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Der zweite Band der Radioaktivitätstrilogie von Le Tschen ist der vorsichtige Versuch der Beschreibung einer verschwundenen Wirklichkeit. Hintergründig und fein komponiert verleitet die Autorin zu vielfachem und langen Lesen. Es entsteht eine intensive Auseinandersetzung mit den großen Fragen des Lebens. Masahiro Miyamoto hat diesen filigranen Text zurückhaltend und sensibel ins Deutsche übertragen.
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Seitenzahl: 16
Veröffentlichungsjahr: 2014
für meine Nichte Natsuko und den Strand von Osaka
Der Wind war einen anderen Weg gegangen. Sumo hatte ein Glas geöffnet und mit ihren vorsichtigen Fingern hinter die Scheibe gepackt, vor der es gestanden hatte. War das richtig? Ein kleiner tastender Griff, ganz vorsichtig und der Ungewissheit ausweichend. Niemand konnte ahnen was sie da tat und keiner wusste es. Es war eine Regung, die in der Zeit nicht sichtbar war und das stille Echo des hellen Lachens, das auf der glatten Fläche des Wassers lag, war nur eine Spur des Nebels, der einmal hier gewesen war. Su Zu meinte zu atmen, aber das war eine Täuschung. Und weil niemand da war, der es hätte bemerken können, passierte es auch nicht. „Du kannst ruhig ganz still sein“, hörte Su Zu. Sie drehte sich langsam in die Richtung, aus der sie den Satz zu hören meinte, sah nichts, weil da kein Licht war, und auch keine anderen Wellen, nur der Strom von Teilchen.
Es gab eine Zeit, da war, etwa in der Mitte des Raumes, ein Tisch. Eine Platte, abgerundet an den Kanten, zusammengefügt aus dem Holz einer Eibe oder einer Esche. Es gab Platz für vier Stühle. Meist waren nur zwei davon besetzt. Die anderen waren leer. Immer.
