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Dieser Band verbindet die theoretisch-wissenschaftliche Fundierung und die praktische Umsetzung von Spiritual Care, der Sorge für die spirituelle Dimension von Krankheit und Gesundheit, Heilen und Helfen, Leben und Sterben. Dabei berichten renommierte Experten über ihre Erfahrungen aus der Perspektive von Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialarbeit, Religionswissenschaft, Soziologie, Theologie und Seelsorge sowie aus der Sicht von Trägern und Einrichtungen. Stimmen zur 1. Auflage: "Man kann mit Fug und Recht sagen, dass hier ein Standardwerk zum Thema Spiritualität und Medizin vorgelegt wurde." (Lebendige Seelsorge 5/2009) "Die lebendigen Kontroversen und die respektvollen Begegnungen verschiedener Denk- und Kulturtraditionen sind äußerst lesenswert und anregend. Sie vermitteln einen sehr guten Überblick über aktuelle Ansätze in der Palliativmedizin." (Deutsches Ärzteblatt 49/2009)
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Seitenzahl: 600
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Dieser Band verbindet die theoretisch-wissenschaftliche Fundierung und die praktische Umsetzung von Spiritual Care, der Sorge für die spirituelle Dimension von Krankheit und Gesundheit, Heilen und Helfen, Leben und Sterben. Dabei berichten renommierte Experten über ihre Erfahrungen aus der Perspektive von Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialarbeit, Religionswissenschaft, Soziologie, Theologie und Seelsorge sowie aus der Sicht von Trägern und Einrichtungen. Stimmen zur 1. Auflage: 'Man kann mit Fug und Recht sagen, dass hier ein Standardwerk zum Thema Spiritualität und Medizin vorgelegt wurde.' (Lebendige Seelsorge 5/2009) 'Die lebendigen Kontroversen und die respektvollen Begegnungen verschiedener Denk- und Kulturtraditionen sind äußerst lesenswert und anregend. Sie vermitteln einen sehr guten Überblick über aktuelle Ansätze in der Palliativmedizin.' (Deutsches Ärzteblatt 49/2009)
Prof. Dr. med. Eckhard Frick sj lehrt an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München. Er ist Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiater und Psychoanalytiker. Prof. Dr. theol. Traugott Roser ist evangelischer Pfarrer, Praktischer Theologe und Seelsorger am Wohnstift Augustinum München Neufriedenheim. Die Autoren teilen sich die Professur für Spiritual Care am Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin des Klinikums der Universität München.
Prof. Dr. med. Gian Domenico Borasio (federführend) Prof. Dr. med. Monika Führer (federführend) Beate Augustyn, Palliativpflegekraft Dr. med. Antje Beyer Priv. Doz. Dipl.-Psych. Dr. rer. biol. hum. Martin Fegg Bernadette Fittkau-Tönnesmann MPH Dr. med. Dr. phil. Ralf Jox Prof. Dr. med. Stefan Lorenzl Dipl. Soz.-Päd. Dipl. Theol. Josef Raischl Prof. Dr. theol. Traugott Roser Prof. Dr. rer. biol. hum. Maria Wasner
Die Publikationen in der Münchner Reihe Palliative Care verfolgen das Ziel einer verbesserten Versorgung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen. Dem Palliative Care-Prinzip der Multiprofessionalität entsprechend widmen sich die Einzelbände unterschiedlichen Themenkomplexen und Handlungsfeldern aus den Bereichen Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit. Dazu dienen Beiträge aus medizinischer, pflegerischer, psychosozialer und seelsorglicher sowie aus rechts- und gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive. Die Reihe richtet sich an alle an diesen Fragestellungen Interessierten, insbesondere im Gesundheitswesen oder in der ehrenamtlichen Arbeit Tätigen.
Das Interdisziplinäre Zentrum für Palliativmedizin (IZP) des Klinikums der Universität München hat als Aufgaben die Verbesserung der Lebensqualität von Schwerstkranken und Sterbenden und die Förderung interdisziplinärer Forschung und Lehre. Das IZP möchte mit dieser Schriftenreihe einen Beitrag zur Etablierung von Palliative Care in allen Bereichen des Gesundheitswesens und der Gesellschaft leisten.
