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Die Tagfalter und Widderchen Tirols, ein traditioneller Forschungsschwerpunkt der Tiroler Landesmuseen, werden von einem Autor*innenteam erstmals umfassend bearbeitet. Diese Sympathie erweckenden Schmetterlingsgruppen umfassen 186 einheimische oder regelmäßig zuwandernde Arten. Die Verbreitung, Lebensraumansprüche, Biologie und Flugzeiten dieser Arten werden ausführlich beschrieben und mit Bildern, insbesondere von Faltern, sowie mit Verbreitungskarten illustriert. Darüber hinaus wird als Novum eine Gefährdungseinschätzung in Form einer Roten Liste gegeben. Sie zeigt eine massive Bedrohung der einheimischen Falterbestände, der es entgegenzusteuern gilt. Autoren: Peter Huemer, Kurt Lechner, Alois Ortner, Romed Unterasinger, Gerhard M. Tarmann & Benjamin Schattanek-Wiesmair
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Seitenzahl: 790
Veröffentlichungsjahr: 2024
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VERBREITUNG, BIOLOGIE, GEFÄHRDUNG
Peter Huemer, Kurt Lechner, Alois Ortner, Romed Unterasinger, Gerhard M. Tarmann & Benjamin Schattanek-Wiesmair
unter Mitarbeit von Eva Benedikt, Karel Černý, Helmut Deutsch, Siegfried Erlebach, Raimund Franz, Walter Michaeler, Alfred Otter, Manfred Pfeifer, Sven Plattner, Kurt Regensburger, Johannes Rüdisser, Petra Schattanek-Wiesmair sowie zahlreichen Schmetterlingsfreund*innen
Universitätsverlag Wagner
Zusammenfassung
Abstract
Einleitung
Dank
METHODISCHE GRUNDLAGEN
Biodiversitätsdatenbanken
Wissenschaftliche Belegsammlungen
Publikationen und handschriftliche Quellen
Systematische und artspezifische Bestandserhebungen
Citizen Science
Verbreitungskarten
Gefährdungsfaktoren
Gefährdungseinstufung
LEBENSRÄUME
Offenes Kulturland
Hoch- und Übergangsmoore
Bergwildnis
Waldlebensräume
SYSTEMATISCHER ÜBERBLICK
Familienübersicht
ARTBESPRECHUNGEN
Dickkopffalter – Hesperiidae
Ritterfalter – Papilionidae
Weißlinge – Pieridae
Bläulinge – Lycaenidae
Würfelfalter – Riodinidae
Edelfalter – Nymphalidae
Widderchen – Zygaenidae
Exkludierte Arten
Systematische Checkliste und Rote Liste
Literatur
Index zu deutschen Artnamen
Index zu wissenschaftlichen Artnamen
Die Tagfalter (Papilionoidea) und Widderchen (Zygaenidae) Tirols werden erstmals umfassend monographisch bearbeitet. Methodische Grundlagen, Lebensräume sowie Gefährdungsfaktoren werden ausführlich beschrieben. Ein umfassender systematischer Abschnitt widmet sich übersichtsmäßig den involvierten Familien sowie im Detail den Arten. Das behandelte Artenspektrum inkludiert 18 Dickkopffalter (Hesperiidae), 5 Ritterfalter (Papilionidae), 17 Weißlinge (Pieridae), 42 Bläulinge (Lycaenidae), 1 Würfelfalter (Riodinidae), 83 Edelfalter (Nymphalidae) und 20 Widderchen (Zygaenidae) bzw. insgesamt 186 Arten. Verbreitung, Lebensraumansprüche, Biologie und Phänologie aller Arten werden ausführlich beschrieben und mit Bildern, insbesondere von Faltern, sowie mit Verbreitungskarten illustriert. Analysen der Bestandsentwicklung und Gefährdungssituation samt Einstufung in eine Rote Liste runden die Artbesprechungen ab. 96 Arten und somit mehr als die Hälfte des Inventars werden einer Gefährdungskategorie zugeordnet, 8 gelten als „Regional Ausgestorben“, 12 als „Vom Aussterben Bedroht“ und 20 als „Stark Gefährdet“. Demgegenüber werden 83 Arten als „Nicht Gefährdet“ beurteilt. Für 13 Arten kommt Tirol eine bundesweite Verantwortung zum Schutz der Bestände zu.
25 Artmeldungen erwiesen sich aus unterschiedlichen Gründen als fehlerhaft bzw. werden als nicht autochthone, verschleppte bzw. verdriftete Einzelfunde behandelt und kurz diskutiert. Unter diesen Taxa wird Erebia sudetica suboscura WINHARD, 2020 (syn. nov.) mit Erebia melampus (FUESSLY, 1775) synonymisiert.
The butterflies (Papilionoidea) and burnet moths (Zygaenidae) of Tyrol are being comprehensively monographed for the first time. Methodological foundations, habitats, and threat factors are thoroughly described. A comprehensive systematic section provides an overview of the involved families and details on the species. The species spectrum covered includes 18 skippers (Hesperiidae), 5 swallowtails (Papilionidae), 17 whites (Pieridae), 42 blues (Lycaenidae), 1 metalmark (Riodinidae), 83 brush-footed butterflies (Nymphalidae), and 20 burnet moths (Zygaenidae), totaling 186 species. The distribution, habitat requirements, biology, and phenology of all species are extensively described and illustrated with images, particularly of adults, as well as distribution maps of all species. Analyses of population trends and threat situations, including classification in a Red List, round out the species discussions. 96 species, more than half of the inventory, are assigned to a threat category: 8 are considered „Regionally Extinct“, 12 „Critically Endangered“, and 20 „Endangered“. In contrast, 83 species are assessed as „Not Threatened“. For 13 species, Tyrol has a national responsibility to protect the populations.
25 species reports proved to be incorrect for various reasons or are treated as non-native, accidental, or drifted single finds and are briefly discussed. Among these taxa, Erebia sudetica suboscura WINHARD, 2020 (syn. nov.) is synonymized with Erebia melampus (FUESSLY, 1775).
Die Erforschung der Tagfalter und Widderchen in Tirol steht in engem Zusammenhang mit dem zunehmenden gesellschaftlichen Interesse an den Naturwissenschaften ab dem 18. Jahrhundert, das sich unter anderem in der Gründung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum im Jahre 1823 widerspiegelt. Insbesondere die bahnbrechenden Neuerungen in der organismischen Systematik durch den berühmten schwedischen Naturforscher Carl von Linné (Carolus Linnaeus) (1707–1778) förderten die erstmalige Erfassung der Fauna, Flora und Funga durch interessiertes Bürgertum und den Klerus. In diese Zeit fallen auch die ersten dokumentierten Aufzeichnungen einheimischer Falter, darunter die Entdeckung des Gletscherfalters (Oeneis glacialis) aus dem Zillertal (MOLL 1785). Seit der Beschreibung dieses ersten Tagfalters aus Tirol sind 250 Jahre vergangen, eine Zeitspanne, in der sich sehr viel verändert hat, für Menschen und Schmetterlinge. Aus einem ehemals von abweisenden und schier unzugänglichen Gebirgen geprägten, in weiten Teilen von einer armen, ländlichen Bevölkerung besiedelten Lebensraum ist ein wohlhabendes, von Tourismus geprägtes Land geworden. Ein einstmaliges Paradies für Schmetterlinge wurde hingegen durch Urbanisierung zunehmend umgestaltet und schließlich durch immer intensivere Landnutzung nachhaltig beeinträchtigt und in vielen Gebieten zerstört. Der Gletscherfalter steht beispielhaft für diese Entwicklung in Tirol. Nicht einmal sein abgelegener Lebensraum auf Gletschermoränen kann heute noch als frei von anthropogenem Einfluss bewertet werden. Touristische Erschließungen sind lokale, der weltweite Klimawandel, allgegenwärtige Bedrohungsszenarien, selbst im Hochgebirge. Noch viel kritischer erscheint die Lage für sehr viele, nein, für zu viele Arten in den Tälern und Mittelgebirgen, wo sich die Falter ihren Lebensraum mit dem Homo sapiens und seinen stetig steigenden Ansprüchen teilen müssen. Es darf also nicht verwundern, dass viele Menschen einen massiven Schwund der Schmetterlinge bemerken und bedauern. Spätestens mit der Veröffentlichung der berühmt gewordenen Krefeld-Studie, einer Erhebung, die einen Rückgang von Fluginsekten im Ausmaß von etwa drei Vierteln in 27 Jahren nachweisen konnte (HALLMANN et al. 2017), ist das Insektensterben in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gerückt, und das ist gut so! Die Erkennung des Problems und seiner Ursachen ist schließlich auch erstmals eine Chance, die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zu überdenken und wo immer möglich gegenzusteuern, im Interesse eines vielfältigen Landes und seiner Menschen.
