Verlag: Books on Demand Kategorie: Wissenschaft und neue Technologien Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Stille Örtchen für Stubentiger E-Book

Christine Hauschild  

4.82978723404255 (94)

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E-Book-Beschreibung Stille Örtchen für Stubentiger - Christine Hauschild

Hat Ihre Katze etwa auch ihre ganz eigenen 'stillen Örtchen'? Dann seien Sie versichert, dass Sie mit diesem Problem nicht alleine dastehen. Unsauberkeit von Katzen ist einer der häufigsten Gründe, aus denen Katzenhalter eine professionelle Verhaltensberatung in Anspruch nehmen. Katzenverhaltensberaterin Christine Hauschild erläutert in diesem Buch anschaulich die Unterschiede zwischen klassischer Unsauberkeit und Markierverhalten, warum manche Katzen plötzlich unsauber werden und was man dagegen tun kann. Durch dieses Buch werden Sie Ihre Katze noch besser verstehen und erfahren, wie Sie ihr auf freundliche und alltagstaugliche Weise beibringen können, wieder zuverlässig die Katzentoilette zu benutzen. Viele der Empfehlungen können außerdem auch eingesetzt werden, um Unsauberkeit vorzubeugen. Die Katzenexpertin betreibt seit 2007 in Hamburg die Katzenschule Happy Miez und hat bislang sechs Katzenratgeber veröffentlicht. Dies ist die zweite, überarbeitete und erweiterte Ausgabe ihres erfolgreichen Erstlings "Stille Örtchen für Stubentiger", der 2009 erschien.

Meinungen über das E-Book Stille Örtchen für Stubentiger - Christine Hauschild

E-Book-Leseprobe Stille Örtchen für Stubentiger - Christine Hauschild

Ein Happy Miez-Buch

Inhalt

Vorwort

_________________ L

ICHT INS

D

UNKEL

_______________

Licht ins Dunkel:

Klärende Fakten zur Unsauberkeit

„Das hast du jetzt davon!“ – oder: Was will Ihre Katze Ihnen sagen?

Was können Sie Ihrer Katze sagen?

Klassische Unsauberkeit oder Markieren?

____________ K

LASSISCHE

U

NSAUBERKEIT

____________

Klassische Unsauberkeit

Katzenklo, Katzenklo, ja, wie wird die Katze froh?

Katzenklo-Optimierung: Unsauberkeitsprävention und Erste Hilfe

Praktische Umsetzungstipps

„Aber warum tut sie das?!?“ – Auslöser und Katzengründe für Unsauberkeit

Weitere Maßnahmen bei klassischer Unsauberkeit

Unsauberkeit als Symptom eines psychischen Problems

_________________ H

ARNMARKIEREN

_______________

Harnmarkieren

Wieso, weshalb, warum?

Krankheit und/oder Schmerzen als Auslöser für Harnmarkieren

Auslöser für kommunikatives Harnmarkieren

Auslöser für Aufregungsmarkieren

Stress und Harnmarkieren

Weitere Maßnahmen bei Markierverhalten

Markierverhalten als Ausdruck eines psychischen Problems

___________________ A

BSCHLUSS

___________________

Abschluss

_________________ Ü

BER DIE

A

UTORIN

_______________

Über die Autorin

Zum Weiterlesen

Ich verwende in den Fallbeispielen viele Namen von Katzen, die ich bei Freunden und Bekannten, aber auch bei Klienten kennengelernt habe. Keine dieser Katzen hat das gemacht oder erlebt, was in diesem Buch beschrieben wird – mit Ausnahme von Katzenstreu-Weitwurf-Meisterin Easy. Aber alle von den Katzen erzählten Geschichten haben sich für einen ihrer Artgenossen genauso ereignet.

Unsauberkeit kommt in den besten Kreisen vor!