Eckhard Frick Traugott Roser (Hrsg.)
Spiritualität und Medizin
Gemeinsame Sorge für den kranken Menschen
2., aktualisierte Auflage
Verlag W. Kohlhammer
Wichtiger Hinweis:
Die Verfasser haben größte Mühe darauf verwandt, dass die Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen dem jeweiligen Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entsprechen.
Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, übernimmt der Verlag für derartige Angaben keine Gewähr.
Jeder Anwender ist daher dringend aufgefordert, alle Angaben auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Verantwortung des Benutzers.
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
2., aktualisierte Auflage 2011 Alle Rechte vorbehalten © 2009/2011 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany
Print: 978-3-17-021875-8
E-Book-Formate
pdf:
978-3-17-026633-9
epub:
978-3-17-027486-0
mobi:
978-3-17-027487-7
Vorwort zur 2. Auflage
Teil A: Spiritualität: Zur Theorie eines vieldeutigen Begriffs
Bernhard Grom sjSpiritualität – die Karriere eines Begriffs: Eine religionspsychologische Perspektive
Konrad HilpertDer Begriff Spiritualität. Eine theologische Perspektive
Ulrich H. J. KörtnerFür einen mehrdimensionalen Spiritualitätsbegriff: Eine interdisziplinäre Perspektive
Armin NassehiSpiritualität. Ein soziologischer Versuch
Traugott RoserInnovation Spiritual Care: Eine praktisch-theologische Perspektive
Teil B: Spiritualität zwischen säkularisierter Beliebigkeit und kirchlicher Normierung
Konrad HilpertSpiritualität – esoterisches Gegenphänomen zu traditionell kirchlicher Frömmigkeit?
Klaus SchmuckerIst Spiritualität katholisch? Ökumenische Reflexionen
H. Tristram Engelhardt, Jr. und Corinna Delkeskamp-HayesDer Geist der Wahrheit und die „Legion“ der Spiritualitäten. Ein orthodoxer Blick auf die Klinikseelsorge im religiösen Pluralismus
Peter Bertram, Siegfried Kneißl und Thomas HagenKrankenhausseelsorge – Qualität im Kontext von Spiritual Care
Stefan Kiechle sjEin Leib für den Geist: Eine ignatianische Reflexion
Teil C: Spiritual Care als Thema von Medizin und Pflege
Eckhard Frick sjSpiritual Care in der Psychosomatischen Anthropologie
Gian Domenico BorasioSpiritualität in Palliativmedizin/Palliative Care
Reinhard PutzAm Anfang steht der Tod. Die spirituelle Dimension des anatomischen Präparierkurses
Hermann DietzfelbingerEine „kleine Spiritualität“ für Onkologen
Carola RiednerSpiritualität in der Psychoonkologie
Monika Führer, Claudia Sommerauer und Traugott RoserKinderheilkunde: Spirituelle Begleitung sterbender Kinder und ihrer Familien
Christine Klingl und Eckhard Frick sjChancen für Spiritual Care in einer materialistischen Medizin und Pflege
Beate AugustynSpiritual Care in der Pflege
Teil D: Interkulturelle und interreligiöse Perspektiven
Tom KučeraJüdische Spiritualität an den Grenzen des Lebensintervalls
Metin AvciKrankheitsbewältigung aus Sicht des Koran und heutiger islamischer Spiritualität
Cosette Odier (unter Mitarbeit von Annette Mayer)Die französischsprachige Welt: Der Begriff der Spiritualität in Medizin und Pflege
Ariel Alarcón PradaSpiritualität im lateinamerikanischen („post-katholischen“) Kontext
Susan Bawell WeberErfahrungen mit Spiritual Care in Deutschland und den USA
Monika Kögler und Martin FeggSpiritual Care im virtuellen Raum des Internet
Maria WasnerSpiritual Care und gender
Teil E: Spirituelle Praxisfelder im Gesundheitswesen
Monika Kögler und Martin FeggKann man Spiritualität messen? Operationalisierung des Begriffs
Carola Riedner und Thomas HagenSpirituelle Anamnese
