STAR GATE 071-072: Der Letzte der Canorer - Tom Cohel - E-Book

STAR GATE 071-072: Der Letzte der Canorer E-Book

Tom Cohel

0,0
3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

STAR GATE 071-072: Der Letzte der Canorer

Tom Cohel und W. Kimball Kinnison:

…und „Sturm auf Xarith“

 

071: Der Letzte der Canorer - von Tom Cohel: „Das Mysterium von Canos: Chance oder tödliche Gefahr?“

 

Band 31 der laufenden Serie (Titel: »Das Erbe der Canorer« von Hermann Schladt): Am 17. September 2063, um 10:22 Uhr, will ein Team von sechs Wissenschaftlern mittels Star Gate von Phönix nach Shan springen, um den von Ken Randall versprochenen Kontakt zu den Shanern aufzunehmen. Das Star Gate von Shan wird angewählt und meldet auch die Empfangsbereitschaft zurück. Doch unmittelbar bevor die Wissenschaftler auf Phönix entmaterialisiert werden, wird auf Shan Alarm gegeben. Offensichtlich sind die Kyphorer durch ihre Überwachungsprogramme von den Veränderungen auf Shan unterrichtet worden und haben ihre Raumschiffe zu diesem Planeten gesandt. Den Shanern bleibt nur, blitzschnell ihr Star Gate zu blockieren, um die Ankunft der Menschen zu verhindern. Denn dieser Kontakt muss vor den Kyphorern unbedingt geheim gehalten werden. Das bedeutet aber auch, dass die terranischen Wissenschaftler nicht auf Shan materialisieren können. Nach den Gesetzen des Äthermorph kommen sie im nächstgelegenen SG der gleichen Norm heraus: Auf dem Planeten der Canorer!

Und seitdem sitzen sie hier fest und müssen das Beste aus ihrer Situation machen auf dieser ihnen fremden Welt...

 

DIE HAUPTPERSONEN:

Allison Winter, Robert Boyd, Armand Frederic, Sir Archibald Hen-ton, Alonso Gonzales (Spitzname »Speedy«), Karl Imanuel Speerber-gen – sie müssen nach wie vor in einer Situation überleben, auf die sie niemand vorbereitet hat.

 

072: Sturm auf Xarith - von W. Kimball Kinnison: „Die Verbannten von Phoenix – und die neue Chance auf Vetusta!“

 

Die Wirren auf Phönix haben eine klare Teilung der hiesigen menschlichen Besatzung bewirkt (siehe Doppelband 61/62) – und münden beinahe zwangsläufig in folgende Hauptereignisse:

  1. Die auf Phönix zurückgebliebenen Bernstein, Claydon & Co. müssen verbissen um ihr Leben kämpfen, denn das mächtige Reich Estarturith bläst zum »Sturm auf Xarith«.
  2. Auf Vetusta indessen, wo sich die vor den Wirren auf Phoenix Geflohenen aufhalten, erhält ein abgestürztes Raumschiff (siehe auch Band 42, »Das Schiff der Götter«) durch die Menschen eine unerwartete Chance – und so erfüllt sich »For Pers Traum«.

Dies alles wird nachzulesen sein, natürlich original, exklusiv und von »vor Ort« geschildert von W. Kimball Kinnison! Hier und heute, beginnend mit »Sturm auf Xarith«.

 

Die Hauptpersonen:

Cassius Claydon – ein großer ritterlicher Kämpfer

Walt Webster – ein furchtloser Streitwagenlenker

Jerry Bernstein – gibt nur wichtige Tipps

Trudi Rammstein – eine standfeste Amazone

Pieto – erlebt seine Star-Gate-Premiere

Walter Barnes – gönnt sich einen ungewöhnlichen Urlaub

Scara the Mouch – macht auf Reiseführer, ist aber »Schlösserspezialist«

Resnar – ein uralter, ganz Phönix bereisender Groß-Magier

Kardas – ein Reiterführer des Fürsten Darilos von Xarith

Daskar – ein Feldherr König Drogorns III. von Estarturith

 

Achtung: "STAR GATE - das Original" ist eine eigenständige Serie, die inhaltlich nichts zu tun hat mit Serien ähnlichen Namens, die im Fernsehen laufen oder im Kino zu sehen sind! 

