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Beschreibung

Jeder Sommer hat eine Geschichte... Die gefühlvollsten, lustigsten, spannendsten Sommer- und Urlaubsgeschichten im kostenlosen ebook. Sommer, Sonne, gute Laune. Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Nach »Weihnachten im Readerschein« folgen nun heitere Geschichten für den Badestrand, den Eiskaffee, den blutigen Sonnenuntergang – wir sorgen für die besonderen Lesemomente an langen Sommertagen und in kurzen Sommernächten. Von der Hoffnung und der Enttäuschung, von der großen Liebe und dem Abschied, wenn die Nächte wieder länger werden. Dieses Buch enthält sommerliche Kurzgeschichten von: Anna Buchwinkel, Ingo Bartsch, Naoma Clark, Petra Dalquen, Nicole de Vert, Marie Enters, Jörg Eschenbach, Liliane Fontaine, Lisa Jasmina, Kerstin Garde, Nadine Gerber, Gina Greifenstein, Yasemin Grißmann, Luise Holthausen, Vanessa Hußmann, Annie Kay, Karen Kliewe, Claudia Klingenschmid, Nicole Knoblauch, Sarah Koch, Astrid Korten, Sabrina Lange, Jean Lassalle, Lara Lavenza, Marisa Liehner, Nicola Mandi, Pia O´Connell, Pia Christina Prenner, Thorsten Steffens, Sabine Strick, Juli Summer, Jenna Theiss, Rebecca Timm und C.K. Zille.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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© 2020 Piper Verlag GmbH, München

Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)

Covergestaltung: Favoritbüro, München

Covermotiv: Bilder unter Lizenzierung von Shutterstock.com genutzt

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Wir behalten uns eine Nutzung des Werks für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor.

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Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Für einen gefühlvollen Sommer

»Die sonderbare Flaschenpost der Mrs. Evernew« von Naoma Clark

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»Sound of Summer« von Marie Enters

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»Sail Away – Sommerliche Kurzgeschichte« von Kerstin Garde

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»Ein Jahr in meinem Herzen« von Nadine Gerber

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»Feels good to be high« von Yasemin Grißmann

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»Rewrite the Stars« von Vanessa Hußmann

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»Until we get lost … – oder auch die Schönheit der Berge« von Lisa Jasmina

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»Outback Love« von Nicole Knoblauch

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»Hot Holidays« von Sabrina Lange

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»Zwei Herzen zwischen den Wellen« von Marisa Liehner

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»Sommerlächeln« von Pia Christina Prenner

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»Glücksmoment« von Juli Summer

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»Sevilla bei Nacht« von Rebecca Timm

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»Ein Lovesong für dich« von C.K. Zille

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Für einen humorvollen Sommer

»Am Ziel vorbei führt auch kein Weg« von Anna Buchwinkel

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»Die Quelle des heiligen Giovanni« von Gina Greifenstein

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»Der kleine Balkon am Bad(oder warum Lesen noch immer gefährlich ist)« von Claudia Klingenschmid

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»Werther in Space – Liebe ist überAll« von Astrid Korten

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»Ein teuflischer Auftrag« von Nicola Mandi

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»Ein Klugscheißer macht Urlaub« von Thorsten Steffens

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Für einen schicksalsvollen Sommer

»Ostseetraumatische Belastungsstörung« von Ingo Bartsch

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»Die nicht mehr ganz junge Frau« von Petra Dalquen

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»Ein Sommertagtraum« von Jörg Eschenbach

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»Verweht im Passat« von Luise Holthausen

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»Oneway-Ticket ins Glück« von Annie Kay

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»Die Entscheidung« von Karen Kliewe

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»Träumereien einer Sommernacht« von Lara Lavenza

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Für einen spannungsvollen Sommer

»Tod auf der Dachterrasse« von Nicole de Vert

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»Sommertod in Lesmona« von Liliane Fontaine

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»Das Versteck-Deck oder wie man eine Nervensäge loswird« von Sarah Koch

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»Das tote Model – was geschah mit Anna Piat? « von Jean Lassalle

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»Ein irischer Sommer« von Pia O’Connell

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»Tod auf den Klippen – La Réunion-Kurzkrimi« von Sabine Strick

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»Pater Noster Sommer im Salzkammergut« von Jenna Theiss

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Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Für einen gefühlvollen Sommer

Die sonderbare Flaschenpost der Mrs. Evernewvon Naoma Clark

Flaschenpost

Die kleine Flasche glitzerte silbrig zwischen den murmelnden Wellen des Meeres. Das Meer trug sie, wie eine liebende Mutter, in den Armen. Sie schaukelte hin und her. Übernahm jede Hürde tapfer und doch kontrolliert. Besonders große Wellen drückten sie zu Boden, dann tanzte sie mit den Algen und Fischen unter der Oberfläche. Doch es kam immer dieser eine Moment, in dem sie wieder emporgehoben wurde, wie ein Delfin aus dem Wasser schnellte. Es musste so sein. Es konnte nicht anders kommen, denn in ihrem Inneren verbarg sich ein Schatz. Ein Schatz, der seinen ganz besonderen Bestimmungsort hatte und solange er diesen nicht erreicht hatte, würde er sich weiter durch die Wellen kämpfen. Denn ein Schatz, den niemand findet, könnte genauso gut gar nicht existieren. Die Flasche würde irgendwo in den Weiten des Meeres verloren gehen und dann hätte nur ihr Absender von ihrer Existenz gewusst.

Ab und an bekam die kleine Flasche Beobachter, während sie immer weiter Richtung Strand trieb. Möwen waren auf ihr verheißungsvolles Schillern aufmerksam geworden und beobachteten das Schauspiel interessiert. Ob die Flasche etwas Essbares war? Und was war mit der kleinen, elfenbeinfarbenen Rolle in ihrem Inneren? Doch die kleine Flasche ließ sich von den Schnabelangriffen der Möwen nicht irritieren. Irgendwann gaben die schnatternden Vögel auf und flogen im hohen Bogen Richtung Strand davon. Unter ihnen die geheimnisvollen Fußabdrücke im Sand, und ein hübsches weißes Holzhaus, das direkt an der Küste lag und dessen Umrisse sanft im Abendrot verschwammen.

Grace

Seit Grace denken konnte, liebte sie das Meer. Sie hatte schon immer eine ganz besondere Verbindung zu den flüsternden Wellen verspürt, jedes Mal, wenn sie den Strand entlang spazierte. Tatsächlich reichte es schon, wenn sie eine Fotografie des Meeres betrachtete – dann konnte sie sich ein sehnsuchtsvolles Seufzen nicht verkneifen. Doch wenn sie die Gelegenheit hatte, selbst an den Strand zu gehen, nahm sie diese wahr. Bereits beim Durchstreifen der Dünen würde sie fast schon ungeduldig ihre Schuhe ausziehen und ihre Füße mit einem Laut des Entzückens in den körnigen Sand eintauchen, der dann leise unter ihr zu knistern begann. Nach ein paar Schritten sah sie ihn dann: Ihren guten Freund, das Meer. Es schimmerte friedlich unter der Sonne und wippte beruhigend, während es seine niemals ruhende Melodie mit Grace teilte. Das Rauschen der Wellen hatte für Grace etwas Meditatives. Es vermochte ihr Herz zu öffnen, wie es keine Worte, kein Lied aus dem Mund eines Menschen geschafft hätte. Grace sah zu den blauen und grünen Wellen hinaus, die Schuhe unter den Arm geklemmt und vertraute ihnen all ihre Geheimnisse an.

»Ich glaube, ich werde für immer allein sein!«, sagte sie an jenem Morgen, als sie sich wieder einmal zu ihrem besten Freund, dem Meer, aufgemacht hatte. Ihr Blick war dabei anklagend in seine Richtung gerichtet, als könnte das Meer wirklich etwas daran ändern. Doch es hörte nur gurgelnd zu, ließ fröhlich seine Wellen aneinander platschen und küsste ab und an Graces Füße, die sich jetzt parallel zu ihm die Küste hinaufbewegten. »Ich meine – Adam Goldsmith! Wirklich?«, sie schnaubte und ihre Nase kräuselte sich dabei anklagend. »Dieser sogenannte Gentleman wollte mir noch nicht einmal die Tür aufhalten!« Ein Frustschrei schreckte einige Möwen auf, die vor ihr im Sand nach Futter gewühlt hatten.

»Merkwürdig!«, hörte Grace plötzlich eine Stimme hinter sich. »Einer so entzückenden Dame würde ich persönlich nicht nur die Tür aufhalten! Wenn sie darauf bestünde, würde ich sie sogar die gesamte Küste hinauftragen – nur damit ihre Füße nicht schmutzig werden!«, ein Lachen folgte und Grace zuckte erschrocken zusammen, während ihr eine peinlich berührte Röte ins Gesicht stieg.

Zu allem Überfluss erwischte sie in diesem Moment auch noch eine sehr motivierte Windböe, die ihr weißes Kleid derart enthusiastisch durcheinanderwirbelte, dass es ihr sehr schwer fiel ihr nackten Beine nicht vor dem jungen Mann zu entblößen, der sie gerade neckisch anlächelte.

