Weihnachtspfeffer - Inga Droemer - E-Book

Weihnachtspfeffer E-Book

Inga Droemer

0,0

Beschreibung

Marie, in den Fünfzigern geboren, aufgewachsen in einer 911 Seelengemeinde, behütet im Schoße ihrer geliebten Oma, plaudert witzig vergnügt aus ihrer Kinderstube, immer drauflos, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Jeder hört ihr gerne zu, wenn sie auf ihre ganz eigene Art den Wandel der Zeit bis hin zum Erwachsensein zelebriert, dabei flott und ein bisschen verrückt aus jeder ihrer Erinnerungen eine muntere, unterhaltsame Weihnachtsgeschichte zaubert. Und doch spürt man beim genaueren Zuhören einen emotionalen Knick in ihrer Stimme. War wirklich alles so rosarot?

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 69

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inga Droemer

Weihnachtspfeffer

Was eine Erinnerung hinterlässt, ist nicht umsonst geschehen

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Klappentext

Die Autorin

Widmung

Weihnachtspfeffer

Stromsperre

Der 24. Dezember

Weihnachtsschmaus bei meinen Schwiegereltern

...ein Jahr später in meinem Elternhaus

Oh Tannenbaum, O Tannenbaum....

Die Weihnachtszeit der Generationen

Weihnachten allein zu Haus

Die Weihnachtszaubernuss

Impressum neobooks

Klappentext

I N G A    D R Ö M ER

W E I H N A C H T S P F E F F E R

heitere Kurzgeschichten zum Schmunzeln und das nicht nur zur Weihnachtszeit

Marie, in den Fünfzigern geboren, aufgewachsen in einer 911 Seelengemeinde, behütet im Schoße ihrer geliebten Oma, plaudert witzig vergnügt aus ihrer Kinderstube, immer drauflos, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Jeder hört ihr gerne zu, wenn sie auf ihre ganz eigene Art den Wandel der Zeit bis hin zum Erwachsensein zelebriert, dabei flott und ein bisschen verrückt aus jeder ihrer Erinnerungen eine muntere, unterhaltsame Weihnachtsgeschichte zaubert.

Und doch spürt man beim genaueren Zuhören einen emotionalen Knick in ihrer Stimme. War wirklich alles so rosarot?

Die Autorin

ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr, hat sie doch mit ihren Gedichten

„Die Weihnachtszeit der Generationen“ sowie „Das Wurfzelt“ schon so manchen Leser zum Lächeln gebracht. Beide Gedichte wurden bereits in regionalen Zeitungen veröffentlicht.

In den Neunzigern nahm die Autorin am Fernstudiuman der " Schule des Schreibens in Hamburg" teil, seit dem ist es ihr Herzenswunsch, lustige aber besinnliche Kurzgeschichten zu schreiben und zu veröffentlichen.

Sie wurde im Juni 1958 in einem kleinen Dörfchen im Land Brandenburg geboren, wo sie bis heute gemeinsam mit ihrem Ehemann lebt und arbeitet.

Was eine Erinnerung hinterlässt, ist nicht umsonst geschehen

Das tägliche Leben schreibt ja bekanntlich die besten Geschichten.

Doch nur die Allerwichtigsten bleiben bei Jedem von uns im Herzen, in unserem Gedächtnis, so lange wir leben, da spielt keine Zeit der Welt eine Rolle. Jeder Mensch hat seine ganz eigenen Erinnerungen an sein ganz eigenes Leben.

Oft erinnern wir uns gar nicht mehr so genau an sie, haben sie absichtlich vergraben, verdrängt und weggeschoben, wollen sie nicht denken, nicht erinnert werden. Aber sie sind in uns, immer, schlummern geduldig in einer verschlossenen Schublade und können die Zeit abwarten.

„Wie war denn das damals eigentlich?“ überlegen wir eines Tages krampfhaft und blättern im Rückblick auf unser Leben die Seiten von hinten auf, sei es einem unvorhergesehenen Geistesblitz an eine besondere Begebenheit oder einem längst verstorbenen lieben Menschen geschuldet. Blitzartig, wie aus dem Nichts, sind sie plötzlich gegenwärtig, hauchen unseren Gedanken Leben ein, erscheinen ungefragt auf der Bildfläche und poltern in unser Leben hinein. Wir müssen uns setzten, unsere Augen füllen sich mit Tränen, sie erwachen für kurze Zeit noch einmal aus ihrem Schlaf und unsere Erinnerungen an sie werden wach und lebendig, als wären sie gestern noch unter uns gewesen. In solchen Augenblicken der Nähe ist der Mensch bereit, Erinnerungen zuzulassen, manches loszulassen, zu verstehen und über sie zu sprechen und nachzudenken, sei es dem Älterwerden oder einem anderen überraschend urplötzlichen Anlass zu verdanken.

Widmung

Wie oft im Jahr fällt mir, wie aus heiterem Himmel, blitzartig meine liebe Oma wieder ein. Dann erzähle ich voller Hingabe, begleitet von einer emotionsgeladenen Situationskomik, die schönsten Geschichten von ihr, halb lachend, halb weinend, egal wie, aber immer zu Tränen gerührt, weil ich sie so sehr vermisse.

