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Wo bist Du? Die Suche nach einem Familienmitglied in Deutschland.
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Seitenzahl: 58
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Ich widme dieses Buch meiner lieben Mutter, die ein Leben lang immer für ihre Familie da war und es bis heute noch ist. Wir haben viel von Dir gelernt. Danke!
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Es war der letzte Tag des Jahrtausends und er sollte etwas ganz Besonderes werden. Meine Eltern und ich überlegten lange, wo wir zusammen Silvester feiern wollten. Nach langen Hin und Her, kamen wir dann aber zu dem Entschluss, zu Hause zu bleiben. Genauer gesagt bei uns, auf dem Land. Wahrscheinlich würden viele Leute zum Jahrtausendwechsel unterwegs sein und sicherlich wäre es woanders ziemlich teuer und nicht gerade kinderfreundlich. Unser Sohn Louis, fünf Jahre alt, würde wahrscheinlich um Mitternacht sowieso schlafen.
Patrick, mein Patenkind war damals elf Jahre alt und lebte seit seiner Geburt bei seinen Großeltern. Seine Mutter, die noch sehr jung war, wurde gleich nach der Geburt wieder schwanger und wäre mit einem zweiten Kind überlastet gewesen. Meine Eltern boten ihre Hilfe an, den Enkel groß zu ziehen.
Ein guter Entschluss für Patrick, denn er litt seit seinem dritten Lebensjahr an Diabetes, die niemand besser unter Kontrolle hatte als meine Eltern.
Silvester mit zwei kleineren Kindern gemütlich zuhause zu feiern, war dann wohl die beste Lösung für uns. Wir luden noch Louis' Patentante und ein paar gute Freunde ein, die ebenfalls einen Sohn mit sechs Jahren hatten. Mehr Leute mussten es ja auch nicht sein.
Ich war den ganzen Tag damit beschäftigt, das überaus reichhaltige, kalte Büffet vorzubereiten und bereitzustellen, bei welchem jeder etwas Leckeres zu Essen finden konnte. Zusätzliche Tische und Stühle mussten aufgebaut werden, damit alle Gäste Platz fanden. Doch was gibt es Schöneres, als mit Familie und Freunden zusammen das neue Jahr zu begrüßen? Meine Eltern hatten mir und meinen beiden Schwestern immer das Gefühl gegeben, dass Familie das wichtigste ist im Leben, besonders die Kinder. Ein Nest, in welchem man sich geborgen und sicher fühlte. Nur so konnte man die Anforderungen, die das Leben an uns alle stellte, gut meistern. Ich freute mich sehr auf diesen Silvesterabend.
Gegen sieben Uhr abends trafen die Gäste dann so nacheinander ein. Wir waren eine bunte Gesellschaft, Alt und Jung feierten miteinander. Jeder hatte an diesem Abend gute Laune, obwohl keiner so genau wusste, was das kommende Jahr für ihn bereithielt. Der Jahrtausendwechsel wurde auch in den Medien viel diskutiert und die Menschen waren voller Erwartung.
Auch unsere Familie hatte den einen oder anderen Gedanken an die Zukunft.
Doch zuerst wollten wir feiern, den Abend genießen, gut essen und trinken. Ich erntete großes Lob, schon allein für die Präsentation der köstlichen Speisen. Mancher brachte auch noch etwas Essbares mit, und das Büffet war vollendet. Es schien uns unmöglich nur die Hälfte davon aufzuessen. Ich freute mich auf den Abend, denn erstens hatte ich meine Familie um mich, die liebsten Menschen in meinem Leben, und zweitens fühlte ich mich so gut wie nie. Weihnachten, ein paar Tage zuvor, war ziemlich stressig gewesen, und ich war froh, dass es vorüber war. Heute sollte gefeiert werden.
Während des Essens tauschten wir dann unsere Gedanken aus. Wir erzählten uns gegenseitig unsere guten Vorsätze, Wünsche und Hoffnungen für das Jahr 2000. Wie man das eben am letzten Tag eines Jahres so macht.
