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Das Buch möchte Menschen, die Singprobleme haben, einen Weg zeigen, wie sie diese überwinden können. Dabei werden stimmtechnische Fragen ebenso behandelt wie Hinhören-lernen und das Entwickeln der Tonvorstellung. Es gibt eine praktische Anleitung, zu lernen, Töne zu treffen und die Stimme beim mehrstimmigen Singen zu halten. Es werden psychologische Hilfestellungen gegeben, um Singhemmungen zu überwinden und den Mut zum Singen zu finden. Das Buch geht auch auf die Beziehung zwischen Singen und Spiritualität ein.
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Seitenzahl: 177
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Vorwort von Toni Innauer
Prolog
Einleitung
Es war einmal
Vertraue
Lasse das Vergangene hinter dir!
Dem Körper Lust zum Singen geben!
Grundsätzliches
Physiologische Grundlagen
Bereite Deinen Körper vor
Den Körper aufwecken
Vor dem Aufstehen den Körper begrüßen
Schütteln
Dehnen
Klopfen
Schulterrollen
Die Ohren massieren
Mund öffnen und Kiefermuskulatur entspannen
Bewege deine Zunge
Mit der Zunge Zähne putzen
Zungenkreisen
Unterhaltung mit fixierter Zunge
Gähnen und Zunge herausstrecken
.
Stimmentspannung – und Kräftigung
Haltung
Die Haltung wahrnehmen
Aufrichten
Aufrichtung und Anmut durch Balancieren
Die Kopfhaltung überprüfen
Die Beckenposition finden
Erden
Haltung im Sitzen
Gangarten
Das Zwerchfell und die Artikulationsmuskulatur aufwecken
Hecheln
Wechselatmung
Lokomotive/ Wasserfall/ Konsonantenimprovisation
Schnupperatem
Marder vertreiben
Zwerchfellübungen als Aggressionsventil
Atemübungen
Den Duft einer Blume genießen
Wirbelsäulenpolster
Sitzknochenmagnet
Kopf weiten
Resonanzräume im Mundinnenraum erfahren
Fahrradschlauch
Lippenvibrieren
Schwimmreifen
Gib deiner Stimme Raum und Fülle
Weitung des inneren Raumes
Unterkiefer fallen lassen und Klangkontrolle
Gähnen - Spüre den (körper-)inneren Raum!
Erstaunen
Öffnung
-
Raumeinstellung
durch das Betrachten von Kunstwerken
Nimm dir Raum, innen und außen!
Den Atem in die Tiefe lenken
Sitzknochengang
“Schielende“ Sitzbeinhöcker ( im Liegen/ Rückenlage)
Partnerübung: Rücken fühlen
Federn
Umgekehrte Raumvorstellung/ Baum
Befreiung der Stimme durch Elastizität:
Die Wildkatze
Das Jojo
Bewegungen zu Liedern
Fragen zum Singen
„Mir geht beim Singen immer so schnell die Luft aus
Wie kann ich meinen Atem verlängern?“
„Wenn ich singe, rauscht immer Luft mit
Wie kann ich es steuern, dass nicht so viel Luft
geräuschhaft entweicht?“
„Ich habe oft beim Singen ein störendes
„Trockenheitsgefühl“
„Ich bin heiser“
Hausmittel
Mentale Unterstützung:
Ursachen der Heiserkeit:
„Mir „schnappt“ die Stimme weg“
„Kann man lernen, hohe Töne zu singen?“
„ Bin ich zu alt zum Singen?“
„Ich möchte auftreten, leide aber unter Lampenfieber“
Das kannst Du üben:
Liebe deine Stimme – liebe dich selbst
Mut zum Fühlen
Drücke dich aus und schenke der Welt Klänge
Seufzen
