Sophie! - Yvonne Kalb - E-Book

Sophie! E-Book

Yvonne Kalb

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Beschreibung

Sophie, eine junge Frau, hat ihre Heimat Deutschland verlassen, um in New York ihren Platz zu finden. Sie wünscht sich ein glückliches und vollkommenes Leben. Doch ist sie auch in New York noch immer meilenweit davon entfernt. Naiv? Vielleicht! Mutig? Auf jeden Fall. Sie macht sich ihre Gedanken über das Leben und über die Situationen, die sie tagein und tagaus erlebt. Außerdem trinkt sie viel zu viel Kaffee und arbeitet in einem heruntergekommenen Diner. Der Ton ihres Weckers macht sie wahnsinnig und nicht selten wacht sie morgens mit Chips in den Haaren auf - ein Trauerspiel. So plätschert ihr Leben dahin - bis zu dem Zeitpunkt, wo sich unerwartet einfach alles ändert. Ihr Leben wird immer turbulenter! Ohne ihre Musik und ihre Freunde wäre sie verloren. Zwischen Muffins, einem geheimnisvollen Mann und einem totalen Chaos versucht sie nicht aufzugeben. Wie soll sie das nur alles schaffen? Schwierigkeiten auf allen Ebenen. Ist sie mutig genug und traut sie sich die Herausforderungen anzunehmen? Wird sie eine Lösung finden und endlich glücklich werden?

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Inhaltsverzeichnis

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Danksagung

Über die Autorin

Yvonne Kalb

Sophie

Musik, Muffins und ein Liebeschaos in N.Y.

Personen und Handlung in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Dieses Buch ist auch als Taschenbuch erhältlich.

Impressum:

Copyright 2020 Yvonne Kalb

c/o AutorenServices.de Birkenallee 24 36037 Fulda

www.yvonnekalb.com

Lektorat: Katrine Hütterer

Herstellung und Verlag: tolino media

Covergestaltung: Yvonne Kalb

Coverdesign und – bild: Canva

ISBN: 9783752119534

Sophie

Musik, Muffins und ein Liebeschaos in N.Y.

1.

Hallo! Ich bin Sophie. Habe ich ein wundervolles Leben? Habe ich Geld? Bin ich ein Star? Wahrscheinlich eher nicht. Ich bin stolze einunddreißig Jahre alt, komme aus Deutschland, bin ausgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte, was so ganz und gar nicht mein Traumberuf ist, es hatte sich damals so ergeben. Mein Job bei diesem Zahnarzt hatte mir nur Kummer gebracht.

Naja, heute lebe ich in New York, ich habe es tatschlich geschafft sicher über den Ozean zu kommen und den Kontinent zu wechseln – allerdings bin ich trotzdem noch keinen Schritt weiter in meinen Leben. Ich bin weit davon entfernt, ein Star zu sein, selbst wenn ich nur ein Sternchen werden wollte, und ich bin noch weiter weg von einem wundervollen und glücklichen Leben. Ich lebe in einer kleinen Bruchbude, einer desolaten Ein-Zimmer-Wohnung und höre jede Klospülung, die in diesem heruntergekommenen Mietshaus betätigt wird. Es gibt Momente, da bin ich wirklich stolz auf mich und kann es kaum glauben, dass ich es bis hierher, bis nach New York alleine geschafft habe! Auch, wenn ich es mir zuhause in Deutschland eigentlich etwas anders ausgemalt gehabt hatte. Trotzdem stelle ich mir oft die Frage, ob es die richtige Entscheidung war, nach New York zu gehen? Eigentlich hätte ich auch zuhause bleiben können, denn glücklicher bin ich hier auch nicht. Aber irgendwas hält mich hier fest, nur was? Ist es mein Job? Oder meine Wohnung? Nein, daran kann es nun wirklich nicht liegen. Ich denke, es liegt an meinen besten Freunden: Jane, sie ist meine Arbeitskollegin, und Noah, den ich damals in einem Café kennengelernt habe. Wir sind gegeneinander gelaufen und er hat mir seinen Kaffee, der wirklich heiß war, übers T-Shirt geschüttet. Er war so lieb und hat sich wirklich rührend um mich gekümmert. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, als wenn wir uns schon Jahre kennen würden, wir haben die Nummern getauscht und seitdem ist er ein Teil meines Lebens hier in New York und – ganz ehrlich – ich liebe diese riesige Stadt.