»Nanu – gerade warst du noch so wortgewandt!«, kam es da auch schon. Sie blickte in riesige, braune Augen, die offenbar Gefallen daran hatten, was der Wind gerade mit ihrem Kleid anstellte. Und auch wenn die braunen Locken des Jungen vor ihr ebenso wild von einer Seite zur anderen geworfen wurden, sah er immer noch sehr attraktiv aus.

Grace schnappte nach Luft. »Ich, ähm – dachte, ich wäre allein!«, entgegnete sie mit bemüht fester Stimme.

»Oh entschuldige!«, erwiderte der junge Mann. »Ich wollte deine Selbstgespräche nicht stören. Auch wenn du dich in deiner Annahme getäuscht hast, für immer allein zu sein. Das wollte ich nur rasch zu Protokoll bringen. Ich bin nämlich schon eine ganze Weile hinter dir!«

Grace Kopf glich nun der Farbe überreifer Himbeeren. »Verfolgst du mich etwa?«, presste sie alarmiert hervor.

»Sei nicht albern!«, entgegnete der junge Mann. »Ich bin auf dem Weg in den Hafen. Mein Vater ist Fischer und hat mich gebeten ihm heute etwas zur Hand zu gehen!«

Sie blickte zu Boden. »Es waren übrigens keine Selbstgespräche!«, murmelte sie verlegen. »Schließlich habe ich mit dem Meer geredet!«

Der junge Mann legte lächelnd den Kopf schief. »Ich weiß, das mache ich auch von Zeit zu Zeit, wenn ich mir meine Sorgen von der Seele reden möchte, ohne danach nervige Ratschläge zu bekommen. Wenn es mir darum ginge, könnte ich auch mit meiner Schwester sprechen!« Er lachte und Grace sah, wie sich dabei zwei charmante Grübchen in seine Wangen gruben. »Ich bin übrigens Stanley!«

»Grace!«, erwiderte sie und nickte ihm freundlich zu.

»Darf ich dir ein Stück weit Gesellschaft leisten?«, fragte Stanley und Grace konnte nicht anders, als ihm diese Bitte zu gewähren. Vielleicht war es, weil sie sich an ihrem Lieblingsort begegnet waren, vielleicht aber auch, weil sie wusste, dass dies der Anfang einer Geschichte war in der sie viele weitere Kapitel miteinander teilen würden.

Sam

Zierliche, neugierige Kinderfüße wühlten den körnigen Sand auf. Das Lachen der kleinen Amy vermischte sich melodisch mit dem fröhlichen Klatschen der Meereswellen. Sie hielt sich an Sams Hand fest, fühlte sich sicher an ihrer Seite, plapperte undefinierte Laute vor sich hin. Immer wieder traf ihr Blick mit den großen, dunkelbraunen Augen Sams und ihr Herz seufzte vor Glück. Es war wie ein kleiner Stich, ein leiser Schmerz, der in eine Welle der Dankbarkeit überschlug, welche sich durch ihren gesamten Körper bewegte, bis sogar ihre Zehenspitzen kribbelten. Amy hatte diese großen, dunklen Augen, in denen man sich wie in schwarzen Löchern verlieren konnte. Sie sah nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Mann in ihnen. Von ihm hatte Amy auch das dunkelbraune, gelockte Haar, das der Wind nun ungestüm um ihren Kopf tanzen ließ.

»Vogel!«, Amy zeigte aufgeregt auf einige herumstolzierende Möwen, die ihre Schnäbel durch angespülte Algen und Muscheln gruben.

»Das sind Möwen!«, erklärte Sam und ging in die Hocke, um mit ihrer Tochter das helle Gefieder der Tiere aus der Ferne zu bewundern.

»Krikrikri!«, Amy versuchte den Laut der Vögel nachzumachen.

»Krikrikri!«, fiel nun auch Sam mit ein und die beiden mussten ausgelassen lachen.

Sie hatten bereits ein kleines Kunstwerk von Fußspuren im Sand hinterlassen. Dies war ein ganz besonderer Strand. Als Kind hatte sie selbst viel Zeit hier verbracht, da ihren Eltern das weiße Haus an der Küste ganz in der Nähe gehörte. Ihre schönsten Erinnerungen spielten sich an diesem Strand ab. Ihre Mutter hatte es bereits geliebt mit ihr hierher zu kommen, also tat sie es nun auch mit ihrer Tochter. Egal wie viele Sorgen sich auf ihre Schultern drückten, hier verspürte sie automatisch einen Hauch von Erleichterung, als würden all ihre Probleme, zumindest für den Moment, mit den weißen Schaumkronen des Meeres davonrollen. In den letzten Tagen war sie mindestens drei Mal am Tag hierhergekommen. Vielleicht wollte sie von dem bedrückenden Gefühl davonrennen, das der Besuch von Amys Großeltern immer wieder bei ihr auslöste. Hier draußen schien die gewaltige Last nicht mehr so schwer und sie flüsterte ein leises Danke in den Wind, der es zu den gurgelnden Meereswellen trug, die sich hungrig darauf stürzten und es sich schließlich in den blauen Weiten verlor.

»Mama, da!«, rief Amy plötzlich und riss Sam damit aus ihren Gedanken, die wie Wolken in ihr aufgezogen waren. Amys kleine Hand zeigte auf etwas Glitzerndes. Sie riss sich los und rannte dem Gegenstand entgegen, der sich zwischen ein paar Algen im Sand verwickelt hatte.

»Warte, Amy!«, rief Sam ein wenig aufgelöst, denn ihre Tochter steuerte geradewegs auf die tosenden Wellen des Meeres zu. »Amy! Nicht so schnell!«

Die Kleine hörte nicht, eilte zielstrebig voran und hatte nur kurze Zeit später eine Glasflasche in der Hand, die im Sonnenlicht mysteriös funkelte. »Mama, schau!«, sie schwenkte die Flasche hin und her. Dabei lachte sie ausgelassen.

Sam spürte einen Stich im Herzen. Ihre Füße wurden schwer wie Blei, während sie sich durch den Sand fortbewegten. »Amy, nein!«, sagte sie. »Leg das wieder hin!«

Ein Kloß hatte sich in ihrem Hals gebildet. Sie spürte, wie es plötzlich in ihren Augenwinkeln brannte und sie die Tränen nur schwer zurückhalten konnte. »Amy!«, wiederholte sie mahnend. »Leg das wieder hin!« Sie beugte sich zu ihrer Tochter hinüber, riss ihr schon fast die kleine Flasche aus der Hand. Durch das Glas, welches vom Meer und den Algen etwas verschmutzt war konnte sie ein zusammengerolltes Pergament erkennen. Amy fing an zu weinen, unermüdlich streckte sie ihre kleinen Hände nach der Flasche aus. Doch Sam musste stark bleiben. »Nein, Amy!«, sagte sie mit ruhiger und doch fester Stimme. »Das ist nicht für dich!«

Noel

Noel hatte sich schon oft gefragt, wie Mr. Evernew das anstellte: Er lebte hier draußen an der Küste ganz alleine mit seiner Frau. Und, egal wie schlecht es ihm ging, es war ihm wichtiger, dass es ihr gut ging. Doch das Fieber war über Nacht schlimmer geworden und damit war er nun ans Bett gefesselt. Zumindest war dadurch sein Dickkopf gezähmt und er war endlich bereit Hilfe anzunehmen.

»Noel!«, hörte er ihn krächzen. »Bring sie mir aber ja heil zurück!«

Ein kleines Lächeln huschte über seine Lippen. »Aber natürlich!«, entgegnete er. »Du machst dir viel zu viele Gedanken! Wir werden einfach nur einen Spaziergang machen – so wie jeden Tag!«, Noels aufmunterndes Grinsen wurde noch breiter.

»Heute Abend möchte ich aber rausgehen! Das ist mein Ritual, das ist meine Zeit!«, beharrte Mr. Evernew und der Satz endete in einem geräuschvollen Hustenanfall.

»Wichtig ist, dass du dich jetzt erst mal für ein paar Stunden ausruhst!«, entgegnete Noel und verließ das Schlafzimmer.

Mrs. Evernew saß in einem Schaukelstuhl am Fenster, das Richtung Meer gerichtet war. Ihr Blick wanderte über die für sie stummen Wellen, die mit einem endlosen Horizont zu verschmelzen schienen.

Noel näherte sich vorsichtig, schließlich wollte er sie nicht erschrecken. »Es wird Zeit für einen Spaziergang!«, sagte er sanft, als er den Schaukelstuhl erreicht hatte. Dieser hörte schlagartig auf zu wippen. Mrs. Evernew drehte ihren Kopf zu ihm um, ihr dichtes, weißes Haar fiel in sanften Wellen über ihre Schulter.

»Na nu?«, sagte sie und musterte ihn mit ihren blauen Augen überrascht. »Wer sind Sie denn?«

»Ich bin Noel!«, er lächelte geduldig. »Und ich darf Sie heute zum Meer begleiten!«

Mrs. Evernew seufzte verträumt. »Ich liebe das Meer!«

Noel nickte. »Wer tut das nicht?« entgegnete er und streckte ihr höflich seine Hand entgegen.

Noel strahlte etwas derart Vertrauenswürdiges aus, dass sie nur ganz kurz zögerte, bevor sie seine Hand ergriff und sie schließlich gemeinsam das Haus verließen.

Die Sonne schien, doch es ging ein kühler Wind, der ihre Haare durcheinanderbrachte.

Mrs. Evernew hatte sich bei Noel untergehakt und er gab jedem ihrer Schritte Halt.

»Was für ein schöner Tag!«, murmelte Mrs. Evernew und sah sich fasziniert um. Ein leicht algiger Geruch lag in der Luft. Sie folgten einem schlangenförmigen Weg, der direkt vom Strandhaus hinabführte, gingen durch die Dünen, in denen die Gräser im Wind knisterten und erreichten dann schließlich den Strand.

Schon von Weitem sah Noel die beiden ungleichen Silhouetten, die sich jetzt rasch auf ihn zubewegten. Eine davon schien sich loszumachen und rannte ihm auf kleinen Füßen entgegen.

»Papa!«, rief Amy vergnügt. Als sie ihn erreichte, fiel sie ihm sofort um die Knie.

Mrs. Evernew war amüsiert. »Eine süße Tochter haben Sie da!«, sagte sie.

Noel nickte und fuhr Amy durch die wilden Locken. »Na mein Schatz! Jetzt hast du Mama ja ganz schön abgehängt!« Sie grinste breit und verfiel in ein ausgelassenes Lachen.

Kurze Zeit später hatte auch Sam sie erreicht.

»Hey!«, sagte sie und man konnte ihr förmlich ansehen, wie sie sich zu einem Lächeln bemühte, als sie Noel einen kleinen Kuss auf die Wange gab.

»Herrliches Wetter!«, Mrs. Evernew sah sie freundlich an.

Ein Schatten kroch über Sams Gesicht. »Absolut!«, sie senkte den Blick. Ihre Hand berührte den Unterarm von Mrs. Evernew. »Genießt es!«, waren ihre letzten Worte, bevor sie sich ihre Tochter schnappte und sich in Richtung des weißen Hauses zurückmachte.

»Sam, warte!«, rief Noel ihr hinterher. »Habt ihr sie schon gesehen?«

Sam nickte nur hastig und zeigte Richtung Wasser. »Da vorne!«, entgegnete sie und er dankte ihr stumm mit einer Kopfbewegung.

»Eine nette junge Frau! Und so ein hübsches Kind!«, murmelte Mrs. Evernew, während sich ihre Füße wieder in Bewegung setzten.

Noel begleitete sie hinunter zum Wasser und sie gingen eine Weile. Seine Augen waren dabei stets angestrengt auf den Strand gerichtet, als würde er etwas suchen. Er hatte früher Erfolg, als er dachte, denn bald erblickten auch seine Augen einen glitzernden Gegenstand, der zwischen ein paar Meeresalgen auf ihn gewartet hatte.

»Schauen Sie mal!«, rief Noel aufgeregt und hatte Mrs. Evernews Aufmerksamkeit damit sofort. »Dort vorne!«

Sie kniff ihre Augen zusammen. »Ist das – eine Flaschenpost?«

Er beeilte sich dorthin zu kommen, zog die Flasche aus den Algen und überreichte sie dann Mrs. Evernew. »Es sieht ganz so aus!«

»Oh! Wie faszinierend!«, seufzte Mrs. Evernew. Ihre runzeligen Hände lösten vorsichtig den Korken, dann bemühte sie sich darum, das zusammengerollte Pergament herauszubekommen, das kurz darauf durch den Flaschenhalt in ihre Finger rutschte. Sie entrollte es und fing an zu lesen: Liebste Grace…

Stanley

Seit Stanley ein kleiner Junge war hatte er beschlossen, an das Unmögliche zu glauben, und dieser Glaube sollte sein ganzes Leben lang wie das olympische Feuer in seinem Herzen brennen. Nicht selten hatte er sich deshalb schon anhören dürfen, dass er ein bisschen verrückt war. Doch er fand, dass ihm dieser leichte Wahnsinn schon immer überaus gut gestanden hatte. Stanley wusste, dass wenn er die Wahl hätte, würde er sich lieber dafür entscheiden an das zu glauben, was er sich wünschte und nicht an das, was er sich nicht wünschte. Er war sich absolut sicher, dass ihn genau diese Einstellung dazu befähigt hatte, Grace, die Liebe seines Lebens, an jenem milden Sommertag vor fünfzig Jahren am Meer anzusprechen. Er sah es so klar vor sich, als wäre es gestern gewesen: Wie der Wind ihre goldenen Haare durcheinanderwirbelte und einen Duft von Rosenparfum zu ihm hinübertrug. Er war sich immer noch sicher, niemals einer schöneren Frau begegnet zu sein, und er konnte das Glück kaum fassen, dass er sie nicht einmal ein Jahr später zum Traualtar führen sollte. Er, der einfache Fischerjunge, sie, die wunderschöne, kultivierte Frau, von der einige junge Männer im Dorf Nacht für Nacht träumten. Doch sie hatte ihn gewählt und über dieses Glück würde er sich bis zu seinem letzten Atemzug freuen können.

Sie hatten ein wundervolles Leben gehabt, voller Vertrautheit und Nähe und voller wunderschöner Augenblicke, die sie in ihren Herzen eingefangen hatten. Doch das Alter hatte seit zwei Jahren damit begonnen, an Graces` Gedächtnis zu nagen, wie als würde Gottes Zeigefinger nach und nach jede Erinnerung aus ihrem Gedächtnis kratzen. Trotzdem: Er glaubte weiterhin an das Unmögliche. Er glaubte daran, dass sie sich wieder erinnern würde. Dieser Glaube ließ ihn, wie jeden Abend, aus dem Haus gehen, auch wenn es ihm heute schwerer fiel, wie sonst. Eine schwere Sommergrippe hatte ihn heimgesucht, doch dieses Ritual ließ er sich trotzdem nicht nehmen. Jeden Abend nahm er einen der vielen Briefe, die er und Grace sich in den Jahren geschrieben hatten, rollte ihn sorgsam zusammen, packte ihn in eine Glasflasche, verschloss sie sorgfältig und wanderte dann damit an jene Stelle an der anderen Seite der Küste, von der er wusste, dass sie die geheime Post spätestens am Nachmittag des Folgetages zu ihrem Strand geschwemmt haben würde, wo Grace sie dann immer und immer wieder finden … und sich vielleicht sogar eines Tages wieder erinnern würde. Erinnern an das Glück, das sie geteilt hatten, die vielen Stunden der Zweisamkeit, die Geburt ihrer Tochter Samantha, ihre Hochzeit mit Noel und ihre zuckersüße Enkeltochter Amy.

Seine Beine waren wackelig, als er an diesem Abend den Strand hinaufging. Die Flasche in der Hand, die Noel ihm nach seinem Spaziergang mit Grace übergeben hatte. Den Brief hatte er dieses Mal nicht ausgetauscht. Es waren seine Lieblingszeilen, die allerersten, die er jemals an seine Grace gerichtet hatte, und deshalb hatten sie einen ganz besonderen Zauber für ihn, den er nicht so einfach loslassen wollte.

»Morgen dann!«, seufzte er, als er die Flaschenpost dem Meer überließ. »Morgen wirst du dich erinnern meine Liebe, meine süße Grace!« Und dann, während er der geheimnisvollen Post zusah, wie sie von der murmelnden Strömung davongetragen wurde, gab er ihren Inhalt wie ein Gedicht wieder.

»Liebste Grace, heute ist ein ganz besonderer Tag. Denn zum allerersten Mal hast du nicht einfach nur durch mich hindurchgesehen, sondern wir haben uns richtig unterhalten. All das wäre nicht passiert, hätte ich nicht den Mut gehabt an das Unmögliche zu glauben, und wäre ich nicht dem Impuls gefolgt, dich endlich anzusprechen. Anders wie ich, bist du mir tatsächlich nicht fremd, denn bereits seit Monaten ruhen meine bewundernden Blicke auf dir, wenn du auf dem Markt Blumen kaufst oder am Pier den Möwen beim Zanken zusiehst. Doch ich wusste immer schon, dass der Tag kommen wird, an dem ich zum allerersten Mal ungestört mit dir sprechen kann. Das Meer hat uns zusammengebracht. Und ich glaube, das wird es immer wieder tun. Deshalb möchte ich dich fragen, ob wir uns noch heute Nachmittag zu einer kleinen Promenade verabreden möchten? Selbstverständlich werde ich dich abholen. In deinem Elternhaus – dem weißen Haus direkt am Meer, das die meisten Jungs nur aus der Ferne mit sehnsuchtsvollem Blick betrachten. Doch ich möchte es wagen und aus dem Traum in meinem Kopf, direkt in die Realität treten – und ich hoffe sehr, dass du auf der anderen Seite auf mich wartest.

Hochachtungsvoll, Dein Stanley Evernew.«

Seine Lippen bewegten sich nicht mehr. Sie hielten inne, hatten sich zu einem melancholischen Lächeln verzogen. Er stand noch eine Weile, beobachtete, wie die Flasche immer kleiner und kleiner wurde und sich schließlich gänzlich im Schimmer des Abendrots verlor. Doch Stanleys Glaube blieb.

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Sound of Summervon Marie Enters

2020

Seit Tagen dauert das herrliche Sommerwetter an. Es kommt mir so unpassend vor, der blanke Hohn. Vielleicht lacht die Sonne uns wegen des törichten Streits aus, bei dem ein böses Wort das andere ergab, bis alles eskalierte. Anstatt uns wie sonst nach Reibereien bald wieder zu vertragen, stellen Tom und ich schon über drei Monate das gemeinsame Leben auf den Prüfstand. Inzwischen ist Juli, nächste Woche beginnt unser Urlaub und übernächste Woche werde ich fünfzig. Anfang März hatten wir überlegt, nicht groß zu feiern, sondern meinen Geburtstag ganz idyllisch am Meer in Südfrankreich zu verbringen. Aber dann kam der April und mit ihm unsere Sinnkrise, weswegen wir immer noch keine Ferienwohnung gebucht haben. Doch unabhängig davon würde die Reise ohnehin nicht stattfinden. Denn heute hat Tom von Trennung gesprochen. »Auf Zeit, Sunny«, hat er mit einer rauen Stimme gesagt, die fremd klang. »Abstand gewinnen. Es kann so nicht weitergehen mit uns.« Ich habe mich reflexhaft abgewandt, wortlos, bis ins Mark getroffen, mich ins Schlafzimmer zurückgezogen und die Tür abgeschlossen. Dort sitze ich nun auf der Bettkante. Ich glaube, was am meisten wehtut, ist die Erkenntnis, dass er recht hat. So kann es wirklich nicht weitergehen. Dabei war es für uns beide doch die große Liebe. Seit 1988 sind wir zusammen. Haben wir wirklich nach so vielen glücklichen Jahren aufgehört, uns zu lieben?

***

1988

Der erste Sommer mit Tom. Ich erinnere mich klar und deutlich. In dem Moment, als ich ihn in der Scheune zusammen mit drei anderen Typen am Tresen stehen sah, lief Big Love von Fleetwood Mac. Es war eine warme Nacht Ende Juni, in der ich um kurz vor eins und damit eine Stunde später als versprochen nach Hause kam. Den Sound des Abends im Ohr und hellwach schrieb ich in eine rote Kladde: Heute bin ich meiner großen Liebe begegnet. In Klammern fügte ich hinzu: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Seinen Namen wusste ich noch nicht, doch eine Woche später notierte ich: Der süße Blonde heißt Tom. Nach diesen ersten Sätzen, die ich mit Füller in Schönschrift verfasste, führte ich den ganzen Sommer Tagebuch. Leider ist es verschollen, ich weiß nicht, wo, wann und wie.

Ich war fast achtzehn und hatte mich gerade erst von der Enttäuschung mit Jo erholt, einem hageren, dunkelgelockten Architekturstudenten, den ich im Frühjahr jeden Freitag in der Lounge des Beat Clubs traf. Meine beste Freundin Anne kapierte nicht, was ich an ihm fand und hielt ihn für total überheblich, aber ich himmelte ihn an. Wir unterhielten uns stundenlang über Gott und die Welt, wenn wir zusammensaßen. Aus Reden ergab sich Flirten, aus Flirten Händchenhalten, schließlich küssten wir uns. Und dabei blieb es, denn als ich begann, mir sehr viel mehr zu erhoffen, rückte Jo damit heraus, er habe sich in eine andere verliebt. Wochenlang gab ich mich nach diesem Ende ohne Anfang meinem bittersüßen, weltumfassenden Kummer hin. Ich grub das Album The Queen Is Dead von The Smiths wieder aus und tat damit alles, um den Schmerz zu konservieren. Erst kurz vor Beginn der Sommerferien war ich The Smiths und der Schwermut überdrüssig. Nur zu gern ließ ich mich von Anne motivieren, zur Premiere der Scheunenpartys im Nachbardorf zu fahren. An jenem Abend sah ich Tom in der zur Partylocation umgebauten Scheune zum ersten Mal und war im selben Moment endgültig über Jo hinweg. Just lookin’ out for love, big big love, uuh ahh sang Lindsay Buckingham von Fleetwood Mac, und mir schoss ein Kribbeln durch Kopf und Körper. Wow, ein toller Typ! Er haute mich total um. Unauffällig beobachtete ich ihn. Oder vielmehr bildete ich mir ein, es unauffällig zu tun, aber als ich einmal ganz »unauffällig« an ihm vorbeischlenderte, um etwas zu trinken zu holen, lächelte er mich an und zwinkerte mir zu. Ich wollte auf der Stelle vor Scham im Boden versinken, denn ich interpretierte sein Anlächeln eher als Auslachen. Bestimmt war mein Interesse an ihm doch zu offensichtlich gewesen.

Kurz darauf verließ ich die Party. Seither hab ich mich oft gefragt, wie ich darauf kam, nach dieser allerersten flüchtigen Begegnung schon von großer Liebe zu schreiben. Es war vielleicht eine Mischung aus Wunschdenken und Intuition. Am folgenden Wochenende zog es mich jedenfalls wieder zur Scheune und er war wie sehnlichst erhofft auch da. Ich trug meine engsten Jeans, ein luftiges weißes Top und hohe Stiefeletten. Diesmal war ich diejenige, die sich beobachtet fühlte. Immer wieder schaute er demonstrativ in meine Richtung, über eine Stunde lang. Ich war nervös, erwartete, dass er mich ansprechen würde und bezweifelte es gleichzeitig. Dann hockte er sich unvermittelt neben mich auf einen Strohballen und begann wie selbstverständlich, sich mit mir zu unterhalten.

»Na, auch wieder da?«, fragte er. Nach ein bisschen Small Talk stellte er sich als Tom vor und wollte wissen, wie ich heiße. »In meinem Ausweis steht Sandra, aber nenn mich Sunny.« Er wiederholte meinen Namen. »Sunny. Gefällt mir, das passt zu dir.« Ich erfuhr, dass er zwanzig war, als Zivi im Krankenhaus jobbte und danach Garten- und Landschaftsbau studieren wollte. Seinen Eltern gehörte ein ehemaliges Rittergut. Die Burg war um das Jahr 1700 zerstört worden, nur die Nebengebäude standen noch. Eines davon bewohnte Tom mit seinen Freunden Ferdi, Martin und Chris. Als Gegenleistung halfen er und seine WG-Genossen sporadisch bei den Arbeiten auf dem Areal, das Toms Vater zu einem kleinen Freizeitpark mit Abenteuerspielplatz ausbauen wollte. Ich konnte mein Glück kaum fassen, dass dieser Wahnsinnstyp mich angesprochen hatte. Heute weiß ich, dass Tom damals ein bisschen so aussah, wie Brad Pitt Jahre später als Tristan im Film »Legenden der Leidenschaft« aussehen würde. Aber damals kannte kaum jemand Brad Pitt. Tom hatte auffallend blaue Augen und eine helle, schulterlange Mähne. Er band sich die Haare entweder locker mit einem Gummi zusammen oder klemmte sie sich hinter die Ohren. Immer lösten sich einzelne sonnenblonde Strähnen, die ihm dann dekorativ ins Gesicht fielen. Doch wegen seiner Größe und der athletischen Figur wirkte er trotz der langen Haare alles andere als mädchenhaft. Er fuhr einen alten Renault, trug Wrangler und karierte Flanellhemden, kiffte und spielte Keyboard in einer Band. Später am Abend erzählte er, sein WG- und Band-Kumpan Chris hätte am Donnerstag Geburtstag und wolle es so richtig krachen lassen. »Ich warne dich, Sunny, das wird ein ziemliches Gelage. Hast du trotzdem Lust zu kommen?« Welch eine Frage! Ich sagte sofort zu. Allerdings musste ich mir etwas einfallen lassen, um meine Teilnahme an dem »Gelage« zu Hause zu verheimlichen. Doch das gestaltete sich einfach, denn vor der Digitalisierung der Welt, ohne Internet, ohne Smartphone, ohne Facebook und ohne WhatsApp-Gruppen, war die elterliche Kontrolle im Vergleich zu heute recht lückenhaft. Ich erzählte zu Hause einfach, ich würde bei Anne übernachten, und weihte Anne in den Plan ein, die Nacht bei Tom durchzufeiern.

***

2020

Ein leises Klopfen, auf das ich nicht reagiere, weil ich es kaum wahrnehme. Ich sitze nach wie vor auf der Bettkante, aber geistig befinde ich mich Jahrzehnte entfernt von der frustrierenden Realität. Tom sagt durch die geschlossene Tür: »Sunny, lass uns bitte wie zwei vernünftige Menschen miteinander reden. Ich wünsche mir doch auch, dass es anders wäre.« Von mir kommt keine Antwort. Er drückt die Klinke herunter, dann bleibt er stehen und wartet. Eine Weile später höre ich seine Schritte auf dem Flur und kurz darauf Musik aus dem Wohnzimmer. Noch bevor ich das Stück erkennen kann, ist es wieder still, er hat von den Lautsprechern auf Kopfhörer gewechselt. Sein neues Soundsystem war der Auslöser unseres Streits. Ich fand es erstens zu teuer und zweitens völlig überdimensioniert für unser Wohnzimmer. »Man könnte einen Festsaal damit beschallen. Und die Musik, die du hörst, wird lauter auch nicht besser«, so mein spontaner Kommentar. Er explodierte: »Spießig bist du geworden, an allem musst du mir die Freude verderben!« Ich keifte zurück: »Du bist hier doch wohl der Spießer, der bei den Hits der 80er-Jahre stehen geblieben ist, ich habe mich weiterentwickelt! Nicht nur musikalisch.« Kurz darauf hat er sich High-End-Kopfhörer zugelegt. »Jetzt bist du hoffentlich zufrieden«, sagte er, verschanzte sich von nun an hinter seinen für mich ausgeblendeten Klängen und war kaum mehr ansprechbar. Ich lenkte nicht ein, weil auch ich mich gekränkt fühlte. Wir stritten nicht mehr, aber sprachen auch nur das Nötigste miteinander. Allmählich beginnt mir bewusst zu werden, dass es im Grunde nie um teure Boxen und laute oder falsche Musik ging. Es steckte etwas anderes dahinter. Vielleicht sind wir so dünnhäutig, weil uns der Auszug unserer Tochter bewusst gemacht hat, dass wir in die Jahre gekommen sind. Es scheinen nicht die besten zu werden. Traurig lasse ich mich zurücksinken, strecke mich lang auf der Bettdecke aus, schließe die Augen und bin schnell wieder dort, wo ich war, bevor er angeklopft hat.

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1988

Wie sehr ich auf den Donnerstag hinfieberte! Am frühen Abend sah ich zum ersten Mal das ritterliche Anwesen. Es glich bei näherer Betrachtung eher einem Bauernhof. Das fand ich etwas enttäuschend, aber dann nahm ich ohnehin nichts anderes mehr wahr als Tom – und das nach einem Joint und reichlich Asbach, den mir irgendjemand in die Cola kippte, sehr verschwommen. Es dauerte kaum zwei Stunden, bis ich mich ins Bad schleppte, mehrmals übergab und danach sterbenselend in die leere Badewanne sank, um meinen Rausch auszuschlafen. Dort fand Tom mich, hob mich heraus und bettete mich auf eine der Matratzen, die überall in der Wohnung für Partygäste verteilt worden waren. Er holte ein Kopfkissen und deckte mich fürsorglich zu. Gegen Mitternacht kam ich wieder zu Bewusstsein und zog mit Tom in sein Zimmer und in sein Bett um. Meine Erinnerung an diese Nacht ist bis heute unscharf. Tom schwor tags darauf jedoch hoch und heilig, es sei nichts geschehen. »Keine Sorge, ich habe die Situation nicht ausgenutzt. Dich im trunkenen Zustand zu überrumpeln, das wäre kein schönes erstes Mal für uns gewesen.« Er sah wie das blühende Leben aus, brachte Tee und Cornflakes mit gezuckerter Milch ans Bett und küsste mich. »Wie lange bist du denn schon wach?«, wollte ich wissen. »Seit halb sieben«, sagte er. »Ich habe Chris zur Arbeit gefahren. Er darf sich keinen Fehltag mehr erlauben. Ich fürchte aber, mit seinem Restalkoholpegel schicken sie ihn eh wieder fort.« Ich würgte meine Cornflakes hastig hinunter, dann verließ ich das Bett und zog mich so schnell wie möglich an. Die meisten Matratzen im Wohnbereich waren inzwischen leer, nur auf einigen lagen komatös vereinzelte Partyleichen. Ich musste zur Schule, sonst würde es Ärger geben. Vor den Zeugniskonferenzen durfte ich mir auch keine Fehlstunde mehr erlauben. Tom spielte den Chauffeur für Ferdi, Martin und mich. Die beiden setzte er am Bahnhof ab, wo sie so eben noch den Zug zur Uni in der Nachbarstadt erwischten. Anschließend hielt er am Parkplatz neben dem Schulzentrum und verabschiedete sich mit einem Kuss und »Bis gleich!« von mir. Er hatte frei und wollte in einem Café in der Nähe bis Schulschluss auf mich warten. Knapp vor dem Mathelehrer betrat ich den Kursraum. Eine zähe Doppelstunde musste überstanden werden, schal und spröde wie ein ausgetrocknetes Stück Kaugummi. Anne raunte mir beruhigend zu, es sei alles gut gegangen, kein Anruf von meiner Mutter. Kurze Pause, Englisch, danach hielt ich es nicht mehr aus. Ich meldete mich krank, was man, so blass und übernächtigt, wie ich aussah, nicht anzweifelte, und eilte zum Café. Fast befürchtete ich, die Nacht, den Morgen und die Verabredung mit Tom geträumt zu haben, aber da saß er! In einem der altmodischen Ohrensessel, Zeitung lesend. Bevor ich ihn erreichte, schaute er kurz hoch und bemerkte mich. Sofort sprang er auf, um mir ein paar Schritte entgegen zu gehen. Dann zog er mich in seine Arme. »Schon Schluss?«, fragte er erstaunt. »Nein, ich habe mich krankgemeldet. Ich bin krank vor Sehnsucht nach dir, siehst du das nicht?« Tom umfasste mein Gesicht mit beiden Händen, musterte mich mit übertrieben forschendem Blick und sagte dann im Tonfall eines besorgten Mediziners: »Sunny, du gehörst unbedingt ins Bett. Am besten in mein Bett.« Uns blieben noch ungefähr zweieinhalb Stunden, bis ich mich zu Hause blicken lassen musste, Zeit genug, noch einmal zu ihm zu fahren. Doch kaum saß ich im Auto, überkam mich eine bleierne Müdigkeit, und ihm ging es ähnlich. Am Hof angelangt, bahnten wir uns eine Schneise durch die verwüstete, nach vollen Aschenbechern stinkende Wohnung auf sein Bett im Nebenraum. Mir war übel vor Erschöpfung. Er stellte den Wecker und kaum hatten wir uns hingelegt, schliefen wir Arm in Arm ein. Das Erwachen eine Stunde später war grauenhaft. Ich fühlte mich jetzt wirklich krank. Zu Hause wankte ich fiebrig und außerstande, mich länger auf den Beinen zu halten, sofort in mein Zimmer. Ich fiel in einen tiefen Schlaf, aus dem ich am späten Nachmittag erwachte und Seite um Seite meines Tagebuchs füllte. Zwischendurch telefonierte ich mit Tom, und als er hörte, dass ich wieder fit war, verabredeten wir uns für später im Beat Club. Wie sich herausstellte, war auch Jo da und saß auf dem üblichen Lounge-Sofa. Jos Gesichtsausdruck, als Tom und ich uns mit einem endlos langen, leidenschaftlichen Kuss begrüßten, bereitete mir eine kleine Genugtuung. Kurz bevor wir uns gegen Mitternacht verabschiedeten, kündigte Tom an, dass er am Samstagnachmittag sturmfreie Bude hätte. »Besuchst du mich? Wir wären allein, die Jungs kommen erst zum Fußballgucken am Abend zurück.« Er sah mich erwartungsvoll an. »Ist das etwa ein unmoralisches Angebot?«, fragte ich, woraufhin er in gespielter Empörung den Kopf schüttelte und dann grinsend hinzufügte: »Nicht unmoralisch, aber romantisch.«

Unser romantischer Nachmittag begann damit, dass ich ein paar Minuten zu früh dran war und Tom beim Wohnungsputz störte. Zwei Border Collies dösten auf dem Hof in der Sonne und nahmen keine Notiz von mir. Da die Tür offenstand, ging ich einfach an ihnen vorbei hinein. Tom hantierte mit dem Staubsauger herum, das Ding machte einen Höllenlärm, parallel dröhnte Land of Confusion von Genesis aus den riesigen Boxen. Durch den ohrenbetäubend lauten Staubsauger-Genesis-Soundmix hatte er mich nicht kommen hören. »Oh nein, jetzt ist die Überraschung dahin! Ich wollte dir einen schönen, aufgeräumten Empfang bereiten«, jammerte Tom, als ich mich bemerkbar gemacht hatte. Aber ich versicherte ihm, er hätte super Arbeit geleistet. Und das stimmte, die Spuren des Gelages waren komplett beseitigt. Tom schlug vor, mir das ganze Gut zu zeigen. Die Hofhunde begleiteten uns bei schönstem Sommersonnenschein über das weitläufige Grundstück hinter dem Anwesen zu einer uralten, verwitterten Holzbank, die im Schatten einer mächtigen Eiche stand. Wir setzten uns, er legte den Arm um meine Schulter und zog mich näher an sich heran. Eine Weile saßen wir einfach nur still nebeneinander, die Hunde zu unseren Füßen, und ich genoss die Schönheit dieses Moments. Dann sagte Tom: »Dies ist für mich ein magischer Platz. Früher hat hier bestimmt so mancher Ritter ein heimliches Stelldichein mit seiner holden Maid gehabt.« Ich betrachtete sein Profil und mein Herz drohte zu zerbersten vor Glück. Es war nicht nur ein magischer Ort, es war auch ein absolut magischer Augenblick. »Also entführst du wohl auch alle deine holden Maiden hierher?«, neckte ich ihn dann, aber er hob drei Finger und sagte: »Ob du es glaubst oder nicht, ich habe noch mit keinem einzigen Mädchen auf dieser Bank gesessen. Das kann ich beschwören. Es war bis heute mein geheimer Rückzugsort, wenn mir ein Songtext im Kopf herumschwirrt.«

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2020

Ruckartig richte ich mich auf. Sein Songtext. Der Probenabend. Das Demotape! So lange habe ich nicht mehr daran gedacht, jetzt erinnere ich mich wieder. Wenn es nicht bei einem unserer Umzüge verloren gegangen ist, könnte es noch irgendwo im Keller sein. Ich muss es finden. Close together – no distance between me and you, das hat Tom vor 32 Jahren geschrieben. Das ist es! Wir brauchen keinen Abstand, wir brauchen wieder mehr Nähe. Ich beschließe, sofort in den Keller zu gehen. Dort wühle ich mich konzentriert durch mehrere Kisten mit uraltem Technikkram. Wir haben unfassbar viel aufgehoben, auch jede Menge Kassetten, aber nicht die, die ich suche. In der untersten Kiste stoße ich dann auf etwas, mit dem ich niemals gerechnet hätte: kein Demotape – aber mein Tagebuch. Es liegt unter einem Wirrwarr von Kabeln und Steckern. Wie ist es da nur hineingeraten? Nach Jahrzehnten blättere ich wieder in der roten Kladde und suche den Eintrag von dem Abend, als ich Sound of Summer zum ersten Mal hörte.

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1988

Sound of Summer, so hieß Toms Band. Ihre Musik war fast schon Retro für Ende der Achtziger. Einige Stücke erinnerten mich an die frühen Alben von The Cure. Lukas, der Sänger, hatte eine Wahnsinnsstimme, sah toll aus und sprühte vor positiver Energie. Bei Auftritten gab er die Rampensau und die Mädels fuhren total auf ihn ab. Ich lernte Lukas später am selben Nachmittag kennen, als er vorbeikam, um Fußball zu gucken. Damit war die Truppe vollzählig versammelt, denn alle anderen Bandmitglieder wohnten auf dem Gehöft. Ich denke kurz über die Besetzung nach, dann habe ich es: Martin am Bass, Chris an der E-Gitarre, Ferdi am Schlagzeug und Tom am Keyboard. In der Halbzeit des Spiels schlug Ferdi eine spontane Session am Abend vor. Die Idee kam gut an, alle hatten Bock und wir gingen in den Proberaum. Zuerst spielten sie ein paar Coversongs und Lieder aus ihrem Repertoire, danach probten sie ein neues, langsames Stück mit dem Titel No Distance. Tom gab Lukas ein Blatt mit seinem Songtext. »As long as you’re with me the sky is ocean blue … so close together … no distance between me and you … ist das dein Ernst? Du musst tierisch breit gewesen sein Sunnyboy«, feixte Lukas. »Sunnyboy« wurde sein Running Gag des Abends. Sie probten das Stück mehrere Male. Am Schluss passte alles perfekt – die Instrumente, das Timing und Lukas’ Gesangspart. Nach der Probe brachte Tom mich nach Hause. Wir blieben eine Weile im Auto sitzen und er drückte mir eine Kassette in die Hand. Sie war unbeschriftet. »Was ist das?«, fragte ich und er sagte: »Hab ich eben für dich aufgenommen. Ist jetzt dein Demotape.« Mit einem kleinen Freudenschrei umarmte ich ihn und bedankte mich. Tom schien noch etwas sagen zu wollen, zögerte aber, bis er schließlich damit herausrückte. »Sunny, nächste Woche beginnen die Ferien. Wirst du dann wieder über Nacht bei mir bleiben?« Kurze Pause. »Und mit mir schlafen?« Ich nickte, bevor ich in einem Anfall von Mut gestand: »Aber ich habe noch nie … also noch nie richtig … ach, du weißt schon.« Er sah mich überrascht an, strich mir das Haar aus der Stirn und bedeckte dann jeden Zentimeter meines Gesichts mit hingehauchten kleinen Küssen. Zwischendrin flüsterte er ganz dicht an meinem Ohr: »Dann bin ich noch tausendmal mehr froh, dass es nicht schon bei der Party passiert ist. Wir werden vorher auf keinen Fall etwas rauchen oder trinken. Jedenfalls nichts, was die Sinne benebelt und dazu führen könnte, dass du es später bereust.« Wie sehr ich ihn liebte, in diesem Moment und in den Abermillionen Momenten danach. »Nächsten Freitag?«, schlug ich vor, und damit war es abgemacht.

Was wir nicht bedacht hatten, war das miese öffentliche Verkehrsnetz. Es gab keine direkte Verbindung zu dem 30 km entfernten Ort, in dem er wohnte. Ich musste erst von meinem Dorf aus mit dem Bus in die Stadt fahren und am Busbahnhof umsteigen. Dort kam ich am Freitag auch rechtzeitig an, aber der Bus, den ich nehmen wollte, war ersatzlos ausgefallen. Es wäre der letzte an diesem Tag gewesen. Handys besaßen wir damals noch nicht, darum machte ich mich frustriert auf den Heimweg, um Tom anzurufen. Doch er kam mir zuvor, kaum war ich zu Hause, schellte schon das Telefon. Ich erzählte, was Sache war, woraufhin er fluchte: »Verdammt, wenn ich das doch nur eine halbe Stunde früher gewusst hätte, dann hätte ich dich abholen können. Jetzt geht das nicht mehr, ich hab vorhin das Auto Chris geliehen. Der kommt wahrscheinlich erst morgen früh zurück.« Wir telefonierten noch lange und verschoben schließlich unser Treffen auf den nächsten Tag. Den Rest des Abends verbrachte ich in meinem Zimmer auf dem Bett und tröstete mich mit der Musik von Sound of Summer. Mit geschlossenen Augen träumte ich vor mich hin, und während ich mich in Erinnerungen an Toms Küsse und Berührungen verlor, schob ich langsam mein Top hoch. Ich umschloss meine Brüste mit beiden Händen und stellte mir vor, es seien seine Hände, die mich streichelten, seine Finger, die jeden geheimen Winkel meines Körpers erforschten. Die Sehnsucht nach ihm wuchs in dieser einsamen Nacht ins Unermessliche.

Diesmal gingen wir kein Risiko ein, Tom holte mich ab. »Gestern wären wir ungestört gewesen, aber samstags kommen immer eine Menge Leute vorbei«, sagte er bedauernd. So war es dann auch, ein ständiges Kommen und Gehen in der WG. Erst am Abend leerte es sich. Nur Ferdi blieb zu Hause, verzog sich aber direkt, um für eine Klausur zu lernen. Ich erinnere mich genau an die freudige Aufregung, als Tom die Tür zu seinem Zimmer öffnete und wir hineingingen. Mein Herz raste nicht nur, es stolperte. Ein Gefühl, als würde es immer kurz aussetzen und dann die Schläge in doppelter Geschwindigkeit nachholen. Draußen war es noch ziemlich hell. Tom ließ die Rollos so weit herab, dass kaum Licht durchdrang. Dann zündete er Kerzen an, die in Flaschen auf der Fensterbank standen, und ließ leise Musik im Hintergrund laufen, etwas Ruhiges, das ich nicht kannte. Ich saß etwas verkrampft auf der Couch, wusste nicht wohin mit mir, meiner Nervosität und der seltsamen Mischung aus Angst und Verlangen. Aber Tom wusste, was er tun musste, damit ich mich entspannte. Er setzte sich zu mir und ließ es ganz langsam angehen, mit zärtlichen Küssen, Streicheln und all den vertrauten Dingen. Dabei begann er mich auszuziehen, spielerisch. Erst die Sandalen, gefolgt vom T-Shirt. Danach die Shorts. Der BH. Mein Höschen. Nacheinander erkundete er mit seinen Lippen und Fingern die Stellen meines Körpers, die sich ihm darboten. Seine wachsende Erregung bewirkte, dass ich mich schön und begehrenswert fühlte – und dass ich ihn genauso sehen und berühren wollte, wie er mich. Seinen nackten Oberkörper zu streicheln, reichte nicht, ich wollte mehr von ihm, war bereit für mein erstes Mal. Erst als wir beide schwer atmeten und so erhitzt waren, dass unsere Haut glühte, siedelten wir auf das Bett um. Dank Toms Geduld und Feingefühl konnte ich es genießen, als er behutsam in mich eindrang. Oft hatte ich fantasiert, wie es wohl sein würde, aber nun geschah es. Und es war anders. Unmöglich, es sich vorzustellen, man muss es erleben, mit dem Richtigen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Kein Schmerz, nur Lust. Ausgefüllt von ihm. Ein sich im Einklang steigernder Rhythmus. Die Wellen erst wild und hoch, dann abebbend, sanft vergehend bis zur völligen Ruhe. Wir glitten erst auseinander, als es rein anatomisch von selbst geschah. Verschwitzt, klebrig, das Laken nass von Schweiß und unseren Körperflüssigkeiten, streckten wir uns lang aus. Jetzt erst bemerkten wir, wie stickig es im Raum war. Tom riss das Fenster auf und legte sich dann wieder zu mir. Der leichte Luftzug tat gut, obwohl er kaum Abkühlung brachte. Draußen war es immer noch sehr warm. Wir sagten uns nicht die üblichen Dinge. Kein Wort darüber, wie schön es gewesen war und wie glücklich wir waren. Unnötig, das auszusprechen, da wir es doch beide dachten und uns sicher waren, die Gedanken des anderen zu kennen.

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2020

»Sunny! Was machst du hier?« In den vergangenen Monaten habe ich kein einziges Mal geweint, ich war innerlich wie versteinert. Jetzt, als Tom so unverhofft den Kellerraum betritt, strömen die Tränen, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Als er mein Schluchzen hört, kommt er näher, bis er mich inmitten des Chaos aus aufgerissenen Kartons auf einem Stapel aus Kisten hocken sieht, das rote Tagebuch in den Händen. »Rück mal ein Stück«, sagt er. Ich mache ihm eine schmale Fläche frei, er setzt sich, legt den Arm um mich, und die Wärme, die von seinem Körper ausgeht, macht mir schlagartig bewusst, wie kalt es hier unten ist. »Ach Sunny, Sunny, es tut mir so leid.« Er versucht, mich an sich zu ziehen, verlagert dabei sein Gewicht und plötzlich gibt der wackelige Kistenturm nach. Im nächsten Moment finden wir uns auf den Bodenfliesen wieder. »Da liegen wir nun auf dem harten Boden der Tatsachen«, sagt Tom, und dann prusten wir lauthals los. Es ist ein befreiendes Lachen, eines, das Steine vom Herzen wegrollen kann. Nachdem wir uns aufgerichtet und den Staub abgeklopft haben, bleiben wir aneinander gelehnt auf dem Boden sitzen und ich beantworte seine Frage, was ich hier mache. »Ich habe an unseren ersten Sommer gedacht. Da fiel mir der Song ein, den du für mich geschrieben hast. No Distance, weißt du noch? Ich war mir sicher, dass die Kassette mit der Demoaufnahme noch irgendwo im Keller ist. Aber bisher habe ich sie nicht gefunden. Dafür lag das Tagebuch hier herum. Verrückt, oder?« Er nickt und sagt: »Was ich dir jetzt erzähle, ist aber mindestens genauso verrückt.«

Bevor er weiterspricht, schaut er mich lange an, und ich wünschte, ich würde wissen, ob ihm gefällt, was er sieht. Erkennt er in mir noch das hübsche Mädchen von früher? Ich sehe einen Mann, der nicht mehr jung ist, aber immer noch attraktiv. Zweifellos gehört er zu den Männern, die mit ein paar Falten und grauen Schläfen noch interessanter werden. Von seiner Mähne hat er sich längst getrennt, aber er hat immer noch volles Haar, modisch kurz geschnitten. Auf einmal huscht ein kleines, spitzbübisches Grinsen über sein Gesicht. In diesem Moment ist er doch wieder der junge Tom, und als er dann redet, verstehe ich endlich, warum meine Kritik an seiner neuen HiFi-Anlage und seinem Musikgeschmack eine solche Kettenreaktion ausgelöst hat. »Du brauchst nicht mehr weitersuchen, das Tape ist oben. Ich habe mir mit der Anlage auch Software zum Digitalisieren gekauft. Es sollte eine Geburtstagsüberraschung für dich werden. In der Hoffnung, wir würden beide daran Spaß haben und könnten in alten Zeiten schwelgen.« Er räuspert sich. »Ich hatte sogar im Frühjahr Chris und die anderen deswegen kontaktiert.«

Das Weitersprechen fällt ihm schwer, und ich weiß warum. 1991 ist Lukas, der aus allen Songs etwas Besonderes gemacht hat, bei einem Unfall in Toms Renault ums Leben gekommen. Chris saß betrunken am Steuer, Lukas auf dem Beifahrersitz. Aber Chris hatte sich angeschnallt, Lukas nicht. Tom machte sich schreckliche Vorwürfe, weil er Chris das Auto geliehen hatte. Er konnte weder sich noch ihm verzeihen. Darüber zerbrach erst ihre Freundschaft, dann löste sich die Band auf und zuletzt auch die WG. Im Jahr darauf verkaufte Toms Vater das Grundstück mit dem alten Gebäudebestand, weil keine Baugenehmigung erteilt wurde. Es waren schwere Jahre für Tom, die ihn und mich noch enger zusammenschweißten. Ich streiche ihm über die Wange. »Tom, es tut mir so leid, dass ich nichts Besseres zu tun hatte, als an allem rumzunörgeln. Meinst du, ich kann es wiedergutmachen?« Tom nickt und zieht mich auf seinen Schoß. Sein Kuss schmeckt herrlich süß und vertraut. »Hat Chris geantwortet?«, will ich dann wissen. »Ja, hat er. Er wird bald Opa! Mit Ferdi trifft er sich ziemlich regelmäßig. Die beiden wohnen noch in der Gegend und spielen sogar noch, in keiner festen Band, aber mal hier mal da. Ferdi hat jedenfalls noch einen Raum für sein Schlagzeug. Martin ist nach Hamburg gezogen.« Ich kann mir Chris nicht als Opa vorstellen. Als ich ihn zuletzt gesehen habe, war er Mitte zwanzig. Aber natürlich, rein biologisch könnten wir ja alle schon Großeltern sein. »Und weswegen genau hast du Kontakt aufgenommen?«, erkundige ich mich. »Ich hatte die Idee, nach langer Zeit mal wieder mit dir in die alte Heimat zu fahren. Und das da …« – er deutet auf das Regal, in dem sein Keyboard seit einer halben Ewigkeit fein säuberlich in Plastikfolie verpackt eingelagert ist – » … das wollte ich mitnehmen.« Tom steht auf, holt eine Flasche Wein aus dem Regal und zieht mich dann ebenfalls auf die Füße. »Ich erzähle es dir oben genauer, lass uns hochgehen. Auf Dauer ist es hier nicht so prickelnd.«

Wir machen es uns mit unseren Weingläsern in der Hollywoodschaukel auf der Terrasse gemütlich und schauen zu, wie die untergehende Sonne am Horizont ein Postkartenbild in leuchtenden Farben malt. »Nun rück doch endlich raus mit deiner Idee«, erinnere ich Tom irgendwann. »Ich habe das noch nicht zu Ende gedacht. Darum mal ungefiltert, wie es mir eben in den Sinn kam. Es spricht nichts dagegen, wie geplant nach Südfrankreich aufzubrechen. Etwas gewagt, aber wir kennen uns dort aus, du sprichst perfekt Französisch, irgendwo kommen wir schon unter. Aber ich wüsste auch eine Alternative: Wir könnten die Reise in unsere Vergangenheit schon nächste Woche machen, ganz spontan. Chris und Ferdi wiedertreffen. Vielleicht sogar eine kleine Session, auch wenn ich wahrscheinlich total eingerostet bin. Schauen, was aus dem Rittergut geworden ist und ob die Scheune noch steht. Deinen Geburtstag im Bett verbringen.« Keine Entscheidung ist mir je leichter gefallen. »Ich finde speziell das letzte Argument sehr überzeugend«, scherze ich darum. »Also ich wähle den Urlaub auf dem Land. Unbedingt. Und Tom, lass uns auch Lukas besuchen.«

Eine Woche später stehen wir mit Chris und Ferdi an Lukas’ Grab. Es ist ein besonderer Moment, wir erinnern uns an ihn, seine Stimme, seinen Sinn für Humor, seine unbändige Lebenslust. Die Sonne gibt alles, Tom legt den Arm um mich und ruft in die Runde: »Jetzt guck sich mal einer diesen Himmel an. Was für ein Blau!« Und dann summt er ganz leise, nur für mich hörbar: As long as you’re with me …

Mehr von Marie Enters bei PIPER:

Für immer sein Mond

Sail AwaySommerliche Kurzgeschichtevon Kerstin Garde

Die E-Mail von Robert veränderte alles. Ich wünschte, ich hätte sie heute Morgen nicht geöffnet. Seitdem dachte ich an nichts Anderes mehr, als an unseren Sommer auf seinem Segelboot vor der Küste Islands, von dem niemand etwas wusste, nicht einmal mein Verlobter. Wie komisch es sich anfühlte, ein Geheimnis vor ihm zu haben, obwohl dieser Sommer eine Ewigkeit zurücklag und wir uns damals noch nicht kannten. Mit dem Anflug eines schlechten Gewissens schloss ich die Augen und atmete tief durch. Noch einmal spürte ich den Wind in den Haaren, roch das Salz des Meeres in der Luft und sah, wie die Wellen sich am Bug teilten. Als wäre ich gerade wirklich dort und Roberts zärtliche Hände könnten mich jeden Augenblick berühren. Die Vorstellung fühlte sich schön an, zugleich bildete sich ein Kloß in meinem Hals, denn plötzlich wusste ich nicht mehr, ob ich Lorenz genug liebte, um ihn zu heiraten.

Ich öffnete verunsichert die Augen und sah ihn an. Aufrecht saß er im Bett neben mir, den Laptop auf dem Bauch, erstellte er Excel-Tabellen für den Job. Lorenz hatte nie Feierabend. Dafür immer viel Stress im Büro. Eine Weile beobachtete ich ihn, wie er konzentriert auf den Bildschirm starrte. Er merkte es gar nicht.

»Kommen dir manchmal Zweifel?«, fragte ich schließlich, als in meinem Hinterkopf Wellensang erklang, der mich zurück in meine Fantasie locken wollte. Zurück aufs ferne Meer.

»Nein«, erwiderte Lorenz ohne Zögern. Dann war er wieder voll und ganz bei seinen Berechnungen.

»Jetzt leg doch mal den Laptop weg.«

»Geht nicht, das hier ist echt wichtig, Polly«, betonte er und tippte auf den Screen. »Ich muss mich konzentrieren, mein Chef braucht die Ergebnisse bis morgen. Hast du nicht irgendwelche Fotos nachzubearbeiten?«

Hatte ich nicht. Ich nahm die Arbeit schließlich nicht mit nach Hause, wie ein gewisser Lorenz Forster. Außerdem ließ mich die Frage nicht los. Nicht nach dieser E-Mail!

»Ich mein’s ernst, hast du manchmal Zweifel?«, bohrte ich nach, während ich unter der Decke nervös an meinen Nägeln pulte und an den Augenblick auf See dachte, in dem mich Robert in seine Arme gezogen hatte. Die heiße Sommersonne auf der Haut, das Rauschen der Wellen um uns herum … Fast zehn Jahre war das her. Doch es fühlte sich so unglaublich nah an. Ein Teil von mir wünschte, wir wären damals einfach davon gesegelt. Ein anderer schämte sich dafür, fühlte ich mich doch wie eine Verräterin.

»Hast du denn Zweifel?«, antwortete Lorenz mit einer Gegenfrage und rückte seine Brille zurecht.

Ich atmete tief durch. Es fiel mir schwer, es zuzugeben, aber ich nickte zögerlich.

»Okay … ich arbeite morgen früh vor dem Büro weiter. Ist ja auch schon spät«, sagte er und klappte den Laptop zu meiner Überraschung zu. »Also schieß los, warum zweifelst du?«

Seine plötzliche Redebereitschaft erstaunte mich. Nervös wich ich seinem Blick aus.

»Wenn wir nun einen Fehler machen?«

»Das tun wir nicht, Polly. Du hast einfach nur Lampenfieber. Die Hochzeit wird wunderschön, wirst sehen. Auch, wenn es nur eine einfache standesamtliche Trauung ist. Dadurch sparen wir aber viel Geld, das wir für die Zukunft anlegen können.«

Ich unterdrückte ein Seufzen, wieso musste er immer so vernünftig sein? Eigentlich hatte ich einen der drei Festsäle auf der Selliner Brücke mieten wollen. Heiraten direkt am Strand von Rügen! Wir lebten schließlich auf der Insel, da war es doch so gut wie Pflicht, dieses traumhafte Ambiente an der Ostseeküste zu nutzen, oder?

Nicht, wenn es nach Lorenz ging. Statt zum Klang des Wellenspiels heirateten wir nun in drei Wochen im Standesamt Bergen und danach ging’s ins Fischrestaurant um die Ecke. Alles im engsten Familienkreis.

Dass Lorenz in einer Bank im Management arbeitete, jeden Tag mit Zahlen jonglierte und leidenschaftlich gern Kostenpläne erstellte, kam eben auch im Privatleben durch. In der Bank hatte ich ihn übrigens kennengelernt. Bei einer Betriebsfeier, um genau zu sein, für die ich als Fotografin engagiert worden war.

»Noch bedrückt wegen der Seebrücke?«, las er meine Gedanken und sah mich gutmütig an, als müsste er mir die Welt erklären. Wenn’s nur um die Brücke ginge … in meinem Kopf spukte ständig Robert herum, unser Sommer und das weite Meer.

»Ich liebe dich, seit ich dich zum ersten Mal sah und du dieses ›eigentümliche‹ Foto von mir gemacht hast, das du partout nicht löschen wolltest.« Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, es wirkte sehr zärtlich. Und ja, es war nicht meine beste Aufnahme an diesem Abend oder generell gewesen, aber immerhin der Grund, warum wir ins Gespräch gekommen waren, nachdem er es in der Bildvorschau meiner Kamera gesehen hatte. Andernfalls hätte er mich nicht gefragt, ob ich mit ihm ausgehen würde – zur Wiedergutmachung sozusagen – und ich hätte nicht ja gesagt. Das Foto besaß ich noch heute, es zeigte einen schielenden Lorenz, im Hintergrund seine Kollegen, die ihm Hasenohren zeigten. Eben ein Schnappschuss auf einer Party, auf der ein wenig zu viel getrunken worden war. Dieses Bild bedeutete mir sehr viel, war es doch Teil unserer Geschichte.

»Mit der Hochzeit besiegeln wir, dass wir zusammengehören. Und das ist doch auch das Wichtigste, oder? Egal, wo wir heiraten.«

Er lächelte mich so voller Zuversicht an, dass mir das Herz aufging. »Das wird trotzdem der schönste Tag unseres Lebens, versprochen«, sagte er im samtigen Ton.

Natürlich, Lorenz hatte ja recht. Wir würden der Welt zeigen, dass wir uns liebten, egal ob mit großem oder kleinem Budget. Wir planten diese Hochzeit immerhin schon seit zwei Jahren, und kurz vor dem Ziel, strauchelte man eben ein bisschen. Ganz normal! Ich kam mir albern vor, dass ich mir überhaupt Sorgen machte, und kuschelte mich an ihn, sehnte mich nach seinem Arm, der sich um mich legte und wärmte.

»Es ist Neun, Zeit fürs Bett. Schlaf schön, Polly«, sagte Lorenz jedoch plötzlich und küsste mich auf den Mund. Unsere beiden Brillen rutschten synchron von den Nasen und stießen aneinander. Ich grinste, während er seine kopfschüttelnd abnahm und auf dem Nachttisch ablegte, dazu gesellte sich sein Laptop. Dann knipste er das Licht auf seiner Seite aus, drehte sich von mir weg, und ich fühlte mich mit einem Mal merkwürdig leer, denn eigentlich hatte ich mir etwas anderes gewünscht, als eine kalte Schulter. Also schmiegte ich mich erneut an ihn, wollte seine Wärme spüren, seinen Geruch in mich aufnehmen, um etwas runterzukommen.

»Ich will schlafen, Polly. Ich muss morgen früh raus und an meiner Kalkulation weiterarbeiten«, murmelte er. Seufzend ließ ich von ihm ab. Ich fühlte mich, auch wenn er es sicher nicht beabsichtigte, weggestoßen.

Lorenz atmete schon bald ruhig und gleichmäßig. In Rekordzeit schlief er ein. Im Gegensatz zu mir, die ich nun die Decke anstarrte und wieder ans ferne Meer dachte, was ich mir aber eigentlich nicht erlauben wollte. Ich sollte mich lieber um die Menüzusammenstellung kümmern, wenn ich schon wach war. Diese musste bis Ende der Woche stehen, darum hatte der Wirt unseres ausgewählten Restaurants gebeten.

Ich schnappte mir also mein Notebook vom Nachtschränkchen, schlüpfte aus dem Bett, ganz leise, um Lorenz nicht zu wecken, und schlich mich auf Katzensohlen auf die Terrasse im Wohnzimmer, wo mich die Restwärme des Tages empfing. Eine herrliche, aber auch einsame Sommernacht. Die Luft so angenehm, ich atmete frei durch und setzte mich auf den Klappstuhl an unseren knallroten Rundtisch, dessen Farbe allmählich abblätterte, schloss die Augen und lauschte einen Moment lang der Stille der Insel und dem entfernten Rauschen des Meeres.

Ich sollte glücklich sein, verdammt! Lorenz war ein guter Mann, der mich von Herzen liebte, der alles für mich tun würde. Wieso also kreisten meine Gedanken um Robert?

Ich öffnete mein Notebook, um die Webseite des Fischrestaurants aufzurufen und anhand der Speisekarte ein drei Gänge Menü für unsere Gäste zu erstellen, inklusive des passenden Weins.