Theaterspielen
Klagefrau
Der /Die FröhlichkeitshüpferIn
Gruppenspiele
Eismann/ Eisfrau – Geliebte(r) und TrainerIn
Schlange und SchlangenbeschwörerIn
Operndiva (Heldentenor) und VerehrerIn
Der / Die Wütende
Der / Die Verliebte
Finde deine Melodie
„Richtig“ singen lernen
„Richtig“ und „falsch“ in unserer Gesellschaft
„Richtig“ und „falsch“ in der Musik / Musikalische Logik
Töne treffen ist lernbar
Entwicklungsrückstände aufholen
Zusammenfassung - Ursachen von Störungen der
auditiven Wahrnehmung
Ausschalten von Stressfaktoren
Praktische Übungen zum „Richtigsingen“
- Lauschen lernen - die auditive Wahrnehmung schulen
Denken und Fühlen verbinden
Kinesiologische Übung zur Auflösung von Stressblockaden
Die auditive Konzentrationsfähigkeit üben
Intervalle hören
Töne nachsingen
Spüren von Vibrationen
Das Wort „Stimme“ ist verwandt mit „stimmen“
Suche eine günstige Tonlage:
Fassen wir noch einmal zusammen
Optische und motorische Hilfen
Optische Unterstützung durch Notation (Musiknoten)
Das melodische Gedächtnis entwickeln
Denke in Melodieebenen und Bezugstönen
Nimm Melodiemodelle zu Hilfe
Lieder auswendig lernen
Mentales Training
Höre Den Zusammenklang –
entwickle das harmonische Denken
Einleitung
So entwickelst Du dein harmonisches Denken
Die Stimme halten beim mehrstimmigen Singen
Erlebnisse mit dem Singen
Markus (Name geändert)
Brigitte: Die Liebe und das Leid mit dem Singen
Robert - Mut zum Singen
Ariane (Name geändert)
Maria (Name geändert)
Liebe statt Starallüren und Starkult
Singe, Singe, Singe und Genieße
Bewusst - Sein durch Singen: Dem Tag Klang geben
Singen mit der Natur, für die Natur
Tonis Singers
Gleichgesinnte suchen:
Singen ist gesund!
Singe und freu dich!
Singen und Spiritualität
Meditatives Singen:
Obertongesang
Das Singen von Mantren
Taize Lieder
Summ – Meditationen
Chakren – Singen
Singe aus dem Herzen!
Anhang
Danksagungen
Angaben zu mir
Das Buch-Team
Verzeichnis der Abbildungen
Literaturverzeichnis
Vorbemerkung: Da Singen und stimmlicher Ausdruck etwas sehr Persönliches sind, verwende ich „Du“ als Anrede.
In meinem Terminkalender findet sich seit drei Jahren jeden zweiten Dienstag ein Notenschlüssel, das Zeichen für unsere Singgruppe bei Angelika Hensler. Jeder, der viel unterwegs ist und glaubt unzählige Verpflichtungen zu haben, weiß, wie schwer auch nur zwei Abende im Monat zu „schützen“ sind. Es muss einem schon etwas wert sein, sonst schafft man es nicht, weil oft etwas scheinbar Wichtigeres auftaucht. Seit über drei Jahren ziert dieses schwungvolle Symbol, das ich als Kind zu zeichnen gelernt hatte, in nahezu rhythmischen Abständen meine Jahresplanung. Das lässt mich staunen, schmunzeln und auch ein wenig stolz sein. Wer hätte sich das jemals gedacht?
Ausgerechnet meine musikalische Wenigkeit war der Initiator einer mittlerweile stattlich angewachsenen Singrunde mit eigener professioneller Lehrerin, Klavier und ein paar Gitarren. Und wir genießen es!