Obwohl, die Möglichkeiten, die die Stadt zu bieten hat, nutze ich nicht, die meiste Zeit bin ich für mich. Ich kiffe gerne zwischendurch, trinke ohne Ende Kaffee und schaue jeden Abend meine Netflix-Serien. Den Zugang bezahle ich natürlich nicht selbst, ich leihe mir das Passwort einer Freundin aus. Ich arbeite in einem Diner ganz in der Nähe. Aber es ist, soweit ich das im Moment beurteilen kann, ein echter Drecksladen, mal unter uns, Kakalaken sind hier unsere meist gesehenen Gäste, natürlich weiß das von den „echten“ Gästen niemand. Und dass mein Chef es schafft, zwischendurch ins Essen zu aschern, hat bis jetzt außer mir offenbar auch noch keiner bemerkt. Wie oft hab ich ihm schon gesagt, dass es irgenwann mal jemand sehen wird. Ich glaube noch nicht mal, dass er das mit Absicht macht, denn seine Antwort ist dann immer: „Was meinst du denn? Ich rauche doch vor der Tür.“ Na, das ist Ansichtsache, die Tür hat zwei Seiten. Bis jetzt ist es gut gegangen und er ist stets bemüht, die Kippe draußen liegen zu lassen, wenn das Essen in der Küche droht anzubrennen. Also jobmäßig gäbe es noch Luft nach oben bei mir.

Den richtigen Mann habe ich auch noch nicht kennengelernt. Ich finde es hier in New York auch gar nicht so leicht, denn manche fühlen sich in ihren pikfeinen Anzügen so unnahbar an, oder sie sind so schräg, dass ich fast schon Angst bekomme, also bleibe ich lieber allein. Oft kann ich dann nur durch Kiffen mein gefühltes Elend ertragen. Meine fünf Dollar Stundenlohn gebe ich meistens für Gras, Chips und Schokolade aus, denn nach dem Kiffen hab ich immer so einen riesen Fressflash, das ist wirklich krass. Gut, dass man mir das nicht ansieht. Die Wohnung bezahle ich von meinem Trinkgeld, manchmal ist mein Vermieter auch damit zufrieden, wenn er etwas Gras bekommt. Er ist wirklich in Ordnung, ich bin froh, dass er mich unterstützt, er weiß, dass ich so gut wie nichts verdiene. Bin mal gespannt, wie lange das noch gut geht. Dass es hier in den USA im Vergleich zu Deutschland so schwer ist, hat mir vorher natürlich keiner gesagt. Alle aus meinem Bekanntenkreis sagten: „Jo, mach mal, du wirst schon sehen.“ Naja, zumindest bin ich schon mal weiter als alle anderen aus meinem alten Umfeld gekommen, auch wenn sie glaubten, ich sei naiv, würde es zu nichts bringen und wäre schnell wieder zuhause. Aber diesen Gefallen tue ich niemandem. Irgendwie werde ich es hier schon schaffen, ich werde schon irgendwann meinen Platz hier finden. Einen Plan, wie es weiter gehen soll, habe ich wie üblich nicht. Jeden Tag derselbe Scheiß. Aber aufgeben kommt nicht in Frage. Wer weiß, was mich hier in der großen Stadt noch erwartet. In New York weiß man wirklich nicht, was abends oder am nächsten Morgen passiert.

Ich weiß nicht, ob man ein bestimmtes Talent besitzen muss, um ein erfülltes Leben zu führen. Vielleicht mag das sein, nur fühle ich mich ziehmlich talentfrei. Ich habe keine Ahnung, worin ich tatsächlich gut bin. Was kann ich eigentlich richig gut? Ich mache meine Arbeit, aber erfüllt mich das? Macht mich das glücklich? Nein, eher nicht. Trotzdem gehe ich irgendwie gern ins Diner.

Wennn ich meine Musik nicht hätte, die mich mit guter Laune durch den Tag bringt, wäre ich sicher schon in Depressionen untergegangen. Ich liebe Musik. Manchmal beschweren sich die Nachbarn, weil ich den Sound schon wieder so laut aufgedreht habe. Aber ich brauche es, ich muss tanzen, lachen und singen. Musik öffnet mein Herz. Nichts tue ich ohne Musik, na gut, im Diner kann ich keine Musik hören, außer wenn Jane und ich putzen, dann rockt das Diner. Das macht so viel Spaß!

