Standards in der Anästhesie -  - E-Book

Standards in der Anästhesie E-Book

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Beschreibung

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Praktische "Hands-on"-Empfehlungen für sicheres Handeln

Optimieren Sie Ihre persönliche perioperative Patientenversorgung in Anästhesie und Intensivmedizin und erhöhen Sie die Sicherheit Ihrer Patientinnen und Patienten.

Vor jeder Anästhesie ergeben sich für den Anästhesisten viele Fragen: Welche Besonderheiten muss ich bei diesem Eingriff und dieser Patientengruppe beachten? Welche Medikamente benötige ich? Welche Komplikationen sind möglich?

Die Antworten finden Sie in diesem kompakten Buch, in dem alle Arbeitsabläufe und Schnittstellen handlungs-, problem- und zielorientiert dargestellt sind. Gezielt nachschlagen, schnell finden und von der jahrelangen klinischen Erfahrung der Autoren profitieren.

Das Konzept:

  • kurze, präzise und nach aktuellen Leitlinien erstellte Handlungsanweisungen (SOPs = Standard Operating Procedures)
  • einheitlicher Kapitelaufbau für eine schnelle Orientierung
  • kompakte und übersichtliche Darstellung

Der Inhalt:

  • alle relevanten Themen - von der OP-Aufklärung bis zum Aufwachraum
  • alle Fachgebiete - von der Allgemeinchirurgie bis zur Urologie
  • alle ultraschallgesteuerten Punktionen und Regionalanästhesietechniken mit vielen Sonografie-Bildern
  • inklusive Aufstellung der Materialien und Medikamentendosierungen
  • mit anästhesierelevanten anatomischen und physiologischen Hintergrundinformationen

Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 791

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Standards in der Anästhesie

Praktische Handlungsempfehlungen für die Klinik

Michael Winterhalter, Timur Puschmann D.E.S.A.

Christian Alms, Katja Hahn, Patrick Haltermann, Maike-Kristina Hassenpflug, Alexander Hein, Hanns-York Helmold, Patrick Herz, Paul Ihle, Moritz Jaeger, Sönke Janzen, Philipp Kral, Robertas Celkis, Michael Kuhlmann, Daniel Lohr, Christian Lux, Manfred Meyer, Katharina Maria Puschmann D.E.S.A., Sabrina Regelin, Ann-Kathrin Riegel, Martin Rothe, Andreas Schilling, Marie-Jeannette Stahnke, Janica Cordes, Astrid Stegemann, Marion Steverding, Silke Sündermann, Hauke Supthut, Domenic Trieschmann, Ralf Trimmel, Eike Wrieden, Marina Zdravkovic, Christian Delle, Maike Doden, Judith Gal, Jürgen Gatzka, Michael Germeshausen, Andreas Haeckel

264 Abbildungen

Vorwort

Entscheidungen und Therapiepfade in der Medizin unterliegen einem ständigen Erneuerungs- und „Update“- Prozess.

In der klinischen Praxis orientieren wir uns als Ärzte an den gültigen Leitlinien der Fachgesellschaften und der aktuellsten wissenschaftlichen Literatur. Das Ziel ist es unsere Patienten mit der sichersten, bestverträglichsten und effizientesten Medizin auf höchstem Niveau zu versorgen.

Aufgrund der hohen Arbeitsteilung und vielfältigen interdisziplinären Zusammenarbeit im operativen Bereich und den zunehmenden ökonomischen Anforderungen ist es entscheidend, die täglichen Routineprozesse, im Sinne einer gleichbleibenden Versorgungssicherheit und Reproduzierbarkeit zu standardisieren und dennoch so flexibel zu sein, dass man auf akute Veränderungen sofort reagieren kann.

Vor diesen aktuellen Hintergründen haben wir ein SOP-Handbuch (=Standard Operating Procedures) mit den aus unserer Sicht wichtigsten Standards in der Anästhesiologie zusammengestellt, sowie sie derzeit in unseren eigenen Kliniken in Bremen und Berlin in der täglichen Routine zur Anwendung kommen. Darüber hinaus haben wir als Ausblick aber auch sehr spezielle Themen wie dem anästhesiologischen Vorgehen der Implantation eines Linksventrikulären Herzunterstützungssystem oder thorakalen Operationen mit dem DA Vinci Roboter dargestellt.