Meine musikalische Erweckung ist noch lange nicht vollzogen, aber mein Interesse und meine Freude wachsen mit den kleinen Fortschritten. Ein jährlicher Impuls durch einen Gitarrenworkshop bei Michael Langer schiebt da auch noch mit. Am meisten verblüfft oder irritiert hat meine „späte Liebe“ zur Musik meine leider im Vorjahr verstorbene Mutter. Sie hatte zwar einst - kurzfristig und ohne Erfolg - versucht mich für das Spielen mit der Ziehharmonika zu motivieren. 45 klanglose Jahre später liegt das gute Stück immer noch in der Gaststube des Berghaus Sonderdach im Bregenzerwald. Die Mutter hatte in ihrer Jugend jahrelang im Kirchenchor und in einem Chor in der angrenzenden Schweiz gesungen. Darauf war sie spürbar stolz und bezeichnete mich gerne und scherzhaft als „musikalisches Wildschwein“. Meinte sie, dass mir das als Vollblutsportler wohl völlig egal sein würde, weil ich ja für die motorische Seite einiges an Talent mitbekommen hatte? Für sie war es jedenfalls lustiger als für mich...
Sportlich war meine Aufnahme ins heute (sport-)weltberühmte Skigymnasium ein Glücksfall, weil ich unter die Obhut von Prof. Baldur Preiml kam. Er verstand es, unsere Begeisterung und Begabungen auf seine ganz besondere Art weiter zu entwickeln und zu kultivieren und in der Skisprungwelt deutliche Zeichen zu setzen.
Schon in der Hauptschule im Bregenzerwald war ich relativ früh, offiziell wegen Stimmbruch und vermutlich auch wegen demonstrativen Desinteresses, während des Musikunterrichtes zum Malen und Schweigen verdonnert worden. Das könnte übrigens auch die Erklärung dafür sein, warum ich mich zwar lange nicht zu singen traute, aber den Schwung des Notenschlüssels bald im Schlaf drauf hatte...
In Stams ging es weiter über die musikalische Hintertreppe, dort wurde überhaupt kein Musikunterricht angeboten. Die Fachrichtung dafür kam mangels Interessenten nie zustande. Wohl hatten wir mit Paul Ganzenhuber und Franz Leiner zwei Trainer und Erzieher, die gerne, gut und wahlweise auch sehr frech Lieder zweistimmig singen konnten. Abgesehen vom Singen zu Kassetten und Radio im Auto war’s das dann.
Nicht ganz, da war doch noch 1976 die unvorbereitete Auseinandersetzung mit unserer Bundeshymne zu einem besonderen Anlass, auf dem Podium der Siegerehrung im Olympiastadion zu Innsbruck stehend. Und da war er wieder, der Tipp, den ich vom Absingen der familiären Weihnachtsnummern schon kannte, diesmal von Sportwart Hans Stattmann, einem Kärntner, die ja bekanntlich das Singen mit der Muttermilch einsaugen. „Einfach nur die Lippen bewegen und so tun als ob du singen würdest. Es könnte ja ein Mikrofon in der Nähe sein!“
Als Student nach meiner aktiven Sportlerzeit begeisterte mich eines Abends unser Kollege Hermann, als er die Gitarre auspackte und die ganze Runde großartig unterhielt und sogar mich zum Mitsingen brachte. Ich bewunderte den Kerl im souveränen Umgang mit Instrument und Stimme, aber auch wie er unsere ganze Gruppe zum Schwingen brachte. Mir wurde warm ums Herz und es war ein besonderes Erlebnis, das mir in dieser Form noch nie begegnet war. Das, wusste ich sofort, würde ich gerne öfter erleben. Die Gelegenheit ergab sich in manch längerer studentischer Nacht in Innsbruck. Ich wechselte die Uni, studierte in Graz weiter und widmete mich neben dem Studium ganz intensiv dem Spiel mit den Saiten: Allerdings waren es noch die Saiten des Tennisschlägers, die mich in den Bann zogen, und jahrelang blieb dies mein liebstes Hobby. Die Frage der Saitenstimmung wurde im Grad der Bespannungshärte von 24 bis 30 kg quer oder längs auch sehr ernst, aber eben wieder nicht musikalisch erörtert.
