Sommergras 117 -  - E-Book

Sommergras 117 E-Book

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Beschreibung

SOMMERGRAS ist die alle drei Monate erscheinende Zeitschrift der Deutschen Haiku Gesellschaft (DHG). Die Ausgabe 117 (Juni 2017) enthält ausgewählte Haiku, Tanka, Haiga, Haibun, Tan-Tenga und Kettengedichte der Mitglieder, Buchrezensionen, einen interessanten Aufsatz zu den Grundbausteinen des Haiku (Serie), die Vorstellung der Gewinner des Frühlingskukai und einen Aufruf zum Haiku-Dichten zu einem Foto.

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Seitenzahl: 75

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Deutsche Haiku-Gesellschaft e.V.

Die Deutsche Haiku-Gesellschaft e.V.1 unterstützt die Förderung und Verbreitung deutschsprachiger Lyrik in traditionellen japanischen Gattungen (Haiku, Tanka, Haibun, Haiga und Kettendichtungen) sowie die Vermittlung japanischer Kultur. Sie organisiert den Kontakt der deutschsprachigen Haiku-Dichter/-innen untereinander und pflegt Beziehungen zu entsprechenden Gesellschaften in anderen Ländern. Der Vorstand unterstützt mehrere Arbeits- und Freundeskreise in Deutschland sowie Österreich, die wiederum Mitglieder verschiedener Regionen betreuen und weiterbilden.

1Mitglied der Federation of International Poetry Associations (assoziiertes Mitglied der UNESCO), der Haiku International Association, Tôkyô, der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V., Leipzig, Ehrenmitglied der Haiku Society of America, New Orleans.

Anschrift

Deutsche Haiku-Gesellschaft e. V., z. Hd. Stefan Wolfschütz, Postfach 202548, 20218 Hamburg

Info/DHG-Kontakt und Redaktion

Vorstand:

Claudia Brefeld, Auf dem Backenberg 17, 44801 Bochum, Tel.: 0234/70 78 99, E-Mail:

[email protected]

E-Mail:

[email protected]

Redaktion

Eleonore Nickolay, 78, Avenue du Général Leclerc, F-77360 Vaires sur Marne, Tel.: 0033/160202350, E-Mail:

[email protected]

Kassenwartin

Petra Klingl, Wansdorfer Steig 17, 13587 Berlin, Tel.: 030/5618694, E-Mail:

[email protected]

---

Peter Rudolf, Gartenweg 6, CH-4143 Dornach, Tel.: 0041/617021895, E-Mail:

[email protected]

Website

Stefan Wolfschütz, Curschmannstraße 37, 20251 Hamburg, Tel.: 040/477965, E-Mail:

[email protected]

Brigitte ten Brink, Kelhofstr.1, 78465 Konstanz, Tel.: 07533/998722, E-Mail:

[email protected]

Internationale Kontakte

Klaus-Dieter Wirth, Rahserstraße 33, 41747 Viersen, Tel.: 02162/12243, E-Mail:

[email protected]

Redaktion Öffentlichkeitsarbeit

Sowie:

Simone K. Busch, E-Mail:

[email protected]

Dr. Beate Wirth-Ortmann, E-Mail:

[email protected]

Bankverbindung:

Landessparkasse zu Oldenburg, BLZ 280 501 00, Kto.-Nr. 070 450 085 (BIC: SLZODE22XXX IBAN: DE97 2805 0100 0070 450085)

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

das NABU Gut Sunder – diesmal ein Ort der besonderen Art für unsere DHG-Mitgliederversammlung am 30. April – bereicherte unser Treffen mit Sonnenschein und Vogelchor. So übernahm die Natur das Beiprogramm und lockte mit attraktiven Angeboten. Ob gleich nach Ankunft, vor dem Frühstück oder auch zwischendurch: Die Umgebung lud zu Erkundungstouren ein.

Der Mitgliederversammlung – Kerngeschehen des Ganzen – wurde diesmal bewusst viel Zeit eingeräumt, und alle Teilnehmer nutzten sie und brachten viele konstruktive Anregungen und Vorschläge ein, wovon auch das SOMMERGRAS profitiert. Nach den ersten formalen Tagesordnungspunkten gab es einen Wehmutstropfen, denn Georges Hartmann, ein Urgestein der DHG, wurde als Vorstandsmitglied verabschiedet. Ich bin mir sicher, dass er hin und wieder virtuell durch die Vorstandszimmertür hereinblinzeln wird, um bei Bedarf mit seinen langjährigen Erfahrungen auszuhelfen. Die Neuwahlen brachten dann ein überraschend erfreuliches Ergebnis: Die DHG hat einen neuen siebenköpfigen Vorstand! Claudia Brefeld, Brigitte ten Brink, Petra Klingl, Eleonore Nickolay, Peter Rudolf, Klaus-Dieter Wirth und Stefan Wolfschütz.

