SOKO Steiermark Teil 2 - Werner Pass - E-Book

SOKO Steiermark Teil 2 E-Book

Werner Pass

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Beschreibung

Im ersten Krimi dieses zweiten Teils werden die Polizisten der SOKO nach Wien abkommandiert, wo sie nach und nach in einen Sumpf der Geheimdienste gezogen werden. Der zweite Krimi dieser Trilogie spielt sich in Stainz ab. Der Tote gibt Rätsel auf, denn dieser hatte erst kurz zuvor eine Apotheke ausgeraubt. Dennoch lüften die Polizisten das Geheimnis um dessen Mörder, der Fall allerdings kann erst mit Mühe gelöst werden. Im dritten Teil haben es unsere Helden mit einer Entführung zu tun. Der Sohn eines Baulöwen wurde entführt. Zuerst verlaufen alle Spuren im Sand, erst nach langer Arbeit gibt es Hinweise zum Auftraggeber der Entführung. Diese verläuft am Ende aber nicht so, wie es sich dieser und die Polizei vorgestellt hatte.

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Seitenzahl: 398

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Abkommandiert nach Wien

Kathi, die sie nach dem Mord an Sandra bei sich aufgenommen hatten, lebte sich schnell ein. Helga hatte ihr ein Zimmer zur Verfügung gestellt und das Mädchen besuchte regelmäßig die Schule.

Die Polizisten bereiteten sich aufgrund der Ermittlung kleinerer Fälle auf Prüfungen vor, absolvierten Schusstraining und bildeten intern auch Baumgartner aus, der inzwischen fest zur SOKO zugeteilt war, aus.

Müller wurde am Morgen der bevorstehenden Schießprüfungen in das Büro seines Chefs beordert. Da sich der Abteilungsinspektor meist vor diesen unangenehmen Prüfungen zu drücken vermochte, war er froh, dass sein Chef ihn in diese Unterredung bat. Im Büro war auch Helga, die gute Seele der Truppe, anwesend.

„Das was ich Ihnen hier zu sagen habe muss unter allen Umständen zuerst einmal unter uns bleiben.“ Mit einem Nicken betätigten die beiden, dass sie eisern schweigen würden. „Ich habe soeben einen Anruf aus dem Innenministerium erhalten. Müller, Sie werden mit Ihren Leuten morgen nach Wien aufbrechen. Dort melden Sie sich gegen 10 Uhr bei Herrn Leiringer. Er ist Büroleiter für, nun sagen wir mal, heikle Aufgaben. Er erwartet sie. Helga, Sie werden für Müller und seine Leute ein kleines Hotel aussuchen, von wo aus operiert werden kann. Weitere Instruktionen, die mir bekannt sind, werden Ihnen aber vor Ort erteilt. Ich möchte anmerken, dass es sich hier um ein Amtshilfeansuchen von allerhöchster Stelle handelt. Bitten Sie Ihre Leute Kleidung für etwas zwei Wochen mitzunehmen. Notfalls kann zwischendurch einer hierherkommen und diese Reinigen lassen.“ „Müller schaute seinen Chef erstaunt an. „Von allerhöchster Stelle?“ „Ja Müller, aber das erfahren Sie morgen. Helga, Sie bleiben hier um die Verbindung aufrechtzuerhalten und anfallende Recherchen von hier aus, mit mir gemeinsam, zu machen. Das war es. Lassen Sie Ihre Leute die Schießprüfungen durchführen und erteilen Sie dann die nötige Order.“

Damit war das „Briefing“ beendet. Müller und Helga verließen wortlos das Büro. Erst als sie in Müllers Büro standen, fand Helga die Worte: „Das klingt aber spannend.“ „Das sehe ich auch so, sehr geheimnisvoll Helga, bitte sind Sie so nett und informieren Sie die Kollegen, dann kümmern Sie sich bitte um ein Hotel.“ Helga verließ Müllers Büro und war froh, nicht mitfahren zu müssen, da sie sich noch immer Sorgen wegen Kathi, ihrem Mündel und dem ihrer Kollegen, machte. Sie informierte die abwesenden Kollegen, die am liebsten ihre Prüfungen unterbrochen hätten, und machte sich dann auf die Suche nach einem günstigen Hotel in Wien. Sie fand eine kleine Pension in Josefstadt, dass für ihre fünf Kollegen und den langen Zeitraum Unterkunft zur Verfügung hatte. Am späten Nachmittag waren alle wieder im Büro versammelt. Müller informierte seine Mitarbeiter und bat sie für den nächsten morgen um sieben Uhr mit Gepäck anzutreten, damit sie sich gemeinsam auf den Weg nach Wien machen konnten.

Helga hatte Kaffee gemacht, den die Kollegen tranken, bevor sie nach Wien fuhren. Das Gepäck verluden die Männer in die beiden Dienstfahrzeuge und waren gegen halb zehn im Innenministerium. Leiringer empfing sie in seinem Besprechungszimmer. Es waren noch andere Männer anwesend, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht vorgestellt wurden. Dementsprechend stieg die Spannung bei den Grazern.

Leiringer betrat mit einem Akt das Zimmer, setzte sich an die Front des Tisches und begrüßte die Herren. „Ich danke der SOKO aus Graz, die wir hierher gebeten haben, um uns zu unterstützen. Sie sind hier nicht bekannt und können dementsprechend frei agieren. Es geht um Folgendes: Wir haben in den letzten Tagen Nachricht erhalten, dass der türkische Geheimdienst etwas plant, aber wir wissen im Moment noch nicht, was das ist. Angeblich und das sage ich mit Vorbehalt, haben österreichische Forscher einen Sprengstoff entwickelt, der sich von allen anderen bekannten darin unterscheidet, dass man mit kleinsten Mengen schon großen Schaden anrichten kann. Wir sind hier noch am Eruieren, inwieweit diese Erfindung abgeschlossen ist. Aber Sie können sich vorstellen, dass dies für manche Länder sehr interessant ist. Leider lässt sich das Bundesheer ungern in die Karten schauen, aber auf parlamentarischer Ebene läuft alles auf Hochtouren. Das war es fürs Erste von mir. Sie werden mich entschuldigen, aber mein Mitarbeiter Herr Rösch wird Sie weiter instruieren und auch Ihr Verbindungsmann zu mir sein. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.“

Leiringer stand auf und verließ das Zimmer. Rösch stellte sich vor. Müller und seinen Leuten war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst, in welchen Schlamassel sie geraten waren, aber sie waren entsprechend neugierig, was nun kommen sollte. Rösch ließ das Zimmer verdunkeln. Über einen Beamer wurden nun Bilder von Personen gezeigt, die für die SOKO Männer interessant sein konnten.