Zurück in Innsbruck traf ich Hermann bei einem Junglehrerseminar am Brenner wieder. Um halb sechs Uhr früh und nach unzähligen Nummern von Cat Stevens, den Beatles, Leonhard Cohen und einer „Überdosis Gfühl“ wusste ich wieder, das tut mir wirklich gut. Das ist etwas anderes als Sport und könnte eine tolle Erweiterung meines Lebens sein.
Drei weitere Jahre vergingen, dann schenkte mir meine perspektivisch denkende Frau Marlene zum Dreißiger eine Gitarre zur Entspannung! Hermann tauchte wieder auf und übergab mir neben ersten Hinweisen zur Begleitung auch eine kleine blaue Mappe mit Liedtexten und Akkorden, die ich heute noch hoch in Ehren halte. Immerhin zwei Einheiten hat er mit mir geübt, um dann als Assistenzprofessor an die Universität Salzburg zu übersiedeln. Und weg war er wieder, mein Lehrer.
Aus diesem ersten musikalischen Schub habe ich immerhin ein schwieriges Picking-Muster von Reinhard Mey und eine emotionale Bindung zu Leonard Cohen und seinen Songs bis in die Gegenwart gerettet. Die beruflichen Herausforderungen in der Sportwelt ließen meine Ambitionen nach wenigen autodidaktischen Jährchen wieder im Schnee versickern. Immerhin ermunterte ich meine Sportler als Trainer dazu, sich statt mit dem PC auch mal mit der Gitarre zu beschäftigen. Angelehnt an den Tipp eines berühmten Liedermachers, der sich auf die wichtigsten Zutaten zu einem Hit bezog, entstand der ernst gemeinte Ratschlag an übermotivierte Springer vor dem Start: „Zwei Drittel Rhythmus und ein Drittel Schmalz!“ Schmalz meinte in unserem Zusammenhang den Einsatz der Kraft, der nicht übertrieben werden darf, damit das Bewegungsmuster intakt bleibt. „Singen und Springen kann man eben nicht erzwingen...“
Auf überlangen Autofahrten greifen einige Trainer des alten Schlages auf das gemeinsame Singen zurück, um munter zu bleiben, und als risikomindernder Nebeneffekt wird viel langsamer gefahren. In jener schicksalhaften Nacht, als mein bester Freund auf einer langen Autofahrt nach einem Wettkampf tödlich verunglückte, waren wir im zweiten Teamwagen eine viertel Stunde später auf derselben Strecke unterwegs. Paul und ich haben einige Stunden lang und zum Leidwesen unserer Mitfahrer quer durch den Gemüsegarten gesungen, was das Zeug hielt, um wach zu bleiben. Als uns die plötzlich auftretende Schneeglätte überraschte, waren wir – vermutlich durch das Singen – langsam genug unterwegs.
Vor vier Jahren spürte ich, dass es Zeit war, sich vom Spitzensport in tragender Funktion zu lösen, und ich machte mich selbständig. Vieles nimmt man sich vor für so eine dramatische Veränderung seines Lebens. Nicht noch mehr Erfolg und Status, sondern der Gewinn von mehr Lebensqualität war mein Motiv.
Bei meinem Zahnarzt Theo Saxer lag eines Tages das Buch „Mut zum Singen“, für dessen dritte und substanziell erweiterte Auflage ich gerade das Vorwort schreibe.
Mit der professionellen Neugier des Trainers aus einem anderen Genre, der immer auf der Suche nach Anregungen und Quervergleichen ist, und angestachelt durch meine persönliche Betroffenheit „fraß“ ich das Buch und griff zum Hörer.
