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In der Gärung gärt es rundherum schrecklich mit Rap, Schlägerei, Graffiti, polizeilichen Untersuchungen und allem, was dazu gehören kann, bis die Schose sich in Minne auflöst und alle ein bisschen gescheiter geworden sind oder auch nicht. Aus der Gärung rühren einzelne Manifestationen auf, eine Unterhaltung (Rainer Bressler, Aufruhr in Zürich 1986), ein Stück beinahe vergessener Geschichte (Ferdinand Freiligrath, Ein Glaubensbekenntnis 1844), der untaugliche Versuch eines Protests (Hans-Günther Bressler, Ein Glaubensbekenntnis 1934) und das Nachdenken über nachdenkliche Dichter und Denker (Hans-Günther Bressler, Gedichte der Verweigerung und ihre Autoren 1973). Wird solches Privatzeug als Spur gesichert, ist der Wertgewinn nicht der Inhalt der Spur an sich, aber das, was durch die Auseinandersetzung damit angestossen und ausgelöst wird. Privatzeug 1856 bis 2012, Versuch einer Spurensuche besteht aus fünf Spuren. Jede Spur hat eine andere Hauptperson. Eine Mutter, deren Sohn im Exil lebt. Da ist das Thema Migration (1). Ein Mensch, der seine Spuren sucht. Der spielerische Umgang mit der eigenen Geschichte (2). Ein Teenager, der sich seinem Tagebuch anvertraut. Auch das Intime muss irgendwie raus (3). Ein Dichter, der nicht mehr veröffentlichen kann. Protest gegen bestehende Verhältnisse (4). Ein Ausgewanderter, der Briefe von seinen Freunden, Verwandten und Bekannten aus der alten Heimat und aus dem übrigen Ausland erhält. Die Ankunft am fremden Ort (5). Die Spuren, die aus Dokumenten bestehen, erzählen Geschichten, die das Leben schrieb und die sich dementsprechend wie ein Unterhaltungsroman über scheinbar gewöhnliche Alltage lesen.
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Seitenzahl: 461
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Gärung. Roman Zürich 1995
von Gen Wil
Aufruhr in Zürich. Hörspiel Zürich 1986
von Rainer Bressler
Ein Glaubensbekenntnis. Gedichte Jauer 1934
Ein unaktuelles Manuskript. Königsfelden 1968
Gedichte der Verweigerung und ihre Autoren. Vortrag Umiken 1973
von Hans-Günther Bressler
Fotografien Archiv Bressler
Inhalt
Anmerkung des Herausgebers
Gärung
Aufruhr in Zürich, Hörspiel
Gärung (Fortsetzung)
Ein Glaubensbekenntnis
Gärung (Fortsetzung)
Ein unaktuelles Manuskript
Gärung (Fortsetzung)
Gedichte der Verweigerung und ihre Autoren
Gärung (Fortsetzung)
Anhang
Nachwort
Literatur
Verwendete Dokumente
Jugend und Dynamik sind
Heute letzter Trumpf.
Ist man allzu weit vom Kind
Gilt man rasch «am Rumpf».
Trotzdem bleibt es ein Gesetze,
Dass, was lebt und webt,
All im Wechsel und Gehetze
Aus dem Gestern lebt.
K, 30. IX. 72
S. l. Rainer von seinem «Alten»
Der Autor, Gen Wil, nimmt sich die Freiheit, in die Fiktion, die mit grösster Wahrscheinlichkeit 1995 geschrieben wurde und in dieser Zeit spielt, tatsächliche Ereignisse, Dokumente, Techniken, Kunsterscheinungen und Dinge zu verweben, die aus anderen Zeiten stammen (z.B. die Berghaus-Inszenierung im Opernhaus Zürich von 1985, Zeitungsartikel aus der NZZ von 2013 u. a. m.). Alle Personen sind reine Fiktion, ebenso wie beschriebe Parteien und Ereignisse (z.B. der SP-Plausch im Volkshaus ist Phantasie). Gärung ist, so ist anzunehmen, der Schwanengesang von Gen Wil. Gen Wils letztes Lebenszeichen – sonst ist über ihn nichts bekannt – stammt vom 2. Dezember 1995. Seither ist er von der Bildfläche verschwunden. Das anonyme Manuskript von Gärung (dreizehn fein säuberlich durchnummerierte, schmale Schulhefte mit linierten Seiten, in schwungvoller Schrift mit südseeblauer Tinte von A bis Z vollgekritzelt. Nach dem Schlusspunkt ist eine Unterschrift zu lesen, die klar als Gen Wil zu entziffern ist, so dass als Autor ein Gen Will angenommen werden kann.) wurde mit anonymem Schreiben dem Fundbüro der Stadt Zürich zugestellt. Schrift und Tinte der handgeschriebenen Adresse auf dem Briefumschlag – ohne Absender – und des handgeschriebenen, undatierten Briefes entsprechen der Schrift des Manuskripts. Der Poststempel auf dem Briefumschlag ist datiert vom 2. Dezember 1995 und als Aufgabeort ist Zürich-Wiedikon zu lesen. Im Brief steht des Briefschreibers letzter Wille. Im Ringen um Würde, die ihm zu Lebzeiten nicht vergönnt gewesen sei, sei es sein letzter Wille, dass dieses Manuskript, das er sich unter Qualen abgerungen habe, für die Nachwelt erhalten bleibe. Anlässlich einer Versteigerung der nicht abgeholten Dinge im März 2001 wurde der Briefumschlag samt Brief und Manuskript als Los mit der Bezeichnung «Romanmanuskript 1995» von Rainer Bressler, der damals noch nicht wusste, dass er Herausgeber werden würde, aus Jux für vier Franken zweiundsechzig ersteigert und in der Folge in seiner Wohnung an der Birmensdorferstrasse schubladisiert. Nachforschungen bei Einwohnerkontrollen verschiedener Grossstädte und Ergoogeln von Gen Wil erbrachten keine Ergebnisse, so dass die Lebensdaten von Gen Wil, bis auf das wahrscheinliche Todesdatum im Dezember 1995, unbekannt bleiben. 2012 setzt der Herausgeber sich das Ziel, Gen Wils letzten Willen zu erfüllen und einer verstummten Stimme Gehör zu verschaffen, zum Ergötzen und zur Unterhaltung einer geneigten Leserschaft.
Gärung. Roman Zürich 1995
von Gen Wil
Handlung und Personen sind frei erfunden.
Allfällige Übereinstimmungen mit tatsächlichen Ereignissen
und Personen sind rein zufällig.
Also… Personen und Handlung dieses Buches sind erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig. Hm… stimmt das? Immerhin habe ich in diesem Buch versucht, mich an meine Kindheit und Familie zu erinnern. Tja, ich denke, das Schlüsselwort ist «versucht». Nach allem, was man so hört und liest oder selber merkt, ist das Gehirn wenig an präziser Erinnerung interessiert. Davon wird im Folgenden noch die Rede sein. Also: letztlich würde ich sagen: Erinnerungen sind Fiktion. Und damit alles, was im Buch vorkommt.
Sprechblase aus Volker Reiche. Kiesgrubennacht. Graphic Novel. suhrkamp taschenbuch, S. 5
Sämi Bocksberger lacht sich ins Fäustchen. Protest (laut oder leise) lohnt sich, lohnt sich nicht, das ist hier die Frage. Fraglos ist (innerer oder äusserer) Protest eine Tatsache. In dieser oder einer anderen Form. Quod esset demonstrandum. Was zu beweisen wäre.
Die Ruhe vor dem Sturm. Bocksberger steht im vorderen Viertel des grossen Saals. Er lässt seinen Blick über das Geschehen schweifen.
Bocksberger nimmt zum ersten Mal an einem SP-Plausch teil. Der SP-Plausch ist ein traditioneller, alle zwei Jahre stattfindender geselliger Anlass der SP der hiesigen Stadt im Volkshaus, an dem gesetzte Genossinnen und Genossen, deren Freunde und zugewandte Orte, einzelne Mitglieder anderer Parteien und allfällige Spitzel der Rechten sich ein Stelldichein geben. Bocksbergers Freund, Dietsch Schaufelberger, ist Mitglied der SP und kennt all die Eggers, die Müllers, die Meiers, die Sturzenggers und wie sie alle heissen. Schaufelberger liebt Klatsch + Tratsch. Bocksberger ist scharf auf Schaufelbergers Klatsch + Tratsch.
Ausnahmsweise lässt Bocksberger sich in Schaufelbergers Aktivitäten hineinziehen.
Einmal überredete Schaufelberger Bocksberger, ihn in den Pfuusbus zu begleiten. Er, Schaufelberger, habe im Namen der Partei beim Obdachlosenpfarrer den Besuch einer Delegation seiner Kreispartei in dessen im Winter betriebenen Notschlafstelle für Obdachlose angekündigt. Nun hätten alle andern Vorstandsmitglieder der Kreispartei gekniffen. Alleine könne er nicht als Delegation auftreten. Bocksberger müsse ihm aus der Patsche helfen und ihn begleiten.
Wie beinahe alle Leute kennt Bocksberger den umtriebigen Pfarrer und sein Werk aus den Medien. Gutmenschen misstraut Bocksberger. Dennoch ist er neugierig darauf, diesen ominösen Pfuusbus einmal aus der Nähe zu sehen. Schaufelberger gegenüber ziert er sich, um ihn dennoch gespannt und in freudiger Erwartung zu begleiten.
