Skrupellos III - Benutzt - Nicole Le - E-Book

Skrupellos III - Benutzt E-Book

Nicole Le

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Beschreibung

Nach ihrem letzten traumatischen Fall in Nigeria zieht Josefine Eckhard, die Enthüllungs-Journalistin mit ihrer Familie und dem Kindermädchen Lucy nach England, um Abstand von den schrecklichen Erlebnissen zu bekommen. Doch schon bald wird sie in den nächsten Fall verwickelt, als ein kleiner Junge aus der Nachbarschaft verschwindet. Auch diesmal ist sie wieder einem wahren Verbrechen auf der Spur und enthüllt einen weitverzweigten internationalen Pädophilen- Ring, in welchen sogar hohe Regierungsmitglieder verstrickt sind. Thriller nach wahren Verbrechen.

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Seitenzahl: 256

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Nicole Le

Skrupellos III - Benutzt

Thriller

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1:

Kapitel 2:

Kapitel 3:

Kapitel 4:

Kapitel 5:

Kapitel 6:

Kapitel 7:

Kapitel 8:

Kapitel 9:

Kapitel 10:

Kapitel 11:

Kapitel 12:

Kapitel 13:

Kapitel 14:

Kapitel 15:

Kapitel 16:

Kapitel 17:

Kapitel 18:

Kapitel 19:

Kapitel 20:

Kapitel 21:

Kapitel 22:

Kapitel 23:

Impressum neobooks

Kapitel 1:

Die letzten Jahre waren furchtbar gewesen. Josie war müde und sie fühlte sich krank. Am liebsten würde sie sich irgendwo verkriechen. Sie empfand ihre Familie als einen Zufluchtsort, der fast surreal war. Es gab sie und es gab die Menschen da draußen, die sich zum Teil Schreckliches antaten. Die Zeit als Kriegsberichterstatterin hatte sie als aufregend empfunden. Ein großes Abenteuer, bei dem sie gleichzeitig Gutes tat. Doch dann wurde sie mit ihrem Kollegen John Bearle bei ihrem letzten Einsatz in Afghanistan mit dem Helikopter abgeschossen. Sie überlebten beide unverletzt. Doch sie wurden gefangen genommen und getrennt voneinander in Zellen eingesperrt. Sie hörte die Schreie der Folteropfer und ihr wurde ständig gedroht, vergewaltigt zu werden. Die Zelle war kaum größer als eine Garage und war mit vierzig Frauen, mehr als überfüllt.

Nachts wurden oftmals Frauen aus der Zelle geholt. Sie flehten, weinten und bettelten, doch niemand half oder erhörte sie. Manche sah sie nie wieder, manche wurden Stunden später verletzt und missbraucht einfach in die Zelle zurückgebracht.

Seit dieser Zeit hatte Josie Schlafprobleme. Ihre Arbeit als Kriegsberichterstatterin hatte sie immer gut und gerne getan, doch jetzt erlebte sie zum ersten Mal das Grauen und die Gewalt am eigenen Leib. Das war etwas ganz anderes und es machte ihr Angst. Als sie später freikam und kurz darauf ihren Mann James kennenlernte, war sie froh, das Grauen gegen eine zumindest vermeintliche heile Welt einzutauschen. Sie bekam zwei Kinder und waren eine glückliche Familie. Bis sie nach Kairo zogen, wo sie wieder anfing als Journalistin zu arbeiten und Sarah schwer krank wurde. Ihre heile Welt stand Kopf und das Grauen und die Angst kehrten zurück in ihr Leben. Ihre Versuche ein ruhigeres Leben zu führen, waren bislang gescheitert. Alle Aufträge, die sie annahm, enthielten hoch brisantes Material und sie konnte nicht widerstehen. Sie musste das Unrecht ans Licht bringen und darüber berichten. Sie schaffte es zwar glücklicherweise immer unbeschadet aus den Geschichten herauszukommen und Gott sei Dank war ihrer Familie bisher nie etwas geschehen. Doch es gab Menschen, die sie mochte, wie das Kindermädchen Lucy und die Frau, die sie in Nigeria kennengelernt hatte, deren Kinder entführt wurden. Das alles ging ihr sehr nah und hinterließ dicke Narben in ihrer Seele.

Seit sie den Fall in Nigeria gelöst hatte, standen sie und ihre Familie unter Polizeischutz. Sie verließ das Haus fast nie und hatte seitdem 5 Kilo abgenommen. Sie litt unter Schlafstörungen und Angstzuständen. Das Grauen hatte Einzug gehalten in den tiefsten Winkel ihres Ichs. Sie fühlte sich nicht mehr sicher und wollte keine fremden Menschen in ihrer Nähe. James machte sich Sorgen um sie und beschloss einen Kollegen um Rat zu fragen. Er dachte dabei an eine Gesprächstherapie. Er kannte nicht alle Einzelheiten und schrecklichen Erlebnisse, die sie bei ihren Recherchen erlebt haben musste, Josie sprach nicht gern darüber. Aber ihre Schreie nachts, wenn sie träumte, gaben ihm einen Eindruck von dem Schrecken der Gräueltaten. Und er hatte Chioma ja gesehen, die Frau, die in Nigeria vergewaltigt und misshandelt worden war. Er hatte sie schließlich im Krankenhaus operiert. Es war auch für ihn unfassbar, dass Menschen sich diese grausamen Dinge gegenseitig antaten.

