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Castorea - eine Welt, in der nicht nur Bäume auf den Boden, sondern auch Biber vom Himmel fallen. Ja, die gibt es wirklich! Ich hätte es selbst nie für möglich gehalten, geschweige denn jemals darüber nachgedacht. Doch ich - Kevin Schwarz - bin Zeuge dieses absurden Phänomens geworden. Dabei wollte ich doch einfach nur mein Studentenleben genießen und mit einem Kumpel ein Eis essen gehen... Doch dann landete ich als Riesennager in einer bunten Welt voller skurriler Kreaturen. Wie das passieren konnte? Ob ich den Giftpfeilen der Kobolde entkam? Und ob Erdnussbuttersandwiches wirklich eine akzeptable Nahrungsquelle für Biber darstellen? Tja, das erfährst du erst in meiner Geschichte - alles andere wäre ein Spoiler.
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Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2026
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0 – Baum fällt!
1– Biber können vom Himmel fallen
2 – Es hätte schlimmer enden können
3 - Mein neues Leben als Holzfäller
4 - Ha, Volltreffer!
5 - Das hast du toll gemacht, Boby
6 - Baumeister Boby
Nachwort
„Vorsicht! Baum fäääällt!“ rufe ich meinen Kumpanen Bella und Beric zu, die sich schon am nächsten zu schaffen machen. Mit einem lauten *Knack* bricht die Fichte von ihrem spitzen Podest und kippt in Richtung des Flusses, über den wir hier angelandet sind. Einen kleinen Moment später schlägt dieses Monster von Baum auf dem Boden auf.
Und wieder einer weniger, denke ich, während ich kurz verschnaufe. Fehlen ja nur noch *seufz* 9 Stück...
Die Blätter fangen bereits an, von ihren Stämmen zu fallen und der Wald beginnt seine Töne vom sommerlichen Grün in herbstliches Rot zu tauchen. Sogar die Vögel machen durch ihren Gesang klar, dass es spät wird und der Sommer seinen Wald Stück für Stück an den Herbst übergibt. Höchste Zeit, sich auf die bevorstehende Kälte vorzubereiten.
„Wir haben nicht den ganzen Tag, mach mal hinne, Biber!“
„Ja ja, ich bin doch schon dabei“, rufe ich meinem, sich selbst so bezeichnenden, ,Boss‘ (Uhag, einem Oger mit der Intelligenz einer Sumpfkröte) mit einer Gelassenheit zurück, wie sie ein erfahrener Autofahrer hat – oder aber ein Biber, der zur Winterzeit im Warmen chillt.
Wie ich darauf komme?
Ein Biber?
„..."
Schau mich doch mal an!
Ich bin ein verdammter Biber! Mit Fell, Nagerzähnen und allem was dazu gehört. Ich habe sogar einen Plattschwanz mit Waffelmuster drauf. Wofür? Weiß ich doch auch nicht! Aber was ich weiß ist, dass mir diese Arbeit langsam auf die Nerven geht. Jeden Tag von morgens bis abends an Bäumen nagen, um Holz für unser Dorf zu besorgen. Denn die Winterzeit rückt näher und ohne Feuerholz wird es kalt, verdammt kalt in unserer Biberburg. Und ja, das Zuhause eines Bibers schimpft sich Biberburg. Warum nicht Biberwohnung, oder einfach Biberhaus? Lebe ich im Mittelalter oder was?!
Andererseits kann ich mich auch nicht beschweren, denn wer kann schon von sich behaupten, in einer Burg zu leben? Ich konnte dies zumindest nicht, als ich noch in meiner alten Welt so vor mich hin lebte...
„Boby!“ – wieder Uhag – „Hörst du schlecht, oder was? Ab an die Arbeit mit dir!“
Ich sollte mich wirklich langsam wieder dran machen.
Da kam mir noch ein weiterer, weitaus stärker motivierender Gedanke: Wenn ich mich jetzt nochmal so richtig ins Zeug lege, bekomme ich vielleicht eine Streicheleinheit von Meiky.
Meikylia ist die Dorfchefin (und super niedlich obendrein). Sie liebt Tiere, und da ich jetzt ja selbst eines bin – tja – da bekomme ich hier und da auch die ein oder andere Streichelung von ihr. Ein Biber zu sein hat wohl doch so seine Perks; Was man von der Zahn- und Fellpflege nicht gerade behaupten kann.