Der Pfarrer begrüsst Schaufelberger und Bocksberger überschwänglich im Kreise seiner Obdachlosen, die er Freunde nennt, und der freiwilligen Helferinnen und Helfer. Er beginnt sogleich, Schaufelberger und Bocksberger das Konzept des Pfuusbus zu erläutern.
Der Pfuusbus ist ein Sattelschlepper, der von anfangs November bis Mitte April auf einem öffentlichen Parkplatz in einem Aussenquartier der Stadt aufgestellt ist. Im Bauch des Sattelschleppers befinden sich neben einer kleinen Küche mit Esstisch und Essbank gegen zwanzig Schlafkojen. An den fest platzierten Sattelschlepper angebaut sind ein Boden aus einfachen Holzplanken und darüber ein Zelt, das Vorzelt. Der Eingang zum Pfuusbus ist im Vorzelt. Im Vorzelt befinden sich lange Tische und Bänke und dahinter genügend Platz, um weitere Matratzen als Schlafplätze auszulegen. Vom Boden des Vorzeltes führt eine schmale Metalltreppe rauf zum Seiteneingang des Sattelschleppers, in die Küche zuerst und dann links nach hinten in den Bauch, wo die Schlafkojen sind. Insgesamt verfügt der Pfuusbus über achtunddreissig Schlafplätze. Tagsüber sind Pfuusbus und Vorzelt geschlossen. Um sieben Uhr am Abend werden Vorzelt und Pfuusbus für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Obdachlose flüchten sich vor der Kälte in den Pfuusbus, werden von Polizei und Anlaufstellen für Menschen in Not hergewiesen oder -gebracht. Sobald der Pfuusbus jeweils wieder für die Wintersaison geöffnet ist, spricht es sich herum. Es gibt Stammgäste, die die ganze Saison über oder einen Teil davon im Pfuusbus übernachten. Andere Gäste kommen für eine oder wenige Nächte. Ein Hüttenwart sorgt für Ordnung und verteilt die Schlafsäcke und weist die Schlafplätze zu. Manche Besucherinnen und Besucher kommen mit ihren Hunden. Besucherinnen und Besucher mit Hunden werden zu Matratzen im Vorzelt gewiesen, wo sie ihre Hunde bei sich haben können. Freiwillige Helferinnen und Helfer bereiten in Dreierteams das Nachtessen für die Besucherinnen und Besucher zu. Von weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erhalten die Besucherinnen und Besucher nach Wunsch und Bedarf seelsorgerische und solzialarbeiterische Hilfe. Im Sinne des Pfarrers ist der Pfuusbus das niederschwelligste Übernachtungsangebot für die Schwächsten der Schwachen, und zwar unentgeltlich.
Da taucht ein Staatsanwalt mit einer weiblichen Begleitung als weitere am Projekt interessierte Gäste auf. Die Aufmerksamkeit des Pfarrers wechselt zum Staatsanwalt und dessen Begleitung. Schaufelberger mischt sich plaudernd unter die bereits zahlreich erschienenen und an den Tischen beim Nachtessen sitzenden Besucherinnen und Besucher. Bocksberger steht zuerst verloren herum. Setzt sich dann auf eine Bank an einen der langen Tische, mitten unter die Leute. Beobachtet die Situation. Die Begleitung des Staatsanwalts, eine ältere Dame, stürzt sich auf ihn, tut so, als ob sie und Bocksberger alte Freunde sind und quetscht ihn aus, ob er im Pfuusbus als freiwilliger Helfer mitarbeite. Sie bewundere Menschen, die ihre Freizeit opferten, um diesen armen Leuten zu helfen. Bocksberger schnauft auf, als Schaufelberger zum Aufbruch mahnt. Kaum sind sie draussen, fragt Schaufelberger Bocksberger, ob er nicht vorgezogen hätte, sich noch etwas von Amanda Pfau bezirzen zu lassen.
– Wer ist Amanda Pfau?
– Ach, so unschuldig kann bloss mein Freund Bocksberger sein! Flirtet heftig mit einer Dame und weiss nicht einmal, wie sie heisst. Obacht. Sie ist SVP. Nein, halt: FDP, doch mit einem Drall nach SVP, stramm liberal und national denkend.
Bocksberger hat den Horror vor Parteiveranstaltungen. Während er im grossen Saal des Volkshauses am SP-Plausch alleine herumsteht, mag er nicht darüber nachdenken, welches Zusammenspiel von unerwarteten Dingen dazu geführt hat, dass er hier und erst noch äusserst gespannt darauf ist, wie die Abendunterhaltung beginnt und sich entwickeln wird.
Aus Schaufelbergers Schilderungen kennt er den üblichen Ablauf dieses Anlasses. Aperitif mit Vorprogramm im grossen Saal. Wobei dieser Teil von hübscher Hintergrundmusik begleitet wird. Dieser Programmteil beendet eine launige Rede des jeweiligen Präsidenten der Stadtpartei. Dieses Jahr, wie bereits seit einigen Jahren, ist Egger Präsident der Stadtpartei. Ihm eilt der Ruf voraus, vor Geist zu sprühen. Daher halten die Besucherinnen und Besucher des SP-Plauschs sich die Bäuche vor Lachen, bevor Egger seinen Mund richtig geöffnet hat. Eine Witzfigur sei Egger dennoch nicht, meint Schaufelberger. Egger besitze keinen Humor. Vielleicht sei es dieses Manko, das ihn zur Witzfigur werden lasse. Auf jeden Fall lachten die Leute, sobald Egger zu reden beginne. Kurz bevor Egger seine Rede beende, mindestens aber wenn die Rede zehn Minuten gedauert habe, stürzten sich die besonders wachen Besucherinnen und Besucher in die verschiedenen umliegenden Säle, wo lange Tische vorbereitet seien und das Büffet mit Antipasti und Pasta à discrétion aufgedeckt sei. Die Ersten ergatterten für sich und ihre Gruppe die besten Plätze, belegten ganze Stuhlreihen, reckten kreischend ihre Köpfe in die Höhe und winkten mit ausholenden Bewegungen, um ihren Freunden auch ja zu kommunizieren, dass sie hier seien und Platz für alle belegt hätten. Hätten die Leute sich die Bäuche vollgeschlagen, gehe es zurück in den grossen Saal. Dort spielt die Big Band der Arbeiterjugendmusik zum Tanz auf.
Wenn Hunde und Pferde nicht zu Malern und Schriftstellern werden, so mag das selbstverständlich sein. Wenn aber Menschen, welche im Besitze eines intakten Gehirnes, dazu noch geübte Denker sind und Ambitionen und Strebungen genug haben, trotz einem brennenden Wunsch keinen originellen Gedanken, keine sie befriedigende geistige Leistung vollbringen, so ist das für mich ein Tatbestand, welcher noch mehr Rätsel aufgibt, als die glänzendste geistige Leistung.
Boris Pritzker in: Marthi Pritzker-Ehrlich (Hrsg.), «Sehnsucht nach der Erfüllung». Forschungen zu Psychose und Psychopharmaka von Dr. med. Boris Pritzker, Frieling Berlin 1997, S. 49
Bocksberger steht alleine da im vorderen Teil des grossen Saales und sieht, dass der Aperitif in vollem Gang ist. Die Besucherinnen und Besucher des SP-Plauschs stehen in kleinen Grüppchen herum. Gläser mit Weiss-, Rotwein oder Prosecco oder Bierflaschen in den Händen. Begrüssen sich überschwänglich, hauchen sich flüchtige Scheinküsse auf die Wangen, klopfen sich auf die Schultern, plaudern munter. Fühlen sich offensichtlich pudelwohl im bewährten, bekannten Kreis bei breit ausgewalzter Gemütlichkeit. Das übliche Bild der Stehparty, an der Leute zusammentreffen, die sich kennen, beherrscht, schätzt Bocksberger, vier Fünftel des grossen Saales. Eine Horde von Kids steht dicht gedrängt um die Bühne. Bildet einen Gürtel. Dann ein praktisch leerer Zwischenraum. Daran schliesst sich das übliche Bild einer Stehparty an. Bocksberger staunt, wie abgesondert die Kids von den Stammgästen sind. Wie die beiden Gruppen sich nicht vermischen. Sich wohl auch nicht beachten. Schaufelberger hatte Bocksberger gegenüber nichts von Kids erwähnt, die den SP-Plausch besuchen. Bocksberger schliesst daraus, dass die Anwesenheit dieser Kids eine Ausnahmeerscheinung ist. Kids in Hip-Hopper Kleidung, manche im Gothic Look. Eine schrille, bunte Menge, die begierig in Richtung Bühne agiert und die Typen auf der Bühne anfeuert.