„Wenn ich eines Tages nicht mehr bin, dann lebe ich in Dir weiter.“ So sagte sie im Älterwerden des öfteren zu mir. Sie war des Lebens müde geworden, aber ihr liebendes, vertrautes Lächeln behielt sie bis ins hohe Alter. Ihre strahlenden, stahlblauen, funkelnden Augen hatten schon vor langer Zeit ihren Glanz verloren. Meine liebe Oma war über die Jahrzehnte immer kleiner, krummer und hagerer geworden, ihre wenigen dünnen Haaren bedeckten am Ende nur noch knapp die helle Kopfhaut, ihre Rheuma geplagten Hände ruhten schon am Vormittag kraftlos in ihrem Schoß. Sie wirkte trotz allem zufrieden mit sich, schien mit ihrem Leben ganz im Reinen zu sein und ihr göttliches Urvertrauen nahm ihr jegliche Angst vor dem Tot.

In meiner ersten Geschichte möchte ich vor allem ihrer gedenken, aus dem behüteten Leben von meinem Bruder und mir, der Marie, berichten und dadurch die Zeit der Sechziger näher bringen. So viel hat sich bis heute verändert, fast lächerlich erscheint die eine oder andere niedliche Episode aus längst vergangener Zeit, doch ohne sie gäbe es keine Weiterentwicklung, keinen Fortschritt und keine Veränderung.

Weihnachtspfeffer

"Die Weihnachtszeit begann früher für uns Kinder, wenn es anfing zu schneien, die Nachttemperaturen unter minus zwanzig Grad Celsius sanken und es oft so kalt wurde, dass die Fensterscheiben zugefroren waren und wir am nächsten Morgen nicht mehr durchsehen konnten. Sogenannte Eisblumen hatten sich gebildet, Reifkristalle, die die gesamten Scheiben über Nacht in wahre Kunstwerke verwandelt hatten. Schien die Sonne darauf, waren sie bald wieder verschwunden, aber im Schatten blieben diese feinen, bizarren Gemälde aus Eis länger, faszinierend und einzigartig schön in ihren Mustern. Doch das war meinem Bruder und mir egal. Wir standen bei Oma im Wohnzimmer auf Zehenspitzen am Fenster, hatten spontan die Gardine zur Seite gezogen und hektisch gegen die Scheiben gehaucht, immer und immer wieder mit dem Handballen gerieben, bis wir endlich durchsehen konnten. Wir waren so dabei, dass wir fast den alten Krug mit den Eierschalen umgerissen hätten, der stand immer auf dem Fensterbrett und war für Oma`s Blumen der Dünger für die Alpenveilchen und für ihre Klivie.

Endlich konnten wir durch die Scheiben sehen. Schneeflocken tanzten vom Himmel auf die Erde nieder, manchmal erhoben sie sich noch einmal wegen eines kurzen Windstoßes, aber dann landete sie doch auf meterhohen Schneebergen direkt vor unserem Haus und verwandelten die sonst eher karge Aussicht in eine schimmernde Winterzauberwelt. Jedes Grashälmchen war steif gefroren, weiß ummantelt und von einer außergewöhnlich einzigartigen Schönheit.

Wir wollten schnell raus auf den Hof, drängelten uns zügellos und wild an Oma vorbei, liefen zur anderen Seite des Hauses die Treppe hinunter und schubsten uns schon wieder, weil jeder als Erster draußen sein wollte. Wir waren wie Hund und Katze. Von meinem jüngeren, achtjährigen Bruder mit seinem Igelhaarschnitt und den fetten Backen ließ ich mir sowieso gar nichts gefallen. Oma konnte uns gerade noch die dicken Sachen anziehen helfen, bevor wir wie die Eskimos bekleidet auf dem Schnee verwehten Hof standen. Eine Schneeballschlacht war nicht möglich, wir konnten auch keinen Schneemann bauen, der Pulverschnee rieselte wie Mehl durch unsere noch kleinen Hände hindurch, klebte nicht zusammen. Aber salben konnte ich meinen Bruder schon, ich war ja größer und stärker als er. Erst wenn er heulte, und Oma hektisch gegen die Fensterscheibe klopfte, hörte ich damit auf. Sein Gesicht war wenigstens gut durchblutet danach, puterrot, die Wimpern schneeweiß und sein Mund und die Nasenlöcher voller Schnee. Er sah schon lustig aus. Ich musste auf der Hut vor ihm sein, so verrückt wie ich ihn gemacht hatte, konnte ich mit einer Retourkutsche rechnen. Schnell lenkte ich ihn ab, zeigte mit den Händen auf die Eiszapfen, die sich über Nacht an den Dachrinnen gebildet hatten und bis zu einem Meter spitz und gefährlich herunterhingen.

Mit dem Schneeschieber versuchten ich vorsichtig, einige von ihnen abzuschlagen. Die Erste war natürlich für mein Bruderherz als kleine Wiedergutmachung von mir für ihn gedacht. Gemeinsam lutschten wir das ganze Wasser aus ihnen heraus, grinsten uns an und alles war wieder gut.

Bei soviel Schnee holte Oma kurzer Hand unsere Skier vom Dachboden, legte sie auf den Küchentisch, mit der Spitze nach unten, und wachste sie sorgfältig mit einem Kerzenstummel, damit wir später besser durch den hohen Schnee gleiten konnten.

Oder wir warfen uns die Schlittschuhe über den Rücken und stapften mit unseren hohen braunen Schnürstiefeln gemeinsam zum zugefrorenen Dorfteich. Dort war ich besonders gern. Alle Jungs, vor allem die Älteren, tummelte sich dort, spielte Eishockey oder machte eine Schneeballschlacht.