Das Format der SOPs bietet uns dabei zum einen die nötige Verbindlichkeit im klinischen Alltag und zum anderen aber auch die nötige Flexibilität sich an akute Neuerungen anpassen zu können.

Dabei war unser primärer Fokus praktische aktuelle „Hands-on“-Empfehlungen zu erstellen, die auf die höchstmögliche Sicherheit unserer Patienten abzielen und gleichzeitig die aktuellen Themen der meisten operativen Bereichen abbilden. Natürlich sollen SOPs nicht die Lektüre eines Lehrbuchs ersetzen. Dies war und ist in keiner Hinsicht unser Anspruch.

Ein besonderer Schwerpunkt dieses Buches liegt im Bereich der ultraschallassistierten und ultraschallgeführten Punktionen, Interventionen und Regionalanästhesien. Zu jedem dieser Themen haben wir eine aktuelle Handlungs- und eine Medikamentendosierungsempfehlung gegeben. Des Weiteren haben wir aktuelle Bilder zum klinischen Vorgehen mit den wichtigsten „Pitfalls“ in jedem Kapitel aufgeführt. Natürlich spiegeln „praktische Empfehlungen“ zum Vorgehen bei bestimmten Operationen sowie Einsatz und Dosierung bestimmter Medikamente auch immer die sehr persönlichen Meinungen und Erfahrungen der Herausgeber und Autoren wieder. Daher sind vor Übertragung der hier vorgestellten SOPs in die eigene Klinik und Anwendung am Patienten diese selbstverständlich kritisch zu hinterfragen und sehr sorgfältig zu prüfen.

Wir wünschen, dass unser Buch dem Berufsanfänger/in, durch viele anatomische und physiologische Hintergründe, und klare Handlungsempfehlungen einen sicheren Start in das Berufsleben ermöglicht, aber auch dem erfahrenen Facharzt/in als Nachschlagewerk dient. Kolleg/innen in leitender Position hoffen wir mit unseren SOPs ein umfangreiches Glossar für die klinikeigenen Prozesse basierend auf den aktuellsten Leitlinien und Empfehlungen geben zu können.

Michael Winterhalter

Timur Puschmann

Teil I Perioperative Notfälle

1 Akutes Koronarsyndrom

2 Anaphylaxie

3 Aspiration

4 Bronchospasmus

5 Epileptischer Anfall

6 Hyper- oder Hypokaliämie

7 Hypothermie

8 Kindlicher Fieberkrampf

9 Systemische Lokalanästhetikaintoxikationen

10 Lungenarterienembolie

11 Maligne Hyperthermie

12 Medikamentöse Intoxikationen

13 Spannungspneumothorax

14 Polytrauma im Schockraum

2 Anaphylaxie

Janica Cordes

Übersicht

Allergenexpostion sofort unterbrechen

Sauerstoffgabe

medikamentöse Therapie je nach Stadium

2.1 Material und Medikamente

Material

peripherer Venenkatheter (möglichst großlumig, möglichst mehr als einer)

ggf. arterielle Kanüle

ggf. ZVK

Temperatursonde

Alpha-Card, falls ZVK-Anlage erfolgt

ggf. Dauerkatheter

ggf. Magensonde

Relaxometrie, falls Intubation erfolgt

ggf. Tubus

Medikamente

kausal:

Allergenexposition unverzüglich stoppen!

Adrenalin 0,3–0,5 mg i.m. ab 30 kgKG bzw. 0,01ml/kgKG i.m. bei 1mg/ml, 50–100µg i.v., bis zu 1000µg, Kinder 1µg/kgKG

Prednisolon 250mg, 500mg bis zu 1000mg i.v., Kinder 5–10mg/kgKG

Ranitidin (H2-Blocker; 10mg/ml) 50mg (1 Amp.) i.v., Kinder 1mg/kgKG

Dimetindenmaleat (H1-Blocker; 1mg/ml) 4mg (1 Amp.) i.v., 0,1mg/kgKG, Kinder 0,03mg/kgKG

symptomatisch:

balancierte Vollelektrolytlösung, z.B. Jonosteril 500–1000ml, Kinder 20ml/kgKG

Salbutamol vernebeln oder Reproterol i.v. 1µg/kgKG

ggf. Intubation und Atemwegssicherung, dann Thiopental (500mg/20ml) 3–7mg/kgKG i.v., dann Isofluran 0,7 MAC (minimale alveoläre Konzentration), Sufentanil (50μg/10ml) 0,3–0,5μg/kgKG zur Einleitung, Rocuronium (50mg/5ml) 0,6mg/kgKG i.v.