Jeden Tag beobachte ich die Menschen, wie sie schnell von A nach B laufen, mal mehr, mal weniger gestresst, gebeutelt von ihrem Alltag, wie sie nicht wahrnehmen, was um sie herum passiert. Glücklich sehen die auch nicht aus. Dann wiederum sehe ich Menschen in ihrer Genalität. Die das Leben einfach rocken. Die es einfach geschafft haben. Die sich verwirklicht haben, komme, was da wolle. Ich bewundere diese Menschen. Dann gibt es aber auch viel Gewalt. Manchmal hab ich das Gefühl, dass immer einer rumballern muss, naja, so schlimm ist es auch wieder nicht. Und wo seh‘ ich mich? Naja, umbringen will ich keinen, das fällt schonmal raus. Ok, ich bin gestresst von meiner Arbeit und laufe nur von meiner Wohnug zum Diner und wieder zurück, das ist mein Lebensinhalt und mehr nicht. Ich bin wirklich weit davon entfernt, mein Leben zu rocken… Ich bin echt ein Niemand, unter all den genialen Menschen, die es hier in New York geschafft haben.

Gott, welche Gedanken hab ich denn heute Morgen? Bin ich noch high? Schlechter kann man sich selbst nicht machen. Also warum bin ich wirklich hier? Tja, wenn ich das mal so genau wüsste. Will ich vielleicht doch ein Star werden? Nein, ich denke eher nicht. Ich will nicht bezweifeln, dass in mir irgendwo versteckte Talente sind, aber zum Star wird es sicher nicht reichen. Ich dachte, New York sei die Stadt, in der alle Wünsche wahr werden und ich mir mit Leichtigkeit etwas aufbauen könnte. Ich wollte raus aus meinem alten und einengenden Leben. Nachdem ich die Erfahrung gemacht hatte, dass es auf dem Land nicht leichter, geschweige denn sicherer ist, war es für mich klar, dass ich in meine Traumstadt New York gehen würde. Denn hier hat selbst der schrägste Vogel eine Chance, seine Wünsche zu erfüllen. Auch ohne die passende Ausbildung. Man muss eben einfach nur auf sein Herz hören, dann kann doch jeder Wunsch wahr werden, oder? Ich muss nicht zur High Society gehören, ich hab‘ keinen Bock auf Paparazzi oder dergleichen. Ich will einfach nur ein geniales und glückliches Leben führen und mehr erleben als das, was ich bis jetzt kennengelernt habe. Ich möchte einfach in meinem Leben ankommen. Derzeit gehöre ich nur zu den armen kiffenden, sich selbstbemitleidenden Menschen in diesem Land. Das läuft, weiter so, Sophie! Aber damit ist jetzt Schluss, ich möchte jetzt etwas Anderes, und zwar genau hier in New York! Ich möchte jetzt die Stadt endlich mit all ihren wunderbaren Möglichkeiten nutzen. Das ist jetzt eine klare Entscheidung! Raus aus dem deprimierenden Teufelskreis, denn sonst wird nie was aus mir.

Also welche Möglichkeiten habe ich? Erstens: Ich suche mir einen neuen Job, aber welchen? Keine Ahnung! Mit Jane kann ich dann auch nicht mehr zusammenarbeiten. Hm, will ich das? NEIN, das will ich natürlich auf keinen Fall.

Zweitens: „Kind, heirate reich!“, hat meine Oma immer gesagt. Wäre eine Idee, aber in dem Viertel, in dem ich hier wohne, gibt es den reichen Märchenprinzen eher nicht. SCHWIERIG! Abgesehen davon will ich mein Geld selbst verdienen. Nie und nimmer will ich von einem Mann abhängig sein. Manchmal glaube ich, dass ich sowieso nie den richtigen Mann finden werde.

Möglichkeit Nummer drei: Herausfinden, womit ich ordentlich Geld machen kann. Vielleicht finde ich noch ein verstecktes Talent in mir? Ich könnte Gras verkaufen? Vielleicht bin ich ein Verkaufstalent? Nein, natürlich nicht. Das gehört auch sicher nicht zu meinen besten Ideen. Aber könnte ein Plan B sein, ich kenne genug schräge Vögel. ALTERNATIVE!

So viel zu dem Thema „nutze die Möglichkeiten von New York“. Da muss ich wohl nochmal drüber nachdenken. Das kann doch nicht schon alles gewesen sein.

Fuck, wir haben sieben Uhr fünfzehn und ich habe keinen Bock aufzustehen, fünf Minuten noch liegen bleiben… Theoretisch muss ich um acht Uhr im Diner sein. Gut, das wird eng, pünktlich da zu sein, weil meine Haare nicht sitzen, ok, meine langen blonden Haare kann ich zur Not auch schnell zusammenknüllen. Och, ne, Zeit für einen ordentlichen Kaffee habe ich jetzt wohl auch nicht mehr. Zum Glück muss ich mir keine Gedanken machen, um das, was ich anziehe. Ich trage meine „Uniform“ aus den Siebzigern. Echt ohne Witz, das ist so unendlich peinlich. Gut, dass unsere Gäste außer ihrer Zeitung, ihrem Handy oder Tablet eh nichts mitbekommen. Ich glaube nicht, dass irgendeiner von denen uns je wirklich optisch wahrgenommen hat.