Das vorliegende Werk soll, basierend auf einer umfassenden wissenschaftlichen Bearbeitung der Tagfalter und Widderchen Tirols, hierzu ein Anstoß sein und Hilfestellung bieten. Lebensraum und Biologie spielen ebenso wie die Verbreitung der Arten in der Bewertung des Ist-Zustandes eine fundamentale Rolle. Jahrzehntelange Beobachtungen einer Vielzahl von Schmetterlingsforscher*innen und Schmetterlingsliebhaber*innen werden ausgewertet und damit einhergehend erstmals überhaupt die Arten des Landes einer regionalen Gefährdungsanalyse unterzogen. Nicht zuletzt aber möchten die Verfasser*innen die Schönheit und gleichzeitig die Empfindlichkeit der wunderbaren Schmetterlinge den Leser*innen ganz nahe bringen.
250 Jahre Erforschung der Schmetterlinge Tirols sind naturgemäß mit einer Vielzahl von Menschen verbunden. Extrem divers im Umfang ist ihr aller Beitrag zur Landesfaunistik, Naturschutz, Taxonomie, Biologie und Ökologie der Tagfalter und Widderchen. Aber: Jede dieser Beobachtungen zählt und fügt sich zu einem großen Ganzen. Es ist daher kaum möglich, allen in irgendeiner Form beteiligten Kolleg*innen namentlich zu danken, und es sei an dieser Stelle insbesondere auf die Bearbeitung von TARMANN & GRIMM (2010) zu den einstigen und aktuellen Mitgliedern der entomologischen Arbeitsgemeinschaft am Tiroler Landesmuseum verwiesen, die einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung dieser Monographie geleistet haben. Doch selbst diese umfassende Liste an Mitarbeiter*innen ist lückenhaft und berücksichtigt nicht die zahlreichen ausländischen Schmetterlingsliebhaber*innen, die in Tirol wenigstens kurzfristig aktiv waren. Auch hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten eine namentlich nicht aufgelistete, jedoch dankbar hervorgehobene, zunehmend starke Citizen Science Community etabliert, die in Apps wie Blühendes Österreich oder iNaturalist Daten verfügbar macht oder sogar im Rahmen von Monitoringprogrammen mitarbeitet. Unser Dank umfasst jedenfalls alle diese Datenprovider*innen, ohne deren großartigen Einsatz und die oft mühevollen Felderhebungen eine so umfassende Arbeit nicht möglich wäre. Abgesehen von den unmittelbar als Autoren aufscheinenden Experten seien hier, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, folgende Kolleg*innen namentlich genannt: Gotthart Glätzle, Rolf Reinhardt, Herbert Seelaus, Ramona Steixner, Dietmar Strickner und Michal Zapletal.
Stellvertretend für viele andere bereits verstorbene Persönlichkeiten möchten wir aber zwei große Lepidopterologen Tirols besonders hervorheben: Prof. Michael Hellweger (1865–1930), Gründer des Innsbrucker Entomologen-Clubs und Verfasser der ersten Landesfauna (Großschmetterlinge) Nordtirols, und Dr. h.c. Karl Burmann (1908–1995), jahrzehntelanger Mentor und Initiator der Schmetterlingsforschung an den Tiroler Landesmuseen.
Für die Unterstützung mit unveröffentlichten Beobachtungsdaten aus Citizen Science-Projekten danken wir insbesondere Mag. Ronald Würflinger (Stiftung Blühendes Österreich, bluehendesoesterreich.at), Dr. Johannes Rüdisser (Institut für Ökologie, Universität Innsbruck) und Mag. Gernot Neuwirth (Naturschutzbund Österreich, naturbeobachtung.at). Bildmaterial stellen einerseits die Autoren, aber in kollegialer Großzügigkeit auch einige hervorragende Kenner zur Verfügung, besonderer Dank gebührt hier vor allem Wolfgang Bacher, Michel Baudraz, Vincent Baudraz, Eva Benedikt, Peter Buchner, Michel Billard, Günter Haslwanter, Sabine Gaal-Haszler, Ulrich Hiermann, Andreas Jaun, Stephan Klesse, Gernot Kunz, Patrick Laferl, Valaina Lechner, Andreas Pospisil (schmetterlinge.at), Daniel Schmid, Jürg Schmid, Wolfgang Wagner und Alfred Waldner. Während Lebensraumbilder weitgehend aus Tirol stammen, gilt das für Falter- und Präimaginalbilder nur eingeschränkt. Judith Lüke half wesentlich bei der Datenerfassung und Kontrolle.
Karin Hausberger-Hagleitner, Astrid Flögel, Nada Ragheb und Elisabeth Frank wird für umfassendes und exaktes Korrekturlesen herzlichst gedankt.
Ein besonderer Dank geht schließlich an das Land Tirol (Abteilung Umweltschutz, HR Kurt Kapeller) für Förderungen vorbereitender Projekte und nicht zuletzt an die Tiroler Landesmuseen (Direktor Andreas Rudigier) für die Finanzierung des Druckwerkes.
Peter Huemer
Die Erfassung und Digitalisierung von Metadaten zu Tagfaltern und Widderchen Tirols erfolgte bereits lange vor Projektbeginn über die interrelationale, hauseigene Biodiversitätsdatenbank BioOffice2. Der damit bereits vorhandene, umfangreiche Datenbestand musste jedoch vollständig überarbeitet werden. Insbesondere Änderungen in Systematik und Nomenklatur sowie die hier zu verzeichnende Uneinheitlichkeit bereits digitalisierter Daten erwiesen sich als herausfordernd. Parallel zu den dadurch notwendigen Adaptierungen wurden kritische Taxa und fragwürdige Fundmeldungen überprüft und je nach Bedarf korrigiert. Weiters erfolgte eine möglichst umfassende Digitalisierung weiterer Daten aus unterschiedlichen Quellen, einerseits aus dem Umfeld der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft (TARMANN & GRIMM 2010), andererseits über externe Datenbanken. Insbesondere die Metadatenbank Global Biodiversity Facility Management (GBIF) (https://www.gbif.org), die gleichzeitig auch umfassende rezente Beobachtungsdaten von diversen Meldeplattformen enthält, darunter Observation.org (https://observation.org) und iNaturalist (https://inaturalist.org). Zahlreiche weitere Daten basieren auf Beobachtungen aus den Online-Meldesystemen des Österreichischen Naturschutzbundes (https://naturbeobachtung.at) sowie des Deutschen Naturschutzbundes NABU (https://naturgucker.de). Aufgrund des enormen Datenbestandes sind schließlich die Daten der Billa Stiftung Blühendes Österreich (https://www.bluehendesoesterreich.at) sowie des bundesweiten Tagfaltermonitoringsprojektes Viel-Falter (https://viel-falter.at) besonders hervorzuheben. Naturgemäß sind über die genannten Datenquellen Doppelmeldungen nicht auszuschließen, die jedoch im Rahmen dieser Studie nicht bereinigt werden konnten. Insgesamt umfasst der hier berücksichtigte Datenbestand mit Stand 31. Mai 2024 117.209 Datensätze.
