Stumm wie ein Fisch - Viola Maybach - E-Book

Stumm wie ein Fisch E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. Lara schreckte aus dem Schlaf hoch und wusste im ersten Augenblick nicht, was sie geweckt hatte. Dann hörte sie den nächsten Schrei und sprang mit einem Satz aus dem Bett. So ging das schon seit mehreren Nächten. Die Schreie kamen aus der Nachbarwohnung. Sie hatte sich bislang nicht getraut, Marie darauf anzusprechen, aber was zu viel war, war zu viel. Sie musste etwas unternehmen. Nicht nur, um Marie zu helfen, sondern auch sich selbst. Sie hatte einen anstrengenden Job und brauchte ihre acht Stunden Schlaf. Sie war noch dabei, den alten Jogginganzug über ihr Nachthemd zu streifen, als das Schreien in Weinen überging und plötzlich viel näher zu sein schien als zuvor. Sie hastete zur Wohnungstür und öffnete sie. Vor Schreck prallte sie zurück, denn Marie stand direkt vor ihr und wimmerte, beide Hände vors Gesicht geschlagen, während sie sich krümmte, als hätte sie Schmerzen. Lara war mit einem Schritt bei ihr und schlang beide Arme um sie. »Marie, was ist denn? Sag mir, wie ich dir helfen kann!« Aber Marie wimmerte weiter. Bevor noch andere Nachbarn geweckt wurden, zog Lara sie in ihre Wohnung und schloss die Tür. Sie traute sich nicht, Marie loszulassen, als sie sie in ihre Küche führte, wo sie schon so oft gesessen, Kaffee getrunken und tiefsinnige Gespräche geführt hatten. Auch bei Marie trafen sie sich gelegentlich. Trotz des Altersunterschieds zwischen ihnen konnte man sagen, dass sie Freundinnen geworden waren. Sie drückte Marie sanft auf einen Stuhl, setzte sich neben sie, umschlang sie erneut mit beiden Armen, wiegte sie sachte hin und her und gab ab und zu beruhigende Laute von sich.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Der neue Dr. Laurin – 159 –Stumm wie ein Fisch

Aber Lara bringt Sam zum Reden

Viola Maybach

Lara schreckte aus dem Schlaf hoch und wusste im ersten Augenblick nicht, was sie geweckt hatte. Dann hörte sie den nächsten Schrei und sprang mit einem Satz aus dem Bett. So ging das schon seit mehreren Nächten. Die Schreie kamen aus der Nachbarwohnung. Sie hatte sich bislang nicht getraut, Marie darauf anzusprechen, aber was zu viel war, war zu viel. Sie musste etwas unternehmen. Nicht nur, um Marie zu helfen, sondern auch sich selbst. Sie hatte einen anstrengenden Job und brauchte ihre acht Stunden Schlaf.

Sie war noch dabei, den alten Jogginganzug über ihr Nachthemd zu streifen, als das Schreien in Weinen überging und plötzlich viel näher zu sein schien als zuvor. Sie hastete zur Wohnungstür und öffnete sie. Vor Schreck prallte sie zurück, denn Marie stand direkt vor ihr und wimmerte, beide Hände vors Gesicht geschlagen, während sie sich krümmte, als hätte sie Schmerzen.

Lara war mit einem Schritt bei ihr und schlang beide Arme um sie. »Marie, was ist denn? Sag mir, wie ich dir helfen kann!«

Aber Marie wimmerte weiter. Bevor noch andere Nachbarn geweckt wurden, zog Lara sie in ihre Wohnung und schloss die Tür. Sie traute sich nicht, Marie loszulassen, als sie sie in ihre Küche führte, wo sie schon so oft gesessen, Kaffee getrunken und tiefsinnige Gespräche geführt hatten. Auch bei Marie trafen sie sich gelegentlich. Trotz des Altersunterschieds zwischen ihnen konnte man sagen, dass sie Freundinnen geworden waren.

Sie drückte Marie sanft auf einen Stuhl, setzte sich neben sie, umschlang sie erneut mit beiden Armen, wiegte sie sachte hin und her und gab ab und zu beruhigende Laute von sich. Das Wimmern wurde leiser, Maries bis dahin angespannter Körper wurde weicher in ihren Armen.

Es war zwei Uhr morgens. Sie hatte Marie am Tag zuvor getroffen und wusste daher, dass sie Frühdienst in der Kayser-Klinik hatte. Der begann um sechs Uhr. Marie war über sechzig, ihr Dienst als Pflegerin war anstrengend. Wenn es hochkam, hatte sie bislang vier Stunden Schlaf bekommen. Das war viel zu wenig.

