Sometime Voices -  - E-Book

Sometime Voices E-Book

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Beschreibung

Der Band versammelt die Beiträge des Symposiums für und mit George Benjamin «Sometime Voices» unter der Leitung von Hans-Klaus Jungheinrich im Rahmen von «Auftakt 2011» der Alten Oper Frankfurt. George Benjamin zählt in England, zusammen mit Thomas Adès, zu den namhaftesten Komponisten seiner Genera­tion. Der 1960 geborene Komponist, der auch als Dirigent wirkt und seinen Wohnsitz in seiner Heimatstadt London hat, ist «ein Kos­mopolit mit Bodenhaftung».

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Seitenzahl: 167

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Hans-Klaus Jungheinrich (Hg.): Sometime Voices

 

edition neue zeitschrift für musik

Herausgegeben von Rolf W. Stoll

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Bestellnummer SDP 93

ISBN 978-3-7957-8641-0

© 2015 Schott Music GmbH & Co. KG, Mainz

Alle Rechte vorbehalten

Als Printausgabe erschienen unter der Bestellnummer NZ 5030

© 2012 Schott Music GmbH & Co. KG, Mainz

www.schott-music.com

www.schott-buch.de

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlags. Hinweis zu § 52a UrhG: Weder das Werk noch seine Teile dürfen ohne eine solche Einwilligung kopiert und in ein Netzwerk gestellt werden. Das gilt auch für Intranets von Schulen oder sonstigen Bildungseinrichtungen

Mit alleiniger Unterstützung der FAZIT-Stiftung

(Frankfurter Allgemeine Zeitung und Frankfurter

Societäts-Druckerei) Frankfurt am Main

Umschlag: HJ Kropp unter Verwendung

zweier Fotos von Charlotte Oswald

 

Sometime Voices

Der Komponist George Benjamin

Symposion, 18. September 2011,

Alte Oper Frankfurt am Main

Herausgegeben von

Hans-Klaus Jungheinrich

Vorwort

George Benjamin gehört zu den Komponisten, die in Deutschland erst noch zu entdecken sind. Für das erste ihm hierzulande gewidmete Symposium in der Alten Oper Frankfurt zeigte er also von Anfang an lebhaftes Interesse. Und vor allem in der (teilweise und seinerseits ganz englisch geführten) Schlussdiskussion beteiligte er sich mit einer freundlich-prägnanten Eloquenz, die seine bestechende Intelligenz ebenso dokumentierte wie eine unprätentiöse, auf selbstbewusste Art bescheidene Haltung. Benjamin (Jahrgang 1960) wäre durchaus in dem Alter, den gestandenen Meister hervorzukehren; Posen aller Art hat er indes nicht nötig. Auskünfte gibt er besonders gerne gesprächsweise – ein ganzer Band mit Gesprächen wurde auf Französisch ediert. Auch in Spanien gab es bereits ein musikwissenschaftliches Symposium in Sachen George Benjamin. In England zählt er, zusammen mit Thomas Adès, sowieso zu den namhaftesten Komponisten seiner Generation. Benjamin hat seinen Wohnsitz in seiner Heimatstadt London. Ein Kosmopolit mit Bodenhaftung. International ist auch George Benjamins Dirigententätigkeit.

Irgendwie gehört England aus der mitteleuropäischen Perspektive noch nicht ganz zu den musikkulturellen Kernregionen. Die kompositorischen Leitlinien der vergangenen sechzig Jahre wurden zwischen Paris, Köln, Darmstadt, Warschau und vielleicht Amsterdam, Mailand und Wien gezogen. Die vergleichsweise Exterritorialität Englands erlaubt den Jüngeren dort anscheinend eine unbefangenere Produktivität. Die Vätergeneration, für Leute wie den 1952 geborenen Wolfgang Rihm immerhin noch eine «gesetzgeberische» Drohung, hatte auf den britischen Inseln kein volles Gewicht. Wenn die englischen «Väter» eine so milde Aura hatten wie Peter Maxwell Davies, Harrison Birtwistle oder gar der frühverstorbene (und ohnedies jungenhaft gebliebene) anarchistische Kauz Cornelius Cardew, hielt sich die Einschüchterung bei den Nachgeborenen in Grenzen. Anders als auf dem Kontinent, wo die Tonsetzer im Alter zwischen Lachenmann und Rihm ungern öffentlich ihre Genealogie über die dem Zunftprestige förderlichen Pioniere der Moderne hinaus nach hinten verlängern, beruft sich Benjamin locker auch auf seine Verehrung für Delius, Elgar, Britten und Tippett; und natürlich auch auf Sibelius, der im Angelsächsischen so viel mehr gilt als leider in Deutschland (auch da lenkt der tonsetzerische Professionalismus Benjamins Liebe: Sie knüpft sich an Avanciertestes wie Tapiola, die 4. und 7. Symphonie).