„Das ist Herr Özgün, er ist der Leiter des hiesigen Geheimdienstes und er hat uns schon mehrmals Schwierigkeiten gemacht. Allerdings genießt er diplomatische Immunität und aus diesem Grund müssen wir mit ihm vorsichtig umgehen. Hier sehen Sie Professor Watzke, er ist der Leiter der Forschungsstelle beim Bundesheer. General Felder, der Mann der uns den Einblick in die Forschungen bisher untersagen konnte. Wir hoffen, ihn bald umgehen zu können. Die Frage, die wir uns stellen, ist die, wie die Türken in den Besitz der Unterlagen gekommen sind und wie viel Wissen sie haben. Es gibt vermutlich einen Maulwurf beim Bundesheer. Wichtig wäre es erst einmal dahinter zu kommen, wer das sein kann. Wir haben Herrn Özgün observiert, nur wird er sich hüten, öffentlich mit dem Maulwurf aufzutreten. Es läge nun an Ihnen, eine Observation der türkischen Botschaft zu vollziehen. Finden Sie den Maulwurf heraus. Sie haben für alles freie Hand, aber wenn es um Verhaftungen geht, wenden sie sich bitte zuerst an mich. Wir müssen als neutrales Land dafür sorgen, dass es zu keinem politischen Eklat kommt.“Die Vorhänge wurden wieder geöffnet. Müller trank einen Schluck Kaffee. „Wo sollen wir anfangen?“ stellte er die Frage in den Raum. Rösch zeigte auf einen Akt. „Dieser Akt gehört ab sofort Ihnen. Darin finden Sie alles, was Sie im Moment benötigen. Pläne der Botschaft, die gezeigten Bilder, unsere Erkenntnisse. Allerdings sollte der Akt das Haus nicht verlassen. Sie bekommen hier ein Büro für sich und Ihre Leute, in dem auch ein Tresor ist. Bitte sorgen Sie dafür, dass der Akt das Haus nicht verlässt. Hier haben Sie meine Nummer unter der Sie mich Tag und Nacht erreichen können. Bitte bereiten Sie heute alles vor und organisieren Sie sich.“

Das war das Ende der Instruktionen. Rösch stellte ungefragt in den Raum, dass für ihn damit das Treffen beendet war. „Folgen Sie diesem Herrn, er wird Sie in ihre Büros führen“ war die kurze und knappe Verabschiedung Röschs.

Müller und seine Leute standen auf und folgten dem Mann. Ihr Wiener Büro war in einem Seitenflügel untergebracht und bestand aus vier Räumen. Genügend Platz und mit allem Mitteln ausgestattet. Müller warf die Akte auf einen kleinen Tisch und bat seine Leute Platz zu nehmen. Er selbst trat an einen Flipchart und schrieb die bekannten Namen aus dem Akt auf. Danach setzte auch er sich und begann die Seiten aus dem Akt zu lesen. Diese reichte er den bis dahin schweigenden Kollegen weiter. Begner pfiff ab und zu vor sich hin, wie er es immer tat, wenn er auf spannende Lektüre traf. Doch diesmal hatte sich sein Gesichtsausdruck auch verdüstert. Er schüttelte beim Anblick der Akten den Kopf, hob diesen und sagte: „Wie sollen wir irgendwas ableiten können aus diesem Akt, wenn das meiste geschwärzt ist?“ Die Runde der Kollegen schaute Müller an und erwartete einen Vorschlag. „Gerhard, das weiß ich auch noch nicht, aber es liegt an uns diese Akten zu vervollständigen und an uns selbst die Erkenntnisse zusammenzutragen.“ Müller runzelte die Stirn. „Planner und Strobl, Ihr fahrt zur türkischen Botschaft und überwacht dort den Verkehr. Macht Euch ein Bild der Umgebung. Sollte unser Mann die Botschaft verlassen, folgt ihm. Gerhard, Du und Baumgartner fahrt zum Bundesheerlabor und beobachtet den Professor. Ich werde meinen Freund Werner Bühl besuchen und dann einen anderen Freund. Dafür benötige ich kein Auto, ich fahre mit den Öffis.“

Planner und Strobl stellten ihr Auto in der Theresianumgasse ab und gingen zu Fuß um die Liegenschaft der türkischen Botschaft. Gegenüber der Botschaft befindet sich der Belvederegarten und die beiden kamen überein, dass Planner im Auto bleiben sollte, während Strobl die Observation der Botschaft aus dem Park durchführen sollte. Beiden war klar, dass diese Aufgabe nicht sehr leicht war, dennoch mussten und konnten sie es nur auf diese Weise bewerkstelligen. Das allen Beteiligten, schon im Vorfeld, ein Denkfehler unterlaufen war, sollten sie bald bemerken.

Erst nachdem Müller das Innenministerium verlassen hatte, rief er seinen Freund Bühl an. Bühl, Staatsanwalt bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft, freute sich über den Anruf und noch mehr, dass Müller in Wien war. Sie verabredeten sich zum Mittagessen in einer kleinen Pizzeria, die sie gerne als Treff nutzten, wenn Müller in Wien war.

„Sag Hubert, was machst Du in Wien?“ Müller, der normalerweise eisern schwieg, erzählte Bühl, zu dem er vollstes Vertrauen hatte von der Situation und warum die SOKO nach Wien berufen worden war. „Oh“ entfuhr es Bühl. „Ich habe noch einen alten Bekannten von früher, aber kennst Du jemanden, der uns zusätzlich Informationen beschaffen könnte?“ Müller fragte dies seinen Freund in der Hoffnung, einen zusätzlichen Kontakt in Wien herstellen zu können. „Nun ja, da gibt es schon jemanden, der sich mit Wirtschaftsspionage sehr gut auskennt und genügend Insiderwissen hat. Ob der allerdings mit Euch sprechen möchte, das weiß ich nicht. Ich werde ihn fragen und versuchen ein Treffen zu arrangieren. Ich erreiche Dich wie immer?“ Müller nickte, „wie immer.“

Nach dem sich Bühl und Müller getrennt hatten, rief Müller seinen alten Bekannten Charly Winzer an. Die beiden hatten zu Beginn ihrer Laufbahnen, die sich irgendwann trennte, zusammen die Ausbildung bei der Polizei gemacht und waren sich im Laufe der Jahre nicht sehr oft begegnet, machten aber immer wieder davon Gebrauch, dass sie sich austauschten und zu Anlässen wie Geburtstag oder Weihnachten Karten schrieben. Charly war sehr beschäftigt, lud Müller aber für den Abend zu sich nach Hause ein. Vor allem wollte er ihm seine Frau vorstellen, der er schon sehr viel erzählt hatte von Hubert, die Müller aber noch nie getroffen hatte.

„Wie schaut es bei Euch aus?“, wollte Müller von Planner wissen. „Chef, wir halten die Stellung, allerdings ist es nicht sehr leicht, diese Botschaft zu observieren. Strobl passt vorne auf und ich beobachte die hintere Ausfahrt. Vermutlich sind hier zwei Mann zu wenig.“ „Hm, ich schaue, was sich machen lässt“, versprach Müller. Bei Begner sah es nicht sehr viel anders aus. Schon alleine das Auftauchen eines Fahrzeugs hatte die Wachen der Kaserne sensibilisiert. Die Kameraüberwachung hatte dafür gesorgt, dass Begner und Baumgartner nun mit Ferngläsern beobachtet wurden, und fanden das für ihren Geschmack etwas zu viel. „Sollen wir uns zurückziehen Hubert?“ „Nein, bleibt, wo ihr seid, ich denke, es wird bald eine Streife auftauchen, die Euch überprüft, zeigt nur Eure Ausweise und beruft Euch auf das Dienstgeheimnis. Sie sollen den Kollegen in der Kaserne melden, dass alles in Ordnung ist mit Euch. Ich bin heute nur mehr im Notfall erreichbar, wir sehen uns beim Frühstück, aber bleibt, solange es geht an dem Mann dran.“

Werner Bühl erreichte seinen Freund und Kollegen Klaus Brander. Beide trafen sich vor dem Amtsgebäude, in dem Brander seine Organisation, Wirtschaftsverbrechen, leitete. Bühl erzählte Brander unter dem Deckmantel des Vertrauens vom Einsatz der Soko in Wien. „Werner, ich glaube nicht, dass die Türken alleine agieren. Ich könnte mir vorstellen, dass mindestens ein weiteres Land mitmischt. Pass auf, ich werde meine Kontakte anzapfen, obwohl das sehr gefährlich sein kann. Aber wenn es um die Sicherheit Österreichs geht, dann kann ich das verantworten. Ich melde mich in den nächsten Tagen bei Dir.“ Bühl bedankte sich für das Vertrauen und wollte in diesem Moment nicht nach einem Treffen mit Müller fragen. Er war sich sicher, dass er diese Frage nachholen kann.