Bocksberger schaut auf die Bühne hinauf. Stellt sich auf Zehenspitzen, um über die Köpfe der Kids hinwegzusehen. Stellt freudig fest, dass die Jungs von der Band Rebellen mit Grund sich auf ihren unmittelbar bevorstehenden Auftritt vorbereiten. An ihren Instrumenten rummachen. Auch der Rotzbengel in seiner Hip-Hopper Hose und dem Hoodie, die Kapuze hochgezogen. Unter der Kapuze eine Strickmütze, die er beinahe bis zu den Augen runtergezogen hat. Bocksberger wundert sich, dass der Rotzbengel in diesem Aufzug nicht verschmachtet. Teenager ticken klar anders. Bocksberger fragt sich, ob der Rotzbengel für seinen Rapper-Auftritt Kapuze und Strickmütze ablegt. Glaubt sich zu erinnern, dass er bei seinem Auftritt im Knast 5 ebenfalls Strickmütze und Kapuze getragen hatte. Die Jungs spielen sich mit Finger- und Blasübungen auf ihren Instrumenten ein. Der Typ am Synthesizer macht an Knöpfen rum, die den Klang verändern. Rufe von der Ebene der Kids auf die Bühne rauf. Grinsen und freundlich blitzende Blicke von unten hinauf auf die Bühne und von der Bühne hinunter in die Menge der Kids. Gleich wird es losgehen, denkt Bocksberger. Er wendet sich um. Bewegt sich in Richtung hinterer Saalausgang und Eingangshalle. Um ein Auge voll zu nehmen, wie Egger, Schaufelberger und das restliche OK, Organisations-Komitee des SP-Plauschs, die Ankommenden begrüssen.
Mit Genugtuung stellt Bocksberger fest, dass das Stammpublikum sich selber genügt und nur zur Kenntnis nimmt, was ihm vertraut ist. Weder auf die Kids, noch auf die sich auf der Bühne auf ihren kurz bevorstehenden Auftritt vorbereitende Band achtet. Der Schock wird umso grösser sein, sobald die Band loslegt.
German Playwright Bertolt Brecht added elements of displeasure and the unknown to familiar everyday occurrences to utilize an “alienation effect” to his plays, where the audience was made to face actual conditions that are unpredictable in the real world. “BASARA”, as well, possesses the same function of breaking down pre-established harmony.
Tenmyouya Hisashi, BASARA. Japanese art theory crossing borders: from Jomon pottery to decorated trucks, 2010, Seite 15
Bocksberger fühlt sich wie ein einsamer Wolf, der im Dickicht einer Pflasterstein- und Betonöffentlichkeit herumstreicht. Er erreicht den hinteren Ausgang des Saales. Sein Blick fällt auf das zu beiden Seiten der Flügeltüre aufgebaute Aperitif-Büffet und auf die Besucherinnen und Besucher, die vereinzelt noch in den Saal kommen. Sie wenden sich dem Büffet zu. Bewaffnen sich mit einem Glas oder einer Bierflasche. Wenden sich um und lassen ihren Blick in die Runde schweifen, während sie sich langsam auf die Menge zubewegen. Sobald sie Bekannte erspähen, beschleunigen sie ihren Schritt.
Plötzlich blitzt in Bocksbergers Kopf ein Bild auf, das er zuvor flüchtig aufgenommen hatte. Das ihm erst jetzt ins Bewusstsein rutscht. Ihn irritiert. Er wendet seinen Kopf noch einmal zurück. Nach links. Zur Seitenwand hin. Wo bloss vereinzelte Gestalten sich aufhalten. Richtig! Da steht er noch. Eine Figur wie aus einem Science Fiction- oder einem Agenten-Film. Dieser zweite Blick lässt die Gewissheit aufquellen, dass er ähnliche Figuren unbewusst im Saal und in der Eingangshalle bereits wahrgenommen hatte.
Überall stehen roboterähnliche Männchen herum. Männchen mit rasierten Schädeln, Kugelköpfen, Body-Builder-Figuren, dunkler Kleidung, dunklen Hemden mit dunklen Krawatten, knopfgrosse Stecker in einem Ohr, wohl Mini-Kopfhörer. Fehlt nur noch die Sonnenbrille. Diese Männchen mischen sich unauffällig, mit klarem Dispositiv, gespielt zwanglos, unter die Leute. Im Saal, in der Eingangshalle. Sie fallen dem, der flüchtig schaut und gezielt bekannte Gesichter sucht, nicht auf. Sie stehen in sich ruhend, selbstgenügsam, ohne Getränke herum. Wie bestellt und nicht abgeholt, denkt Bocksberger. Geworfen. Mit wie mechanisch über das Geschehen peilenden Blicken.
Bocksberger kann es nicht fassen. Hat das OK tatsächlich Sicherheitsgorillas angemietet! Bocksberger muss unbedingt sofort Schaufelberger, der dem OK angehört, auf das lächerliche Sicherheitsdispositiv ansprechen.
Bocksberger geht zurück in die Eingangshalle, sucht den Blickkontakt mit Schaufelberger. Dieser steht beim Eingang. Er begrüsst, zusammen mit Egger, der Knüsli und der Reingauer, die Ankommenden mit Handschlag und gemütlicher Fröhlichkeit. Schaufelberger bemerkt Bocksberger, der im Abseits an eine Wand gedrückt wartet. Schaufelberger versteht Bocksbergers Blick. Verstohlen wirft Schaufelberger Bocksberger zwischen zwei Begrüssungen einen Blick zu, verdreht seine Augen und schneidet eine unmissverständliche Grimasse. Bocksberger steht möglichst abweisend herum. Er geht gezielt Höflichkeitsbegegnungen aus dem Weg.
Bocksberger lauert darauf, bis Schaufelberger frei ist und er ihn kurz angehen kann. Dieser geplanten und durchorganisierten Scheinidylle, brodelt es in ihm, gehört ein richtiger Aufruhr. Verstörend, provokant. Ein Aufruhr, der die Gemüter in Wallung bringt. Ein Blick auf seine Armbanduhr zeigt ihm, dass es in wenigen Minuten losgehen wird. Er freut sich wie ein Kind, dass gleich das Feld umgepflügt werden wird und die Wurzeln der aufgesetzten Etabliertheit ausgerissen werden.
Bocksberger war bloss seinem Freund Schaufelberger zuliebe vor Jahren in die SP eingetreten. Seine Aktivität in der Kreispartei 7 beschränkt sich auf das Bezahlen des Parteibeitrags. Im Gefolge Schaufelbergers hat er lustlos oberflächliche Kontakte mit Genossinnen und Genossen, mit lokalen Parteigrössen und selten auch mit auf nationaler Ebene für die SP agierenden Charismatikern über sich ergehen lassen. Dabei auch Einiges mitbekommen, was seinen Enthusiasmus für die Partei nicht ausgesprochen befeuert. Er tröstet sich damit, dass die anderen Parteien für ihn überhaupt nicht in Frage kommen, er rein ideell sich, wenn überhaupt einer Partei, dann der SP verbunden fühlt. Diese grundsätzliche Verbundenheit wegen konkreter und/oder personeller Mängel nicht in Frage gestellt wird. So dümpelte seine SP-Mitgliedschaft im Brackwasser eines mehr oder weniger gelingenden Alltags. Bis seine Parteizugehörigkeit sich für eine Kandidatur für eine Behördenstelle als glücklicher Zufall zu erweisen schien.
Dieser Zufall löste einen Höhenflug aus, der – im Nachhinein betrachtet – nicht anders als in einem Absturz enden konnte. Der Sturz Bocksbergers hatte für die SP-Leitung von Anfang an festgestanden. Bewirkte einen Riss zwischen Bocksberger und den Exponenten dieser und aller anderen Parteien. Ausser mit seinem Freund Schaufelberger. Seit diesem Riss begegnet Bocksberger denen, die ihn ins Messer hatten laufen lassen, locker. Versucht aber, ihnen geflissentlich aus dem Weg zu gehen. Egger hatte er beim Betreten des Volkshauses die Hand schütteln müssen. Bocksberger hatte Egger frech angegrinst. So getan, als ob nichts gewesen ist. Jetzt steht er grinsend mitten in der Löwengrube, die keine Löwengrube ist, weil er die Raubtiere als Papiertiger erkannt hat. Er denkt, wenn sie wüssten, wenn sie wüssten!
Ihr werdet noch staunen! Er hätte im Stile von Melvilles Bartleby süffisant hinwerfen können, ich würde lieber nicht! Und sich dieser Umwelt verweigern können. Wohin es bei Bartleby geführt hatte, ist bekannt. Daher zieht Bocksberger es vor, als süsse Rache einen Aufruhr anzuzetteln. So sein Glaubensbekenntnis abzugeben. Im Wissen darum, dass jede Opposition reflektiert sein muss. In die richtige Form zu bringen ist. Damit er, als Aufrührer, nicht aus der Gemeinschaft herausfault.
Das Befremden über die Zustände in der eigenen Umgebung ist kein Spass. Es macht einen zum Fremden zuhause. Irgendwie muss man es schaffen, wieder zuhause anzukommen, weiss Bocksberger. Wer möchte schon als krakeelender Aussenseiter eine schmierige Spur hinterlassen und dann als Dreck in die Geschichte eingehen. Besser, witzig und frech den Lahmärschen, allen untertänigsten, in vorauseilendem Gehorsam katzbuckelnden, ewiggestrigen, mit Verklärungsblick geschlagenen und für das pulsierende Leben blinden Untertanen einen Spiegel vorhalten. Bloss nicht als Mitläufer die Achtung vor sich selber verlieren. Lieber kämpfen und ringen mit diesen Menschlein. Sie schütteln. In der Hoffnung, sie zum Nachdenken zu bewegen. Ohne Menschen, ohne Mitmenschen läuft nichts. Zum Glück, grinst Bocksberger, hätschle ich meine Besessenheit und meine Sturheit. Von letzterer besitze ich eine gehörige Portion.
