Beschreibung

Die Biografie des Jahres über einen der revolutionärsten Entwickler der Welt

Macintosh, iMac, iPod, iTunes, iPhone, iPad – Steve Jobs hat der digitalen Welt mit der Kultmarke Apple Ästhetik und Aura gegeben. Wo Bill Gates für solide Alltagsarbeit steht, ist der Mann aus San Francisco die Stilikone des IT-Zeitalters, ein begnadeter Vordenker, der kompromisslos seiner Idee folgt. Genial und selbstbewusst hat er trotz ökonomischer und persönlicher Krisen den Apfel mit Biss (Bite) zum Synonym für Innovation und Vision gemacht.

Doch wer ist dieser Meister der Inszenierung, was treibt ihn? Walter Isaacson gewann das Vertrauen des Apple-Chefs und konnte als erster Biograf während der langjährigen Recherchen auf seine uneingeschränkte Unterstützung ebenso bauen wie auf die seiner Familie, seiner Weggefährten und auch der Kontrahenten. Entstanden ist das Buch über Steve Jobs und sein Unternehmen – nicht nur für Apple-Fans.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 1157


Walter Isaacson

Steve Jobs

Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers

Aus dem amerikanischen Englisch übertragen von Antoinette Gittinger, Oliver Grasmück, Dagmar Mallett, Elfi Martin, Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck

C.Bertelsmann

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen. Die Originalausgabe ist 2011 unter dem Titel »Steve Jobs« bei Simon & Schuster, New York, erschienen.

1. korrigierte Auflage

© 2011 by Walter Isaacson

© 2011 by C. Bertelsmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.

Umschlaggestaltung: R·M·E Roland Eschlbeck und Rosemarie Kreuzer

Redaktion: Stefan Mayr

Bildredaktion: Dietlinde Orendi

Satz: seitenweise, Tübingen

eISBN 978-3-641-07462-3V002

www.cbertelsmann.de

»Die Menschen, die verrückt genug sind

zu denken, sie würden die Welt verändern,

sind diejenigen, die es tun werden.«

»Think Different«-Spot, 1997

Wichtige Personen

Al Alcorn Leitender Ingenieur bei Atari, Designer von Pong. Stellte Jobs ein.

Bill Atkinson Einer der ersten Apple-Angestellten. Er entwickelte die Grafik für den Macintosh.

Gil Amelio Wurde 1996 CEO (Chief Executive Officer) von Apple, kaufte NeXT und holte damit Jobs zurück.

Chrisann Brennan Jobs’ Freundin an der Homestead High School, Mutter seiner Tochter Lisa.

Lisa Brennan(-Jobs) Tochter von Jobs und Chrisann Brennan, geboren 1978, von Jobs zunächst nicht anerkannt.

Nolan Bushnell Gründer von Atari und unternehmerisches Vorbild für Jobs.

Bill Campbell Marketingleiter bei Apple während Jobs’ erster Zeit im Unternehmen und Mitglied des Board; nach Jobs’ Rückkehr 1997 dessen Vertrauter.

Edwin »Ed« CatmullMitbegründer von Pixar und später in leitender Funktion bei Disney.

Kobun Chino Kalifornischer Zen-Meister, spiritueller Lehrer von Jobs.

Lee Clow Genial-verschrobener Werber, der Apples »1984«-Werbekampagne kreierte und drei Jahrzehnte lang für Jobs arbeitete.

Deborah »Debi« ColemanUnerschrockene Mac-Team-Managerin der Anfangszeit, die den Bereich Herstellung bei Apple übernahm.

Tim Cook Ruhiger, besonnener COO (Chief Operating Officer), von Jobs 1998 eingestellt. Nach dem Rücktritt Jobs’ am 24. August 2011 CEO (Chief Executive Officer) von Apple.

Eddy Cue Leiter des Bereichs Internetdienstleistungen bei Apple, verhandelt für Jobs mit den Content Companies.

Andrea »Andy« CunninghamPublizistin bei Regis McKenna, die in den frühen Macintosh-Jahren für Jobs zuständig war.

Michael Eisner Energischer Disney-CEO (Chief Executive Officer), der das Pixar-Geschäft abschloss, sich dann aber mit Jobs überwarf.

Larry Ellison CEO (Chief Executive Officer) von Oracle und persönlicher Freund von Jobs.

Tony Fadell Punkiger Ingenieur, den Apple 2001 engagierte, um den iPod zu entwickeln.

Scott Forstall Leiter der Abteilung Software für mobile Anwendungen bei Apple.

Robert Friedland Student am Reed College, Eigentümer einer Apfelbauernkommune, beeinflusste Jobs auf dessen Suche nach östlicher Spiritualität. Später Manager von Kupfer- und Goldminen.

Jean-Louis Gassée Apple-Manager in Frankreich; übernahm die Macintosh-Abteilung, als Jobs 1985 verdrängt wurde.

Bill Gates Das andere Computer-Wunderkind, Jahrgang 1955.

Andy Hertzfeld Umgänglicher, freundlicher Software-Ingenieur und Jobs’ Kumpel im ursprünglichen Mac-Team.

Joanna Hoffman Gehörte zum ursprünglichen Mac-Team, scheute sich nicht, Jobs zu widersprechen.

Elizabeth Holmes Daniel Kottkes Freundin am Reed College und eine der ersten Apple-Angestellten.

Rod Holt Kettenrauchender Marxist, den Jobs 1976 als Elektronikingenieur für den Apple II einstellte.

Robert Iger Folgte Eisner 2005 als CEO (Chief Executive Officer) von Disney nach.

Jonathan »Jony« IveChefdesigner bei Apple, wurde Partner und Vertrauter von Jobs.

Abdulfattah »John« JandaliStudent syrischer Abstammung aus Wisconsin, biologischer Vater von Jobs und Mona Simpson; später F&B-Manager des Boomtown Resort and Casino bei Reno, Nevada.

Clara Jobs (Hagopian)Tochter armenischer Emigranten, heiratete 1946 Paul Jobs; das Ehepaar adoptierte Steve Jobs kurz nach seiner Geburt 1955.

Erin Siena JobsRuhiges und ernsthaftes zweites Kind von Steve Jobs und Laurene Powell.

Eve Jobs Energisches und lebhaftes jüngstes Kind von Steve Jobs und Laurene Powell.

Patty Jobs Zwei Jahre nach Steves Geburt von Paul und Clara Jobs adoptiert.

Paul Reinhold JobsAus Wisconsin stammender Maschinist der Küstenwache, der mit seiner Frau Clara 1955 Steve adoptierte.

Reed Paul JobsÄltestes Kind von Steve Jobs und Laurene Powell, gut aussehend wie der Vater und nett wie die Mutter.

Ron Johnson Von Jobs im Jahr 2000 eingestellt, um die Apple Stores zu entwickeln.

Jeffrey Katzenberg Leiter der Disney-Studios, geriet in Konflikt mit Eisner, trat 1994 zurück und wurde einer der Mitbegründer von DreamWorks SKG.

Daniel Kottke Engster Freund Jobs’ am Reed College, reiste mit ihm zusammen nach Indien; einer der ersten Apple-Angestellten.

John Lasseter Mitbegründer und kreativer Kopf von Pixar.

Dan’l Lewin Marketingleiter unter Jobs bei Apple und anschließend bei NeXT.

Mike Markkula Erster Großinvestor bei Apple und dann Chairman, eine Vaterfigur für Jobs.

Regis McKenna Werbegenie, das Jobs anfänglich beriet und eine Art Guru für ihn blieb.

Mike Murray Macintosh-Marketingleiter in der Anfangszeit.

Paul Otellini CEO (Chief Executive Officer) von Intel, der mithalf, den Macintosh auf Intel-Chips umzustellen, aber das iPhone-Geschäft nicht an Land ziehen konnte.

Laurene Powell Gewitzte und humorvolle Studentin an der University of Pennsylvania, ging zu Goldman Sachs und wechselte dann an die Stanford Business School; heiratete 1991 Jobs.

Arthur Rock Legendärer Technikinvestor. Frühes Mitglied des Apple-Board, Vaterfigur für Jobs.

Jon Rubinstein Arbeitete bei NeXT für Jobs, wurde 1997 Hardware-Chefingenieur bei Apple.

Mike Scott (»Scotty«)Von Markkula 1977 als CEO(Chief Executive Officer) von Apple installiert, um Jobs zu beherrschen.

John Sculley Pepsi-Vorstand, den Jobs 1983 als CEO (Chief Executive Officer) für Apple einstellte. Geriet 1985 in Konflikt mit Jobs und drängte ihn aus der Firma.

Joanne Simpson (Schieble) In Wisconsin gebürtige biologische Mutter von Steve Jobs, den sie zur Adoption freigab, und von Mona Simpson, die sie selbst aufzog.

Mona Simpson Biologische Schwester von Steve Jobs. Sie entdeckten 1986 ihre Verwandtschaft und entwickelten ein enges Verhältnis zueinander. Sie schrieb Romane, die lose auf den Biografien ihrer Mutter Joanne (Anywhere But Here), ihres Bruders und seiner Tochter Lisa (A Regular Guy) und ihres Vaters Abdulfattah Jandali (The Lost Father) beruhen.

Alvy Ray Smith Mitbegründer von Pixar, geriet in Konflikt mit Jobs.

Burrell Smith Engelhafter, brillanter leitender Programmierer des ursprünglichen Mac-Teams, erkrankte in den neunziger Jahren an Schizophrenie.

Avie Tevanian Arbeitete bei NeXT für Jobs und Rubinstein, wurde 1997 Software-Chefingenieur bei Apple.

James Vincent Musikliebender Brite, jüngerer Partner von Lee Clow und Duncan Milner in Apples Werbeagentur.

