Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Marie, eine junge Frau, Ende dreißig, körperlich kräftig und voller Tatendrang, will Dinge mit brachialer Gewalt durchsetzen und verändern. Nicht nur, dass sie die meterhohe Blautanne im hauseigenen Garten fällt, ihr Wohnzimmer verwüstet, mitten auf der Kreuzung aus dem Auto springt, fast zur Millionärin wird und sich von der Polizei erwischen lässt, nein, sie hat noch viel mehr auf Lager. Aber soll sie alles schon vorher wissen können?
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2016
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Inga Droemer
Sommerlichter
Was eine Erinnerung hinterlässt, ist nicht umsonst geschehen
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Sommerlichter
Was eine Erinnerung hinterlässt, ist nicht umsonst geschehen
Es gibt Dinge, die man schon bereut, ehe man sie tut. Und man tut sie doch. Friedrich Hebbel
Die Gedanken der Kinder
Der Streit im Auto und seine Folgen/ Die Hälfte aller Fehler entstehen dadurch, dass wir denken, wo wir fühlen sollten und das wir fühlen, wo wir denken sollten. John Churton Collins
Der unvergessene Einkauf und überhaupt.....
„Man soll Männer nehmen, wie sie sind ---aber nicht so lassen“
Der Lottoschein oder die Lachnummer
Wenn zwei vom Gleichen sprechen, ist das noch lange nicht das Selbe
Marie,Marie!
Das Wurfzelt
Die Autorin
Impressum neobooks
Inga Drömer
Sommerlichter
Was eine Erinnerung hinterlässt, ist nicht umsonst geschehen
Klappentext
I N G A D R O E M E R
heitere Kurzgeschichten zum Schmunzeln, aber nicht für jedermann, nur für den, der ein bisschen Spaß versteht …..
Marie, in den Fünfzigern geboren, aufgewachsen in einer 911 Seelengemeinde, hat schon lange ihr heimatliches Nest verlassen und sich ein Eigenes gebaut. Sie ist kein bisschen leiser, plaudert witzig vergnügt drauflos, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Jeder hört ihr gerne zu, wenn sie auf ihre ganz eigene Art aus ihrem Leben berichtet, sich selbst auf die Schippe nimmt, lächelnd über die eine oder andere „nette Begebenheit“ der unterschiedlichen Geschlechter sinniert und dabei unterhaltsam lustig und ein bisschen verrückt aus jeder ihrer Erinnerungen eine muntere, unterhaltsame Geschichte zaubert. Sie liebt es, Menschen zu unterhalten, sie wegzulocken vom Alltagsstress und einfach Freude zu bereiten.
Als Marie noch eine junge Frau war, so Ende dreißig, körperlich kräftiger als heute und voller Tatendrang, sich sozusagen in der Blüte ihres Lebens befand, wollte sie noch Dinge mit brachialer Gewalt durchsetzen und verändern und zwar sofort, am besten gleich und nicht erst später. Nein! Genau in diesem Moment! Eine spontane Zwillingsfrau, das war sie immer schon, und fast alle liebten sie für ihre plötzlichen Ideen. Meistens jedenfalls! Niemand wusste, was ihr im nächsten Augenblick wieder einfallen würde. Sie wusste es ja selber nicht, merkte es oft erst während des Tuns, wenn quasi das Kind schon im Brunnen lag. Aber sie konnte dann auch diesem Moment immer noch etwas Positives abgewinnen --- eine sogenannte Lernaufgabe, denn daraus bestand ja unser ganzes Leben. Sollte sie alles schon vorher wissen können? Nein, sie musste sich ausprobieren. Der Alltag mit Marie wurde niemals langweilig. Schmunzelnd beginnt sie zu erzählen.......
„Schon seit langem war mir unsere riesengroße Blautanne im Garten ein Dorn im Auge. Sie stand als Dritte neben zwei weiteren Tannen in einer Reihe. Vor vielen Jahren hatte ich sie mal als ganz kleine Tannenbäumchen gekauft, jede von ihnen passte mit ihrem Wurzelballen einzeln in mein Fahrradkörbchen, so zierlich waren sie damals. Wir pflanzten diese Winzlinge parallel zur Straße, aber meterweit auseinander in Richtung Süden, ohne zu überlegen, wie gewaltig solche Bäume über die Jahre werden können.