 

Urheberrechte am Grundkonzept zu Beginn der Serie STAR GATE - das Original: Uwe Anton, Werner K. Giesa, Wilfried A. Hary, Frank Rehfeld.

 

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by hary-production.de.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Tom Cohel, W. Kimball Kinnison

STAR GATE 071-072: Der Letzte der Canorer

…und „Sturm auf Xarith“

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

STAR GATE – das Original – 071-072:

  

Der Letzte der Canorer

von Tom Cohel: „Das Mysterium von Canos: Chance oder tödliche Gefahr?“

 

Sturm auf Xarith

von W. Kimball Kinnison: „Die Verbannten von Phoenix – und die neue Chance auf Vetusta!“

 

 

Impressum:

 

Urheberrechte am Grundkonzept zu Beginn der Serie STAR GATE - das Original:

Uwe Anton, Werner K. Giesa, Wilfried A. Hary, Frank Rehfeld

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

Diese Fassung: © 2013 by HARY-PRODUCTION ISSN 1860-1855

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken * Telefon: 06332-481150 * www.HaryPro.de * eMail: [email protected]

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius * Logo: Gerhard Börnsen

Lektorat: Werner Schubert

 

STAR GATE – das Original - 71

  

Der Letzte der Canorer

von Tom Cohel: „Das Mysterium von Canos: Chance oder tödliche Gefahr?“

 

Band 31 der laufenden Serie (Titel: »Das Erbe der Canorer« von Hermann Schladt): Am 17. September 2063, um 10:22 Uhr, will ein Team von sechs Wissenschaftlern mittels Star Gate von Phönix nach Shan springen, um den von Ken Randall versprochenen Kontakt zu den Shanern aufzunehmen. Das Star Gate von Shan wird angewählt und meldet auch die Empfangsbereitschaft zurück. Doch unmittelbar be-vor die Wissenschaftler auf Phönix entmaterialisiert werden, wird auf Shan Alarm gegeben. Offensichtlich sind die Kyphorer durch ihre Überwachungsprogramme von den Veränderungen auf Shan unterrichtet worden und haben ihre Raumschiffe zu diesem Planeten gesandt. Den Shanern bleibt nur, blitzschnell ihr Star Gate zu blockieren, um die Ankunft der Menschen zu verhindern. Denn dieser Kontakt muss vor den Kyphorern unbedingt geheim gehalten werden. Das bedeutet aber auch, dass die terranischen Wissenschaftler nicht auf Shan materialisieren können. Nach den Gesetzen des Äthermorph kommen sie im nächstgelegenen SG der gleichen Norm heraus: Auf dem Planeten der Canorer!

Und seitdem sitzen sie hier fest und müssen das Beste aus ihrer Situation machen auf dieser ihnen fremden Welt...

 

DIE HAUPTPERSONEN

Allison Winter, Robert Boyd, Armand Frederic, Sir Archibald Hen-ton, Alonso Gonzales (Spitzname »Speedy«), Karl Imanuel Speerber-gen – sie müssen nach wie vor in einer Situation überleben, auf die sie niemand vorbereitet hat.

 

1

»Es war ein Fehler ... Es war ein Fehler...«

Obwohl Sir Archibald Hentons Mantras an jedermanns Nerven fraßen, brauchte Allison nur den Dschungelmoloch vor dem Cockpitfenster zu betrachten, um dem englischen Adelsmann und Geologen zähneknirschend recht zu geben.