Ron Wayne Begegnete Jobs bei Atari, ursprünglich Partner von Jobs und Wozniak in der neu gegründeten Firma Apple, entschloss sich dann unklugerweise, seine Anteile abzustoßen.

Steve Wozniak (Woz) Berühmtester Elektronikbastler an der Homestead High School. Jobs fand heraus, wie sich seine erstaunlichen Platinen verpacken und verkaufen lassen.

Einleitung Wie dieses Buch zu mir kam

Im Frühsommer 2004 erhielt ich einen Anruf von Steve Jobs. Er war über die Jahre hinweg auf eine oberflächliche Art freundlich zu mir gewesen, zuweilen aber auch recht ungehalten, insbesondere wenn er ein neues Produkt auf den Markt brachte, das auf dem Cover der Time oder von CNN – ehemalige Arbeitgeber von mir – präsentiert werden sollte. Seit ich dort nicht mehr beschäftigt war, hörte ich jedoch nur noch selten von ihm. Wir unterhielten uns ein wenig über das Aspen Institute, für das ich seit Kurzem tätig war, und ich lud ihn ein, auf unserem Sommercampus in Colorado zu sprechen. Er sagte, er würde gern kommen, habe aber keine Lust, eine Rede zu halten. Er wolle lieber einen Spaziergang mit mir machen, damit wir uns unterhalten könnten.

Das erschien mir etwas seltsam; ich wusste noch nicht, dass er für ernsthafte Unterhaltungen einen langen Spaziergang bevorzugte. Wie sich herausstellte, wünschte er, dass ich seine Biografie schreibe. Vor Kurzem hatte ich eine über Benjamin Franklin veröffentlicht und zu jener Zeit verfasste ich eine über Albert Einstein. Meine erste Reaktion war, dass ich mich halb scherzhaft fragte, ob er sich als natürlichen Nachfolger dieser Persönlichkeiten sah. Da ich annahm, dass er immer noch mitten in einer schwankenden Karriere steckte, die viele weitere Höhen und Tiefen erwarten ließ, zögerte ich. Im Augenblick nicht, erwiderte ich. Vielleicht in zehn oder 20 Jahren, wenn du in den Ruhestand gehst.

Ich kannte ihn seit 1984, als er ins Time-Life Building in Manhattan gekommen war, um mit Redakteuren zu Mittag zu essen und seinen neuen Macintosh anzupreisen. Er wirkte recht gereizt, blaffte einen Time-Korrespondenten an, weil dieser ihn mit einer allzu enthüllenden Story gekränkt hatte. Doch als ich mich später mit ihm unterhielt, war ich genauso fasziniert von seiner einnehmenden Persönlichkeit, wie es zahlreiche andere Menschen im Lauf der Jahre waren. Auch als er seinen Job bei Apple verloren hatte, blieben wir in Kontakt. Wenn er etwas anzupreisen hatte, einen NeXT-Computer oder einen Pixar-Film, stand ich plötzlich wieder ganz in seiner Gunst. Er lud mich dann in ein Sushi-Restaurant in Lower Manhattan ein und erklärte mir, dass das Produkt, für das er warb, das Beste war, das er je produziert hatte. Ich mochte ihn.

Als er erneut den Apple-Thron besteigen durfte, setzten wir ihn auf das Cover der Time. Wenig später unterbreitete er mir seine Ideen für eine Serie, die wir über die einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahrhunderts auf die Beine stellten. Er hatte seine »Think Different«-Kampagne gestartet, bei der Kultfotos von einigen der Persönlichkeiten gezeigt wurden, die auch wir ins Auge gefasst hatten, und fand unser Bestreben, deren historischen Einfluss zu bewerten, faszinierend.

Nachdem ich seinen Vorschlag, eine Biografie über ihn zu verfassen, abgelehnt hatte, hörte ich sporadisch von ihm. Irgendwann schrieb ich ihm eine E-Mail, um mich zu erkundigen, ob die Behauptung meiner Tochter stimme, dass das Apple-Logo eine Hommage an Alan Turing, den britischen Computerpionier, sei, der während des Zweiten Weltkrieges die deutschen Funksprüche entziffert und dann Selbstmord begangen hatte, indem er in einen mit Blausäure versetzten Apfel biss. Er erwiderte, er hätte nur zu gern an Turing gedacht, das sei aber nicht der Fall gewesen. Das war der Beginn eines Gedankenaustauschs über die Anfänge von Apple, und ich ertappte mich dabei, wie ich mich immer mehr in das Thema vertiefte – nur für den Fall, dass ich je beschließen sollte, die Biografie zu verfassen. Als mein Einstein-Buch erschien, kam er zu einer Lesung in Palo Alto, nahm mich zur Seite und sprach mich erneut auf seine Biografie an.

Seine Beharrlichkeit verblüffte mich. Er war bekannt dafür, seine Privatsphäre zu schützen, und es bestand für mich kein Anlass zu glauben, dass er je eines meiner Bücher lesen würde. Irgendwann vielleicht, erwiderte ich. 2009 jedoch erklärte mir seine Frau Laurene Powell unverblümt: »Wenn Sie je ein Buch über Steve schreiben wollen, dann sollten Sie es jetzt tun.« Er hatte sich gerade zum zweiten Mal aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit genommen. Ich gestand ihr, dass ich keine Ahnung gehabt hatte, dass er krank war, als er mich das erste Mal auf die Biografie angesprochen hat. Kaum jemand wusste es, sagte Laurene. Auch sie rief er erst kurz vor seiner Krebsoperation an, und er hält seine Krankheit nach wie vor geheim, fuhr sie fort.

In diesem Moment entschloss ich mich, das Buch zu schreiben. Jobs überraschte mich, indem er mir bereitwillig quittierte, keine Kontrolle über das Buch haben zu wollen, auch nicht das Recht, es im Voraus zu lesen. »Es ist dein Buch«, sagte er. »Ich werde es nicht einmal lesen.« Später schien er über sein Mitwirken noch einmal nachgedacht zu haben und er musste, wovon ich jedoch nichts wusste, erneut gegen den Krebs kämpfen. Er rief mich nicht mehr zurück, und ich legte das Projekt vorläufig zur Seite.

Am späten Nachmittag Silvester 2009 rief er mich dann unerwartet an. Er befand sich allein mit seiner Schwester, der Autorin Mona Simpson, in seinem Haus in Palo Alto. Seine Frau und seine drei Kinder waren beim Skifahren, er hatte sich nicht kräftig genug gefühlt, sich ihnen anzuschließen. Er war sehr nachdenklich und unterhielt sich über eine Stunde mit mir. Er erzählte mir, dass er mit zwölf einen Frequenzzähler hatte bauen wollen und dass er Bill Hewlett, den Gründer von Hewlett-Packard (HP), im Telefonbuch ermittelt und angerufen hatte, um Ersatzteile zu erwerben. Jobs sagte, die vergangenen zwölf Jahre seines Lebens, seit seiner Rückkehr zu Apple, seien, was die Schaffung neuer Produkte anbelangt, die produktivsten gewesen. Doch sein oberstes Ziel war, so Jobs, es Hewlett und dessen Freund David Packard gleichzutun und eine Firma zu gründen, die so erfüllt ist von innovativer Kreativität, dass sie ihn überdauern würde.

»Als Kind sah ich mich immer als Geisteswissenschaftler, aber schon damals mochte ich die Elektronik«, erklärte er. »Dann las ich einen Artikel von Edwin Land von Polaroid, einem meiner Helden, in dem er sagte, wie wichtig es sei, dass es Menschen gäbe, die an der Schnittstelle von Geistes- und Naturwissenschaften stünden, und ich kam zu dem Schluss, dass ich genau das tun wollte.« Es hörte sich so an, als wolle er Themen für die Biografie vorschlagen – und in diesem Fall erwies sich das Thema als ein sehr wertvolles. Die Kreativität, die entstehen kann, wenn sich ein Gefühl für beide Wissenschaften in einer starken Persönlichkeit vereint, war das Thema, das mich in meinen Biografien über Franklin und Einstein am meisten interessiert hatte. Und ich glaube, sie ist der Schlüssel zur Schaffung einer innovativen Wirtschaft im 21. Jahrhundert.

Ich fragte Jobs, weshalb er mich als seinen Biografen wollte. »Ich denke, du hast ein Talent dafür, die Menschen zum Reden zu bringen«, erwiderte er. Diese Antwort kam überraschend. Ich wusste, ich müsste eine Menge Leute interviewen, die er gefeuert, beleidigt, im Stich gelassen oder auf andere Weise verärgert hatte, und ich befürchtete, dass es ihm nicht behagen würde, wenn ich sie zum Reden brächte. Und es behagte ihm tatsächlich nicht, als er erfuhr, wen ich interviewte. Doch nach ein paar Monaten forderte er sie auf, mir Rede und Antwort zu stehen, sogar Gegner und ehemalige Freundinnen. Er versuchte auch nicht, irgendwelche Dinge für tabu zu erklären. »Ich habe vieles getan, worauf ich nicht stolz bin, zum Beispiel meine Freundin zu schwängern, als ich 23 war, und so damit umzugehen, wie ich es tat«, sagte er. »Aber ich habe keine Leichen im Keller.«

Schließlich führte ich etwa 40 Interviews mit ihm. Einige waren formeller Natur und fanden in seinem Wohnzimmer in Palo Alto statt, andere erfolgten auf langen Spaziergängen und Fahrten oder per Telefon. In den 18 Monaten, in denen wir uns sahen, wurde er zunehmend aufgeschlossener und gab immer mehr von sich preis. Manchmal wurde ich allerdings auch Zeuge dessen, was seine ehemaligen Apple-Kollegen als Reality Distortion Field (eine Art Realitätsverzerrungsfeld) bezeichneten. Manchmal äußerte sich dies in Form der ungewollten Fehlzündung von Gedächtniszellen, etwas, was uns allen gelegentlich passiert, ein anderes Mal präsentierte er mir und sich selbst seine eigene Version der Wirklichkeit. Um seine Geschichte zu überprüfen und auszugestalten, interviewte ich über 100 Freunde, Verwandte, Konkurrenten, Gegner und Kollegen.