Vorwort

Die Veröffentlichung dieser zweiten und in Teilen veränderten und erweiterten Auflage von „Stille Örtchen für Stubentiger“ fällt zusammen mit dem 10-jährigen Jubiläum meiner Katzenschule Happy Miez. Acht Jahre sind damit seit Erscheinen meines Katzenratgeber-Erstlings vergangen, dessen Erfolg mich immer wieder mit großer Freude erfüllt. Acht Jahre, in denen vieles gleich geblieben ist:

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Katzenpsychologin werde ich nach wie vor regelmäßig von Menschen angerufen, die verzweifelt von der Unsauberkeit ihrer Katze berichten. Ein gutes Drittel meiner „Katzenfälle“ haben mit Unsauberkeitsproblemen zu tun. Ich habe große Achtung davor, wie viel Geduld einige Menschen mit ihren Katzen haben und wie lange sie sich – wenn auch eher notgedrungen und aus Mangel an Wissen über wirksame Maßnahmen – mit ihren unsauberen Miezen arrangieren. Es sind aber häufig auch diese Fälle, bei denen ich große Missverständnisse zwischen den Menschen und ihren Katzen beobachte, die ich gerne ausräumen möchte. Ich werde Ihnen Wege aufzeigen, wie Sie Ihrer Katze helfen können, wieder sauber zu werden. Auch wenn ich mich in erster Linie an Katzenbesitzer/ innen orientiere, die schon ein Unsauberkeitsproblem haben, erfahren Sie in diesem Buch natürlich auch, wie Sie Unsauberkeit vorbeugen können. Viele der Empfehlungen können präventiv eingesetzt werden.

In den vergangenen acht Jahren gab es aber auch Veränderungen: Ich habe einige Erkenntnisse gewonnen sowie neue Ideen entwickelt und kennengelernt, die ich in dieser neuen Auflage mit Ihnen teilen möchte. In der ersten Auflage habe ich etwa das Urinieren auf benutztem Bettzeug oder am Boden liegender Kleidung im Kapitel über Harnmarkieren behandelt. Inzwischen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass wir es in den meisten Fällen dabei doch mit „klassischer Unsauberkeit“ zu tun haben. Außerdem ist für mich der Zusammenhang zwischen Erregung und Harnmarkieren inzwischen greifbarer geworden: In einigen Situationen, vor allem gefühlt provokanten Momenten, in denen eine Katze in Anwesenheit ihres Menschen mit Harn markiert, handelt es sich dabei um ein Übersprungverhalten. Was das bedeutet und wie es dazu kommt, erfahren Sie im entsprechenden Abschnitt. Darüber hinaus habe ich an verschiedenen Stellen Ergänzungen oder Präzisierungen vorgenommen – mit dem Ergebnis, dass diese zweite Auflage deutlich umfangreicher geworden ist als ihre Vorgängerin.

Ich wünsche mir, dass „Stille Örtchen für Stubentiger“ dadurch den betroffenen Menschen und ihren Katzen eine noch bessere Unterstützung sein kann. Dennoch möchte ich an dieser Stelle auf die Grenzen eines Ratgebers in Buchform für ein Verhaltensproblem hinweisen. Es gibt zahlreiche häufig auftretende Ursachen und Auslöser für Unsauberkeit, die in diesem Buch erläutert werden. In vielen Fällen findet sich darin auch die Lösung. Daneben gibt es jedoch noch unzählige, potenziell wichtige individuelle Faktoren, die allerdings nicht ansatzweise erschöpfend dargestellt werden können. Sie sollten sich Unterstützung durch eine Katzenverhaltensberaterin vor Ort holen, wenn

Sie mit den Empfehlungen in diesem Ratgeber nicht in kurzer Zeit eine deutliche Verbesserung bewirken können oder

Ihre Katze neben der Unsauberkeit weitere Verhaltensauffälligkeiten zeigt (z.B. ängstliches oder aggressives Verhalten).

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es ist, das Verhalten der eigenen Katzen sachlich zu beobachten. Als Halter/innen sind wir immer Teil des „Systems“, in dem die Katze ein unerwünschtes Verhalten zeigt (in Ihrem Fall also unsauber geworden ist). Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir gewisse blinde Flecken aufweisen, die vielleicht auch bei der Lektüre dieses Buches einige Zeilen „verschwimmen“ lassen, weil sie zunächst unangenehm scheinen. Ein großer Vorteil einer persönlichen Katzenverhaltensberatung ist neben der Expertise vor allem auch die neutrale Analyse des Verhaltens und der möglichen Lösungsansätze durch die Beraterin. Ich werde im Verlauf des Buches wiederholt auf die Möglichkeit einer Verhaltensberatung hinweisen, weil ich von dem Mehrwert dieses Vorgehens in bestimmten Konstellationen wirklich überzeugt bin.