Ok, es nützt nichts, Sophie, raus aus dem Bett! Ein Blick in den Spiegel ist echt lohnend. Super, die Haare halten auch ohne Haarband. Fuck, warum habe ich denn Chips in den Haaren? Ach ja, Fressflash, gestern Abend. Mist, jetzt muss ich mir doch noch die Haare waschen. Eine Bürste und Trockenshampoo schaffen das heute übergangsweise nicht. Aaah, das läuft ja heute Morgen, egal ich bekomm‘ das schon irgendwie hin! Jetzt flott unter die Dusche und los geht’s! Fast fertig, verdammt, wo sind meine Nikes? Natürlich sind es keine Nikes, die up-to-date sind, nein, sie passen sich meiner Siebziger-Jahre-Stil-Uniform an. Was stylisheres kann ich mir nicht leisten. Es ist echt ein Trauerspiel. Egal jetzt, hopp, ins Diner. Und wo sind meine Kopfhörer? Ich brauche meine Musik. Vielleicht sollte ich mal aufräumen, dann finde ich auch alles, was ich brauche.

2.

Ich komme gerade noch pünktlich. Mike, mein Chef, schließt gerade die Tür zum Diner auf, ui, ui, ui, der hat heute noch kein Wasser gesehen. Oh Mann! Zum Glück steht er eh nur in der Küche. Er sagt immer es würde reichen, wenn wir Kellerinnen gut und gepflegt aussehen. Tja gut, Jane kommt auch gerade hinein. Sie ist wirklich eine Liebe, wir verstehen uns super. Manchmal glaub ich, sie ist ein bisschen schizophren, oder wie man das auch immer nennt, weil in einem Moment lacht sie und macht Quatsch und im anderen Moment ist sie todernst und alles andere als zum Spaßen aufgelegt. Ich muss auch schon mal in Deckung gehen, denn in solchen Momenten kommt auch schonmal irgendwas geflogen. Aber egal, ich nehme auch zwei Janes. Ich glaube, wenn ich sie nicht hätte, hätte ich den Laden schon längst niedergebrannt. Selbstverständlich so, dass niemand verletzt wird.

Jane kocht Kaffee und ich richte die Tische her, wir sind echt ein gutes Team, wir arbeiten den ganzen Tag Hand in Hand, das läuft super. Sie erzählt mir währenddessen von ihrem gestrigen Abend. Sie hat einen neuen Freund. Ok, alle Details wollte ich nicht wissen, aber sie erzählt eben gerne. Sie ist so glücklich, ich freue mich sehr für sie.

Sie fragt, ob wir nicht mal zusammen die Straßen unsicher machen sollten - als wenn die nicht schon unsicher genug wären, haha. Naja, warum nicht. Die Zeit, in der ich mich als fünftes Rad am Wagen gefühlt habe, ist schon lange vorbei. Hier in New York muss man sich immer an irgendeinen anheften, allein bleiben ist nie gut. Also warum nicht, bevor ich wieder kiffend in meiner Bruchbude auf der Couch sitze? Ich bin schon gespannt auf ihren neuen Typen.

Von der Küche kommt Gemecker: „Hört auf zu quatschen, macht eure Arbeit.“ Wir verdrehten beide die Augen. Die Glocke von der Eingangstür läutet, aha, die ersten Gäste sind da. Ja, ein Snob nach dem anderen mit seinem Coffee-to-go-Becher und der Börsentageszeitung, oh Mann, als wenn das was bringen würde, naja wahrscheinlich schon, so fein gestriegelt wie sie hier sitzen. Ich wundere mich immer, wie sie die Tür öffnen können oder noch besser, wie sie es schaffen nicht dagegen zu laufen, wenn sie ständig die Zeitung oder ihr Handy mit den neuesten Börsenkursen vor der Nase haben, aber das ist ja nicht mein Problem. Mit ganz viel Glück bekommt man ein „guten Morgen“ zu hören, aber in den meisten Fällen, ist es ein, „schnell Kaffee“. Es ist auch schon vorgekommen, dass man mir die Kaffeekanne aus der Hand genommen hat, seinen To-go-Becher gefüllt, und mir das Geld auf den Tresen geworfen hat und dann ratzfatz verschwunden ist. Hm, da war dann der Börsenbericht wohl nicht ganz so gut. Das scheint ein stressiges Leben zu sein. Ich stell mir echt die Frage warum die jeden Tag kommen, als wenn sie sich keinen besseren Kaffee leisten könnten, na gut, wir liegen mit dem Diner sehr günstig, rundum fast nur Bürogebäude und es sind ja nicht alles Börsenmenschen hier. Aber das beste Diner sind wir hier sicher auch nicht, aber das weiß ja keiner. Dann muss es an Jane und mir liegen, ganz klar! Wir sehen eben gut aus, sind lieb und höflich und wir wundern uns über nichts mehr. Im Prinzip darf ich mich aber nicht beschweren, schließlich zahlen die Diner-Gäste im Grunde meine Miete.