Seine Frau Laurene, die dabei half, dieses Projekt zu verwirklichen, verlangte ebenfalls keine Einschränkungen; sie bat auch nicht darum, den Text im Voraus lesen zu dürfen. Ganz im Gegenteil, sie ermutigte mich sogar, die Stärken und Schwächen ihres Mannes ehrlich zu beschreiben. Sie ist eine der klügsten und vernünftigsten Personen, die ich je kennengelernt habe. »Teile seines Lebens und seiner Persönlichkeit sind extrem chaotisch, und das ist die Wahrheit«, erklärte sie mir bereits zu einem frühen Zeitpunkt. »Du solltest es nicht schönreden. Er ist gut im Herumspinnen, aber er hat auch eine bemerkenswerte Geschichte aufzuweisen, und ich lege Wert darauf, dass alles wahrheitsgetreu erzählt wird.«

Ich überlasse es dem Leser zu beurteilen, ob ich diese Aufgabe erfüllt habe. Sicherlich gibt es Figuren in diesem Drama, die eine andere Erinnerung an einige der Ereignisse haben oder die annehmen, dass ich manchmal in die Falle der Realitätsverzerrung getappt bin. Wie bei meinem Buch über Henry Kissinger, das in gewisser Weise eine gute Vorbereitung für dieses Projekt war, stellte ich fest, dass die Menschen auch in Bezug auf Jobs derart starke positive oder negative Empfindungen hatten, dass der Rashomon-Effekt – mehrere miteinander unvereinbare Darstellungen – häufig zu erkennen war. Aber ich habe mein Möglichstes getan, um widersprüchliche Berichte fair wiederzugeben und die benutzten Quellen transparent zu machen.

Dies ist ein Buch über das schwindelerregende Leben und die unglaublich intensive Persönlichkeit eines kreativen Unternehmers, dessen Leidenschaft für Perfektion und ungebremster Tatendrang sechs Industriezweige revolutionierten: Heimcomputer,Animationsfilme, Musik, Telefone, Tablet-Geräte und Digital Publishing. Man könnte noch einen siebten hinzufügen: Einzelhandelsgeschäfte, die Jobs zwar nicht direkt revolutionierte, denen er jedoch ein neues Image verlieh. Außerdem ebnete er den Weg für einen neuen Markt für Digital Content, basierend auf Anwendungenstatt nur auf Internetseiten. Er stellte nicht nur transformierende Produkte her, sondern baute beim zweiten Anlauf auch ein stabiles Unternehmen auf, das mit seiner DNA ausgestattet ist, also mit kreativen Designern und wagemutigen Ingenieuren, die seine Vision umsetzen konnten.

Ich hoffe, dass dieses Buch auch von Innovation handelt. In einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten Möglichkeiten suchen, ihren innovativen Vorsprung beizubehalten, und Gesellschaften auf der ganzen Welt versuchen, kreative, dem Digitalzeitalter angepasste Wirtschaftssysteme aufzubauen, gilt Jobs als die Ikone des Ideenreichtums, der Fantasie und steter Innovation. Er wusste, dass die beste Möglichkeit, im 21. Jahrhundert Werte zu schaffen, darin bestand, Kreativität mit Technologie zu verbinden. Folglich gründete er ein Unternehmen, in dem Einfallsreichtum mit bemerkenswerten Errungenschaften der Technik verknüpft wurde. Er und seine Kollegen bei Apple waren fähig, anders zu denken: Sie entwickelten mithilfe von Schwerpunktgruppen nicht nur bescheidene Produkt-Verbesserungen, sondern gänzlich neue Apparate und Dienstleistungen, von denen die Verbraucher bis dahin gar nicht wussten, dass sie sie brauchten.

Er war kein idealer Chef und auch kein Mensch, der sich als Vorbild eignete. Wenn er von Dämonen beherrscht wurde, konnte er seine Umgebung an den Rand des Wahnsinns und der Verzweiflung treiben. Aber seine Persönlichkeit, seine Leidenschaften und Produkte standen alle miteinander in Verbindung, genauso wie es bei der Hard- und Software von Apple der Fall ist, als seien sie Teil eines kombinierten Systems. Seine Geschichte ist ein Lehrstück und eine Warnung, gespickt mit Lektionen über Innovation, Charakter, Führungsstil und Werte.

Shakespeares Heinrich V., die Geschichte des böswilligen und unreifen Prinzen Hal, der ein leidenschaftlicher, aber empfindsamer, harter und trotzdem sentimentaler, inspirierender, aber schwacher König wurde, beginnt mit einer Ermahnung: »O! eine Feuermuse, die hinan den hellsten Himmel der Erfindung stiege«. Prinz Hal hatte es leicht; er musste sich lediglich mit dem Vermächtnis eines Vaters abgeben. Für Steve Jobs beginnt der Aufstieg zum strahlenden Olymp der Erfinder mit dem Bericht über zwei Elternpaare und die Kindheit in einem Tal, das gerade lernte, wie man Silizium in Gold verwandelt.

Kapitel 1 Kindheit: Verlassen und auserwählt

Paul Jobs mit Steve, 1956

Das Haus in Sunnyvale mit der Garage, in der Apple geboren wurde

Im Jahrbuch der Homestead High, 1972

Mit dem »SWAB JOB«-Laken, das sie vom Balkon der Schule herunterließen, als die Abschlussklasse vorbeimarschierte (zusammen mit Allen Baum)

Die Adoption

Als Paul Jobs Ende des Zweiten Weltkrieges aus der U.S. Coast Guard (Küstenwache) entlassen wurde, schloss er mit seinen Mannschaftskameraden eine Wette ab. Sie waren in San Francisco angekommen, wo ihr Schiff zur Ausmusterung vor Anker ging, und Paul wettete, dass er innerhalb von zwei Wochen eine Ehefrau finden würde. Er war ein schmucker tätowierter Triebwerkmechaniker, etwa 1,82 Meter groß, und hatte eine entfernte Ähnlichkeit mit James Dean. Doch nicht sein Aussehen verschaffte ihm ein Date mit Clara Hagopian, der charmanten Tochter armenischer Einwanderer. Es war die Tatsache, dass er und seine Freunde im Gegensatz zu der Gruppe, mit der Clara ursprünglich an diesem Abend hatte ausgehen wollen, einen Wagen zur Verfügung hatten. Im März 1946, zehn Tage nach dem Treffen, verlobte sich Paul mit Clara und gewann seine Wette. Es wurde eine glückliche Ehe, die erst 40 Jahre später durch den Tod getrennt wurde.

Paul Reinhold Jobs war auf einem Milchbauernhof in Germantown, Wisconsin, aufgewachsen. Obwohl sein Vater Alkoholiker war und manchmal gewalttätig wurde, entwickelte sich Paul, auch wenn er eine raue Schale besaß, zu einem liebenswürdigen, ruhigen Menschen. Nachdem er die Highschool abgebrochen hatte, war er durch den Mittleren Westen gewandert und hatte als Mechaniker gearbeitet. Im Alter von 19 Jahren ging er zur Küstenwache, obwohl er nicht schwimmen konnte. Er wurde auf der USS M.C. Meigs eingesetzt und verbrachte einen Großteil des Krieges damit, für General Patton Truppen nach Italien überzusetzen. Seine Begabung als Maschinist und Heizer brachte ihm Lob ein, doch gelegentlich geriet er in Schwierigkeiten und schaffte letztendlich nie einen höheren Rang als den des Matrosen.

Clara kam in New Jersey zur Welt, wo ihre Eltern gelandet waren, nachdem sie aus Armenien geflohen waren. Als sie noch ein Kind war, zogen sie nach San Francisco, Mission District. Als junge Frau hatte sie ein Geheimnis, das sie selten jemandem verriet: Sie war schon einmal verheiratet gewesen, doch ihr Mann war im Krieg gefallen. Als sie Paul Jobs das erste Mal traf, war sie bereit, ein neues Leben zu beginnen.

Wie viele Menschen, die den Krieg erlebt hatten, wollten Paul und Clara nach Kriegsende einfach wieder ein normales Leben führen, eine Familie gründen und in Ruhe leben. Sie besaßen wenig Geld. Also gingen sie nach Wisconsin und wohnten ein paar Jahre bei Pauls Eltern. Danach zogen sie nach Indiana um, wo er einen Job als Mechaniker bei International Harvester bekam. Er bastelte leidenschaftlich gern an alten Autos herum und verdiente sich in seiner Freizeit Geld, indem er sie reparierte und verkaufte. Schließlich gab er seinen Job auf und arbeitete als Verkäufer von Gebrauchtwagen.

Clara jedoch liebte San Francisco. 1952 überredete sie ihren Mann, dorthin zurückzuziehen. Sie mieteten eine Wohnung im Sunset District mit Blick auf den Pazifik, südlich des Golden Gate Park. Paul arbeitete für ein Finanzunternehmen als »Repo man« (Geldeintreiber), das heißt, er knackte die Türschlösser von Autos, deren Besitzer die Raten nicht gezahlt hatten, und nahm die Autos wieder in Besitz. Er kaufte, reparierte und verkaufte auch einige der Autos und schuf sich damit ein ordentliches Einkommen.

Doch etwas fehlte in ihrem Leben. Sie wollten Kinder. Clara hatte allerdings eine Bauchhöhlenschwangerschaft hinter sich, bei der das befruchtete Ei sich im Eileiter eingenistet hatte statt in der Gebärmutter. Sie konnte keine Kinder mehr bekommen. 1955, nach neun Ehejahren, versuchten sie, ein Kind zu adoptieren.