Nach wissenschaftlichen Kriterien angelegte Belegsammlungen waren und sind eine wesentliche Quelle für die Landesfaunistik. Solche Sammlungen wurden überwiegend von wissenschaftlich interessierten Privatpersonen angelegt, seltener von ästhetisch geprägten klassischen Sammler*innen. Entscheidendes Kriterium für eine wissenschaftlich relevante Sammlung ist vornehmlich eine mehr oder weniger exakte Dokumentation von Fundorten und Sammeldaten sowie eine korrekte Determination der relevanten Arten. Da die beprobten Individuen vielfach Grundlage für spätere Veröffentlichungen waren, gelten Belegsammlungen als wichtige Referenzen für nötige Nachkontrollen, beispielsweise von potentiell zu verwechselnden Arten oder von sonstigen überprüfungsbedürftigen Funden.
Ein großer Teil der historischen und auch rezenten Sammlungsbestände, insbesondere jene von Dr. Karl Burmann, befindet sich heute im Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen in Hall in Tirol und wird dort wissenschaftlich erschlossen und für zukünftige Fragestellungen fachgerecht konserviert. Auch die bis 2020 noch in der zoologischen Sammlung der Universität Innsbruck gelagerten Bestände sind inzwischen in das Eigentum des Ferdinandeums übertragen worden. Der vielleicht umfassendste historische Bestand Tirols, die Sammlung von Prof. Michael Hellweger im Vinzentinum Brixen, erwies sich mangels relevanter Etikettierung hingegen als weitgehend irrelevant. Etliche überwiegend ältere Belege finden sich jedoch weit verstreut in unterschiedlichen öffentlichen Institutionen wie insbesondere dem Naturhistorischen Museum in Wien oder der Zoologischen Staatssammlung in München. Wertvolle Originalexemplare sind überdies in lokalen Privatsammlungen, wie namentlich jenen von Karel Černý, Raimund Franz, Kurt Lechner, Alois Ortner, Alfred Otter, Sven Plattner, Bernhard Plössl, Kurt Regensburger und Herbert Seelaus, vorhanden. Die Kontrolle dieser Sammlungsbestände sowie die Digitalisierung von Metadaten waren wichtige Aufgaben zur Vorbereitung der monographischen Bearbeitung der Tagfalter und Widderchen Tirols.
Eine schon frühzeitig, seit den 1980er-Jahren wahrgenommene Aufgabe war die möglichst vollständige Erfassung und Digitalisierung bereits veröffentlichter Arbeiten mit Bezug zu den Tagfaltern und Widderchen Tirols. Diesbezüglich signifikante Arbeiten von landesweiter Relevanz sind allerdings überschaubar und aufgrund oft ungenauer Fundortangaben vielfach nur von begrenzter Aussagekraft. Gerade die ersten bedeutenden Werke zu den Schmetterlingen Tirols von HINTERWALDNER (1868), WEILER (1877), HELLWEGER (1914) und KITSCHELT (1925) sind jedoch trotz solcher Mängel historisch interessant. Umfassendere Bearbeitungen neueren Datums wie eine lebensraumbezogene Analyse der Tagfalter Osttirols (DEUTSCH & BENEDIKT 2021), eine im Detail unveröffentlichte Erhebung der Schmetterlinge des Nationalparks Hohe Tauern (HUEMER & WIESER 2008) oder eine Monographie zu den Schmetterlingen Innsbrucks (HUEMER & ERLEBACH 2007) sind Ausnahmen in der Landesfaunistik. Ebenfalls nur sehr wenige Arbeiten widmen sich eingehend einzelnen taxonomischen Gruppen Tirols, wie beispielsweise eine Revision der Hesperiidae (MEYER 1985) und eine detaillierte Studie über die Zygaenidae Nordtirols (TARMANN 1975). Die Mehrzahl der verwerteten bibliographischen Quellen ist jedoch maximal von lokalfaunistischer Bedeutung oder es handelt sich überhaupt nur um einzelne Fundmeldungen. Trotz aller Bemühungen ist aber anzunehmen, dass aufgrund der zerstreuten Literatur die eine oder andere Quelle bisher übersehen wurde.
Eine weitere sehr wichtige Grundlage für die Erarbeitung der vorliegenden Monographie waren analoge Sammel- sowie Beobachtungslisten. Solche Schriftstücke, seien es Feldprotokolle, Word- oder Excel-Listen, wurden aus den Archiven der Naturwissenschaftlichen Sammlung der Tiroler Landesmuseen übernommen und Daten exzerpiert und digitalisiert. Ergänzt wurden diese Quellen durch externe Sammellisten, die nach diversen schriftlichen Aufrufen in Fachzeitschriften sowie der persönlichen Kontaktaufnahme im Kollegium verfügbar gemacht wurden.
Bis vor wenigen Jahren wurden Erhebungen an Tagfaltern und Widderchen Tirols maximal lokalfaunistisch konzipiert. Landesweite, systematische Bestandserhebungen der Tagfalter haben hingegen erst mit einem von der Universität Innsbruck (Johannes Rüdisser) initiierten Schmetterlingsmonitoring (Viel-Falter, URL: https://viel-falter.at/) massiv an Bedeutung gewonnen (s. nachfolgendes Kapitel). Im Rahmen dieses langfristig angelegten Projektes werden an vorgegebenen Standorten über einheitliche Methoden (Transekterhebungen, Zeiterfassungen) eine Vielzahl an Daten zum Vorkommen und der Bestandsentwicklung von Tagfaltern erhoben (BARKMANN et al. 2023, RÜDISSER et al. 2017), die für die Landesfaunistik verfügbar sind. Der Forschungsansatz dieser Erhebungen deckt wesentliche Tagfalterlebensräume in Tirol ab, wenn auch mit einem absoluten Schwerpunkt in Offenlandhabitaten.
Die intensiven Expert*innen- und Lai*innenerhebungen führen letztlich auch zu einer laufenden Verbesserung des faunistischen Kenntnisstandes an Tagfaltern. Für Widderchen existiert ein solches Konzept hingegen bislang leider noch nicht.
Kurt Lechner und Alois Ortner widmen sich seit vielen Jahren der Bestandserhebung besonders gefährdeter bzw. naturschutzrechtlich relevanter Arten und die Autoren haben dazu teilweise umfassende Artenschutzkonzepte entwickelt. Zuletzt wurden als Vorbereitung der Gefährdungseinstufung von Tagfaltern besonders kritisch gefährdete Arten kartiert.
Peter Huemer
Die Biodiversitätskrise ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit (DIAZ et al. 2019). Während die voranschreitenden Biodiversitätsverluste bereits mit unzähligen wissenschaftlichen Untersuchungen eindrücklich dokumentiert wurden, erschweren fehlende oder unzureichende Datengrundlagen zu spezifischen Aspekten der Biodiversität nach wie vor evidenzbasierte Aussagen über deren Veränderungen und den damit im Zusammenhang stehenden massiven Auswirkungen auf ökologische Systeme und die Gesellschaft.
Dabei dokumentieren engagierte Freiwillige ergänzend zu professionell Forschenden bereits seit vielen Jahrzehnten verschiedene Aspekte der Biodiversität. Die so geschaffenen Datengrundlagen sind von großer wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz. So beruht beispielsweise die Berechnung der wenigen artbasierten Biodiversitätsindikatoren, die von der EU europaweit verwendet werden, zu großen Teilen auf ehrenamtlichen Beobachtungen von Tagfaltern und Brutvögeln (VAN SWAAY et al. 2020, GREGORY et al. 2005). Auch die öffentlich breit bekannt gewordene „Krefeld-Studie“, die den Rückgang der Fluginsekten in Deutschland in den letzten 30 Jahren eindrücklich dokumentierte, basiert großteils auf Erhebungen von ‚Hobbyentomolog*innen‘ (HALLMANN et al. 2017).