Als er abends nach Hause kam, hatte Josie zu seiner Überraschung gekocht.

Die ganze Familie versammelte sich am Tisch, auch Lucy, das Kindermädchen war dabei.

Die Kinder redeten aufgeregt durcheinander. Sie hatten schon lange keinen normalen Familienabend miteinander verbracht. Lucy und Josie waren meist in ihren Zimmern, lagen bei zugezogenen Vorhängen auf ihren Betten oder hörten Musik.

Heute war es anders. Josie verteilte das Essen auf die Teller und sah dann jeden Einzelnen ernst an.

„Ich möchte Euch gerne etwas sagen,“ sagte sie und klang irgendwie feierlich dabei.

„Ich habe lange nachgedacht und versucht all die schrecklichen Dinge zu vergessen, die wir, dabei sah sie Lucy liebevoll an, hier erlebt haben. Ich glaube, es ist an der Zeit, ein neues, fröhlicheres Kapitel aufzuschlagen und von hier wegzugehen.“ Sie setzte sich langsam und sah dabei von einem zum anderen. „Was sagt ihr dazu?“

Sarah und Philip sahen sich an und fingen fast gleichzeitig an zu reden. „Aber unser Schuljahr, Mama, wir haben uns hier erst gerade eingelebt.

Und mitten im Schuljahr umzuziehen, ich weiß nicht…“

Dann sah Philip seine Mutter aufmerksam an.

„Ja, wir sollten hier weggehen. Aber wohin möchtest Du denn, Mama? Nicht zurück nach Kairo, hoffe ich. Ich hasse die Lehrer dort.“ Er verdrehte die Augen und Josie musste lachen.

„Was haltet ihr von Europa? Frankreich oder die Niederlande?“

„Nein, nicht Frankreich, dazu müssten wir dann Französischunterricht nehmen. Und Niederlande, was sprechen die denn da?“

James, der froh war, dass Josie aus ihrer Lethargie erwacht war, unterstützte leise, indem er sagte: „Na wir könnten ja auch nach England gehen. Dann hättet ihr kein Sprachproblem und ich auch nicht. Die bezahlen gut in England. Das wäre doch was!“ Er sah Josie fragend an.

Sie lächelte ihn dankbar an. England. Ja, was für eine wunderbare Idee. Dort gab es wunderschöne Landschaften und weniger Gräueltaten. Es hörte sich fast himmlisch an.

„Was meinst Du, Lucy? Möchtest Du mit uns nach England kommen?“ Lucy nickte langsam.

„Ja, sehr gerne. Ein Neuanfang. Ich glaube, dass ist es, was wir alle jetzt brauchen.“

Es wurde dann noch ein fröhlicher und lauter Abend. Pläne wurden geschmiedet. James überlegte laut, ob er sich in einer Landarztpraxis bewerben sollte oder doch lieber wieder in einem Krankenhaus. Josie drückte lächelnd seine Hand. Die Aussicht auf eine Zukunft in einem weniger Gewalt gesteuerten Land zu leben war wie ein Befreiungsschlag für alle. Es waren noch drei Monate, bis das Schuljahr um war. Eine gute Zeitspanne, um den Umzug zu planen und einen neuen Job für James und sie zu finden. Vielleicht würde sie auch erstmal nicht arbeiten und sich mit Gartenarbeit oder Sport ablenken. Sie hatte auf jeden Fall das Gefühl erst einmal Kraft schöpfen zu müssen, bevor sie wieder hinaus in die Welt wollte. Vielleicht gab es ja auch einen Job bei einer lokalen Zeitschrift, den sie von zu Hause aus erledigen konnte. Die nächsten Wochen verbrachte sie damit im Internet zu stöbern und eine schöne Gegend für ihr neues Zuhause zu finden. Jeden Abend kamen sie zusammen und besprachen, was Josie in Erfahrung gebracht hatte. Die Kinder wollten nicht zu ländlich wohnen, James war sich immer noch nicht sicher, ob er im Krankenhaus oder einer Landarztpraxis arbeiten wollte und Lucy hielt sich aus allem raus. Sie war still und machte einen nachdenklichen Eindruck.