So wie Paul Jobs stammte auch Joanne Schieble aus einer deutschstämmigen Farmerfamilie aus Wisconsin. Ihr Vater Arthur Schieble war in einen Außenbezirk von Green Bay gezogen, wo er und seine Frau eine Nerzfarm besaßen. Er versuchte sich aber auch erfolgreich in verschiedenen anderen Geschäftszweigen, von Immobilien bis zum Lichtdruckverfahren. Er war sehr streng, insbesondere was die Beziehungen seiner Tochter anbetraf; ihre erste Liebe, einen Künstler, der nicht katholisch war, hatte er strikt abgelehnt. So war es nicht verwunderlich, dass er drohte, Joanne fallen zu lassen, als sie sich als Studentin an der University of Wisconsin in Abdulfattah »John« Jandali verliebte. Er stammte aus einer angesehenen syrischen Familie und war das jüngste von neun Kindern. Sein Vater besaß Ölraffinerien und betrieb jede Menge anderer Geschäfte. Außerdem hatte er ausgedehnten Grundbesitz in Damaskus und Homs und kontrollierte zeitweise sogar den Weizenpreis im Umland von Green Bay. Wie die Familie Schieble legten die Jandalis größten Wert auf die Erziehung. Von Generation zu Generation waren Familienmitglieder zum Studium nach Istanbul oder an die Sorbonne gegangen. Abdulfattah Jandali wurde, obwohl er Muslim war, auf ein von Jesuiten geführtes Internat geschickt, machte seinen Bachelor an der American University in Beirut, besuchte dann die University of Wisconsin, wo er den Master anstrebte und als Lehrassistent in Politikwissenschaft arbeitete.

Im Sommer 1954 reiste Joanne mit Abdulfattah nach Syrien. Sie verbrachten zwei Monate in Homs, wo sie von seiner Familie die Zubereitung syrischer Gerichte lernte. Als sie nach Wisconsin zurückkehrten, stellte Joanne fest, dass sie schwanger war. Sie waren beide 23, beschlossen aber, nicht zu heiraten, da Joannes Vater im Sterben lag und gedroht hatte, sie zu enterben, wenn sie Abdulfattah heiratete. Eine Abtreibung war in einer kleinen katholischen Gemeinde erst recht keine Option, und so reiste Joanne im Frühjahr 1955 nach San Francisco, wo sie von einem freundlichen Doktor betreut wurde, der ledigen Müttern Obdach bot, ihre Kinder zur Welt brachte und Adoptionen vermittelte.

Joanne stellte eine Bedingung: Ihr Kind sollte von Akademikern adoptiert werden. Der Arzt sorgte also dafür, dass das Baby zu einem Anwalt und dessen Frau kam. Als am 24. Februar 1955 ein Junge zur Welt kam, beschloss das als Adoptiveltern ausgesuchte Paar, dass es ein Mädchen wollte, und trat vom Vertrag zurück. So wurde der Junge also nicht der Sohn eines Anwalts, sondern eines Highschool-Abbrechers mit einer Leidenschaft für die Mechanik und seiner geistvollen, als Buchhalterin tätigen Frau. Paul und Clara nannten ihr neues Baby Steve Paul Jobs.

Nach wie vor bestand jedoch das Problem, dass Joanne für ihr Kind Akademiker als Adoptiveltern forderte. Als sie herausfand, dass der Junge bei einem Paar untergebracht worden war, das keinen Highschool-Abschluss besaß, weigerte sie sich, die Adoptionspapiere zu unterzeichnen. Selbst nachdem das Baby in die Familie Jobs integriert war, schwelte das Problem noch wochenlang. Schließlich gab Joanne unter der Bedingung nach, dass das Paar verspreche, ja schriftlich festlege, dass es einen Fonds einrichten und den Jungen aufs College schicken werde.

Es gab noch einen weiteren Grund, weshalb Joanne davor zurückschreckte, die Adoptionspapiere zu unterzeichnen. Sie hatte vor, Jandali bald nach dem Tod ihres Vaters zu heiraten. Sie hegte die Hoffnung – wie sie später Familienmitgliedern berichtete, wobei sie manchmal sogar in Tränen ausbrach –, dass sie ihr Baby nach der Heirat zurückbekommen würde.

Arthur Schieble starb im August 1955, ein paar Wochen nach Abschluss der Adoption. Kurz nach Weihnachten desselben Jahres heirateten Joanne und Abdulfattah Jandali in der katholischen Kirche St. Philip the Apostle in Green Bay. Im Jahr darauf promovierte Jandali in internationaler Politik, und sie bekamen ein weiteres Kind, ein Mädchen namens Mona.

Nachdem sich Joanne und Jandali 1962 scheiden lassen hatten, führte Joanne ein traumhaftes, turbulentes Leben, das ihre Tochter Mona Simpson, die eine bekannte Autorin werden sollte, in ihrem ergreifenden Roman Anywhere But Here (Überall, nur nicht hier) schilderte. Da Steve aber anonym zur Adoption freigegeben worden war, sollte es 20 Jahre dauern, bis sie einander fanden.

Steve Jobs erfuhr bereits sehr früh, dass er ein Adoptivkind war. »Meine Eltern sprachen offen mit mir darüber«, sagte er. Er erinnerte sich lebhaft, wie er mit sechs oder sieben auf dem Rasen ihres Hauses saß und es dem Mädchen erzählte, das auf der anderen Straßenseite wohnte. »Soll das heißen, dass dich deine richtigen Eltern nicht gewollt haben?«, erkundigte sich das Mädchen. »Das traf mich wie ein Blitz«, so Jobs. »Ich weiß noch, wie ich ins Haus rannte und weinte. Und meine Eltern sagten: ›Wir müssen es dir erklären.‹ Sie waren sehr ernst und sahen mich eindringlich an. Dann erklärten sie mir: ›Wir haben speziell dich ausgesucht.‹ Mein Vater und meine Mutter wiederholten diesen Satz langsam für mich. Und sie betonten jedes Wort.«

Verlassen. Auserwählt. Speziell. Diese Begriffe wurden Teil dessen, was Jobs war und wie er sich selbst sah. Seine engsten Freunde sind der Meinung, dass das Bewusstsein, nach der Geburt weggegeben worden zu sein, Narben bei ihm hinterlassen habe. »Ich glaube, sein Verlangen nach völliger Kontrolle bei allem, was er tut, leitet sich direkt von seiner Persönlichkeit ab und der Tatsache, dass er direkt nach der Geburt von seiner Mutter zur Adoption freigegeben wurde«, sagte Del Yocam, ein langjähriger Kollege. »Er möchte seine Umgebung unter Kontrolle haben und betrachtet das Produkt als etwas zu ihm Gehöriges.« Greg Calhoun, der nach dem College eng mit Jobs befreundet war, vertrat folgende Meinung: »Steve redete viel mit mir darüber, dass seine Eltern ihn nach der Geburt nicht haben wollten und welchen Schmerz ihm das bereitete. Dies machte ihn aber auch unabhängig. Er folgte einem anderen Trommelschlag, und das rührte daher, dass er sich in einer anderen Welt bewegte als in der, in die er hineingeboren wurde.«

Später, als er genauso alt (23) war wie sein biologischer Vater, als dieser ihn im Stich gelassen hatte, wurde Jobs Vater einer Tochter, die er ebenfalls nicht wollte. (Schließlich aber übernahm er doch noch Verantwortung für sie.) Chrisann Brennan, die Mutter des Kindes, sagte, die Tatsache, dass Jobs zur Adoption freigegeben wurde, sei ein Tiefschlag für ihn gewesen und erkläre zum Teil sein Verhalten. »Er, der verlassen wurde, wiederholt diesen Vorgang an seinem Kind«, erklärte sie. Andy Hertzfeld, der Anfang der achtziger Jahre mit Jobs bei Apple zusammenarbeitete, gehört zu den wenigen, die eng mit beiden, Chrisann und Steve, befreundet blieben. »Die Schlüsselfrage bei Steve lautet, weshalb er sich nicht beherrschen kann und manchen Menschen gegenüber so grausam und verletzend ist«, so Hertzfeld. »Das geht auf seine Geburt zurück, als er verlassen wurde. In Steves Leben war das eigentliche unterschwellige Problem die Tatsache, dass er nach der Geburt von seinen Eltern im Stich gelassen wurde.«

Jobs wies dies zurück. »Es gibt irgendwelche Hirngespinste, dass ich, weil mich meine Eltern nach der Geburt im Stich gelassen hatten, hart arbeitete, um Erfolg zu haben und dadurch in meinen Eltern den Wunsch zu wecken, mich zurückhaben zu wollen, oder dergleichen Unsinn, aber das ist lächerlich«, beharrte er. »Vielleicht fühlte ich mich unabhängiger, weil ich wusste, dass ich adoptiert worden war, aber ich hatte nie das Gefühl, verlassen worden zu sein. Ich habe mich immer als etwas Besonderes gefühlt. Meine Eltern vermittelten mir immer das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.« Später ging er immer in die Luft, wenn irgendjemand Paul und Clara Jobs als seine »Adoptiveltern« bezeichnete oder suggerierte, dass sie nicht seine »richtigen« Eltern seien. Er behauptete: »Sie waren zu 1000 Prozent meine Eltern.« Wenn er allerdings über seine biologischen Eltern sprach, sagte er schroff: »Sie stellten meine Samenbank dar, nicht mehr und nicht weniger.«

Silicon Valley

Die Kindheit, die Paul und Clara Jobs ihrem neuen Sohn boten, entsprach in vielerlei Hinsicht einem Klischee der späten fünfziger Jahre. Als Steve zwei Jahre alt war, adoptierten sie eine Tochter namens Patty, und drei Jahre später zogen sie in ein Reihenhaus in einem Vorort. Das Finanzunternehmen CIT, für das Paul als Geldeintreiber arbeitete, hatte ihn in das Büro in Palo Alto versetzt. Da er es sich jedoch nicht leisten konnte, dort zu wohnen, landeten sie in einer Trabantensiedlung in Mountain View, einer preisgünstigeren Stadt etwas südlich.