Die kommenden zwei Jahre werden also von vielen zupackenden Händen und kreativen Köpfen begleitet.

Und ein Ort für das nächste DHG-Treffen ist auch schon anvisiert: NABU Berlin.

Sie merken es schon? Die DHG bleibt in Bewegung!

Ich wünsche allen Lesern erholsame Sonnenscheinmomente – und kommen Sie gut durch den Sommer!

Ihre Claudia Brefeld

(Protokoll und Berichte der MV legen wir dem SOMMERGRAS 118 bei)

Inhalt

EDITORIAL

HAIKU-KALEIDOSKOP

Klaus-Dieter Wirth: Grundbausteine XXIX des Haiku – Symbol

Eleonore Nickolay: Französische Ecke

Jean-Claude Lin: Annäherungen an die Kunst des Haiku

Stefan Wolfschütz: DHG Frühlingskukai

Ellen Althaus-Rojas: Haiku meets Heidelberg – Haiku gegen den Rassismus

Rückmeldungen zu „Entstehung eines Haiku“ (SG 115)

Rita Rosen: Zufälle

Sylvia Bacher, Joachim Gunter Hammer, Brigitte ten Brink und Traude Veran: Ein Rilke-Projekt

Aufruf: Ein Haiku zu einem Foto

Ziehende Wolken und Apfelblüte

LESERTEXTE

Ausgezeichnete Werke

Haiku- und Tanka-Auswahl

Mitgliederseite

Haiga: Kerstin Hirsch

Haibun

Tan-Renga

Rengay

Kettengedichte

HAIKU UND TANKA AUS DEM INTERNET

Haiga: Hans Jürgen Göhrung

REZENSIONEN

Klaus-Dieter Wirth: Mondlicht zündet die Stimmung an von Christa Beau

Ramona Linke: NICHTS von Sonja Raab

Haiga: Claudia Brefeld und Ruth Wellbrock

Stefan Wolfschütz: Haiku-Förmchen von Rainer Randig

Stefan Wolfschütz: Sinnliche Holdseligkeit von Gerhard A. Spiller

Thorsten Ladda: etwas Gelbes von Gabriele Hartmann

Matthias Budde: etwas Gelbes von Gabriele Hartmann

Haiga: Gabriele Hartmann

LESERBRIEFE

Haiga: Silvia Kempen

BERICHTE

Beate Wirth-Ortmann: Nein, die gute alte Salon-Kultur ist nicht tot

Petra Klingl: Die DHG auf der Leipziger Buchmesse

MITTEILUNGEN

Haiku-Kaleidoskop

Klaus-Dieter Wirth

Grundbausteine des Haiku (XXIX)

dargestellt an ausgewählten Beispielen

Symbol

Zudem sind die Grenzen zur Metapher und zur Allegorie bisweilen fließend. Nehmen wir zur Veranschaulichung als Beispiel die abstrakte Vorstellung „Liebe“. Als Metapher würde man sie etwa als „brennendes Herz“ bezeichnen, offensichtlich eine Verknüpfung von Begriffen in einem uneigentlichen Zusammenhang. Als Allegorie würde das Gemeinte rational willkürlich gesetzt, tatsächlich dargestellt als „Gott Amor“ erscheinen. Als Symbol hingegen würde „Herz“ allein schon die angestrebte Stellvertreterrolle erfüllen. Kennzeichnend für das Sinnbild ist seine besonders eindringliche Gefühlswirkung, künstlerische Kraft, sein weitgespannter Bezugskreis. In der Gestaltung des Einzelnen, Besonderen scheint ein nicht ausgesprochenes Allgemeines hindurch, das ein geheimnisvolles Undarstellbares hinter der sinnlichen Erscheinungswelt erahnen lässt, gewissermaßen ein Bild als andeutender Ersatz mit seelischem Gehalt.2