Josie hatte ein Haus in Eastbourne gefunden, welches es ihr richtig angetan hatte. Es stand in der Nähe der Kalkklippe an der Küste in Sussex. Gerade die Aussicht, dort am Meer spazieren zu gehen, sich den Wind um die Nase wehen und den Blick über die Weite des Ozeans schweifen zu lassen, kam ihr traumhaft schön vor. Am Abend zeigte sie den Anderen Bilder vom Haus und der Umgebung. Auch eine Internationale Schule war in der Nähe. Alle bemerkten ihre Begeisterung für die Klippe am Beachy Head und das gemütlich wirkende, geräumige Haus mit großem Garten. Sie alle wünschten sich ein leichteres und fröhliches Leben, so stimmten sie zu, dass Josie den Makler kontaktieren sollte. Als Josie am späten Abend aus dem Bad kam, lag James mit dem Laptop auf dem Schoß im Bett und suchte Jobangebote in Eastbourne und Umgebung. Er lächelte sie an und legte den Arm um sie, als sie sich an ihn kuschelte. „Ich wünsche mir wirklich eine Auszeit von den Gräueltaten in dieser Welt. Ich möchte Rosen züchten und lange Spaziergänge am Meer unternehmen. Ich möchte die Bilder in meinem Kopf vertreiben und eine gute Mutter sein. Ich habe so viel verpasst. Sarah und Philip sind schon so groß. Weißt Du noch, als Philip gerade anfing zu laufen?“ sagte Josie leise.

James lachte leise. „Ja, ich dachte schon er wird nie laufen. Er war wirklich spät dran, im Vergleich zu Sarah. Aber nun ist er der Beschützer seiner Schwester. Es hat auch sein Gutes gehabt, dass Sarah so krank geworden ist. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass sie lebt und dass wir alle eine so wundervolle Familie sind. Ihr seid das Kostbarste, was ich habe.“ Er küsste Josie sanft und schob das Laptop weg.

Josie drängt sich an ihn, saugte seine Nähe und Liebe auf, wie eine Ausgehungerte. Sie liebten sich langsam und sanft und schliefen dann eng umschlungen ein.

Am nächsten Morgen war Lucy schon in der Küche und bereitete das Frühstück für alle. Josie lächelte sie an und bemerkte, wie schlecht Lucy aussah. Sie hatte tiefe graue Schatten unter den Augen, ihre Wangen waren eingefallen und ihr Blick war traurig und dunkel.

Josie legte die Hand auf ihre Schulter. „Lucy, wie geht es Dir? Hast Du schlecht geschlafen? Oder noch Alpträume?“

Lucy wand sich unter der Berührung. Eine Träne lief ihr über die Wange. „Kann ich gleich mit Dir reden? Ich muss Dir was sagen!“

Josie sah sie erschrocken an. Ihr wurde mit einem Mal bewusst, dass sie sich nur mit sich selbst beschäftigt hatte. Dabei musste es Lucy noch viel schlimmer gehen, schließlich war sie in den Fängen der Boko Haram gewesen. Und war diesem dreckigen Kerl Tage lang hilflos ausgeliefert. Sie wollte Lucy in den Arm nehmen, doch diese wich zurück. Sie konnte Berührungen noch nicht ertragen, auch wenn sie von Josie kamen. „Natürlich können wir reden. Gleich, wenn die Anderen weg sind?“ Lucy nickte und wischte sich die Träne weg, danach ging sie in ihr Zimmer. Anscheinend wollte sie nicht, dass die Anderen ihre Traurigkeit bemerkten.

Josie klopfte leise an ihre Zimmertür, nachdem sie James und die Kinder verabschiedet hatte.

„Ja bitte?“

„Darf ich hereinkommen?“

„Ja, natürlich. Komm rein Josie.“

„Was ist denn, Lucy? Möchtest Du nicht nach England, ist es das?“

Lucy schüttelte den Kopf. Sie saß am Schreibtisch und drehte sich langsam zu Josie um. „Setz Dich doch,“ sie deutete auf das frisch gemachte Bett.

„Ich habe meine Periode nicht bekommen. Seit drei Monaten nicht. Ich habe immer gehofft, es ist nur wegen dem Stress, aber jetzt ist mir morgens immer übel. Ich glaube, ich bin schwanger. Ich wollte es nur nicht wahrhaben. Ich habe es verdrängt und noch keinen Test gemacht. Ich habe mich nicht getraut. Josie, kannst Du mit mir in die Apotheke fahren und einen Test kaufen und bei mir bleiben? Ich habe solche Angst. Ein Kind von diesem Schwein wächst in meinem Bauch. Was soll ich nur tun?“ Sie fing an bitterlich zu weinen. In Josies Kopf drehte sich alles. Schwanger, von diesem Fiesling? „Ok, Lucy. Willst Du mit zur Apotheke, oder soll ich schnell allein fahren?

“Nein, ich komme mit. „Gemeinsam gingen sie zum Wagen und fuhren zur Apotheke. Es war ein heißer Tag, der Himmel war tiefblau und man hätte sich auf einen Pool-Tag freuen könne, doch die beiden Frauen saßen ohne zu reden im Auto und nahmen von dem sonnigen Wetter und der Umgebung nichts wahr. Sie kauften gleich zwei Test von unterschiedlichen Herstellern.