Biodiversitätserhebungen sind geprägt von Menschen mit Begeisterung für Natur. Egal, ob es sich um engagierte Amateur*innen oder bezahlte Profis handelt – die meisten verbindet eine Liebe zur Natur und insbesondere für die von ihnen beobachteten Organismen. Es ist daher wenig überraschend, dass gerade das Beobachten und Dokumentieren von Schmetterlingen großen Anklang findet. Speziell Tagfalter eignen sich aufgrund ihrer leichten Beobachtbarkeit und ihres positiven Images nicht nur ausgezeichnet als „Flagship-Art“ zur Kommunikation von Naturschutzzielen, sondern eben auch für das Beobachten und Erforschen mit Citizen Science-Ansätzen (RÜDISSER et al. 2017). Citizen Science, auch Bürgerwissenschaft genannt, hat sich zu einem wichtigen Instrument der wissenschaftlichen Forschung entwickelt. Dabei beteiligen sich freiwillige Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Datensammlung und teilweise auch an der wissenschaftlichen Analyse und Interpretation dieser Informationen.
Das europäische Schmetterlingsmonitoring (European Butterfly Monitoring Scheme – eBMS), zu welchem Citizen Science-Projekte in ganz Europa beitragen, zielt darauf ab, Daten über Tagfalterpopulationen zu sammeln, um Populations- und Ausbreitungsveränderungen auf kontinentaler Ebene zu dokumentieren. Es setzt dabei vor allem auf Freiwillige. Das im Jahr 2018 in Tirol gestartete und 2023 auf ganz Österreich ausgeweitete Viel-Falter-Monitoring (www.viel-falter.at) ist Teil des eBMS, geht aber deutlich über diesen Ansatz hinaus, da es neben standardisierten Beobachtungen durch Freiwillige insbesondere auch auf professionelle Schmetterlingserhebungen setzt. Im Rahmen des Viel-Falter-Tagfalter-Monitorings führten 85 Freiwillige 1.443 Tagfalter-Erhebungen an 85 vorab festgelegten Standorten durch und erfassten dabei 7.107 Schmetterlingsindividuen.
Neben dem standardisierten Viel-Falter-Monitoring, das auf die landesweite Beobachtung der Populationsentwicklung aller Tagfalter abzielt, gibt es einige weitere Citizen Science-Initiativen, die zufällige Schmetterlingsbeobachtungen sammeln. Viele der so gesammelten Daten liefern wichtige Verbreitungsinformationen zu einzelnen Arten und sind so auch in die Erstellung dieses Buches eingeflossen. Mengenmäßig die größte Initiative ist die 2016 gestartete Foto-App Schmetterlinge Österreichs, über die inzwischen mehr als 24.000 aktive Freiwillige über 300.000 Tagfaltermeldungen in ganz Österreich gesammelt haben. In Tirol waren es bis Ende 2023 insgesamt 20.100 Beobachtungen, die 136 Tagfalterarten umfassten. Die von der Billa Stiftung Blühendes Österreich und „Natur im Garten“ gemeinsam getragene Initiative hat einen starken Fokus auf Natur- und Umweltbildung.
Über die Meldeplattform iNaturalist.org werden weltweit Fotos und Tonaufnahmen von Lebewesen wie Tieren, Pflanzen und Pilzen gesammelt, um Biodiversität zu dokumentieren. Beim Bestimmen der mittels Fotos dokumentierten Arten werden die über 300.000 aktiven iNaturalist-Nutzer*innen von einer computergestützten Bilderkennung unterstützt, die dann in weiterer Folge ebenfalls von auf der Plattform aktiven Fachleuten oder sachkundigen Lai*innen verifiziert werden. In Tirol gab es auf iNaturalist bis März 2024 über 4.400 verifizierte Tagfalterbeobachtungen in 130 Arten, die von 820 Beobachter*innen dokumentiert wurden.
Eine andere globale Meldeplattform für Naturbeobachtungen ist observation.org. Über observation.org sammelten Freiwillige in Tirol bis Ende 2023 über 14.000 Tagfalterbeobachtungen und dokumentierten dabei 144 verschiedene Tagfalterarten. Auch die vom österreichischen Naturschutzbund betriebene Meldeplattform naturbeobachtung.at sammelt neben anderen Naturbeobachtungen Tagfalterbeobachtungen.
Die Beteiligung von Bürger*innen an der Schmetterlingsforschung im Rahmen verschiedener Citizen Science-Initiativen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dieser Trend wurde und wird durch die nach wie vor andauernden enormen technischen Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich mobiler Endgeräte, dem Einsatz künstlicher Intelligenz und der digitalen Vernetzung weiter befeuert. Citizen Science ermöglicht es einerseits, wichtige umfangreiche Datensätze zu sammeln – und zwar in räumlichen und zeitlichen Skalen, die für einzelne Forschende oder traditionelle Forschungsgruppen unerreichbar wären – und gleichzeitig das Verständnis für diese faszinierenden Insekten zu erweitern und zu einer Bewusstseinsbildung für die Bedeutung der Biodiversität beizutragen.
Johannes Rüdisser
Die Verbreitungskarten wurden mit dem (free and opensource) Programm QGIS 3.30.1 (Versionsname: „’s-Hertogenbosch“) erstellt. Der Hintergrund (Hillshade: Transparenz 8,7 %) wurde mittels WMS (Web Map Service) mit der Adresse osm-wms.de (Lizenz: CC BY-SA) eingebunden, deren Originaldaten auf Satellitendaten (URL: https://srtm.csi.cgiar.org/) beruhen. Die zur leichteren Orientierung darüber gelegte Shape-Ebene (stark verändert) der Fließgewässer basiert auf Vektordaten des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen (URL: https://data.bev.gv.at). Es werden nur Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet von über 10 km² dargestellt. Die einzelnen Verbreitungsdaten wurden auf Grundfelder (z. B. 9142) zusammengefasst, die wiederum aus vier Quadranten (z. B. 9142/1 bis 9142/4) mit der Ausdehnung von fünf Gradminuten (geographische Länge) mal 3 Gradminuten (geographische Breite) bestehen. Ein Quadrant entspricht in Österreich einer Ausdehnung von etwa 6,25 mal 5,55 km. Der südlichste Punkt befindet sich mit 46,651° (nördlicher Breitengrad) im Quadranten 9341/1, der nördlichste mit 47,743° im Quadranten 8239/4. Der westlichste Punkt ist mit 10,097° (östlich von Greenwich) im Quadranten 9026/4 gelegen, der östlichste Punkt mit 12,966° im Quadranten 9243/2. Um die nötige Übersichtlichkeit zu gewährleisten, werden validierte Beobachtungsdaten („Human Observation“) und Belegdaten aus der Sammlung („Preserved Specimen“) gemeinsam dargestellt. Wurde die jeweilige Art in einem Quadranten mindestens einmal nachgewiesen, sind diese in Zeitabschnitten wie folgt kategorisiert: Nachweis vor 1950: rot (einschließlich nicht datierbarer Funde); 1950 bis 1979: orange; 1980 bis 1999: gelb; rezent (ab 2000): grün.
Romed Unterasinger
Klimaänderungen und zahlreiche andere Faktoren, der vielfach beklagte Rückgang von Tagfaltern und Widderchen, hat oft artspezifisch unterschiedlich wirksame Ursachen. Eines gilt aber für alle Arten: Keine einzige Raupe kann sich von Beton ernähren, kein Falter ohne geeignete Nektarpflanzen überleben. Vor allem die Zunahme der Bevölkerung Tirols und die abseits jeglicher Nachhaltigkeit zunehmend profitund konsumorientierte Lebensweise der vergangenen Jahrzehnte hat zu einer intensiven Landnutzung geführt, die gleichzeitig massive negative Auswirkungen auf Fauna und Flora hat.