»Halt die Klappe, Archi!«

Allison schwenkte ihren Blick herum und konnte Robert Boyd beobachten, wie er dem doppelt so alten Earl of Wilksworth mit einer Faust drohte. Der junge Linguist hielt das unförmige Steuerrad des canorischen Gleiters einhändig. Zwar hatten sie allesamt geübt, mit dem erdähnlichen Schweber zu fahren, doch hatte sich Robert als wahres Naturtalent erwiesen. Allison blieb es ein Rätsel, wie er einen Weg durch dieses Labyrinth finden konnte. Archibald – oder Archi – musterte den Australier scharf. Als er jedoch Allisons Blick auffing, senkte er den Kopf.

Sei froh, dass Robert nicht sein Samuraischwert griffbereit hat. Unwillkürlich musste Allison auflachen. Was geschieht mit uns? Archibald gehen die Nörgeleien aus und Robert flucht am laufenden Meter.

Egal, wie hoffnungslos ihr die Irrfahrt erschienen war, jede Weiterentwicklung ihrer Teammitglieder konnte Allison nur recht sein.

»Allison, ma chérie?«

Armand Frederic schaute sie besorgt an. Es fiel Allison immer noch schwer, sich den Franzosen als ernst zu nehmenden Biologen vorzustellen. Zu dem Schnauzbart und der spitzen Nase fehlten nur noch eine Baskenmütze sowie ein Baguette unter dem Arm, und das Bild wäre perfekt. Obendrein war Armand ein exzellenter Koch – daran gemessen, was Canos an Fressalien hergab. Aber auch ein Armand würde in dieser unwegsamen Gegend nichts Essbares finden können.

Es sei denn, er macht erneut einen Selbstversuch und beißt in irgendwas hinein, dachte Allison erheitert.

»Wie geht es dir?« Armand starrte sie noch immer an.

Das Gleiche taten nun Robert und Archibald; die beiden Streithähne hatten wieder voneinander abgelassen.

»Ich musste an einen Witz denken«, wehrte Allison ab und rieb sich über die Nasenwurzel. Armands suchende Augen waren ihr unerträglich. Allison wandte sich ab und lugte durch das Bullauge in die fremde Welt, in die es sie und die anderen Wissenschaftler verschlagen hatte. Die Kronen der Mammut-Bäume bildeten ein zusammenhängendes Dach, aus welchem es nur hin und wieder ein Lichtstrahl hindurchschaffte.

Sie schalt sich selbst. Gerade sie musste dem Team ein Vorbild sein! Zwar besaß sie nur eine abgebrochene Ausbildung zur Survival-Spezialistin bei Mechanics; in zwei Jahren hatte sie jedoch genügend gelernt, um zu wissen, dass man niemals Anzeichen von Schwäche zeigen durfte. Die Wissenschaftler hatten ihr, dem jüngsten und einzig weiblichen Part, ohne Absprache die Führungsrolle ihrer sechs Mann starken Gruppe übertragen. Selbst Archibald hatte inzwischen davon abgelassen, auf sein abstruses Adelsrecht zu pochen und ihr diese Position streitig machen zu wollen. Nicht nur Allison war bekannt, dass der sogenannte Adel auf der Erde seit geraumer Zeit zu einer Farce verkommen war. Aristokratie existierte lediglich in den Köpfen weniger Zurückgebliebener, die nicht begriffen hatten, dass längst die Konzerne über die Erde herrschten. Sir Archibald Henton war ein besonders hartnäckiges Exemplar jener Gattung.

Die Erde...

Allison erschienen die Erinnerungen an ihren Heimatplaneten fern wie ein verblasster Traum. Und das, obwohl sie erst knapp zwei Wochen auf Canos gestrandet waren. Sie musste an ihren Vater denken. Wie er sie vor sechs Jahren vor dem Taxi verabschiedet hatte, als sie ihr Ziel in die Tat umsetzte und endgültig nach Detroit zog, um ihr Studium als Xenobiologin bei Mechanics Inc. zu beginnen.

»Vergiss uns nicht, Alli.«

Allison Winter versuchte es. Erinnerungen würden das Einzige sein, was ihr blieb, wenn sie für immer auf diesem Planeten gestrandet sein sollten. Inzwischen irrten sie seit Stunden durch einen Dschungel, dessen Dichte gar dem Regenwald Konkurrenz machen konnte. Dort gab es aber wenigstens Regen.

