Sprachinselforschung - Deutsche Sprachinseln in Australien -  - E-Book

Sprachinselforschung - Deutsche Sprachinseln in Australien E-Book

0,0
15,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Germanistik - Linguistik, Note: 1,3, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Germanistisches Institut), Sprache: Deutsch, Abstract: I. Einleitung Mit der sogenannten „First Fleet“, die am 18. Januar 1788 in der Botany Bay nahe des heutigen Sydney vor Anker ging, kamen nicht nur die ersten britischen Strafgefangenen nach Australien, sondern auch Deutschsprachige, ein Navigator und ein Sträflingsaufseher. Dieses Datum, wie auch die folgenden Tage (bis zum 7. Februar 1788), da die erste britische Kolonie auf australischem Boden – New South Wales – gegründet wurde, sollte bereits auf die Rolle Australiens nicht nur als 20.000 Kilometer entfernter „Abschiebekontinent“ für unliebsame Strafgefangene, sondern auch als Auswanderungsziel für unzählige Gruppen und Individuen, die aus politischen, wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen in den darauffolgenden zweihundert Jahren ihre Heimat hinter sich ließen, vorausdeuten. Unter den Einwanderern befand sich stets eine beachtliche Zahl an Deutschen oder Deutschsprachigen, die sich im 19. Jahrhundert vornehmlich in den Goldgräberorten wie auch in den sechs Kolonien des damaligen Australiens niederließen oder geschlossene homogene deutsche Siedlungen bildeten. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf den Phasen der Emigration Deutschsprachiger nach Australien – dies unter Berücksichtigung der Entstehung von Sprachinseln – wie auch auf der Entwicklung ihrer Muttersprache angesichts der englischsprachigen Dominanz bzw. politischer und historischer Ereignisse, die einen erheblichen Einfluss auf den Gebrauch des Deutschen ausübten. Im folgenden seien die linguistischen Merkmale des Deutschen in Australien nachskizziert. Vor diesem Hintergrund ist abschließend zu untersuchen, in welcher Weise von deutschen Sprachinseln in Australien gesprochen werden kann. Dies impliziert eine Untersuchung unter Berücksichtigung der definitorischen Bestimmungen von Sprachinseln nach dem heutigen Stand der Forschung. Ist es denn möglich, von deutschen Sprachinseln in Australien zu sprechen? Und welche Faktoren könnten sich Sprachinsel stabilisierend auswirken, unter welchen Bedingungen lösen sich Sprachinseln auf? [...]

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2002

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Phasen der deutschsprachigen Besiedlung Australiens
III. Die Entwicklung des Deutschen in Australien
III.1 Von 1838 bis 1872
III.2 Von 1914 bis 1945
III.3 Von 1945 bis 1970
III.4 Von 1970 bis heute
IV. Linguistische Merkmale des Deutschen in Australien
IV.1 Dialektale Merkmale
IV.2 Lexikalische Merkmale
IV.3 Phonologische Merkmale
IV.5 Syntaktische Merkmale, „code-switching“
VI. Schlussbetrachtung
VII. Literaturverzeichnis

Page 2

I. Einleitung

Mit der sogenannten „First Fleet“, die am 18. Januar 1788 in der Botany Bay nahe des heutigen Sydney vor Anker ging, kamen nicht nur die ersten britischen Strafgefangenen nach Australien, sondern auch Deutschsprachige, ein Navigator und ein Sträflingsaufseher. Dieses Datum, wie auch die folgenden Tage (bis zum 7. Februar 1788), da die erste britische Kolonie auf australischem Boden - New South Wales - gegründet wurde, sollte bereits auf die Rolle Australiens nicht nur als 20.000 Kilometer entfernter „Abschiebekontinent“ für unliebsame Strafgefangene, sondern auch als Auswanderungsziel für unzählige Gruppen und Individuen, die aus politischen, wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen in den darauffolgenden zweihundert Jahren ihre Heimat hinter sich ließen, vorausdeuten. Unter den Einwanderern befand sich stets eine beachtliche Zahl an Deutschen oder Deutschsprachigen, die sich im 19. Jahrhundert vornehmlich in den Goldgräberorten wie auch in den sechs Kolonien des damaligen Australiens niederließen oder geschlossene homogene deutsche Siedlungen bildeten.