Am Abend traf Müller bei Charly ein, der ihn herzlich begrüßte. Auch Frau Winzer begrüßte Müller wie einen alten Freund. Die Drei setzten sich in die Küche und aßen in aller Ruhe etwas Charlys Gattin noch schnell vorbereitet hatte. Im Grunde wollte Charly nach dem Dienst seine Ruhe haben und gar nicht mehr auf die Arbeit eingehen, aber Müller fragte ihn, ob er nicht auf einen kleinen Verdauungsspaziergang Lust hätte. Charly spürte die innerliche Unruhe von Hubert und sagte „ja“ zu einem Spaziergang. „Hubert, raus mit der Sprache“ lächelte Charly seinen Freund an, „Du bist nicht hier um mit mir zu Essen, Dir liegt mehr auf der Seele.“ Müller erzählte auch Charly, warum er und seine Leute in Wien waren. „Natürlich bin ich heute bei Dir um Dich zu bitten, dass ein oder andere was Ihr wisst, mit mir zu teilen oder Dich zu informieren, was andere wissen.“ „Tja, was soll ich sagen, Du weißt, dass wir zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, aber nach dem Du mich persönlich darum bittest, werde ich morgen nach dem Stand unserer Akten schauen. Aber Bitte Hubert, wir vereinbaren heute ein Treffen für Morgen, ruf mich nicht an oder vermeide sonst den Kontakt zu mir, bis die Sache ausgestanden ist. Es ist auch für Dich gefährlich, in das Visier der Geheimdienste zu kommen. Lass uns morgen in der Donaucity Kirche treffen, um 15 Uhr. Komm mit den Öffis und versuche eventuelle Verfolger abzuschütteln.“ „So ernst?“, fragte Müller. „Ja, so ernst.“ Sie waren bereits vor Charlys Haustüre angekommen. Charly sah keinen Sinn darin, Müller noch auf einen Kaffee nach oben zu bitten. „Bis morgen“, verabschiedete sich Charly und ging ohne weitere Worte zur Haustüre.

Müller, der nicht erwartet hatte, so früh in der Pension zu sein, traf auf seine Leute, die es sich im Augenblick gemütlich gemacht hatten. „Wart Ihr schon was Essen?“ Ein einhelliges „Nein“ veranlasste alle, sich wieder aufzuraffen und die Pension zu verlassen. Um die Ecke war ein kleines Lokal, dass auf Tafeln sehr gute Küche versprach. Begner fragte nach, ob es einen kleinen Nebenraum gäbe. Der Wirt führte sie in ein Stüberl. Er teilte die Speisekarten aus, nahm die Getränkebestellung auf und ging nach draußen. „Planner, Strobl, erzählt, was hat sich bei Euch getan?“ Beide schnauften tief durch. „Nichts“ übernahm Planner das Wort, „kein Fahrzeug hat die Botschaft verlassen.“ „Und vorne ein kommen und gehen, aber nichts was in irgendeiner Art und Weise auffällig gewesen wäre“ vervollständigte Strobl die Ausführungen.„Gerhard bei Euch?“ „Du hast recht gehabt, es dauerte nicht lange, dann kam eine Streife der Polizei und kontrollierte uns. Wir haben ihnen unsere Ausweise gezeigt, worauf einer der beiden meinte, wir seien hier in Wien und nicht in Graz. Als ich ihn zur Seite nahm und erklärte, dass wir im Auftrag des Innenministeriums unterwegs seien, meinte dieser hochnäsige Kerl doch glatt, dass ihm das egal sei und wir verschwinden sollten. Meiner Bitte zur Überprüfung meiner Angaben kam er nach und siehe da, er entschuldigte sich und stieg kleinlaut in sein Auto ein. Danach gab er an der Wache der Kaserne sein ok für unsere Anwesenheit. Wir haben aufgrund des Fotos den Professor erkannt, als er die Kaserne verließ. Aber aus der Kaserne heraus folgte ihm ein Wagen. Das Kennzeichen haben wir und werden es morgen überprüfen lassen. Für heute wollten wir keine Aufregung mehr verursachen.“ „Das war gut Gerhard, soll sich morgen dieser Rösch darum kümmern.“ Der hatte die Getränke gebracht und die Wünsche seiner Gäste aufgenommen. Als er den Nebenraum wieder verlassen hatte, berichtete Müller von seinen Versuchen Näheres zu erfahren. Er berichtete auch von Charlys Sorge in die Mühlen der Geheimdienste zu kommen und forderte seine Leute zu unbedingter Wachsamkeit auf. Nach dem Essen tranken sie noch ein Bier auf den Feierabend und verließen das Lokal. Für heute hatten sie genug, wer weiß, was noch auf sie zukommen sollte.

Als sie am Morgen die Büros betraten, wartete bereits Rösch auf sie. „Was fällt Ihnen ein, mich in solche Bedrängnis zu bringen?“, fuhr er die Soko an. Keiner verstand, was er wollte. „Kommen Sie zur Ruhe“, sagte Begner, „und erzählen Sie uns, um was es geht.“ Rösch hatte einen roten Kopf und fuhr erregt fort: „Die türkische Botschaft hat heute angerufen und nachgefragt, warum ein Polizeiwagen an der hinteren Ausfahrt auf Lauer liegt. Das Außenministerium hat mich ebenfalls angerufen und ich musste mich rechtfertigen.“ „Sollen wir nun die Botschaft überwachen oder nicht?“, fragte Müller, seinerseits etwas erregt. „Ja, aber unauffällig.“ „Unauffällig, unauffällig, was soll das, sollen wir uns Tarnkappen aufsetzen? Warum erzählt uns keiner das die ganze Straße von den Türken überwacht wird?“ Rösch der sich aufgrund der Fragen gefangen hatte, sah nun zu seinem Bedauern ein, dass der Fehler eindeutig in seinem Haus lag, eigentlich sein Fehler war. „Ich habe das ausgebügelt, aber wir werden anders vorgehen müssen. Ich habe veranlasst, dass in der Theresianumgasse eine kleine Wohnung für uns geräumt wird. Von dort aus können Sie die Einfahrt zur Botschaft überwachen. Problematischer wird es für den Vordereingang. Wir werden ein paar Tage einen Wagen der Stadt bekommen, den wir am Parkeingang platzieren. Von dort können Sie den Vordereingang problemlos überwachen.“ „Haben wir die Möglichkeit noch ein paar Leute aus anderen Bundesländern zu bekommen? Ich denke, zwei reichen, um die Überwachung der Botschaft zu erleichtern.“ Rösch verstand die Bitte Müllers und sagte ihm die Unterstützung zu. „Sie werden bis heute Abend noch zwei Männer bekommen. Vorsichtshalber werden wir diese aus Salzburg anfordern.“ Er ging schnell aus dem Raum, um nicht noch irgendwelche unangenehme Fragen beantworten zu müssen. Gerade als er die Türe öffnen wollte, fiel Begner das Kennzeichen ein. „Warten Sie Herr Rösch, eine Bitte noch. Hier das Kennzeichen haben wir gestern notiert. Könnten Sie prüfen lassen, zu wem es gehört?“ Rösch nahm den Zettel, „ich melde mich.“