Und diese Entscheidung führte zum ersten Treffen mit Angelika. Die Vorstellung, Musik, aber auch die menschliche Begegnung beim Singen und das Miteinander systematisch Teil meines und unseres Lebens werden zu lassen wurde spürbar. Spitzensport ist immer ein Kind seiner Zeit, aktuell ist er knallharter, hochglanzpolierter Wettbewerb. Der Zweite ist der erste Verlierer, es gilt nur zu gewinnen, zu dominieren, es herrschen Starkult und ausufernder Narzissmus, die uns alle ständig noch mehr unter Druck setzen. Das habe ich mit Begeisterung und bis zum Überdruss selber gelebt und erlebt. Profisport wird diese Einstellungen und Verhaltensweisen immer prägen. In Ausnahmefällen kann er von verantwortungsvollen Betreuern uminterpretiert werden und wertvolle Subkulturen im Geschehen begründen. Das habe ich – in der Verantwortung einer bemerkenswerten Tradition stehend - jahrzehntelang versucht und mit der Zeit gegen immer größer werdende Windmühlen gekämpft.
Wie im Sport gibt es in der Musik, sogar für uns Spätberufene, tolle Aha- und Erfolgserlebnisse! Man lernt dazu, das Schwere, Sperrige wird plötzlich möglich und kann erfreulicherweise mühelos werden. Das ist ähnlich wie im Sport. Verhaltensforscher sprechen von Funktionslust, die empfunden wird, wenn eine Verhaltensweise, eine komplexe Bewegungsabfolge, die sehr schwer zu erlernen war, nach anstrengendem Üben und langer Zeit plötzlich leicht von der Hand geht. Funktionslust deshalb, weil man Lust entwickelt, das zu wiederholen, was man endlich „unfallfrei“ beherrscht und sich erinnern kann, wie mühsam es zu erlernen war.
Aber es kommt eine wesentliche Dimension dazu beim Musizieren, und die wird mir - dem ehemaligen Leistungssportler - immer wichtiger. Musik verbindet, es geht nicht anders, Harmonie erfordert das Einfühlen in eine Gruppe, das Hinhören, sich Anpassen und Ergänzen. Statt auf eine Schwäche zu lauern, um sie dann gnadenlos für den eigenen Sieg auszunützen, wird der Wohlklang gesucht. Viele aus unserer Singgruppe empfinden es vermutlich aus diesem Grund ähnlich wie ich. Nach manchem Arbeitstag ist man sehr müde und kann sich nicht leicht überwinden zum Singabend zu fahren. Wir treffen uns bei Angelika ganz freiwillig, ohne den Zwang, für einen Auftritt trainieren zu müssen. Dort angelangt verfliegt nach dem für Sportler gewöhnungsbedürftigen aber lustigen Aufwärmen nach kurzer Zeit die Müdigkeit, und es stellt sich ein überraschender Prozess ein. Man spürt sich und andere viel besser. Durch die Musik zieht man sich und andere aus der gerade noch deutlich spürbaren Trägheit oder Erschöpfung und beginnt Energie zu tanken!
Die Leute im Dorf nannten das Haus, in dem ich aufwuchs, „Pagode“. Mächtige Tannen überragten die schindelbedeckten Türmchen des Hauses. Meine Schwestern und ich genossen diesen Wald mit seinen Tieren und dem Licht – Schatten – Spiel, wenn die Sonne und die Zweige Muster auf die Baumrinde zauberten. So wuchsen wir in einer geheimnisvollen Welt auf.
Das Radio war schon lange kaputt, wir hatten weder einen Fernseher noch ein Telefon. Wir lauschten dem Gesang der Vögel, bauten uns eine Phantasiewelt und fühlten uns in ihr genauso geborgen wie auf dem weichen moosigen Waldboden. Es gab noch keinen Kindergarten in dem Dorf. Als ich in die Schule kam, hatte ich die Gewohnheit, immer wieder in meinen Traumwelten zu versinken, um den ungeliebten Schulalltag einfach auszublenden, wenn ich keine Lust mehr hatte.
War das der Grund, warum ich manchmal „falsch“ sang, oder war es meine Stimme, die schon damals tief war? Ich bekam im Unterrichtsfach „Singen“ eine schlechte Note. Als ich dann das Gymnasium in Innsbruck besuchte, begann meine musikalische Karriere also mit dem Besuch des Kurses für singgehemmte Kinder in der Musikschule. Ich fühlte mich von Frau Gertrud Neubacher, die diesen Kurs hielt, verstanden und ihre gütige Art führte dazu, dass ich den Wunsch hatte, auch nach diesem Kursjahr von ihr unterrichtet zu werden, und so wurde ich ihre Blockflötenschülerin. Ich lernte die Musik so lieben, dass ich sie zu meinem Beruf machte.