Herzliche Grüße und viel Spaß beim Lesen,

Christine Hauschild

Licht ins Dunkel: Klärende Fakten zur Unsauberkeit

„Das hast du jetzt davon!“ – oder: Was will Ihre Katze Ihnen sagen?

Unsauberkeit ist eine heikle Angelegenheit. Wenn eine Katze regelmäßig unsauber ist und ihre kleinen und/oder großen Geschäfte in der Wohnung verrichtet, dann hat das oft weitreichende Folgen für die Besitzer. Teppiche, Kissen, Matratzen werden für den Menschen unbenutzbar und müssen entsorgt werden. Es hängt – manchmal nur vermeintlich – dieser gewisse Geruch in der Luft, und aus Angst vor den daraus resultierenden Ekelgefühlen von Bekannten und Freunden werden diese lieber gar nicht mehr in die Wohnung eingeladen. Häufig kommt es zu Streitigkeiten zwischen Familienangehörigen, wie mit der Katze und „dieser Sache“ umgegangen werden sollte. Vor allem jedoch verändert sich in der Regel das Verhältnis zwischen Frauchen/Herrchen und Katze. Unsauberkeit ist eine sehr persönliche Sache. Dies gilt umso mehr, je personenbezogener die Orte sind, an denen uriniert oder gekotet wird. Allzu leicht ziehen die Menschen daraus Schlüsse wie: „Ich glaube, mein Kater mag mich nicht. Er pinkelt ständig auf meine getragene Wäsche.“ „Meine Katze macht auf das Bett, wenn ich mehr als zwei Stunden später als sonst nach Hause komme – die will mich dafür bestrafen, dass ich sie alleine lasse.“ „Ich mache doch wirklich alles für meinen Kater! Warum macht der mir trotzdem in die Wohnung?! Vielleicht habe ich ihn sogar zu sehr verwöhnt?“

Unsauberkeit ist eine sehr persönliche Angelegenheit.

Ein Begriff, der nach wie vor bei Katzenhalter/innen (und leider auch bei einigen vermeintlichen Expert/innen) herumgeistert, ist der des „Protestpinkelns“. Wenn eine Katze ihr großes oder kleines Geschäft außerhalb des Katzenklos verrichtet, dann angeblich aus Protest. Um ihrem Menschen ganz gezielt etwas mitzuteilen oder ein konkretes Unbehagen dadurch zum Ausdruck zu bringen. Dass er sie zu lange allein lässt, dass das Futter nicht schmeckt, dass sie eifersüchtig auf eine andere Katze oder einen anderen Menschen ist – die Reihe lässt sich lang fortsetzen. Ich stelle mir dann immer vor, wie sich eine Katze hinsetzt und sich überlegt: „So, du gibst mir „Kaninchen in Gelee“ statt „Rind in Soße“? Und dann blockierst du auch noch den ganzen Abend das Wohnzimmer mit deinem lauten Menschenbesuch? Jetzt werde ich dir mal zeigen, was ich davon halte. Hm, wie kann ich dir das am besten heimzahlen? Genau, jetzt weiß ich’s: Ich pinkle auf dein Bett! Das wirst du bestimmt verstehen!“. Halten Sie das wirklich für realistisch? Ich nicht, und zwar aus zwei Gründen:

Die Idee des Protestpinkels ist nicht plausibel.

Grund Nummer 1:

Der gerade dargestellte Gedankengang beinhaltet recht komplexe und abstrakte Überlegungen – die Katze muss sich Gedanken darüber machen, …

... dass erstens ihr Mensch bestrafbar ist (man ihm also etwas heimzahlen kann),

… zweitens, was ihrem Menschen besonders wichtig ist (das Bett) und

… drittens, auf welche Weise dieser wichtige Gegenstand in Mitleidenschaft gezogen werden könnte (Draufpinkeln).

Das Ganze mündet schließlich in der recht komplizierten Annahme, sie könne ihrem Menschen durch die Unsauberkeit etwas über Dinge mitteilen, die weder mit dem Bett noch mit dem Pinkeln zu tun haben (in diesem Beispiel Futter und Besuch). Ehrlich gesagt – bitte überspringe die folgende Zeilen, liebe mitlesende Katze – ich traue Katzen sehr viel zu, aber so weit würde ich dann doch nicht gehen.