Dann fuhren sie den gleichen Weg wieder schweigend zurück. Lucy hielt die Schwangerschaftstests so fest in der Hand, dass der Karton ganz eingedrückt war und ihre Knöchel weiß hervortraten.

Josie legte eine Hand beruhigend auf ihren Oberschenkel und tätschelte ihn sanft und sagte:“ „Warum machst Du ihn nicht schon mal auf und liest die Gebrauchsanweisung?“

Josie wollte sie ablenken, was natürlich ein schwacher Versuch war.

Doch sie kamen ja nicht umhin, sie mussten sich mit der Situation auseinandersetzen und sehen, was das Resultat war.

Lucy verschwand gleich nach ihrer Ankunft im Bad. Josie kochte einen Kaffee für sie beide und merkte, wie ihre Hände zitterten. Es schien endlos zu dauern, bis Lucy wieder aus dem Bad kam. Die Test-Sticks in der Hand, ganz bleich um die Nase.

Die Journalistin nahm ihr die Plastikstäbe aus der Hand. Schwanger. Beide Tests zeigten dasselbe Resultat.

Lucy begann zu weinen. Josie nahm sie in den Arm, auch wenn sie wusste, dass es eine große

Überwindung für Lucy war, das zuzulassen.

Josies Magen krampfte sich zusammen. Verdammt. Schwanger, von diesem Ungeheuer. Wie sollte Lucy das aushalten. Abtreiben, oder das Kind austragen? Jede Entscheidung war eine deprimierende.

„Hast Du Dir schon Gedanken gemacht, Lucy? Was Du tun willst? Es behalten oder abtreiben oder es austragen und zur Adoption freigeben?“

Lucy setzte sich langsam aufs Sofa.

„Vielleicht ist es schon zu spät und ich kann gar nicht mehr abtreiben,“ sagte sie leise.

„Soweit ich weiß, gelten in solchen Fällen andere Regeln, Lucy. Aber vielleicht könntest Du auch einem kinderlosen Ehepaar helfen und das Kind zur Adoption freigeben. Das Würmchen kann ja nichts dafür und Du fühlst Dich vielleicht besser, als wenn Du es abtreiben lässt.“ Josie sah sie aufmunternd an und versuchte zu lächeln was ihr aber nicht wirklich gelang.

Lucy schaute sowieso auf den Boden und kriegte den kläglichen Versuch nicht mit.

„Ich denk drüber nach!

Manchmal will ich, dass dieses Etwas aus mir verschwindet und ich nicht immer an diese scheußliche Zeit erinnert werde, aber dann tröstet es mich auch, dass da etwas in mir heranwächst. Aber behalten will ich es glaube ich nicht, Josie. Ich kann es nicht. Ich würde jeden Tag nach einer Ähnlichkeit mit dem General suchen und wenn ich etwas entdecken würde, würde ich es nur hassen. Das wäre ungerecht.“ Lucy sah Josie traurig an.

Josie legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Du weißt, egal, wie Du Dich entscheidest, ich stehe hinter Dir! Und James auch. Solltest Du Dich für eine Abtreibung entscheiden, James wird Dir den Besten Arzt besorgen, den er kennt, glaube mir. Und niemand wird blöde Fragen stellen, das verspreche ich Dir!“

Josie machte eine kurze Pause. Dann sagte sie:“ Vielleicht sagst Du Philip und Sarah erstmal nichts., bis Du dich für eine Lösung entschieden hast, in Ordnung?“

Lucy nickte und sah wieder zu Boden. Dann sprach sie mit leiser, unsicherer Stimme: “Und wenn ich mich entscheide, das Kind zu behalten?

Müsste ich dann gehen, oder darf ich bei Euch bleiben?“ Sie sah Josie hoffnungsvoll an und

Tränen rannen über ihre Wangen.

„Natürlich darfst Du bleiben, Lucy, was für eine Frage. Wir sind doch eine Familie!“ Sie gab Lucy einen Nasenstüber und beide lachten erleichtert.

„Komm, lass uns was kochen für heute Abend, dann freuen sich James und die Kinder.“

Sie gingen in die Küche und bereiteten Sarahs und Philips Lieblingsessen vor. Spaghetti Bolognese.

Kapitel 2:

Die Brasilianerin Linda Guerillarno kam aus ärmlichen Verhältnissen. Sie trieb sich deshalb abends in den Bars herum, wo viele US Soldaten verkehrten. Eines Tages hatte sich dann tatsächlich ein US Soldat in die rassige Frau verliebt und sie geschwängert. Das Mischlingskind nannten sie Claudia. Ihr Vater sagte immer, sie sei so wunderschön wie Claudia Schiffer, dabei hatte das hellbraune Kind nichts mit dem deutschen Model gemeinsam.