Fuck, da ist auch er wieder! Nein, nein, nein, jetzt bloß nicht rot werden, er wird sicher nach einem Kaffee fragen. Vielleicht geht auch Jane zu ihm hin, Moment, wo ist sie eigentlich? Na super, da ist sie, sie nimmt gerade eine Bestellung entgegen, natürlich musste sie mich höhnisch angrinsen und selbstverständlich nimmt sie sich extra viel Zeit bei ihrem Gast.

Dunkle Haare, blaue Augen, Dreitagebart, sportliche Figur und natürlich auch im Anzug - so sitzt er da! Ich will ehrlich sein, ich mag Anzugträger. Es gibt wirklich viele Männer, denen steht er richtig gut. Naja, eigentlich kleidet ein Anzug jeden Mann, aus meiner Sicht, aber ihn ganz besonders. Ich schmelze dahin! Jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht ausrutsche, stolpere oder irgendwo hängenbleibe, denn er hat direkt nach mir gerufen. Ähm, woher kennt er meinen Namen? Oh mein Gott, jetzt werde ich ganz sicher rot! Zack und schon ist die „rote Lampe“ an! Fuck, ich hasse das, nicht nur, dass man es in meinem Gesicht sieht, mir wird auch richtig heiß, ich schwitze, stinke ich? Nein, das kann nicht innerhalb von zwei Minuten passieren. Oder doch? Oh mein Gott, das geht nicht gut.

Da stehe ich nun vor Tisch Nummer drei. „Sie hatten gerufen, was kann ich für Sie tun?“ – „Morgen Sophie, ich hätte gerne noch eine Tasse Kaffee und ein Croissant zum Mitnehmen“. Was hat er gerade gesagt? Guten Morgen und meinen Namen, ich kann ja nicht mehr. „Ähem, woher kennen Sie meinen Namen?“ – „Sophie, schau doch einfach mal auf deine Uniform, da steht dein Name auf dem Schild an deinem Kragen.“ – „Oh ja, so sieht es aus. Ich bringe Ihnen sofort Ihre Bestellung.“ – „Mach dir keinen Stress, SOPHIE, ich habe es nicht so weit.“ Ich bin sooooo dooof! Oh Gott, ich dachte schon, ich wäre ihm aufgefallen, ich glaubte wirklich, ich würde ihm gefallen. Ich muss jetzt erstmal verschwinden, ab in die Küche. Ich bin so doof, peinlicher geht es ja schon gar nicht. Ich habe es verkackt, Fuck, Fuck, Fuck. Mike sieht mich an und sagt: „Ey, Mädchen, mach hinne, du kannst später heulen.“ Mann, was für ein Arsch. Ich bin so doof, oh Gott, das wäre meine Chance gewesen, cool und lustig zu sein, es wäre meine Chance gewesen, ihm zu zeigen, wie sympathisch ich bin. Naja, „der erste Eindruck zählt“, das hat meine Oma immer gesagt, sie hatte immer super Weisheiten auf Lager, aber schon die einfachste bekomme ich nicht umgesetzt. Na prima.

So, der Kaffee ist fertig, das Croissant eingepackt, dann will ich ihm mal seine Bestellung bringen. Ich zittere, der Kaffee schwappt schon ein wenig, ok, jetzt nicht den Blick auf die Tasse richten. Jetzt sehe ich auch noch genau in seine blauen Augen, er beobachtet mich, wie ich auf ihn zugehe, ich glaube, das amüsiert ihn. Sophie, beruhige dich, gleich bist du an seinem Tisch, gibst die Bestellung ab und verschwindest, guter Plan. Irgendwie habe ich das Gefühl, der Weg zieht sich wie in Zeitlupe. Mann, was soll das denn? So, Contenance, ich habe es gleich geschafft. Da bin ich, er schaut mich an, warum hat er denn nicht wie die anderen eine Zeitung vor dem Gesicht? Ich spüre die Wärme in mir hochsteigen. „Bitte schön, Ihre Bestellung, ich wünsche Ihnen einen schönen Tag“. - „Halt, Stopp“. - „Ja bitte, habe ich etwas vergessen?“ - „Ja, die Rechnung, oder möchtest du mich einladen?“ Ähm, würde ich ja, wenn mich Mike besser bezahlen würde. „Ne, einen Moment bitte, ich bringe die Rechnung sofort“.