»Wir müssen Wasser sparen, Alonso. Lass gut sein.«

»Oh nein, compadre, trink!«

Dem Befehl wurde mit Schluckgeräuschen Folge geleistet. Allison drehte sich nach der Liege im Heck des Gleiters um. Auf dem großen Gestell saßen die beiden letzten Mitglieder ihres Teams auf ihren Schlafmatten. Die beiden Männer wirkten wie Kinder, die auf dem Bett ihrer Eltern spielten. Kein Wunder, war diese Schlafstätte doch an canorische Verhältnisse angepasst.

Karl-Imanuel Speerbergen seufzte auf, nachdem Alonso Gonzales ihm die Wasserflasche vom Mund abgesetzt hatte. Allison gönnte es dem Informatiker vom Herzen. Mit fünfundfünfzig war »KI«, wie Speerbergen wegen seines Faibles für Künstliche Intelligenz auch genannt wurde, der Älteste in der Gruppe. Die subtropische Hitze machte ihnen allen zu schaffen, doch am meisten litt der Deutsche darunter.

»Besser?« Speedy strich KI sanft über die Schulter, dabei war der Mexikaner mehr als zehn Jahre jünger als sein Freund.

Alfonso »Speedy« Gonzales verdankte seinen Spitznamen nicht nur seinem Nachnamen, sondern ebenso seiner Fähigkeit, mathematische Probleme blitzschnell lösen zu können.

Dabei ist das Mathe-As alles andere als schnell, dachte Allison schmunzelnd bei der Erinnerung an Alfonsos tollpatschige, langsame Art.

»Ja«, erwiderte KI kurz angebunden, gab dem Mexikaner jedoch ein trauriges Lächeln. »Wenn wir aber nicht haushalten mit dem Wasser, haben wir bald ein Problem.«

Speedy schwieg. Er schraubte den Verschluss der leeren Flasche zu und legte sie zu den restlichen. Anschließend bettete er KI behutsam auf seine Schlafmatte. Der Informatiker ließ es bereitwillig geschehen.

Allison fixierte ihren Wasservorrat im hinteren Teil des Gleiters. Ein einziger Kanister war ihnen verblieben. Um ihre Nahrungsvorräte stand es nicht besser. Die letzten Dschungelfrüchte hatten sie diesen Morgen verdrückt. Seitdem herrschte eine angespannte Atmosphäre in dem Gleiter, da jeder von ihnen wusste, worauf das Ganze hinauslief, keiner jedoch den Mut besaß, es auszusprechen.

Allison beschloss zu handeln. Als Anführerin wider Willen musste sie in den sauren Apfel beißen – was sie in diesem Augenblick mit Freuden tat.

»Wenn wir nicht bald etwas finden, müssen wir umkehren. Mit 5zweiundfünfzig Prozent hat unser Gleiter nur noch so viel Energiekapazitäten, dass es für einen Rückflug zu unserem Ausgangspunkt am Star Gate reicht. Unsere Prognosen waren falsch. Die Temperatur ist auf über dreißig Grad gestiegen, kaum dass wir den Nordpol verlassen haben! – Verdammt, Leute, schaut mich nicht so an. Es ist heiß, und es wird schlimmer, je weiter wir uns nach Süden bewegen.«

Die Mechanics-Wissenschaftler nahmen Allisons Worte schweigend zur Kenntnis und richteten ihre Aufmerksamkeit wieder zum Cockpitfenster, in der Hoffnung, dass die Canos-Stadt Igana nicht nur ein Wunschtraum bliebe.

Urplötzlich gingen Allison die Ereignisse durch den Kopf, die sie zu diesem Punkt geführt hatten: Es begann mit einem Star Gate...