Ihre Haare waren zwar nicht so kraus wie die des Vaters, doch man konnte die schwarzen Gene nicht verleugnen.

Claudias Vater verließ die Familie drei Jahre später, weil er woanders stationiert wurde. Am Anfang rief er noch hin und wieder an, doch auch das versiegte nach ein paar Monaten. Fünf weitere Jahre schickte er Linda Geld, doch danach hörte auch das auf. Als alleinerziehende Mutter eines Mischlingskindes war Linda geächtet in ihrem Dorf. Sie war eine Soldatenschlampe. Einen brasilianischen Mann zu finden war damit unmöglich und andere Männer fanden jüngere und ungebundene Frauen ohne Kinder wesentlich attraktiver.

Claudia lernte schnell, dass sie besser sein musste als die Anderen, um etwas Anerkennung zu bekommen. Sie war fleißig und gut in der Schule und ein liebenswürdiges, angepasstes Mädchen. Als Linda ein Angebot erhielt, in welchem Claudia an einem Model-Workshop teilnehmen durfte, wuchs der Plan, aus Claudia ein bekanntes Model zu machen.

Dies würde all ihre finanziellen Probleme lösen.

Sie begann aktiv nach Model-Agenturen zu suchen und kleinere Aufträge für Claudia anzunehmen, die ihre Haushaltskasse aufbesserten.

Claudia machte alles, was man ihr sagte ohne zu murren. Sie war stolz, etwas zum Lebensunterhalt beisteuern zu können. Und so machte es ihr auch nichts aus, als die Aufträge immer mehr Zeit in Anspruch nahmen und sie immer weiterfahren mussten. Es gehörte zu ihrem Alltag, morgens früh aufzustehen und mit dem Rad zur Schule zu fahren. Mittags eine Kleinigkeit essen, denn sie durfte ja nicht fett werden und dann in die Agentur, Laufstegtraining, Make-up und Friseur. Danach fuhr sie mit ihrer Mutter im Bus zum Auftraggeber und räkelte sich dort, meist nur leicht bekleidet, vor der Kamera.

Obwohl sie erst dreizehn Jahre alt war, sah sie aus wie eine Sechzehnjährige. Ihr Körper war schon gut entwickelt. Eines Tages bekamen sie das Angebot, auf eine kleine Insel der US Virgin Island Gruppe zu fliegen. Ein reicher Milliardär fungierte dort angeblich als Kontaktperson zu den ganz großen und reichen der Welt. Sie bekamen ein Touristenvisum und sollten dort zwei Wochen bleiben.

Linda und Claudia waren total aufgeregt. Das war Wahnsinn. Als Claudia ihren Freundinnen davon erzählte, hüpften alle um sie herum. Sie wurde fortan als Star behandelt, als eine, die es bereits geschafft hatte. Weder Claudia noch Linda waren jemals geflogen. Alles war so neu und aufregend. Sie packten ihre schönsten Kleider ein und machten sich auf den Weg zum Flughafen. Sie flogen Business Class, tranken Champagner, obwohl Claudia erst dreizehn Jahre alt war. Sie schauten aufgeregt aus dem Fenster. Es war der Beginn eines ganz großen Traumes und Linda drückte fest Claudias Hand. Ihre Tochter war wirklich wunderschön. Als sie gelandet waren, wurden sie noch auf dem Flugplatz von einer schwarzen Limousine abgeholt.

Der Fahrer trug eine Uniform und weiße Handschuhe. Er erklärte ihnen, dass sie mit der Privatmaschine von Herrn Eickhorn weiterfliegen würden. Der Flug würde nur etwa fünfundvierzig Minuten dauern. Sie verstanden nicht alles, dazu war ihr Englisch zu schlecht, aber sie folgten dem Mann und stiegen in die Limousine. Ledersitze, eine Minibar, sogar Musikvideos auf einem überdimensional großen Bildschirm waren vorhanden. Sie kannten einen derartigen Reichtum nur aus den täglichen Soap Opera im Fernsehen. Niemals hätten sie sich vorstellen können, jemals selbst in so einem Fahrzeug zu sitzen. Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten, dann hielt der Wagen an und der Chauffeur öffnete die Tür. Er zeigte auf einen Privatjet, in dessen geöffneter Tür eine Stewardess freundlich lächelnd auf sie wartete. Die Flugbegleiterin sah selbst aus wie ein Hollywood Star. Sie lud sie ein, auf den bequemen Ledersesseln Platz zu nehmen und bot ihnen etwas zu trinken an. Als sie ihnen den bestellten Orangensaft brachte, lächelte sie freundlich und erklärte nochmals, dass der Flug etwa fünfundvierzig Minuten dauern würde. Jeder von ihnen saß an einem Fensterplatz. Wenn sie den Arm ausstreckten, konnten sie sich an den Händen halten. Sie lächelten sich glücklich zu und sahen gespannt aus dem Fenster. Das Flugzeug flog nicht sehr hoch, so konnten sie schnell den Ozean und eine kleine Inselgruppe unter sich ausmachen. Das Wasser glitzerte türkis-grün und hin und wieder sahen sie eine Segeljacht. Es war so unwirklich. Linda musste sich kneifen, um zu begreifen, dass das nun ihre Realität war. Als sie gelandet waren stand eine weiße Limousine bereit, um sie zum Luxor Estate zu bringen. Das Anwesen bestand aus mehreren Gebäuden. Der Rest der Insel war unbewohnt. Eine Bootsanlegestelle, vor welcher mehrere kleine Motorboote und eine große Jacht lagen. Ein kleiner Sandstrand in einer privaten Bucht, tropische Pflanzen und Vögel, die fröhlich zwitscherten und um sie herumflogen. Bunte Papageie waren dabei. Claudia fühlte sich wie in einem Märchen. Eine Bedienstete führte sie in das Haus. Ein Butler brachte ihr Gepäck und man zeigte ihnen zuerst ihre Zimmer. Jede von ihnen wurde in einer geräumigen Suite mit eigenem Badezimmer und einer nicht einsehbaren Terrasse geführt. Die Betten waren riesig groß mit hohen Bettpfosten und Spiegeln an der Decke.