Ultima Ratio bei Status asthmaticus: Esketamin i.v. 1–2mg/kgKG

2.2 Eingangsbemerkung

Anaphylaxie ist eine meist immunologische Reaktion – am häufigsten eine Typ-1-IgE-vermittelte allergische Reaktion vom Soforttyp – auf ein Antigen, das über die Aktivierung von Mastzellen und Basophilen eine Mediatorfreisetzung bewirkt (Histamin, Prostaglandine, Leukotriene u.a.), die sich äußern kann in

Hauterscheinungen

Atembeschwerden

Kreislaufbeschwerden

zerebralen Störungen

gastrointestinalen Störungen

Allgemeine Auslöser können eine Vielzahl von Stoffen sein, z.B. Pollen, Insekten- und Schlangengifte, Medikamente und Nahrungsmittel.

Die häufigsten anästhesiespezifischen Auslöser sind:

Antibiotika

Muskelrelaxanzien

Latex

Kontrastmittel

Analgetika

In ca. 25 % der Erkrankung ist kein Trigger zu finden.

Die perioperative Häufigkeit der Anaphylaxie liegt bei 1:3500 bis 1:20000, die Letalität wird mit 1:100000 bis 1:250000 Narkosen beziffert.

Das Vorgehen bei Verdacht auf eine anaphylaktische Reaktion ist in ▶ Abb. 2.1 dargestellt.

Vorgehen bei Verdacht auf eine anaphylaktische Reaktion.

Abb. 2.1

(Quelle: nach Bohn A. Anaphylaxie. In: Gräsner J, Wnent J, Löcker J, Hrsg. Notfallsanitäter werden! 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2016. doi:10.1055/b-004-129717)

2.3 Symptome

Hauterscheinungen (ca. 90%):

Pruritus

Flush

Erythem

Urtikaria

Angioödem (auch an Arealen, die keinen direkten Antigenkontakt hatten)

Atemnot:

Globusgefühl durch Uvulaschwellung

kloßige Sprache

Kribbeln der Zunge

Speicheln

gastrointestinale Symptome:

Koliken

Erbrechen

Diarrhö

Hämodynamik:

Tachykardie

Hypotonie

periphere Vasodilatation

Schock

zerebrale Symptome:

Angst

Kopfschmerzen

Schwindel

Verwirrtheit

Bewusstseinseinschränkung

Synkopen

Krampfanfälle

bei jungen Kindern Unruhe und Rückzugsverhalten

2.4 Therapie

allgemeine Maßnahmen:

Auslöser suchen

Kontakt zur auslösenden Noxe unterbrechen (z.B. Latex entfernen)

Lagerung nach Zustand: z.B. Oberkörperhochlagerung bei Atemnot, Schocklagerung

Sauerstoffgabe und Sicherung der Atemwege

möglichst großlumige Zugänge mit kolloidalen/kristalloiden Infusionen

Monitoring: Blutdruck, Pulsoxymetrie, EKG

Überwachung: möglichst 12-stündige Monitorüberwachung, auch bei Therapieerfolg

spezifische Maßnahmen in Abhängigkeit vom Stadium und den Symptomen:

Stadium 0:

lokale Hautreaktion

keine Therapie notwendig

Stadium 1:

ausgeprägte Hautreaktionen

Schleimhautreaktion (Nase, Augen)

Allgemeinreaktion (z.B. Unruhe)

H1- und H2-Antagonisten (Dimetindenmaleat/Ranitidin) i.v., i.v. Zugang, Sauerstoff, 50–250mg Prednisolon i.v.