Durch diesen Start in das Musikleben weiß ich, dass man Singen lernen kann. Wenn das nicht möglich wäre, hätte ich wohl kaum das Musikstudium und das Gesangsstudium an der Musikuniversität Mozarteum abschließen können. Ich fühle eine tiefe Empörung, wenn Menschen dafür gedemütigt werden, dass sie nicht singen können („Halt besser den Mund oder tu nur so, als ob du singen würdest“) und jemand behauptet, dass man das Singen nicht lernen kann.
Singen ist eine urmenschliche Ausdrucksform und sehr wichtig für die Seele! In der jetzigen Zeit erkennen wir immer mehr, dass es um die seelische Entwicklung geht. Es ist individuell verschieden, wo ein Mensch in Kontakt mit seinem Lebenssinn und seinem „Spirit“ kommt, aber es ist wichtig, dass ihm alle Möglichkeiten offen stehen!
Darum habe ich dieses Buch geschrieben.
„Dieses Buch widme ich all jenen, die den Mut aufbringen, mehr auf ihr Inneres zu hören als auf das, was „die Leute“ sagen.“
Helena König – Hammer hat die Veränderungen, die jetzt im Gange sind, damit wir in die Qualität der neuen Zeit kommen, so beschrieben: „Diese Revolution jetzt ist eine Revolution des Herzens, eine Revolution der Liebe“ (1) Unaufhaltsam setzen wir uns für die liebevolle Entfaltung allen Lebens ein. Welche Umstände es auch sein mögen - wenn sie hinderlich sind, entschließen wir uns jetzt, sie zu ändern.
Es war einmal
Es waren einmal singende und tanzende Menschen.
Die Menschen sangen bei der Arbeit, als Gebet.
Sie sangen und tanzten ihre Kinder in den Schlaf.
Sie sangen aus Trauer und Freude, wie Tränen und Lachen
klang ihr Gesang.
Es war ein Teil von ihnen. Der Gesang lebte.
Niemand bewertete, verglich, es gab kein „falsch“ und „richtig“.
Niemand schämte sich seines Gesanges.
Der Mensch sang und tanzte so natürlich, wie er atmete.
Leider ist diese Zeit vorbei! Wie lange schon? Bei kleinen Kindern beobachten wir diese Ganzheit, sie tanzen und singen, wenn sie Musik hören. Irgendwann in der Menschheitsgeschichte und in der persönlichen Entwicklung zum Erwachsenen ist diese Einheit zerbrochen.
Wir glauben den Botschaften der Medien, dass man mit fünfzig noch so aussehen sollte wie mit fünfundzwanzig, als ob die Menschheit momentan keine anderen Probleme hätte als ein paar Falten, und wenn man singt, sollte die Stimme klingen wie bei Anna Netrebko oder Conchita. Sähen alle gleich aus, klängen alle Stimmen gleich – wie langweilig wäre dann die Welt! Aber die Sklaven der Wirtschaft in den Medien hämmern uns ein: „Vergleichen, beurteilen, konkurrieren!“
Depressionen gehören bereits zu den am meisten verbreiteten Volkskrankheiten. Und warum? – Weil wir vermittelt bekommen, dass wir so, wie wir sind, nicht annehmbar, nicht vollkommen sind, dass wir Versager sind und nur ein paar besondere Leute „da oben“ es geschafft haben. Wir verhungern seelisch in einer Arbeitswelt, die immer unmenschlicher wird: Noch mehr leisten, der Druck steigt ins Unermessliche, das Handy stört uns. Wer da nicht mithalten kann, bleibt auf der Strecke, verliert seine Arbeit und gerät in den sozialen Abgrund. Und wir lassen uns hetzen und antreiben, bis wir nicht mehr können, bis die Seele zu ersticken droht.