Eine Schale mit frischem Obst stand auf der Anrichte neben der Tür. Auf einem extra breiten Bildschirm liefen Musikvideos. Claudia nahm sich einen Apfel und biss hungrig hinein. Äpfel waren in Brasilien unbezahlbar. Obst war überhaupt sehr teuer, obwohl es dort wuchs, war fast Alles nur für den Export bestimmt.

Die meisten Menschen ernährten sich von Maismehl Fladen, die in heißem Fett gebacken wurden und je nach Budget wurden sie mit Gemüse, Fleisch oder Kartoffeln mit Tomatensoße gefüllt.

Das machte die Menschen dick und lustlos.

Claudia hingegen bekam extra viel Gemüse und Obst, da sie ihre Figur halten musste. Linda sah es als Investition in ihre Zukunft an. Das Obst aber so frei verfügbar, einfach in einer Schale stand, war für Claudia neu und sie genoss den saftigen Geschmack des Apfels sehr.

Nachdem sie sich frisch gemacht hatte, klopfte sie leise an die Türe des Zimmers, wo man ihre Mutter untergebracht hatte.

Linda stand am Fenster und hatte Tränen in den Augen, als sie sich zu Claudia umdrehte und ihre Arme nach ihr ausstreckte.

„Claudia, Liebes. Ist das alles nicht unglaublich? Bitte, streng Dich an. Egal, was man von Dir verlangt. Bitte versuche alles, um diesen Auftrag zu bekommen. Um Kontakte zu machen, weitervermittelt zu werden. Schatz, es kann der Anfang von etwas ganz Großem sein.“ Claudia nickte in ihren Armen und lächelte ihre Mutter dann an.

„Ich mache alles, was sie mir sagen Mama, damit wir so leben können, versprochen!“

Hand in Hand gingen sie nach unten und hörten Gelächter und wildes Durcheinander Reden.

In einem großen Wohnzimmer waren neun junge Mädchen, die sich in Bikinis auf dem Sofa räkelten oder im Pool tummelten. Der Raum war offen gestaltet, mit großen Fenstern zum Pool und der riesigen Terrasse. Man hatte einen unglaublichen Blick auf die Weite des Ozeans und es wehte ein sanfter Wind, der die Hitze erträglich machte. Es war schwer abzuschätzen, wie alt die Mädchen waren, doch einige schienen Cocktails mit Alkohol zu trinken. Jedenfalls machten sie durch ihr aufgekratztes Verhalten den Eindruck, leicht beschwipst zu sein. Kurz darauf erschien ein Mann mittleren Alters in Begleitung von Zwillingen, die Linda nicht älter als zwölf schätzte. Die Zwillinge trugen Transparente knielange Blusen unter denen sie nur einen String-Tanga trugen. Ihre noch nicht voll ausgebildeten Brüste waren als Knospen durch die Bluse zu sehen. Linda war unangenehm berührt, doch dann schüttelte sie das Gefühl ab und beruhigte sich selbst. Schließlich war es nichts Ungewöhnliches, dass Models nackt oder leicht bekleidet zu sehen waren. Und diese Umgebung bot sich nun mal an, Bikini-Shootings zu machen.

Der Mann stellte sich als Harvey Eickhorn vor. Er war der Hausbesitzer und derjenige, der sie eingeladen hatte. Linda gab ihm die Hand und stellte sich und Claudia vor. Er betrachtete

Claudia von oben bis unten, nahm ihre Hand und drehte sie vor sich einmal im Kreis.

„Sehr hübsch, meine Liebe. Mit Dir habe ich Großes vor.“

Claudia errötete verlegen und suchte den Blick ihrer Mutter, die lächelte sie aufmunternd an.