Schaufelberger huscht zu Bocksberger und zischt, sobald ich nicht mehr Händchen zu schütteln brauche, verziehen wir uns mit einem Bier in eine ruhige Ecke. Bocksberger schaut kurz, aber demonstrativ in die Richtung eines nahe beim Eingang zum grossen Saal stehenden Roboter-Männchens. Schaufelbergers Blick folgt dem Blick Bocksbergers. Er lacht, ach so! Egger habe darauf bestanden, nachdem Veranstaltungen der SVP von Chaoten gestört worden seien, dass auch am SP-Plausch ein Sicherheitsdispositiv aufgezogen werde, jedoch unter keinen Umständen die Securitas, die in ihren Uniformen allen auffallen. Er habe verlangt, dass diskret Sicherheit garantiert werde, und ihm die Visitenkarte einer Firma zugeschoben, die den Anforderungen entspreche. Er, Schaufelberger, habe genau das getan, was der Präsident gewünscht habe. Das sei nun das Resultat. Egger habe eben Schiss, dass beim geringsten Vorfall ein Mediengewitter ausbreche.
– Egger spinnt!
Schaufelberger zuckt mit den Schultern und stürzt sich auf die immer noch Ankommenden, um sie mit Handschlag und breitem Grinsen zu begrüssen.
Die gegen Bocksberger inszenierte Intrige der Parteigewaltigen, nicht nur der SP, aber aller Parteien, auch der Bürgerlichen, hatte die neuste Wendung der Dinge gebracht.
Bocksberger war vor etwas mehr als einem Monat siegesgewiss auf die Besuchertribüne des Ratssaales zugestrebt. Seine sichere Wahl durch den Gemeinderat genüsslich erwartend. Müller und Knüsli, seine Mitkonkurrenten, hatte er fröhlich begrüsst. Müller hatte ihm zugeraunt, du wirst es schaffen. Knüsli hatte verlegen grinsend fallen lassen, ich bin halt das fünfte Rad am Wagen, das in diesem Fall aus strategischen Gründen da sein muss. Dann hatten sie alle drei Kandidaten zwischen weiteren Besuchern Platz genommen.
Es dauert einige Zeit, bis Traktandum 151 an der Reihe ist. Im ersten Wahlgang erreicht Bocksberger zwar die meisten Stimmen, überflügelt Müller und selbstverständlich Knüsli, der chancenlos ist, verpasst aber das absolute Mehr um wenige Stimmen. Die Tatsache, dass ein zweiter Wahlgang erfolgt, beunruhigt ihn nicht. Er grinste Müller und Knüsli noch immer siegesgewiss zu. Dann beim zweiten Wahlgang, Blitz und Donnerschlag und ein Dolchstoss streckt Bocksberger nieder. Müller erhält 87 Stimmen und hat haushoch gesiegt. Bocksberger schreit vor Schmerz und Jammer stumm auf. Er weiss mit einem Mal: ein abgekartetes Spiel. Er wurde von den Politikern als Spielball missbraucht!
In diesem Moment entstand der Riss. Bocksberger erlebt die Geschichte noch einmal, als ob sie sich erneut abspielte. Ein Film, in den er eintaucht und von dem er weggetragen wird. Er verlässt das Rathaus wie von Sinnen, türknallend (hätte er gerne, doch die Türe des Rathauses hat einen Schliessmechanismus, der sie sanft von selber schliesst und jeglichen Knaller verunmöglicht). Er mischt sich mit brodelndem Kopf unter die Passanten auf dem Limmatquai. Er stakst vorwärts. Er pflügt sich eine Gasse durch das Gedränge. Plötzlich hält er inne. Ich verspüre eine riesige Hitze, denkt er, dabei ist es hier draussen kühl und windig. Dieser Gedanke bringt ihn, auf dem Limmatquai stehend, nach der Wahlniederlage, in gewisser Entfernung vom Rathaus, zur Besinnung. Mit leichter Verzögerung erinnert er sich wieder daran, dass er den Ort des schamlosen Geschehens wutschnaubend verlassen hatte. Ernüchtert, wie er ist, fragt er sich, ob wenigstens Schaufelberger ihm aus dem Rathaus gefolgt ist?
Vorne kein Stauraum für Träume, hinten Romantik mit Mängeln und in der Mitte jener pralle Wahnwitz, der unseren Fluchtwunsch verursacht.
Markus Werner, Am Hang, Position 412 E-Book
Als sein Freund hätte Schaufelberger ihm unbedingt folgen müssen. Aus Mitgefühl, aus Solidarität, aus Freundschaft eben. Bocksberger wirft angstvoll einen Blick zurück. Der Menschheit ganzer Jammer packt ihn an. Sein Rundblick bestätigt seine schlimmste Befürchtung. Sein Freund folgt ihm nicht.
Bocksberger hätte auf der Stelle losheulen mögen. Kein Schwein kümmert sich um ihn. Er ist allen scheissegal. Alle sind bloss auf sich, ihren Auftritt, ihren Vorteil und ihr Fortkommen fixiert. Bloss er glaubt, immer allen mit seinem Handeln und Reden gefällig sein zu müssen. Nett sein zu allen. Ihnen die gewünschten Stichworte liefern. Damit diese Popanzen ihre Monologe aufbauschen und selbstgefällig rausplätschern lassen können. Man müsste diesen Schön-Mächtig-Reichen und ihren Untertanen einen Brand unter den Hintern legen. Mit einem hochwirksamen Brandbeschleuniger. Damit es endlich einen Aufruhr gibt. Einen richtigen Aufruhr!
Weshalb, zum Teufel, denkt Bocksberger voller Wut, ist kein RePorter da, dem er, das kleine Würstchen, seine Tragödie brühwarm ins Mikrophon schleudern kann und der dieses Geschehen als Skandal aufgebrezelt in die weite Welt verkauft. Wie verlogen die Politik ist!
Alter Käse!
Bocksbergers Gefühl knickt ein, bevor er diesen Traum zu Ende phantasiert hat. Er fühlt sich lächerlich. Ein kopfloser Hanswurst mitten auf der Strasse. Mitten unter nichtsahnend Eilenden. Bei der Vorstellung, dass ihm der Kopf fehlt (wo ist mein Kopf, Hilfe! Trage ich ihn unter dem linken Arm oder rollt er wie ein Ball davon?) schüttelt ihn unwillkürlich ein Lacher. Er ist sich der jüngsten Wendung der Dinge bewusst und weiss, dass er jetzt unmöglich schnurstracks nach Hause gehen kann. Liza würde triumphieren. Sie müsste ihn auslachen. Und dies zu Recht. Sie wiese ihn darauf hin, dass sie ihm keinen Trost spende, weil sie die ganze Sache von allem Anfang an idiotisch gefunden habe. Ihm wird mit einem Mal bewusst, dass er mitten in einem Gedränge stillsteht. Lacht wie ein Idiot.
Trotzig denkt Bocksberger, alle können mich! Einem vorbeieilenden Typ, der im Vorübergehen den Kopf nach ihm, Bocksberger, zurückverdreht, streckt er die Zunge raus. Der Typ verhaspelt sich in dem Moment mit seinen vorwärtsgeschmissenen Beinen, strauchelt, fängt sich auf, seinen Blick wieder vorwärts gerichtet. Er hat meine Geste nicht mal mitbekommen, denkt Bocksberger bitter. Sich vom Stolperkandidaten abwendend, seinen Blick nach innen richtend, stillstehend, ruhig atmend, irritiert, murmelt Bocksberger erstaunt vor sich hin, ich bin verletzt. Ich leide.
Diese Feststellung erleichtert Bocksberger. Er weiss, woran er ist. Gewinnt neuen Schwung. Setzt sich mit elastischen Schritten vorwärts in Bewegung. Bis er sich, belustigt, doch heftig, fragt, verflixt, wohin gehe ich? Ziellos geht er weiter, wahllos Strassen, Gassen nach links und rechts einschlagend. Seiner Nase nach. Er sieht die Welt mit neuen Augen. Er geniesst Anblicke, die ihm im gewöhnlichen Alltag nie aufgefallen waren. Er denkt darüber nach, wie achtlos der Mensch durch sein Leben wutscht. Selbst wenn das Hasten keine Hast bedeute, sei die nahtlose Folge von Wahrnehmungen, Begegnungen, Dingen, Menschen, Ereignissen ein schwindelerregender Tanz, in dem das kleine Menschlein, nichts Böses ahnend, gefangen ist und selbst den Genuss, wenn es überhaupt in der Lage ist, etwas auch tatsächlich zu geniessen, nicht festzuhalten ist. Das «verweile doch, du bist so schön» setze klar einen Pakt mit einem Teufel voraus.
Als Bocksberger aufschaut, steht er am Stauffacher. Er weiss nicht weshalb, doch er befindet sich klar am Stauffacher. Er fühlt sich erfrischt, wie neugeboren, hat das ziellose Flanieren auf Boulevards, auf Strassen, auf Gässchen und wieder auf Strassen und Plätzen, dem Schauen und vagen Denken hingegeben, genossen. Die Vorstellung, jetzt ausgerechnet vor einem Starbucks zu stehen, schüttelt ihn. Ironie des Schicksals, nach der Niederlage im Rathaus ein Starbucks! Bocksberger hat noch nie ein Starbucks betreten. Auch kein McDonalds. Ausser in Okinawa einmal aus reiner Verzweiflung ein Kentucky Fried Chicken. Weil er schlicht nicht mehr die Nerven gehabt hatte, sich an diesem touristisch nicht erschlossenen Ort durch die Fremdheit der einheimischen Restaurants hindurchzuschlagen. Die Chicken Nuggets und der Coleslaw-Salad hatten ihm geschmeckt. Und er hatte sich mit seinem Schicksal, damals, in Japan, in der Fremde, wo er sich total verlassen vorgekommen war, wieder ausgesöhnt.