Die Liste an Gefährdungsfaktoren ist dabei viel zu lang und hat bereits zahlreichen Populationen oder sogar Arten den Todesstoß versetzt (HUEMER 2016a, HUEMER 2018). Es bleibt die Hoffnung, dass sich Verantwortliche für diese Fehlentwicklungen – und dazu zählen letztlich wir alle – zunehmend auf eine bescheidenere und nachhaltige Lebensweise besinnen, dann bestehen auch für die Falter langfristig gute Überlebenschancen (HUEMER & RÜDISSER 2019). Folgende Gefährdungsfaktoren sind für Tagfalter und Widderchen von besonderer Relevanz und werden im Kapitel „Lebensräume“ teils ausführlich bewertet:
IL
Intensivierung der Landwirtschaft (Bodenverbesserungsmaßnahmen, Düngung, Erhöhung der Schnitthäufigkeit, zu hohe Besatzdichte von Nutztieren, Koppelweiden, Maschinisierung mit schnelleren Produktionsabläufen, Flurbereinigung mit Entfernung von Hecken und wichtigen Kleinstrukturen)
AL
Aufgabe der Bewirtschaftung von Grenzertragsstandorten, Almen, Bergmähdern mit nachfolgender Verbrachung, Verheidung, Verbuschung, Verwaldung V Verkehr und Verbauungen (infrastrukturelle Maßnahmen, Siedlungstätigkeiten, Errichtung von Sportstätten, Speicherteichen, Gewerbegebieten, Bodenversiegelungen)
I
Isolation durch Fragmentierung der Landschaft im Zuge von Lebensraumzerstörung und Lebensraumveränderung
FW
Forstwirtschaftliche Maßnahmen (Fichtenmonokulturen, Dunkel- und Hochwaldwirtschaft, Fehlen der Übergangsbereiche von Wald zu Offenland durch Entfernung von Mantel- und Saumstrukturen, Waldrandpflege mit gezielter Entfernung von Weiden und Pappeln, Aufforstung von Schlägen)
GW
Gewässerbauliche Maßnahmen (Verlust von Feuchtwiesen, feuchten Hochstaudenfluren, Heißländen, lichten Auwäldern durch Regulierung von Fließgewässern und Unterbindung der Dynamik, Errichtung von Stauseen zur Energieversorgung in alpinem Gelände)
P
Pestizidbelastung in Gärten, Obstkulturen und auf Ackerflächen
N
Neophyten (Dominanzbestände invasiver ausländischer Pflanzenarten mit Verdrängung der heimischen standortgerechten Vegetation – z. B. Waldränder, Feuchtwiesen, Schläge)
K
Klimaveränderungen (z. B. Rückgang durch zunehmende Atlantisierung, Verlust alpiner Lebensräume, Reduktion einer schützenden Schneedecke)
T Tourismus (Massenauftreten von Menschen und damit zusammenhängende Errichtung von Unterhaltungsanlagen)
S
Sonstige Faktoren wie z. B. der Mahdzeitpunkt für die Ameisen-Bläulinge, Luftschadstoffe
Peter Huemer
Intensivst bewirtschaftete „Grasäcker“ sind ebenso wie versiegelte Flächen ein Endstadium der biologischen Verarmung. Foto: Peter Huemer
Die Gefährdungseinstufung von Organismen in Form von Roten Listen zählt heute zu den wichtigsten Grundlagen für vielfältige Naturschutzbelange. Trotzdem liegen für Tirol nur für wenige Gruppen aktuelle Rote Listen vor, die relevantesten Bearbeitungen betreffen beispielsweise Farn- und Blütenpflanzen (PAGITZ et al. 2023), Heuschrecken (LANDMANN & ZUNAKRATKY 2016) oder Vögel (LENTNER et al. 2022). Für Schmetterlinge im Allgemeinen und für Tagfalter und Widderchen im Besonderen existiert hingegen nur eine extrem veraltete Bundesliste mit Berücksichtigung von Länderaspekten (HUEMER et al. 1994), während Neubearbeitungen ausschließlich bundesweit vorgenommen wurden (HÖTTINGER & PENNERSTORFER 2005, HUEMER 2007). Die hier erfolgte Gefährdungseinstufung ist somit ein wichtiger Schritt zur seriösen Abschätzung von Aussterberisiken von Tagfaltern und Widderchen in Tirol. Die ursprünglich avisierte Erstellung einer Roten Liste nach einheitlichen Einstufungskriterien (ZULKA et al. 2000) über Bestandszahlen bzw. alternativ über Kennwerte der Habitatsituation musste allerdings aufgrund des Mangels an biologischen Beobachtungsdaten sowie der teils erheblichen Kartierungsdefizite auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Hinzu kommt eine vordergründig vielfach deutliche Zunahme von Beobachtungen, insbesondere aufgrund rezenter Citizen Science-Programme, die jedoch nicht über den tatsächlichen Rückgang vieler Arten hinwegtäuschen dürfen. Trotz aller Kenntnislücken ist jedoch, basierend auf der jahrzehntelangen Erfahrung des Autorenkollektivs, eine erste Gefährdungseinschätzung möglich. Sie orientiert sich grundsätzlich an den internationalen Gefährdungskriterien (IUCN 1994) und in Anlehnung an verbale Beschreibungen der Gefährdungskategorien bei HUEMER (2001).
Verbauung und Infrastruktur führen bis ins Hochgebirge zu massiven Lebensraumverlusten. So musste der Lebensraum des streng geschützten Blauschillernden Feuerfalters (Lycaena helle) einem Parkplatz weichen. Foto: Peter Huemer
Ausgestorbene oder verschollene Arten. Berücksichtigt werden Arten, die nachweislich seit 1900 aufgetreten sind. – Arten, deren Populationen nachweisbar ausgestorben sind, oder
– Arten, die seit mindestens 20 Jahren trotz Nachsuche nicht mehr festgestellt werden konnten und die aufgrund von Biotopzerstörungen oder anderer Einwirkungen als verschollen gelten müssen.
– Einige schon lange verschollene Arten, insbesondere der alpinen Stufe, werden bei weitgehend intakten Biotopverhältnissen trotz fehlender neuerer Daten nicht in die Kategorie RE eingestuft, sondern unter DD, teilweise aber auch LC.
Extrem gefährdete Arten, deren Überleben unwahrscheinlich ist, wenn die bestandsmindernden Kausalfaktoren weiterhin einwirken oder bestandserhaltende Maßnahmen nicht eingeführt werden bzw. wegfallen. Es ist mit zumindest 50%iger Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Art in den nächsten zehn Jahren im Bundesland ausstirbt.
– Arten, deren Populationen nur sehr klein und isoliert oder auf wenige Einzelvorkommen beschränkt sind und deren Bestände durch wahrscheinliche oder aktuelle Eingriffe bedroht sind, oder
– Arten, deren Bestände durch kurzfristigen, massiven oder lange anhaltenden starken Rückgang auf eine kritische Größe zurückgegangen sind.
Die Gefährdung betrifft nahezu das gesamte Verbreitungsgebiet. Es ist mit zumindest 20%iger Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Art in den nächsten 20 Jahren im Bundesland ausstirbt.
– Arten mit kleinen Beständen oder
– Arten, deren Bestände im nahezu gesamten einheimischen Verbreitungsgebiet signifikant zurückgehen oder regional verschwunden sind.
Die Gefährdung betrifft große Teile des Verbreitungsgebietes. Es ist mit zumindest 10%iger Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Art in den nächsten 100 Jahren im Bundesland ausstirbt.
– Arten mit regional kleinen oder sehr kleinen Beständen oder
– Arten, deren Bestände regional zurückgehen oder lokal verschwunden sind.
Die Gefährdung betrifft Einzelregionen des Verbreitungsgebietes. Weniger als 10 % Aussterbenswahrscheinlichkeit in den nächsten 100 Jahren, aber negative Bestandsentwicklung oder hohe Aussterbensgefahr in Teilen des Bundeslandes.
– Während die IUCN-Kategorien innerhalb der Kategorie „Geringeres Risiko“ (LR – Lower Risk) die Subkategorien Conservation Dependent (CD), Near Threatened (NT) und Least Concern (LC) subsumieren, wird hier in Anlehnung an ZULKA et al. (2000) eine Differenzierung in Near Threatened und Least Concern vorgenommen. Vor allem die eigene Ausweisung der Kategorie NT erscheint in Anbetracht der starken, wenn auch noch nicht existenzbedrohenden, Verlusttendenzen vieler Arten zunehmend dringlich.