Dort versuchte Paul Jobs, seine Liebe zur Mechanik und zu Autos weiterzugeben. »Steve, das ist jetzt deine Werkbank«, sagte er, als er einen Teil des Tisches in der Garage für ihn frei machte. Jobs war vom Interesse seines Vaters für das Handwerk beeindruckt. »Ich fand das Gespür meines Dads für das Design sehr beachtlich«, bemerkte er, »denn er konnte alles zusammensetzen. Wenn wir einen Schrank benötigten, baute er ihn zusammen. Als er unseren Zaun aufstellte, drückte er mir einen Hammer in die Hand, damit ich mit ihm arbeiten konnte.«

50 Jahre später umgibt dieser Zaun immer noch den Hinter- und Seitenhof des Hauses in Mountain View. Als Jobs ihn mir zeigte, strich er über die Latten und erinnerte sich an eine Lektion seines Vaters, die tiefe Spuren hinterlassen hatte. Es sei wichtig, sagte sein Vater, die Rückseite von Schränken und Zäunen kunstfertig zu gestalten, auch wenn sie verborgen waren. »Er mochte es, alles richtig zu machen. Er kümmerte sich sogar um Teile, die nicht zu sehen waren.«

Sein Vater reparierte nach wie vor Gebrauchtwagen und verkaufte sie weiter, und er schmückte die Garage mit Fotos seiner Lieblingsautos aus. Er machte seinen Sohn mit den Details des Designs bekannt: den Umrissen, der Entlüftung, dem Chrom und der Form der Sitze. Nach der Arbeit schlüpfte er in seinen Overall und zog sich in die Garage zurück, häufig in Begleitung von Steve. »Ich bildete mir ein, ich könnte ihm etwas mechanische Geschicklichkeit vermitteln, doch er war nicht daran interessiert, sich die Hände schmutzig zu machen«, erzählte Paul später. »Er interessierte sich nie wirklich für mechanische Dinge.«

Jobs fand es keineswegs reizvoll, unter der Motorhaube herumzubasteln. »Es war nicht so mein Ding, Autos zu reparieren. Doch ich wollte einfach bei meinem Dad sein.« Je bewusster ihm wurde, dass er adoptiert worden war, desto mehr hing er an seinem Vater. Als er etwa acht Jahre alt war, entdeckte Steve ein Foto seines Vaters, als dieser noch seinen Dienst bei der Küstenwache versah. »Er befindet sich im Maschinenraum, hat das Hemd ausgezogen und sieht aus wie James Dean. Es war einer dieser Aha-Augenblicke für ein Kind. Wow,meine Eltern waren wirklich einmal jung und sahen richtig gut aus.«

Steves Vater machte seinen Sohn anhand der Autos mit der Elektronik vertraut. »Er besaß kein umfassendes Wissen über Elektronik, aber er hatte beim Reparieren von Autos und anderen Dingen viel darüber gelernt. Er zeigte mir die Grundlagen und ich hatte großen Spaß daran.« Noch aufregender war es, wenn sie unterwegs waren, um Autoteile aufzutreiben. »Jedes Wochenende fuhren wir zum Schrottplatz. Wir sahen uns nach einem Generator, einem Vergaser und allen möglichen sonstigen Teilen um.« Gern beobachtete er seinen Vater beim Feilschen. »Er war richtig gut darin, denn er wusste besser als die Jungs hinterm Ladentisch, was die Teile kosten sollten.« Dies trug dazu bei, das Versprechen zu erfüllen, das seine Eltern vor seiner Adoption gegeben hatten. »Mein College-Fonds wurde dadurch finanziert, dass mein Dad 50 Dollar für einen Ford Falcon oder irgendeinen anderen Gebrauchtwagen zahlte, der nicht mehr funktionierte, ein paar Wochen daran arbeitete und ihn dann für 250 Dollar verkaufte – steuerfrei.«

Das Haus der Jobs in der Diabolo 286 wurde wie die anderen in der Nachbarschaft von dem Bauträger Joseph Eichler gebaut, dessen Firma zwischen 1950 und 1974 in verschiedenen kalifornischen Trabantenstädten über 11000 Häuser aus dem Boden stampfte. Inspiriert von Frank Lloyd Wrights Vision von schlichten modernen Häusern für jedermann, errichtete Eichler Billighäuser mit hohen Fenstern, offenen Grundrissen, exponierter Pfosten-Riegel-Konstruktion, Zementbodenfliesen und vielen Glasschiebetüren. »Eichler hat seine Sache gut gemacht«, sagte Jobs auf einem unserer Spaziergänge durch die Nachbarschaft. »Seine Häuser waren elegant, billig und gut. Ihr Design war klar und einfach und sie waren auch für niedrigere Einkommen erschwinglich. Sie hatten fantastische kleine Besonderheiten, zum Beispiel Fußbodenheizung. Mit einem Teppich darüber erzeugte diese eine wohlige Wärme, die wir als Kinder sehr genossen.«

Jobs sagte, seine Bewunderung für Eichlers Häuser habe seine Leidenschaft dafür entfacht, klar umrissene Designs für den Massenmarkt zu schaffen. »Ich mag es, wenn man großartiges Design und leichte Handhabung zu etwas verbinden kann, das nicht teuer ist«, sagte er, als er die schlichte Eleganz der Häuser ansprach. »Es war die ursprüngliche Vision für Apple. Genau das versuchten wir beim ersten Mac umzusetzen. Und genau das taten wir mit dem iPod.«

Gegenüber von den Jobs lebte ein Mann, der sich einen Namen als Grundstücksmakler gemacht hatte. »Er war gar nicht so genial«, erinnerte sich Jobs, »aber er schien ein Vermögen zu machen. Also dachte mein Vater: ›Das kann ich auch.‹ Ich habe nie vergessen, wie hart er gearbeitet hat. Er besuchte die Abendschule, erwarb die Zulassung als Makler und stieg ins Immobiliengeschäft ein. Doch dann erreichte der Markt einen Tiefstand.« Das Ergebnis war, dass die Familie ungefähr ein Jahr lang den Gürtel enger schnallen musste. Steve war damals noch in der Grundschule. Seine Mutter arbeitete als Buchhalterin bei Varian Associates, einem Unternehmen, das wissenschaftliche Instrumente herstellte, und sie nahmen eine zweite Hypothek auf. Eines Tages fragte ihn sein Lehrer in der vierten Klasse: »Was am Universum verstehst du nicht?« Steve erwiderte: »Ich verstehe nicht, warum mein Dad plötzlich so abgebrannt ist.« Aber er war sehr stolz darauf, dass sein Vater nie eine unterwürfige Haltung einnahm oder aalglatt war, was ihn vielleicht zu einem besseren Verkäufer gemacht hätte. »Man musste sich bei den Leuten einschleimen, um ihnen Grundstücke zu verkaufen, und das lag ihm nicht. Dafür bewunderte ich ihn.« Paul Jobs arbeitete wieder als Mechaniker.

Sein Vater war ruhig und liebenswürdig, Eigenschaften, die sein Sohn später wohl pries, aber nicht unbedingt nachahmte. Und er war resolut.

Nahe bei uns wohnte ein Ingenieur, der bei Westinghouse arbeitete. Er war Junggeselle, ein Beatnik-Typ. Seine Freundin war manchmal Babysitter bei uns. Meine Eltern waren beide berufstätig, sodass ich gleich nach der Schule für ein paar Stunden zu ihnen gehen konnte. Manchmal betrank er sich und schlug sie. Eines Nachts kam sie zu uns, völlig verängstigt, und er kam auch, total betrunken. Mein Vater erklärte ihm, seine Freundin sei bei uns, aber er komme nicht herein. Der Mann hatte keine Chance. Wir stellen uns gern vor, dass in den fünfziger Jahren alles idyllisch war, aber dieser Kerl war einer der Ingenieure, die anderen das Leben verpfuschten.

Die Trabantensiedlung, in der die Jobs lebten, unterschied sich von Tausenden anderen in Amerika dadurch, dass sogar die Taugenichtse Ingenieur werden wollten. »Als wir hierher zogen, entdeckten wir überall Obstgärten mit Aprikosen- und Zwetschgenbäumen«, erinnerte sich Jobs. »Aber die Gegend fing aufgrund von Rüstungsinvestitionen an zu boomen.« Jobs sog die Geschichte des Tals auf und entwickelte die Sehnsucht, seine eigene Rolle zu spielen. Edwin Land von Polaroid erzählte ihm später, wie Eisenhower ihn gebeten hatte, bei der Entwicklung der U-2-Spionageflugkameras zu helfen, um festzustellen, wie groß die sowjetische Gefahr tatsächlich war. Der Film wurde in Blechbüchsen verstaut und zum NASA Ames Research Center in Sunnyvale, nicht weit entfernt von Jobs Haus, gebracht. »Das erste Computer-Terminal sah ich, als mein Dad mich zum Ames-Center mitnahm«, sagte er. »Ich habe mich total in es verliebt.«

Weitere Rüstungskonzerne breiteten sich in den fünfziger Jahren in nächster Nähe aus. Die Lockheed Missiles and Space Division, die U-Boot-gestützte ballistische Geschosse herstellte, wurde 1956 neben dem NASA-Center gegründet. Als Jobs vier Jahre später hierher zog, beschäftigte das Unternehmen 20000 Menschen. Ein paar Meter weiter errichtete Westinghouse Anlagen, die Röhren und Elektrotransformatoren für Raketensysteme produzierten. »Diese Militärunternehmen waren alle innovativ«, erinnerte er sich. »Es war geheimnisvoll und hoch technologisch und machte das Leben dort sehr aufregend.«

Mit der Rüstungsindustrie entwickelte sich ein florierender Wirtschaftszweig, der auf Technologie gründete. Er geht auf das Jahr 1938 zurück, als David Packard und seine neue Frau in eine Wohnung in Palo Alto zogen, zu der ein Schuppen gehörte, in dem sich ihr Freund Bill Hewlett bald häuslich niederließ. Das Haus hatte eine Garage – die sich als nützlich herausstellen und in dem Tal einen gewissen Kult erlangen sollte. Hier bastelten sie herum, bis sie ihr erstes Produkt fertighatten, einen Audio-Oszillator. In den fünfziger Jahren war Hewlett-Packard (HP) ein schnell wachsendes Unternehmen, das technische Instrumente herstellte.