Charly hatte überaus vorsichtig bei seinen Kollegen nachgefragt. Viel erfahren hatte er nicht, allerdings hatte er das Gefühl, in irgendwas gestochen zu haben. Schon gegen elf wurde er in das Büro seines Chefs gerufen. „Charly, was ist los?“ Charly, der in seiner ganzen Dienstzeit immer ehrlich war, konnte und wollte zu Müllers Sicherheit nicht mit der Wahrheit rausrücken. „Ich habe etwas läuten gehört. Anscheinend braut sich irgendetwas zusammen. Es hängt wohl mit dem Bundesheer und den Türken zusammen. Aber um was es genau geht, kann ich noch nicht sagen.“ „Charly, wir wissen, das was im Busch ist. Aber das fällt nicht unter Dein Ressort. Halte Dich da raus und wenn Du etwas erfährst, dann melde es mir umgehend, damit ich die richtigen Leute ansetzen kann. Verstanden!“ Für Charly klang das wie eine Drohung, denn er wusste, dass er ab sofort unter Beobachtung stand. Vermutlich würden die Kollegen auch sein Telefon bereits abhören. Damit war für ihn absolut klar, dass auch Müller und seine Leute Gefahr gingen, zwischen die Fronten zu geraten. Normalerweise hätte er das Treffen mit seinem Freund nun absagen müssen, aber da sie vereinbart hatten nicht zu telefonieren, musste er wohl oder übel zum Treffpunkt fahren. Wie immer verließ er gegen Mittag das Büro. Er bemerkte aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung, dass er verfolgt wurde.Um die Verfolger abzuschütteln, nahm er die Bim, die U-bahn und ein Taxi, fuhr kreuz und quer durch Wien. Nach einer Stunde hatte er das Gefühl, seine Verfolger abgeschüttelt zu haben. Er fuhr direkt zum mit Hubert vereinbarten Treffpunkt. Auch wenn er dort länger auf ihn warten musste, aber er konnte sich in der Zwischenzeit überlegen, wie er sein Verhalten gegenüber seinem Chef argumentieren könnte. Müller traf, wie sie es vereinbart hatten, an der Donaucity Kirche ein. Charly und er saßen weit vorne. Müller konnte diesem Sakralbau nichts abgewinnen und fand, dass dieser Ort für ein Treffen nicht gut geeignet war. „Nicht gut“, fing Charly an. „Ich fragte mich ein wenig bei den Kollegen durch und fand mich kurz danach bereits im Büro meines Chefs wieder. Als ich ging, wurde ich verfolgt und ich nehme an, dass mein Telefon auch abgehört wird. Ihr scheint in eine Sache zu geraten, die gewaltige politische Konsequenzen haben kann. Wenn es geht, zieht Euch zurück.“ „Zu spät Charly, wir sind bereits direkt verwickelt.“ „Hubert, ich meine es ernst.“ Müller schaute Charly zuerst stumm an, dann holte er Luft: „Was hast Du herausgefunden?“ „Das ist der springende Punkt Hubert, nichts, nichts habe ich herausgefunden. Es ist, als ob ich gegen geschlossene Türen renne.“ Zwei Männer betraten die Kirche. Charly erkannte sofort, dass es sich um Kollegen handeln musste, denn deren Auftreten war ein anderes als das der Touristen. „Verflucht, ich glaube, sie haben mich über das Handy geortet. Hubert, morgen gleiche Zeit im botanischen Garten der Uni Wien.“ Damit drehte er auf dem Absatz um, schritt langsam mit gefälschtem Interesse die Kirche ab und verließ diese. Augenblicklich waren auch die beiden Männer verschwunden. Müller war sich sicher, dass sie von ihm keine Kenntnis genommen hatten.

Begner und Baumgartner hatten wieder gegenüber der Kaserne Posten bezogen. Rösch meldete sich bei Begner. „Herr Begner, was denken Sie sich eigentlich?“, fragte Rösch. Begner fragte ihn nach dem Grund dieser Frage. „Sie haben mir heute im Büro ein Kennzeichen gegeben. Das existiert nicht. Es gibt niemanden, der ein Auto mit einem solchen Kennzeichen fährt.“ „Wie bitte?“, entfuhr es Begner, „wir haben das Auto verfolgt, das Kennzeichen stimmt, wir sind doch keine Idioten!“ „Fakt ist, dass es so ist, wie ich es Ihnen sagte. Falls Sie das Auto wieder erkennen, rufen Sie bitte uniformierte Kollegen, die eine Überprüfung machen sollen. Sie selbst halten sich im Hintergrund.“ „Verstanden“, murmelte Begner. Baumgartner, der das Gespräch mitbekommen hatte, schüttelte nur den Kopf. Planner und Strobl begrüßten die beiden Kollegen aus Salzburg. Sie waren pünktlich eingetroffen, noch in der Pension, die auch Müller und seine Leute bewohnten, von Rösch informiert worden. Die Männer stimmten sich ab. Während Planner mit einem Kollegen, Ossi Wilderer in der Wohnung blieb, gingen Strobl und Bernhard Anker zu dem Fahrzeug im Park. Beim Fahrzeug kamen sie sich aufgrund der Kleidung etwas deplatziert vor. An das hatten sie im ersten Augenblick nicht gedacht. Dennoch stiegen sie in das Auto und nahmen im hinteren Teil des Lieferwagens Platz. Alle vier wussten, dass es wieder die übliche Langeweile werden würde, denn solche Observationen brachten kaum Erfolge.

Charly war noch keine fünf Minuten im Büro, als sein Chef ihn zu sich rief. „Was denken Sie eigentlich, wer Sie sind?“, begann dieser etwas laut zu sprechen. Schon alleine die Anrede mit „Sie“ verursachte bei Charly ein Unwohlsein. „Ich habe Ihnen verboten, sich in diese Sache einzumischen. Daran scheint Ihnen aber nichts gelegen zu sein. Sie schütteln Kollegen ab, die ich zu Ihrem Schutz abkommandiert habe. Ja, zu Ihrem Schutz und nicht um Sie überwachen zu lassen. Charly, allen Ernstes noch mal, lassen Sie die Finger von dieser Sache. Haben Sie mich verstanden? Und jetzt raus.“ Charlys Chef senkte den Blick auf Akten, die vor ihm lagen und ohne ein einziges Wort gesprochen zu haben, ging Charly aus dem Büro. Ihn beschlich das Gefühl, dass er neugierig geworden war und jetzt erst recht mehr wissen wollte. Allerdings hatte er Dienst und Privat immer getrennt. Somit hatte er vermieden, sich mit Kollegen anzufreunden und nicht immer über die Arbeit sprechen zu müssen. Außer …? Charly stutzte, er überlegte. Vor etwa einem Jahr war eine Kollegin zu ihnen gestoßen. „Nein“ ging es ihm durch den Kopf. Trotz des „Neins“ sah er aus dem Fenster und dachte nach.