Bocksberger gibt sich einen Stoss, amüsiert. Auf in den Kampf! Er tastet sich ins Innere des Starbucks vor. Er stellt sich hinten in eine der beiden Warteschlangen vor der Theke. Beide Schlangen sind gleich lang, sehr lang. Ihm ist die Warterei egal. So kann er beobachten, wie es hier vor sich geht, bevor er an der Reihe ist. Orte, die er nicht kennt, machen ihn nervös. Er will sich nicht daneben benehmen. Keinen Idioten aus sich machen. Er wundert sich über sich selber, wie er aus Neugierde auf etwas wartet, das er nicht mag. Er mag nicht Kaffee, trinkt nie welchen. Was hat er hier verloren? Sein Stolz verbietet ihm, sich vorzeitig wegzustehlen. Der Anblick der andächtig wartenden Leute lässt seine Gedanken abschweifen. In Sekundenschnelle rattert ein Erinnerungsfilm durch. Gestochen scharfe Bilder der einzelnen Vorgeschichten seiner schockierenden Nichtwahl durch den Gemeinderat blitzen auf. Kaum aufgeblitzt, spielen sie hübsch chronologisch in Sekundenschnelle, während des Wartens, den Erinnerungsfilm seiner Tragödie ab.
Im radikalsten Sinne lässt sich das Reale der subjektiven Erfahrung nur in Gestalt der Fiktion wiedergeben.
Slavoj Zizek, Parallaxe, S. 42
Der erste Akt von Bocksberges Tragödie: der Anruf von Theo Güller.
Bocksbergers Vorwissen über Theo Güller: Er mischt überall mit. In der Politik, in der Wirtschaft, in den Medien. Sein Markenzeichen ist die Unauffälligkeit. Als Erscheinung ein dezenter Bürger mit streng gezogenem Scheitel im weissen Haar. Das Haar immer tadellos geschnitten, wie direkt vom Frisör. Obwohl Mitglied der SVP, die in der Region sich als extreme Rechte profiliert, ist Theo Güller moderat und kennt keine Berührungsängste. Aufrecht und sympathisch flutscht er überall durch, ist in der Politik regelmässig Kandidat für höchste Ämter, auch für die Opposition annehmbar, schafft aber keine Wahl, was seinem Ansehen nie schadet und auch nicht verhindert, dass er bei einer nächsten Wahl wieder als Kandidat auftritt. Im persönlichen Umgang ist er offen, geht auf sein jeweiliges Gegenüber empathisch ein und verwirrt vor allem die Leute aus dem oppositionellen Lager, weil er nicht wie ein eingefleischter Rechter daherkommt. In eingeweihten Kreisen ist man gut beraten, sich mit Theo Güller gutzustellen, weil er als graue Eminenz gilt. Bocksberger hat weder beruflich, noch in der Partei eine Position, die ihn für eine Person im Zentrum des öffentlichen Lebens, wie Theo Güller, interessant macht. Dennoch hat er, am Rande jeweils und im Bewusstsein, dass er jemandem vom Format eines Theo Güller keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, in zufälligem Small Talk erlebt, wie Theo Güller vom Allerweltsgeschwätz zu einem persönlichen Gespräch wechselt, bei dem Bocksberger sich ihm gegenüber öffnet und ihm dies oder das anvertraut, weil die Zugeneigtheit Theo Güllers ihn umgarnt. Schaufelberger warnte Bocksberger, Theo Güller tue nichts ohne Absicht. Seine Stärke sei eine weitgespannte Vernetzung. Bocksberger ist erstaunt, gleichzeitig aber auch geschmeichelt, als Theo Güller ihn vor einiger Zeit aus heiterhellem Himmel anruft und sich dabei so vertraut gebärdet, als ob sie dicke Freunde sind.
– Sämi, ich verfolge deine berufliche Tätigkeit seit einiger Zeit und bin tief beeindruckt von deinen Fähigkeiten. Du brauchst nicht weiter erstaunt zu sein, schliesslich geniesst du auf deinem Amt einen guten Ruf. Das haben mir Freunde, mit denen du beruflich zu tun hast, bestätigt. Ich will nicht um den heissen Brei herumreden. Bestimmt hast du längst gemerkt, weshalb ich dich heute anrufe. Ja, ja, der Müller!
Theatralisch und mit einem Schuss zu viel Ironie presst Theo Güller diese letzte Bemerkung hervor. Bocksberger horcht auf. Er ahnt sogleich, dass Theo Güller ihn, den harmlosen und unbedeutenden Durchschnittsmenschen, über Müller aushorchen möchte. Müller hat sich als Kandidat der SP für ein politisch zu bestellendes Amt vorgedrängt und wird, allem Anschein nach, auch offiziell als Kandidat aufgestellt werden. Bocksberger will ausgerechnet Theo Güller gegenüber nicht aus der Schule plaudern. Er hält sich bedeckt und schweigt. Gleichzeitig irritiert ihn, dass Theo Güller ihn trotz der indirekten Aufforderung, sich zu Müller und dessen Kandidatur zu äussern, nicht zu Wort kommen lässt. Theo Güller scheint Bocksbergers demonstratives Schweigen nicht einmal zu beachten. Er redet fröhlich weiter.
– Keine falsche Sorge, Sämi, es wäre fies von mir, falls ich dich über Müller ausnehmen wollte. Zudem sind die Qualifikationen Müllers, beziehungsweise das Fehlen derselben, ein offenes Geheimnis. Nein, nein, mir geht es um etwas ganz anderes, das ich in diesem Zusammenhang mit dir besprechen möchte.
Bocksberger ist gespannt. Die Kandidatur Müllers für dieses Amt hat er bloss am Rande mitbekommen, weil Schaufelberger über alles tratscht. Diese Angelegenheit interessiert ihn mässig. Dennoch ist Einiges von Schaufelbergers Tratsch hängengeblieben. Unter anderem auch, weil Bocksberger beruflich einmal Müller persönlich getroffen hatte.
In einem Fall, wo Müller Auskunftsperson gewesen war. Sich aufgedrängt hatte, um eine Aussage machen zu können. Müller hatte sogar eine Vollmacht der im Fall betroffenen Person beigebracht. Er wollte unbedingt in das Verfahren einbezogen werden. Bocksberger meinte, seine, Müllers, Aussage sei nicht notwendig. Daraufhin spielte Müller sich auf, schmiss mit juristischen, falsch angewendeten Begriffen um sich, so dass Bocksberger klar war, dass Müller nicht Jurist ist. Aus Anstand fragte Bocksberger Müller, ob er Jurist sei. Müller lachte höhnisch.
– In Sachen Recht kann niemand mir etwas vormachen.Ich weiss, wie man die Herren Rechtsverdreher aus dem Busch klopft.Ich kenne das ZGB.
Bocksberger war es zu blöd gewesen, sich mit Müller rumzustreiten. Er hörte sich an, was er zu sagen hatte. Dabei belastete Müller die Person, die er angeblich vertritt. Verschlechtert ihre Situation.
Schaufelberger empörte sich, dass der Parteivorstand Müller als Kandidaten aufstellt. Intern sei zwischen den Parteien klar, dass für dieses Amt ausschliesslich ein Jurist in Frage komme. Es sei ein Skandal, dass unter diesen Voraussetzungen der Parteivorstand mit Müller die grösste Flasche, die nicht einmal Jurist sei, als offiziellen und einzigen Kandidaten präsentiere. Mit Oberli hätte für die SP ein bestens qualifizierter, etwas aufmüpfiger Jurist als weiterer Kandidat zur Verfügung gestanden. Oberli habe neulich zu Recht dem Parteivorstand in einer anderen Angelegenheit Vetternwirtschaft vorgeworfen. Gedroht, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Damit habe Oberli sich beim Parteivorstand unbeliebt gemacht. Müsse abgestraft werden. Oberlis Anmeldung zur Kandidatur sei ohne Begründung zurückgewiesen worden.
Die weiteren Ausführungen zum Fall Müller hatte Schaufelberger genüsslich auf seiner Zunge zergehen lassen. Bocksberger hing ihm gebannt am Munde. Nach der offiziellen Version sei Müller ein armer Tropf, habe seine letzte Stelle, während der Probezeit, nota bene, bereits verloren und befinde sich in Scheidung. Diese Geschichte sei echt berührend und der Parteivorstand könne sich mit der Nomination Müllers als Kandidat als Rettungsengel aufspielen. Tatsache aber sei, dass Parteipräsident Egger, Müller als den fähigsten Mann für dieses Amt bezeichne. Egger habe auch klar gemacht, dass er in der Lage sei, dies zu beurteilen. Wer das Gegenteil behaupte, sei ein Ignorant. Endlich habe die SP wieder einmal Gelegenheit, den andern zu zeigen, dass in elitärem Dünkel errichtete Hürden, die nicht einmal gesetzlich verankert seien, zu beseitigen seien.
Wie Egger dazu komme, ausgerechnet Müller als den fähigsten Mann zu bezeichnen, wüssten wenige, doch er, Schaufelberger, wisse es. Müller habe Egger vor Jahren steuerlich beraten. Bei steuerlicher Beratung gehe es in der Regel darum, Schlupflöcher zu finden, die rechtens oder eben doch nicht ganz so rechtens sind. Auf jeden Fall habe Müller jetzt Egger, und nicht nur Egger, auch andere Mitglieder vom Parteivorstand, in der Hand. Und Müller sei eben scharf darauf, sich den grossen Lohn zu besorgen, den das Amt einbringt.