Das wird ja immer besser. Bei jedem anderen Kunden wäre es mir ja egal gewesen, nur bei ihm nicht. Ein Fettnäpfchen nach dem anderen. Ich hol mir gleich eine Schaufel, buddele ein Loch, verkriech‘ mich darin und bitte Jane, das Loch wieder zuzumachen. Meinen roten Kopf werde ich nie wieder los, das spüre ich den ganzen Tag noch - jetzt würde ich gerne zur Beruhigung einen Joint rauchen. Rechnung ist ausgedruckt, in der Zwischenzeit hat er seinen Kaffee schon getrunken. Diesmal mache ich es schnell, gehe zügig an den Tisch. „Bitte schön die Rechnung“. – „Danke dir, der Rest ist für dich, jetzt wünsche ich dir einen schönen Tag, ach ja und die rote Lampe kannst du wieder ausknipsen, vielleicht bis morgen.“ – „Wenn ich den Schalter finde, mach ich das Pornolicht gerne wieder aus. Vielen Dank, Ihnen auch einen schönen Tag“. Er steht auf, oh, größer als ich dachte, und geht Richtung Tür an mir vorbei, verdammt riecht der gut! War ja klar, er ist durch und durch ein absolut perfekter Snob.

Oho! Er hat mir zwanzig Dollar Trinkgeld gegeben, das hatte ich ja noch nie! Jane, wo ist Jane? Ah, da ist sie, ich muss ihr das erzählen. Also echt jetzt „die rote Lampe wieder ausknipsen“, na der hat ja Freude daran, mich zu ärgern, der Affe. Ich dachte, er wäre anders, nicht so selbstgefällig wie alle anderen hier, nur ohne Zeitung. Wobei - was hat er überhaupt die ganze Zeit hier gemacht? Nichts, er hat mich und meine Dusseligkeit die ganze Zeit beobachtet. Scheinbar brauchte er was, um seinen Tag aufzuheitern. Was mag er beruflich wohl machen? Mist, er ist bereits verschwunden, jetzt weiß ich noch nicht einmal, wo er arbeitet. Super, ich hoffe, er kommt nie wieder, sowas wie heute brauche ich nicht nochmal. Vielleicht sollte ich zur Abwechslung mal vor der Arbeit einen Joint rauchen, dann werde ich sicher nicht mehr rot und bin absolut locker. Dumm nur, dass man es an meinen Augen erkennt, dass ich einen durchgezogen habe. Also auch keine gute Idee. Ich hoffe einfach, dass er nicht noch einmal wiederkommt. Obwohl ich ihn schon süß finde. Aber ich hab‘ mich heute in seiner Gegenwart einfach völlig zum Affen gemacht.

Jane hat sichtlich Spaß daran, mir dabei zuzusehen, wie verrückt ich mich mache. Ich bin ja so doof. Wenn das morgen wieder so geht, muss ich das Diner wirklich niederbrennen. Keine Chance, das geht dann nicht anders. Denn dann sehe ich ihn sicher nicht mehr wieder.

Der Tag ist fast vorbei, Mike nervt schon wieder, dass wir länger bleiben sollen, um auch die Küche zu reinigen, die er den ganzen Tag versaut hat. Außerdem war es für ihn selbstverständlich, dass wir auch die Toiletten und den Laden überhaupt komplett reinigen, das erwartet er natürlich. Naja, wenigstens ist die Küche dann mal richtig sauber und Mike geht früher. Den Schlüssel fürs Diner darf ich dann mitnehmen. Nach einem langen Tag ohne Pause, geht es jetzt in die Küche. Jane besorgt die Jukebox und ich nehme mein Handy, um Musik abzuspielen. Jetzt rocken wir die Küche, auch hier sind wir ein geniales Team, alles flott aufgeteilt und dann geht es los!