Die zwei Polizisten sahen, wie der Professor die Kaserne nach Dienstschluss verließ. Und wieder folgte ihm der Wagen, dessen Zulassung es nicht gab. In weitem Abstand blieben sie hinter den Wagen. Baumgartner rief über Handy uniformierte Verstärkung, die den verfolgenden Wagen abfangen und dessen Fahrer überprüfen sollten. An einer Kreuzung sahen sie zwei Autos vor sich einen Streifenwagen. Aus dem Seitenfenster zeigte der Kollege seine Kelle und signalisierte dem Fahrer ihnen zu folgen. Dieser tat wie ihm geheißen. Begner fuhr langsam an den beiden stehenden Autos vorbei und parkte ein Stück weiter vorne ein. Während Begner im Auto blieb, stieg Baumgartner aus und ging langsam, in die Auslagen der Schaufenster schauend in die Richtung, in der die Kontrolle stattfand. Zuerst schien es eine normale Routinekontrolle zu sein. Als aber die Überprüfung des Kennzeichens durch die beiden uniformierten Kollegen nichts ergab, sah man deren Nervosität direkt steigen. Der Fahrer des Wagens zeigte seine Papiere vor, erklärte wohl kurz, wer er war, konnte dann wieder in das Auto steigen und abfahren. Ohne das Begner mit Baumgartner gesprochen hatte, setzte Begner seinen Dienstwagen wieder hinter das andere Auto. Baumgartner ging auf die beiden Streifenpolizisten zu und wies sich aus. „Was haben Sie herausgefunden?“ Einer der beiden Kollegen gab bereitwillig Auskunft. „Die Zulassung des Fahrzeugs gibt es wohl nicht, aber die Papiere wiesen den Mann als einen zivilen Kollegen aus, der mit der Sicherheit des Professors betraut ist. Er war stinksauer auf uns, dass wir ihn angehalten haben. Aber aufgrund seines Sonderausweises mussten wir ihn ohne Überprüfung fahren lassen.“ „Haben Sie den Namen Kollege?“, fragte Baumgartner. „Natürlich, Besler, Gerald Besler. Und wie gesagt, er hatte einen Sonderausweis des Verteidigungsministeriums, der uns nicht erlaubt eine weitere Prüfung der Person zu vollziehen.“ „Danke Kollegen, sehr gut. Könnt Ihr mich ein Stück mitnehmen?“ Die Kollegen lachten, aber sahen sich in der Lage Taxi für den SOKO-Kollegen zu spielen. Sie brachten ihn zum Innenministerium.

Müller war schon vor Ort, als Baumgartner das Büro betrat. „Herr Abteilungsinspektor, ich war soeben mit den Kollegen der Streife an der Überprüfung der Person im verdächtigen Wagen dabei.“ Er klärte Müller auf. Dieser war erstaunt, dass es in Österreich „Sonderausweise“ gab, die deren Inhaber besondere Rechte einräumten. Er griff zum Telefon und rief Rösch an. Rösch erklärte ihm, dass es tatsächlich solche Ausweise gebe, diese allerdings nur von bestimmten staatlichen Organisationen ausgegeben und genutzt werden können. Wenn aber dieser Ausweis mit der Autonummer, die er überprüfen sollte, zusammenhing, dann ergebe sich auch ein Bild. Denn für ihn stand fest, dass eine geheime staatliche Organisation mit im Spiel war. „Ich denke, Sie sind das Innenministerium?“ Rösch gab kleinlaut zu, dass es innerhalb jedes Ministeriums Einheiten gab, die besondere Aufgaben vollziehen und er vermutete, dass es sich hier um eine solche aus dem Verteidigungsministerium handle, auf das sie keinen Einfluss hätten. Müller fragte nicht mehr nach, aber es stand für ihn fest, dass es in den Ministerien solche Einheiten gab, die außerhalb aller Gesetze agieren konnten und durch die Politik geschützt wurden. Er und Baumgartner sahen einander an und man merkte den beiden altgedienten Polizisten an, dass sie im Moment den Glauben an ihr System verloren hatten.

Die Botschaft hatte Özgün inzwischen darüber informiert, dass die Botschaft von den Österreichern observiert wird. Özgün, der innerhalb der Botschaft eine kleine Zwei Zimmer Wohnung hatte, diese aber selten nutzte, war froh, sich unter falschem Namen eine Privatwohnung gemietet zu haben. Seine Zweitidentität half ihm auch Geld zu sparen, denn seine Miete bezahlte zum größten Teil die Sozialabteilung des Magistrats, er bekam Geld vom ams und musste nur alle zwei Monate dort auftauchen um, dann wieder unbehelligt seinen Geschäften weiter gehen zu können. Özgün hatte vor einigen Jahren beschlossen nicht nur für die türkische Regierung zu arbeiten, sondern sich ein wenig Taschengeld hinzuzuverdienen. Mittlerweile hatte er einen kleinen Waffenhandel aufgezogen, der die arabischen Staaten mit den neuesten Systemen ausstattete. Von diesen ließ er sich gut bezahlen, sodass er in der Türkei bereits zu den Reichen des Landes gezählt werden durfte. Seine Position und Macht hatte er sich mit Brutalität gesichert und jeder, der ihn kannte, war froh nichts mit ihm zu tun zu haben. Natürlich war er offiziell dem Botschafter in Wien unterstellt, aber er ging seine eigenen Wege. Die Kenntnis eines neuen Sprengstoffs hatte ihn neugierig gemacht. Es war geradezu eine sportliche Herausforderung für ihn an diesen zu kommen. Özgün hatte seine Leute, die bei der Botschaft arbeiteten oder in der freien Wirtschaft tätig waren oder einfach nur Türken waren, die sich in Österreich niedergelassen hatten, um die Annehmlichkeiten des Sozialsystems zu genießen, den Auftrag gegeben diese Sache zu hinterfragen, alles was nötig war, auszuforschen und ihm Bericht zu erstatten. So war er schnell auf den Namen des Professors gestoßen. Professor Watzke war also der Mann, der diesen Sprengstoff entwickelt hatte. Die Ausforschung des Umfelds von Watzke und seines Lebens ergab nichts, was man gegen ihn verwenden konnte. Allerdings waren seine Leute auf einen Mann gestoßen, der sich finanziell übernommen hatte und der in der direkten Umgebung arbeitete. Der Mann hatte eine Einladung zu einem Luxusurlaub in der Türkei angenommen und war so in die Falle des Türken geraten. Man hatte ihn mit schönen Frauen und Geld geködert. Bereitwillig kamen die Informationen dieses Mannes zu Özgün. Allerdings waren bisher keine verwertbaren Details bekannt geworden.