Bocksberger ist das Thema Müller am Telefon mit Theo Güller peinlich, weil er von dem, was er weiss, insbesondere Theo Güller nichts verraten will.
– Ich sehe, fährt Theo Güller fort, etwas schwarz für das abgekartete Spiel deiner SP. Der Anspruch der SP auf die Besetzung des Amtes ist klar. Es steht auch fest, dass der von der SP vorgeschlagene Kandidat vom Gemeinderat gewählt wird, selbst wenn andere Parteien Gegenkandidaten aufstellen würden, womit aber nicht zu rechnen ist. Ich will offen zu dir sein, Sämi. Über Müller habe ich, abgesehen davon, dass er nicht Jurist ist, nicht so gute Dinge gehört. Wenn ich die Dinge weiss, wer weiss, wer sonst noch davon Wind bekommen hat. Wenn nun zu viele Leute unschöne Dinge über Müller wissen, schadet es dem Ansehen der SP, dass sie ausgerechnet Müller als Kandidaten aufstellt. Der Gemeinderat wird wütend sein, dass er keine Wahl hat und Müller durchwinken muss. Mit Egger kann ich darüber nicht sprechen. Überhaupt sind mir die Mitglieder des Parteivorstandes zu sehr verklüngelt. Und aus der Fraktion, eurer Fraktion, vernehme ich Stimmen, die meine Sorge teilen. Was, lieber Sämi, ist da zu tun? Ich weiss, ich weiss, du scherst dich nicht um Politik, bist aber ein kluger Kopf. Wie könnte man das Ansehen der Partei retten.
– Du sagst es ja selber, Theo, der Gemeinderat müsste eine Wahl haben.
– Hat er aber nicht.
– Dann muss man, verdammt nochmal, dafür sorgen, dass er eine Wahl hat!
– Richtig, das ist es. Du hast absolut Recht, Sämi. Doch wie, seufzt Theo Güller, können wir dafür sorgen, dass der Gemeinderat die Wahl hat?
– Theo, du weisst, mir ist Politik wurst. Schaut ihr Politiker, wie ihr einen Gegenkandidaten findet. Es gibt bestimmt genügend fähige Juristinnen und Juristen, die nach diesem Amt schielen. Oberli, zum Beispiel.
– Genial! Sämi, das ist genial. Eine Doppelkandidatur der SP. Keine Gegenkandidatur der Bürgerlichen. Sie wäre ein Affront gegen die SP. Eine Doppelkandidatur der SP, das ist die Lösung! Oberli jedoch steht nicht mehr zur Verfügung. Ich weiss, es ist noch geheim, bitte, bloss im Vertrauen: er hat eine Bombenstelle in Aussicht und ist nicht weiter an diesem Amt interessiert. Ich habe meine Beziehungen spielen lassen. Ein so brillanter Kopf muss richtig eingesetzt werden. Sag mal, Sämi, weshalb lässt du dich eigentlich nicht aufstellen? Blöde Idee, war bloss ein Witz. Vergiss es wieder.
Bocksberger hatte sich zuvor geweigert, diesen Gedanken anzudenken. Doch jetzt, wo ein anderer ihn ausgesprochen hat, beginnt die Sache ihn zu reizen. In seinen Träumen malt er sich die schönsten Dinge aus. Im Alltag aber fehlt es ihm an Ehrgeiz. Er schreckt auch davor zurück, sich anzupreisen und zu verkaufen. Steht Theo Güller hinter ihm, könnte seine Kandidatur für dieses Amt eine Chance haben und er wird sich nicht a priori blamieren. Dabei fällt ihm wieder ein, als er von der Kandidatur Müllers gehört hatte, hatte ihm durch den Kopf geblitzt, selbst ich wäre tausendmal besser für dieses Amt als diese Flasche! Theo Güller plätschert wie ein Wasserfall, nennt Bocksberger unzählige wohlklingende Namen aus dem Gemeinderat, Mitglieder der Bürgerlichen, die ihm zugesichert hätten, für ihn, Bocksberger, zu stimmen, falls er sich dazu durchringen könnte, seine Kandidatur beim Parteivorstand anzumelden. Gegen eine Doppelkandidatur könne die SP nichts haben. Und wahre damit ihr Gesicht. Zudem sei das Unheil, das Müller im Amt bestimmt anrichten würde, verhindert. Er, Bocksberger, müsse als Mitglied der SP seine Verantwortung wahrnehmen, den Skandal verhindern. Als Retter in der Not zur Verfügung stehen. Bocksberger ist berauscht. Selbst im Nachhinein sagt er sich, dass die Sache zu Beginn überzeugend geklungen hatte.
Die Fernsehserie ist die Kunstform des frühen 21. Jahrhunderts. Serien wie «Sopranos», «Breaking Bad», «House of Cards» sind die teuerste, komplexeste, aber auch heisseste Ware auf dem Markt. Als einzige Kunstform sind die TV-Serien Avantgarde und populär zugleich. Sie erregen Theoretiker wie Publikum. Sie sind – vielleicht neben der Computerindustrie – die letzte Branche, die bei ihren Kunden regelmässig Begeisterung herstellt.
Constantin Seibt, Nichts nimmt ein Ende. Dies ist das Zeitalter der Serie: Fernsehserien dominieren die Kunst, die Finanzkrise den Rest der Welt. Porsches bleiben Porsches, werden aber immer dicker. Ein Kongressbericht, Tagesanzeiger vom 13. November 2013, Hintergrund, Seite 8
Der zweite Akt von Bocksbergers Tragödie: die Reaktion von Liza.
Bocksberger quält sich mit der Auswahl eines günstigen Augenblicks, um Liza seinen neusten Plan zu eröffnen. Er ist selber irritiert darüber, dass er sich scheut, ausgerechnet mit Liza seine Pläne zu besprechen. Er redet sich zwar ein, Liza mit seinem Scheiss nicht belasten zu wollen und daher den geeigneten Moment abwarten zu müssen, bis sie Zeit für ein ernsthaftes Gespräch habe, weiss aber gleichzeitig, dass er tun wird, was er will, eine Ablehnung seiner Pläne durch Liza ihn jedoch verunsichern würde. Bocksberger erachtet den Moment der Wahrheit für gekommen. Sie sitzen seit gut zwanzig Minuten beim Nachtessen. Liza hatte Bocksberger ausschweifend über ihren Zwiespalt bei der Behandlung eines Konflikts im Geschäft berichtet. Es ist alles gesagt. Liza schweigt. Bocksberger denkt, jetzt oder nie. Er gibt sich einen Stoss. Er schöpft sich bewusst noch etwas Kartoffeln, um seinen Blick zu beschäftigen und lässt wie nebenher fallen, übrigens habe er sich entschlossen und so weiter, während er verstohlen von der Kartoffelschüssel zu Liza hinschielt.
Liza kriegt einen Lachanfall. Hört nicht mehr auf zu lachen. Bocksberger ist perplex. Intuitiv lässt er den Schöpfer in die Schüssel fallen. Er starrt Liza entgeistert an. Sie weicht seinem Blick aus, während sie von Lachern geschüttelt wird. Bocksberger bleibt die Spucke weg. Er will nichts sagen, er wüsste nicht, was er sagen sollte. Es dauert eine Weile, bis das Lachen Lizas abschwillt und sie, noch immer zwischen Lachern, hervorpresst, nein, Hilfe! Tu mir das nicht an! Ich habe nichts anzuziehen für die Feier deiner Wahl.
Stille. Bocksberger schaudert. Mit einem Mal wird Liza ernsthaft, reisst sich klar zusammen. Bocksberger und Liza schauen sich in die Augen. Liza bittet Bocksberger inständig um Entschuldigung für ihre blöde Reaktion. Es sei ein unseliges Zusammentreffen gewesen, dass ausgerechnet in dem Moment, wo er ihr seine Pläne erzählt habe, ihr ein Witz wieder eingefallen sei, den ein Kollege im Büro erzählt habe. Bocksberger ist enttäuscht. Es würde ihn schrecklich reizen, Liza auf ihre Reaktion anzusprechen. Gleichzeitig befürchtet er, dass eine ernsthafte Aussprache die ganze Angelegenheit komplizieren würde. Er zwingt sich zu einem Lachen, von dem er annimmt, dass es natürlich und locker klingt. Liza lacht ebenfalls. Sie greift mit ihrer Rechten nach seiner Linken, drückt sie und lächelt.
Vielleicht besteht zwischen von Warteck und seinen Kollegen dieselbe Partnerschaft wie zwischen einem Romanautor und seiner Leserschaft. Mit den blossen Worten allein ist wenig anzufangen, der Leser braucht seine Fantasie, um den Text zu beleben.
Andreas Pritzker, Eingeholte Zeit. Erzählung, munda 2001, Seite 90
Dritter Akt von Bocksbergers Tragödie: Schaufelberger und die Genossinnen und Genossen.