Stadium 2:

Kreislaufdysregulation

Luftnot/leichte Dyspnoe

Stuhl-Harn-Drang

zusätzlich zur Therapie von Stadium 1: Beta-2-Mimetika, Adrenalin 0,3–0,5mg i.m. Oberschenkel (ab 30–50kg), Adrenalin-Inhalation (2mg über Vernebler), forcierte Volumentherapie mit Kristalloiden und/oder Kolloiden, Betasympathomimetika inhalativ (z.B. Salbutamol) bei Bronchialobstruktion

Stadium 3:

Schock ( ▶ Abb. 2.2)

Dyspnoe/Bronchospasmus

Bewusstseinstrübung/-verlust

zusätzlich zu Therapie von Stadium 1 und 2: Adrenalin i.v. (1mg verdünnt fraktioniert 0,3–0,5mg alle 5–10min), 1000mg Prednisolon i.v., evtl. Theophyllin, Nordadrenalin, forcierte Volumentherapie mit Kristalloiden und/oder Kolloiden

Stadium 4:

Atem-/Kreislaufstillstand

Reanimation, forcierte Volumentherapie mit Kristalloiden und/oder Kolloiden

Adrenalin:

Aktivierung der Alpha- und Betarezeptoren, mastzellstabilisierende Wirkung

primär i.m. Gabe außer bei Reanimation, da weniger kardiale Nebenwirkungen zu erwarten sind, inhalative Gabe von Adrenalin ersetzt nicht die parenterale

Es gibt keine absolute Kontraindikation in einer lebensbedrohlichen Situation, jedoch ist Vorsicht geboten bei kardial vorerkrankten Patienten. Auch eine Schwangerschaft ist keine absolute Kontraindikation.

Eine Therapie mit Betablockern kann zu verminderter Wirkung vasoaktiver Medikamente führen. Dann kann Glukagon verabreicht werden.

Dopamin: bei ungenügendem Ansprechen auf Adrenalin 2–15μg/kgKG/min

Noradrenalin:

bei ungenügendem Ansprechen auf Adrenalin und Volumengabe

Noradrenalin-Perfusor mit 0,2mg/50ml (0,004mg/ml) oder Noradrenalin-Perfusor mit 5mg/50ml (0,1mg/ml) über ZVK

Volumen:

kolloidale Infusionslösungen können erwogen werden bei fehlender Ansprache auf Gabe größerer Mengen kristalloider Lösungen, jedoch zurückhaltender Einsatz

Cave: Gelatine- und Dextranlösungen können selber Auslöser von Anaphylaxien sein

Kardiopulmonale Reanimation bei anaphylaktischem Schock.

Abb. 2.2

(Quelle: © German Resuscitation Council (GRC) und Austrian Resuscitation Council (ARC) 2015. A. Truhlář, C.D. Deakin, J. Soar et al (2015) Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen. Kapitel 4 der Leitlinien zur Reanimation 2015 des European Resuscitation Council. Notfall Rettungsmed, doi: 10.1007/s10049-015-0096-7)

2.5 Diagnostik und weiteres Prozedere

Die anaphylaxiespezifische Mastzell-Tryptase kann in Blutproben nachgewiesen werden:

Die Tryptase wird von aktivierten Mastzellen ausgeschüttet und ist ein für aktivierte Mastzellen hochspezifischer Parameter.

Der Tryptase-Spiegel wird bestimmt

zur Diagnostik beim anaphylaktischen Schock

zur postmortalen Diagnose beim Asthmatod

zur Diagnostik der Mastozytose

bei der Provokationstestung auf eine allergische Rhinitis

Der Tryptase-Nachweis muss innerhalb von 2 h nach allergischer Reaktion stattfinden.

Es können auch allergenspezifische IgE-Antikörper nachgewiesen werden:

Hierbei werden die IgE-Spiegel ermittelt, die sich konkret gegen eine Allergenquelle richten.

Heute üblich sind FEIA- (Fluoreszenz-Enzym-Immunoassay) und EIA-Bestimmungen (Enzym-Immunoassay).

Sollte die anaphylaktische Reaktion perioperativ aufgetreten sein, sollte wie folgt vorgegangen werden:

Dem Patienten sollte bis zur endgültigen Klärung der Ursache der Anaphylaxie ein Anästhesieausweis mit den möglichen Ursachen der Reaktion ausgestellt werden.

Dem Patienten muss mitgeteilt werden, dass man erst 4 Wochen nach der Reaktion spezifische IgE-Antikörper nachweisen kann.

Der Patient muss nach dem Krankenhausaufenthalt zu seinem Allergologen/Dermatologen zur weiteren Allergietestung/Hauttest/Pricktest zur Ursachenabklärung überwiesen werden. Dort muss der Patient seinen Anästhesieausweis vorlegen, damit der Allergologe weiß, auf welche Substanzen er testen muss.