Endlich wurde es still, Maries Klagelaute verstummten. Sie ließ die Hände sinken, in denen sie ihr Gesicht verborgen hatte und sagte leise: »Danke, Lara.«

Langsam ließ Lara ihre Arme sinken. »Dafür nicht. Hattest du einen Albtraum?«

Marie zögerte, schien etwas sagen zu wollen, tat es dann aber doch nicht. Stattdessen nickte sie.

Lara schwieg ebenfalls. Sie wusste, dass Marie vor einiger Zeit aus der Klinik entführt und mit dem Tode bedroht worden war. Letztlich war sie körperlich unversehrt davongekommen, was einem Wunder gleichkam. Sie hatte sehr bald wieder angefangen, zu arbeiten, und wer sie fragte, bekam zur Antwort, dass es ihr vor allem deshalb schon wieder gut gehe, weil man sie arbeiten lasse.

Lara wusste auch, dass Dr. Laurin, der Chef der Kayser-Klinik, Marie vergeblich zu einer Pause geraten hatte. Da es ihr aber tatsächlich gut zu gehen schien, hatte er sie gewährend lassen. Und so war die Entführung scheinbar bereits mehr oder weniger in Vergessenheit geraten.

Lara jedoch hatte schon seit einiger Zeit ein ungutes Gefühl. Sie konnte es nicht einmal an etwas Konkretem festmachen, es waren Kleinigkeiten, die ihr auffielen und die nicht zu ihrer Nachbarin zu passen schienen: Etwa, dass manchmal ganz plötzlich Maries Hand zitterte, wenn sie nach etwas griff. Oder dass sie mitten in einem Satz aufhörte zu reden und einen seltsam leeren Blick bekam. Oder auch, dass sie viel seltener als früher bei Lara klingelte und wenn, dann nur kurz blieb. Und neuerdings eben diese nächtlichen Schreie.

Endlich sagte Marie, und ihre Stimme klang dabei unendlich müde: »Ich lege mich wieder ins Bett.«

»Sag mir doch, was los ist«, bat Lara.

»Ich weiß es nicht. Aber ich denke …« Marie stockte, ihre Hände fingen an zu zittern.

»Du denkst«, sagte Lara ruhig, »dass es mit der Entführung zusammenhängt. Und ich denke das auch.« Sie war froh, diese Vermutung endlich ausgesprochen und nicht gedacht zu haben.

Der Widerspruch, mit dem sie gerechnet hatte, blieb aus. Schließlich, nach einer Zeit, die ihr sehr lang vorkam, sagte Marie: »Ja, vielleicht. Aber das wird sich mit der Zeit schon legen.«

»Wird es nicht. Es wird schlimmer, wenn du nichts unternimmst.«

Marie schüttelte den Kopf und stand auf. »Nochmals: Danke, Lara. Ich muss jetzt wieder ins Bett.« Sie drehte sich um und verließ ohne weiteres Wort die Wohnung.

Lara versuchte nicht, sie zurückzuhalten. Marie hatte einen sehr starken Willen, und es war ja offensichtlich, dass sie keinen Rat annehmen wollte. Wenn nicht einmal Dr. Laurin sie hatte überzeugen können, dass sie gut daran tat, sich Zeit zur Verarbeitung dessen, was geschehen war, zu nehmen, würde es Lara erst recht nicht gelingen. Dennoch war ihr klar, dass sie nicht untätig bleiben konnte und wollte. Sie machte sich Sorgen um Marie, und sie musste einen Weg finden, ihr zu helfen, auch wenn diese Hilfe nicht erwünscht war.

Lara zog den Trainingsanzug wieder aus und kehrte in ihr Bett zurück, aber es dauerte sehr lange, bis sie wieder in den Schlaf fand – und der war alles andere als erholsam, sondern zerrissen von wirren Träumen.

*

Samuel Bender, von allen nur ›Sam‹ genannt, stöhnte, als er die Lücke im Update der Software entdeckte. Es war das neueste Update, er hatte sich sofort darangesetzt, es zu überprüfen. Sein Team arbeitete für die digitale Sicherheit der Landesbehörden. Er liebte seinen Beruf, auch, weil er wusste, dass er einer der Besten seines Fachs war, ihm machte so leicht niemand etwas vor. Er gehörte zu jenen Menschen, denen nichts in der digitalen Welt fremd war. Wo andere ratlos vor dem Bildschirm saßen, wusste er Zeichen und Hinweise zu lesen, er sah Probleme kommen, bevor sie aufgetaucht waren, und er fand Lösungen, die es eigentlich nicht gab. Jemand aus seinem Team hatte ihn einmal ein ‚Genie‘ genannt. Er fand das übertrieben und hatte sofort abgewiegelt, aber schmeichelhaft war es natürlich schon auch gewesen.

