ausdrucksform. Eine Erfahrung war es allemal wert, auf dem Portal mit dabei zu sein, wenngleich der Erfolg fragwürdig erschien.

Alex

Er war der zweite Kandidat, der mich angeschrieben hatte und wild darauf aus, mich zu treffen. Er erklärte mir, dass er sich in meine Bilder verliebt hatte und meinte wir beide würden nichts Besseres auf diesem Portal hier mehr finden. Er war keiner dieser Premiums und machte auf den ersten Blick keinen schlechten Eindruck. Sein Bild gefiel mir schon ein wenig, aber er hatte so einen Ausdruck in seinen Augen, dem ich nicht traute. Im Großen und Ganzen war er dann nach genauerem Hinsehen nicht unbedingt der Mann, nach dem ich suchte, doch irgendetwas zog mich an. Ich probierte zurückweisend und skeptisch zu sein, aber Alex blieb hartnäckig.

Es war Montagnachmittag um fünfzehn Uhr fünfzehn als er mich mit folgenden Worten kontaktierte:

„Hallo und guten Tag. Können wir uns kennenlernen?

Gruß Alex aus Baden- Baden.“

Ich antwortete mit einem knappen „Hallo“ und sogleich wollte er auf WhatsApp umsteigen. Der Typ war flott unterwegs und kam ohne Umschweife zur Sache. Anfangs weigerte ich mich meine Telefonnummer zu nennen, doch mit Sätzen wie: „Du hast mich berührt“, oder „ich habe ernsthaftes Interesse dich kennenzulernen“, und „ich suche was Beständiges“ und „können wir uns bitte vertrauen, ich bin begeistert von dir“ habe ich seinem Drängen nachgegeben und ihn per WhatsApp kontaktiert. Der Chat wurde dadurch auch einfacher, denn ich musste mich nicht immer ins Portal einloggen. Er steigerte sich mit Aussagen wie „du bist edel“, ich bin zu vielem bereit, weil du mir wichtig bist“, haben mich dann vollends überzeugt, mit ihm die Konversation fortzusetzen.

In den darauffolgenden Tagen kamen die allerersten Nachrichten bereits morgens um fünf Uhr und die letzte Nachricht schrieb er nachts um halb zwölf. Dazwischen hörte ich etwa in halbstündigen Abständen von ihm.

Mein Gott, dachte ich, Dating Portale können ganz schön anstrengend sein.

Alex schaffte es aber irgendwie meine Neugier derart zu wecken, sodass ich mich auf ein baldiges Treffen überreden ließ. Ich wollte nun auch sehen, wer er ist, und ob er überhaupt der Mann von den Bildern ist. Könnte ja auch ein ganz anderer sein.

Sechs Tage nach unserem ersten Kennenlernen im Netz sollte es soweit sein. Er schlug vor, zweidrittel der Strecke zu fahren, die uns voneinander trennte. Er suchte ein Café aus, welches schon am Vormittag geöffnet hatte und ich willigte ein zu kommen. Schließlich konnte ja in der Öffentlichkeit nicht viel passieren. Nach über dreißig Jahren hatte ich wieder eine Verabredung mit einem anderen Mann. Ein Date, wie man das heutzutage nannte.

Tausend Fragen beschäftigten mich jetzt: Was ziehe ich an? Welcher Lippenstift, welcher Nagellack, hohe oder flache Schuhe, usw. Meine Eltern warnten mich, vorsichtig zu sein und meine Freundin stand in ständigem Kontakt mit mir via Mobiltelefon. Alles war doch ziemlich spannend, denn seit einer halben Ewigkeit hatte ich keine Verabredung mehr. Es war ein kalter und sonniger Wintertag im Dezember. Ich stieg in mein Auto und programmierte unser Navigationsgerät, um zu der von Alex angegebenen Adresse zu gelangen. Es herrschte kaum Verkehr an diesem Tag und ich kam schneller vorwärts als erwartet. Kurz vor dem vereinbarten Ziel, zu welchem ich ja nun pünktlich erschien, erreichte mich Alex‘ Nachricht, dass er sich um etwa eine halbe Stunde verspätete. Nun ja, das konnte ich als ungeduldiges Sternzeichen gerade noch so verkraften. Ich wartete im Auto der Kälte wegen, bis er schließlich anrief und fragte wo ich sei. Nach kurzer Absprache stieg ich aus, marschierte los und so liefen wir uns dann tatsächlich vor dem Café in die Arme. Alex begrüßte mich mit einem zuckersüßen Lächeln, welches seine Grübchen zum Vorschein brachte. Ich war erleichtert, denn er machte keinen gefährlichen oder kriminellen Eindruck. Die Körperhaltung ließ allerdings auf die Jahre schließen, die er im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Buckel hatte und sein Gesicht war vom Leben gezeichnet. Was dieser Mann wohl schon so alles durchgemacht hatte, fragte ich mich. Seine Augen leuchteten dennoch und ich war entsprechend beeindruckt von ihm. Nun, wir sind ja alle nicht mehr die Jüngsten. Mit fünfzig haben die Menschen schon viel erlebt und gesehen. Das prägt.

Nach kurzer Umarmung betraten wir das Café, welches erst einen Gast hatte. Alex überließ mir die Tischwahl und fragte, ob er sich auf der Bank neben mich setzen durfte, als ich einen Tisch für uns ausgesucht hatte. Ich willigte ein. Er legte sogleich seinen Arm um meine Taille und wir wirkten schon sehr vertraut miteinander. Trotz seines forschen Vorgehens genoss ich die Atmosphäre sehr. Liebe und Geborgenheit fehlten mir seit Langem, doch nun schien sich endlich wieder ein Mann meine Nähe zu wünschen. Ich legte meine Hand zwischen uns auf die Bank, er nahm sie und küsste sie. Dann übersäte er mich mit vielen kleinen Küssen auf die Wange. Wir saßen da wie Teenager und tranken unseren Cappuccino, den er zu meiner Verwunderung auch ohne Koffein wählte. Sollte dies eine erste Gemeinsamkeit sein? Er machte mir unendlich viele Komplimente über mein Aussehen und das tat einfach nur gut. Zumindest wusste er, was Frauen hören wollten. Nach etwa zwei Stunden im Café bummelten wir durch die Innenstadt. Glücklich, Hand in Hand. Ich hatte kleine Schmetterlinge im Bauch. Er schien wirklich der Mann zu sein, welcher mir rund um die Uhr im Chat Komplimente machte und mich begehrte. Ich spürte so was wie ein Glücksgefühl in mir. Trotz anfänglicher Unsicherheit überhaupt diesen Mann zu treffen, fühlte sich alles sehr schnell vertraut an.

Alex steuerte, nachdem wir eine Weile herum spaziert waren, ein Lokal an, in welchem wir noch Mittagessen wollten. Er zeigte sich galant, in dem er mir die Tür aufhielt, den Mantel abnahm und immer sehr höflich mit mir sprach. Seine Umgangsformen gefielen mir gut. Wow, dachte ich. Mit ihm könnte es vielleicht was werden.