Andreas Müller-CyranSpiritual Care angesichts des plötzlichen Todes
Maria WasnerSpiritualität und Soziale Arbeit
Claudia BauseweinKlassische geistliche Begleitung und Spiritual Care aus ärztlicher Perspektive
Johanna HabererFür die Seele eines Hauses sorgen. Erfahrungen aus der Leitung eines Einrichtungsträgers
Thomas Hagen und Eckhard Frick sjRituale, Zeichen und Symbole
Michael TischingerDas spirituelle Konzept einer psychosomatischen Fachklinik
Thomas Hagen und Josef RaischlAllgemeine und spezielle Kompetenzen in Spiritual Care
Josef RaischlAspekte von Spiritual Care in der ambulanten Hospizarbeit
Anhang
Über die Autorinnen und Autoren
Die Idee zum vorliegenden Band verdankt sich einem interdisziplinären Arbeitskreis an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit dem Jahr 2000 trafen sich im „Arbeitskreis Medizin und Spiritualität an der LMU“ Ärzte und Ärztinnen, Psychologen, Klinikseelsorgerinnen und -seelsorger an den Kliniken der LMU mit Ethikern und Theologen der theologischen Fakultäten. In den zunächst offenen Gesprächsrunden wurden bald kurze Statements gehalten, die in der Diskussion Grundlage für Anfragen aus einer anderen Theorie- wie Praxisperspektive waren. Das zunächst formal anmutende Themenfeld Medizin und Spiritualität füllte sich zusehends mit einer ganzen Reihe konkreter Fragestellungen, die den Rahmen der Medizinethik verließen, auch wenn diese immer wieder Gegenstand der Sitzungen war. Seit dem Erscheinen der Erstauflage dieses Buches hat sich unser interdisziplinäres Feld in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt: Im Juni 2010 richtete die LMU eine Professur für Spiritual Care ein. Diese ist im Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin angesiedelt, kooperiert jedoch auch mit anderen medizinischen Gebieten und mit anderen Gesundheitsberufen, insbesondere mit der Pflege. 2011 werden die Gründung der Internationalen Gesellschaft für Gesundheit und Spiritualität (IGGS) sowie der im Verlag Kohlhammer erscheinenden Zeitschrift „Spiritual care“ folgen.
Die Bedeutung von Religionszugehörigkeit und individueller Spiritualität lässt sich nicht auf die Generierung von Werteinstellungen für Entscheidungen über Therapieformen und Behandlungsstrategien – bei Patienten und Behandelnden – beschränken. Sie wirkt sich aus auf den Umgang mit Krankheit und Krankheitsverarbeitung auf Seiten des Patienten ebenso wie auf die Professionalität in den Gesundheitsberufen, mitunter auch auf die Motivation zur Berufstätigkeit. Kulturelle und religiöse Prägungen wirken sich in vielfältiger und häufig auf vorbewusste Weise auf den Umgang mit Krankheit und Gesundheit, Sterben und Tod, Patienten und Behandelnden aus. Das komplexe Feld der Betreuung und Begleitung kranker Menschen wurde auf diese Weise Gegenstand gemeinsamen Erkundens aus verschiedenen Perspektiven.
Das Feld der Spiritualität in der Medizin, so zeigte sich schnell, ist hierzulande noch wenig erschlossen. Schon auf der Ebene der Begrifflichkeit bedarf es einiger Anstrengungen, und deshalb stehen am Anfang des hier vorgelegten Bandes Beiträge zu Begriffsgeschichte, Begriffsbestimmung und Begriffskritik zu Spiritualität.
Spiritualität ist auch hierzulande ein Bereich, der eher ein Spannungsfeld als einen Konsens darstellt: dies zeigt sich an der Abgrenzung zum Religionsbegriff, aber auch an konkurrierenden „Hoheitsansprüchen“ von Berufsgruppen und gesellschaftlich relevanten Institutionen (zum Beispiel Kirchen). Der zweite Teil des Bandes versammelt dazu pointierte und durchaus konträre Positionen.