Und jetzt also mal wieder: ein richtig dickes Problem, das so schnell wie möglich gelöst werden musste, bevor diese Lücke im Sicherheitsnetz richtigen Schaden anrichten konnte. Er ging zu seiner Kollegin Laura und tippte ihr auf die Schulter. Sie sah hoch, blickte ihm in die Augen und fragte sofort: »Ein Problem?«

Sam nickte und zeigte auf seinen Laptop. Sie folgte ihm dorthin – er zeigte ihr, was er meinte.

»Oh nein!«, rief sie. »Wie konnte das denn passieren? Wieso haben sie das nicht gesehen?«

Sam zuckte mit den Schultern, und Laura drehte sich um. »Alle mal herhören«, sagte sie. »Sam hat eine Sicherheitslücke entdeckt. Kommt her und seht euch das an, das hat Vorrang vor allem anderen.« Jeder von ihnen hatte an einem anderen Thema gearbeitet, so machten sie es meistens. Nur wenn ein Problem auftrat, wie jetzt, bündelten sie ihre Kräfte und sammelten Ideen, um es gemeinsam zu lösen.

Alle scharten sich um Sam. Die Kommentare schallten durcheinander, alle waren entsetzt, denn was sie sahen, war ein vermeidbarer Fehler. Einer brachte es auf den Punkt: »Ein Anfängerfehler! Oder reine Unaufmerksamkeit. Blamabel für die Firma. Und für uns auch ein Problem, was die weitere Zusammenarbeit betrifft.«

»Ich informiere alle betroffenen Abteilungen und die verantwortliche Firma«, sagte Laura. »Seht ihr zu, dass der Schaden so gering wie möglich gehalten wird. Blockiert das Update, wo ihr könnt – oder denkt euch was anderes aus. Und vor allem: Sammelt Ideen, wie wir da möglichst schnell wieder rauskommen.«

Alle kehrten an ihre Plätze zurück. Im Grunde genommen liebte das Team solche Situationen: Gefahr war im Verzug, und sie waren die Einzigen, die sie abwenden konnten.

Laura schrieb eine Rundmail an die betroffenen Abteilungen, dann hängte sie sich ans Telefon, um ihre Beschwerde vorzubringen. Es gab eine Hotline für solche Fälle. Sie drückte sich so drastisch aus, wie es die Angelegenheit erforderte. Wenn die Firma nicht spurte, konnte sie die weitere Zusammenarbeit mit den Landesbehörden vergessen.

Während sie telefonierte, beobachtete sie vor allem Sam. Er saß mit hochkonzentriertem Gesicht vor seinem Rechner, und sie wusste, er würde, indem er die Ideen aus ihrem Team mit seinen eigenen zusammenführte, auch heute wieder einen Weg aus der Misere finden. Die anderen redeten miteinander, berieten sich, tauschten Ideen aus, riefen Sam etwas zu, was er sofort verarbeitete. Schließlich hob er beide Arme und es wurde schlagartig still, während er rasch eine Nachricht an alle schrieb. Von jetzt an wurde nicht mehr gesprochen, sondern konzentriert gearbeitet. Offenbar hatte Sam bereits einen Weg gefunden, den das Team nun gemeinsam beschritt.

Laura beendete ihr Telefonat und lächelte zufrieden. So war es immer – und so war es gut.

*

»Timo Theobald hat einen neuen Job«, sagte Leon Laurin am nächsten Morgen zu seiner Frau Antonia.

Sie saßen, wie immer, allein am Frühstückstisch. Ihre vier Kinder hatten sich in Etappen zwar eingefunden, aber nicht einmal Platz genommen, sondern sich nur rasch geschnappt, was sie ›zum Überleben‹ brauchten, bevor sie im Eiltempo aus dem Haus gerannt waren, um rechtzeitig in der Schule zu sein. Nur Kyra, ihre zwölfjährige Jüngste, hatte für gefühlte fünf Minuten bei ihnen am Tisch gesessen, um dann ebenfalls zu verschwinden.

Alle Predigten der Eltern, wie wichtig ein in Ruhe genossenes, gesundes Frühstück war, trafen auf taube Ohren. Morgens musste bis zur allerletzten Sekunde im Bett geblieben werden, das war wichtiger als ein noch so gesundes, leckeres und gemütliches Frühstück mit den Eltern.

Antonia und Leon sagten schon länger nichts mehr dazu, weil es sinnlos war. Stattdessen genossen sie die ruhige halbe Stunde, die ihnen am Morgen miteinander blieb, bevor sie ebenfalls das Haus verließen.

»Das heißt, er verlässt den Bungalow – und der steht dann leer?«, fragte Antonia.