Bei anaphylaktischem Schock oder schwerer Anaphylaxie Erstellung eines Ereignisberichtes.

2.6 Prämedikation bei Risikopatienten mit multiplen Allergien

Die gezielte Anamnese umfasst neben früheren Narkosezwischenfällen auch ganz konkret die bekannten Allergene und das bisherige Therapiekonzept.

Zudem sollten alle Hochrisikopatienten vor der Narkoseeinleitung Dimetindenmaleat und Ranitidin i.v. erhalten.

Die vorherige Einnahme von Betablockern, ACE-Hemmern oder nicht steroidalen Antirheumatika kann die Symptome einer Anaphylaxie verstärken.

2.7 Anästhesieführung mit Risikopatienten mit multiplen Allergien

Unabhängig von der Wahl des Narkoseverfahrens jeglichen Kontakt mit den auslösenden Allergenen vermeiden.

Sollte ein Kontakt mit einem Allergen unvermeidlich sein, so sollte der Patient ca. 15–30min vor dem Kontakt Dimetindenmaleat, Ranitidin und mindestens 250mg Prednisolon i.v. zur Vorbereitung erhalten und es sollte eine Intubationsbereitschaft mit Adrenalin zur Verfügung stehen.

Stressbedingte Einflüsse eliminieren, möglichst entspannte und ruhige Atmosphäre bei der Narkoseeinleitung schaffen.

Die Indikation zur invasiven Blutdruckmessung und zur Anlage eines ZVK ist nach den gängigen Kriterien zu stellen.

Zur Narkoseeinleitung und Aufrechterhaltung eignen sich alle i.v. verabreichten Anästhetika (Propofol, Benzodiazepine, Barbiturate und Etomidat). Als Analgetika stehen alle gängigen Opiate zur Verfügung. Eine Muskelrelaxierung ist mit allen nicht depolarisierenden Relaxanzien (Rocuronium, Cis-Atracurium) möglich, so keine Allergie gegen eines der genannten Medikamente besteht.

2.8 Postoperatives Vorgehen und Überwachung

Bei unauffälligem Narkoseverlauf kann der Patient, nach seinem postoperativen Aufenthalt im Aufwachraum, auf die normale Station verlegt werden.

Bei perioperativer Anaphylaxie muss der Patient in Abhängigkeit von seiner klinischen Verfassung mindestens 12 h an einem Monitor überwacht werden (Aufwachraum/IMC/ICU).

3 Aspiration

Robertas Celkis, Janica Cordes

Besonderheiten

Basisinfos

IMC (Intermediate Care)/ICU (Intensive Care Unit)

Material

ggf. arterielle Kanüle

PVK (periphere Venenverweilkanüle)

ggf. ZVK (zentraler Venenkatheter)

ggf. Dauerkatheter

Magensonde

Temperatursonde

Medikamente

balancierte Vollelektrolytlösung, z.B. Jonosteril

3.1 Material und Medikamente

Material

PVK 2-mal

Tubus

ggf. arterielle Kanüle in Lokalanästhesie

ggf. ZVK

Bronchoskopie

Temperatursonde

Alpha-Card

Dauerkatheter

Magensonde

Absaugung

Relaxometrie

Medikamente

balancierte Vollelektrolytlösung, z.B. Jonosteril 1000ml

Propofol-1-%-Perfusor (50ml), zur Einleitung 1,5–2,5mg/kgKG

Sufentanil (50µg/10ml) 0,3–0,5µg/kgKG zur Einleitung

Remifentanil-Perfusor 40µg/ml (2mg/50ml)

Rocuronium (50mg/5ml) 0,6mg/kgKG i.v.

ggf. Piritramid (15mg/10ml) zur Ausleitung, 0,1mg/kgKG

Atropin (0,5mg/ml)

Noradrenalin (4µg/ml) 10ml

Noradrenalin-Perfusor mit 0,2mg/50ml (0,004mg/ml)

bei Bronchospasmus:

2 Hübe Salbutamol inhalativ bei Bedarf

Reproterol 1µg/kgKG i.v. bei Bedarf

Prednisolon 250–1000mg i.v. bei Bedarf

Ranitidin 50mg i.v. als Kurzinfusion bei Bedarf

3.2 Eingangsbemerkung

Einatmen von flüssigem oder festem Material in die Atemwege Inzidenz: 1/6000 Narkosen, bei Schwangeren ab dem 2. Trimenon 1/1000 Narkosen.