Zum Glück befand sich in der Nähe ein Platz für Unternehmer, die ihren Garagen entwachsen waren. In einer Aktion, die dazu beitragen sollte, das Gebiet in die Wiege der technischen Revolution zu verwandeln, schuf Frederick Terman, der Dekan für das Ingenieurwesen der Stanford University, auf dem Universitätsgelände einen 175 Hektar großen Industriepark für private Unternehmen, die die Ideen der Studenten vermarkten konnten. Der erste Mieter war Varian Associates, für die Clara Jobs arbeitete. »Terman hatte diese großartige Idee, die mehr als alles andere zum Blühen der technischen Industrie hier beitrug«, erklärte Jobs. Als er zehn Jahre alt war, hatte HP über 9000 Beschäftigte und war die Bluechip-Firma, in der jeder Ingenieur, der nach finanzieller Sicherheit strebte, arbeiten wollte.

Die wichtigste Technologie, die das Wachstum der Gegend vorantrieb, war natürlich der Halbleiter. William Shockley, einer der Erfinder des Transistors in den Bell Labs, New Jersey, zog nach Mountain View und gründete 1956 eine Firma, um mithilfe von Silizium – statt des kostspieligeren Germaniums, das damals allgemein verwendet wurde – Transistoren herzustellen. Aber Shockley wurde zunehmend unberechenbar und gab sein Silizium-Transistor-Projekt auf, was acht seiner Ingenieure, allen voran Robert Noyce und Gordon Moore, dazu veranlasste, das Unternehmen Fairchild Semiconductor zu gründen. Dieses zählte schließlich 12000 Beschäftigte, löste sich jedoch 1968 auf, als Noyce den Machtkampf um den Posten des CEO verlor. Zusammen mit Gordon Moore gründete er ein Unternehmen, das als Integrated Electronics Corporation bekannt wurde und das sie clever mit Intel abkürzten. Ihr dritter Angestellter war Andrew »Andy« Grove, der in den achtziger Jahren das Wachstum der Firma vorantrieb, indem er den Fokus von Speicherchips auf Mikroprozessoren verlagerte. Innerhalb weniger Jahre gab es mehr als 50 Unternehmen in dieser Gegend, die Halbleiter herstellten.

Das exponentielle Wachstum dieser Industrie hing mit einem von Moore entdeckten Phänomen zusammen. 1965 erstellte er eine Kurve der Geschwindigkeit integrierter Stromkreise, die auf der Zahl der Transistoren basierte, die auf einen Chip gelegt werden konnten, und zeigte, dass sich deren Komplexität ungefähr alle zwei Jahre verdoppelte, eine Entwicklung, die wohl anhalten würde. 1971 wurde dies erneut bestätigt, als Intel in der Lage war, einen Hauptprozessor auf einem einzigen Chip unterzubringen – dem Intel 4004 –, den sie Mikroprozessor tauften. Das Moore’sche Gesetz hat sich im Grunde bis heute bewährt, und das zuverlässige Preis-Leistungs-Verhältnis ermöglichte es zwei Generationen junger Unternehmer, darunter Steve Jobs und Bill Gates, Kostenpläne für ihre fortschrittlichen Produkte zu erstellen.

Als Don Hoefler, ein Kolumnist der wöchentlichen Electronic News, im Januar 1971 eine Serie mit dem Titel »Silicon Valley USA« begann, bedachte die Chip-Industrie die Gegend mit einem neuen Namen. Die tragende Säule des 65 Kilometer langen Santa Clara Valley, das sich vom südlichen San Francisco über Palo Alto nach San José erstreckt, ist El Camino Real, die Königsstraße, die einst die 21 Missionskirchen Kaliforniens miteinander verband. Heute ist es eine betriebsame Straße, auf der sich Unternehmen und Start-ups aneinanderreihen, die ein Drittel der in den USA getätigten Risikokapitalinvestitionen ausmachen. »Als ich aufwuchs, wurde ich von der Geschichte dieses Ortes inspiriert«, sagte Jobs. »Deshalb entstand in mir der Wunsch, ein Teil davon zu werden.«

Wie die meisten Kinder wurde er von der Leidenschaft der Erwachsenen um ihn herum mitgerissen. »Die meisten Dads in der Nachbarschaft stellten wirklich tolle Dinge her, wie Solarzellen, Batterien und Radar«, erinnerte sich Jobs. »Ich wuchs voller Bewunderung für diese Dinge auf und löcherte die Leute mit Fragen.« Larry Lang, der bedeutsamste der Nachbarn, wohnte sieben Türen nebenan. »Er war für mich das Vorbild eines HP-Ingenieurs: ein großer Amateurfunker und knallharter Elektronikfachmann«, so Jobs. »Er brachte mir Teile zum Spielen mit.« Als wir zu Langs altem Haus hinaufgingen, deutete Jobs auf die Auffahrt. »Er nahm ein Kohlemikrofon, eine Batterie und einen Lautsprecher und legte alles auf diese Auffahrt. Er forderte mich auf, in das Kohlemikrofon zu sprechen, und meine Worte hallten aus dem Lautsprecher.« Jobs hatte von seinem Vater gelernt, dass ein Mikrofon immer einen elektronischen Verstärker benötigte. »Also rannte ich nach Hause und erklärte meinem Dad, dass er sich geirrt hatte.«

»Doch, es benötigt einen Verstärker«, versicherte ihm sein Vater. Und als Steve erneut protestierte, sagte sein Vater, er sei verrückt. »Es funktioniert nicht ohne Verstärker. Da ist ein Trick dabei.«

»Ich widersprach meinem Dad erneut, sagte zu ihm, er müsse es sehen. Schließlich ging er wirklich mit mir hinunter und überzeugte sich mit eigenen Augen. Und er sagte: ›Da bleibt mir doch glatt die Spucke weg.‹«

Jobs erinnerte sich lebhaft an diesen Vorfall, denn es war das erste Mal, dass er erkannte, dass sein Vater nicht allwissend war. Und er machte eine noch verwirrendere Entdeckung: Er war klüger als seine Eltern. Er hatte immer die Kompetenz seines Vaters bewundert und dessen Klugheit. »Er war kein gebildeter Mann, aber ich fand immer, dass er verdammt intelligent sei. Er las nicht viel, war aber geschickt in vielen Dingen. Fast alles Mechanische konnte er austüfteln.« Doch der Kohlemikrofon-Vorfall, sagte Jobs, leitete einen zerstörerischen Prozess ein, bei dem er erkannte, dass er tatsächlich klüger und schneller als seine Eltern war. »Es war wirklich ein bedeutsamer Augenblick, der sich in mein Gedächtnis eingegraben hat. Als ich erkannte, dass ich intelligenter als meine Eltern war, empfand ich tiefe Scham wegen meiner Gedanken. Diesen Augenblick werde ich nie vergessen.« Die Entdeckung, erzählte er später Freunden, sowie die Tatsache, dass er adoptiert war, verlieh ihm das Gefühl, losgelöst und getrennt zu sein – von seiner Familie und von der Welt.

Wenig später gewann er eine weitere Erkenntnis. Er entdeckte nicht nur, dass er klüger als seine Eltern war, sondern auch, dass sie es wussten. Paul und Clara waren liebevolle Eltern und bereit, ihr Leben darauf einzustellen, dass sie einen Sohn hatten, der sehr intelligent und auch eigenwillig war. Sie unternahmen große Anstrengungen, ihn zu umsorgen, ihn als etwas Besonderes zu behandeln. Und bald stieß auch Steve auf diese Erkenntnis. »Meine Eltern verstanden mich. Sie empfanden große Verantwortung für mich, nachdem sie gespürt hatten, dass ich etwas Besonderes war. Sie fanden Mittel und Wege, mich mit allem zu versorgen, mich auf bessere Schulen zu schicken. Sie waren bereit, meine Bedürfnisse zu befriedigen.«

So wuchs Jobs nicht nur in dem Bewusstsein auf, im Stich gelassen worden zu sein, sondern auch in dem Bewusstsein, etwas Besonderes zu sein. Seiner Meinung nach war Letzteres bedeutungsvoller für die Formung seiner Persönlichkeit.