Jahr für Jahr wuchsen sie so geschwind in die Höhe und in die Breite, dass sie sich unbemerkt mit ihren Zweigen näherten und ihre Kronen immer höher in Richtung Himmel ragten. Als Sichtschutz waren diese immergrünen Riesen perfekt, aber mir nahmen sie jegliche Sonnenstrahlen, die ich so dringend für mein Wohlbefinden im Sommer brauchte. Was war so ein schöner heißer Sommertag mit Erdbeertorte und Schlagsahne auf der Terrasse im Schatten? Meine Rosen wollten nicht mehr blühen, das Licht, die Wärme und die Sonne fehlten ihnen, genau wie mir. Ich hatte nur noch Gänsehaut und schlechte Laune. Mir standen meine Haare zu Berge, so fror ich in meinem Bikini. Woanders plantschten die Kinder im Wasser und ich lag auf meiner teuren Teakholzliege mit Sonnenbrille im Schatten. Mein Mann liebte es, unter einem Baum im Halbdunkeln zu liegen und in Ruhe zu lesen. Verständlich! Aber ich nicht! Im Gegenteil! Ich putschte mich immer mehr hoch, zog und schleppte mit meiner schweren Holzliege ständig hin und her, bis in die äußerste Ecke unseres Gartens, um wenigstens dort ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Das musste sich ändern.
Eine Tanne musste weichen. Ich wusste auch schon genau, welche es werden sollte, die schöne Blautanne mit ihren dunkelgrünen stachligen Nadeln. Immer und immer wieder hatte ich meinen Mann gebeten, sie mir zu Liebe zu fällen. Aber der hatte taube Ohren, dachte nicht im Traum daran. Jeder Zweig war ihm wichtig. Er merkte sogar, wenn ich mir für meine Weihnachtsdekoration einen kleinen davon abgeschnitten hatte. Und so kam was kommen musste, ich beschloss die Fällung des Baumes allein. Genau! Ich musste nur auf eine passende Gelegenheit warten.
Und die kam schneller, als ich dachte. Mein Mann war zu einem Wochenendseminar eingeladen. Noch während ich ihm winkte, als er im zweiten Gang mit dem Auto langsam wie immer aus unserer Straße fuhr, hatte ich gedanklich schon die Säge in der Hand.
Mit kurzen Hosen und Top betrat ich die Garage, suchte nach Handschuhen für mich und griff nach einer Handsäge. Ich überlegte noch ein Weilchen, ob ich es wirklich tun sollte. Aber worauf wollte ich warten? Die Blautanne würde doch immer größer werden, wenn ich tatenlos zusehen und nicht einschreiten würde. Ich musste es tun!
Voller Tatendrang kniete ich mich unter die Tannenzweige und begann augenblicklich, den ersten Schnitt in die Tanne zu sägen. Ich wollte die Säge hin und her ziehen, wie es die Brautpaare gewöhnlich nach der Trauung vor dem Standesamt tun, aber bei mir funktionierte es nicht. Gut, die Paare zogen und schoben gemeinsam und ihre Säge war auch viel größer als meine. Ich hatte so eine Kurze Unscheinbare mit kleinen Zacken und mit dieser blieb ich bei jedem Schnitt im Baum stecken, als würde die Last des Baumes ein Hin-und Hersägen verhindern. Ich musste mit aller Gewalt versuchen, sie immer und immer wieder aus dem Baum zu bekommen. Irgendwann steckte sie richtig fest. Ich wollte schon aufgeben, der Zweifel und die Enttäuschung kamen über mich. Aber wie sollte ich meinem Mann erklären, dass ausgerechnet seine Säge in unserer Blautanne steckte? Entmutigt und durchgeschwitzt krabbelte ich unter der Tanne vor. Ich überlegte und suchte nach einer Lösung.
Ich hatte mal was von einem Fällkeil und einer Fallrichtung gehört. Ich konnte ja gar keinen geraden Schnitt durch den Stamm sägen, ich musste versuchen, irgendwie einen Keil in den Baumstamm zu bekommen, damit er zur richtigen Seite in den Garten und nicht auf mich fallen konnte. Schließlich wollte ich den morgigen Tag noch erleben und unser Haus sollte nach der Fällung auch noch stehen. Also huschte ich wieder unter den Baum und mit enormer Kraftanstrengung gelang es mir, die Säge aus dem Baum zu bekommen. Sofort setzte ich sie schräg an und war begeistert über diese wesentlich leichtere Arbeitstechnik. Als hätte ich in meinem bisherigen Leben noch nie etwas anderes gemacht, sägte ich einen Keil in den Stamm und irgendwann, ganz langsam, mit einem gekonnten Schubser von mir, fiel der Baum in unseren Garten, samt weich federnd auf seine Tannenzweige.