„Sind Sie einverstanden, wenn wir uns duzen? Ich bin Harvey. Die Meisten nennen mich nur Hef.“

„Ja, sehr gerne. Ich bin Linda und das ist meine dreizehnjährige Tochter Claudia.“

„Claudia, ja, wie das deutsche Model. Ich habe bereits einige Bilder und Videos von Modeschauen von Dir gesehen. Sehr schön, sehr schön.“ Während er die Worte langsam wiederholte, sah er Claudia von oben bis unten an und sein Blick verklärte sich für einen Moment. Kurz darauf fasste er sich wieder und erklärte ihnen alles Weiter.

Er hatte sie eingeladen, damit er ein paar Probeaufnahmen von Claudia machen konnte, sie sollte ein zweiwöchiges Training bekommen und in Ernährung, Fitness und Tanz geschult werden. Die anderen Mädchen würden sie unter ihre Fittiche nehmen und den Ablauf erklären.

Linda könne die Zeit nutzen, sich zu erholen und das Luxor Estate genießen. Massagen, Pediküre, Maniküre und Yoga inklusive. Des Weiteren stünde ihr ein Chauffeur zur Verfügung, der ihr die Insel zeigen würde.

Linda fühlte sich im Himmel.

„Und was passiert nach den zwei Wochen, wenn ich fragen darf?“

„Nun, ich werde sehen, ob Claudia in unser Team passt und mich entscheiden, ob ich sie einlade hier zu bleiben.“

„Das heißt, sie soll dann ohne mich hierbleiben?“

„Ja,“ sagte Harvey langsam. „Eine Betreuung von der Mutter ist hier nicht vorgesehen. Aber glauben Sie mir, meine Liebe, die Bezahlung ist fürstlich und erlaubt es ihnen selbst in Amerika Fuß zu fassen, falls Sie das wünschen.“

Er siezte sie plötzlich wieder. Und schaffte damit unmerklich eine für Linda unangenehme Distanz.

Linda sah Claudia bedeutsam an. Claudia war bewusst, dass nun alles von ihr abhing. Sie sah sich um, sah die Mädchen, wie sie lachten und scherzten. Und sie straffte ihre Schultern und nickte ihrer Mutter zu.

Die nächsten Tage verbrachte Claudia damit, Tanzunterricht, Laufsteg-Training und eine neue Frisur zu bekommen. Ihre langen Haare wurden hellbraun gefärbt mit blonden Strähnchen und sie wurde dazu angehalten, sie immer offen zu tragen. Dann bekam sie eine Make-up Schulung. Für die Shootings wurde sie natürlich von einem professionellen Make-up Artisten geschminkt, doch für den täglichen Gebrauch sollte sie lernen, sich selbst zu schminken. Sie sollte natürlich aussehen, doch auch immer frisch und verführerisch. Rotes Lip-gloss und Wangenpuder wurden fortan ihr täglicher Begleiter.Man zupfte ihre Augenbrauen zu schmalen Strichen, was sie älter aussehen ließ und zeigte ihr sich zu kleiden. Sie wurde ein neuer Mensch. Knappe Bikinis und durchsichtige Tuniken, sowie sexy Cocktail-Kleider, hochhackige Schuhe, in welchen sie zunächst nicht gut laufen konnte. Doch durch die täglichen Trainings lernte sie schnell.

Sie bewegte sich auf natürliche Weise wie eine geschmeidige Gazelle. Stolz und anmutig. Harvey verschwand während ihres Aufenthaltes immer öfter in seinem Büro. Dort hatte niemand ohne seine Genehmigung Zutritt. Er hatte Überwachungskameras überall im Haus. In den Schlafzimmern und Bädern der Mädchen, unter Wasser im Pool, im Wohnzimmer. Einfach überall. Diese Claudia hatte etwas. Ihre Anmut und ihre Disziplin gefielen Harvey und machten ihn an. Wenn er sie im Badezimmer beobachtete, wie sie ihren haselnussfarbenen Körper einseifte, bekam er eine Erektion. Er wollte sie nehmen, einreiten, ihr zeigen, wozu ihr wunderschöner Körper fähig ist. Er wusste, dass er mit diesem Mädchen ein Vermögen verdienen würde. Er wollte sie unbedingt besitzen. Doch zunächst musste er ihre Mutter wieder loswerden. Er würde ihr einen Scheck ausstellen, bei den sie unmöglich nein sagen konnte.

Er rieb sich seinen Schwanz und stöhnte leicht. In der Nacht mussten die Zwillinge sein Verlangen stillen. Dabei achtete er darauf ihnen möglichst keine Verletzungen zuzufügen. Allen Mädchen, die hier auf der Insel mit ihm leben, verkaufte er ihr Dasein als Job und einzige Möglichkeit in dieser harten Welt etwas zu sein. Die Mädchen kamen ausnahmslos aus armen Verhältnissen und zerrütteten Familien.