Am meisten Schiss hat Bocksberger vor der tatsächlichen Anmeldung seiner Kandidatur. Sie kann ihm keiner abnehmen. Er muss selber tätig werden. Theoretisch weiss er, wie man es geschickt einfädeln müsste, und in seinen Tagträumen schafft er es brillant. Stellt er sich aber konkret vor, zuerst dem Parteivorstand und der Parteileitung nahe stehenden Genossinnen und Genossen seine, als eventuell deklarierte, Absicht zu kommunizieren, graut es ihm. Er mag sich nicht mit solchen Leuten und solchen Dingen herumschlagen. Alles ist ihm schlicht zuwider. Am liebsten hätte er, dass ihm Kandidatur und Wahl ohne sein Dazutun in den Schoss fiele. Zuerst muss er, soviel steht fest, die Sache mit Schaufelberger begackern. Sie verabreden sich auf ein Bier im Certo. Bocksberger bemüht sich um Begeisterung in seiner Stimme bei der Eröffnung seiner Pläne. Schaufelberger schaut ihn gross an. Bocksberger hatte nicht erwartet, dass Schaufelberger gerade Feuer und Flamme für seine Kandidatur ist, doch irgendein Zeichen der Aufmunterung hätte er schon erwartet.
Dumpfes Schweigen. Bis Schaufelberger seine Frage stellt.
– Hast du Theo Güller genau angeschaut? Hat er nicht einen Klumpfuss und riecht er nicht nach Schwefel?
Bocksberger hätte Schaufelberger am liebsten erwürgt. Schaufelbergers Reaktion erschreckt ihn. Er ärgert sich, dass nicht einmal sein bester Freund mit etwas Ermutigendem auf die Mitteilung seines Plans reagiert. Er verflucht Schaufelbergers Zynismus und bezweifelt, an seinem besten Freund je eine echte Stütze gehabt zu haben. Bocksberger hängt es aus. Er will von der Sache nichts mehr wissen. Er wird Theo Güller anrufen und ihm erklären, dass die Sache für ihn gestorben sei. Und irgendeine faule Begründung dafür geben.
In dem Moment strömen aus dem Sitzungssaal des Certo einige Mitglieder des Parteivorstandes in das Lokal hinein, entdecken Schaufelberger und umlagern im Nu den Tisch, an dem Bocksberger und Schaufelberger sitzen, fragen, ob es gestattet sei und nehmen quasselnd Platz, bestellen Bier und Weisswein. Fragen die Bedienung, ob sie zu den Getränken Erdnüsschen oder Salzstangen bringen würde.
– Meine Lieben, hebt plötzlich Schaufelberger zu reden an, worauf alle gespannt auf ihn schauen, meine Lieben, wiederholt er, schaut in die Runde und fährt fort, ich kann euch mitteilen, dass Sämi morgen seine Kandidatur schriftlich anmelden wird, zu einer Doppelkandidatur mit Müller, dass der Gemeinderat eine echte Wahlmöglichkeit hat.
Zuerst herrscht eine Sekunde Schweigen, dann gackern alle gleichzeitig los, klopfen Bocksberger auf die Schultern, wollen unbedingt mit ihm auf gutes Gelingen und auf eine glückliche Wahl anstossen.
Bocksberger fährt zu Höchstform auf und zieht eine Show ab. Er staunt über sein Showtalent. Die Worte, die er sich zuhause für den Fall, dass sie nötig würden, sorgfältig zurechtgelegt und mehrmals laut vor sich hergesagt hatte, bettet er in die Nummer des verlegenen, ratlosen Zögerers ein, der aber dennoch eine flammende Rede hält. Er reitet auf seiner Kandidatur, die ihm widerstrebe, doch für die Partei, wie wichtige Leute gesagt hätten, eine Notwendigkeit sei, so lange herum, bis auch der und die Letzte der Anwesenden ihn auffordern, sich bitte, bitte, bitte nicht um das Notwendige zu drücken und seine Kandidatur unbedingt anzumelden. Bocksberger spürt, dass seine Nummer bestens ankommt. Er hat diese Genossinnen und Genossen im Sack. Er will und wird Liza und Schaufelberger, diesen Spielverderbern, zeigen, was in ihm steckt und wie er, wenn es draufankommt, locker seinen Mann stellt. Die Stimmung ist genial. Bocksberger bezahlt etliche Runden. Plötzlich taucht Egger aus dem Nichts auf und fragt, was gefeiert wird? Jemand ruft Egger begeistert und erhitzt vom Bier zu, stell dir vor, Sämi ist bereit, neben Müller ebenfalls zu kandidieren, so dass wir von der SP mit einer Doppelkandidatur kommen. Das wird die Bürgerlichen aus den Socken hauen.
Bocksberger wird bang. Er erinnert sich, dass Müller der Protegé von Egger ist, und stellt sich vor, dass Egger, der für seine Wutausbrüche bekannt ist, diese Mitteilung in den falschen Hals bekommen könnte. Er spürt ein Kribbeln im Bauch und bekommt Schiss.
Zu Bocksbergers Erstaunen verzieht sich Eggers Gesicht zu einem breiten Grinsen. Egger steuert mit ausgestreckter Rechter auf Bocksberger zu, gratuliert ihm überschwänglich zu diesem feinen Entscheid, der ihm sicher schwer gefallen sei. Zum Schluss liegen Egger und Bocksberger, als Einzige stehend, neben dem Tisch, um den die andern geschart sind, sich in den Armen. Die Genossinnen und Genossen applaudieren. Der Lärmpegel im übrigen Lokal fällt. Egger flüstert Bocksberger ins Ohr, die Bewerbung, die Interviews beim Parteivorstand, beim Wahlgremium der Partei, bei den Fraktionen seien kein Problem. Alle würden sich beglückt erklären, dass sich mit ihm, Bocksberger, ein Kandidat aufstellen lasse, über den über die eigene Partei hinaus Konsens herrsche. Bocksberger glaubt zu träumen. Diese Welle der Zustimmung trägt ihn über alle Zweifel hinweg.
Egger klopft Bocksberger tüchtig auf die Schultern und strahlt ihn an. Die Augen aller Gäste im Certo sind auf den runden Tisch gerichtet, um den zu benamsen, der da steht, nicht der Kleine, der Grosse. Aus der Zeitung. Aus dem Fernsehen. Die Gäste des Certo werweisen tuschelnd, wer der Mann neben dem Typ im grünen Pullover sei. Politiker. Kantonsrat? Oder der Präsident der SP Stadtpartei?
Bocksberger hat die Schulterschläge Eggers heil überstanden, setzt sich wieder und stellt fest, dass Schaufelberger mit saurer Miene dasitzt. Bocksberger will mit Schaufelberger Blickkontakt aufnehmen. Schaufelberger stiert vor sich hin, steht dann auf und geht wortlos auf die Treppe zu, die zur Toilette führt. Bocksberger befremdet das Jammerbild, das Schaufelberger abgibt. Er kann sich nicht erklären, weshalb Schaufelberger sauer ist. Der Wermutstropfen im Moment seines Triumphs. Er schwört sich, dass er sich seine gute Laune nicht verderben lässt.
Die fröhliche Runde wird auch Bocksberger deutlich zu laut. Der Gesichtsausdruck der Gänswein verdüstert sich. Sie lauert auf das Ende der Rede des redseligen Egger. Mit einer unkontrollierten Armbewegung stösst sie ihr Weinglas um. In ihrer sichtlichen Erregung kümmert sie sich nicht um das umgestossene Weinglas und den verschütteten Wein, stösst gleich noch das Glas Mattmeiers um. Dann feuert sie wie eine Maschinengewehrsalve ihre Worte ab, was Egger verstummen lässt. Es sei die Höhe, dass nicht einmal die SP, wenn es um eine Doppelkandidatur gehe, eine Frau als Kandidatin in Betracht ziehe. Egger wirft grinsend hin, Bocksbergers X-Chromosom reicht, um auch die Frauen würdig zu vertreten. Bocksberger findet die Bemerkung total daneben und die Gänswein kreischt, selbst Egger mache sich über ihre berechtigten Interessen lustig. Dabei schnappt sie sich das Bierglas der perplexen Reingauer aus deren Hand. Die Reingauer will gerade einen Schluck trinken und traut ihren Augen kaum, als das Glas plötzlich von der Gänswein behändigt wird. Die Gänswein stürzt das Bier ihre Kehle runter. Die Reingauer schreit, es gehe nicht, dass sie, die Gänswein, ihr drinking problem mit ihrem, Reingauers, Bier ruhigstelle. Schönbühler fordert mit Stentorstimme die Genossinnen und Genossen zu mehr Ernsthaftigkeit auf. Man wolle fröhlich feiern. Schaufelberger kommt vom Pissen zurück. Sein Blick fällt auf die Reingauer und ist schrecklich böse. Bocksberger denkt, oje, da schwelt etwas. Schaufelberger wendet seinen Blick ab, schnappt sich seine Jacke, murmelt etwas von, Zeit, nach Hause zu gehen. Bocksberger fordert seinen Freund auf zu warten, entschuldigt sich bei der fröhlichen Runde, begleicht die Rechnung an der Theke und zieht mit Schaufelberger von dannen.
Vierter Akt von Bocksbergers Tragödie: Schaufelberger und Bocksberger im Suff.