Grund Nummer 2:

Die beschriebene Protest-Argumentation mutet mir allzu menschlich an. Wir Menschen beschäftigen uns oft mit Rachegedanken und Strafgelüsten, wenn uns jemand gefühlt Unrecht tut. Aber für Katzen gilt das vermutlich ebenso wenig wie für andere Tiere. Katzen reagieren unmittelbar auf ihre Umwelt. Sie reflektieren und planen ihr Verhalten nicht so, wie wir Menschen das tun, wenn wir ganz bewusst handeln – was wir übrigens auch nur in sehr wenigen Situationen tun. Natürlich kommt es vor, dass schlechte Gefühle oder schlechte Stimmung auch bei einer Katze länger anhalten und diese Gefühle das Verhalten der Katze dann entsprechend über längere Zeit beeinflussen. Es gibt aber, außer in Momenten höchster Not, in denen eine Katze unkontrolliert Kot oder Urin verliert, keinerlei direkten Zusammenhang zwischen Angst oder Ärger und Ausscheidungsverhalten. Eine ängstliche Katze zeigt Angstverhalten wie z.B. Rückzug, eine wütende Katze vielleicht Aggressionsverhalten, beide sind in dieser Stimmung weniger begeisterungsfähig für schöne Dinge. Aber sie werden in der Regel nicht systematisch aus dieser Stimmung heraus irgendwohin machen, um es ihrem Menschen „zu zeigen“.

Unsauberkeit als gewaltloser Widerstand?

Aus den genannten Gründen halte ich die Idee des Protestpinkelns oder Protestierens, wie sie gemeinhin verstanden wird, für unplausibel. Leider trägt diese Idee maßgeblich zu Missverständnissen und verhärteten Fronten zwischen Mensch und Katze bei. Der unsauberen Katze wird eine Absicht unterstellt: Sie macht „extra“ in die Wohnung. Sie nimmt Rache, will etwas vergelten. Und wenn sie sich wirklich nur ausdrücken will, kann sie das dann nicht bitteschön auf andere Weise tun? Menschen, die die Unsauberkeit ihrer Katze so interpretieren, fühlen sich häufig von ihr provoziert und werden wütend. Der bepinkelte Teppich wird zum persönlichen Affront – und eine Katze, die einen so beleidigt, die soll einen dann auch erstmal in Ruhe lassen. Liebevolle Zuwendung und Streicheleinheiten stehen bei den meisten betroffenen Katzenbesitzer/innen nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste, wenn sie gerade verletzt und empört sind. Die Beziehung zwischen Mensch und Katze leidet sehr. Aber wenn es kein Protestpinkeln ist – warum tut die Katze das denn nun? Warum um Himmels Willen pinkelt die Miez mitten auf den Wohnzimmerteppich? Warum macht der Kater immer im Flur auf die Schuhe, sobald Sie vergessen haben, diese wegzuräumen? Und was denkt er sich denn sonst dabei, wenn er Ihnen direkt in die Augen sieht, während er in drei Meter Entfernung zu Ihnen den bodenlangen Vorhang markiert?

Ich bin der Überzeugung, dass es immer Gründe gibt, wenn eine Katze beginnt unsauber zu werden – allerdings nicht in einem so menschlich gedachten Protestsinne, sondern Katzengründe. Ihre Katze ist schließlich eine Katze und kein Mensch. Die Katzengründe für Unsauberkeit hängen eng mit dem Wohlbefinden der Katze in ihrer Umwelt und mit ihren katzenspezifischen Bedürfnissen zusammen und reichen von (unerkannten) Krankheiten über ein unpassendes Toilettenangebot bis hin zu Stress und Angst. – Moment! Nun also doch Angst? Und Wohlbefinden? Stand da ein paar Zeilen weiter oben nicht gerade, dass es da keinen direkten Zusammenhang gibt?

Katzen haben Katzengründe für Unsauberkeit.

Ja, aber es gibt indirekte Zusammenhänge. Je besser es einer Katze allgemein geht, desto mehr Gelassenheit und Toleranz zeigt sie im Anblick von aus ihrer Sicht nicht optimalen Umständen. Es fällt ihr leicht oder zumindest leichter, darüber hinwegzusehen. Ist eine Katze hingegen angespannt, gestresst oder übellaunig, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf nicht optimale Umstände mit Ablehnung oder Abwehr reagiert. Damit sinkt ihre Bereitschaft, Unannehmlichkeiten hinzunehmen. Und darüber kann es zu Unsauberkeitsverhalten kommen.