Das Vorurteil (eine Größe, die gelegentlich in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit gerät) misst der englischen Komponierästhetik so etwas wie Konzilianz, Rücksicht auf den common sense, Moderatheit und Pragmatismus zu. Nicht alles, aber einiges davon wäre auch bei Benjamin zu konstatieren, dem markante Indizien «deutschen» Komponierens der jüngeren Vergangenheit abgehen: Hang zu Riesenformaten (Stockhausen, von Schweinitz), zum Ultimativ-Unüberholbaren (Lachenmann), zu «letzten Symphonien» (Rihm, Trojahn). Klangsensualismus, distinkter Formsinn, Klarheit und Transparenz – mit diesen Eigenschaften könnte Benjamin gar als ein typischer musicien français reklamiert werden. Wiederholte lange Studienzeiten in Frankreich (bei Messiaen und Boulez) nähren eine solche Vermutung zusätzlich. Doch Benjamin wehrt eher ab: Er sieht sich, auch als Polyphoniker und Melodiker, auf einem ganz eigenen Wege. Er offenbart sich auch nicht auf Anhieb als «englisch». Betrachtet man etwa ein Stück wie das Orchesterwerk Dance Figures, dann bemerkt man eine dem Habitus Brittens völlig konträre Strenge der Faktur, ein gehärtetes Klangbild und eine dezidierte Ruppigkeit, die mehr auf den Strawinsky des «Sacre» oder auf das Sperrigste von Bernd Alois Zimmermann verweisen. Der ballettöse Titel darf nicht mit Degas, allenfalls mit Oskar Schlemmer assoziiert werden.

Ausgewogen und wohl proportioniert erscheinen nicht nur die einzelnen Werke (in deren auffallend apollinischer Gestalt beträchtliche dionysische Energien geborgen sind, gleichsam anmutig konfigurierte Sprengsätze), sondern auch das Œuvre insgesamt, in dem sich von Texten inspirierte, mit Vokalität umgehende und textfreie Kompositionen annähernd die Waage halten. «Stimme» ist ein diese beiden Musikspähren verbindendes Zauberwort, und das Shakerspeare-Motto «Sometime Voices» bot sich daher ganz von selbst als Generaltitel der Veranstaltung (und dieses Buchs) an. Der Fächer der hier versammelten Beiträge spiegelt diese Proportionierung wider, wenngleich immer einmal, auch in anderen Kontexten, das vokale Element hineintönt – und das magische «Sometime Voices» setzte sich auch auf die Weise überraschend durch, dass das kleine Opus dieses Namens (es lässt sich schwer in ein Genre einordnen – ist es eine Kantate, ein Instrumentalwerk mit obligaten Stimmen, gar ein Mini-Drama?) mehrmals ausführlicher untersucht wurde und an noch weiteren Stellen ebenfalls auftaucht.

30. Dezember 2011

Hans-Klaus Jungheinrich

 

Inhalt

Vorwort

Zum Problem der Semantik in der Musik George Benjamins

Wolfgang Sandner

Make No Noise

Diskrete Formstrategien bei George Benjamin

Hans-Klaus Jungheinrich

Palimpseste

Mehrschichtige Disposition in Werken George Benjamins

Julia Cloot

Vokalmusik als imaginäres Theater

George Benjamins Werke für Stimmen und für die Bühne

Hartmut Lück

Written on Skin

Marie Luise Maintz im Gespräch mit George Benjamin

Marie Luise Maintz/George Benjamin

Ein kurzer Flirt mit Folgen

George Benjamins Auseinandersetzung mit Elektronik

Reinhard Kager

Britannia non cantat?

Hinweise zur Vokalität George Benjamins

Max Nyffeler

LICHT

Klangmetaphern in George Benjamins Werken

Marie Luise Maintz

«Meistens ein Kampf, manchmal ein Vergnügen»

Schlussdiskussion über musikalische Arbeit mit George Benjamin

AutorInnen

Zum Problem der Semantik in der Musik George Benjamins

Wolfgang Sandner

Eingangsreferate mit einer allgemeinen Thematik haben es bei einem wissenschaftlichen Symposium leicht. Man erwartet von ihnen, zumal wenn sie das Wort «Problem» im Titel tragen, eher eine Begriffsklärung, sachlich dürfen sie im Ungefähren verweilen, die Beweislast liegt ohnehin in den Händen der folgenden Spezialisten. Und sie dürfen straffrei, gewissermaßen als biografisch-sozialen Rahmen, außermusikalische Faktoren anfügen, die man späteren Referenten schon aus dramaturgischen Gründen im Ablauf der Veranstaltung kaum so zugestehen würde.

Man kann sich vielleicht denken, dass die Aufgabe nicht so freimütig als vergleichsweise leicht apostrophiert wird, um Selbstverleugnung zu betreiben. Die Vorteile eines ersten Referats werden vielmehr deshalb erwähnt, weil sie nicht in so extensiver Weise in Anspruch genommen werden sollen. Es geht auch hier schon um eine Benennung, Beschreibung und kritische Bestandsaufnahme jener kompositorischen Zeichen, Gesten und Symbole im Werk George Benjamins, aus denen sich so etwas wie Stilkriterien – oder sagen wir lieber: Erkennungsmerkmale – ergeben. Wenn sich daraus erklären lässt, welche Bedeutung George Benjamin als Tonsetzer unserer Zeit zukommt, umso besser.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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