Na dann. Weiter geht's!
9, 8, 7...
So fließt der Nachmittag so dahin und der Mond fängt an, die Baumkronen in silbrigen Schein zu legen, in dem Versuch die Sonne von ihrer Arbeit abzulösen. Währenddessen fällt Fichte nach Fichte und Weide nach Weide.
4, 3, 2...
Der Wald wird langsam ruhiger.
Noch ein letztes „Achtung!“, gefolgt von einem *Knack* und *Bumm*, und einer rauen Stimme: „Das genügt.“ Uhag, der – nun wo die Arbeit erledigt ist – von seinem Plätzchen, am großen Baum lehnend, aufsteht und zu uns dreien herüber ruft. „Morgen früh beladen wir das Floß mit den Stämmen und fahren zurück nach Monkythal.“
Endlich mal eine schöne Nachricht aus seinem Hauermaul. Morgen geht es wieder nach Hause, denke ich mir und freue mich auf mein Dorf, aber vor allem auf unsere kleine, gemütliche Burg. Seit etwa fünf Tagen sind wir drei Biber, unter dem Befehl von Uhag, hier draußen in unserem temporären ,Holzfällercamp‘ zugange. Wobei Camp vielleicht ein bisschen großzügig ist. Denn unser Schlafplatz ist der Boden, mit Glück findet man sogar ein Blatt, groß genug, um es als Decke zu nutzen.
Zu fressen gibt’s, was halt so zu finden ist: Käfer, Blätter, hier und da mal eine Beere. Dreimal dürft ihr raten, was nämlich mit unseren ganzen Rationen geschehen ist. Ist ja nicht so, dass Meiky keine Vorkehrungen für diese Mission getroffen hätte – im Gegenteil! Sie hat jedem von uns ausreichend Portionen eingepackt: jeder zwei Beutel Feldfrüchte, ein paar Täschchen voller Nüsse, verschiedenste Sandwiches und meinen Favoriten, eine Tasse weißen Honigkleejoghurt mit Minze. Uhag der Nichtsnutz aber, hat bereits im Laufe der ersten zwei Tage alles aufgefressen, was lecker war! Nur die Erdnussbutterbrote blieben unversehrt. Aber versuch mal dieses Zeug von deinen Biberzähnen wieder abzuputzen. Das ist kein Spaß, sag’ ich dir! Deshalb ist das keine Option.
„Boby, Beric, lasst uns ein Plätzchen suchen. Die Wolken ziehen sich langsam zu.“ – Bella. Auch ein Biber. Auch unter dem Befehl von Uhag. Auch genervt von Uhag, aber wer wäre das nicht, wenn man seinetwegen auf primitivste Ernährung zurückgreifen muss?
Auf unserer Suche nach einem Schlafplatz, groß genug für drei ausgewachsene Biber, finde ich einen hohlen Baumstamm. „Kommt her Leute! Guckt mal, was ich gefunden habe!“
Kurze Zeit später liegen Bella, ihr Ehemann Beric und ich bereits zusammengekuschelt in dem engen, aber irgendwie auch gemütlich warmen Baumstamm. Und auch die Wolken beginnen zu kuscheln. Bei ihnen endet dies aber in platterndem Regen; bei uns höchstens mit ehrenlosen Rückenschmerzen...
Denn genau das passiert, wenn man zu dritt in einem Baum schläft, wo man gerade mal so alleine hineinpasst. Aber das ist ein Problem für den morgigen Boby.
Zufrieden liege ich nun da, mit dem Gedanken, wie der Regen durch den schnarchenden Mund des Ogers, seinen Kopf mit Wasser füllen könnte. Dann hätte er wenigstens etwas da drin. Ich weiß, dieser Gedanke ist irgendwie fies, aber bevor ich über ihn reflektieren kann, bin ich längst eingenickt.
Während der Herbstregen auf unseren Stamm prasselt und sich mit dem Schnarchen von unserem Griesgram Uhag vermischt, schwebt mir plötzlich ein Bild von ein paar Gebäuden vor die Augen. Gemäuer, welche mir unheimlich vertraut vorkommen, so als hätte ich sie schon einige Male zuvor gesehen, gar selbst betreten.
Meine Uni – das ist meine Universität!
Aber nein.
Irgendwas ist komisch.
Es ist so, als hätte ich exakt diesen Tag schon einmal erlebt. Aber aus einer völlig anderen.
„...Perspektive meinst du?“
„Ja“, antworte ich meiner Dozentin, Frau Süßke, mit der ich gerade über die visuelle Darstellung von ozeanographischen Daten für meine Präsentation diskutiere.
„Das ist ein sehr interessanter Einfall, Kevin!“, erwidert sie mit einem Enthusiasmus, wie ihn Dozenten vom Fach gerne an den Tag legen, wenn man mit ihnen über ihr Lieblingsthema spricht.
„Eine dreidimensionale Karte ist sicherlich eine gute Idee, aber achte auf die Skalierung. Eine schlechte Skalierung kann wichtige Unterschiede verschlucken.“
„Und Animationen? Vielleicht ein Temperaturverlauf?“ frage ich nochmal nach, um sicherzugehen, nicht zu viel Schnick-Schnack einzubauen. Ich will, dass diese Präsentation absolut perfekt ist.
„Das ist in diesem Fall bestimmt sinnvoll: Bewegung in Diagrammen kann helfen, Trends zu erkennen. Aber nicht übertreiben – Ihre Zuhörer sollten nicht ihren Fokus verlieren.“
„Alles klar, vielen Dank!“, bedanke ich mich und wie es der Zufall will, ertönt genau jetzt der Gong, der uns Studenten auf den neuen Unterrichtsblock hinweist, der bald beginnt.
„Ich muss dann mal langsam los. Bis morgen!“
„Wenn Sie weitere Fragen haben, melden Sie sich gerne.“
***
Mit zügigen Schritten suche ich meinen Weg durch die Uniflure. Mein Ziel: Der große Hörsaal. Dort angekommen winkt mir schon Leon zu, in der Aufforderung, den freien Platz neben ihm einzunehmen. Ich schlendere zu ihm herüber.
„Jo, was geht!“
„Was haben wir jetzt für ein Thema?“, frage ich ein wenig geistesabwesend. Die ganze Sache mit der Präsentation geht mir nicht aus dem Kopf.
„Wieder einmal neben der Spur?“, neckt er mich.
„Ja ja. Komm, jetzt sag schon!“
Länger lässt er mich auch nicht mehr auf die Antwort warten.
„Heute geht es um Sedimentologie, das hatte Herr Than doch letzte Woche angesagt. Hast du wieder nicht zugehört?“
(Ich habe nicht zugehört.)
Leon Merka und ich, Kevin Schwarz, waren zusammen auf einer der drei weiterführenden Schulen in Kail und haben dort unseren Abschluss gemacht. Jetzt, knapp zwei Semester später,
sitzen wir nun beide hier: in einer Vorlesung über Sedimentologie, ein sehr spezifisches Thema – eigentlich aber auch nicht sehr verwunderlich für ein Studium in der Meeresbiologie, aber trotzdem nicht das Spannendste vom Spannenden. Da wäre mir selbst die Meeresphysik lieber. Ehrlich.
Ich ziehe meinen Laptop aus meinem orangen Rucksack und lege ihn auf dem kleinen Klapptisch vor mir bereit. Bereit für die nächsten zwei Stunden an meiner Präsentation weiterzuarbeiten und gegebenenfalls mal die ein oder andere Notiz über die Ablagerungen von Sand, Lehm und Schlamm zu machen. Vielleicht sogar über Kies – aber nur vielleicht.
Von was für einer Präsentation ich da spreche, fragst du dich bestimmt. Eine ganz besondere! Auf die freue ich mich nämlich schon den ganzen Monat, denn sie behandelt mein Lieblingsthema: die Tiefseebiologie und die Zusammenhänge mit der Wassertemperatur. Ich liebe die Tiefsee und seine Bewohner. Aber vor allem die Vampyroteuthis infernalis – also den Vampirtintenfisch. Schon mal von ihm gehört? Das ist ein ganz faszinierender kleiner Kerl, der in fast sauerstofffreien Zonen lebt.
Ich wünschte, ich könnte die Luft auch länger anhalten, als gerade mal eine mickrige Minute. Da sind wir Menschen den Meerestieren eindeutig unterlegen.
Auf jeden Fall halte ich in der nächsten Woche dieses Referat über die Auswirkung von Temperatur auf diesen Tintenfisch.
Da fällt mir ein: „Ey Leon, was ist eigentlich dein Thema fürs Referat in MarBio?“ (Das ist unsere grandiose Abkürzung von ,Maritime Biologie“. Somit sparen wir uns unglaubliche zehn Buchstaben, oder auch 0,96 Sekunden in der Aussprache! Der Hammer, oder?)
„Ich wollte eigentlich über die Aipysurus duboisii (das ist eine Seeschlangenart) sprechen. Aber als ich gestern im Wald spazieren war, also an dem See, wo wir immer campen sind – du weißt schon, wo – habe ich einen Biberdamm gesehen und das hat mich irgendwie zum Nachdenken angeregt – long Story short: Ich nehme das Thema Biber. Da habe ich ein lustiges Video gefunden, das muss ich dir nachher unbedingt zeigen!“
Während wir uns zum Ende mit einer Soundkulisse aus
Vorträgen der Sedimentologie über Biber unterhalten, fällt mir ein, dass ich den Part mit den Notizen über die Vorlesung ganz vergessen habe. Jetzt noch etwas mitzuschreiben ist auch unnötig, denke ich mir und packe pünktlich zehn Minuten vor Vorlesungsende meinen Laptop wieder in sein warmes Zuhause: a.k.a. den Rucksack.
Die letzte Zeit verbringe ich damit, mein Referat im Kopf durchzugehen und nebenbei den einen oder anderen Schluck Mate-Tee zu trinken, so wie es sich für einen wahren Studenten gehört.
***
Kail – meine Heimat – ist eine Großstadt in Schleswig-Holz-Stein, die nicht weit entfernt vom Meer liegt. Und da ich das Meer,
samt seiner Bewohner liebe, ist das natürlich nicht schlecht. Sogar das Haus meiner Familie liegt nahe genug am Wasser, um zwischendurch mal schwimmen zu gehen. Genau das ist auch mein heutiger Plan. Denn die Sonne scheint und die Vöglein zwitschern an diesem warmen Montagnachmittag. Was kann man sich Schöneres vorstellen?
Vielleicht noch ein Eis am Kiosk kaufen – aber ansonsten klingt es wie ein perfekter Tag im Studentenleben.
„Hast du deine Badesachen mitgenommen, Leon?“
„Klar! Ich bin ja nicht so lost wie eine andere Person hier“, sagt er, während er mir leicht auf den Rücken schlägt.
„Ich wollte dir ja noch ein Video zeigen. Schau mal hier.“
Er hält mir sein Handy vor die Nase, während wir gerade die kaum befahrene Straße – die Schnor-Allee – auf dem Weg zum Strand passieren.
„Bober!!!“, ertönt ein slawisches Video aus dem Handylautsprecher, während sich unser Lachen über dieses Meme ins Soundbild einmischt und meine linke Hand gerade in der Hosentasche nach ein paar Münzen für den Kiosk kramt.
Wurdest du schon mal von einem Lastwagen an- oder sogar umgefahren?
Ich auch nicht.
Aber das sollte sich gleich ändern.
***
MEEEeeepPP!!! *Quietsch – quiiiiietschhhh*
Meine Augen schauen vom Display mit Bibervideo des Handys hoch und erblicken etwas anderes Leuchtendes: Frontscheinwerfer eines Lastkraftwagens, auf direktem Weg in unsere Richtung!
„Ach du Scheißeeeeee!“, schreie ich, versuche zu rennen, aber stolpere über meinen immer noch zu langen Schnürsenkel. Hätte ich doch mal auf meine Mom gehört, und welche in passender Länge gekauft...
In meinem Fluchtversuch schaffe ich es jedoch Leon am Rücken zu packen und ihm einen derartigen Stoß zu verpassen, dass selbst Mike Tyson stolz auf mich wäre. Dieser Stoß befördert Leon in Richtung Bordstein und somit aus der Fahrbahn des LKWs. Für ihn gibt aber keine Garantie auf eine weiche Landung. Das wäre zu viel verlangt.
Das nächste, was ich sehe, ist dieses ungeheuerliche Licht, das auf mich zukommt. Und danach: Schwärze. Endlose Schwärze, die sich nach einer Ewigkeit (nicht einer halben Ewigkeit, sondern eher drei oder vier), anfängt mit Bildern und Videos von Bibern zu füllen.
Legenden besagen, dass die Seele nach dem Tod ihren Weg in eine neue Gestalt findet.
Und zwar in die, die sie im Moment ihres letzten Atemzugs betrachtete. Man nennt es die Reinkarnation.
Bereite Wiedergeburt vor...
Es ist nicht so, wie es die Religionen der Erde beschreiben. Es ist anders.
Wiedergeburt als.
Man wird nicht erneut in diese Welt geboren, sondern in eine andere.
Wiedergeburt als.
Bober abgeschlossen.
Frische Luft?
Spüre ich da auch einen leichten Wind?
Ja tue ich, denn...
„Ich falleeeee!", schreie ich, als ich meine Augen nach dieser Ewigkeit wieder öffne.
Ich befinde mich hoch oben am Himmel einer Welt, die nicht gerade wirkt wie meine Stadt oder sogar unsere Erde. Durch die Wolkenlücken hindurch erblicke ich bunte Farben, zwar viel Grün, aber trotzdem so als hätte man den Sättigungsregler in einem Bildbearbeitungsprogramm aufs Maximum hochgedreht. Meine kurze Sicht in die Ferne wird wieder durch die nächste Wolke verdeckt.
Mit der Geschwindigkeit eines Leoparden fliege ich – oder eher falle ich – auf den Boden zu. Der Wind weht nur so an mir vorbei und meine Augen fangen an zu tränen, was durch die Luftfeuchtigkeit der Wolken, durch die ich rase, nicht gerade gelindert wird.
Ich wollte zwar schon immer mal Fallschirm springen, aber beim Fallschirmspringen hat man, wie es der Name nahe legt, einen Fallschirm und kann angenehm fast überall landen. Wo kann ich denn hier überhaupt landen, ohne wie ein Ei auf dem Boden zu zerschellen? Gibt’s hier vielleicht eine Hüpfburg? Oder vielleicht, wenn es eine Fantasiewelt wie aus den Büchern meiner Schwester ist, ein riesiges Spinnennetz um mich vor meinem sonst unvermeidbaren Aufschlag zu retten?
Die letzte Wolkenschicht ist durchbrochen und gibt mir, eine freie Sicht auf die Landschaft. Direkt unter mir befindet sich ein großer See, umgeben von einem Wald, mit Baumspitzen die aus meiner Sicht so hoch aus der Erde ragen, als wären sie die Wolkenkratzer dieser Welt.
Das stimmt allerdings nicht ganz, merke ich, als ich eine Bergkette in der Ferne entdecke, denn diese ist noch viel höher - dagegen wirken die enormen Bäume wie belanglose Sträucher. Es ist zwar schön zu sehen, welche wundervolle Welt mich erwarten könnte, aber das bringt mir auch nichts, wenn ich nicht lebendig unten ankomme.
Mama, es tut mir leid, dass ich mir keine neuen Schnürsenkel gekauft habe, obwohl du es mir schon oft gesagt hast!
Der Boden kommt näher. Naja, eigentlich komme ich dem Boden näher... Aber vielleicht hatte Einstein auch recht damit, als er sagte,... ähm,. es gibt keinen absoluten Ort.? Oder war es Zeitpunkt.? – Papa, es tut mir leid, dass ich in Physik nicht richtig aufgepasst habe, sonst wären meine letzten Gedanken jetzt nicht so erbärmlich! Und zuletzt, Linda, ich will es zwar nicht zugeben, aber ich war es, der deine Bücher geklaut und versteckt hat!
Ich will nicht sterben – nicht schon wieder!
Impact in 3... 2...1...
*Baumkronen rascheln*
*Platsch*
***
Mit dem Kopf unter Wasser komme ich so langsam wieder zu mir. Alles unter mir ist rabenschwarz. Bis auf ein paar biolumineszente Algen ist hier nicht viel zu erkennen.