»So ist es. Wir müssen eine Entscheidung fällen, was wir damit machen.«

»Vermieten oder verkaufen?«

Leon nickte. Er hatte, vollkommen überraschend, von einer dankbaren Patientin einen Bungalow auf Gran Canaria geerbt – einen, wie sich herausgestellt hatte, sehr schönen Bungalow, denn er war mit Kyra und Kevin, seinem jüngeren Sohn, bereits dort gewesen, um das Erbe in Augenschein zu nehmen. Sie hatten sich vor Ort mit einem Kollegen von Leon angefreundet, jenem eben erwähnten Timo Theobald, der dann hochdramatisch an einem entzündeten Blinddarm hatte operiert werden müssen – als Notfall, von Leon. Im Anschluss daran hatte Leon ihm angeboten, sich in seinem Bungalow zu erholen, denn er und die beiden Kinder hatten zurück nach München gemusst.

Timo hatte das Angebot dankend angenommen, aber nun war er offenbar gesund und würde wieder arbeiten.

Leon wusste noch immer nicht, ob er den Bungalow behalten wollte oder nicht. Er hatte ihn zunächst eher als Belastung empfunden. Ein Feriendomizil lohnte sich doch nur, wenn man es regelmäßig nutzte – und wie sollte das gehen? Antonia und er waren beruflich voll eingespannt, es kam für sie nicht infrage, mehrmals im Jahr mit allen vier Kindern ausgedehnten Urlaub zu machen. Davon abgesehen, dass der Bungalow nur zwei Schlafzimmer besaß, was mindestens eins zu wenig war, in ihrem Fall. Natürlich, zwei Kinder konnten im Wohnzimmer schlafen, aber er bezweifelte, ob ein so enges Zusammenleben ein paar Wochen lang gutgehen konnte. Wenn er aber schon Urlaub machte, dann wollte er sich auch erholen.

Alle vier Kinder sahen das anders, zumal die beiden Ältesten, die Zwillinge Kaja und Konstantin, den Bungalow noch gar nicht gesehen hatten, ebenso wenig wie Antonia. Und tatsächlich hatte Leon der kurze Urlaub, den er mit seinen beiden jüngeren Kindern auf Gran Canaria gemacht hatte, sehr gut gefallen, zumal der Bungalow in einer sehr schönen, gepflegten Anlage stand, zu der, unter anderem, Tennisplätze und ein riesiger Pool gehörten. Die Entscheidung wollte also gut überlegt sein.

Antonia sprach aus, was er selbst gerade dachte: »Sehen möchte ich ihn aber wenigstens, wie du weißt, bevor wir eine Entscheidung fällen. Und die Zwillinge bestehen auch darauf. Zumal ihr drei ja völlig begeistert wart von eurem Aufenthalt dort, das kannst du nicht leugnen.«

»Ich leugne es ja auch gar nicht. Aber wir waren zu dritt, hatten also Platz genug. Zu sechst sieht das völlig anders aus. Und: Was wird mit dem Bungalow, wenn er den überwiegenden Teil des Jahres leer steht? Das kostet einen Haufen Geld, schadet dem Haus, und wir haben wenig davon, weil wir ihn nicht nutzen können.«

»Er würde ja nicht leer stehen, wenn wir ihn vermieten.«

»Und dann kommen wir, um selbst ein paar Wochen dort zu verbringen, und wundern uns darüber, wie viel kaputtgegangen ist oder gleich ganz fehlt oder …«

»Das weißt du doch gar nicht, Leon. Außerdem gäbe es außer uns noch ein paar andere Leute in der Familie, die den Bungalow nutzen könnten. Oder Freunde und Bekannte. Wir müssen ja nicht an Fremde vermieten.«

Er ließ die Kaffeetasse sinken, vollkommen überrascht. Über eine solche Möglichkeit hatte er bislang nicht einmal nachgedacht. »An wen denkst du?«

»An meinen Vater und Teresa, zum Beispiel. Oder deine Schwester und ihren Mann. Oder vielleicht die Kinder allein mit ein paar Freunden. Ich meine, die Zwillinge sind jetzt siebzehn, für die wäre es bestimmt nett …«

Leon unterbrach seine Frau. »Sind Teresa und dein Vater interessiert? Haben sie das gesagt?«

»Nein, es ist bislang nur eine Idee, die ich habe. Mein Vater ist immer noch nicht wieder fit. Ich meine, es geht ihm viel besser seit der Reha, aber er ist noch längst nicht wieder der Alte. Für ihn könnte ein Aufenthalt am Meer, bei angenehmen Temperaturen, während es hier kalt und ungemütlich ist, vielleicht Wunder wirken.«

Antonias Vater Joachim Kayser war der Gründer der Klinik, die Leon heute leitete. Er hatte schon vor längerer Zeit bei einem Überfall eine böse Kopfverletzung davongetragen. Die Folgen waren noch immer deutlich sichtbar.

»Ich dachte, es würde bei ihm stetig besser. Und das behauptet Teresa, wenn ich sie frage, auch immer.«