„Yeah“ von Usher! Steinalt, aber das Lied macht echt gute Laune und alles geht ganz easy und schnell! Oh – „She works hard for the money“ von Donna Summer, ein mega Song, passt perfekt zu Jane und mir und unserem Arbeitsleben. Aber mein absoluter Favorit ist meine hochgeschätzte Tina Turner mit „Proud Mary“, wenn das läuft, ist es um mich geschehen. Ich muss singen, tanzen, rocken, einfach alles rauslassen. Mir geht so das Herz auf. Das weiß Jane, sie drückt so oft auf repeat, bis wir fertig sind. Ich glaube, sie sieht mir gerne dabei zu wie ich ausflippe. So, jetzt noch den Boden wischen und wir haben es geschafft für heute, stolze zwei Stunden unbezahlte Zusatzarbeit! Na, was solls, wir haben jetzt fast Mitternacht, in acht Stunden darf ich schon wieder hier sein.

„Tschöööö, Jane, bis morgen, es war wieder mal ein fantastischer Tag mit dir.“ – „Ja fand ich auch, schlaf schön und träum nichts Versautes, du weißt schon von wem…“ – „Haha, weder im Traum noch im Reallife wird das jemals zustande kommen, der will mich nur ärgern damit er einen schönen Tag hat. Schlaf auch schön.“

Zum Glück habe ich es nicht weit nach Hause. Manchmal ist es ja schon gruselig so allein und ohne Begleitung im Dunkeln durch die Stadt zu laufen. Irgendwas scheppert und klirrt immer, abgesehen von den Autoalarmanlagen - eine schrillt immer auf. Manchmal fallen auch Klamotten aus dem Fenster, da ist dann wohl wieder jemand fremdgegangen oder sowas. Auch wenn viele Menschen unterwegs sind, sicher fühle ich mich nie. New York bei Nacht ist tatsächlich so, wie ich es früher aus Filmen kannte. Puh, ich bin zuhause, jetzt nichts wie rein.

Jetzt noch schnell die Treppe rauf, fünfter Stock, für einen Aufzug hat es hier nicht mehr gereicht. Es ist echt die absolute Absteige, aber bezahlbar. Glücklicherweise bekomme ich nicht oft Besuch, ich würde mich echt schämen, anderseits ist meine Art zu wohnen hier ohnehin normal, New York ist ein teures Pflaster. Ich muss dort wohnen, wo es für mich leistbar ist. Jedes Haus in meinem Viertel sieht verkommen, verdreckt und alles nur nicht sicher aus. Aber egal, ich habe was zum Pennen. Mann, warum muss das Treppensteigen nach einem harten Arbeitstag so anstrengend sein? Gleich bin ich oben und dann habe ich es geschafft. Oh schön, im Haus gibt es wieder Ärger, die fliegenden Tassen höre ich sogar noch in meiner Wohnung. So, da bin ich.

Jetzt zuerst mal die Schuhe aus, ich bin echt müde, trotz der gefühlten drei Kannen Kaffee, die ich getrunken habe, heute. Das ist der einzige Vorteil im Diner, Kaffee so viel ich will. Hm…, heute war ein so peinlicher Tag, ich hoffe sehr, dass es morgen besser wird. Wer mag er wohl sein? Wo wird er wohl arbeiten? Und bitte nein, er darf morgen nicht wiederkommen, das halte ich nicht aus, und wenn doch werde ich auf jeden Fall Jane zu ihm schicken. Aaah, Mann, der sieht echt gut aus, das wird er aber sicher wissen, sonst würde er nicht mit mir spielen. Moment, spielt er überhaupt mit mir? Gefalle ich ihm oder bin ich nur zu seiner Belustigung da? Ach, und selbst wenn ich ihm gefallen würde, wäre es unvorstellbar, dass wir je in Kontakt kämen, ich gehöre nicht in seine Liga. Die Weiber um ihn herum sind bestimmt Models oder was auch immer, so richtig klischeehaft eben.

Huch, wer hämmert da so wild gegen meine Tür? „Sophie! Sophie! Ey, mach‘ die Tür auf!“ Ach, das ist nur Noah. „Noah, was stimmt nicht mit dir? Was hämmerst du hier wie wild rum?“ Eigentlich wollte ich den Abend ruhig ausklingen lassen, da ich ja bald schon wieder auf die Arbeit darf. Einen Ofen geraucht habe ich heute auch noch nicht und nach dem heutigen Tag habe ich mir echt einen Joint verdient, finde ich. Nerv! „Ok, Noah, was ist los?“ – „Sophie, du kannst dir nicht vorstellen was, Liam gemacht hat. Ich komme gerade nach Hause, nach meiner Schicht, ich war dankbar, dass ich endlich Feierabend hatte und freute mich auf zuhause, denn ich hatte noch vor, mit Liam etwas „blinke-blinke“ zu machen, na, du weißt schon was ich meine, aber dies hatte er bereits mit einem anderen erledigt - in unserem Bett! Ich habe alles gesehen, ich habe sie voll erwischt. Ist das ein Arschloch! Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte. Es tut mir leid, dass ich dich so spät noch störe.“ – „Macht nichts, möchtest du auch einen Joint?“ - „Ne danke, ich brauch was Härteres, damit ich schlafen kann.“ – „Ah, du möchtest hier schlafen? Na dann! Ich habe noch Wodka, reicht der?“ – „Ja, danke. Sophie, was soll ich jetzt bloß tun?“ – „Keine Ahnung, zumindest hatten die zwei heute einen schönen Abend. Ich glaube, ich hätte beide rausgeworfen, und es dann so gemacht, wie es hier in New York üblich ist: Die Klamotten aus dem Fenster geworfen, denn „blinke-blinke“ können sie auch woanders machen. Komm jetzt erstmal zur Ruhe, morgen sieht alles wieder ganz anders aus, besonders nach einer Flasche Wodka.“