Özgün beschloss den Druck auf diesen Mann zu erhöhen, damit er endlich das Geschäft mit den Arabern abschließen konnte.„Ismael, wie weit sind wir mit dem Waffenverkauf an die Kurden?“, fragte er seinen Sekretär und rechte Hand. „Der Verkauf geht morgen über die Bühne, wir werden die Vorauszahlung am frühen Morgen auf dem Konto in der Schweiz haben. Danach werden wir die Container per Lastwagen in den Süden bringen. Während der Übergabe wird dann der Rest des Geldes auf das Konto eingezahlt.“ „Gut, dann kümmern wir uns weiter um unseren Professor. Das wird das beste Geschäft das wir jemals gemacht haben.“

Klaus Brander meldete sich bei Bühl. „Mein lieber Schwan, in was bist Du denn da verwickelt?“ Bühl war erstaunt über die Frage, denn er hatte erwartet, dass Brander ihm lediglich Informationen geben würde. „Keine Ahnung, aber wenn Du so anfängst, dann spielt sich im Hintergrund womöglich eine riesen Sauerei ab.“ „Werner, nicht am Telefon, wir treffen uns in einer Stunde am Johann Strauß Denkmal im Stadtpark.“Nach einer Stunde war Bühl am verabredeten Ort. Brander schüttelte den Kopf, als er ihn sah. „Werner, die Sache dürfte zu groß für Dich sein. Es sind mehrere Ministerien beteiligt, so wie es den Anschein hat die Türken, die Amis, die Russen und der ein oder andere arabische Kleinstaat.“ Bühl begriff sofort, dass Müllers Truppe ausgenutzt werden sollte. „Was kannst Du mir dazu sagen?“ „Je weniger Du weißt, desto weniger gerätst Du in Gefahr. Warum brauchst Du die Infos?“ Bühl klärte Brander auf. Dieser fragte ihn danach: „Ein Freund?“ „Ein sehr guter Freund.“ „Pass auf Werner, ich gebe Dir jetzt eine Nummer, das ist ein Handy, welches ich nur einmal benutzen werde und es dann in die Donau schmeiße. Sag Deinem Freund, dass ich ihn Morgen um sechs Uhr in der Früh hier treffen werde. Dann rufst Du diese Nummer an. Ein Ja oder Nein genügt, aber ich bitte Dich um Deiner Karriere willen, halte Dich aus der Sache raus.“ Nach diesen Worten gingen die beiden wieder getrennte Wege.

Während seine Kollegen weiter ihren Beobachtungen nachgingen, fuhr Müller wieder zur Donaucity Kirche. Charly war sichtlich nervös, für den Geschmack Müllers zu nervös. Müller setzte sich zwei Bänke hinter Charly. „Bitte Hubert, brich den Kontakt mit mir ab. Ich habe keine Ahnung, was abläuft, aber es bringt nur Probleme. Versteh mich, ich habe Angst um meine Frau und mich. Meiner Meinung nach werden diejenigen, die im Hintergrund sind, nicht zögern auch einen Mord zu begehen.“ Daraufhin stand Charly auf, zwinkerte Müller im Vorbeigehen mit beiden Augen kurz zu und war sogleich weg. Charly, der wusste, dass er verfolgt worden war, war es auch diesmal gelungen seine Verfolger oder wie sie sein Chef nannte, „Beschützer“ abzuschütteln. Er musste einen Weg finden um aus dieser Sache wieder raus zukommen. Im Büro ging er deshalb sofort zu seinem Chef. „Kannst du mich eine Zeit lang ins Ausland versetzen?“ Sein Chef lächelte, denn mit dieser Frage hatte er bereits gerechnet. „Natürlich, Du und Deine Frau werdet für ein Jahr nach Amerika gehen. Dort wirst Du verschiedene Ausbildungsgänge durchlaufen und mit den Kollegen vor Ort arbeiten. Was danach ist, werden wir sehen.“ „Danke, wann wird es losgehen?“ „Zu Deiner Sicherheit übermorgen. Packt Eure Sachen zusammen, wir werden alles andere organisieren. Bis dahin, halte die Füße still, keine Kontakte nach außen und sei so nett, schüttle Deine Bewacher nicht noch mal ab.“

Müller, der einige Zeit nach Charly die Kirche verlassen hatte, wurde von Bühl angerufen. Ohne lange Begrüßung stellte Bühl Müller die Frage: „Morgen früh um sechs am Johann Strauß Denkmal im Stadtpark? Ja oder nein?“ Müller sagte ja und kaum hatte er das ausgesprochen, war das Gespräch auch schon wieder beendet. Verwundert schaute er sein Handy an. Er kannte seinen Freund so nicht und war sich nicht im Klaren darüber, ob dieses kurze Telefonat wirklich an ihn gerichtet war. Dennoch beschloss er, am nächsten Morgen zum Denkmal zu gehen.

Weder bei der türkischen Botschaft noch beim Haus des Professors hatte sich in den letzten Stunden etwas getan. Die Männer zogen ab und fragten nach dem Sinn ihrer Observation. Nach kurzer Rücksprache mit Müller trafen sich die Polizisten wieder in der Pension. Erst nachdem auch Baumgartner und Müller eingetroffen waren, beschloss man das Lokal des Vorabends aufzusuchen. Das Nebenzimmer bot sich geradezu an, um die Ergebnisse des Tages untereinander auszutauschen. Planner und die Kollegen wussten nichts zu berichten. Während Baumgartner und Begner ihre Erkenntnisse mitteilten. Müller informierte anschließend über Röschs Aussagen, das Treffen mit Charly, dessen Zurückhaltung und bat die Kollegen aus Salzburg ihn in der Früh verdeckt zu begleiten. Sie sollten die Umgebung um das Denkmal im Auge behalten. Müller fühlte sich angesichts der Erlebnisse des Tages nicht sehr wohl in seiner Haut und wollte vermeiden, dass er unter die Räder kam. Trotz aller Bedenken Begners verzichtete Müller auf weiteren Schutz.

Am frühen Morgen machte sich hektische Betriebsamkeit bemerkbar. Die Salzburger Kollegen und Müller machten sich auf den Weg zum Stadtpark. Am Abend zuvor hatten sie am Laptop die Orte vereinbart, an denen man Müller beobachten konnte. Müller hatte ein etwas mulmiges Gefühl, als er in Richtung des Denkmals ging. Ein einzelner Mann stand dort. „Sie sind ein Freund von Werner?“ begrüßte der Mann Müller. „Ja, ein Freund von Werner Bühl.“ „Vermutlich werden Sie noch nicht überwacht, aber das müssen Sie für die Zukunft in Betracht ziehen. In dieser Sache geht es um Sprengstoff, soviel dürften Sie schon wissen. Aber der Drahtzieher ist ein gefährlicher Mann. Wenn Sie denken, er ist alleine am Werk, dann täuschen Sie sich. In diesem schmutzigen Geschäft wirken auch andere Staaten mit, da sich enorm viel Geld verdienen lässt. Özgün ist nur ein kleines Licht. Die ausländischen Geheimdienste lassen ihn gewähren, da man ihn so besser im Auge hat. Auch in Österreich weiß man über ihn Bescheid, aber er genießt diplomatische Immunität seitens der Türkei. Vor einigen Jahren ist uns bekannt geworden, dass er wirtschaftliche Treffen nutzt, um nicht nur Waffen, auch Drogen, Fahrzeuge und vieles mehr zu verkaufen. Er arbeitet auf eigene Rechnung. Viele seiner Landsleute hier in Österreich sind Boten, Händler und Informationsbeschaffer für ihn. Hier ein Bild seiner rechten Hand. Nur Ismael genannt. Er erledigt, wenn es sein muss, für Özgün die Drecksarbeit und glauben Sie mir, es gibt hier in Wien den ein oder anderen ungelösten „Unglücksfall“ der auf sein Konto gehen dürfte. Für den Fall, dass man Sie die türkische Botschaft beobachten lässt, werden Sie Özgün nicht finden. Seine Wohnadresse ist geheim, aber er agiert von der türkischen Handelsabteilung aus. Ich möchte nur noch einmal betonen, dass hier mächtigere Geheimdienste im Spiel sind als der Österreichische. Hier ein Handy, es ist nur eine Nummer eingespeichert. Sie können mich unter dieser Nummer erreichen, aber nur einmal und diesen Anruf sollten Sie sich genau überlegen. Passen Sie auf sich auf und versuchen Sie Werner, so gut es geht, aus dem Spiel zu lassen. Auf Wiedersehen.“ Müller stand da wie bestellt und nicht abgeholt. Er ließ das Handy in die Tasche gleiten, schaute dem Mann hinterher und ging ebenfalls wieder in die Richtung, aus der er gekommen war. Wilderer und Anker, die diese Szene beobachtet hatten, schritten langsam hinterher. Es war niemand zu sehen, der Müller folgte. Dennoch blieben sie ein Stück hinter ihm.