Fibi erzählt:

„Oh Leute, ich habe es gerade echt dicke. Das Wetter ist die ganze Zeit total schlecht und es macht überhaupt keinen Spaß mehr, nach draußen zu gehen. Drinnen ist es in letzter Zeit todlangweilig, weil meine Schwester Sophie krank ist und keine Rennspiele mehr mit mir machen mag. Und unser Frauchen ist gerade immer ziemlich viel unterwegs. Als dann vorhin endlich mal wieder die Sonne schien, bin ich gleich raus. Nur um da von diesem Pöbel von Nachbarkater überfallen zu werden. Als ich vor dem auf den Baum geflohen bin, habe ich mir dann auch noch an der Pfote wehgetan. Weil der doofe Kerl dann draußen noch länger herumgestreunt ist, konnte ich noch nicht mal mehr mein Geschäft in meinem Lieblingsbeet verrichten. Darauf hatte ich mich schon so gefreut – endlich mal wieder ein „richtiges“ Klo nach der langen Schlechtwetter-Katzenklo-im-Haus-Flaute. Stattdessen bin ich dann sicherheitshalber wieder hineingegangen und dort zum Katzenklo. Aber auf dem war in der Zwischenzeit schon Sophie gewesen und hat mal wieder mitten in die Mitte eine gigantische Pipiportion gesetzt. Und hinten am Rand lag noch der Kot von heute früh. Wo soll ich denn da noch hintreten? Ständig muss ich drinnen auf dem Katzenklo um irgendwas herumbalancieren. Eben hatte ich dann die Faxen einfach dicke. Im Flur steht so eine flache Wanne, in die unsere Menschen oft die Schuhe stellen. Die ist ein bisschen wie ein Klo und war jungfräulich leer. Viel angenehmer, sage ich euch!“

Bei schlechter Stimmung steigen die Ansprüche an die Katzentoiletten.

Das heißt also: Gibt es im Leben der Katze aus ihrer Perspektive Widrigkeiten, dann können diese die Stimmung der Katze so verschlechtern, dass ihre Toleranz gegenüber den herrschenden Katzenklo-Bedingungen schwindet und sie sich deshalb – vielleicht nur phasenweise – andere Alternativen sucht. Sie tut das dann nicht mit einer klaren Botschaft an ihren Menschen, sondern schlicht und einfach in dem Bestreben, für sich in diesem Moment einen angenehmeren Ausscheidungsort zu finden.

Geht es ihr wieder besser und ist sie besserer Laune, drückt sie womöglich bei der Toilettenbenutzung wieder ein Auge zu. Es besteht allerdings die Gefahr, dass sie bei einem ersten „Ausrutscher“ auf den Geschmack kommt, weil sie nun bemerkt, wie komfortabel die selbstgewählte Klo-Alternative im Vergleich zu ihrer herkömmlichen Katzentoilette ist. Auch dann haben wir es nicht mit einer kleinen Rachegöttin zu tun, sondern mit einer Katze, die nach Optimierung ihres Wohlgefühls bei der Verrichtung ihrer Geschäftchen strebt.

Die Hauptansatzpunkte, um die Unsauberkeit möglichst schnell wieder zu beenden, sind deshalb:

individuelle Optimierung des Katzenklo-Angebots

Identifikation und Behebung der individuell empfundenen Widrigkeiten im Leben Ihrer Katze

Da solche Widrigkeiten und Stressoren beim Harnmarkieren noch eine zusätzliche Rolle spielen, weil innerer Aufruhr das Auftreten dieses Verhaltens begünstigt, finden Sie Informationen über häufige „Katzenaufreger“ im dritten Teil dieses Buches. Diese Abschnitte können Ihnen also auch Anregungen für den Umgang mit Ihrer „einfach nur“ unsauberen, aber nicht markierenden Katze geben. (Wie Sie unterscheiden können, ob Ihre Katze „klassisch unsauber“ ist oder Markierverhalten zeigt, erfahren Sie im übernächsten Kapitel).

Angst ist ebenfalls ein starker Stressor und einer, der nicht einfach unter „Widrigkeiten“ subsumiert werden sollte. Auch Angst führt nicht zu Protestpinkeln. Aber Angst kann leicht dazu führen, dass eine Katze aus Sicherheitsgründen nicht in der Lage ist, den Weg zu einer Katzentoilette zurückzulegen. Dieses Thema wird später noch einmal aufgegriffen.