Schule

Seine Mutter hatte ihm bereits vor dem Besuch der Grundschule das Lesen beigebracht. Das brachte jedoch gewisse Probleme mit sich. »In den ersten Jahren war ich irgendwie gelangweilt, also vertrieb ich mir damit die Zeit, mich in Schwierigkeiten zu bringen.« Schon bald wurde klar, dass Jobs weder von seinem Wesen noch von der Erziehung her bereit war, Autorität zu akzeptieren. »Ich lernte Autorität auf eine mir unbekannte Art kennen, und ich mochte sie nicht. Und fast hätten sie mich fertiggemacht, es wäre ihnen um ein Haar gelungen, jegliche Neugier aus mir herauszuprügeln.«

Seine Schule, die Monta Loma Elementary, bestand aus einer Reihe niedriger, in den fünfziger Jahren gebauter Häuser, vier Blocks vom Haus der Jobs entfernt. Steve kämpfte gegen die Langeweile an, indem er Streiche spielte. »Mein bester Freund Rick Ferrentino und ich gerieten in alle möglichen Schwierigkeiten«, erinnerte er sich. »Wir stellten zum Beispiel kleine Poster her, auf denen zu lesen war: ›Bring dein Haustier mit zur Schule!‹ Es war irre, wie die Hunde den Katzen hinterherjagten und die Lehrer ausrasteten.« Ein anderes Mal überredeten sie ihre Klassenkameraden, ihnen die Codes ihrer Fahrradschlösser zu verraten. »Dann gingen wir hinaus und verstellten alle Schlösser, sodass niemand mehr sein Rad benutzen konnte. Es dauerte bis spät am Abend, um alles wieder in Ordnung zu bringen.« Als er in die dritte Klasse kam, wurden die Streiche etwas gefährlicher. »Einmal brachten wir unter dem Stuhl unserer Lehrerin Mrs. Thurman Sprengstoff an. Das hat sie wirklich fertiggemacht.«

Es überraschte deshalb nicht, dass er vor Abschluss der dritten Klasse zwei- oder dreimal nach Hause geschickt wurde. Aber sein Vater hatte inzwischen damit begonnen, ihn als etwas Besonderes zu behandeln, und in seiner ruhigen, aber entschlossenen Art machte er deutlich, dass er von der Schule dasselbe erwartete. »Wissen Sie, es ist nicht seine Schuld«, erklärte Paul Jobs den Lehrern, wie Steve Jobs sich erinnerte. »Es ist Ihre Schuld, wenn es Ihnen nicht gelingt, ihn durch Ihren Unterricht zu fesseln.« Jobs’ Eltern bestraften ihn nie wegen seiner Schulstreiche. »Der Vater meines Vaters war Alkoholiker und schlug ihn mit einem Gürtel, aber ich kann mich nicht erinnern, dass man mir je den Hintern versohlt hätte.« Seine Eltern, fügte er hinzu, »wussten, dass die Schule einen Fehler beging, wenn sie versuchte, mich blödsinnigen Stoff auswendig lernen zu lassen, statt mein Interesse zu wecken«. Bereits damals zeigte sich bei ihm diese Mischung aus Sensibilität und Gefühllosigkeit, Ruppigkeit und Distanziertheit – Wesenszüge, die ihn den Rest seines Lebens prägen sollten.

Als er in die vierte Klasse kommen sollte, beschloss die Schule, Jobs und Ferrentino in getrennte Klassen zu stecken. Die Lehrerin seiner Klasse war eine couragierte Frau namens Imogene Hill mit dem Spitznamen »Teddy«, und sie wurde, laut Jobs, »eine der Heiligen in meinem Leben«. Nachdem sie ihn ein paar Wochen lang beobachtet hatte, kam sie zu dem Schluss, dass man durch Bestechung am besten mit ihm klarkam. »Eines Tages gab sie mir nach dem Unterricht ein Übungsheft mit Matheproblemen und sagte zu mir, dass ich es mit nach Hause nehmen und die Aufgaben lösen solle. Und ich dachte: ›Bist du verrückt?‹ Doch dann zog sie einen dieser Riesenlutscher aus der Tasche. Und sie sagte, wenn du damit fertig bist und die meisten Aufgaben richtig gelöst hast, bekommst du den Lutscher und noch fünf Dollar dazu. Ich gab ihr das Heft innerhalb von zwei Tagen zurück.« Nach ein paar Monaten war es nicht mehr nötig, ihn zu bestechen. »Ich wollte einfach lernen und sie zufriedenstellen.«

Sie vergalt es ihm, indem sie ihm Hobbybaukästen besorgte, damit er beispielsweise eine Linse schleifen und eine Kamera basteln konnte. »Von ihr lernte ich mehr als von jedem anderen Lehrer. Wäre sie nicht gewesen, wäre ich bestimmt im Gefängnis gelandet.« Und es verstärkte einmal mehr die Vorstellung, dass er etwas Besonderes sei. »In meiner Klasse war ich ihr Lieblingsschüler. Sie sah etwas in mir.«

Aber sie erkannte nicht nur Steves Intelligenz. Jahre später zeigte sie bereitwillig ein Foto dieser Klasse vor, das am Hawaii Day aufgenommen worden war. Jobs war ohne Hawaiihemd aufgetaucht, doch auf dem Foto lenkt er ausgerechnet durch ein solches die Blicke auf sich. Er hatte es geschafft, einem Klassenkameraden das Hemd abzuschwatzen.

Am Ende der vierten Klasse unterzog Mrs. Hill Jobs einem Test. »Ich erreichte den Punktestand eines Sechstklässlers in der Highschool«, erinnerte er sich. Nun, da es auch seinen Lehrern klar war, dass er ein Überflieger war, unterbreitete die Schulleitung das bemerkenswerte Angebot, dass er zwei Klassen überspringen und sofort in die siebte Klasse einsteigen dürfe. Das wäre die einfachste Methode, ihn permanent herauszufordern und zu motivieren. Seine Eltern beschlossen jedoch klugerweise, ihn lediglich eine Klasse überspringen zu lassen.

Der Übergang war qualvoll. Er war ein im Umgang mit anderen unbeholfener Einzelgänger, der sich plötzlich mit Jungen konfrontiert sah, die ein Jahr älter waren als er. Zudem befand sich seine neue Klasse in einer anderen Schule: Crittenden Middle. Sie lag nur acht Blocks von der Monta Loma Elementary entfernt, aber in vielerlei Hinsicht bildete sie eine Welt für sich, gelegen in einer Umgebung mit verschiedenen Gangs. »Schlägereien waren an der Tagesordnung, ebenso Razzien auf den Toiletten«, schrieb der Silicon-Valley-Journalist Michael Malone. »Viele Kids brachten Messer mit zur Schule; das gehörte zum Machogehabe.« Zu der Zeit, als Jobs die Schule besuchte, musste eine Gruppe Schüler wegen Vergewaltigung ins Gefängnis, und der Bus einer Nachbarschule wurde demoliert, nachdem deren Team das der Crittenden bei einem Wrestling-Turnier geschlagen hatte.

Jobs wurde häufig schikaniert, und in der Mitte des siebten Schuljahres stellte er seinen Eltern ein Ultimatum. »Ich beharrte darauf, dass sie mich auf eine andere Schule geben«, erinnerte er sich. Finanziell war das eine hohe Belastung; seine Eltern kamen nur mühsam über die Runden. Doch es bestand kaum Zweifel daran, dass sie sich schließlich seinem Willen beugen würden. »Als sie sich weigerten, erklärte ich ihnen, dass ich einfach nicht mehr zur Schule gehen würde, wenn ich zur Crittenden zurückkehren müsste. Also suchten sie nach den besten Schulen, kratzten jeden Cent zusammen und kauften für 21000 Dollar ein Haus in einer hübscheren Gegend.«

Sie zogen nur fünf Kilometer nach Süden, wo man eine ehemalige Aprikosenplantage bei Los Altos in eine Trabantenstadt aus Nullachtfünfzehn-Reihenhäusern verwandelt hatte. Ihr einstöckiges Haus im Christ Drive 2066 hatte drei Schlafzimmer und vor allem eine zur Straße hin gelegene Garage mit einer Rolltür. Hier konnte Paul Jobs an seinen Autos herumbasteln und sein Sohn an seinen elektronischen Geräten. Ein weiteres bedeutendes Attribut dieses Hauses war, dass es an den Cupertino-Sunnyvale-Schulbezirk angrenzte, der damals einer der sichersten und besten des Tals war. »Als ich hierherzog, waren hier überall Obstgärten«, erklärte Jobs, als wir an seinem alten Haus vorbeikamen. »Der Typ, der hier wohnte, brachte mir bei, wie man ein guter Biogärtner wird und wie man kompostiert. Alles, was er anpflanzte, war perfekt. Noch nie in meinem Leben hatte ich besseres Gemüse und Obst gegessen. Zu dieser Zeit fing ich an, Bioobst und -gemüse zu schätzen.«

Auch wenn Jobs’ Eltern nicht übermäßig religiös waren, wollten sie ihm eine religiöse Erziehung angedeihen lassen und nahmen ihn am Sonntag häufig mit in die lutherische Kirche. Als er 13 Jahre alt war, war es damit vorbei. Die Familie hatte die Zeitschrift Life abonniert, und im Juli 1968 waren auf dem Cover verhungernde Kinder aus Biafra abgebildet. Jobs nahm die Zeitschrift mit zur Sonntagsschule und konfrontierte den Pastor damit. »Wenn ich den Finger hebe, wird Gott dann wissen, welchen ich heben werde, noch bevor ich es tue?«

Der Pastor antwortete: »Ja, Gott ist allwissend.«

Jobs zog daraufhin die Zeitschrift heraus und fragte: »Weiß Gott auch Bescheid hierüber, und was mit diesen Kindern geschehen wird?«

»Steve, ich weiß, du verstehst das nicht, aber ja, Gott weiß darüber Bescheid.«

Jobs verkündete, dass er keine Lust habe, einen solchen Gott anzubeten, und setzte nie wieder einen Fuß in die Kirche. Aber er beschäftigte sich jahrelang mit dem Zen-Buddhismus und versuchte, sich an dessen Lehre zu halten. Als er Jahre später über seine spirituellen Gefühle nachdachte, sagte er, dass die Religion dann optimal gelebt werde, wenn sie spirituelle Erfahrungen über die Dogmen stelle. »Das Christentum verliert an Kraft, wenn es sich zu sehr auf den Glauben stützt, statt nach dem Vorbild von Jesus zu leben oder die Welt mit dessen Augen zu sehen«, erklärte er. »Ich glaube, verschiedene Religionen öffnen unterschiedliche Türen desselben Hauses. Manchmal glaube ich, dass es dieses Haus gibt, dann wieder nicht. Das ist das große Mysterium.«