Charlys Chef fuhr vor dem Haus auf. Er stieg in Begleitung zweier Kollegen aus. Charly, der die Ankunft gesehen hatte, öffnete die Türe. „Charly, alles klar soweit?“ Eine solche Begrüßung war Charly zuwider, denn die deutete auf nichts Gutes hin. „Ja Chef, meine Frau packt unsere Sachen, wir werden Morgen reisebereit sein.“ „Hier, Eure Pässe. Ihr reist mit Diplomatenstatus nach Amerika. Euer Gepäck wird als Diplomatengepäck mitreisen. Gib mir Deine Waffe, denn selbstverständlich wirst Du erst in Amerika wieder ausgerüstet. Ein Wagen holt Euch morgen gegen neun Uhr ab.“ Charlys Frau, die den Besuch gehört hatte, kam und begrüßte den Chef ihres Mannes, den sie nur flüchtig kannte. „Es tut mir leid Frau Winzer, aber diese einmalige Chance muss Ihr Mann nutzen. Ein Jahr Amerika um sich weiter zu bilden. Auch Ihnen wird es gefallen. Genießen Sie Ihren Aufenthalt und vor allem Ihren Diplomatenstatus.“ Mit dem Wort Diplomatenstatus hatte der Chef bei Charlys Frau alle Bedenken zerstreut. Wer kam schon in den Genuss eines solchen Status, der im Grunde auch in Amerika zuließ, berühmte Menschen kennenzulernen. Sie lächelte ihren Gegenüber an und dankte ihm. Charlys Chef verabschiedete sich. „Halten Sie mich auf dem Laufenden. Ich erreiche Sie über die Botschaft in New York und einen guten Flug.“ Charly war sich nicht sicher, ob er Müller kontaktieren sollte, um ihn über die neuesten Ereignisse zu berichten. Er beschloss, es auf sich zukommen zu lassen.

„Unsere Freunde haben den Professor wieder beobachtet. Der Aufpasser wurde von der Polizei aufgehalten und kontrolliert. Einer der Männer nahm danach die Verfolgung wieder auf. Aber der hier, er zeigte ein Foto, auf dem Baumgartner zu sehen war, hat mit den Polizisten gesprochen. Wir haben ihn beschatten lassen. Er ist nach dem Vorfall direkt ins Innenministerium gefahren worden. Seinen Namen versuchen wir noch herauszufinden. Es scheint allerdings kein Polizist aus Wien zu sein.“ Özgün folgte den Worten Ismaels. „Wir müssen mehr wissen Ismael. Wenn dieser Mann wieder auftaucht, dann organisiert Du etwas. Ich denke, der hat Informationen, die für uns wertvoll sind. Vor allem dahin gehend, wer die Männer sind, für die er arbeitet.“ Ismael war sich des Befehls bewusst. Er hatte also freie Hand.

Müller war direkt ins Innenministerium gefahren. Er ging direkt in Röschs Büro. Ohne die Sekretärin zu beachten, die ihn aufhalten wollte, öffnete er die Türe und begann sofort und ohne Umschweife von Rösch eine Antwort zu fordern. „Was bilden Sie sich ein? Sie wissen, was hier abgeht und sorgen dafür, dass wir Alibi Halber die türkische Botschaft beobachten.“ Rösch schnappte förmlich nach Luft und winkte der Sekretärin, die Müller gefolgt war, das Büro zu verlassen. „Was wissen Sie?“, wollte er von Müller wissen. Müller erzählte von seinen Ermittlungen, ohne Namen zu nennen. Rösch staunte nicht schlecht darüber, was Müller alles wusste. „Herr Müller, Sie wissen mehr als ich“, war seine Reaktion darauf. „Wie, ich weiß mehr als Sie?“ „Sehen Sie Müller, nicht alles, was abläuft, geht über meinen Tisch, vieles bleibt bei den Staatssekretären oder Ministern unter vier Augen und wird nicht schriftlich fixiert. Aber das was Sie mir sagen, macht mit dem was ich weiß, langsam Sinn.“ Nun war es an Müller zu staunen. Rösch war also, genauso wie er nur ein Zahnrad im Getriebe. Rösch schrieb einen Zettel, den er Müller hinhielt. „Neun Uhr, Schmetterlingshaus am Burggarten.“ Müller nickte stumm. „Gut, dann wissen Sie jetzt Bescheid und ich überlege mir jetzt, mich mit meinen Leuten zurückzuziehen“, sagte er laut, denn er begriff, dass dieses Büro abgehört werden könnte. Auch Rösch nickte.

Müller ging in sein Büro. Da er gewarnt war, ließ er auch den Kollegen nur einen Zettel zukommen auf dem stand, das sie ihn beim Verlassen des Hauses beobachten sollten. Vor allem wollte er sie sensibilisieren, auf Verfolger zu schauen. Die beiden waren einigermaßen ungläubig, aber Müller nahm seinen Zeigefinger und führte diesen zum Mund. Somit war auch den beiden klar, dass es vermutlich Mikrofone in den Räumlichkeiten gab.

Die Männer, die Ismael auf Baumgartner und seinen Kollegen angesetzt hatte, konnten Begner nicht fotografieren. Die Scheiben dessen Dienstfahrzeug verhinderten das bisher. Nur Ismael wusste, dass es innerhalb der Kaserne einen Mann gab, der sie informierte. Dieser hatte bereits am Morgen Ismael informiert und ihm mitgeteilt, dass man den Professor in eine andere Wohnung verlegen wolle. Auch sein Forschungslabor sollte in den nächsten Tagen in eine andere Kaserne transportiert werden. Vor allem nachts, damit niemand den Umzug bemerken sollte. Ismael informierte Özgün darüber. Dieser griff zum Telefon und rief eine Geheimnummer an. Sein Wissen teilte er dem Mann am anderen Apparat umgehend mit. Dieser bestätigte mit einem Codewort und legte auf. Özgün grinste. Diese Information alleine hatte seinen Kontostand um 10.000 Euro angehoben. Er war zufrieden, denn wenn sein Deal klappte, dann wollte er erst einmal ausgiebig Urlaub machen. Er gab Ismael den Auftrag einige Männer zu sammeln und den Polizisten in seine Gewalt zu bringen. Sie sollten bis zum späten Abend diese Angelegenheit erledigt haben.