Weniger als 10 % Aussterbenswahrscheinlichkeit in den nächsten 100 Jahren, weitere Attribute wie unter Drohende Gefährdung treffen nicht zu.
– Besonders hervorzuheben ist allerdings, dass auch Arten mit teilweise deutlichen Populationsrückgängen hier aufgelistet werden, solange kein Aussterberisiko im Bundesland oder in einzelnen Regionen besteht.
Die vorliegenden Daten lassen keine Einstufung in eine andere Kategorie zu.
– Eine unzureichende Datenlage indiziert generell dringenden Forschungsbedarf. In dieser Kategorie finden sich mutmaßlich eine größere Anzahl gefährdeter Arten. In früheren Roten Listen wurde dafür teilweise noch eine eigene, international nicht anerkannte Kategorie G (Gefährdung Anzunehmen) ausgewiesen (BINOT et al. 1998, HÖTTINGER & PENNERSTORFER 1999).
Die Art wird nicht eingestuft.
– Nicht eingestuft wurden sämtliche bisher nicht oder erst seit maximal 50 Jahren etablierte Neozoa. Überdies wurden Arten ohne dauerhafte Reproduktion nicht eingestuft.
Peter Huemer
Tirol ist mit einer Gesamtfläche von 12.648 km2 das viertgrößte Bundesland Österreichs. Es erstreckt sich vertikal von 475 m (Ebbs/Erl) bis zum Gipfel des Großglockners (3.798 m). Die flächenmäßige Höhenverteilung weist lediglich 0,3 % der Landesfläche unterhalb von 500 m auf, 14,6 % von 500–1.000 m, 24,2 % von 1.000–1.500 m, 25,3 % von 1.500–2.000 m, 21,9 % von 2.000–2.500 m, 11,5 % von 2.500–3.000 m und 2,2 % oberhalb von 3.000 m (URL: https://tirolatlas.uibk.ac.at/content.html.de). Als weitgehend durch die Alpen geprägte Region ist ein flächenmäßig geringer Anteil von lediglich 12,4 % (1.573 km2) Dauersiedlungsraum, welcher den verfügbaren Raum für Landwirtschaft, Siedlungen und Verkehrsanlagen umfasst und überwiegend auf die großen Talschaften beschränkt ist. So leben etwa zwei Drittel der Wohnbevölkerung von etwa 770.000 im Siedlungsraum bis 800 m und lediglich etwa 5 % oberhalb von 1.200 m.
Schon früh hat der Mensch nach der Wiederbesiedlung im Postglazial die von Wald geprägte Landschaft in Mitteleuropa verändert. Die Alpen als Schnittpunkt zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd wurden von verschiedenen Volksgruppen aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen besonders seit der Bronzezeit intensiv besiedelt, auch das Alpeninnere inklusive der Seiten- und Hochtäler und Steillagen (FRANZ 1979). BORTENSCHLAGER (1997) berichtet von der urgeschichtlichen Entwaldung ganzer Täler im Kitzbüheler Raum für das Erzschmelzen, von flächenhaften Waldvernichtungen und Intensivierungen des Ackerbaus zur Römerzeit sowie von Intensivierungen der Almen und Absenkungen der Waldgrenze um bis zu 400 m im beginnenden Mittelalter. Die mitteleuropäische Kulturlandschaft ist ein durch viele Faktoren wie Klimaänderungen, Kriege, Krankheiten, technischen Fortschritt oder Geistesströmungen entstandenes, im Laufe der Zeiten ständig im Wandel befindliches, vom Menschen seit etwa 7.000 Jahren geformtes Konstrukt mit einem einzigartigen Ensemble an Lebensräumen und Arten (POSCHOLD 2015). So wurde im Laufe der Jahrtausende eine abwechslungsreiche Landschaft geschaffen, die den anthropogenen Bedürfnissen entsprechend in zunehmendem Maße auch permanent offen gehaltene, direkt oder indirekt der Ernährung dienende Flächen enthielt und dabei der Ausbreitung einer Fülle von Gräsern und Kräutern, schlussendlich ebenso einer schier unüberschaubaren Vielfalt an Kleinlebewesen den Boden bereitete.
Weite Bereiche der großen Täler sind intensiv genutzter Siedlungsraum. Foto: Peter Huemer
Für Tagfalter und Widderchen spielt gerade das Kulturgrasland, das vom Menschen durch Rodung, Weide und Mahd geschaffen und erhalten wurde und speziell seit der Mitte des letzten Jahrtausends gravierenden Veränderungen mit beträchtlichen Folgen für die Artenvielfalt unterworfen war, eine herausragende Rolle.
Wir fassen den Begriff Kulturlandschaft im weitesten Sinne und subsumieren hier Wiesen (inkl. Trocken-, Halbtrockenund Felsrasen), Weiden, Almen, Brachen, Äcker und Feuchtbiotope, aber auch Gärten und Parkanlagen und spannen einen großen Bogen vom Tal bis ins Gebirge. Wegen der überaus hohen Bedeutung für Tagfalter und Widderchen wird auf die Lebensräume des offenen Kulturlandes etwas ausführlicher eingegangen.
Auf sehr flachgründigen, trockenen Böden mit gering ausgeprägtem Wasserhaltevermögen können sich an stark von der Sonne beschienenen und aufgeheizten Standorten Fels- oder Trockenrasen, auf etwas tiefgründigerem Untergrund, aber ebenso warmsonnigen, trockenen, höchstens schwach bis mäßig gedüngten Flächen Halbtrockenrasen bzw. artenreiche Fettwiesen und Fettweiden bilden, die bei Nutzungsintensivierung in eintöniges, floristisch stark verarmtes Grünland übergehen. Ob man eine trockene, extensiv genutzte Weide oder Mähwiese als Halbtrockenrasen, Magerwiese oder magere Fettwiese bezeichnet, mag zwar aus botanischen Gesichtspunkten und als Orientierungshilfe für Abhandlungen wie die vorliegende seine Berechtigung haben und von Bedeutung sein, für die Tagfalter und Widderchen ist – salopp formuliert – einzig das Vorhandensein der Raupennahrungspflanzen und damit eine gewisse Vielfalt, eines geeigneten Mikroklimas und einer überlebenszuträglichen Pflegeform relevant. Die Übergänge sind fließend, die Nuancen oft nur für geübte Botaniker*innen erkennbar. Nicht nur Wiesen, Weiden und Halbtrockenrasen, sondern auch viele Trockenrasen sind durch menschliches Zutun entstanden (POKORNY & STRUDL 1986).
Strukturreiche Kulturlandschaft in Nauders mit noch weitgehend althergebrachter Wirtschaftsweise und einer dementsprechend hohen Vielfalt an Tagfaltern und Widderchen. Foto: Kurt Lechner
Die für Tagfalter und Widderchen überaus bedeutenden Halbtrockenrasen (Klasse Festuco-Brometea) und mageren, sehr bunten Ausprägungen des Wirtschaftsgrünlands (Klasse Molinio-Arrhenateretea) sind durch geringfügige menschliche Einflussnahme, also minimale Schnitthäufigkeit (halbschürig, einmähdig bis maximal zweimähdig) oder geringe Besatzdichte von Weidetieren und fehlende oder nur sehr mäßige Düngung (mit Festmist) gekennzeichnet. Das gilt auch für die Bergmähwiesen des Verbands Nardion strictae (Borstgrasrasen) der hochmontanen und subalpinen Lagen. Von der äußeren Erscheinung her sind teilweise Rohböden wie Felsen dominant (z. B. Felsrasen der Engelswand bei Umhausen im Ötztal), das Pflanzenwachstum ist dann sehr spärlich und niederwüchsig. Als Salbei-Glatthaferwiesen, Goldhaferwiesen oder Borstgrasrasen (Bergmähder) stellen sie klassische Wiesenverbände mit einer mehr oder weniger lockeren Bestandsstruktur in mehreren „Stockwerken“ und unterschiedlichem Temperatur- und Feuchtigkeitsgefälle dar. Meist dringt die Sonne zumindest zeitweise bis auf den Boden durch. So werden kleinklimatisch differenzierte Räume geschaffen, die den Ansprüchen vieler Arten gerecht werden.