Nachdem wir zwei Stunden über ihn, über mich, und die Männerwelt philosophiert haben, relaxed-high beziehungsweise betrunken und vollgestopft mit Chips sind, geht es jetzt endlich ins Bett. Beziehungsweise für Noah auf meine Isomatte auf dem Fußboden. Ich hoffe, es krabbeln keine Kakerlaken dort rum…

Noah hat übrigens seine eigene Theorie bezüglich des unbekannten Kerls von heute (eigentlich gestern) Morgen im Diner. Er glaubt, dass er mich schon länger im Auge hat, da ich ihm gefalle und dass er höchstwahrscheinlich im Gebäude gegenüber sein Büro hat. Gut, sein nächster Gedanke war, dass der Typ mich entführen könnte, er gerade sein Revier abcheckt und einen Plan schmiedet, wie er das wohl umsetzten könnte, aber von dem wodkagetränkten Hirngespinst ist er zum Glück schnell wieder abgekommen. Sein erster Gedanke gefällt mir dann doch besser. Na, ob da was dran sein könnte? Ich muss mir morgen das Gebäude gegenüber mal genauer anschauen, zumindest mal sehen, welche Firma drin ist, daraus könnte ich dann natürlich schließen, was er beruflich macht, falls er wirklich da arbeitet, weil an der Börse ist er sicher nicht, soviel steht fest. Ach, das ist doch alles Quatsch, so außergewöhnlich war das heute Morgen ja nun auch nicht. Er ist ein Gast wie jeder andere nur ohne Zeitung, Punkt und gute Nacht, Sophie!

3.

Ping, Ping, Ping! Oh Mann, was ist denn das jetzt schon wieder? Ach, der Scheiß-Wecker, es ist sieben Uhr. Ich fass‘ es nicht, ich bin sooo müde! Herzlich willkommen in einem weiteren beschissenen Tag meines Lebens, was ist denn heute für ein Tag? Yeah, cool, heute ist Freitag, ok, nützt mir auch nichts, wenn der Laden sieben von sieben Tagen die Woche und meistens vierzehn Stunden am Tag geöffnet hat und ich jeden Tag arbeiten muss. Mike ist zu knausrig, um noch zwei Kellerinnen einzustellen, er sagt, dass es ja nicht so viel Arbeit ist und er schließlich niemanden fürs Rumstehen bezahlen möchte. Dann laufen Jane und ich eben für vier. Fuck, ich muss mich beeilen und mich anziehen, da ich heute früher im Diner sein muss, weil ich ja noch den Schlüssel habe und Mike gestern sagte, er müsse die Kasse noch machen und somit dreißig Minuten vor Öffnung da sein. Großartig, das hätte er auch gestern noch machen können. Aber ne, der Herr wollte ja lieber gehen.

„Ey, Noah, los steh auf, ich muss gleich auf die Arbeit und du musst nach Hause.“ Oh Gott, hat der eine Fahne, war ja klar nach einer ganzen Flasche Wodka. Wow! Er springt auf und hechtet ins Bad! Hm…, nicht gut, super, ich höre es schon, das ist genau das Geräusch, welches ich absolut nicht am Morgen hören möchte. Beziehungsweise überhaupt nicht hören will und schon gar nicht in meinem Badezimmer. Perfekt, wie soll ein Freitagmorgen denn auch besser losgehen? „Noah, alles ok?“ – „Ja, der Wodka schmeckt nicht mehr.“ Iiiih, so genau wollte ich es nicht wissen. Ich glaube, ich muss mich im Diner fertig stylen, da ich ja eh früher hinmuss, dann eben noch fünfzehn Minuten früher, was soll‘s.

---ENDE DER LESEPROBE---