Jobs’ Vater arbeitete damals bei Spectra-Physics, einer Firma im nahe gelegenen Santa Clara, die Laser für elektronische und medizinische Produkte herstellte. Als Mechaniker stellte er die Prototypen von Produkten her, die die Ingenieure konzipierten. Sein Sohn war fasziniert davon, wie viel Perfektion sie erforderten. »Laser benötigen feinmechanische Präzision«, sagte Jobs. »Die wirklich anspruchsvollen Laser zur Anwendung in der Luft oder zu medizinischen Zwecken besaßen sehr präzise Eigenschaften. Sie sagten zu meinem Dad ungefähr Folgendes: ›Wir wollen dies aus einem einzigen Stück Metall, damit die Ausdehnungskoeffizienten alle gleich sind.‹ Und er musste sich einfallen lassen, wie er das anstellen wollte.« Die meisten Stücke mussten ganz neu hergestellt werden, was bedeutete, dass Paul Jobs kundenspezifische Geräte und Werkzeuge produzieren musste. Sein Sohn war fasziniert, ging aber selten hinunter in die Maschinenwerkstatt. »Sicher wäre es lustig gewesen, wenn er mir beigebracht hätte, wie man mit Fräser und Drehbank umgeht. Aber leider ging ich nie hinunter, weil ich mehr an elektronischen Dingen interessiert war.«

Irgendwann im Sommer nahm Paul Jobs seinen Sohn mit nach Wisconsin, zum Milchbauernhof der Familie. Das ländliche Leben behagte ihm nicht besonders, doch ein Bild prägte sich in seinem Gedächtnis ein. Er sah, wie ein Kalb geboren wurde, und war überrascht, als das winzige Tier sich schon nach wenigen Minuten aufrappelte und gehen konnte. »Es war nichts, was das Kalb gelernt hätte, es konnte das einfach so«, erinnerte er sich. »Ein menschliches Baby könnte das nicht. Ich fand es sehr faszinierend, war aber der Einzige.« Er drückte es in der Computersprache aus: »Es war, als ob etwas im Körper des Tieres und in seinem Gehirn darauf gepolt worden war, sofort zu funktionieren, statt erlernt zu werden.«

In der neunten Klasse ging Jobs zur Homestead High, die über einen weitläufigen Campus mit zweigeschossigen rosafarbenen Bauten aus Betonziegeln verfügte, in denen etwa 2000 Schüler untergebracht waren. »Sie wurden von einem berühmten Gefängnisarchitekten entworfen«, so Jobs. »Sie sollten unzerstörbar sein.« Jobs hatte eine Vorliebe für Fußmärsche entwickelt und legte täglich die 15 Häuserblocks zur Schule zurück.

Er hatte nur wenige Freunde in seinem Alter, lernte jedoch ein paar ältere Schüler kennen, die in die Gegenkultur der späten sechziger Jahre eingetaucht waren. Es war eine Zeit, in der sich die Welten der Streber und der Hippies überlappten. »Meine Freunde waren wirklich kluge Jungs«, sagte er. »Ich interessierte mich für Mathe, Naturwissenschaften und Elektronik. Sie auch, aber genauso für LSD und alles, was die Gegenkultur ausmachte.«

Es versteht sich von selbst, dass bei seinen damaligen Streichen die Elektronik eine Rolle spielte. Irgendwann stattete er das ganze Haus mit Lautsprechern aus. Da diese aber auch als Mikrofone benutzt werden konnten, funktionierte er seinen Schrank zum Schaltraum um, von wo aus er die anderen Zimmer belauschen konnte. Als er eines Nachts die Kopfhörer eingeschaltet hatte und das Schlafzimmer seiner Eltern belauschte, erwischte ihn sein Vater und verlangte wütend, dass er sofort alles abbaue. Viele Abende hielt er sich in der Garage von Larry Lang auf, der ihm schließlich das Kohlemikrofon schenkte, das Steve so fasziniert hatte. Er machte ihn auch auf die Heath-Baukästen aufmerksam, diese Heimwerkerbaukästen zur Herstellung von Amateurfunkgeräten und anderem elektronischen Zubehör. Hinzu kam noch ein damals sehr beliebtes Lötset. »Die Bretter und die anderen Teile in den Heath-Baukästen waren alle farblich codiert, aber das Handbuch erklärte, wie es funktionierte«, so Jobs. »Man begriff, dass man alles verstehen und zusammenbauen konnte. Nachdem man ein paar Funkgeräte zusammengebastelt hatte, entdeckte man einen Fernseher im Katalog und war überzeugt davon, dass man auch ihn zusammensetzen könne, selbst wenn man es dann nicht tat. Ich hatte großes Glück, dass mir in meiner Kindheit mein Dad und die Heath-Baukästen den Eindruck vermittelten, ich könnte alles zusammenbauen.«

Lang nahm ihn auch mit zum Explorer Club von Hewlett-Packard, einer wöchentlichen Versammlung von rund 15 Schülern, jeweils dienstagabends in der Firmencafeteria. »Sie bestellten einen Ingenieur von einem der Labore, der einen Vortrag über seine Arbeit hielt«, sagte Jobs. »Mein Dad fuhr mich dorthin und ich fühlte mich wie im siebten Himmel. HP war ein Pionier für Leuchtdioden. Wir unterhielten uns darüber, was wir mit ihnen alles machen konnten.« Da sein Vater zu jener Zeit bei einer Laserfirma angestellt war, interessierte ihn dieses Thema ganz besonders. Eines Abends bestürmte er einen der HP-Ingenieure, ihm das Holografielabor zu zeigen. Doch am meisten beeindruckten ihn die Kleincomputer, die das Unternehmen gerade entwickelte. »Ich sah dort zum ersten Mal einen Desktop-Computer. Es war der 9100A. Es war ein hochgepriesener Rechner, aber auch der erste richtige Desktop-Computer. Er war riesig, etwa 18,5 Kilo schwer, aber er war bildschön. Ich verliebte mich auf den ersten Blick in ihn.«

Die Kids beim Explorer Club wurden angeregt, sich selbst Projekte auszusuchen, und Jobs beschloss, einen Frequenzzähler zu bauen, der durch ein elektronisches Signal die Impulse pro Sekunde zählt. Hierzu benötigte er einige Teile, die HP herstellte. Also griff er zum Telefon und rief den CEO an. »Damals hatte man noch keine geheime Telefonnummer, sodass ich Bill Hewletts Privatnummer nachschlagen und ihn zu Hause in Palo Alto anrufen konnte. Er unterhielt sich 20 Minuten lang mit mir. Dann besorgte er mir die Teile, verschaffte mir aber auch einen Job in der Anlage, in der man Frequenzzähler produzierte.« Jobs arbeitete dort nach seinem ersten Jahr an der Homestead High während der Sommerferien. »Mein Dad fuhr mich morgens hin und holte mich abends ab.«

Seine Arbeit bestand hauptsächlich darin, »Muttern und Schrauben an Dingen anzubringen«, und zwar am Fließband. Einige seiner Kollegen hegten einen gewissen Groll gegen diesen aufdringlichen Jungen, der den Job durch einen Anruf beim CEO ergattert hatte. »Ich erinnere mich, wie einer der Aufseher sagte: ›Ich mag diesen Job, ich mag diesen Job.‹ Als ich ihn fragte, was er am liebsten täte, antwortete er: ›Ficken.‹ Jobs fiel es leichter, sich bei den Ingenieuren einen Stock höher einzuschmeicheln. »Jeden Morgen um zehn Uhr gab es hier Kaffee mit Donuts. Also ging ich hinauf und hing bei ihnen herum.«

Jobs arbeitete gern. Er trug auch Zeitungen aus – wenn es regnete, chauffierte ihn sein Vater –, und während seines zweiten Jahres an der Highschool arbeitete er am Wochenende und während des Sommers als Regalauffüller in einem höhlenartigen Elektronikgeschäft namens Haltek. So wie die Schrottplätze seines Vaters ein Paradies für Autoteile waren, war dies ein Paradies für Elektronik, das sich über einen gesamten Stadtblock erstreckte; neues, gebrauchtes und geborgtes Zubehör, das auf einem Gewirr von Regalen verstaut, wahllos in Büchsen gestopft und in einem Hof im Freien aufgetürmt war. »Draußen in der Nähe der Bucht besaßen sie ein eingezäuntes Gelände mit Dingen wie Polaris-U-Boot-Innenausstattungen, die in Einzelteile zerlegt und als Altmaterial verkauft worden waren«, so Jobs. »Alle Bedienungselemente und Schalter waren noch vorhanden. Sie waren in Tarnfarbengrün und Grau gehalten, aber sie hatten diese Schalter in den Nuancen Bernstein und Rot. Da waren auch diese großen alten Schalthebel. Wenn man sie kippte, entstand eine unheimliche Atmosphäre, so als würde man Chicago in die Luft sprengen.«

An den Holztheken, auf denen sich dicke Kataloge in zerfledderten Mappen türmten, handelten die Kunden um Schalter, Widerstandsgeräte, Kondensatoren und manchmal um die neuesten Speicherchips. Sein Vater feilschte immer um Autoteile, und Jobs tat es ihm nach. Er entwickelte ein Wissen über elektronische Teile, das durch seine Vorliebe fürs Feilschen und durch sein Gewinnstreben abgerundet wurde. Er besuchte gern Elektronik-Flohmärkte wie die Tauschbörse in San José, feilschte um eine gebrauchte Platine, die einige wertvolle Chips oder Komponenten enthielt. Dann verkaufte er alles seinem Chef bei Haltek.