Letalität bei Erwachsenen 3–8 %

Risikofaktoren:

nicht nüchterner Patient

Refluxkrankheit

Notfalleingriff

Adipositas

Ileus

Intoxikation

Hirndruck

Blutungen im Nasopharynxbereich

Schwangerschaft ab dem 2. Trimenon

eingeschränkte Vigilanz

schwieriger Atemweg

Übelkeit/Erbrechen präoperativ

Merke

Bei Risikopatienten „rapid sequence induction“ (RSI) durchführen.

3.3 Aspirationsprophylaxe bei Risikopatienten

Rechtzeitige Verabreichung von Antazida, H2-Antagonisten und Protonenpumpenhemmern vor der Intubation senkt das Risiko der Aspiration und ihrer Auswirkungen, da insbesondere ein niedriger pH-Wert des Aspirats problematisch ist.

Dosierung Ranitidin: 150mg p.o. am Abend und Morgen präoperativ

Dosierung Omeprazol: 40mg p.o. am Abend und Morgen präoperativ

3.4 Management einer Aspiration

keine weitere Maskenbeatmung

Kopftieflagerung des Patienten

Absaugen

Intubation

vor Beatmungsbeginn endotracheal absaugen

kontrollierte Beatmung (FiO2 1,0)

ggf. pH-Bestimmung des Aspirats und Probe zur mikrobiologischen Diagnostik

Bronchoskopie und Entfernung grober Partikel, dabei keine bronchoalveoläre Lavage – Cave: Verteilung in der gesamten Lunge

symptomatische Therapie:

PEEP („positive end-expiratory pressure“) erhöhen

Expirationszeit verlängern

Bronchospasmolytika

Normotonie

Steroide nur bei Bronchospasmus

ggf. Abbruch der Operation und Verlegung auf die Intensivstation in Abhängigkeit von der Dringlichkeit des Eingriffs und der Funktion der Lunge nach der Aspiration

Merke

Keine prophylaktische Gabe von Antibiotika zur „Pneumonieprophylaxe“ nach Aspiration von Mageninhalt.

3.5 Postoperative Maßnahmen

Verlegung auf die Intensivstation, beatmet oder extubiert in Abhängigkeit von der Lungenfunktion. Extubation nur wach bei ausreichenden Schutzreflexen.

Röntgen-Thorax-Kontrolle, ggf. CT-Thorax

Bronchoskopiekontrolle, bei putridem Sekret mikrobiologische Untersuchung, bei Klinik und/oder Infektzeichen Antibiotikagabe nach Keimspektrum

5 Epileptischer Anfall

Sönke Janzen

Besonderheiten

Basisinfos

neurologische Klinik

Material

Pulsoxymetrie

PVK (periphere Venenverweilkanüle) 1-mal 1,6 mm(18 G)

Ohrthermometer

Wärmedecke

Blutzuckermessgerät

ggf. Halswirbelsäulenschiene

Sauerstoffmaske

EKG

nicht invasive Blutdruckmessung

MAD („mucosal atomization device“)

ggf. Vakuummatratze

Medikamente

balancierte Vollelektrolytlösung, z.B. Jonosteril 1000ml

5.1 Material und Medikamente

Material

PVK 1-mal: 1,6mm (18 G)

Pulsoxymetrie

Blutzuckermessgerät

nicht invasive Blutdruckmessung

EKG

MAD („mucosal atomization device“)

Ohrthermometer

ggf. Halswirbelsäulenschiene

ggf. Vakuummatratze

Wärmedecke

Intubationsbereitschaft bei Status epilepticus

Medikamente

balancierte Vollelektrolytlösung, z.B. Jonosteril 1000ml

ggf. Glukose 40%, ggf. 8g i.v.

Sauerstoffmaske mit Reservoirbeutel

Medikamente 1. Wahl:

Midazolam (5mg/ml) 0,1–0,5mg/kgKG i.v., nasal, bukkal

Lorazepam 0,05–0,1mg/kgKG i.v.

Clonazepam 0,015mg/kgKG i.v.