Der Druck, dem die Mädchen ausgeliefert waren, machte sie gefügig. Und sie bekamen ja schließlich auch etwas dafür. Welches andere Mädchen in ihrem Alter durfte in solch einem Luxus leben? Harvey fühlte sich als ihr Retter. Er hatte niemals ein schlechtes Gewissen, wenn er ein neues junges und noch unschuldiges Mädchen mit in sein Bett nahm. Er schulte sie in den verschiedensten Praktiken und machte perfekte Sex-Sklavinnen aus ihnen. Er gab ihnen Alkohol und Drogen, dadurch wurden sie von ihm abhängig. Doch sie erhielten nie harte Drogen, wie Crystal Meth, er wollte schließlich nicht ihre Schönheit ruinieren. Konnte ein Mädchen nicht damit umgehen, brachte er sie zurück in die Slums, wo sie herkam. Für ihn war es nur ein Geschäft. Ein sehr lukratives und es erhöhte seinen Einfluss auf die mächtigsten Männer der Welt, die er seine Gäste nannte.

Nach zehn Tagen ließ er Linda zu sich ins Büro bringen. Die Monitore an der Wand waren ausgeschaltet. Linda fühlte sich prächtig nach den Wellnesstagen, in welchen sie im Überfluss an Schönheitsanwendungen gelebt hatte. Harvey schob ihr einen Scheck in schwindelerregender Höhe über den Schreibtisch zu. Linda musste schlucken.

„Es scheint mir so, als ob ich meine Tochter verkaufe,“ sagte sie mit rauer Stimme.

„Linda,“ sprach Harvey beruhigend auf sie ein. „Du weißt genau wie ich, dass das Model-Geschäft ein Haifisch-Becken ist. Ich biete Euch an, sie unter meine Fittiche zu nehmen. Ich bilde sie aus in allen Benimmregeln der High Society. Sie lebt ein Leben im Überfluss und Luxus und sie sorgt damit gut für ihre Mutter. Nimm das Geld und leg es sorgfältig an. Du kannst damit deine Zukunft sichern. Und Claudia wird, da bin ich mir sicher, eine der ganz Großen werden. Willst Du das nicht?“ Er sah sie lange durchdringend an.

„Doch, natürlich möchte ich nur das Beste für meine Tochter. Und ich habe ein gutes Gefühl, wenn sie hier ist mit all den anderen Mädchen. In Ordnung, Harvey. Ich vertraue Dir meine Tochter an. Ich werde dann morgen abreisen, um einen Antrag auf eine Green Card zu stellen. Ich möchte gerne in der Nähe bleiben.“

Harvey sah sie an und nickte langsam. Dabei wusste er genau, dass sie niemals ohne seine Unterstützung eine Green Card bekommen würde.

Wenn sie erst einmal zurück in Brasilien wäre, würde sie das sehr schnell merken, doch genau dies war sein Plan.

Je weiter sie weg war, umso weniger Einfluss hatte sie auf ihre Tochter.

Bei dem Gedanken daran, dass Claudia die nächste Nacht ohne ihre Mutter in seiner Villa verbrachte, wuchs seine Erregung. Er konnte es gar nicht abwarten, diesen wundervollen Körper zu berühren.

Kapitel 3:

Thomas weinte. Er wollte nicht zum Fußballtraining. Seine Mutter war sauer.

Er wechselte nicht zum ersten Mal das Hobby. Langsam war sie es leid, dass er immer, wenn er gefordert wurde, das Handtuch warf oder das Interesse verlor. Diesmal würde sie hart bleiben, dass nahm sie sich ganz fest vor. Fußball war gut für einen Jungen in seinem Alter. Er würde neue Freunde finden, Teamgeist lernen und Disziplin. All das, was sie ihm als alleinerziehende Mutter nicht geben konnte. Und sie fand den Trainer wirklich nett. Er machte auf sie den Eindruck, als ob er sich ehrlich um die Jungs kümmerte. Er lud sie sogar manchmal zu sich nach Hause ein. Dann grillten sie und schlugen ein Zeltlager in seinem Garten auf und blieben sogar über Nacht. Die anderen Jungs fanden das toll. Es war wie ein Männerwochenende, nur eben für 7-jährige Jungs und ohne Alkohol.

Bridget packte seine Sporttasche und zog den weinenden Thomas am Jackenärmel aus der Wohnung.

„Nun hör schon auf mit dem Theater. Du stellst Dich an, als ob ich Dich zum Zahnarzt bringe.“

„Aber, ich will da nicht hin,“ schniefte Thomas. „Aber warum denn nicht? Der Trainer ist doch nett und die anderen Jungs wirst Du schon kennenlernen. Vielleicht dürft Ihr bald wieder bei dem übernachten, das wäre doch mal was Tolles.“

„Nein, überhaupt nicht,“ antwortete Thomas trotzig. „Der ist gar nicht nett! Und übernachten werde ich da niemals!“