Was können Sie Ihrer Katze sagen?

Wenn Sie davon betroffen sind, dass Ihre Katze unsauber ist, würden Sie wahrscheinlich gerne mit Ihrer Katze reden können. Sie würden ihr dann erzählen, was für Unannehmlichkeiten sie Ihnen damit bereitet, und sie bitten, damit aufzuhören. Hoffentlich würden Sie auch nach den Gründen Ihrer Katze fragen.

Leider scheidet diese Klärungsmöglichkeit aus. Dennoch versuchen natürlich auch wir Menschen immer wieder, uns unseren Katzen verständlich zu machen – mit mehr oder weniger Erfolg und mit unterschiedlichen Nebeneffekten.

Lilly erzählt:

„Vor einigen Monaten hatte ich eine ganz schlimme Zeit. Ich hatte ganz üble Schmerzen im Bauch, vor allem beim Pinkeln. Ich hatte auch ständig das Gefühl, dass ich ganz plötzlich ganz dringend muss und gar nicht immer die Zeit, noch zum Klo zu gehen. Und dann wurde mit einem Mal auch noch mein Mensch unberechenbar. Wenn er nach Hause kam, war er nun immer ganz angespannt und nicht mehr so freundlich wie früher. Manchmal packte er mich plötzlich, um mich im nächsten Moment auf den Boden zu drücken und vor allem meinen Kopf auf den Boden zu pressen. Einmal packte er mich auch im Nacken, trug mich mitten ins Wohnzimmer und schrie und schüttelte mich dann durch. Wieso machte er das? Wieso tat er mir weh und machte mir Angst?

Seitdem kann ich mich gar nicht mehr richtig entspannen, wenn er mich auf den Arm nimmt. Oft genug ist er dann ja nett und streichelt mich, aber ich bin mir eben nie sicher, ob er nicht im nächsten Moment wieder grob wird. Und mit der Begrüßung warte ich jetzt auch lieber von meinem sicheren Platz unterm Sofa aus, bis ich sehen kann, dass er entspannt und freundlich ist.“

Während Katzenbesitzer über einen einzelnen „Unfall“ in der Regel großzügig hinwegsehen können, kommen bei länger andauernder oder regelmäßiger Unsauberkeit ihrer Katze früher oder später eigentlich immer heftige Emotionen mit ins Spiel. Neben der Verletzung („Warum tut sie mir das bloß an?“) und der Verzweiflung („Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll, damit sie damit aufhört!“) kommt bei vielen auch eine gehörige Portion Wut und Ärger dazu. Das finde ich persönlich auch verständlich: Es ist eklig, wenn man Katzenurin auf der eigenen Kleidung oder gar auf dem Kopfkissen findet. Es ist ärgerlich, wenn man den neuen Teppich oder die Lieblingsschuhe in den Müll werfen muss. Es ist aufwändig und teuer, die ruinierten Tapeten oder Möbel zu ersetzen oder zu restaurieren. Und Putzen ist auch nur eine semi-schöne Beschäftigung.

Aber diese Wut ist kein guter Ratgeber für den Umgang mit der „Übeltäterin“, denn Wut führt leider häufig zu Strafen. In wütender Stimmung greifen auch Menschen, die sonst einen liebevollen Umgang mit ihrer Katze pflegen, manchmal auf etwas archaische „Erziehungsmethoden“ zurück. Die Bekannteste ist die, bei Entdeckung einer Pfütze die Katze zu packen, zur Pinkelstelle zu tragen und heftig mit ihr zu schimpfen. Viele gehen dabei noch einen Schritt weiter und drücken die Nase der Katze in die Urinpfütze bzw. in den Kot. Ebenfalls nicht selten wird die Katze zum Ort der Verfehlung getragen und bekommt dort neben sprachlicher Ermahnung einen Klaps auf den Hintern oder eine andere Form von körperlicher Bestrafung.

Wut ist kein guter Ratgeber.