Magerrasen sind in Tirol auf die niederschlagsarmen, kontinental getönten Regionen konzentriert und am besten im Oberinntal zwischen Landeck und Nauders ausgebildet. Sie sind aber auch im mittleren und oberen Inntal zwischen Baumkirchen und Landeck, im Kaunertal, Pitztal, Ötztal und Wipptal, im oberen Drautal und im Virgental, selten auch in anderen Regionen des Landes oder als Heißländen auf alluvialen Böden vorhanden. Vielfach handelt es sich um kleine Restflächen, die sehr oft weniger als 1 ha einnehmen, wie etwa LANDMANN (2001) in einer ausgedehnten Studie über Heuschrecken der Nordtiroler Trockenrasen zeigen konnte bzw. auch dem Österreichischen Trockenrasenkatalog zu entnehmen ist (HOLZNER et al. 1986).
Artenreiche, ein- bis zweischnittige Blumenwiesen bieten Schmetterlingen und anderen Insekten hervorragende Entwicklungs- und Saugmöglichkeiten. Foto: Kurt Lechner
Die blumenbunten „mageren“ Varianten der trockenen Fettwiesen und Fettweiden finden (besser fanden) sich in den wärmebegünstigten Tälern, den angrenzenden Hängen und Terrassen bis in den mittelmontanen Bereich.
Borstgrasrasen, Kammgrasweiden und Milchkraut-Fettweiden der Almgebiete gehören ebenfalls dem Wirtschaftsgrünland an. Sie sind ab der mittelmontanen Stufe bis in den subalpinen Bereich im Tiroler Gebirgsraum weit verbreitet und werden als krautreiche, für Tagfalter und Widderchen attraktive Offenlebensräume an dieser Stelle angeführt.
Die Vegetationsstruktur, eine außergewöhnlich artenreiche und bunte floristische Zusammensetzung und das geringe Störungsregime sind die entscheidenden Faktoren für das vielfältige Falterleben der Magerrasen, mageren Wiesen und Weiden. Die Pflanzenvielfalt des nur extensiv gepflegten, trockenen offenen Kulturlandes ist überwältigend, ebenso die Fülle an Tagfaltern und Widderchen. Neben dem überbordenden Angebot an Kräutern, darunter viele Orchideenarten, Enziane, Glockenblumen, Schmetterlingsblütler, Korbblütler, Kardengewächse, Lippenblütler usw., sind in den Trockenrasen, Magerwiesen und -weiden auch jede Menge Gräser und an die Extremverhältnisse angepasste Pflanzenarten anzutreffen.
Schwingel-Arten (Festuca spp.), Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Zwenken (Brachypodium spp.), Rispengräser (Poa spp.), diverse Seggen (Carex spp.) sowie weitere Süß- und Sauergräser sind Nahrungsgrundlage für Grasfalter- und manche Dickkopffalterarten, z. B. Rotbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion), Schachbrettfalter (Melanargia galathea), Ockerbindiger Samtfalter (Hipparchia semele), Kleines Ochsenauge (Hyponephele lycaon), Mandeläugiger Mohrenfalter (Erebia alberganus), Schwarzkolbiger Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola). Die zahlreich vertretenen Schmetterlingsblütler ernähren viele inzwischen sehr selten gewordene Bläulinge, u. a. Alexis-Bläuling (Glaucopsyche alexis), Kleiner Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites), Wundklee-Bläuling (Polyommatus dorylas) und Esparsetten-Bläuling (Polyommatus damon) sowie Widderchen, wie etwa das Veränderliche Widderchen (Zygaena ephialtes) und Hufeisenklee-Widderchen (Zygaena transalpina). Sonnenröschen- (Helianthemum spp.) und Fingerkraut-Arten (Potentilla spp.) bilden die Basis für das Vorkommen des Großen Sonnenröschen-Bläulings (Aricia artaxerxes) und einiger Dickkopffalter aus der Gattung Pyrgus, z. B. Zweibrütiger Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus armoricanus) und Steppenheiden-Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus carthami). Quendel (Thymus spp.), Klein-Bibernelle (Pimpinella saxifraga), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Gewöhnliches Leinkraut (Linaria vulgaris) und Feld-Wermut (Artemisia campestris) wiederum bieten weiteren mono- bis oligophagen Taxa wie dem Thymian-Widderchen (Zygaena purpuralis), Bibernell-Widderchen (Zygaena minos), Quendel-Bläuling (Pseudophilotes baton) sowie dem Flockenblumen-Scheckenfalter (Melitaea phoebe) die erforderliche Lebensgrundlage. Auf dem Weißen Mauerpfeffer (Sedum album), der auf den eingestreuten Felsbändern und anderen rohbodenreichen Stellen wächst, entwickelt sich der Apollo (Parnassius apollo), an kleinen Schlehdornbüschen (Prunus spinosa) der Segelfalter (Iphiclides podalirius), am Gewöhnlichen Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) der Kreuzdorn-Zipfelfalter (Satyrium spini).
Obwohl bisher nur wenige Magerrasen, magere, trockene Fettwiesen und -weiden (sowie Bergmähwiesen) eingehend untersucht worden sind, haben vor allem die Trockengebiete des Oberen Gerichts (Landeck bis Nauders) schon immer viele Schmetterlingsenthusiast*innen angezogen, weshalb wir zumindest überblicksmäßig über das Arteninventar Bescheid wissen.
Genauere Untersuchungen der Trockenrasen bei Fließ oder Kauns, Kaunerberg (HUEMER & ERLEBACH 2005, ORTNER & LECHNER 2013) zeigen das lepidopterologische Potential dieser extensiv gepflegten offenen Kulturlandschaftstypen.
Oft steile, sehr trockene, mit dornigen Sträuchern, erdigen Anrissen und Steinen durchsetzte und nur locker bewachsene Magerrasen sind von herausragender Bedeutung. Foto: Kurt Lechner
Ein Sonderfall sind die Heißländen der Flussterrassen, die leicht bis mäßig verbuscht und mit hohem Kraut- und Grasreichtum sehr vielen Widderchen und Tagfaltern zur Genüge reichen, mitunter sogar einem besonderen Kleinod, dem österreichweit nur in Tirol vorkommenden Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero) (LECHNER & ORTNER 2011a). In Anbetracht der überaus hohen lepidopterologischen, ja entomolgischen Bedeutung ist der offensichtliche und dramatische Rückgang an magerem offenem Kulturland in Tirol äußerst besorgniserregend, was durch die Zahlenwerte der Agrarmarkt Austria (AMA) untermauert wird. Lediglich 3.217 ha sind als Bergmähder und 3.708 ha als einmähdige Wiesen verzeichnet, also gerade einmal 8,7 % (!!) aller gemeldeten Flächen. Das in der Statistik der AMA als Mähwiesen/-weiden mit zwei Nutzungen kategorisierte Grünland macht zwar stolze 34.101 ha aus (© Agrarmarkt Austria als Geodatenstelle, URL: https://www.data.gv.at/katalog/de/dataset/ama_invekosschlgesterreich20232, Stand: 12. Februar 2024). Es wird aber verschwiegen, dass eine Nachweide nach dem 15. September, Nachsaaten (welche im Rahmen des Projekts „klimafitte Wiesen“ zur Verdichtung der Wiesen sogar gefördert wurden!) oder der Nährstoffhaushalt (auch hier findet sehr wohl Gülledüngung statt!) nicht erfasst werden. Man kann davon ausgehen, dass der weitaus größte Teil dieser Flächen genauso wie die weiter unten behandelten Fettwiesen im Frühjahr, im Sommer und im Herbst genutzt wird, aus botanischer Sicht stark verarmt und strukturell zu dicht ist und damit für Tagfalter und Widderchen keine nennenswerte Relevanz mehr besitzt.