Ihr stand noch leibhaftig vor Augen, wie rasch damals alles in der Phönix-Station gegangen war. Von dort aus wurde sie mit fünf Wissenschaftlern ausgewählt, um nach Shan zu reisen und so den von Ken Randall versprochenen Kontakt mit dem dortigen Volk aufzunehmen. Alles verlief nach Plan, und das Empfangskomitee von Shan meldete seine Bereitschaft zurück. Mit Ehrfurcht und Neugier waren sie in den Gitterkäfig gestiegen. Doch ebenso guten Gewissens, denn ein jeder von ihnen hatte sich ausführlich mit der SG-Technik vertraut gemacht. Im Nachhinein kam es Allison wie ein schlechter Witz vor; ein noch schlechterer Witz als der damalige Sprung von Randalls Team nach Phönix.

Sie waren auf Canos materialisiert, einem kleinen, schnell rotierenden Planeten, der enormen klimatischen Schwankungen unterworfen war. Die mickrige Sonne schien ihrer Größe zu spotten: Das gleißende Licht verwandelte Canos in einen Backofen. Ein globaler Atomschlag hatte Canos aus seiner Umlaufbahn gerissen und den Planeten somit näher an die Sonne herangerückt. Sie war viel kleiner als die Erdensonne, nichtsdestotrotz hielt Speedy an seinen Temperaturtheorien fest. Der Mexikaner war nicht nur Mathe-As, sondern Astrophysiker. Dank ihm hatten sie vieles über Canos herausfinden können. Darunter auch, dass sie bereits hätten tot sein können, wenn sich ihr Star Gate nicht am Nordpol befunden hätte. Während das Leben in den Dschungelgebieten in Polnähe erträglich war, wurde es in der Nähe der Äquatorialebene beinahe unmöglich.

Bei ihrer Landung auf Canos hatte sich die Aufregung der Wissenschaftler in Grenzen gehalten. Schließlich konnte man ein »Falsches Abbiegen« jederzeit rückgängig machen, indem man umkehrte.

Doch sie wurden eines Besseren belehrt. Obwohl ihr Informatikgenie Speerbergen die Codes für Shan und Phönix kannte und am besten mit der Technik umzugehen wusste, kam er nicht gegen die Sturheit des Stationscomputers an, der ihnen aus Sicherheitsgründen schlicht den Zugang verweigerte. KI nahm an, dass das System mit den Star-Gate-Normen überfordert war. Sie waren von Phönix gekommen, dessen Norm Xybrass wegen der Kyphorer manipuliert hatte, und auf den Weg nach Shan, das von den Kyphorern vor langer Zeit gesperrt worden war, weil es eine der sogenannten »Verbotenen Welten« war.

Inzwischen hatte Karl-Imanuel Speerbergen auch eine schlüssige Theorie entwickelt, warum sie überhaupt »falsch abgebogen« waren.

»Es muss einen Zwischenfall gegeben haben, auf den die Shaner noch vor unserer Entmaterialisierung reagiert haben. Irgendetwas hat sie bewogen, ihr Gate zu blockieren. Nach den Gesetzen der Star Gates sind wir demnach nicht auf Shan, sondern in einem anderen Tor mit der gleichen Norm herausgekommen. Genau wie beim ersten Sprung von der Erde zum Mond.«

Die Frage blieb offen, was wirklich geschehen war und sie nach Canos gebracht hatte. Allison war das Ganze nicht geheuer. Sie vermutete eine böse Macht hinter alldem.

Nachdem sie auf Canos gelandet waren, hatten sie sofort mit der Erkundung der Dschungelwelt um die Star-Gate-Pyramide herum begonnen.

Allison seufzte innerlich auf. Da war der Dschungel geradezu paradiesisch gewesen im Vergleich zu hier!

Sir Archibald hatte sich zu aller Überraschung während ihrer Erforschung auch als nützlich erwiesen. Auf seinem Trip hatte der hochnäsige Geologe eine ungewöhnlich starke radioaktive Strahlung im Süden festgestellt, die ihnen zwar nicht gefährlich werden konnte, sie aber dennoch vor ein Rätsel stellte. Und eben dieses hatte sie dazu bewogen, mit dem gefundenen Gleiter in jene Richtung aufzubrechen.

»Es war ein Fehler...«

»Fang nicht schon wieder an«, brummte Robert Boyd, als Sir Archibald Henton erneut mit seiner Litanei startete.

»Ich habe den alljährlichen Ball des House of Lords verpasst!«, jammerte Archibald, ohne auf Robert zu achten. »Oh weh, mein Vater würde sich im Grabe umdrehen! Alles war ein Fehler...«

»Ruhe jetzt!«, knurrte Robert. »Du warst es doch, der die Strahlungsquelle geortet hat. Wo ist denn nun diese Canorer-Stadt, hm? Wenn es einen Fehler gibt, dann hast du ihn gemacht!«

Das ließ der Adelige nicht auf sich sitzen. »Das Aufzeichnungsband war der Fehler!« Archibald sprang von seinem Sitz und schnappte sich das quadratische Tonbandgerät aus Allisons Tasche, ehe sie reagieren konnte. »Wer sagt uns, dass dieser Algor nicht gelogen hat? Eine große Stadt namens Igana im Süden? Vielleicht ist da auch einfach ... nichts! Vielleicht war sein ganzer Bericht nur ein verdammtes Gutenacht-Märchen der Canorer. Und wir sind darauf reingefallen!«

Fast noch mehr als seine Worte beeindruckte Allison, dass Sir Archibald entgangen war, dass er »bürgerlich« sprach. Anscheinend konnte er auch anders als nur hochnäsig daherreden.

»Nein, das wäre ein zu großer Zufall«, meinte Allison kühl.

Sie war nach vorn zu Robert getreten und deutete auf einen blauen Fleck auf dem ovalen Schirm des Steuerpults, der sehr an ein Radar erinnerte und wahrscheinlich auch eines war. Der rote Punkt knapp darunter stellte ihren Gleiter dar.

»Dieses Navigationssystem zeigt, dass sich vor uns etwas befindet«, sagte Allison. »Das kann nur Igana sein.«

»Wo denn, my dear?«, rief Archibald aus und klopfte mit seiner Hand an das Bullauge neben ihm. »Nichts als Dschungel1 Wenn es hier eine Stadt gibt, Verehrteste, dann müssten wir ihre Vorzeichen bereits sehen, nicht wahr?«

Allison verbiss sich eine Erwiderung. Ihre Freude war zu voreilig gewesen. Archibald war wieder in seine Adelsmarotte verfallen.

»Vielleicht sind wir schon dran vorbei und wissen es nicht?«, ließ sich Speerbergen vernehmen. Speedy war sofort bei ihm, um den munter wirkenden Informatiker von seiner Schlafmatte aufzustützen. »Immerhin haben wir schon ein paar Ruinen im umliegenden Dschungel gesehen.«

»Die Steine waren so zugewachsen, dass sie kaum vom Dschungel zu unterscheiden waren«, erwiderte der Mexikaner leise. »Wenn, dann waren das ehemalige Häuser, vielleicht Bauernhöfe oder kleine Dörfer – aber keine Stadt.«

»Wir kehren um, sobald die Energie-Anzeige auf fünfzig Prozent gesunken ist«, beendete Allison die Diskussion und tippte auf die 51 unter dem Navigationsschirm. »Womöglich finden wir an der Star-Gate-Pyramide weitere Energieladungen, dann können wir einen erneuten Versuch starten.«

Die Stille lag wie ein schweres Gewicht auf allen Gemütern. Allison setzte sich neben Robert in den zweiten Cockpitsitz. Hinterrücks vernahm sie, wie ein bestimmter Jemand über »Bürgerliche« schimpfte. Widerstrebend schaute sie über ihre Schulter. Archibald presste das uralte Tonbandgerät der Canorer mit seinen Fingern, als wollte er seine Wut an ihm auslassen.

War es Fluch oder Segen gewesen, als sie das kleine Ding gefunden hatten, welches ihnen nicht nur das Ende der Canorer, sondern auch das Ende einer schmerzlichen Liebe offenbart hatte? Sie hatten es in dem Schweber gefunden, in dem sie gerade unterwegs waren, zusammen mit den Skeletten von Algor Z28 und seiner Geliebten Emeela A224, den beiden Canorern, die trotz ihres Fluchtversuchs den Tod gefunden hatten.

Mit Hilfe der Translatoren war es den Wissenschaftlern gelungen, einer unglaublichen Geschichte zu lauschen, die von der systematischen Selbstzerstörung eines Volkes erzählte. Der Hass unterschiedlicher Fraktionen, deren Merkmale Farben wie Rot oder Schwarz waren, hatte zu einer totalen Vernichtung durch Atom- und Neutronenbomben geführt. Die Nuklearangriffe hatten den Planeten bis zum heutigen Tag geprägt, und eine biologische Waffe hatte schlussendlich zur Ausradierung des canorischen Volkes geführt. Der Virus sollte gezielt eine bestimmte Fraktion auslöschen, hatte aber er aus unklaren Gründen weder vor Rot, Blau, Schwarz oder sonst einer Farbe Halt gemacht. Algor und Emeela hatten diesem Schicksal ebenso wenig entkommen können.

Doch ihr Ende hatte den Anfang der Reise für Allison und ihrem Team bedeutet. Durch das Tonbandgerät hatten sie von Canos und dessen Geschichte erfahren – und auf diese Weise hatte es sie zu ihrem jetzigen Ziel geführt: der Canos-Stadt Igana. Sie hatten Algors Gleiter wieder flugfähig gemacht und waren nach einigen Übungsflugstunden bereit gewesen, nach Süden aufzubrechen.

»Ich verstehe das nicht«, sagte Robert betroffen. »Wenn ich dieses Navi-System richtig deute, müssten wir das Ziel erreicht haben. Seht ihr etwas? Irgendetwas außer Dschungel? Diese verdammten Computer! Ob irdisch oder canorisch, überall der gleiche Müll.«

Allison musste sich ein Lachen verkneifen. Ihr kam in den Sinn, wie sehr der Australier mit Computern auf dem Kriegsfuß stand. Schließlich waren es die Translatoren, die den Linguisten quasi arbeitslos gemacht hatten.

Sie musterte Roberts Profil und kam nicht umhin, ihn für seinen Ehrgeiz zu bewundern. Während die meisten ihres Teams sich bereits mit ihrem Schicksal abgefunden hatten, gab Robert nicht auf. Auf Phönix hatte sie den Sprachwissenschaftler für einen misslaunigen Eigenbrötler gehalten. Inzwischen hatte sie beschlossen, ihre Meinung noch einmal zu überdenken.

»Rien.« Armand stand hinter Allison und Robert und spähte durch das Cockpitfenster. »Absolut gestorbene Hosen. Richtig?«

Der Franzose gab Allison ein spöttisches Lächeln. Er sprach akzentfreies Englisch, doch probierte er sich gerne an Wortspielen und Wendungen, die nicht immer fruchteten. Allison nickte dem Biologen wohlwollend zu. Mit Armand hatte sie sich auf Anhieb verstanden. Seine unbeschwerte Art war geradezu notwendig, um in ihrer bisweilen zu ernsthaften Gruppe einen Ausgleich zu schaffen.

Während sie, Robert und Armand beieinander standen, wurde sich Allison erneut peinlich bewusst, dass sie mit beiden Männern intim gewesen war – und das zum gleichen Zeitpunkt. Die Erinnerung war mit einem Nebel überzogen; verzerrte Bilder wie Mosaiksteine aus einem unbekannten Kunstwerk.

Sie waren gerade dabei gewesen, ihr Lager nahe dem Star Gate abzubauen, um sich für die Reise vorzubereiten, als ein Vogel erschienen war. Ein Vogel in den Farben des Regenbogens. Allein seine Schönheit betörte die Wissenschaftler, doch als er seinen Schnabel zu einem Gesang öffnete, war es um ihre Fassung geschehen – und das im wörtlichen Sinne. Allison erinnerte sich nur noch an einen wilden Drang, eine Besessenheit nach Liebe, ein Gefühl von Zerrissenheit, wenn sie dem Trieb nicht nachkommen würde. Als Allison aus der Schwärze erwacht war, lag sie eng umschlungen mit Robert und Armand da, und ein jeder von ihnen wusste, was geschehen war. Auch die anderen erwachten aus ihrem traumartigen Zustand, als der bunte Vogel mit seinem Gesang aufhörte. Aber es blieb ihnen keine Zeit, darauf zu reagieren. Ein Schwarm grauschwarzer Vogelweibchen umringte den bunten Sänger und wollte sich bereit machen, sich an den Wissenschaftlern und ebenso dazu gekommenen Tieren gütlich zu tun. Die Gruppe hatte sich gerade noch in die Pyramide retten können; den hypnotisierten Tieren war weniger Glück beschieden gewesen: Die Gruppe hatte sie später bis auf die Knochen abgenagt vorgefunden. Da waren die Vögel bereits verschwunden gewesen.

Allison und die anderen hatten über das Geschehene verschiedene Theorien aufgestellt. Am Ende kamen sie zu dem Ergebnis, dass der Todesvogel, wie sie den Sänger inzwischen nannten, seine Weibchen durch den Balzgesang gefügig machte und ihnen nach der »Hochzeit« einen Hochzeitsschmaus in Form von gebannten Tieren zur Verfügung stellte. So war bereits für den kommenden Nachwuchs gesorgt.

Über die Ereignisse während der Hypnose war zwischen den Wissenschaftlern kein Wort gefallen. Allison wollte dies auch keinesfalls ändern.

»Es steht bei fünfzig Prozent«, sagte Robert und brachte Allison damit ins Jetzt zurück.

Sie schaute unnötigerweise auf das Display für die Energieanzeige, aber die zweistellige Zahl schien sie zu verspotten. Sie besiegelte das Scheitern ihrer Mission und ebenso Allisons Qualitäten als Anführerin.

»Gut«, presste sie hervor. »Wir drehen...«

»Was ist das?«, unterbrach sie Armand und brachte sie dazu, seinem Fingerzeig aus dem Cockpitfenster zu folgen. »Es ist zu dunkel für einen Schatten, oder?«

Allison glaubte nicht an einen Hoffnungsschimmer am Horizont, vor allem, wenn er schwarz war, aber sie sollte ihre Einstellung diesbezüglich ändern.

»Es zieht sich durch den ganzen Dschungel. Seht!«, rief Armand aus.

Ihre Energieknappheit ignorierend gab Robert mehr Schub und schlängelte sich um einige gewundene Baumstämme. Inzwischen waren Archibald und Speedy samt KI zu ihnen nach vorn gekommen. Gemeinsam erlebten sie, wie ein länglicher Bogen vor ihnen an Form gewann und sich vom lichter werdenden Dschungel abzeichnete. Ein allgemeines »Oh!«ging durch den Gleiter, als sie einige Baumreihen weiter endlich erfassten, worum es sich bei ihrer Entdeckung handelte: Eine Mauer! Und sowohl unter irdischen als auch canorischen Verhältnissen zog man solch einen Schutzwall nur um ganz bestimmte Orte.

»Igana!«, jubelte Speedy und umarmte in seinen Überschwang Speerbergen, der nicht minder begeistert reagierte.

Robert entfuhr ein Seufzer der Erleichterung. Er strich beinahe liebevoll über das Steuerrad. Allison legte ihm mitfühlend eine Hand auf die Schulter. Der Australier quittierte die Geste mit einem Lächeln; eine Seltenheit bei ihm. Auch Armand lachte fröhlich – auf seine kokette Weise. Einzig Sir Archibald schien das Gesamtbild trüben zu wollen – wie immer. Seine Reaktion war höchstens als »weniger schlecht gelaunt« zu bezeichnen.