Im Handlungsfeld des Gesundheitswesens bedarf es jedoch einer Übereinkunft und Operationalisierung von Spiritualität und spiritueller Begleitung, hier als Spiritual Care konzipiert. Während der Treffen des Arbeitskreises eröffneten ausgewiesene Experten präzisen Einblick in ihr Praxisfeld und gaben den Vertretern anderer Fachrichten Gelegenheit zu interessierten und kritischen Nachfragen und Anlass zu Deutungen aus ihrer eigenen Perspektive. Das Denken quer zu Gewohnheiten und angestammten Hoheitsbereichen wurde zu einem Merkmal der Gesprächskultur. Dies versucht der Band, insbesondere mit Beiträgen zu praktischer Spiritual Care aus der Sicht verschiedener klinischer Disziplinen nachzuzeichnen.
Wer über Spiritualität in der multikulturellen und multireligiösen Gegenwart nachdenkt, kann dies nicht ohne authentische Stimmen aus anderen Religionen und Traditionen, Kulturkreisen und Sprachwelten tun. Deshalb haben wir Autorinnen und Autoren eingeladen, beispielhaft und aus subjektiver Perspektive zentrale Aspekte der jeweiligen Spiritualität aufzuweisen.
Der abschließende fünfte Teil wirft Schlaglichter auf so verschiedene Bereiche wie Internetnutzung, Corporate Identity und Spiritualität als Alleinstellungsmerkmal einer Institution, auf Forschung, Qualifizierung und Kooperation zwischen Professionellen und Freiwilligen in der gemeinsamen Sorge für den kranken Menschen.
Die meisten der hier versammelten Autorinnen und Autoren haben an Sitzungen des Arbeitskreises Spiritualität und Medizin an der LMU teilgenommen. So erklärt sich das Übergewicht von Beiträgen aus München. Dies ist aber ein Resultat der fachübergreifenden Kommunikationskultur an der Universität München und dem offenen Klima der Liberalitas Bavariae. Diese bedeutet nicht nur die Toleranz im Umgang mit anderen Traditionen und Denkweisen als der eigenen, sondern auch die Fähigkeit, sich in einem Bereich zu orientieren, der noch lange nicht abschließend dargestellt, definiert und kartografiert werden kann.
In der Unbestimmtheit von Spiritualität und Spiritual Care liegt nach Meinung der Herausgeber ein Chance zur gegenseitigen Verständigung, zur gemeinsamen Gestaltung und zum Lernen authentischer Kommunikation.
Wir danken Herrn Prof. Gian Domenico Borasio und der Schriftleitung für die Aufnahme des Bandes in die Münchner Reihe Palliative Care, dem Kohlhammer Verlag, insbesondere Herrn Dr. Ruprecht Poensgen und Frau Christina Forster für die offene und verlässliche Zusammenarbeit, und der Evangelischen Stiftung Hospiz für die Gewährung eines Druckkostenzuschusses.
Wir hoffen, dass die Beiträge des vorliegenden Bandes Lehrenden, Forschenden und Lernenden in Medizin und Pflege, Seelsorge, Psychotherapie und Sozialarbeit Anregung zum eigenen Weiterfragen geben. Das hier vertretene offene Verständnis von Spiritualität dient der Öffnung gegenüber den individuellen, familiären und sozialen Lebenswelten der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten. Ihnen gilt unsere gemeinsame Sorge.
München, im Juli 2011
Eckhard Frick und Traugott Roser1
1 Frick E, Roser T (2011) Vorwort. In: Frick E, Roser T (Hg.) Spiritualität und Medizin. Gemeinsame Sorge für den kranken Menschen. 2. Aufl. Stuttgart, 9–10.