Der nächste Film zeigt zwei durch das Dickicht der nächtlichen Stadt torkelnde Gestalten. Ein sachter Nordwind kühlt die Gestalten und lässt die Lichter wanken. Sie lallen sich gegenseitig zu, wie sie von einander total enttäuscht sind, dass aber diese gegenseitigen Enttäuschungen, die von Dritten an sie herangetragen worden sind, ihre Freundschaft, ihre Liebe, die sie füreinander empfinden, nicht stören dürfe. Die torkelnden Gestalten werden so schrecklich sentimental, dass wenig gefehlt hätte und sie sich heulend in die Arme gefallen wären, wenn da nicht eine der torkelnden Gestalten, von der Gerührtheit aufgekratzt sich der Wunde wieder bewusst geworden wäre, die ihr tatsächlich Kopfschmerzen und – lach nicht so blöd! – Tränen verursacht. Schaufelberger gesteht Bocksberger, wie er leide, kaum mehr einen Ausweg wisse. Denn anders, als alle annehmen, sei er ein gefühlvoller Mensch, der, anders als alle meinen, im Leben nichts auf die leichte Schulter nehme. Er sei einfach zu gut und lasse sich zu rasch zu Dingen überreden, die ihn dann echt stressen. Bocksberger ist echt berührt, wie Schaufelberger sich ihm öffnet, und hätte ihn am liebsten umarmt, wenn es unter ausgewachsenen Mannsbildern angängig wäre. Die Reingauer! Schaufelberger spricht diesen Namen mit Todesverachtung aus. Neulich habe Willimann – du kennst Willimann, der Typ mit dem Glatzkopf und dem Bocksbärtchen –, nun Willimann habe ihn angefleht an seiner Stelle ins OK, das Organisationskomitee vom SP-Plausch, einzutreten, weil er, Willimann, zu viel um den Kopf habe. Aus Gutmütigkeit habe er zugesagt. Sich dabei nichts Böses gedacht. Willimann habe ihm versichert, es laufe alles wie am Schnürchen. Zu organisieren gebe es nichts. Die andern beiden Mitglieder des OK, die Reingauer und die Klöti seien in Ordnung, wüssten, wie der Wagen läuft. Nachdem er, Schaufelberger, zugesagt habe und sie die erste Sitzung in dieser neuen Zusammensetzung gehabt hätten, habe man das Datum für den diesjährigen SP-Plausch festgelegt. Die Reingauer und die Klöti hätten beteuert, es laufe alles wie bisher. Das Aperitif-Büffet inklusive Getränke, im grossen Saal, liefere das Sankt Jakob. Während dieses Teils des Abends spiele eine Band, dann, nach ungefähr anderthalb Stunden folge die Ansprache von Egger. Das Essen, ein Pasta-Plausch in den verschiedenen anderen Sälen des Volkshauses, werde von einer Institution der Stadt angeliefert. Es klappe immer prima. Die Caterer kümmerten sich auch um die Tische, das Geschirr, die Gläser und die Getränke. Und nach dem Essen spiele die Big-Band der Arbeiterjugendmusik zum Tanz auf. Er solle sie ruhig machen lassen. Auf das gute Gelingen des diesjährigen SP-Plauschs hätten er und die beiden Frauen fröhlich angestossen und einen gelungenen Abend verbracht.
Erst später hätte die Reingauer, eine pensionierte Lehrerin, ihn, Schaufelberger, angerufen und ihn gebeten, auf die Klöti einzuwirken, denn die Klöti habe Geissberger, dem Leiter der Rockband Satyricon, die sonst immer das Vorprogramm während des Aperitifs bestritten haben, eigenwillig, ohne Rücksprache mit ihr, der Reingauer, erklärt, man möchte diese Band nicht mehr. Nun sei Geissberger, der seit seiner Pensionierung als Betreibungsbeamte schon etwas ziellos sei, heillos enttäuscht.
Die Klöti sei mit der geschiedenen Frau von Geissberger eng befreundet, diesem wie ein Weihnachtsbaum aufgemachter Barockengel mit Wurzeln in der Tschechoslowakei. Die geschiedene Geissberger sei unübersehbar. Strecke bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Brust und Hintern raus, verdrehe ihren Oberkörper, grinse blöd und frage, ob ihr eigener Sexappeal nicht an Anita Eckberg aus otto e mezzo erinnere? Der Geissberger sei jetzt mit einer vierzig Jahre jüngeren Philippina, einem entzückenden Mädchen, zusammen und werde sie demnächst heiraten. Die Klöti, die mit der geschiedenen Geissberger intim sei, die Klöti also habe schlicht dem Geissberger eins auswischen wollen. Nun habe die Klöti, wiederum eigenmächtig, ohne das OK zu begrüssen, die Jazzband Blue Boyzzz verpflichtet.
Sie, Reingauer, sei, wie er, Schaufelberger, bestimmt wisse, nicht im geringsten Rassistin. Sie habe nichts gegen Schwarze. Im Gegenteil, sie finde Schwarze seien sehr gute Menschen, man dürfe ihnen gegenüber nicht Vorurteile haben. Die Blue Boyzzz bestünden aus zwei Schweizern, einem Deutschen und einem Nigerianer. Tatsache aber sei, dass bei den Auftritten immer wieder unangekündigt weitere Musiker zugezogen werden, meist Schwarze, geniale Musiker, die aber meist ohne die notwendigen Papiere in der Schweiz leben, hier untergetaucht sind und sich finanziell mit Schwarzarbeit und eben solchen Auftritten mit den Blue Boyzzz über Wasser halten. Sie selber finde diese Politik der Blue Boyzzz lobenswert, doch bei einem Auftritt am SP-Plausch bestehe ein Problem. Bekanntlich besuchen auch Bürgerliche den SP-Plausch. Insbesondere die Spione der SVP lauern darauf, etwas zu entdecken, das sich aufbauschen und publizistisch ausnützen lässt. Wenn nun ein SVP-Mensch wittere, dass einer der Musiker, die am SP-Plausch auftreten, mit Wissen der Organisatoren über keine gültigen Aufenthaltspapiere verfügt, «dann fallen sie in der nächsten Weltwoche wieder über uns her. Dietsch, du musst unbedingt die Klöti rumkriegen, dass sie die Blue Boyzzz wieder auslädt und die Big-Band der Jugendmusik halt, sei’s drum, in ihrer Kleinformation, bereits beim Aperitif aufspielt.»
– Diese Weiber!, jammert Schaufelberger Bocksberger vor. Es ist nicht auszuhalten. Kaum ist mehr als eine um den Weg, gerätst du in Schwierigkeiten. Jetzt soll ich mit der Klöti reden! Kennst du die Klöti? Kupfer, Wolle, Bast, eine Walküre, und rechthaberisch ist sie. Sie weiss alles. Besser! Am besten!
Schaufelberger hat seinen Monolog zu Ende gelallt, schaut sich um und sucht Bocksberger. Dieser ist gerührt, wie der sonst so weltgängige und selbstsichere Schaufelberger von seiner schwachen Seite erzählt. Bocksberger ist einige Schritte hinter Schaufelberger zurückgeblieben. Er versucht mit seinem Feuerzeug die Zigarette anzustecken, die aus seinem Mund ragt. Die Flamme trifft die Zigarettenspitze selten und wenn, dann nicht genügend lange, um die Zigarette zu entflammen. Schaufelberger will seinem Freund zu Hilfe eilen, torkelt, droht zu straucheln, worauf Bocksberger mit offenen Armen Schaufelberger entgegen rennt und ihn auffängt. Dabei entgleitet ihm das Feuerzeug und fällt aufs Pflaster. Die Zigarette hat sich an Bocksbergers feuchter Unterlippe festgesogen. Bei der Umarmung kitzelt die Zigarettenspitze Schaufelberger in der Nase. Dieser quietscht lachend, hör auf, hör auf! Bocksberger lässt Schaufelberger los. Bocksberger versteht die Welt nicht mehr. Er tröstet sich damit, dass im Leben so vieles absurd ist. Dabei blitzt ihm durch den Kopf, dass Schaufelberger die ganze Zeit über ihm den Kopf mit seinem Scheiss vollgeschwatzt hat. Sein Freund hat es nicht als nötig befunden, über seine Kandidatur, die ihm im Moment das Wichtigste im Leben ist, zu reden. Bocksberger ist enttäuscht und betrübt. Schaufelberger fragt lallend, wo sind wir stehengeblieben?
– Unter der Laterne, gibt Schaufelberger sich die Antwort selber. Bocksberger intoniert Lilly Marlen. Beide summen und grölen eine Weile dieses Lied, während sie weiterstapfen.
Immerhin gibt auch der Nüchterne zu, dass vieles an dieser Sitzung rituellen Charakter hat. Und er ist mittlerweile davon überzeugt, dass menschliche Unternehmungen, wenn man nichts dagegen tut, eine Eigendynamik entfalten, die zum Selbstzweck führt.
Andreas Pritzker, Eingeholte Zeit. Erzählung, munda 2001, Seite 91
Fünfter Akt von Bocksbergers Tragödie: das zweite Gespräch mit Theo Güller.
Zufällig begegnen sich Bocksberger und Theo Güller auf den Bahnhofstrasse vor dem Gebäude der Bank Julius Bär. Theo Güller lächelt wohlmeinend-väterlich und beglückwünscht Bocksberger überschwänglich zu seiner erfolgreichen Kandidatur im Tandem mit Müller. Seine, Bocksbergers, Auftritte bei den Fraktionen der Bürgerlichen seien genial gewesen. Alle seien begeistert von ihm und so sehr erleichtert. Müller habe seine Auftritte total verpatzt. Und auch Knüsli sei, wie er, Bocksberger, bestimmt wisse, kein Held im sich Verkaufen und im die Leute für sich Gewinnen.
Bocksberger glaubt nicht richtig zu hören. Was soll Knüsli in diesem Zusammenhang? Bocksbergers wird heiss und kalt. Sollte er tatsächlich Konkurrenz bekommen und erst noch Knüsli, ist es eine Katastrophe.