Große Feste standen uns bevor.
Meine Mutter würde ihren sechzigsten Geburtstag im August feiern. Für sie war dies schon ein großer neuer Abschnitt. Ein neues Jahrzehnt gehört wohl zu den denkwürdigsten Geburtstagen im Leben eines jeden Menschen.
Sie meinte, sie würde dann schon zu den Älteren in der Familie und in der Gesellschaft gehören. Doch meine Mutter hatte nicht wirklich ein Problem damit, denn sie besaß viel zu viel Schwung um alt zu sein. Ich konnte es mir auch gar nicht anders vorstellen. Was ändert da die Zahl sechzig daran? Wenn wir beide ab und zu ein Konzert besuchten, und ich sie mir dann so anschaute, sah sie immer gut und auch noch sehr jugendlich aus.
Sie ist nun mal der Antrieb der Familie, immer für alle da, und weiß den besten Rat.
Ich wollte ihr auf jeden Fall etwas ganz Schönes und Spezielles zum Geburtstag schenken. Sie sollte sich immer an diesen Tag erinnern können. Aber was nur? Vielleicht brachte der heutige Abend ihre Wünsche ans Licht oder ich erfuhr einfach, was ihr im Leben noch fehlte.
Der Abend nahm seinen Lauf bei flotter Musik und netten Gesprächen. Die Kinder tobten im oberen Stockwerk und feierten auf ihre Weise mit Spielen und lustigem Beisammensein. Alle waren bester Laune. Zwischen dem Essen wurde diskutiert, philosophiert und als die letzte Stunde des Jahres begann, hatte es sich jeder irgendwo gemütlich gemacht. Die Kinder hielten sich erstaunlich gut, tanzten nun zur Musik, jeder war einfach fröhlich und vergnügt.
Plötzlich blickte meine Mutter mit einem nachdenklich bittersüßen Ausdruck im Gesicht in die Runde und sagte zu uns: „Ich habe irgendwo in Deutschland noch ein Geschwisterlein, vermutlich einen Bruder, ich bin mir aber nicht sicher. Meine Mutter hatte vor mir nämlich noch ein Kind zur Welt gebracht, welches ich nie gesehen hatte. Ich wüsste zu gerne wer es ist und wo es steckt. Meine Tante erzählte mir einmal, dass es ein Junge war, doch mehr leider nicht. Mein Vater, hatte dieses Thema immer vermieden, weil er mit der Vergangenheit, und seiner ersten Frau, die das Kind mit in die Ehe brachte, abgeschlossen hatte.“
Diese Tatsache wurde zwar schon öfters mal beiläufig erwähnt, aber nie weiter darüber gesprochen. Bedingt durch meinen Großvater ließen wir das Thema immer ruhen, aber ich fand, es war nun an der Zeit, mehr darüber zu erfahren. Plötzlich hatte ich eine Idee. Die Familie musste komplett werden.
Ich blickte meine Mutter an, und in bester Krim-Sekt-Laune versprach ich ihr, ihren Bruder oder ihre Schwester zum sechzigsten Geburtstag einzuladen. Ich versicherte ihr, alles zu tun, um ihn oder sie ausfindig zu machen. Mir blieben genau siebeneinhalb Monate Zeit mein Versprechen einzulösen. Am vierzehnten August sollte das vermisste Familienmitglied mit uns am Tisch sitzen. Wir hatten jedoch keine Ahnung, wo er oder sie sich aufhalten könnte, noch wie der Name lautete.
Meine Mutter lächelte und sagte seufzend: „schön wär’s".
Sogleich wechselte sie aber wieder das Thema, um die Stimmung nicht umschlagen zu lassen, denn es schien ihr unmöglich etwas herauszufinden. Es gab so gut wie keinen Anhaltspunkt, wo ich die Suche beginnen konnte.
Mir wurde schnell klar, was ich da soeben in den letzten fünf Minuten des alten Jahres auf mich genommen hatte, doch ich war fest entschlossen mein Versprechen zu halten.