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf den Phasen der Emigration Deutschsprachiger nach Australien - dies unter Berücksichtigung der Entstehung von Sprachinseln - wie auch auf der Entwicklung ihrer Muttersprache angesichts der englischsprachigen Dominanz bzw. politischer und historischer Ereignisse, die einen erheblichen Einfluss auf den Gebrauch des Deutschen ausübten. Im folgenden seien die linguistischen Merkmale des Deutschen in Australien nachskizziert. Vor diesem Hintergrund ist abschließend zu untersuchen, in welcher Weise von deutschen Sprachinseln in Australien gesprochen werden kann. Dies impliziert eine Untersuchung unter Berücksichtigung der definitorischen Bestimmungen von Sprachinseln nach dem heutigen Stand der Forschung. Ist es denn möglich, von deutschen Sprachinseln in Australien zu sprechen? Und welche Faktoren könnten sich Sprachinsel stabilisierend auswirken, unter welchen Bedingungen lösen sich Sprachinseln auf?

Page 3

II. Phasen der deutschsprachigen Besiedlung Australiens

Mit der sogenannten „Preußischen Union“, die 1817 unter Friedrich Wilhelm III. in Preußen gegründet wurde und die lutherische mit der reformierten Kirche vereinigte, kam es in Deutschland als Protest gegen die vom preußischen Königshaus forcierte Politik zur Bildung lutherischer freikirchlicher Gemeinden, die als Altlutheraner bezeichnet wurden. Viele dieser Gemeinden verließen ihre Siedlungsgebiete in Brandenburg, Ostpreußen, Pommern und Schlesien; über zweihundert Mitglieder einer orthodoxen lutherischen Gemeinde aus dem kleinen Ort Klemzig bei Züllichau im Südosten von Brandenburg folgten ihrem Pastor August Ludwig Christian Kavel in die 1836 gegründete britische Kolonie South Australia (die mit Religionsfreiheit und in ihrer Rolle als „sträflingsfreie“ Siedlungskolonie für sich warb), wo sie am 20. November 1838 vom Schiff „Prinz Georg“ an Land gingen. Sechs Kilometer von Adelaide entfernt gründeten sie ein Dorf am Ufer des Flusses Torrens und gaben ihm gemäß ihrer Herkunft den Namen Klemzig.1Nur wenige Wochen später, am 2. Januar 1839, legte das Schiff „Zebra“ mit weiteren 187 Einwanderern, vorwiegend aus dem Dorf Kay im Kreis Züllichau im Hafen von Adelaide an.

Abbildung I: Australien 1851

(Quelle: Microsoft Encarta 2001)

Ihr Kapitän Dirk Hahn arrangierte für sie einen Pachtvertrag im Glen Osmond Gebiet und sie gründeten eine Siedlung, die sie ihm zu Ehren Hahndorf nannten. Viele Lutheraner folgten gemeinsam mit ihren Pastoren bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts und gründeten

1Heute ist Klemzig ein Vorort im Nordosten von Adelaide.

Page 4

weitere deutsche Siedlungen in der Umgebung von Adelaide2, etwa Lobethal3(1841), Bethanien (1842) und Langmeil (1843). So wurde ab 1842 auch das nahegelegene Barossa Valley erschlossen. Um 1848 entstanden in der angrenzenden Kolonie Victoria deutsche Siedlungen bei Melbourne und Geelong, seit 1853 zwischen Melbourne und Adelaide, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Süden von Queensland, in Nordwestvictoria und im südlichen Teil von New South Wales. Unter diesen Emigranten befanden sich nunmehr solche, die weniger aus religiösen als aus politischen wie auch sozialen und wirtschaftlichen Gründen auswanderten. Die Revolution von 1848 war gescheitert, und im Zuge der Industrialisierung in den Städten wie auch als Folge schlechter Ernten auf dem Lande herrschten größtenteils Armut und Arbeitslosigkeit in Deutschland, die viele zur Auswanderung motivierten.

Als 1851 in Victoria und New South Wales (bei Ballarat und Bendigo) Gold gefunden wurde, zog dies Goldgräber und Abenteuer aus der ganzen Welt auf den fünften Kontinent. Auch unter jenen Einwanderern befand sich eine beachtliche Zahl an Deutschsprachigen, die ihre Spuren hinterließen: „German Track“ - ein Buschweg bei Tarnagulla im Herzen des „Goldenen Dreiecks“ von Victoria. Dieser Weg liegt in der Nähe von German Gully, hier arbeiteten deutsche Goldgräber an dem Kangaroo Reef in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts. Viele dieser Deutschen siedelten in den Goldgräberorten an und lernten zugunsten der Verständigung Englisch.