Während Müller das Innenministerium verließ, telefonierte er mit Begner. „Gerhard, ich möchte Dich gegen Mittag im Restaurant Palmengarten, beim Schmetterlingshaus sehen. Bitte ruf Planner und Strobl an. Auch die sollen dort erscheinen. Lass Baumgartner mit dem Wagen vor der Kaserne stehen. Ich denke, der Professor ist das erste Ziel.“ Ohne auf Gerhards Reaktion zu warten, drückte Müller die Taste seines Handys um das Gespräch zu beenden. Mit einigen Umwegen erreichte er das Schmetterlingshaus kurz vor neun Uhr. Er löste eine Eintrittskarte und ging hinein. Seine beiden Salzburger Kollegen taten das ebenfalls, blieben aber so gut es ging im Hintergrund.Rösch trat hervor und ging auf Müller zu. „Hören Sie Müller, ich weiß nicht, welche Sauerei sich abspielt, aber ich habe das Gefühl, wir werden von den Politikern als Spielbälle benutzt. Das, was Sie mir heute sagten, wusste ich alles nicht. Glauben Sie mir, ich bin genauso überrascht wie Sie.“ Müller beobachtete Rösch. Er sah, dass der Mann nicht log. „Was meinen Sie Rösch, was weiß Leiringer?“ „Leiringer? Gute Frage, ich denke, er ist auch nicht informiert, obwohl er in leitender Funktion ist. Aber sagen Sie, woher wissen Sie das alles?“ Müller überlegte wieder kurz. „Auch ich habe Freunde und Quellen, aber je mehr ich mich dafür interessiere, desto mehr schottet man sich ab.“ Im selben Moment klingelte Müllers Handy. Er sah sich die Nummer an, kannte diese nicht, aber da diese nicht unterdrückt war, hob er ab. Er erkannte die Stimme und hörte zu, da der Anrufer gleich gebeten hatte keine Namen zu nennen. „Pass auf, wir sind hier im Schmetterlingshaus. Komm vorbei, wir denken es ist wichtig. In zwanzig Minuten, ja, ist ok.“ Müller legte auf. „Rösch, jetzt wird es interessant. Bleiben Sie hier. Sie werden sich wundern.“ Rösch nickte zustimmend.

Charly kam ins Schmetterlingshaus. Müller stellte Rösch und Charly vor. Charly kam ohne Umschweife zum Kern. „Stellt Euch vor, ich werde ab morgen für ein Jahr nach Amerika abgeschoben. Anscheinend ist die Angelegenheit hier so heiß, dass jedes Nachfragen unterbunden wird.“ „Das passt zu unseren Erkenntnissen“, sagte Rösch. „Ich hatte auch wieder jede Mühe meine Verfolger abzuschütteln, aber einem alten Fuchs wie mir gelingt das ohne Aufsehen. Ich wollte Dich oder Euch nur warnen. Diese Geschichte stinkt bis zum Himmel. Nehmt Euch in acht, da sind Mächte am Werk, die schrecken vor nichts zurück. Vor allem setzt man Euch zur Beobachtung der türkischen Botschaft ein. Diese Beobachtung ist aber völlig uninteressant, da sich der gesuchte Mann in der Handelsabteilung der Türken versteckt und von da seinen krummen Geschäften nachgeht.“ Charly hatte damit Müllers Wissen bestätigt. Müller, der bisher nur zugehört hatte, nahm Charly in den Arm. „Entschuldige, dass ich Dich hier mit hineingezogen habe.“ „Nein“, sagte Charly, „Das geht in Ordnung, denn es zeigt mir, das wir schon lange nicht mehr Herr im Haus sind. Es ist nur noch eine kleine Elite, die regiert und Geschäfte macht. Alle anderen, egal ob wir oder der Bürger, sind nur die Idioten in diesem System. Hubert, mach es gut, ich melde mich aus den USA.“ Sie schüttelten sich die Hand, Charly ging von den beiden. Irgendwie hatte Müller ein schlechtes Gefühl beim Abschied. Er sah auf die Uhr, es war kurz vor zwölf. Seine Leute mussten schon in der Nähe sein. „Gut Rösch, wollen Sie mitkommen, ich treffe meine Leute gleich hier ums Eck zu einer Besprechung?“ „Ja gerne, ich habe sowieso Mittag und im Büro vermisst mich niemand.“ Die beiden gingen zum Palmenhaus.

Ismaels Leute konnten beobachten, wie Begner das Auto verließ und zur Bushaltestelle gegenüber am Kasernentor ging. Sie machten Bilder von ihm, und hatten mehrmals Glück, dass er sich in ihre Richtung wandte. Sie sahen, wie er mit dem Bus abfuhr und meldeten das ihrem Chef. Dieser sah die Chance gekommen, ging zu Özgün, sodass die beiden einen kleinen Plan entwickeln konnten. Sie beorderten ein zweites Fahrzeug, einen Lieferwagen zur Kaserne. Als das Fahrzeug vor Ort war, stellten die Türken ihre Autos so hin, dass für einen kurzen Augenblick die Sicht von der Kaserne zu Polizeiwagen versperrt war. Noch bevor Baumgartner es wahrnehmen konnte, war er im Lieferwagen. Diese Entführung ging so schnell vonstatten, dass keine Gegenwehr für ihn möglich war. Im Lieferwagen sah er nur noch das weiße Tuch auf ihn zukommen. Der unangenehm süßliche Geruch des Chloroforms, den er noch kurz wahrnahm, raubte ihm aber in Sekunden die Sinne und er war betäubt. Die beiden Autos fuhren weg, niemand in der Kaserne hatte etwas bemerkt.

Müllers Chef und Helga machten sich Sorgen. Es war nicht Müllers Art sich nicht zu melden. Komischerweise hatten sie auch Müller und keinen der anderen Kollegen erreicht. Die beiden saßen mit Kathi im Büro zusammen und aßen ein Stück Kuchen. „Wie, Ihr habt nichts von Hubert und den anderen gehört?“, fragte Kathi ganz aufgeregt. Sie war es mittlerweile gewohnt alle im Büro zu duzen und jeder ließ es über sich ergehen. „Nein Kathi, das macht uns ja auch stutzig.“ „He Opa Ernst, das geht nicht, da muss doch was passiert sein. Selbst Gertschi (wie sie Begner liebevoll nannte) meldet sich doch normal bei mir. Ich habe das Telefonat ja auch schon vermisst, aber gar nichts zu hören…“, ließ sie den Satz unausgesprochen enden. „Was meint Ihr? Morgen ist Samstag, sollen wir nach Wien fahren und den Jungs einen Besuch in der Pension abstatten?“, fragte nun Maier, der Leiter der SOKO. „Helga, bitte sag ja, ich mache mir Sorgen“ hing Kathi schon an Helga. „Gut, meine Kleine, wir werden einen Tagesausflug machen. Allerdings sollten wir früh fahren, damit wir die Bande in der Pension erwischen und dort mit ihnen Frühstücken können.“ Kathi war nun vollends aufgedreht: „Super, aber wir sagen keinem was, es soll eine Überraschung werden, bitte.“ Sie versprachen es Kathi. Abfahrt sollte um vier am Morgen sein. Maier versprach, die beiden pünktlichst abzuholen.