Beenden wir die Versklavung durch die Dummheit!
War dein Vater davon überzeugt, dass er und die ganze Familie unmusikalisch sind?
Hat deine Mutter dir gesagt, dass Du die schlechten Anlagen von ihr geerbt hast?
Hat die Kindergärtnerin dich beim Singen ausgegrenzt, oder sagte dir der Lehrer, dass Du beim Singen besser den Mund halten sollst?
Behaupten deine Kinder, dass Du falsch singst, oder findet dein Partner deine Stimme hässlich?
Vielleicht wurdest Du irgendwann einmal abqualifiziert und dadurch tief verletzt. Du bist nicht allein!
Du wurdest verletzt, und diese Wunde schmerzt. Glaubst Du, dass niemand anderer so tiefe Wunden in Bezug auf das Singen in sich trägt wie Du, dass Du deswegen nicht singen kannst und die Verletzungen irreversibel sind?
Das ist ein Irrtum! Die Erfahrung zeigt: Singen ist erlernbar! Fasse Mut und nimm dir die Zeit.
Lasst uns den Kindern zuschauen, und erwecken wir in uns die Ganzheit, die Einheit, die nicht vergleicht und nicht urteilt!
Manche haben den Kontakt zu diesem urmenschlichen Ausdruck so sehr verloren, dass sogar die Sehnsucht erloschen ist.
DU hast dieses Buch in die Hand genommen – die Sehnsucht lebt also noch in dir!
Das Bewusstwerden der Wunden, der Verletzungen ist ein wichtiger Schritt. Es ist wichtig, die Vergangenheit als Ursache von gegenwärtigen Schwierigkeiten zu erkennen und die eigene Vergangenheit anzunehmen. Das ist aber nur der erste Schritt. Und dann wartet so viel Neues und Spannendes auf dich! Eine Entdeckungsreise!
„Bei anderen ist es vielleicht möglich – aber bei mir – da hat ja schon der oder die gesagt, dass ich das nicht kann und besser den Mund halte als zu singen „, usw. – Ist das deine Überzeugung?
Lasse die Angst zu einem Wegweiser werden:
Kennst Du diesen Zustand, in dem der Körper eng ist, das Sonnengeflecht hart, der Atem flach? Ich dachte als Kind, ich hätte einen Kirschkern verschluckt, und der sei unter der Haut in der Magengegend stecken geblieben – so verspannt war die Muskulatur in diesem Bereich. Wie eine eiserne Hand, die hineingreift, alles zusammenzieht und so die Lebenskräfte drosselt. Kennst Du dieses Gefühl? Nein es ist kein Gefühl, es ist vielmehr eine Zwangsjacke, die die Gefühle abdrosselt, uns würgt und jagt, uns den Schlaf raubt oder uns unruhige Träume sendet.
Je mehr wir die Angst bekämpfen, je mehr wir sie fürchten, desto stärker wird sie. Immer wenn wir sie weghaben wollen, geben wir ihr Energie. Der Wunsch sie zu eliminieren wird ihr Macht geben.
Gehen wir lieber den Weg der Beobachtung. Beobachten wir sie – wie sie kommt und geht und versuchen wir, nicht darauf zu reagieren, sie nicht zu beeinflussen. Durch diese ruhige Beobachtung beginnst Du, dich zu erforschen und dich selbst in einer tieferen Weise kennen zu lernen.
Du wirst verstehen, dass die Angst sinnvoll ist; sie kann ein Freund sein. Wären wir ohne Angst nicht schon oft verunglückt? Wenn wir ihr in einer beobachtenden Art begegnen, kann sie hilfreich sein und uns wichtige Fingerzeige geben.
Wovor hast Du Angst?
Fürchtest Du, dass deinem Partner oder deinen Kindern etwas zustößt, dass Du deine Arbeit oder dein Geld verlierst usw.?