Ich möchte an dieser Stelle gar keine moralische Bewertung vornehmen. Stattdessen möchte ich zwei ganz pragmatische Gründe gegen Strafen ins Feld führen:

Grund Nummer 1:

Strafen sind in der Regel wirkungslos im Hinblick auf Unsauberkeit. Ihre Katze versteht nicht, was Sie ihr mit der Strafe sagen wollen. Damit eine Katze durch eine Strafe lernen kann, muss die Strafe vier Bedingungen erfüllen: Sie muss erstens in weniger als einer Sekunde (!) direkt auf die Handlung der Katze folgen. Zweitens muss die Strafe exakt das richtige Maß treffen – ein zu schwacher Strafreiz wäre wirkungslos, ein zu starker Strafreiz, der die Katze in Angst versetzt, macht ihr das Lernen unmöglich. Die Strafe muss drittens ohne jede Ausnahme bei jedem einzelnen Auftreten des „Fehlverhaltens“ erfolgen und schließlich muss sie ausschließlich mit dem gemeinten Verhalten verknüpft werden. Das heißt, die Katze muss auf die Idee kommen, den Strafversuch mit ihrem soeben getätigten Ausscheidungsverhalten in Verbindung zu bringen. Das ist nicht selbstverständlich.

Wir Menschen sind selten in der Lage, Strafe so einzusetzen, dass unser Tier dabei wirklich etwas lernen kann.

„Aber“, höre ich die Gegenstimmen, „meine Katze versteht das ganz genau! Die hat schon immer ein ganz schlechtes Gewissen, wenn ich nach Hause komme und sie irgendwo hingemacht hat.“ Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann haben Sie wahrscheinlich keine Katze mit einem schlechten Gewissen, sondern eine, die aufmerksam beobachtet, dass ihr Mensch in ziemlich angespannter oder schlechter Stimmung ist. Bitte rufen Sie sich typische Situationen ins Gedächtnis, in denen Sie Hinterlassenschaften finden und Ihre Katze sich so „schuldbewusst“ verhält. Oftmals ist das morgens nach dem Aufstehen oder nach Feierabend bei der Heimkehr. Halten Sie vielleicht kurz inne und atmen schon mal tief durch, bevor Sie das Schlafzimmer verlassen? Könnte es sein, dass Sie, wenn Sie die Wohnung betreten, als erstes einen Kontrollgang machen, ob wieder etwas passiert ist? Tun Sie das locker und entspannt oder schon in düsterer Erwartung? Wenn Sie gerade eine Pinkelstelle gefunden haben, schauen Sie Ihre Katze genauso freundlich an wie sonst? Oder wird Ihr Blick vielleicht starr? Und spannt sich nicht vielleicht Ihr Körper an, weil Sie wirklich platzen könnten vor Ärger? Und ist Ihr Ton gegenüber Ihrer Katze in solchen Momenten nicht anders als sonst? Ihre Katze ist eine Meisterin im Lesen von Körpersprache – und in solchen Situationen liest sie, dass es gerade besser wäre, sich von Ihnen fern zu halten und in Deckung zu gehen. Nicht, weil

Miez sich bewusst wäre, selbst etwas falsch gemacht zu haben, sondern weil Sie so bedrohlich wirken. „Aber“, höre ich die nächste Gegenstimme, „meine Katze beobachtet mich gar nicht dabei, sondern hält sich direkt versteckt. Also weiß sie genau, dass es nicht in Ordnung ist, was sie gemacht hat!“ Auch in diesem Fall möchte ich – oben anknüpfend – eine alternative Interpretation anbieten: Wenn Sie nach dem Aufstehen oder dem Heimkommen häufiger geschimpft oder gestraft oder vielleicht auch nur mit starker innerer Anspannung oder Verzweiflung reagiert haben, könnte das ausreichender Anlass für eine Katze sein, in diesen ritualisierten Situationen sicherheitshalber aus einer geschützten Position heraus die Lage zu eruieren. Ist heute wieder so ein Tag, an dem ihr Mensch so eine negative Aura verbreitet oder gar latent gefährlich scheint?

Natürlich kann ich auch nicht in den Kopf einer Katze schauen und wissen, was sie denkt. Und mit Sicherheit handeln Katzen auch bei einem solchen Rückzug aus ganz unterschiedlichen Motiven. Aber bitte seien Sie offen dafür, dass Ihre bisherige Interpretation nicht die einzig mögliche und damit vielleicht auch nicht ganz richtig ist. Und ganz sicher versteht Ihre Katze nicht den Inhalt Ihrer gesprochenen Worte – auch nicht wenn Sie sie herausschimpfen.

Strafen sind wirkungslos bei Unsauberkeit ...

Grund Nummer 2: