Verlag: SCM R. Brockhaus Kategorie: Religion und Spiritualität Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2011

Stephen Hawking, das Universum und Gott E-Book

John Lennox  

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E-Book-Beschreibung Stephen Hawking, das Universum und Gott - John Lennox

Wissenschaft und Religion - ist das wirklich ein Kampf zwischen völlig unterschiedlichen Welten? Einige Autoren scheinen davon auszugehen, wie etwa Richard Dawkins oder auch Stephen Hawking. Sie bringen dafür zahlreiche Argumente - halten diese abereiner näheren Prüfung wirklich stand? Prof. John Lennox ("Hat die Wissenschaft Gott begraben?") setzt sich in seinem neuen Buch mit dem aktuellen Bestseller von Stephen Hawking "Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums" auseinander undliefert gute Argumentationshilfen für den Glauben.

Meinungen über das E-Book Stephen Hawking, das Universum und Gott - John Lennox

E-Book-Leseprobe Stephen Hawking, das Universum und Gott - John Lennox

John Lennox

Stephen Hawking, das Universum und Gott

 

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Bestell-Nr. 226.389

ISBN 978-3-417-21998-2 (PDF)ISBN 978-3-417-21997-5 (E-Book)ISBN 978-3-417-26389-3 (lieferbare Buchausgabe)

Datenkonvertierung E-Book:Satz & Medien Wieser, Stolberg

Dieses Buch erscheint in der Reihe »Glaube und Wissenschaft«des INSTITUTS FÜR GLAUBE UND WISSENSCHAFT.Herausgeber der Reihe ist Dr. Jürgen Spieß

Die englische Originalausgabe erschien im Verlag Lion Hudson, Oxford/England unter dem Titel »God and Stephen Hawking. Whose design is it anyway?«,Copyright © 2010 John C. Lennox.

Aus dem Englischen übersetzt von Christian Rendel.

Die Bibelverse sind der Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, entnommen

© der deutschen Ausgabe 2011SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KGBodenborn 43 · 58452 WittenInternet: www.scm-brockhaus.de; E-Mail: info@scm-brockhaus.de

Umschlaggestaltung: www.krausswerbeagentur.de, HerrenbergSatz: Satz & Medien Wieser, StolbergDruck und Bindung: CPI – Ebner & Spiegel, UlmPrinted in Germany

Vorwort

Ich habe dieses kleine Buch in der Hoffnung geschrieben, es möge meinen Lesern dabei helfen, einige der wichtigsten Fragen zu verstehen, um die es in der derzeitigen Debatte im Kern geht. Deshalb habe ich versucht, wo immer möglich, auf fachspezifische Details zu verzichten und mich auf die Logik der Argumentation zu konzentrieren. Ich glaube, dass diejenigen unter uns, die mathematisch und naturwissenschaftlich geschult sind, Verantwortung für das öffentliche Verständnis der Wissenschaft haben und verpflichtet sind, Menschen das Rüstzeug an die Hand zu geben, um einschätzen zu können, wie Wissenschaft von Wissenschaftlern gebraucht (oder missbraucht) wird. Insbesondere haben wir die Pflicht, darauf hinzuweisen, dass nicht alle Aussagen von Wissenschaftlern wissenschaftliche Aussagen sind und somit auch nicht unbedingt die Autorität echter Wissenschaft besitzen, auch wenn ihnen diese Autorität oft irrtümlich zugeschrieben wird.

Natürlich gilt das für alles, was ich sage, ebenso wie für jeden anderen. Deshalb bitte ich meine Leser, meine Argumente sehr sorgfältig zu überprüfen. Ich bin Mathematiker. Dieses Buch handelt nicht von Mathematik. Die Richtigkeit der mathematischen Sätze, die ich bewiesen habe, ist also keine Garantie für die Richtigkeit dessen, was ich hier gesagt habe. Doch ich habe volles Zutrauen in die Fähigkeit meiner Leser, eine Argumentation bis zu ihrem Schluss zu verfolgen und einzuschätzen.

Einführung

Gott ist derzeit in aller Munde. Dafür haben Naturwissenschaftler gesorgt. Sie veröffentlichten ein Buch nach dem anderen mit Titeln wie Gott und die Gene (Francis Collins), Der Gotteswahn (Richard Dawkins), God, the Failed Hypothesis (Victor Stenger), The Story of God (Robert Winston) und so weiter.

Manche dieser Bücher haben in vielen Sprachen in aller Welt die Bestsellerlisten erstürmt. Offenbar wollen die Leute hören, was Naturwissenschaftler sagen. Das ist kein Wunder. Besitzt die Naturwissenschaft doch eine immense kulturelle und intellektuelle Autorität in unserer hoch entwickelten Welt: teils wegen ihres phänomenalen Erfolgs bei der Entwicklung von Techniken, die uns allen nützen, teils wegen ihrer Fähigkeit, uns zu inspirieren, indem sie uns durch gut gemachte Fernsehdokumentationen Einblicke in die Wunder des Universums gibt.

So kommt es, dass viele Menschen, denen zunehmend bewusst wird, dass die materiellen Erfolge der Naturwissenschaft die tiefsten menschlichen Bedürfnisse nicht befriedigen können, sich an Naturwissenschaftler wenden, um zu erfahren, ob diese irgendetwas über die großen Fragen des Daseins aussagen können: Warum sind wir hier? Was ist der Sinn des Lebens? Wohin gehen wir? Ist das Universum alles, was existiert, oder gibt es noch mehr?

Diese Fragen lassen uns unweigerlich über Gott nachdenken. Millionen Menschen wollen wissen, was die Naturwissenschaft uns über Gott sagen kann. Manche der oben genannten Bestseller wurden von Atheisten geschrieben; manche der Autoren glauben an Gott. Daran wird bereits deutlich, dass es naiv wäre, die Debatte als einen unvermeidlichen Streit zwischen Naturwissenschaft und Religion anzusehen. Diese »Konflikt«-Theorie ist schon lange nicht mehr glaubwürdig. Nehmen Sie zum Beispiel den ersten Autor auf unserer Liste, Francis Collins, Direktor des National Institute of Health in den USA und ehemaliger Leiter des Humangenomprojekts. Sein Vorgänger als Leiter dieses Projekts war James Watson, der gemeinsam mit Francis Crick den Nobelpreis für die Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA erhielt. Collins ist Christ, Watson dagegen Atheist. Beide sind Naturwissenschaftler ersten Ranges. Was die beiden trennt, ist nicht ihre Wissenschaft, sondern ihre Weltanschauung. Das heißt, es gibt tatsächlich einen Konflikt, aber nicht zwischen Wissenschaft und Religion, sondern zwischen Theismus und Atheismus. Und Wissenschaftler gibt es auf beiden Seiten.

Die eigentliche Frage ist also: Weist die Naturwissenschaft auf Gott hin, weist sie von Gott weg, oder ist sie in dieser Frage neutral?

Eines wird jedenfalls deutlich: Das gestiegene Interesse an Gott straft die sogenannte Säkularisierungshypothese Lügen, die im Zuge der Aufklärung voreilig davon ausging, die Religion würde mit der Zeit an Einfluss verlieren und aussterben – zumindest in Europa. Tatsächlich könnte es durchaus sein, dass es gerade das Scheitern der Säkularisierung ist, das Menschen die Frage nach Gott immer dringlicher stellen lässt.

Den angesehenen Journalisten John Micklethwait und Adrian Wooldridge von der Zeitschrift The Economist zufolge ist Gott »wieder da«1 – und das nicht nur für die Ungebildeten. »In vielen Teilen der Welt sind es gerade jene mobilen, gebildeten Mittelschichten, von denen Marx und Weber annahmen, dass sie dergleichen Aberglauben abschütteln würden, die die Explosion des Glaubens vorantreiben.«2 Diese Entwicklung verärgert verständlicherweise die Säkularisten, besonders die atheistischen Naturwissenschaftler unter ihnen, die der Meinung sind, sie allein verfügten über die richtigen intellektuellen Voraussetzungen, um die Welt zu deuten.

Am lautesten ist der Protest in Europa, vielleicht, weil viele Atheisten glauben, sie hätten hier am meisten zu verlieren. Damit haben sie wahrscheinlich recht – und es gibt Anzeichen dafür, dass sie tatsächlich verlieren. Richard Dawkins, der Wortführer der Neuen Atheisten, dreht die Lautstärke umso höher, je mehr Risse seine Argumentation bekommt – zumindest kommt es selbst manchen seiner Mitatheisten so vor.

Die Neuen Atheisten sind entschlossen, so viele Jünger wie möglich für den Glauben zu gewinnen, der Atheismus sei die einzig respektable Weltanschauung. Ihre Kampagne ging bis zu Werbebannern auf Gelenkbussen und atheistischen Sommerlagern für Kinder, nicht zu vergessen die Ansteckbuttons mit dem roten »A« für »Atheist« und natürlich jede Menge intelligent entworfener T-Shirts.

Nun hat sich eine weitere kraftvolle Stimme in den atheistischen Chor eingereiht – die des Physikers Stephen Hawking. Weltweit waren die Schlagzeilen voll davon: »Stephen Hawking sagt, das Universum wurde nicht von Gott erschaffen«, »Stephen Hawking sagt, die Physik lässt keinen Raum für Gott« und so weiter, in vielerlei Variationen. Auch in Deutschland erstürmte seine neueste Veröffentlichung Der große Entwurf sofort die Bestsellerlisten. In der SüddeutschenZeitung hieß es zum Beispiel: »Stephen Hawking hat in seinem neuen Buch ›Der große Entwurf‹ gemeinsam mit seinem Koautor Leonard Mlodinow die Existenz Gottes widerlegt«3.

Das öffentliche Bekenntnis zum Atheismus von einem Mann mit so hohem wissenschaftlichen Ansehen hat die Debatte sofort um einige Grad hitziger werden lassen – und unzählige Bücher wurden verkauft.

War es das? Gibt es nun nichts mehr zu diskutieren? Sollten alle Theologen spornstreichs ihre Lehrstühle aufgeben, da ihr Fach inzwischen gegenstandslos geworden ist? Sollten alle Geistlichen ihre Talare an den Nagel hängen und nach Hause gehen, weil sie nichts mehr zu predigen haben? Hat der Großmeister der Physik den Großen Entwerfer des Universums schachmatt gesetzt?

Zu behaupten, Gott abgeschafft zu haben, ist schon eine steile Aussage. Immerhin haben die meisten großen Naturwissenschaftler der Vergangenheit an Gott geglaubt. Viele tun es auch heute noch. Haben sich Galilei, Kepler, Newton und Maxwell, um nur einige zu nennen, alle in der Gottesfrage geirrt?

Da allerhand auf dem Spiel steht, sollte man sich die Belege, die Hawking vorbringt, genauer anschauen, um herauszufinden, ob seine Argumente einer Überprüfung standhalten.

Kapitel 1Die großen Fragen

Stephen Hawking ist ohne Zweifel der weltweit bekannteste lebende Naturwissenschaftler. Vor seiner erst kürzlich erfolgten Emeritierung hatte er als Nachfolger von Sir Isaac Newton den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik in Cambridge inne. Diese Position füllte Hawking mit Bravour aus. Er wurde von der britischen Königin zum »Companion of Honour« ernannt. Seine akademische Vita weist unzählige Ehrendoktortitel aus aller Welt auf.

Daneben ist er seit Langem ein Symbol für Tapferkeit. Seit über vierzig Jahren leidet er an einer verheerenden Erkrankung des motorischen Nervensystems. Einen Großteil dieser Zeit brachte er im Rollstuhl zu und ist auf einen eigens konstruierten elektronischen Stimmsynthesizer als einziges Mittel der mündlichen Kommunikation angewiesen. Seine unverkennbare »Stimme« ist in aller Welt bekannt.

Gemeinsam mit vielen herausragenden Kollegen und Studenten hat Hawking die Grenzen der mathematischen Physik ausgelotet – wobei der vielleicht berühmteste Teil seiner Arbeit sich mit den schwer zugänglichen Rätseln der Schwarzen Löcher befasst. Seine Arbeit führte zum Postulat der »Hawking-Strahlung«, die ihm, wenn sie verifiziert würde, zweifellos den Nobelpreis einbrächte.

Mit seinem Rekordbestseller Eine kurze Geschichte der Zeit4 brachte Hawking die undurchdringliche Welt der Fundamentalphysik in jedes Wohnzimmer – wenn auch viele Leute zugaben, dass der Inhalt ihnen zu hoch war. Diesem Buch folgten einige weitere, die sehr erfolgreich versuchten, viele Leser für die große Naturwissenschaft zu begeistern.

Da seine Bücher sich mit dem Ursprung des Universums befassen, war es unvermeidlich, dass er sich auch mit der Frage nach der Existenz eines Schöpfers auseinandersetzte. Eine kurze Geschichte der Zeit ließ diese Frage noch offen. Das Buch endete mit der viel zitierten Aussage, wenn die Physiker eine »vollständige Theorie« entdeckten (also eine Theorie, die die vier fundamentalen Naturkräfte vereinheitlicht), so »würden wir Gottes Plan kennen«5.

In seinem letzten Buch Der große Entwurf6, gemeinsam verfasst mit Leonard Mlodinow7, ist von Hawkings Zurückhaltung nichts mehr zu spüren. Stattdessen stellt er den Glauben an eine göttliche Erschaffung des Universums infrage. Ihm zufolge liefern die Gesetze der Physik – nicht der Wille Gottes – die wahre Erklärung dafür, wie das Universum entstand. Der Urknall, so Hawking, sei die unvermeidliche Konsequenz dieser Gesetze gewesen: »Da es ein Gesetz wie das der Gravitation gibt, kann und wird sich das Universum […] aus dem Nichts erzeugen.«8

Der Titel Der große Entwurf wird für viele Leser die Existenz eines großen Planers nahelegen – doch genau dies versucht das Buch in Abrede zu stellen. Hawkings zentrale Schlussfolgerung lautet: »Spontane Erzeugung ist der Grund, warum etwas ist und nicht einfach nichts, warum es das Universum gibt, warum es uns gibt. Es ist nicht nötig, Gott als den ersten Beweger zu bemühen, der das Licht entzündet und das Universum in Gang gesetzt hat.«9

In diesem Buch möchte ich mich in der Hauptsache nicht mit Hawkings Naturwissenschaft auseinandersetzen, sondern mit dem, was er daraus in Bezug auf die Existenz oder besser Nichtexistenz Gottes ableitet. Hawkings Überzeugung, die Naturwissenschaft mache Gott überflüssig, wird als eine bahnbrechende Erkenntnis gefeiert, sie ist aber keineswegs neu. Andere Naturwissenschaftler stellen schon seit vielen Jahren ähnliche Behauptungen auf, wonach die überwältigende, ausgeklügelte Komplexität der Welt um uns her durch die ausschließliche Bezugnahme auf den Grundstoff des Universums (Masse/Energie) oder auf physikalische Gesetze wie das Gravitationsgesetz interpretiert werden könne. Tatsächlich ist auf den ersten Blick schwer zu erkennen, inwiefern dieses Buch dem, was Hawking in Eine kurze Geschichte der Zeit geschrieben hat, aus naturwissenschaftlicher Sicht viel Neues hinzufügt.

Der große Entwurf beginnt mit einer Liste der großen Fragen, die die Menschen sich von jeher gestellt haben: »Wie können wir die Welt verstehen, in der wir leben? Wie verhält sich das Universum? Was ist das Wesen der Wirklichkeit? Woher kommt das alles? Braucht das Universum einen Schöpfer?«10 Diese Fragen, gestellt von einem berühmten Naturwissenschaftler, wecken eine große Neugier. Es ist faszinierend, einem Naturwissenschaftler von Weltrang zuzuhören, wenn er den philosophischen Fragen nachgeht, die wir alle hin und wieder stellen.

Ist die Philosophie wirklich tot?

Doch wenn wir das erwarten, steht uns eine Überraschung bevor. Denn schon mit seinen nächsten Worten gibt Hawking seiner Verachtung für die Philosophie Ausdruck. Im Blick auf seine Liste von Fragen schreibt er: »Traditionell sind das Fragen für die Philosophie, doch die Philosophie ist tot. Sie hat mit den neueren Entwicklungen in der Naturwissenschaft, vor allem in der Physik, nicht Schritt gehalten. Jetzt sind es die Naturwissenschaftler, die mit ihren Entdeckungen die Suche nach Erkenntnis voranbringen.«11

Abgesehen von der Hybris gegenüber der Philosopie, einer Disziplin, die an seiner eigenen Universität Cambridge stark vertreten und geachtet ist, stellt dies einen recht beunruhigenden Beleg dafür dar, dass zumindest ein Naturwissenschaftler, nämlich Hawking selbst, mit der Philosophie nicht nur nicht Schritt gehalten hat, sondern offenbar auch nicht genug davon versteht, um zu erkennen, dass er selbst dabei ist, sie zu betreiben.

Denn Hawkings Aussage über die Philosophie ist selbst eine philosophische Aussage. Sie ist offenkundig keine naturwissenschaftliche, sondern eine metaphysische Aussage über die Naturwissenschaft. Insofern widerspricht sich seine Behauptung, die Philosophie sei tot, selbst.

Darüber hinaus ist die Ansicht, es seien »die Naturwissenschaftler, die […] die Suche nach Erkenntnis voranbringen«, nicht weit entfernt vom Szientismus – der Auffassung, die Naturwissenschaft sei der einzige Weg zur Wahrheit. Diese Überzeugung ist typisch für jene Bewegung des säkularen Denkens, die als »Neuer Atheismus« bezeichnet wird, wenn das Neue an ihren Gedanken auch zum größten Teil nur in der aggressiven Art ihrer Präsentation besteht, weniger in ihrem intellektuellen Gehalt.12

Der Nobelpreisträger Sir Peter Medawar wies schon vor langer Zeit in seinem hervorragenden Buch Advice to a Young Scientist, das für alle Naturwissenschaftler Pflichtlektüre sein sollte, auf diese Gefahr hin: