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Therapiesicherheit bei der Therapie mit Systemtherapeutika
Systemtherapien sind aus der modernen Dermatologie nicht mehr wegzudenken. Dieses Buch beschreibt die am häufigsten in der dermatologischen Praxis angewandten Systemtherapeutika und liefert damit einen entscheidenden Beitrag zur Therapiesicherheit. Dabei werden zu jedem einzelnen Wirkstoff neben den zugelassenen Indikationen auch die Off-Label-Uses genannt und mit Tipps und Hinweisen aus der praktischen Anwendung ergänzt.
Neu in dieser Auflage:
Profitieren Sie von der jahrelangen Erfahrung der Autoren und Herausgeber und verbessern Sie das therapeutische Ergebnis und die Zufriedenheit Ihrer Patientinnen und Patienten durch strukturiertes und systematisches Vorgehen.
Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.
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Seitenzahl: 621
Veröffentlichungsjahr: 2022
Herausgegeben von
Lutz Schmitz, Claus Oster-Schmidt
Thomas Dirschka, Jens Gille, Markus Heppt, Hjalmar Kurzen, Rolf Ostendorf, Matthias Steinhoff, Christina Haut*, Uwe Reinhold* (* Autoren aus Vorauflage)
2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage
„Wenn du etwas so machst, wie du es seit zehn Jahren gemacht hast, dann sind die Chancen recht groß, dass du es falsch machst.“
Charles F. Kettering
Die zunehmende Aufklärung pathogenetischer Zusammenhänge dermatologischer Erkrankungen und die damit einhergehende Entwicklung neuer, spezifisch wirkender Systemtherapeutika, sowie die Erweiterung des Indikationsspektrums bereits auf dem Markt befindlicher Präparate zieht 5 Jahre nach Erscheinen dieses Buches eine komplett überarbeitete und erweiterte Neuauflage nach sich.
Einerseits sind diese Fortschritte in unserem Fachbereich Anlass zur Freude aufgrund der zumeist hoch-effektiven neuen Therapieoptionen. Andererseits bringt die rasante Zunahme an systemischen Wirkstoffen aber auch eine Verantwortung gegenüber unseren Patientinnen und Patienten mit sich, ihnen eben diese modernen Wirkstoffe zukommen zu lassen und nicht vorzuenthalten. Bei der stetig steigenden Zahl an Wirkstoffen sowie der Zulassung sogar neuer Wirkstoffklassen muss der Behandler über ein fundiertes Wissen in deren Handhabung verfügen. Dazu gehören neben der reinen Kenntnis über Dosierungen und potenziell auftretender unerwünschter Wirkungen ein möglicher Einsatz im „off label use“, ein adäquates Nebenwirkungsmanagement und ein Therapiemonitoring mit den erforderlichen Kontrollintervallen sowie eventuellen Dosisanpassungen, um Patientensicherheit und Adhärenz zu gewährleisten. Mit diesem Ziel vor Augen haben wir alle bis Redaktionsschluss im Sommer 2021 neu zugelassenen Präparate berücksichtigt und nach dem bewährten Vorgehen aus der Erstauflage aufbereitet und integriert. Auf Grund des raschen Fortschrittes im Bereich der inflammatorischen Indikationen (v.a. Psoriasis und atopische Dermatitis), sowie der Dermatoonkologie finden sich die meisten neuen Wirkstoffe in den Kapiteln „Biologika“ und „Signaltransduktions-inhibitoren“. Außerdem wurden alle Kapitel des Buches überarbeitet, auf Aktualität überprüft und mit Leitlinien der entsprechenden Fachgemeinschaften abgeglichen. Dabei zeigt sich am Beispiel des Antibiotika-Kapitels, dass auch Veränderungen in der Anwendbarkeit etablierter Wirkstoffe (Stichwort „Resistenz-Entwicklung“ und „Antibiotic Stewardship“) teils erheblichen Änderungen innerhalb einiger Kapitel erfordert haben.
Wir wünschen allen Kolleginnen und Kollegen zahlreiche Anregungen und Erkenntnisse beim Nachschlagen in diesem Buch und hoffen, dadurch den Alltag bei der Versorgung Ihrer Patientinnen und Patienten erleichtern zu können. Konstruktiver Kritik aus der Leserschaft stehen wir aufgeschlossen gegenüber und freuen uns, wenn Sie entsprechende Anregungen an den Verlag richteten.
Wir danken allen Autoren für ihre Bereitschaft, in diese Auflage ihre knapp bemessene Zeit und Fachkompetenz einfließen zu lassen.
Abschließend danken wir der Fachredaktion des Thieme Verlags, besonders Frau Korinna Engeli und Frau Dr. Andrea Busche, sowie der Herstellungsabteilung für die gute Zusammenarbeit und das stets offene Ohr für unsere Anliegen.
Lutz Schmitz und Claus Oster-Schmidt
Im Frühjahr 2022
Titelei
Vorwort 2. Auflage
1 Einleitung
1.1 Kapitelaufbau und Lesehinweise
1.2 Labormonitoring
1.2.1 Transportmedium
1.2.2 Serum-Röhrchen
1.2.3 EDTA-Röhrchen
1.2.4 Citrat-Röhrchen 1:9
1.2.5 Citrat-Röhrchen 1:5
1.2.6 Lithium-/Natrium-Heparin-Röhrchen
1.2.7 Natriumfluorid-Röhrchen
1.3 Blutentnahme
1.3.1 Laborwerte
1.3.2 Berechnung der Kreatinin-Clearance
1.3.3 Interferon-Gamma-Release-Assay (IGRA)
1.4 Rezeptausstellung
1.5 Nadelstichverletzung
2 Antibiotika
2.1 Rationaler Antibiotikaeinsatz
2.1.1 Antibiotikatherapie und ihre häufigsten Anwendungsfehler
2.1.2 Mögliche Gründe für das Fehlschlagen einer Antibiotikatherapie
2.1.3 Antibiotika und Darmmikrobiom
2.1.4 Mögliches Handout für Patienten über den korrekten Umgang mit Antibiotika
2.1.5 Antibiotische Therapie während Schwangerschaft und Stillzeit
2.1.6 Spezialsituationen
2.2 Penicilline
2.2.1 Allgemeine Informationen
2.2.2 Penicillin V (Phenoxymethylpenicillin) und G (Benzylpenicillin/-Benzathin)
2.2.3 Flucloxacillin
2.2.4 Amoxicillin/Clavulansäure
2.3 Cefalosporine
2.3.1 Allgemeine Informationen
2.3.2 Cefaclor
2.3.3 Cefuroxim/-axetil (Prodrug)
2.3.4 Ceftriaxon
2.4 Tetrazykline
2.4.1 Allgemeine Informationen
2.4.2 Doxycyclin
2.4.3 Minocyclin
2.5 Fluorochinolone (Gyrasehemmer)
2.5.1 Allgemeine Informationen
2.5.2 Ciprofloxacin
2.5.3 Moxifloxacin
2.6 Makrolide
2.6.1 Allgemeine Informationen
2.6.2 Erythromycin und Clarithromycin
2.6.3 Azithromycin
2.7 Lincosamide
2.7.1 Allgemeine Informationen
2.7.2 Clindamycin
2.8 Sonstige
2.8.1 Metronidazol
2.8.2 Ethambutol (EMB)
2.8.3 Isoniazid (INH)
2.8.4 Rifampicin (RMP)
2.8.5 Pyrazinamid (PZA)
2.9 Literatur
3 Virustatika
3.1 Allgemeine Informationen und Behandlung von Varizellen/Herpes zoster
3.1.1 Impfung zur Prävention eines Herpes zoster (HZ)
3.2 Aciclovir
3.3 Valaciclovir
3.4 Famciclovir
3.5 Brivudin
3.6 Foscarnet
3.7 Varizellen-zoster-Immunglobuline
3.8 HIV-Prä- (PrEP) und -Postexpositionsprophylaxe (PEP)
3.8.1 PrEP
3.8.2 PEP
3.9 Literatur
4 Antimykotika
4.1 Triazole
4.1.1 Fluconazol
4.1.2 Itraconazol
4.2 Allylamine
4.2.1 Terbinafin
4.3 Antimykotisch wirksame Antibiotika
4.3.1 Liposomales Amphotericin B
4.3.2 Literatur
5 Antihistaminika
5.1 Antihistaminika der 1. Generation (klassische AH)
5.1.1 Clemastin
5.1.2 Dimetinden(-maleat)
5.1.3 Promethazin
5.1.4 Hydroxyzin
5.2 Antihistaminika der 2. Generation (moderne AH)
5.2.1 Vorgaben zur AH-Verordnung gemäß Arzneimittelrecht (AMR)
5.2.2 Loratadin, Desloratadin
5.2.3 Cetirizin, Levocetirizin
5.2.4 Rupatadin
5.2.5 Fexofenadin
5.2.6 Ebastin
5.2.7 Mizolastin
6 Glukokortikoide
6.1 Niedrigpotente/kurzwirksame Glukokortikoide
6.1.1 Prednisolon und Methylprednisolon
6.1.2 Triamcinolonacetonid
6.2 Hochpotente/langwirksame Glukokortikoide
6.2.1 Dexamethason
6.2.2 Betamethason
6.3 Literatur
7 Vitamin-A-Derivate
7.1 Allgemein
7.2 Retinoide (RAR-Agonisten)
7.2.1 Isotretinoin
7.2.2 Acitretin
7.3 Rexinoide (RXR-Agonisten)
7.3.1 Bexaroten
7.4 Panagonisten
7.4.1 Alitretinoin
8 Immunmodulierende und -suppressive Wirkstoffe
8.1 Allgemeines
8.2 Azathioprin
8.3 Ciclosporin
8.4 Cyclophosphamid
8.5 Mycophenolatmofetil
8.6 Methotrexat
8.7 Leflunomid
8.8 Fumarsäureester
8.8.1 Allgemein
8.8.2 Dimethylfumarat
8.8.3 Fumarategemisch
8.9 Intravenöse Immunglobuline
8.10 Clofazimin
8.11 Colchicin
8.12 Chloroquin und Hydroxychloroquin
8.13 Diaminodiphenylsulfon (DADPS)
8.14 Literatur
9 Biologika
9.1 Allgemein
9.2 Biosimilare
9.3 Biologika mit dermatologischer Hauptindikation Psoriasis
9.3.1 TNF-α-Inhibitoren
9.3.2 IL-12/23-Inhibitor
9.3.3 IL-23-Inhibitoren
9.3.4 Allgemeines zur Substanzklasse der IL-17-Inhibitoren
9.3.5 IL-17A-Inhibitoren
9.3.6 IL-17RA-Inhibitor
9.4 Biologika mit inflammatorischer oder allergologischer Hauptindikation
9.4.1 Interleukin-4RA-Inhibitor
9.4.2 Interleukin-13-Inhibitor (IL-13i)
9.4.3 Humaner monoklonaler IgG1lambda-Antikörper (BLyS-/BAFF-Inhibitor)
9.4.4 Interleukin-1-R-Inhibitor (IL-1Ri)
9.4.5 Interleukin-1β-Inhibitor (IL-1βi)
9.4.6 Humanisierter monoklonaler IgG1kappa-Antikörper (Anti-IgE-Antikörper)
9.4.7 Kallikrein-Inhibitor
9.5 Biologika mit dermatoonkologischer Hauptindikation
9.5.1 PD-1 und PD-L1(Programmed Cell Death 1 Protein)-Inhibitoren (PD-1i bzw. PD-L1i)
9.5.2 CTLA-4-Antikörper (Cytotoxic T-Lymphocyte Antigen 4, CTLA-4i)
9.5.3 Anti-CD30-Antikörper plus Antitubuli-Wirkstoff Monomethyl-Auristatin E
9.5.4 Anti-CD20-Antikörper
9.5.5 Anti-CCR4-Antikörper
9.6 Literatur
10 Signaltransduktionsinhibitoren
10.1 Einleitung
10.2 Signaltransduktionsinhibitoren mit primär onkologischer Indikation
10.2.1 Allgemeines zur Therapie des fortgeschrittenen Melanoms mit Signaltransduktionsinhibitoren
10.2.2 BRAF-Inhibitoren (BRAFi)
10.2.3 MEK-Inhibitoren (MEKi)
10.2.4 Hedgehog-Signaltransduktionsweg-Inhibitoren
10.2.5 Multikinase-Inhibitoren
10.3 Signaltransduktionsinhibitoren mit primär inflammatorischer Indikation
10.3.1 Phosphodiesterase-4-Inhibitoren (PDE-4i)
10.3.2 Januskinase-Inhibitoren
10.3.3 Plasma-Kallikrein-Inhibitor
10.4 Literatur
11 Nichtopioidanalgetika
11.1 Traditionelle NSAID
11.1.1 Azetylsalizylsäure (ASS)
11.1.2 Ibuprofen
11.2 COX-2-Inhibitoren (Coxibe)
11.2.1 Allgemeines
11.2.2 Celecoxib
11.2.3 Etoricoxib
11.2.4 Parecoxib
11.3 Schmerztherapie
11.4 Stufentherapie postzosterischer Neuralgien bei Erwachsenen
12 Antikoagulanzien
12.1 Allgemeines
12.2 Cumarine/Vitamin-K-Antagonisten
12.2.1 Phenprocoumon
12.3 Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK)
12.3.1 Faktor-Xa-Inhibitor
12.3.2 Direkter Faktor-IIa-(/Thrombin-)Inhibitor
12.4 Niedermolekulare Heparine
12.4.1 Tinzaparin-Natrium; Enoxaparin-Natrium; Nadroparin-Calcium; Certoparin-Natrium
12.5 Fondaparinux
12.6 Kontrazeptiva und Risiko venöser Thromboembolien
12.7 Literatur
13 Spezielle Wirkstoffe
13.1 Methantheliniumbromid
13.2 Bornaprinhydrochlorid
13.3 Phosphodiesterase-5-Inhibitoren
13.4 5α-Reduktase-Inhibitoren
13.4.1 Finasterid
13.4.2 Dutasterid
13.5 Eisen-(II-)Glycinsulfat und Eisen-(II-)Fumarat
13.6 Zinkaspartat und Zinkorotat
13.7 Ivermectin
13.8 Anthelmintika
13.8.1 Mebendazol
13.8.2 Pyrantelembonat
13.8.3 Pyrviniumembonat
13.9 Miltefosin
13.10 Stibogluconat-Natrium (pentavalentes Antimon, Sb5+)
13.11 Talimogen laherparepvec (T-VEC)
13.12 Propranolol
13.13 Kalziumantagonisten vom Dihydropyridintyp: Nifedipin, Amlodipin, Felodipin
13.14 Bradykinin B2-Rezeptorantagonisten: Icatibant
13.15 Humane C1-INH-Konzentrate: C1-Esterase-Inhibitor vom Menschen
13.16 Endothelinantagonisten: Bosentan
13.17 Prostazyklinanaloga: Iloprost
13.18 Literatur
14 Wissenswertes
14.1 Pharmakologische Aspekte einer Systemtherapie
14.1.1 Pharmakodynamische WW
14.1.2 Pharmakokinetische WW
14.1.3 Cytochrom P450-System: seine Induktoren, Inhibitoren und Substrate
14.1.4 P-Glykoproteinsystem (P-gp): seine Induktoren, Inhibitoren und Substrate
14.1.5 Cytochromsysteme
14.2 Off-Label Use (OLU)
14.3 Liste empfohlener Lebensmittel für eine histaminarme Ernährung
14.4 Impfstoffe
14.5 Arzneimittelinduzierte Hautreaktionen
14.6 Systemtherapeutika in Schwangerschaft und Stillzeit
14.7 Pearl-Index (PI) von kontrazeptiven Methoden
14.8 Opioidwechsel
14.9 Einteilung von Leberfunktionsstörungen
14.10 Physiologische altersabhängige Nierenveränderungen und Niereninsuffizienzstadien
14.11 Teilen von Medikamenten
14.12 Kurzinfusionen
14.13 0,9%ige NaCl-Lösung
14.14 Klassifikation ausgewählter Nebenwirkungen gemäß CTCAE V. 5.0 (2017)
14.15 Notfallset für den ambulanten Soforteinsatz bei allergischen Reaktionen
14.16 Verordnung von OTC-Medikamenten
14.17 Indikationsstellung zur antientzündlichen Systemtherapie der Neurodermitis bei Erwachsenen
14.18 Literatur
Teil II Anhang
15 Abkürzungsverzeichnis
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
Lutz Schmitz, Claus Oster-Schmidt
Das vorliegende Buch bietet eine strukturierte Darstellung der praxisrelevanten Wirkstoffe, die in der täglichen dermatologischen Routine zur Anwendung kommen. Für eine bessere Orientierung und um ein gezieltes Nachschlagen zu ermöglichen, erfolgt die Darstellung der einzelnen Wirkstoffe nach folgendem, einheitlichem Schema:
Präparatebeispiel Handelsnamen, Applikationsformen.
Anmerkung Beim Einsatz von Generika an Stelle von Originalpräparaten gilt es zu beachten, dass Generika erlaubte Abweichungen aufweisen dürfen.
Merke
Die maximale Wirkstoffkonzentration und die Zeit, in der sie erreicht wird, dürfen bei Generika um 20% nach unten und um 25% nach oben differieren.
Ein Wechsel von einem zum anderen Generikum kann nicht nur einen Verlust an Wirkung zur Folge haben, sondern auch die Therapietreue der Patienten deutlich beeinflussen: Änderungen von Tablettenform und -farbe führen nachweislich zu vermehrten Therapieabbrüchen.
Daher sollte bei bestimmten Wirkstoffgruppen die sog. „Aut-idem“-Regelung ausgeschlossen werden, indem auf dem Rezept das „Aut-idem“-Feld durch ein X gestrichen wird. Dadurch ist der Apotheker verpflichtet, das angegebene Präparat dem Patienten auszuhändigen. Es darf keine Substitution erfolgen und daher kein anderes Generikum abgegeben werden. Nur so lassen sich bei den folgenden Wirkstoffgruppen die Patientensicherheit und der Therapieerfolg gewährleisten:
Antikoagulanzien
Biologika, Biosimilare
Dosieraerosole
Immunsuppressiva
magensaftresistente Medikamente
Opioidanalgetika
Retardmedikamente
Thrombozytenaggregationshemmer
Zytostatika
Dermatologische Indikationen Laut Fachinformation in Deutschland zugelassene Indikationen.
Off-Label Use (OLU)
Merke
Off-Label Use bedeutet die Anwendung eines zugelassenen Medikaments zur Therapie einer Erkrankung, die in der Zulassung nicht enthalten ist.
Dies betrifft Erkrankungen in der Dermatologie im Besonderen, da es eine Vielzahl von Krankheitsbildern gibt, die durch Medikamente im OLU gut und sicher therapiert werden können. Jedoch lohnt es sich vonseiten der Pharmaindustrie aufgrund der geringen Inzidenz nicht, eine eigene Zulassung für diese Indikationen anzustreben; s.a. Informationen zum OLU in Kap. ▶ 14.2.
Die jeweils aufgeführten OLU wurden sorgfältig anhand publizierter Daten zusammengestellt und entsprechende Therapieregime abgebildet. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird dabei nicht erhoben.
Dosierung Angabe der Dosierungsschemata für die jeweilige Indikation in Abhängigkeit vom Alter und etwaigen Einschränkungen (z.B. Kreatinin-Clearance). Die OLU-Angaben beziehen sich auf publizierte Daten und Erfahrungen der klinischen Praxis und stellen somit lediglich Empfehlungen dar. In jedem Fall trägt der Behandler die Verantwortung für die Verwendung eines Wirkstoffs im OLU.
Anmerkung Bei Frauen kommen UAW fast etwa doppelt so häufig vor wie bei Männern. Dies liegt an der differierenden Pharmakokinetik bei Frauen und am Prinzip „one size fits all“, das auf Untersuchungen am Mann (=Standarddosis) beruhen. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass Frauen ein geringeres KG, eine geringere Organgröße, einen höheren Körperfettanteil, eine geringere renale Clearance (geringere relative GFR im Vergleich zum Mann), eine langsamere Magenentleerung, einen niedrigen Magen-pH, ein geringeres Plasmavolumen und hormonelle Schwankungen als Folge des Menstruationszyklus aufweisen. Ob eine KG-basierte Dosierung die UAW bei Frauen senken kann, ist nicht geklärt.
Dosisanpassung Abweichungen von der Norm erfordern z.T. die Anpassung der Dosierung, um entweder die therapeutische Wirkung konstant zu halten (Wechselwirkung, Änderungen der Stoffwechselprozesse etc.) oder die Patientensicherheit nicht zu gefährden (Nebenwirkungen, Veränderungen der Laborwerte etc.). Insbesondere das Monitoring der entsprechenden Laborparameter muss dazu führen, dass sich bei Abweichungen von der Norm Konsequenzen für die weitere Therapie ergeben. Unter diesem Punkt sind die häufigsten Abweichungen, die Einfluss auf die Therapie mit dem entsprechenden Wirkstoff haben oder durch diesen bedingt sein könnten, aufgeführt.
Merke
Rund 80% aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind durch fehlende Dosisanpassung bedingt.
Absolute und relative Kontraindikationen Entsprechend den Angaben der Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs bzw. des entsprechenden Originalpräparats.
Klinisch relevante Wechselwirkungen Zusammenfassung der häufigsten Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und den Auswirkungen auf die Wirkung des beschriebenen Wirkstoffs oder auf die Änderungen der beteiligten Kombinationspartner.
Typische Nebenwirkungen Auswahl von typischen Nebenwirkungen, die wahrscheinlich auf die Einnahme des Präparats zurückzuführen sind. Außerdem wurden seltene, aber spezifische bzw. potenziell lebensbedrohliche oder stark lebensverändernde Nebenwirkungen ebenfalls aufgeführt. Aus diesen Gründen erheben die jeweiligen Auflistungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Schwangerschaft, Stillzeit Entsprechend den Angaben der Fachinformationen des jeweiligen Wirkstoffs bzw. des entsprechenden Originalpräparats. Entscheidungshilfen, basierend auf der aktuellen Literatur und Internetplattformen (z.B. www.embryotox.de), wurden teilweise zusätzlich angefügt und im Anhang aufbereitet. In jedem Fall trägt der Behandler die Verantwortung für die Verwendung eines Wirkstoffs, falls dies dann im OLU geschehen sollte. Zusätzlich wird durch den Eintrag im Monitoring auf einen Schwangerschaftsausschluss vor Beginn der Therapie darauf hingewiesen. Die entsprechende Beachtung gilt selbstverständlich für die gesamte Dauer der Anwendung und teilweise auch darüber hinaus.
Kinder Angabe, ab welchem Alter der Wirkstoff zugelassen ist. Die entsprechenden Angaben, welche Applikationsform ab welchem Alter in welchen Dosierungen anwendbar sind, finden sich unter dem Punkt „Dosierungen“.
Einnahmehinweise Hinweise bezüglich: Abhängigkeit von Mahlzeiten, bestimmte Nahrungsmittel (die zu meiden sind), laktosehaltige Medikamente etc.
Cave In diesen Boxen sind wichtige Hinweise subsumiert, die vom Patienten bzw. dem behandelnden Arzt beachtet werden sollten (z.B. Einholen von schriftlichem Einverständnis, Vergiftungssymptome, Symptome bei Panzytopenie als Nebenwirkung, obligate Testungen vor Gabe etc.).
Praxistipps Empfehlungen aus der klinischen Routine für die tägliche Praxis.
Monitoring Viele der Systemtherapeutika erfordern zum einen spezifische Untersuchungen (z.B. EKG, ophthalmologische Untersuchung, IGRA etc.) und zum anderen ein Monitoring von verschiedenen Laborparametern vor und während der Therapie. Diesbezüglich gibt es für den Großteil der Wirkstoffe keine klaren Empfehlungen. Daher war es ein Schwerpunkt des vorliegenden Buches, Angaben zur Kontrolle von Laborparametern aus den Fachinformationen, verschiedenen Leitlinien (z.B. Leitlinie zur Therapie von Psoriasis), aktuellen Publikationen und einer Literaturrecherche zu vergleichen und Empfehlungen für die entsprechenden Wirkstoffe zu formulieren.
Die Kontrolle der Parameter ist in Abhängigkeit vom Kontrollintervall beschrieben und orientiert sich an den Parametern, die im gleichen Medium abgenommen werden müssen. So ist gewährleistet, dass in der Tabellenansicht auf einen Blick erkennbar wird, wie viele Abnahmeröhrchen für den jeweiligen Kontrolltermin benötigt werden. Auf der Grundlage der Tabellen können zu Beginn einer Systemtherapie die nötigen Kontrolltermine zur Blutentnahme direkt mit den Patienten vereinbart werden.
Siehe ▶ Tab. 1.1 und ▶ Tab. 1.2 .
Tab. 1.1
Farbkodierung der Blutentnahmeröhrchen.
Probenmaterial
Internationaler Farbcode
Vacutainer/Vacuette
Monovette/Kabevette
Serum ohne Zusatz
rot (braun)
weiß
Serum mit Trennhilfe (Gel)
goldgelb (braun/schwarz)
braun
EDTA-Blut – Blutbild/Hämatologie
violett
rot
Citrat-Blut (1+9) – Gerinnung
hellblau
grün
Citrat-Blut (1+4) – BSG
schwarz
violett
Lithium-Heparin/Natrium-Heparin Blut – BGA, Plasma
grün
orange
Fluorid (NaF ± Oxalat) – Glukose, Laktat
grau
gelb
Tab. 1.2
Probenlagerung bei Routinediagnostik.
Probenmaterial
Empfohlene Lagerungsbedingungen
Serum (alle Untersuchungen)
Kühlschrank (2–8°C)
EDTA-Blut (Blutbilduntersuchungen, HLA-B-27/HLA-Typisierung, Lymphozytendifferenzierung)
Raumtemperatur
EDTA-Blut (Viruslastbestimmung, z.B. HIV)
Kühlschrank (2–8°C)
Citrat-Blut/-Plasma (Gerinnungsuntersuchungen)
bei Raumtemperatur bis 6 h, ggf. Plasma einfrieren (<–18°C)
Urinproben (alle Untersuchungen)
Kühlschrank (2–8°C)
Im Serum werden klinisch-chemische, immunologische und infektionsimmunologische Untersuchungen durchgeführt. Entweder sollte nach Probenentnahme eine Zentrifugation der Vollblutproben durchgeführt werden oder Serum-Röhrchen mit Gel als Trennmedium verwendet werden. Andernfalls kann es infolge von Hämolyse, Diffusion sowie Stoffwechsel der Erythrozyten bei einer Reihe von Parametern zu falsch hohen oder falsch niedrigen Messungen (z.B. Kalium, LDH, Glukose, Laktat, Eisen u.a.) kommen.
Durch den EDTA-Zusatz als Antikoagulans lässt sich die Blutgerinnung verhindern. Dies wird durch Bindung der Ca-Ionen erreicht. EDTA-Blut eignet sich für hämatologische, blutgruppenserologische und molekulargenetische Untersuchungen sowie einige spezielle klinisch-chemische Parameter. Für blutgruppenserologische Untersuchungen werden mind. 3 ml Probenvolumen benötigt, für hämatologische Untersuchungen sind 2 ml ausreichend.
Durch Citrat als Antikoagulans wird die Blutgerinnung ebenfalls durch Bindung der Ca-Ionen verhindert. Citrat-Blut/-Plasma ist geeignet für Gerinnungsuntersuchungen inkl. der Verschlusszeitmessung und Thrombozytenaggregation. Die Transportzeit bis zum Labor sollte <6 h betragen, ansonsten sollte gefrorenes Citrat-Plasma eingesendet werden.
3,8%ige Na-Citrat-Lsg. im Verhältnis 1:5 (venöses Blut) → Bestimmung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG).
Durch Zugabe von Heparin als Antikoagulans kann der Gerinnungsprozess des Blutes verhindert werden. Dies wird durch Antithrombinaktivität erreicht. Nach Zentrifugation des Blutes erhält man Heparin-Plasma.
Heparin-Blut/-Plasma kann für klinisch-chemische, zytogenetische oder spezielle Analysen genutzt werden.
Für die Bestimmung von Spurenelementen werden spezielle Röhrchen für Metallanalytik benötigt (Lithium- oder Natriumheparinat).
Durch den Zusatz von Na-Fluorid werden die Glykolyse und die Laktatbildung gehemmt. Bestimmung von Glukose, Laktat und Homocystein.
Cave
Hemmung des Blutzuckerabbaus durch Fluorid setzt bei Raumtemperatur erst nach 1–4 h ein.
Korrekte Reihenfolge der Probenentnahme beachten:
Vollblut → Blutkultur
Serum → Nativblut
Blut/Plasma → Additiva (Citrat, Heparin, EDTA)
Merke
Gerinnungsröhrchen nie zuerst abnehmen, um Kontakt mit Gewebsthromboplastin zu vermeiden.
Röhrchen mit Additiva stets nach nativen Röhrchen ohne Zusätze entnehmen (Kontaminationsgefahr ↓).
Vermeiden einer Stauzeit >60 s, Muskelpumpe durch Patienten und Schütteln der Probe (Hämolyse ↑ → Kalium ↑).
Siehe ▶ Tab. 1.3 .
Tab. 1.3
Übersicht der Laborwerte.
Parameter
Abkürzung
Blutentnahme (BE)
Besonderheit
Albumin, Serum
SA
Serum
∅
alkalische Phosphatase
AP
Serum
∅
antinukleäre Antikörper
ANA
Serum, ggf. zusätzlich Heparin/Citrat-EDTA
Entnahmemedien (Serum/EDTA) von Untersuchungsumfang abhängig
Bilirubin, gesamt
Bili
Serum
vor Licht schützen (Material dunkel lagern)
Blutbild
BB
EDTA
∅
Blutsenkungsgeschwindigkeit
BSG
Citrat 1:5
alters- und geschlechtsabhängige Normwerte
Blutzucker
BZ
Serum mit Trenngel oder Na-Fluorid
BE morgens, mind. 12 h nüchtern, bei Serumwerten ggf. falsch niedrig, besser NaF, da Glykolysehemmung
Cholesterin, gesamt
Chol
Serum
Nüchtern-BE nicht (mehr) erforderlich, Grenzwert: ≥ 5 mmol/l (190 mg/dl) Medikamente mit WW wenn möglich absetzen
Creatinkinase
CK
Serum
3 d vor Abnahme keine körperliche Belastung
Differenzialblutbild
Diff-BB
EDTA
BB + Differenzierung der Leukozyten in Untergruppen
extrahierbare nukleäre Antigene
ENA
Serum
Nachweis von AK gegen ENA
Ferritin
Fer
Serum
alters- und geschlechtsabhängige Normwerte
Gamma-Glutamyl-Transferase
γGT
Serum
leber- und gallenspezifisch
glomeruläre Filtrationsrate
GFR
24 h-Sammelurin + Serum-Krea vom gleichen d
12 h zuvor und am gleichen Tag kein Fleisch essen; s. Krea-Clearance
Glukose-6-phosphat-Dehydrogenase
G6PD
EDTA
∅
Glutamat-Oxalacetat-Transaminase
GOT
Serum
Synonym: Aspartat-Aminotransferase (AST)
Glutamat-Pyruvat-Transaminase
GPT
Serum
Synonym: Alanin-Aminotransferase (ALT), weitgehend spezifisch für Lebererkrankungen
Harnsäure
HS
Serum
∅
Harnstoff N
HN
Serum
∅
HbA1c
HbA1c
EDTA
nüchtern BE nicht notwendig
HDL-Cholesterin
HDL
Serum
Nüchtern-BE nicht (mehr) erforderlich, Grenzwert: ≤ 1 mmol/l (40 mg/dl)
Hepatitis-Serologie
Hep
Serum, ggf. EDTA für PCR
∅
HIV-Serologie
HIV
Serum, ggf. EDTA für PCR
schriftliches Einverständnis des Patienten notwendig!
Interferon-Gamma-Release-Assay
IGRA
3 spez. QuantiFERON-Röhrchen oder 1 Li-Heparin 6–8 ml Röhrchen
Transport innerhalb von 16 h bei Raumtemperatur ins Labor oder vorherige Inkubation; Alter <15 J nicht anwendbar
International Normalized Ratio
INR
Citrat 1:10
Standardisierung der unterschiedlichen Reagenzien zur Bestimmung der Thromboplastinzeit
Kreatinin
Krea
Serum
erst bei GFR <50% ↑ des Serumkreatinins zu erwarten; Exsikkose, Muskelmasse
Kreatinin-Clearance
Krea-Clearance
Serum
Abschätzung der glomerulären Filtrationsrate (eGFR) durch Krea-Clearance; abhängig von verwendeter Berechnungsformel
Laktat-Dehydrogenase
LDH
Serum
Transport innerhalb von 8 h ins Labor
LDL-Cholesterin
LDL
Serum
Nüchtern-BE nicht (mehr) erforderlich, Grenzwert: ≥ 3 mmol/l (115 mg/dl)
Methämoglobin
Met-Hb
EDTA
∅
partielle Thromboplastinzeit
PTT
Citrat 1:10
Röhrchen komplett befüllen, kurze Stauung, nicht als erstes entnehmen, Analyse innerhalb von 6 h
Plasmathrombinzeit
PTZ
Citrat 1:10
Röhrchen komplett befüllen, kurze Stauung, nicht als erstes entnehmen, Analyse innerhalb von 6 h
prostataspezifisches Antigen
PSA
Serum
48 h vor Abnahme keine rektale Untersuchung/Biopsie der Prostata, kurze HWZ von 2,5 h
QuantiFERON-Tb Gold-Test
∅
3 spez. Röhrchen
s. IGRA
Retikulozyten
Reti
EDTA
∅
Schwangerschaftstest
SST
Serum oder Urin
ca. 7 d nach Konzeption i.S. pos., nach ca. 14 d im Urin pos.
Serum-Elektrolyte
Na+, K+, Ca2+, Mg2+, Cl–
Serum
umgehender Transport ins Labor! möglichst kurze Stauung bei BE
Thiopurinmethyltransferase
TPMT
EDTA
bei genetischen Analysen ist ein schriftliches Einverständnis des Patienten im Vorfeld einzuholen
Thromboplastinzeit
Quick, TPZ
Citrat 1:10
Röhrchen komplett befüllen, kurze Stauung, nicht als erstes entnehmen, Analyse innerhalb von 6 h
thyroideastimmulierendes Hormon
TSH
Serum
∅
Thyroxin, freies
fT4
Serum
∅
Triglyzeride
TG
Serum
Nüchtern-BE nicht (mehr) erforderlich, Grenzwert: ≥ 2 mmol/l (175 mg/dl)
Trijodthyronin, freies
fT3
Serum
∅
parallele Bestimmung des Serumkreatinins am Tag der Urinsammlung
folgende Daten sollten immer angegeben werden:
Sammelperiode (falls nicht exakt 24 h)
Urinmenge
Körpergröße
Körpergewicht
kein Fleischgenuss (kreatininhaltig!), keine schwere körperliche Belastung während der Sammelperiode
Hinweise für die Urinsammlung
vor der Sammelperiode Blase vollständig entleeren lassen und diesen Urin verwerfen
möglichst morgens beginnen
die optimale Sammelperiode beträgt 24 h
Urin während der Sammelperiode vollständig sammeln und auf Compliance achten
am Ende der Sammelphase die Blase in das Sammelgefäß entleeren
ausreichende Trinkmenge gewährleisten (1,5–2 l/d)
Praxis
Beispielhafte Berechnungsmethoden zur Abschätzung der Kreatinin-Clearance
Schätzung nach Cockroft und Gault
Gekürzte MDRD-Formel (Modification of Diet in Renal Disease)
Anmerkung
Bei Adipositas kommt es zu einer Überschätzung der GFR.
Die Kreatinin-Clearance fällt nach dem 40. LJ um ca. 8,5 ml/min pro 10 J ab. Bis zum Alter von 80 J beträgt sie ca. noch 50%.
Als Alternative zum Tuberkulin-Hauttest (THT) dient die Blutuntersuchung durch den sog. Interferon-Gamma-Release-Assay (IGRA). Bei diesem Verfahren werden die Blutproben mit Peptiden inkubiert, die nur bei Tuberkelbakterien, nicht aber bei den Impfstämmen vorkommen. Es wird mit standardisierten Verfahren gemessen, ob die im Blut vorhandenen T-Lymphozyten nach erfolgter Inkubation entsprechend Interferon-Gamma (IFN-γ) bilden. Bei Personen, die eine aktive Tuberkulose aufweisen, kommt es i.d.R. zu einem messbaren IFN-γ-Anstieg. Die IGRA zeigen keine Kreuzreaktion mit dem BCG-Impfstoff.
Derzeit finden hauptsächlich 2 IGRA-Systeme Anwendung:
der auf ELISA-Technologie (Enzyme-Linked-Immunosorbent-Assay) basierende QuantiFERON-Tb Gold-Test (Cellestis, Melbourne/Australien)
der auf ELISPOT-Technologie (Enzyme-Linked-Immunospot) basierende T-SPOT-Tb-Test (Oxford Immunotec, Abingdon/Großbritannien)
QuantiFERON-Tb Gold-Test Bei dieser Methode wird Vollblut direkt nach der Blutentnahme mit hochspezifischen Antigenen (ESAT-6, CFP-10, TB7.7) von M. tuberculosis und M. bovis inkubiert. Befinden sich sensibilisierte Lymphozyten in der Blutprobe, wird es in der Folge zu einer IFN-γ-Ausschüttung kommen, die dann mittels ELISA quantifiziert werden kann. Der QuantiFERON-Test hat eine vergleichbare Sensitivität wie die Hauttests und eine deutlich höhere Spezifität für den M.-tuberculosis-Komplex. BCG-geimpfte Personen sowie Personen, die Kontakt mit Tuberkulosekranken hatten (Beachtung der Latenzzeit von 6–8 Wochen erforderlich), können mit dieser Methodik untersucht werden.
Zur Durchführung des Tests müssen 3 spezielle Vacutainer befüllt werden: je 1 Vacutainer enthält die Tb-Antigene (roter Verschluss), 1 Mitogen (blaue Verschlusskappe, Positivkontrolle) bzw. keine Zusätze (grauer Verschluss, Negativkontrolle). Die Röhrchen müssen bis zum Füllstrich mit je 1 ml Blut befüllt werden. Bei Verwendung eines Butterfly-Systems ist dieses durch Abnahme eines „Leerröhrchens“ mit Blut zu füllen, bevor die QuantiFERON-Vacutainer aufgesetzt werden. Nach der Blutentnahme sollten die Vacutainer 10-mal (oder 5 s lang) gut gemischt werden, damit die gesamte Innenwand mit Blut benetzt ist. Zu starkes Schütteln kann zur Auflösung des Trenngels führen und sollte vermieden werden. Die Proben sollten entweder innerhalb von 16 h nach Abnahme ins Labor oder bei 37°C inkubiert und anschließend ins Labor gebracht werden.
T-SPOT.Tb-TestAnders als beim QuantiFERON-Test werden die Lymphozyten nicht gleich im Blutentnahmeröhrchen, sondern erst im Labor mit den M.-tuberculosis-Komplex-Antigenen in Kontakt gebracht. Für die Isolierung der Lymphozyten wird 10 ml Heparinblut benötigt. Die Blutproben sollten unzentrifugiert bei Raumtemperatur transportiert und spätestens 8 h nach der Blutentnahme verarbeitet werden.
Die Tests fasst vergleichend ▶ Tab. 1.4 zusammen.
Tab. 1.4
Vergleich von QuantiFERON-Tb und T-SPOT.Tb-Test.
Vergleichskriterium
QuantiFERON-Tb Gold In-Tube
T-SPOT.TB Test
benötigtes Blutvolumen
3 ml
Erwachsene und Kinder ≥10 J: 8 ml
Kinder 2–9 J: 4 ml
Kinder bis zu 2 Jahren: 2 ml
Immunsupprimierte: 16 ml
Inkubation
16–24 h bei 37°C
16–20 h bei 37°C (mit 5% CO2)
Zeitfenster nach Blutentnahme bis zur Weiterverarbeitung im Labor
Lagerung der Blutentnahmeröhrchen für bis zu 16 h nach Blutentnahme bei Raumtemperatur vor der Inkubation
max. 8 h bei Raumtemperatur
Test gilt als positiv, wenn
≥0,35 IU/ml (Konzentration IFN-γ)
Zahl der „Spots“ ≥6/250000 Zellen
Test gilt als nicht interpretierbar („indeterminant“), wenn
Resultat pos. Kontrolle minus neg. Kontrolle <0,35 IU/ml
oder
Resultat pos. Kontrolle minus neg. Kontrolle <0,5 IU/ml und Differenz zwischen Tb-Antigen und neg. Kontrolle <25%
oder
neg. Kontrolle >8,0 IU/ml
pos. Kontrolle <20 Spots
oder
neg. Kontrolle >20 Spots
Ein Rezept beinhaltet:
obligatorische Angaben auf dem Kassenarztstempel: Vor-, Zuname, Anschrift, ggf. akademischer Titel, Telefonnummer, Betriebsstättennummer (BSNR), Fachgruppenbezeichnung des Verschreibenden, eigenhändige Unterschrift und Ausstellungsdatum.
Kürzel „Rp.“ (üblich, jedoch nicht vorgeschrieben)
Name des Präparats, Arzneiform (z.B. Tbl., Supp.), Menge (z.B. 1 mg) pro abgeteilter Arzneiform, Stückzahl (z.B. N 1=kleinste Packung) und Pharmazentralnummer (PZN)
obligatorisch zu vermerken:
entweder Dj (bedeutet Medikationsplan, oder schriftliche Dosierungsanweisung liegt vor)
oder Anweisung zur Einnahme direkt auf dem Rezept (z.B. 3×1 Tbl./d) am Ende der Verordnungszeile
Vor-, Zuname, Geburtsdatum, Krankenkasse und Adresse des Patienten
Gültigkeitsdauer der Verschreibung ab Ausstellungsdatum
bei Kassenrezepten: 28d
bei Privatrezepten: 3 Kalendermonate (bei Basistarif 28d)
bei BtM-Rezepten: 7 d
bei T-Rezepten: 6d (Hierzu zählen Thalidomid, Lenalidomid und Pomalidomid)
bei Frauen im gebärfähigen Alter bei bestimmten Wirkstoffen (z.B. Retinoide): 6 d
Vordrucke nur für gesetzliche Krankenkassen- und BtM-Rezepte
Merke
Rezepte sind Urkunden, sodass Änderungen durch Dritte als Urkundenfälschung geahndet werden können. Verschreiben dürfen Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte.
Jede Praxis/Klinik sollte über eine schriftlich fixierte Behandlungsrichtlinie und einen verantwortlichen Ansprechpartner verfügen.
Übertragungswahrscheinlichkeit für
HBV: 30%
HCV: 3%
HIV: 0,3%
Vermeidung von Nadelstichverletzungen
Einsatz stichsicherer Nadeln (z.B. Safety-Kanüle für S-Monovette Sarstedt; Nümbrecht), Butterfly-Kanülen (z.B. Ecoflo), Venenverweilkanülen etc.
Tragen von Schutzhandschuhen
Nadelabwurfbehälter in der Nähe der Anwendung entsorgungspflichtiger Systeme
Vorgehen
Einstichstelle gründlich mit Wasser und Seife oder alkoholischer Lsg. reinigen
Blutfluss durch Druck auf das umliegende Gewebe fördern
chirurgische Wundversorgung, großzügige Desinfektion (z.B. Fingerbad in alkoholischer Lsg.), Nadel ggf. für mikrobiologische Untersuchung asservieren
Blutabnahme bei Patienten (Einverständnis unter Erklärung der Notwendigkeit zuvor einholen) und Betroffenen; Hepatitis-Serologie, HIV-Test (Impfstatus des „Empfängers“ und Infektiosität des „Spenders“)
Vorhersagewerteinschätzung bei Menschen mit Immunsuppression oder Immundefekt, da verzögerte Ak-Bildung
Infektionsdosis (blutgefüllte Nadel ≥Lanzette ≥Spritzverletzung) ermitteln; Krankheitsstadium des Patienten dokumentieren
Notwendigkeit einer Postexpositionsprophylaxe (PEP) schnellstmöglich evaluieren und einen in der HIV-Therapie erfahrenen Kollegen in den Entscheidungsprozess einbeziehen
Hepatitis-B-Impfstatus erfragen; Impfung existiert nicht → ggf. simultane Aktiv-Passiv-Immunisierung innerhalb von 24 h
Anti-HBc, Anti-HCV-AK sofort nach Gabe einer HIV-PEP Wo 6 und 16 kontrollieren
D-Arzt-Verfahren und ggf. Meldung beim Betriebsarzt
Prophylaxe
konsequentes Tragen von virusdichten Handschuhen bei jedem möglichen Kontakt mit Körpersekreten
Mundschutz und ggf. Schutzbrille bei möglicher Entstehung von Spritzern
kein Zurückstecken gebrauchter Nadeln in die Schutzkappe, sondern sofortiges Abwerfen in geeignete Container, kein Biegen oder Brechen gebrauchter Nadeln oder Skalpelle
auch wenn Speichel zu keiner HIV-Übertragung führen dürfte, bei Notwendigkeit einer Mund-zu-Mund-Beatmung sollte eine Gesichtsmaske getragen oder ein Ambu-Beutel benutzt werden
nach Nadelstich sollte bis zum Beweis des Gegenteils von potenzieller Infektiosität ausgegangen werden → „Safer Sex“, keine Blut- oder Organspenden
Claus Oster-Schmidt, Lutz Schmitz
TherapiegrundsatzTherapiedauer so kurz wie möglich, so lange wie nötig. Wann immer möglich Breitbandantibiotika meiden, da diese maßgeblich zur Resistenzbildung beitragen.
vor jeder Antibiotikagabe → Versuch einer Erregersicherung
fehlendes Ansprechen innerhalb weniger Tage auf eine empirisch begonnene Therapie → Behandlung überdenken
falls Antibiotikagabe unnötig → sofortiger Therapiestopp
Abnahme von Blutkulturen bei unklaren Fieberzuständen
Interpretation von Antibiogrammen: „sensibel“ nicht gleichsetzbar mit wirksam, da aus methodischen Gründen bis zu 20% falsch pos. bzw. falsch neg. Resultate
Antibiotikagabe bis ca. 5 d nach Entfieberung bei den meisten Erkrankungen ausreichend
Gabe eines Standardantibiotikums, da innovative Präparate Spezialindikationen vorbehalten bleiben sollten
Medikamentencheck auf Wechselwirkungen von gleichzeitig eingenommenen Präparaten, auch von sog. OTC-Produkten (z.B. Johanniskraut)
Berücksichtigung des Milieus vor Ort (saure oder anaerobe Verhältnisse) bei der Antibiotikawahl
Blutspiegelbestimmung bei Medikamenten mit geringer therapeutischer Breite (z.B. Aminoglykoside)
falls Sequenztherapie erforderlich, Umstellung von parenteral auf oral, sobald Befund und Symptome gebessert; Stoffklasse der Antibiotika nicht zwingend identisch
vor Antibiotikagabe Allergien abfragen; liegt anamnestisch eine Penicillinallergie vor, sollte diese stets im krankheitsfreien Intervall abgeklärt und dokumentiert werden (weitere Informationen unter https://infektiopedia.de/wiki/penicillinallergie). Das sog. „Delabeling“ lohnt sich, da in >75% keine Penicillinallergie vorliegt.
vor Antibiotikagabe nach einer vorliegenden Schwangerschaft fragen, da 5 Antibiotikaklassen in der Frühschwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Spontanaborte assoziiert sind: Makrolide (Ausnahme Erythromycin), Chinolone, Tetrazykline, Sulfonamide und Metronidazol
4C-Regel für Antibiotika mit hohem Risiko für das Auslösen einer Kolitis (kolitogene Potenz): Chinolone, Cefalosporine, Clindamycin, Amoxicillin/Clavulansäure
Antibiotika bei Niereninsuffizienz:
Einsatz von Wirkstoffen ohne Nephrotoxizität und mit großer therapeutischer Breite
Initial Standarddosis („loading dose“), nach der 3. Dosis Einzeldosisreduktion (z.B. bei sog. Konstantspiegel-Antibiotika wie Cefalosporine und Penicilline) oder Intervallverlängerung (z.B. bei sog. Spitzenspiegel-Antibiotika wie Gyrasehemmern und Aminoglykosiden)
Weitere Informationen unter www.dosing.de
Antibiotikaauswahl bei älteren Menschen unter Beachtung der FORTA (Fit fOR The Aged)-Liste (s. ▶ Tab. 2.1 ).
Cave
„Persister“ mit Antibiotikaresistenzgenen, die Plasmide tragen, können diese an andere Bakterien weitergeben. Dies ist unabhängig davon, ob mit Antibiotika therapiert wird oder nicht.
Tab. 2.1
Antibiotikaauswahl bei älteren Menschen unter Beachtung der FORTA-Liste (Fit fOR The Aged).
Kategorie
Allgemeine Bedeutung
Entsprechende Antibiotika
A
Das Arzneimittel wurde schon an älteren Patienten in größeren Studien geprüft, Nutzenbewertung fällt eindeutig positiv aus.
Penicilline ± Penicillinaseinhibitoren
B
Die Wirksamkeit ist bei älteren Patienten nachgewiesen, aber es gibt Einschränkungen bezüglich der Sicherheit und Wirksamkeit.
Cefalosporine
Makrolide (z.B. Clarithromycin → Cave: QTc-Verlängerung und WW)
C
Es liegt eine ungünstige Nutzen-Risiko-Relation für ältere Patienten vor. Die genaue Beobachtung von Wirkungen und Nebenwirkungen ist erforderlich. Wenn mehr als 3 Arzneimittel gleichzeitig eingenommen werden, wird empfohlen, diese Arzneimittel als erste wegzulassen. Der Arzt sollte nach Alternativen suchen.
Fluorchinolone (z.B. Moxifloxacin)
D
Diese Arzneimittel sollten fast immer vermieden werden. Der Arzt sollte Alternativen finden. Die meisten Substanzen aus dieser Gruppe sind meistens auch auf Negativlisten wie der PRISCUS-Liste zu finden.
Ciprofloxacin
5er-Regel für den erfolgreichen Antibiotikaeinsatz
richtiges (erregerspezifisches) Antibiotikum
zum richtigen Zeitpunkt
in der optimalen Dosierung
für die richtige Dauer
in der richtigen Applikationsform
Fieber per se keine Indikation für den Antibiotikaeinsatz
Verwendung eines Breitspektrumantibiotikums an Stelle eines Schmalspektrumpräparats bei identischer Wirksamkeit
unnötige Ausdehnung der Therapiedauer bzw. der perioperativen Prophylaxe → Förderung der Resistenzbildung
I.v.-Gabe bei äquieffektiver oraler Therapiemöglichkeit
Kombinationstherapie statt Gabe eines einzelnen Antibiotikums
keine Therapieumstellung bei Vorliegen des Resistogramms
keine Dosisadjustierung bei Leber- und/oder Nierenfunktionsstörungen
initiale Gabe eines falschen Medikaments aufgrund mangelhafter Kenntnisse zur aktuellen Resistenzsituation (Informationsquelle EARS-Net: European Antimicrobial Resistance Surveillance Network)
routinemäßige Gabe von Antibiotika, die schwersten Infektionen (z.B. mit oxacillinresistenten Staphylokokken) vorbehalten werden sollten
falsche Erregerisolierung (falsche Probenentnahme, Fehler beim Transport, virale Infektionen, Pilze oder Mischinfektionen)
ungeeignetes Antibiotikum
Resistenzentwicklung wird durch verschiedene Faktoren begünstigt: z.B. unnötiger oder ungezielter Einsatz (→ Verbesserung durch „antibiotic stewardship“: Nucleic-Acid-Testing-Verfahren zum direkten Erregernachweis), exzessiver Gebrauch in der Tierzucht (→ Eindämmung durch EU-Tierarzneimittelverordnung 2019/6 mit Inkrafttreten 2022), Umweltstabilität. Anmerkung: Die Resistenzsituation von Pseudomonas aeruginosa wird neben der von Acinetobacter baumannii und Enterobacteriaceae als kritisch eingestuft und stellt eine wachsende Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar. N. gonorrhoeae ist cefalosporin- und fluorchinolonresistent.
Immunsuppression, Immundefekte
unzureichende Konzentration am Infektionsort
je höher die minimale Hemmkonzentration (MHK), desto größer das Risiko für Therapieversagen – Anmerkung: Grenzwerte für die Bewertung der mikrobiellen Empfindlichkeit unter www.eucast.org (European Committee for Antimicrobial Susceptibility Testing) und unter www.nak-deutschland.org (Deutsches Nationales Komitee des EUCAST).
Inaktivierung oder Wirkungsminderung durch andere Medikamente, Ballaststoffe (z.B. 3 Löffel Weizenkleie → zeitlicher Mindestabstand 2–3 h) oder Infusionsflüssigkeiten
Anwesenheit eines Fremdkörpers (z.B. Katheter)
mangelnde Compliance, psychische Erkrankungen
Drug Fever
Durch Antibiotikaeinnahme kommt es zu tiefgreifenden reversiblen, teils langen persistierenden Veränderungen im intestinalen Mikrobiom (Ausnahme: Penicillin) mit noch weitgehend unbekannten Auswirkungen auf den menschlichen Organismus und die Wirkung parallel eingenommener Medikamente (z.B. Wirkungsverlust von Kontrazeptiva) ( ▶ Tab. 2.2 ).
Tab. 2.2
Veränderungen des Darmmikrobioms durch Antibiotika.
Wirkstoffe
Mikrobiomveränderungen
Amoxicillin, Amoxicillin + Clavulansäure, Cefalosporine, Makrolide, Clindamycin, Fluorchinolone
Enterobacteriaceae (ohne E. coli), v.a. Citrobacter ssp., Enterobacter ssp., Klebsiella ssp. ↑
Amoxicillin, Cefalosporine, Makrolide, Clindamycin, Fluorchinolone, Sulfonamide
E. coli ↓
Amoxicillin + Clavulansäure
Enterokokken, E. coli ↑, Bifidobakterien, Laktobazillen, Clostridien ↓
Amoxicillin
anaerobe Laktobazillen, Bifidobakterien, Eubakterien sowie anaerobe Bacteroides ↑
Clarithromycin
anaerobe Laktobazillen, Bifidobakterien ↓ (dauerhaft), E. coli ↓
Amoxicillin, Piperacillin, Cefalosporine
Enterococcus ssp. ↑
Makrolide
Enterococcus ssp., Streptokokken, Enterobakterien ↓
Piperacillin, Makrolide, Clindamycin, Fluorchinolone
anaerobe Bakterien ↓
Die längste Dauer an Veränderungen finden sich bei Clarithromycin plus Metronidazol mit ca. 4 Jahren, Clindamycin mit ca. 2 Jahren und Ciprofloxacin mit ca. 1 Jahr. Inwieweit der Einsatz von Probiotika zur Behebung der in ▶ Tab. 2.2 angeführten Kollateralschäden beitragen kann, ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.
Antibiotika sind ausschließlich gegen Erkrankungen mit Bakterien wirksam.
Keine Behandlung aufgrund einer Selbstdiagnose mit noch vorhandenen Antibiotika.
Antibiotika unbedingt so lange einnehmen, wie vom Arzt verordnet, da es sonst zur Ausbildung widerstandsfähiger (resistenter) Keime kommen kann.
Einnahme der Antibiotika am besten mit 1 Glas Leitungswasser. Milch und Grapefruitsaft können die Aufnahme einiger Wirkstoffe entscheidend vermindern, sodass das Medikament nicht seine volle Wirkung entfalten kann.
Keine eigenmächtige Zerkleinerung von Tabletten, da dadurch die Wirksamkeit gemindert werden kann. Selbst Bruchkerben/-rillen sind kein sicheres Zeichen für die Teilbarkeit.
Information des Arztes über alle eingenommenen Medikamente (z.B. Johanniskraut), um Wechselwirkungen unter den Präparaten zu verhindern.
Keine Entsorgung von Antibiotika in den Hausmüll, sondern Abgabe in der Apotheke. Auch keine Entsorgung über die Toilette, da in der Umwelt resistente Erreger entstehen können.
Siehe ▶ Tab. 2.3 .
Tab. 2.3
Übersicht zu Komedikationen und möglichen Wechselwirkungen mit Antibiotika.
Antibiotikum
Komedikation
Wechselwirkung
Penicilline
Salicylate, Indometacin, Phenylbutazon, Sulfinpyrazon
↑ Krampfneigung bei hoher Dosierung
Amoxicillin
MTX
Wi ↑ von MTX
Diuretika
Wi ↓ von Amoxicillin
Cefalosporine
Phenprocoumon
Wi ↑ von Phenprocoumon
Tetrazykline
Ciclosporin
immunsuppressive Wi ↑
Digoxin
Wi ↑ von Digoxin
Antazida, di- und trivalente Kationen: Mg2+, Ca2+, Zn2+, Al3+, Fe2+, Fe3+
Wi ↓ von Tetrazyklinen durch Chelatbildung (unlösliche Komplexe)
Phenprocoumon
Wi ↑ von Phenprocoumon
Carbamazepin
Wi ↑ von Carbamazepin
Barbiturate, Phenytoin
↓ Tetrazyklinabbau
Fluorchinolone
alle
Citalopram u.a. Antidepressiva, Pregabalin, Risperidon u.a. Psychopharmaka, Amiodaron u.a. Antiarrhythmika (QT-verlängernde Präp.)
QT-Intervall ↑
Theophyllin
Wi ↑ von Theophyllin
Phenprocoumon
Wi ↑ von Phenprocoumon
Ciprofloxacin
Clozapin
Wi ↑ von Clozapin
Carbamazepin
Wi ↑ von Carbamazepin
MTX
Wi ↑ von MTX
Ciprofloxacin, Levofloxacin
Ciclosporin, Tacrolimus
immunsuppressive Wi ↑
Makrolide
alle
Citalopram u.a. Antidepressiva, Pregabalin, Risperidon u.a. Psychopharmaka, Amiodaron u.a. Antiarrhythmika (QT-verlängernde Präp.)
QT-Intervall ↑
Digoxin
Wi ↑ von Digoxin
Ciclosporin
immunsuppressive Wi ↑
Phenprocoumon
Wi ↑ von Phenprocoumon
Theophyllin
Wi ↑ von Theophyllin
Mutterkornalkaloide
Wi ↑, Gefahr eines Ergotismus
Colchicin
Wi ↑ von Colchicin
Clarithromycin, Erythromycin
Carbamazepin
Wi ↑ von Carbamazepin
Statine
Wi ↑ von Statinen
Lincosamide
nicht depolarisierende Muskelrelaxanzien
↑ neuromuskuläre Blockade, Atemdepression
Sulfonamide
Citalopram u.a. Antidepressiva, Pregabalin, Risperidon u.a. Psychopharmaka, Amiodaron u.a. Antiarrhythmika (QT-verlängernde Präp.)
QT-Intervall ↑
Interaktion mit Wirkstoffen, die den Effekt von Sexualhormonen vermindern können: v.a. Cefalosporine, Penicilline, Tetrazykline, Sulfonamide → ↓ Resorption von oralen Kontrazeptiva → Patientenaufklärung empfehlenswert
Siehe ▶ Tab. 2.4 .
Tab. 2.4
Übersicht der Antibiotikagabe während der Schwangerschaft und Stillzeit.
Medikamente
Schwangerschaft
Stillzeit
Anmerkung
Penicilline
Antibiotika der Wahl
kompatibel
∅
Cefalosporine
anwendbar
kompatibel
ältere Cefalosporine bevorzugen
Tetrazykline
kontraindiziert
potenziell schädlich
Schwangerschaft: irreversible Zahnverfärbungen, Schmelzdefekte, reversible Verzögerung des Knochenwachstums und maternale Leberschäden
Stillzeit: Zahnverfärbungen
Chinolone
Penicilline, Cefalosporine, Makrolide bevorzugen
Stillzeit: Diarrhö, pseudomembranöse Kolitis
Erythromycin
Antibiotikum der Wahl
Schwangerschaft: kein Erythromycinestolat im 2. und 3. Trimenon → maternale Hepatotoxizität
Stillzeit: infantile hypertrophische Pylorusstenose möglich
Azithromycin
indikationsgerecht anwendbar, 2. Wahl nach Erythromycin
bessere Alternativen: Penicilline, Cefalosporine
Stillzeit: infantile hypertrophische Pylorusstenose möglich
Clindamycin
Antibiotikum der 2. Wahl.
bessere Alternativen: Penicilline, Cefalosporine, Makrolide
∅
Siehe ▶ Tab. 2.5 .
Tab. 2.5
Dosierung der Antibiotika bei Patienten mit Dysphagie.
Wirkstoff
Handelsname
Tagesdosis
Amoxicillin
InfectoMox 750 Saft
1,5/3 g
Benzathin-Penicillin V
InfectoBicillin 750 Saft
1,5/3 Mio. IE
Cefaclor
InfectoCef 500 Saft
1,5/2 g
Erythromycinestolat
InfectoMycin 400/600 Saft
1,6/1,8 g
Trimethoprim
InfectoTrimet 100 Saft
100/300/400 mg
Einnahmehinweise
Abklärung mittels Dysphagie-Screening-Tool, Geriatrie
Schlucken von großen Kapseln nach der „Chin tuck“-Methode (Kapsel-Nick-Trick): Kapsel auf die Zunge legen und Wasser trinken, Kopf nach vorne beugen und dann schlucken.
Schlucken von Tabletten: Kopf leicht reklinieren, große Tablette auf die Zunge legen, mit den Lippen die Öffnung der wassergefüllten flexiblen Flasche umschließen, einen kräftigen Schluck Wasser einsaugen und schlucken.
mit einer Mahlzeit 2×/d
Merke
Erstattungsfähige Verordnung von Antibiotika als Saft für Erwachsene in begründeten Ausnahmefällen, z.B. Dysphagie nach Schlaganfall oder bei multipler Sklerose (Dokumentationspflicht!).
Von einigen Antibiotika ist nachgewiesen, dass ein fehlendes therapeutisches Ansprechen nicht auf Resistenzen, sondern eine Unterdosierung des Wirkstoffs zurückzuführen ist (s. ▶ Tab. 2.6 , ▶ Tab. 2.7 ).
Tab. 2.6
Empfohlene Dosierung bei übergewichtigen Erwachsenen, in Anlehnung an Legacy Health, Infectious Disease Compendium (Auswahl, Stand 2020).
Wirkstoffe
Körpergewicht in kg
GFR in ml/min
>50
30–50
10–30
<10
Benzylpenicillin
<100
3 Mio. I.E. alle 4 h
2 Mio. I.E. alle 4 h
2 Mio. I.E. alle 8 h
1 Mio. I.E. alle 8 h
≥100
4 Mio. I.E. alle 4 h
3 Mio. I.E. alle 4 h
3 Mio. I.E. alle 8 h
2 Mio. I.E. alle 8 h
Ampicillin/Sulbactam
<80
1,5 g alle 6 h
1,5 g alle 8 h
1,5 g alle 12 h
1,5 g alle 24 h
≥80–139
3 g alle 6 h
3 g alle 8 h
3 g alle 12 h
3 g alle 24 h
≥140
4,5 g alle 6 h
4,5 g alle 8 h
4,5 g alle 12 h
4,5 g alle 24 h
Ceftriaxon
<80
1 g alle 24 h
≥80–129
2 g alle 24 h
≥130
3 g alle 24 h
Moxifloxacin
≤100
400 mg alle 24 h
101–139
600 mg alle 24 h
≥140
800 mg alle 24 h
≥150
750 mg alle 24 h
Clindamycin
<80
600 mg alle 8 h
≥80
900 mg alle 8 h
Tab. 2.7
Empfohlene Dosierung bei übergewichtigen Erwachsenen, in Anlehnung an C. Lübbert
▶ [2]
(Auswahl, Stand 2020) und Stanford Health Care
▶ [3]
Antimicrobial Dosis Guide for Obesity (Auswahl, Stand 2020).
Wirkstoff
Dosierung
Anmerkung
Amoxicillin
3×1 g p.o.
zugelassene max. Tagesdosis
Cefuroxim
4×1,5 g i.v.
Clarithromycin
3×500 mg i.v./p.o.
Alternative erwägen
Rifampicin
1×10 mg/kgKG i.v./p.o.
Dosierung nach IBW, bis 900 mg/d
IBW=ideal Body Weight
Siehe ▶ Tab. 2.8 .
Tab. 2.8
Besonderheiten verschiedener Antiinfektiva.
Wirkungsmechanismus
Chemische Eigenschaft
bakteriostatisch
bakterizid
lipophil
hydrophil
Tetrazykline
β-Laktam-Antibiotika
Penicilline
Cefalosporine
Carbapeneme
∅
β-Laktam-Antibiotika
Makrolide
Erythromycin
Clarithromycin
Azithromycin
∅
Makrolide
∅
∅
Fluorchinolone
Ciprofloxacin
Levofloxacin
Fluorchinolone
∅
Clindamycin
∅
∅
∅
Chloramphenicol
∅
∅
∅
Sulfonamide
Aminoglykoside
Gentamicin
Amikacin
∅
Aminoglykoside
∅
Vancomycin
∅
Vancomycin
∅
Rifampicin
Rifampicin
∅
∅
Metronidazol
∅
∅
Merke
Bei jedem 5. stationär mit einem Antibiotikum behandelten Patienten tritt mind. 1 unerwünschte Nebenwirkung auf, am häufigsten gastrointestinal und renal. Fast 50% dieser Nebenwirkungen entwickeln sich als sekundäre Infekte mehrere Wo später, z.B. die durch Clostridioides (C.) difficile hervorgerufene pseudomembranöse Enterokolitis, v.a. nach Therapie mit Fluorochinolonen und Cefalosporinen der 3. Generation.
Die regelmäßige PPI-Einnahme erhöht das Risiko für C.-difficile-Infektionen in der Klinik deutlich.
Durch PPI und H2-Blocker Risiko für intestinale Kolonisierung durch MDRO (Multidrug-resistant Microorganisms) um 75% ↑
Differenzierung der Ursache
Diarrhö durch Steigerung der GIT-Motilität
Verringerung anaerober Bakterien im Darm oder C.-difficile-Infektion
Therapie
stets Absetzen der Antibiotika, in sehr leichten Fällen als alleinige Maßnahme ausreichend
Diagnostik einer C.-difficile-Infektion: NAAT plus Enterotoxin (EIA aus flüssigem Stuhl). First-Line-Medikamente Vancomycin (Vancomycin Enterocaps) in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung 4×125(–500) mg/d p.o. für 10 d oder Fidaxomicin (Dificlir) 2×200 mg/d p.o. für 10 d – Anmerkung: orale Gabe von Vancomycin ausschließlich bei C.-difficile-Infektion. Hohe ototoxische Nebenwirkungsrate → irreparable Hörschädigung. In sehr schweren Fällen und solchen mit Komplikationen zusätzlich Tigecyclin (Tigacil) 2×50 mg/d i.v.
Cave: Bildung von vancomycinresistenten Enterokokken (VRE)
i.v.-Gabe bei pseudomembranösen Enterocolitiden unwirksam
Probiotikagabe in allen Fällen empfehlenswert (Lactobacillus acidophilus, casei, rhamnosus-haltige Präparate, z.B. Pascoflorin immun, Bio-K+)
Therapieschema bei stationären Patienten mit rezidivierenden pseudomembranösen Enterocolitiden
Vancomycin Lyomark 50 mg/ml zur oralen Gabe
Haltbarkeit der Lsg. im Kühlschrank 96 h
Alternativ: Fidaxomicin (Dificlir) 2×200 mg/d p.o. für 10 d, bakterizid nur gegen Gram-pos. Erreger → geringerer Einfluss auf das Darmmikrobiom, einsetzbar auch bei Kindern mit KG ≥12,5 kg in identer Dosierung als Suspension (Dificlir 40 mg/ml, ab Geburt zugelassen, Dosierung nach KG), geringere Rezidivraten als Vancomycin
Pat. mit hohem Rezidivrisiko (Alter >65 J und Immunkompromittierte) einmalige i.v. Infusion mit 10 mg/kgKG Bezlotoxumab (Zinplava, wirkt gegen das Toxin) über 1 h zusätzlich zur Antibiotikagabe
multiple rezidivierende C.-difficile-Infektionen → fäkaler Mikrobiotatransfer, vorher Untersuchung des Donorstuhls (Familienangehöriger) auf multiresistente Erreger
Dosierung s. ▶ Tab. 2.9
Tab. 2.9
Dosierung Vancomycin pro Woche.
Woche
Vancomycin-Dosis in mg p.o. als Lsg.
1
4×125
2
3×125
3
2×125
4
1×125
Meldepflicht bei C.-difficile-Infektionen Meldepflicht von schweren Verläufen einer C.-difficile-Infektion:
wenn ambulant erworben und stationäre Aufnahme erforderlich
bei Verlegung von stationären Patienten auf eine Intensivstation
bei Tod innerhalb von 30 d nach definitiver Diagnosestellung (direkte Todesursache oder wesentliche Teilursache)
▶ Tab. 2.10 .
Tab. 2.10
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) und Partnerbehandlung*.
Infektionskrankheit
Zurückverfolgung von stattgefundenen Sexualkontakten im Zeitraum von
Syphilis Stadium I / II / III / IV
¼ / ½ / 2 / bis zu 30 J
Gonorrhö
¼ J
Granuloma inguinale
bis zu 1 J
Ulcus molle
10 d
Chlamydieninfektionen
½ J
Trichomonadeninfektionen, Skabies
2 Mon
nicht gonorrhoische Urethritis
1 Mon
akute HIV-Infektion
3 Mon
*gemäß Leitlinie der IUSTI (International Union against Sexually Transmitted Infections) 2015.
Merke
Der behandelnde Arzt sollte sich vom Patienten die schriftliche Erklärung geben lassen, dass er potenziell Betroffene über seine Erkrankung in Kenntnis setzt.
Wirkungsspektrum
Penicillin G und V umfasst Gram-pos. Erreger und Anaerobier.
Gegen Gram-neg. Erreger wirken die strukturellen Varianten wie Aminopenicilline (z.B. Amoxicillin).
Die für Erwachsene und Kinder ggf. notwendigen Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz fassen ▶ Tab. 2.11 und ▶ Tab. 2.12 zusammen.
Tab. 2.11
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (Erwachsene).
Präparat
GFR von 30–10 ml/min
GFR <10 ml/min
Anurie
Penicillin V
keine Dosis- oder Dosisintervallreduktion
Dosierungsintervall 12 h
Flucloxacillin
2 g/12 h
1 g/8 h
1 g/12 h
Amoxicillin + Clavulansäure
2×500/125 mg
1×500/125 mg
Hämodialyse: initial 1,2 g, am Ende zusätzlich 600 mg
Benzylpenicillin-Benzathin
5 Mega/8 h
5 Mega/12 h
Hämodialyse: 3 Mega/12 h
GFR=glomeruläre Filtrationsrate
Tab. 2.12
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (Kinder).
Präparat
GFR bis 40 ml/min
GFR 20 ml/min
GFR 10 ml/min
Anurie
Penicillin V
ND
ND
50% der ND
in 2 ED
50% der ND
in 1 ED
Flucloxacillin
ND
75% der ND
in 3 ED
50% der ND
in 3 ED
25% der ND
in 1 ED
Amoxicillin + Clavulansäure
ND
25%der ND
in 2 ED
25% der ND
in 2 ED
15% der ND
in 1 ED
Benzylpenicillin-Benzathin
ND
60% der ND
in 3 ED
50% der ND
in 2 ED
20% der ND
in 2 ED
GFR=glomeruläre Filtrationsrate
ED=Einzeldosis
ND=Normaldosis
Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz Nicht erforderlich
Absolute KI
Penicillinunverträglichkeit
Kreuzallergie mit anderen β-Laktam-Antibiotika (z.B. Cefalosporinen) möglich, insgesamt selten
bei lidocainhaltigen Penicillin-Präparaten (z.B. Benzylpenicillin-Benzathin) zu beachten:
Anwendung in Geweben mit ↓ Durchblutung*
Überempfindlichkeit gegen Lokalanästhetika vom Säureamidtyp*
Relative KI
Anwendung bei viralen Erkrankungen (v.a. bei infektiöser Mononukleose) oder bei lymphatischer Leukämie zur Behandlung von Begleitinfekten: Exanthemrisiko ↑
schwere GIT-Störungen mit Durchfall und Erbrechen → parenterale Therapie
bei lidocainhaltigen Penicillin-Präparaten (z.B. Benzylpenicillin-Benzathin) zu beachten:
schwere Störungen des kardialen Reizleitungssystems und akute dekompensierte Herzinsuffizienz*
erniedrigte Krampfschwelle, z.B. bei Epilepsie*
Klinisch relevante WW
Kombination mit bakteriostatischen Antibiotika (z.B. Makrolide, Sulfonamide, Tetrazykline, Chloramphenicol): antagonistischer Effekt möglich!
Wi ↑ von: TAH und VKA → INR-Kontrolle
Wi ↓ von: oralen Kontrazeptiva (ergänzend nicht hormonelle empfängnisverhütende Maßnahmen)
Spiegel und Verweildauer ↑ von: Indometacin, Phenylbutazon, Salicylate, Sulfinpyrazon, Probenecid
Spiegel und Toxizität ↑ von: Methotrexat
bei zusätzlicher Anwendung von Epinephrin, Norepinephrin, Antiarrhythmika Kl. III → Verstärkung der systemischen Wirkung
Klinisch relevante NW
häufig: Phlebitis nach i.v. Gabe
gelegentlich: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Diarrhö, Bauchschmerzen, interstitielle Nephritis, Stomatitis, Glossitis, Lingua villosa nigra, Exantheme, Pruritus, Urtikaria
selten: pseudomembranöse Enterokolitis → Therapiestopp
sehr selten: Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Agranulozytose, hämolytische Anämie, akute Hepatitis, Cholestase, transitorische Leberenzymerhöhung, SJS, TEN
möglich: Langzeit- oder wiederholte Anwendung erhöhen Risiko für Superinfektionen mit resistenten Keimen oder mit Sprosspilzen (Candida albicans), Jarisch-Herxheimer-Reaktion
Schwangerschaft Antibiotika der 1. Wahl
Stillzeit Antibiotika der 1. Wahl
Cave
Jarisch-Herxheimer-Reaktion zu Beginn einer Behandlung von Spirochäteninfektionen (meist 2–12 h nach 1. Penicillingabe, häufig bei Früh-, selten bei Spätsyphilis, jedoch potenziell vital bedrohlich bei kardiovaskulärer oder neurologischer Beteiligung):
Symptome: Fieber, Allgemeinzustandsverschlechterung, Arthralgien durch raschen Spirochätenzerfall
Therapie: NSAID p.o., Bettruhe, Fortführung der Penicillingabe – Anmerkung: adjuvante Steroidgabe nicht evidenzbasiert. Selbstlimitierter Verlauf innerhalb von 24 h
Prophylaxe bei Spätsyphilis (>1 J): Prednisolon 1 mg/kgKG/d p.o. über 3 d, 1. Penicillingabe 24 h nach Steroidgabe
Praxistipps
Procedere bei Penicillinallergie: nach verzögerten Reaktionen (makulopapulöses Exanthem) sind Antibiotika aus der alternativen β-Laktamgruppe erlaubt; nach anaphylaktischer Reaktion auf ein β-Laktam-Antibiotikum oder nach schwerer Hautreaktion (z.B. SJS, TEN) Verzicht auf Penicilline und Cefalosporine.
Anmerkung: eine anamnestisch angegebene Penicillinallergie nach oraler Gabe lässt sich bei Erw. mittels PEN-FAST-Score abschätzen:
F (2 Pkt.): max. fünf J zurückliegend
A (1 Pkt.): Anaphylaxie/Angioödem oder
S (1 Pkt.): Schwere kutane NW (z.B. SJS, TEN)
T (1 Pkt.): Therapie erforderlich
neg. prädiktiver Wert >95% bei <3 Pkt. als Cut-off → Penicillinallergie unwahrscheinlich
keine bundesweite Arztmeldepflicht für Gonorrhö; in Sachsen für Syphilis namentliche Meldung bei Erkrankung und Tod bei konnatalen Infektionen
bei community acquired methicillinresistentem Staph. aureus (caMRSA) Sanierung der Menschen im häuslichen Umfeld (wie auch Haustiere und moderne Kommunikationsmittel → z.B. Smartphone-Reinigung mit Isopropanol)
Monitoring s. ▶ Tab. 2.13
bei Kurzzeitherapie: nicht erforderlich
bei Therapie >3 Wo: Kontrolle von BB, Nieren-, Leberwerten vor Therapie und alle 3 Wo
bei Risikopatienten (schwere Herz- oder Niereninsuffizienz, bekannte Elektrolytstörungen, Patienten mit spezieller Diät): engmaschige Elektrolytkontrolle
Patienten unter Antikoagulation mit VKA: häufigere, individuell festzulegende INR-Kontrollen
Tab. 2.13
Therapiemonitoring auf einen Blick.
Penicilline
Vorher*
Alle 3 Wo
BB
X
X
GOT, GPT, γGT, Krea, HS
X
X
*bei geplanter Langzeittherapie >3 Wo
Präparatebeispiele
Penicillin V: Penicillin V-ratiopharm 1,0 Mega/1,5 Mega Filmtbl., Isocillin Saft 300000 I.E./5 ml (saccharosehaltig)
Penicillin G: Infectocillin parenteral 1/5/10 Mega/exklusiv für Syphilistherapie Tardocillin 1200 für i.m. Injektion (lidocainhaltig), Pendysin 1,2 Mio. I.E. für i.m Injektion (lidocainhaltig)
Dermatologische Indikationen Haut- und Weichteilinfektionen: Pyodermie, Abszess, Furunkel, Phlegmone, Erysipel, Erysipeloid, Tierbissinfektion, Scharlach, Ecthyma, Syphilis (s.a. ▶ Tab. 2.14 )
Tab. 2.14
Therapie der Syphilis.
Indikation
Dosierung
Anwendungsdauer/Anmerkung
Frühsyphilis (bis 1 J) bei Erwachsenen
Benzathin-Penicillin G 2,4 Mio. I.E.
1×i.m. glutäal links/rechts je 1,2 Mio. I.E.
Alternativen nur bei Penicillinallergie: Doxycyclin 2×100 mg/d p.o. für 14 d oder Ceftriaxon 2 g/d i.v. als Kurzinfusion über ½ h für 10 d. Bei Primärsyphilis Rückverfolgung der Sexualpartner der letzten 3, bei Sekundärsyphilis der letzten 12 Mon
1 h vor der 1. Penicillingabe: 1 mg Prednisolon/kgKG p.o. oder i.v. wegen Herxheimer-Reaktion
1. serologische Kontrolle nach 3–4 Wo, weitere nach 3, 6, 9 und 12 Mon
Postexpositionsprophylaxe bei symptomlosen Sexualpartnern: idente Therapie
Spätsyphilis (>1 J oder unbekannter Infektionszeitpunkt) bei Erwachsenen
Benzathin-Penicillin G 2,4 Mio. I.E.
3×i.m. an den Tagen 1, 8 und 15
Alternativen: Ceftriaxon 2 g/d i.v. als Kurzinfusion über ½ h für 10–14 d, nur bei Penicillinallergie Doxycyclin 2×100 mg/d p.o. über 28 d.
Neurosyphilis bei Erwachsenen, auch okuläre oder Otosyphilis
Penicillin G 5×5 Mio. I.E./d oder 6×4 Mio. I.E./d oder 3×10 Mio. I.E./d
≥14 d i.v.
Alternativ: Ceftriaxon 2 g/d (initial 4 g) i.v. als Kurzinfusion über ½ h für 14 d. Doxycyclin 2×200 mg/d p.o. über 28 d kann erwogen werden, Liquorkontrolle nach ½ J
Anmerkung: okuläre Syphilis kann in jedem Stadium auftreten, am häufigsten assoziiert mit Neurosyphilis → Früherkennung und rasche Therapie, da irreversibler Visusverlust droht
Frühsyphilis in Schwangerschaft
Benzathin-Penicillin G 2,4 Mio. I.E.
1×i.m.
bei Penicillinallergie spezifische Immuntherapie (Toleranzinduktion) über 2–3 d in spezialisierten Zentren
Ceftriaxongabe nur ausnahmsweise
Spätsyphilis in Schwangerschaft mit neurologischen Symptomen
Benzathin-Penicillin G 2,4 Mio. I.E.
3×i.m. an den Tagen 1, 8 und 15
bei Penicillinallergie spezifische Immuntherapie
Ceftriaxongabe nur ausnahmsweise
Syphilis connata
Penicillin G 200000–250000 I.E./kgKG)
i.v. als Gesamtdosis über 14 d, verteilt auf 2 ED (1. Lebenswoche), 3 ED (ab 2. Lebenswoche), 4 ED (ab. 5. Lebenswoche)
Neurosyphilis bei Kindern, auch okuläre und Otosyphilis
Penicillin G 0,025 Mio. I.E./kgKG
6×/d über ≥14 d
Spätsyphilis bei Kindern
Benzathin-Penicillin G 50000 I.E./kgKG (max. 2,4 Mio. I.E.)
1×i.m.
Wirkungsspektrum Gram-pos. Erreger, auch Anaerobier: β-häm. Strepto-, Staphylo-, Meningo-, Gono-, Pneumokokken, Corynebacterium
Dosierung
Haut- und Weichteilinfektionen: 3×1–1,5 Mio. I.E./d p.o. über 7–10 d
Erysipel:
unkomplizierte Verläufe: 3×1,5 Mio. I.E./d p.o. abhängig vom Heilungsverlauf über 7–10 d
bei Penicillinallergie und unkompliziertem Verlauf: Clindamycin 3×600 mg/d p.o. über 5–7 d
bei häufig rezidivierenden Erysipelen: (3-4/J) zur Langzeitprophylaxe: Penicillin V 2x250mg/d p.o. für 1J oder bei mangelnder Adhärenz Penicillin-Benzathin 1,2 Mio. I.E. i.m. alle 2-3 Wo für 1J, wenn nach 6 Mon kein Rezidiv Verlängerung des Injektionsintervalls auf 1x/Mon; bei Penicillinallergie: Clarithromycin 1x500mg/d p.o. als Stand-by-Medikation → Einnahme bei ersten Symptomen → baldige Arztkonsultation od. 1x250mg/d p.o. ½ - 1 J.
stationäre Aufnahme: Allgemeinbefinden ↓ mit Fieber und Schüttelfrost, kompliziertes Erysipel mit Blasenbildung, Hämorrhagie, Nekrosen, Lokalisation im Gesicht, venöse oder arterielle Durchblutungsstörung, gastrointestinale Resorptionsstörungen, Immunsuppression, Erysipelrezidive) → Penicillin G 4×5 Mio. I.E./d i.v. (Anmerkung: 3×10 Mio I.E. i.v. mit schlechterer Pharmakokinetik!) für 5–7 d plus Thromboseprophylaxe, alternativ bei Penicillinallergie/Mischinfektion: Clindamycin 3–4×600 mg/d i.v./p.o. über 5–7 d. (Anmerkung: Therapieeskalation frühestens 3–5 d nach erfolgloser First-Line-Therapie mit Penicllin G → Ampicillin/Sulbactam 3×3 g i.v. plus Clindamycin 3–4×600 mg i.v./p.o. über 5–7 d)
Erysipeloid
unkomplizierte Fälle: Penicillin V 1,2–3 Mio. I.E./d p.o. über 10 d
bei Penicillinallergie: Clindamycin 3×300–600/d p.o.
bei Endokarditis (als Komplikation) stationäre Aufnahme auf einer internistischen Abteilung
Scharlach (meistens Kinder)
Kinder: Penicillin V 100000 I.E./kgKG/d p.o. in 4 ED (max. Tagesdosis 2 Mio. I.E., First-Line-Therapie) über 7 d
Säuglinge und Kleinkinder: Isocillin 3×100000 I.E. über 7 d
Schulkinder und Erwachsene: Isocillin 3×1,2 Mio I.E./d p.o.
Penicillinallergie bei Kindern: Clindamycin 40 mg/kgKG/d p.o. in 3 ED
Penicillinallergie bei Erwachsenen: Clindamycin 3×0,6) g/d p.o.
Anmerkung: Urinkontrolle wegen Auftretens einer Poststreptokokkenglomerulonephritis (selten) während der akuten Erkrankung und 2–4 Wo später (immunologische Reaktion)
Impetigo contagiosa
Penicillin V 3×1,2–1,5 Mio. I.E./d p.o. für 5–7 d bei Nachweis β-hämolysierender Streptokokken
bei Penicillinallergie: Clindamycin 0,6–1,8 g/d p.o.
Anmerkung: Urinkontrolle wegen Auftretens einer Poststreptokokkenglomerulonephritis (selten) während der akuten Erkrankung und 2–4 Wo später; ohne Erregernachweis Clarithromycin 2×0,5 g/d p.o. oder Cefalexin 3–4×1 g/d p.o. oder Cefadroxil 1–2–1 g/d p.o. plus Lokaltherapie mit Antiseptikum (z.B. Octenidin 0,1%); Kombination mit topischem Antibiotikum ist zu meiden
Anmerkung: stets penible Körperhygiene, Waschen von Kleidung, Handtüchern und Bettzeug bei mind. 60°C
Ecthyma
Penicillin V 3×1,2–1,5 Mio. I.E./d p.o. für 10 d, wenn nach 2 d sine effectu Umstellung auf Cefalexin 3–4×1 g/d p.o. oder Cefadroxil 1–2×1 g/d p.o. plus Lokaltherapie (s. Impetigo)
Schwangerschaft Antibiotika der Wahl
Stillzeit Antibiotika der Wahl
Kinder Anwendbar ab reifem Neugeborenalter (zur Dosierung s.a. ▶ Tab. 2.15 )
Tab. 2.15
Dosierung bei Kindern: KG- und altersangepasste Tagesdosis von Penicillin V als Lsg.
Alter
KG (kg)
Tagesdosis (ml)
I.E.
bis zu 1 Mon
3–4
3×1
160000–210000
2–3 Mon
4–5
3×1–1,5
180000–290000
4 Mon–1 J
bis 10
3×2,5–3
400000–600000
1–2 J
10–15
3×3,5–5
600000–900000
2–4 J
15–22
3×5–7,5
900000–1,4 Mio.
4–8 J
22–30
3×7–10
1,2 Mio.–1,8 Mio.
8–12 J
>30
3×7–14
1,2 Mio.–2,4 Mio.
1 Messlöffel ≙ 5 ml ≙ 300000 I.E.
Einnahmehinweise
1 h vor den Mahlzeiten mit 1 Glas Leitungswasser, bei Kindern Einnahme zu den Mahlzeiten (nicht Penicillin V)
Bei i.m.-Injektion: tief glutäal langsam und mit schwachem Druck, bei wiederholter Gabe Wechsel der Injektionsstelle
Praxistipps
bei Infektionen mit β-hämolysierenden Streptokokken Behandlung mind. 10 d, um Spätkomplikationen (z.B. rheumatisches Fieber) zu vermeiden
bei gesicherter Syphilis stets HIV-Ausschluss und Vorstellung beim Ophthalmologen
Erysipel der unteren Extremitäten als Hinweis auf ein subklinisches Lymphödem
akutes Erysipel → Staph. aureus pos. assoziiert mit Erysipel, Abstrich aus dem ZZR → bei Pilznachweis lokal Bifonazol, z.B. Bifon Lsg. oder Ciclopiroxolamin, z.B. Ciclopoli-Lsg.
chron. rez. Erysipel → pos. assoziiert mit Tinea pedis interdigitalis → antimyzetische Lokaltherapie; lokal kühlende desinfizierende Umschläge mit Octenidin 0,1% oder Chlorhexidin 1%, nach Entfieberung Kompressionsverband
Risikofaktoren für das ↓ Ansprechen auf die Standardtherapie: bullöses/hämorrhagisches Erysipel, Stauungsdermatitis, CVI
Scharlach: vor Therapie Nachweis von GAS (β-hämolysierende Streptokokken der Lancefield-Gruppe A) mittels Rachenabstrich, Isolierung für 24 h nach Therapiebeginn, Bettruhe, keine Abstrichkontrolle nach erfolgter Therapie erforderlich, keine bundeseinheitliche Meldepflicht; Rachenabstrich von direkten Kontaktpersonen → Therapie nur bei GAS-Nachweis
Nieren- oder Herzerkrankungen, Patienten unter natriumkontrollierter Diät → Benzylpenicillin-Lsg.: 1 Mio. IE=1,5 mmol K+ + 1,9 mmol Na+ → bei Hochdosis- und Langzeittherapie Elektrolytstörungen → engmaschige Kontrolle von Na+ und K+
selten: Auslöser eines „symmetrical drug-related intertriginous and flexural exanthema“ (SDRIFE)→ sofortiges Absetzen und lebenslanges Meiden des Medikamentes, selbstlimitierter Verlauf; 5 Diagnosekriterien nach Häusermann et al. ▶ [1]:
Auftreten nach systemischer Erst- oder Reexposition eines Medikamentes (Kontaktallergenausschluss)
scharf begrenzte glutäale/perianale Erytheme und/oder V-förmige inguinale/perigenitale Erytheme
Befall mindestens einer weiteren Körperfalte (z.B. Ellenbeugen)
symmetrisches Auftreten
Fehlen von Systemzeichen
Anmerkung: weitere Antibiotika als Auslöser eines SDRIFE: Amoxicillin, Ceftriaxon, Cefuroxim, Clindamycin, Erythromycin, Cotrimoxazol u.a.
PräparatebeispielFlucloxacillin Ibisqus 250/500/1000/2000 mg zur Herstellung einer Injektions-/Infusions-Lsg., Flucloxacillin Altamedics 500 mg Hart-Kps.
Dermatologische Indikationen Haut-, Weichteil- und Schleimhautinfektionen: Furunkel, Furunkulose, Karbunkel, Abszess,Pyodermie, begrenzte Phlegmone, Staphylococcal Scalded Skin Syndrome (SSSS), Impetigo contagiosa, Pyomyositis
Wirkungsspektrum
Wie Penicillin G + β-Laktamase-produzierende Staphylokokken, Streptokokken
Resistenz: MRSA, MRSE
Dosierung
oral: Erwachsene und Kinder >10 J: 1–3 g in 3–4 ED
parenteral:
Erwachsene und Kinder >12 J: 1–3 g in 3–4 ED als i.v. Injektion, i.v. Infusion oder i.m. Injektion (max. Tagesdosis 12 g)
Kinder 10–12 J: 1,5–2 g in 3–4 ED
Kinder 6–10 J: 0,75–1,5 g in 3–4 ED ( ▶ Tab. 2.16 )
Haut- und Weichteilinfektionen: 3–4×1 g/d p.o. oder i.v. über 7–10 d
Follikulitis: 3×1 g/d p.o. über 5–7 d
Abszess, ausgeprägte Furunkulose, Karbunkel (MRSA-neg.): 3–4×1g/d i.v. über 5–17 bei zentrofazialer Lokalisation (1st line)
Anmerkung: Punktion zur Probengewinnung für Erregerbestimmung, Inzision, Legen einer Drainage, chirurgische Versorgung, topisches Antiseptikum (z.B. Granudacyn (Gemisch aus NaCl, hypochloriger Säure und Na-Hypochlorit) → darf im Gegensatz zu Octenidin in Wundhöhlen gelangen), oft ausreichend
Indikationen für zusätzliche systemische Antibiotikagabe: Lokalisation (Gesicht, Hände, genitoanal), Immundefizienz, Rezidive
First-Line-Therapie (kalkulierte Therapie): Ampicillin/Sulbactam 3×3 g/d i.v.
schwere Impetigo contagiosa:
4×0,5 g/d p.o. für 5 d bei Nachweis von Staph. aureus
bei Nachweis von caMRSA: Trimethoprim, Sulfamethoxazol 2×800 mg/160 mg/d p.o.
topisch: lokales Antiseptikum (z.B. Octenidin) 2–3×/d, octenidinhaltiges Nasengel (z.B. Octenisan)
SSSS (nicht MRSA):
Erwachsene: 4×2 g/d i.v., Therapie nach Antibiogramm, sobald verfügbar
Kinder: 4×35–40 mg/kgKG/d i.v.
SSSS bei nachgewiesenem caMRSA:
Erwachsene: Vancomycin 2×1 g/d i.v.
Kinder 3–4×40–60 mg/kgKG/d i.v.
zusätzlich Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution sowie adäquate Schmerztherapie
Tab. 2.16
Kinder: Altersadaptierte Tagesdosis bei parenteraler Gabe
Alter
Tagesdosis
Neugeborene
15 mg/kgKG (Anfangsdosis) gefolgt von 10 mg/kgKG/8 h
Kleinkinder
40–50 mg/kgKG/d in 3–4 ED
Kinder 6–10 J
3×250–500 mg/d
Kinder 10–14 J
3–4×500 mg/d
KI absolutzusätzlich zu Penicillin allgemein (s. Kap. ▶ 2.2.1): Leberfunktionsstörung oder Ikterus unter früherer Flucloxacillintherapie
Klinisch relevante WW zusätzlich zu Penicillin allgemein (s. Kap. ▶ 2.2.1): keine gleichzeitige i.v.-Anwendung von: Colistin, Gentamicin, Kanamycin, Polymyxin B und Streptomycin → Risiko des Aktivitätsverlusts
Klinisch relevante NW
sehr selten: Cholestase, v.a. bei älteren Menschen und längerer Therapiedauer (>2 Wo) → Therapieabbruch
Stillzeit Nutzen-Risiko-Abwägung, lt. Embryotox Antibiotika der Wahl
Kinder
oral: Alter ≤10 J kontraindiziert
parenteral: Neugeborene → Risiko für Hyperbilirubinämie und Kernikterus ↑ → Einsatz nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung
Schwangerschaft Nutzen-Risiko-Abwägung, lt. Embryotox Antibiotika der Wahl
Einnahmehinweise
ca. ½ bis 1 h vor einer Mahlzeit mit 1 Glas Leitungswasser
parenteral: siehe ▶ Tab. 2.16
kein Alkoholkonsum
Therapiedauer möglichst nicht >2 Wo
Praxistipps
verzögertes Auftreten einer medikamentenbedingten Hepatitis noch bis 2 Mon nach Therapieende möglich
Abszesse, die rasch entstehen, früh zur Nekrosenbildung führen und schnell rezidivieren → V.a. PVL-bildenden Staph. aureus
begrenzte Phlegmone: meistens Staph. aureus, DD Erysipel → Entzündungsparameter höher: CRP mit Cut-off-Wert ab 3,27 mg/dl, Leukozytose
Alter ≥50 J → Risiko für hepatotoxische NW erhöht.
Monitoring
bei Langzeittherapie zusätzlich zu Penicillin allgemein (s. Kap. ▶ 2.2.1):
Bili, AP alle 3 Wo bis 2 Mon nach Therapieende
Präparatebeispiel Amoxicillin/Clavulansäure Heumann 500 mg/125 mg Filmtbl. (nicht teilbar), Amoxiclav Elpen 875 mg/125 mg Pulver (Verhältnis 7:1, aspartamhaltig), Amoxicillin-ratiopharm comp 125 TS/250 TS Pulver (Verhältnis 4:1, glukose-, aspartamhaltig), Amoxiclav Ibisqus 500 mg/100 mg zur Herstellung einer Injektions-/Infusions-Lsg. und 2000 mg/200 mg zur Herstellung einer Infusions-Lsg.
Dermatologische Indikationen Haut- und Weichteilinfektionen, v.a. Infektionen der unteren Hautschichten, Tierbisse
Wirkungsspektrum Gram-neg. und Gram-pos. Erreger, deren Resistenz auf β-Laktamasen beruht
Dosierung für Erwachsene und Kinder mit KG ≥40 kg Haut- und Weichteilinfektionen: 3×625(–1250)/d p.o. oder 3–8 g/d i.v. in 3–4 ED je nach Schwere
Dosierung für Kinder mit KG <40 kg
Kinder Alter <3 Mon oder KG <4 kg: 2×25 mg/5 mg/kgKG/d i.v.
Kinder Alter ≥3 Mon: 3×25 mg/5 mg/kgKG/d .i.v.
Kinder ≥6 kg bis 25 kg: 45 mg/kgKG/d p.o. als Saft in 3 ED (3×1,8 [minimal] –8,4 [maximal] ml über den angegebenen KG-Bereich)
Kinder ≥25 kg bis <40 kg: 20 mg/5 mg/kgKG/d p.o. als Tbl. in 3 ED, je nach Schwere auch höher dosiert
KI absolut zusätzlich zu Penicillin allgemein (s. Kap. ▶ 2.2.1):
hochgradig eingeschränkte Leberfunktion (Child-Pugh C)
Leberfunktionsstörungen unter einer früheren Therapie mit Amoxicillin/Clavulansäure
KI relativ zusätzlich zu Penicillin allgemein (s. Kap. ▶ 2.2.1):
Saft: Glukose-Galaktose-Malabsorption
Alter >60 J
Klinisch relevante WW zusätzlich zu Penicillin allgemein (s. Kap. ▶ 2.2.1):
Allopurinol: Wahrscheinlichkeit für allergische Hautreaktionen ↑
Wi ↑ von: Disulfiram
Schwangerschaft Bei entsprechendem Keimspektrum einsetzbar
Stillzeit Bei entsprechendem Keimspektrum einsetzbar
Kinder
Saft: Alter <3 Mon kontraindiziert
Tbl: KG <25 kg kontraindiziert
Anmerkung: parenteral keine Einschränkung
Einnahmehinweise
Tbl. zu Beginn einer Mahlzeit mit 1 Glas Leitungswasser
Saft (präferenziell im Alter <6 J einzusetzen) und Suspension ebenfalls zu Beginn einer Mahlzeit
Cave
Reaktionsvermögen gelegentlich ↓
keine Gabe bei infektiöser Mononukleose und lymphatischer Leukämie → morbilliformes Exanthem
akutes nicht vorhersagbares Leberversagen
Alter >65 J: Risiko für akutes Nierenversagen und Hyperkaliämie ↑ (geringer als bei Trimethoprim/Trimethoprim-Sulfamethoxazol)
Monitoring
bei Langzeittherapie zusätzlich zu Penicillin allgemein (s. Kap. ▶ 2.2.1):
Leberfunktionskontrolle (GOT, GPT, γGT, Bili, AP) bis 2 Mon nach Therapie
Anmerkung:
bei Langzeittherapie Aminotransferasen häufig ↑
ohne Vorliegen eines Leberschadens und ohne Auftreten einer Cholestase Anstieg bis zum 3- bis 4-Fachen des ONW tolerierbar
Cefalosporine zählen wie die Penicilline zu den β-Laktam-Antibiotika und zeichnen sich durch eine gute Verträglichkeit aus. Kreuzallergien zu Penicillinen sind eher selten, z.B. bei Amoxicillin und Cefadroxil, außerdem Ampicillin und Cefaclor/Cefalexin wegen identer R1-Seitenkettengruppen und sind zwischen Cefalosporinen mit unterschiedlichen R1-Seitenkettendeterminanten nicht zu erwarten. Cefalosporine sind durch eine natürliche Resistenz gegen Listerien und Enterokokken sowie ein geringes Interaktionspotenzial gekennzeichnet. Orale Darreichungsformen weisen oft eine schlechte Bioverfügbarkeit auf, z.B. Cefuroximaxetil (Ausnahme: z.B. Cefaclor). Einige Cefalosporine sind liquorgängig:
Cefepim
Cefotaxim
Ceftriaxon
Cefuroxim
Dosisanpassungen
Leberinsuffizienz: nicht erforderlich
Niereninsuffizienz: s. ▶ Tab. 2.17 und ▶ Tab. 2.18
Tab. 2.17
Dosisanpassung bei Erwachsenen mit Niereninsuffizienz.
Präparat
GFR ≥30 ml/min
<10 ml/min
Hämodialyse
Cefaclor p.o.
nicht erforderlich
Cefuroximaxetil p.o.
nicht erforderlich.
0,5 g alle 48 h
zusätzlich eine Standardeinzeldosis nach der Dialyse
Cefuroxim i.v.
nicht erforderlich
0,75 g/d
Startdosis 1,5 g, Erhaltungsdosis 0,75 g/d, nach der Dialyse zusätzlich 0,75 g
Ceftriaxon i.v.
nicht erforderlich
GFR=glomeruläre Filtrationsrate
Tab. 2.18
Dosisanpassung bei Kindern mit Niereninsuffizienz.
Präparat
GFR 20–40 ml/min
GFR 20 ml/min
GFR 10 ml/min
Anurie
Cefaclor p.o.
nicht erforderlich
Cefuroximaxetil p.o.
nicht erforderlich
½ ND
⅓ ND
¼ ND
Ceftriaxoni.v.
nicht erforderlich
80% der ND
½ ND
GFR=glomeruläre Filtrationsrate; ND=Normaldosis
Dermatologische Indikationen Haut- und Weichteilinfektionen: Impetigo contagiosa, Follikulitiden, Furunkel, Karbunkel, bakterielle Paronychie, Ecthymata, Borreliose, STI
Einnahmehinweise
Oral-Cefalosporine mit 1 Glas Leitungswasser unabhängig von einer Mahlzeit. Ausnahme: Cefuroximaxetil, Cefpodoximproxetil (→ Verbesserung der Bioverfügbarkeit durch gleichzeitige Nahrungsaufnahme)
KI absolut
Kreuzallergie mit anderen β-Laktam-Antibiotika (Penicilline, Carbapeneme, Monobactame) in der Anamnese
KI relativ
ausgeprägte Allergie oder Asthma in der Anamnese
schwere GIT-Störungen mit Erbrechen und Diarrhö (↓ Wi)
hereditäre Fruktoseintoleranz
Glukose-Galaktose-Malabsorption
Saccharase-Isomaltase-Mangel (flüssige saccharosehaltige Darreichungsformen)
Klinisch relevante WW
in Kombination mit bakteriostatisch wirkenden Antibiotika (z.B. Tetrazykline, Erythromycin, Sulfonamide) antagonistischer Effekt möglich → Kombination nicht empfohlen
Kombination mit potenziell nephrotoxischen Medikamenten (z.B. Aminoglykosid-Antibiotika, Schleifendiuretika, wie Furosemid) nicht empfohlen → Nephrotoxizität ↑
Cefalosporin-Serumspiegel ↑ durch: Probenecid → Kombination meiden
Wi ↓ von: oralen Kontrazeptiva (ergänzend nicht hormonelle empfängnisverhütende Maßnahmen)
Wi ↓ von Heparin und VKA durch: Ceftriaxon, Cefuroxim
Ceftriaxon-Infusions-Lsg.: keine Mischung mit Ca2+-haltigen i.v.-Lsg. → Ausfällungen
Ceftriaxon, Cefuroxim: falsch pos. Coombs-Test
Resorption von Cefuroxim ↓ durch: PPI und H2-Rezeptorblockern → Kombination meiden
Ceftriaxon: Ciclosporin A- und Phenytoin-Spiegel ↑ → Kombination meiden
Ceftriaxon (nicht Cefuroxim) plus Lansoprazol → QT-Verlängerung auf 500 ms → Kombination meiden
Klinisch relevante NW
häufig: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Pruritus, Exantheme unterschiedlicher Morphe
gelegentlich: reversible Blubildveränderungen (Neutropenie, hämolytische Anämie, Agranulozytose), reversible interstitielle Nephritis (Krea ↑), reversible Leberenzymerhöhungen (Aminotransferasen, AP), Hypertonie, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Nervosität, Vaginalmykosen. Phlebitis nach Infusion (Ceftriaxon)
selten: Enzephalopathie (v.a. bei älteren Menschen mit schwerer Niereninsuffizienz oder ZNS-Störungen), reversibler Sludge in Gallenblase und Nieren (Ceftriaxon) → sonografische Kontrolle nach Therapie, pseudomembranöse Enterokolitis (v.a. durch Ceftriaxon) → Therapiestopp → Maßnahmen s. Abschn. „Antibiotikaassoziierte pseudomembranöse Enterokolitis“ in s. Kap. ▶ 2.1.6
sehr selten: reversible Blutbildveränderungen (Thrombo-, Leukopenie, Lymphozytose, Eosinophilie), Proteinurie, Hepatitis, Cholestase
möglich: DRESS, AGEP, EEM, SJS, TEN, Superinfektionen
Schwangerschaft
Antibiotika der Wahl
Bevorzugung von Cefaclor, Cefalexin, Cefuroxim
Stillzeit
Antibiotika der Wahl
Bevorzugung von Cefaclor, Cefalexin, Cefuroxim
Kinder ø KI
Merke
Eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion (s. Kap. ▶ 2.2.1) ist bei Therapie einer Borreliose deutlich geringer als bei Syphilis ausgeprägt und bedarf keiner Prämedikation mit einem Steroid.
Praxistipps
Cefotaxim und Ceftriaxon sollten wegen ihrer Staphylokokkenschwäche nicht mehr zur perioperativen Prophylaxe eingesetzt werden.
Bei nachgewiesener Cefalosporinallergie kann bei entsprechender Indikation ein Cefalosporin mit anderen R1-Seitenkettendeterminanten nach vorausgegangenem Pricktest mit fehlender Reaktion (=neg. Ergebnis) eingesetzt werden.
Monitoring s. ▶ Tab. 2.19
nicht erforderlich bei Kurzzeitherapie
bei Anwendung ≥3 Wo: BB, Krea, Aminotransferasen, AP vor Therapie und alle 3 Wo
bei Patienten unter Antikoagulation mit VKA: INR-Kontrolle in individuell festzulegenden Abständen
Tab. 2.19
Therapiemonitoring auf einen Blick.
Cefalosporine
Vorher*
Alle 3 Wo
BB
X
X
GOT, GPT, AP, Krea
X
X
* bei geplanter Langzeittherapie ≥3 Wo
Präparatebeispiel Cefaclor Aristo 500 mg Kps., 125 mg/5 ml, 250 mg/5 ml Suspension (saccharosehaltig)
Dermatologische Indikationen Haut- und Weichteilinfektionen
Dosierung
Erwachsene: 1,5–3 g/d p.o. in 3 ED über 5–10 d (abhängig vom Schweregrad)
Kinder bis 6 J: 30 (–50) mg/kgKG/d p.o. in 2–3 ED, max. 1 g/d p.o. über 5 (–7) d (s.a. ▶ Tab. 2.20 )
Kinder 6–10 J: 500–750 mg/d p.o. in 2–3 ED, max. 1 g/d p.o. in 2–4 ED (s.a. ▶ Tab. 2.20 )
Kinder ab 10 J: 3×250–500 mg/d, max. 3×1 g/d p.o.
Tab. 2.20
Standarddosierung von
Cefaclor Aristo
Suspension (1 Messlöffel ≙ 5 ml).
Alter des Kindes in J
125 mg Saft: Tagesdosis in ml
250 mg Saft: Tagesdosis in ml
bis ½
3×2,5
∅
½–1
4×2,5
∅
1–2
3×5
3×2,5
3–5
10–5–10
5–2,5–5
6–10
3×10
3×5
Cave
Bei Kindern sind Zahnverfärbungen möglich.
Präparatebeispiel
Elobact 125/250/500 mg Filmtbl., 125 mg/5 ml Trockensaft (saccharose-, aspartamhaltig), Cefuroxim Fresenius 1500 mg zur Herstellung einer Infusions-Lsg.
Dermatologische Indikationen
unkomplizierte Haut- und Weichteilinfektionen: Furunkel, Furunkulose, Karbunkel, Panaritium, Bulla repens, Pyoderma vegetans, Lyme-Borreliose im Frühstadium, impetiginisiertes dyshidrotisches Ekzem, Scharlach
Infusions-Lsg.: Weichteilinfektionen
Dosierung (oral)
Erwachsene und Kinder (KG ≥40 kg):
2×250–500 mg/d p.o. (zugelassene Dosis 0,5–1,5 g/d)
unkomplizierte Infektionen von Haut- und Weichteilgewebe: 2×250 mg/d p.o. für 7–10 d
Paronychie, Bulla repens, impetiginisiertes Ekzem: 2×500 mg/d p.o. für 7–10 d
Scharlach: 2×250 mg/d p.o. über 5–7 d
Karbunkel und Furunkel (zentrofazial): 3x750mg/d i.v. über 5-7d
Borreliose im Frühstadium 2×500 mg/d p.o. für 2 (lokalisiert) bzw. 3 Wo (disseminiert) bei Doxycyclin- bzw. Penicillinunverträglichkeit in der Schwangerschaft
Merke
Bei oraler Applikation ist die Entwicklung von MRGN-Bakterien (m