Bernhard Grom sj2
Spirituality – Career of a concept: the perspective of psychology of religion
This term has expanded to a collective concept during the cultural change and the „spiritual turn“ that took place in the 1960s. It includes religious and secular experiences and values. Thereby it can express an antimaterialistic concern, common to traditional religious communities as well as a post-traditional research of meaning and approaches of a holistic medicine, which might well be used especially in the health-related and gerontological research of quality of life. Because a global definition is hardly possible, the relevant questionnaires are restricted to specific dimensions. The relation to psychology of religion is being discussed.
keywords
spirituality – spiritual turn – psychology of religion – quality of life – New Age – esoteric
Die moderne Religionspsychologie, die mit den Fragebogenuntersuchungen von G. Stanley Hall (1881) und Edwin Starbuck (1899) sowie den Fallanalysen von William James (1902) begann, verwendet die Vokabel „spirituell“ traditionell im gleichen Sinn wie „religiös“. Seit den 1990-er Jahren muss sie sich allerdings mit der Tatsache auseinander setzen, dass Spiritualität in der allgemeinen Publizistik wie auch in der psychologischen Literatur zu einem Leitbegriff avanciert ist, der sich längst nicht mehr mit Religiosität deckt, aber auch nicht von ihr zu trennen ist. Das Verhältnis zwischen den beiden Bezeichnungen fing an komplex und klärungsbedürftig zu werden, als ab den späten 1960-er Jahren zuerst in der angelsächsischen Welt und dann auch in Europa eine „spirituelle Wende“ (Houtman et al. 2007) einsetzte, die – im Rahmen von umfassenden kulturellen Veränderungen – von verschiedenen Entwicklungen ausgelöst wurde.
In der Psychokultur, der Humanistischen Psychologie, der Transpersonalen Psychologie, der Meditationsbewegung sowie im New Age und anderen Esoterikrichtungen wurde es populär, von Spiritualität zu sprechen. Dabei nahmen Vordenker wie Abraham Maslow, Stanislav Grof und Ken Wilber an, dass mystische Gipfelerfahrungen (peak experiences) sowohl religiös als auch areligiös erlebt werden können und – wie schon William James meinte – den überall gleichen Kern von Religionen bilden, welche sie mit ihren „Dogmen“ nur nachträglich deuten. Sie zeigten auch eine Vorliebe für östlich-pantheistische Auffassungen bei gleichzeitigen Vorbehalten gegenüber theistischen Überzeugungen und jeder Form von organisierter Religion.
Gleichzeitig lösten sich die kulturellen Milieus und Traditionen mehr und mehr auf (Individualisierung, Enttraditionalisierung). Die Bindung an Kirchen und andere religiöse Institutionen (Deinstitutionalisierung) lockerte sich, und es wurde selbstverständlich, dass man sich aus dem Angebot jüdisch-christlich-muslimischer wie auch östlicher Religionen oder mythischer und schamanischer Vorstellungen eine individuelle Weltsicht und Praxis à la carte zusammenstellen konnte (kulturelle Pluralisierung, Globalisierung, Emanzipation), deren entscheidendes Kriterium die subjektive Erfahrung und Intuition war. So entstand auch das Bedürfnis, für all diese Auffassungen, Verhaltensweisen und Ziele ein hinreichend umfassendes Label zu finden.
Diese semantische Notwendigkeit wurde von einer anderen Seite noch verstärkt durch die Dynamik, die die vom Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith (1963) angestoßene Frage nach der Lebensqualität entfaltete. Die sozialwissenschaftliche Lebensqualitätsforschung betrachtete über die objektiven Lebensbedingungen (Sozial-Indikatoren) hinaus immer stärker das „subjektive Wohlbefinden“ (Zufriedenheit/Glücklichsein mit einzelnen Bereichen und dem Leben insgesamt) als wichtige Komponente. Damit animierte sie auch die Gesundheitspsychologie, Alternsforschung und Psychotherapie dazu, die einseitige Defizitorientierung durch eine Ressourcenorientierung zu ergänzen.
Auf dieser Linie gab schon die White House Conference on Aging (1971) der gerontologischen Versorgung und Forschung das Ziel „Spirituelles Wohlbefinden“ (spiritual well-being) vor. Dabei umschrieb sie das Spirituelle umfassend als „innere Ressourcen des Menschen, zumal sein wichtigstes Anliegen (ultimate concern), den grundlegenden Wert, auf den alle anderen Werte ausgerichtet sind, die zentrale Lebensphilosophie – gleich, ob religiös, antireligiös oder nichtreligiös –, die das Handeln einer Person leitet, zudem die übernatürlichen und nichtmateriellen Dimensionen des Menschen“ (Moberg, 1983/84).
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