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „ein Symbol

meist ein konkreter Gegenstand ist, der

für eine abstrakte Sache steht und

beim Empfänger eine Assoziation auslöst. Symbole entstehen vor allem

durch Wiederholungen, wobei sie in der Regel

nicht von sich aus auf das Gemeinte verweisen, aber

sehr oft etwas damit zu tun haben, weil sie ein Teil des Gemeinten oder eng damit verbunden sind.“

3

Mit Bezug auf das Haiku sieht der französische, vom Strukturalismus ausgehende Literaturwissenschaftler Roland Barthes4 allerdings ein grundsätzliches Problem, eine nämlich gerade dieser Gedichtform unangemessene Leseweise, sobald das darin beschriebene Ereignis – meist eine Naturerscheinung – rein symbolisch verstanden wird. Indem man in diesem Falle einen darüber hinausgehenden Sinn unterstelle, werde das Mittel mit dem Zweck verwechselt.

Hisaki Hashi5, eine Universitätsdozentin für komparativ-philosophische und interdisziplinäre Forschungen in Wien, legt dagegen der Bedeutung des Symbols für das Haiku eine umfassendere, ja fundamentale Wertigkeit dadurch bei, dass sie die drei folgenden Kriterien als ausschlaggebend für ein überzeugendes Ergebnis nennt:

die Art und Weise der Subjekt-Objekt-Darstellung bei rechter Vereinigung der Seele des Autors mit den Impulsen des Gegenstands,

eine gelungene, hochsensible Symbolik,

die Aussagekraft eines ästhetisch-kunstphilosophischen Kosmos bzw. Mikrokosmos.

Hier nun eine internationale Haikuauswahl mit Betonung des Aspekts Symbol:

on a barren branch

a raven has perched –

autumn dusk

Matsuo Bashô

(Trans. W. J. Higginson)

Abend im Herbst.

Auf einem dürren Ast

hockt eine Krähe.

(Übers. Dietrich Krusche)

subdued sound

is my life –

autumn coming close

Katô Ikuya (Trans. Itô Isao)

ein verhaltener Laut

so mein Leben –

heran rückt der Herbst

cherry blossoms scatter –

my life too is heading

downhill

Kobayashi Issa

(Trans. David G. Lanoue)

Kirschblütenfall –

auch mein Leben ist auf dem Weg

nach unten

No word each other

with the neighbor

drinking ice tea

Hirofumi Kataoka (JP)

Kein Wort miteinander

Eisteetrinken

beim Nachbarn

The end of February

rain forecast

only for the day of the exam

Takako Matsui (JP)

Februarende

Wetterprognose Regen

nur für den Prüfungstag

suspended

on a cobweb

your long absence

Michiko Murai (JP)

aufgehängt

in einem Spinnennetz

deine lange Abwesenheit

Kinderklinik –

die gelben Malstifte

aufgebraucht

Claudia Brefeld (DE)

vorm Hochzeitstor

zusammengeschlossen

zwei Fahrräder

Roswitha Erler (DE)

auf dem Weg zu dir

das Zittern

der Brücke

Gerda Förster (DE)

Stolpersteine

die verschrammten Namen

der Getretenen

Gabriele Hartmann (DE)

Nebeltage

Großmutter streichelt

die eigene Hand

Diana Michel-Erne (CH)

Neuschnee

keine Spuren mehr

zwischen uns

Angelica Seithe (DE)

na de les

wat losser opgerold –

meditatiematjes

Bouwe Brouwer (NL)

nach dem Unterricht

etwas legerer aufgerollt

Meditationsmatten

vanuit zijn ziekbed

ziet hij hoe aan de einder

de zon ondergaat

Fred Flohr (NL)

von seinem Krankenbett

sieht er, wie am Horizont

die Sonne untergeht

tweede ontmoeting –

zij zet haar fiets vast

aan de zijne

Angeline Jansen (NL)

zweites Treffen –

sie stellt ihr Fahrrad direkt

an seins

Het is Paasochtend

en nog duister. Een lijster

lokt licht uit de nacht.

Bart Mesotten (BE)

Es ist Ostermorgen

und noch düster. Eine Drossel

lockt Licht aus der Nacht.

In de winterzon

een man met zijn maîtresse

schaatsend op dun ijs.

Frans Terryn (BE)

In der Wintersonne

ein Mann mit seiner Geliebten

Schlittschuh laufend auf dünnem Eis.

Nog één blad aan de tak

achter het ziekenhuisraam –

maar hoelang nog?

Annelies Tock (BE)

Noch ein Blatt am Zweig

hinter dem Krankenhausfenster –

doch wie lange noch?

loneliness –