Magere, nicht gedüngte Wiesen gibt es auch auf wechselfeuchten bis nassen, oft torfhaltigen Böden (Flachmoor-Streuwiesen). Aufgrund des geringen Futterwertes und ihrer (früheren) Verwendung als Einstreu in Stallungen hat man sie „Streuwiesen“ genannt. Sie gehören neben den Halbtrockenrasen und trockenen bis mesophilen Magerwiesen zu den buntesten und artenreichsten Wiesentypen. Nach MERTZ (2000) können etwa Pfeifengras-Streuwiesen (Verband Molinion) aus 200 Gräsern und Kräutern bestehen, darunter zahlreiche gefährdete Arten wie Enziane, Orchideen und Kleinseggen. Besonders auffällig sind die Streuwiesen im Herbst, vor der Mahd, die nur einmal im Jahr stattfindet, wenn die braungelben, vergilbten Gräser den Ton angeben und für eine deutliche Abhebung aus der umgebenden Landschaft sorgen. Ihren Blütenflor präsentieren sie erst spät im Sommer, dafür aber bis in den Herbst hinein. Aufgrund des nur einmal im Jahr erfolgenden Schnitts (auf produktionsschwachen Standorten nur alle zwei Jahre) weisen sie eine lockere Vegetationsstruktur mit höherwüchsigen Krautarten und Obergräsern auf, allen voran das Pfeifengras, in den Tiroler Streuwiesen vorwiegend das Blaue Pfeifengras (Molinia caerulea). Charakteristische und für Schmetterlinge wichtige Pflanzenarten der Streuwiesen sind Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea), Gewöhnlicher Teufelsabbiss (Succisa pratensis), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Sumpf-Veilchen (Viola palustris), Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis), Echte Betonie (Betonica officinalis) und diverse Seggen-Arten (Carex spp.).
Die noch vorhandenen Streu- und Feuchtwiesen sind lediglich klägliche Reste ehemals ausgedehnter Feuchtgebietslandschaften im Tiroler Unterland. Foto: Kurt Lechner
Typische Tagfalterarten der Streuwiesen sind der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia aurinia), der Enzian-Ameisen-Bläuling (Phengaris alcon), das Große Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia), der Baldrian-Scheckenfalter (Melitaea diamina) oder auch der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter (Boloria selene). Es handelt sich dabei um eine meist hochgradig gefährdete Zönose, über die wir in Tirol vergleichsweise noch wenig Wissen besitzen. Streuwiesen sind in Tirol sehr rar geworden. Nennenswerte Reste finden sich allenfalls noch im Unterland, im Außerfern und im Gurgltal bei Nassereith. Sie sind Überbleibsel einer alten Kulturform, die im Zuge der Modernisierung der Landwirtschaft in weiten Teilen Mitteleuropas zunehmend im Verschwinden begriffen ist und heutzutage nur über den Vertragsnaturschutz erhalten werden kann.
Das gilt auch für viele nährstoffreiche Feucht- und Nasswiesen (Verband Calthion), die ebenfalls Teil der offenen Kulturlandschaft sind und vegetationskundlich zur Klasse Molinio-Arrhenateretea, also zum Wirtschaftsgrünland gezählt werden. Sie sind Ersatzgesellschaften für feuchte Auwälder und Erlenbruchwälder, kommen aber auch im Übergangsbereich von Auwäldern zu Wirtschaftsgrünland auf grund- oder tagwasserbeeinflussten Stauböden aus Lehm oder Gley vor (MERTZ 2000), die tiefgründig, schwer und nährstoffreich sind (HOLZNER 1989). Der Pflanzenwuchs ist hoch und im Unterschied zu den Streuwiesen, besonders zum Spätsommer hin, dicht. Die ein- bis zweimähdigen Wiesen wirken mit ihrem Kräuterreichtum bunt und vielfältig. Im Vorfrühling treten in der Regel Wald-Primeln (Primula elatior) und Sumpfdotterblumen (Caltha palustris) als Vorboten des Blütenreigens auf. Im Mai ist oft die Trollblume (Trollius europaeus) aspektbestimmend. Nach und nach gesellen sich Schlangen-Knöterich (Bistorta officinalis), Gewöhnliche Kuckucksnelke (Lychnis flos-cuculi), Sumpf- und Bach-Kratzdistel (Cirsium palustre, C. rivale), Echte Betonie (Betonica officinalis), Großes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre), Gewöhnlicher Blut-Weiderich (Lythrum salicaria), Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis) und viele weitere hinzu.
Als Charakterarten unter den Tagfaltern seien der sehr lokal verbreitete Randring-Perlmuttfalter (Boloria eunomia), der Mädesüß-Perlmuttfalter (Brenthis ino), der Baldrian-Scheckenfalter (Melitaea diamina) und das in den Tallagen praktisch verschwundene Ampfer-Grünwidderchen (Adscita statices) genannt. Feuchtwiesen mit viel Schlangen-Knöterich sind der Lebensraum des Blauschillernden Feuerfalters (Lycaena helle), einer in ganz Österreich und Europa hochgradig gefährdeten Tagfalterart, die in Tirol zwar schon lange nicht mehr gefunden wurde, für die es aber nach wie vor noch potentielle Lebensräume gibt.
Dieser Wiesentyp ist (war) in Tirol schwerpunktmäßig im Nordtiroler Unterland zu finden, wo er aber mittlerweile auch selten geworden ist.
Auf frischen, tiefgründigen Böden mehr oder weniger ebenen bzw. nicht zu steilen Terrains wurden nach dem Zweiten Weltkrieg massiv „Hindernisse“ beseitigt (Hecken, Stufen, Hügel), das Gelände begradigt und so die Landschaft nachhaltig und großräumig verändert. Im Einklang mit kontinuierlich höheren Milchleistungen und der Erschließung neuer Märkte mussten die Erträge durch die Intensivierung des Grünlandes gesteigert werden. Fettwiesen und Fettweiden, gut mit Nährstoffen und Wasser versorgt, können dreimal und öfter gemäht, im Herbst zusätzlich „geätzt“ bzw. mit mehr Vieh bestoßen werden. Botanisch sind derartige Wiesen und Weiden immens verarmt. Konkurrenzstarke, mehrschnitt- und verbissverträgliche bzw. trittfeste Pflanzenarten werden durch die starke Stickstoffdüngung einseitig gefördert, die bunte Vielfalt bleibt auf der Strecke. Die Vegetation ist dicht, das Störungsregime sehr hoch. Es sind die heute überall das Bild prägenden Löwenzahnwiesen, die im Frühjahr weithin gelb leuchten, im Sommer evtl. noch einen zweiten, weiß dominierten Blütenflor aus Doldenblütlern wie Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) oder Großer Pimpinelle (Pimpinella major) und anderen stickstoffliebenden Pflanzen wie Stumpfblatt-Ampfer (Rumex obtusifolius) hervorbringen, ansonsten aber fast nur noch Gräser enthalten. Manche dieser Wiesen scheinen Reinbestände schnell und hoch wachsender Gräser zu sein. An aus lepidopterologischer Sicht wertvolleren Wiesenpflanzen sind Rot-Klee (Trifolium pratense), Kriech-Klee (Trifolium repens), Zwerg-Sauerampfer (Rumex acetosella) und Schafgarbe (Achillea millefolium) beigemischt, randlich manchmal auch Echte Luzerne (Medicago sativa), Wiesen-Hornklee (Lotus corniculatus) und Kleine Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare).
Auf Intensivweiden sind die Böden oft verdichtet, die Vegetation deutlich heterogen strukturiert mit stark- und dichtwüchsigen Geilstellen bzw. höherwüchsigen „Inseln“ von den Weidetieren verschmähter Kräuter und sehr kurzrasigen, abgefressenen Teilen. Charakteristische Pflanzenarten sind Kriech-Klee, Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris) und Breitwegerich (Plantago major).
Weit verbreitete Gräser in Fettwiesen und Fettweiden sind u. a. Wiesen-Fuchsschwanzgras (Alopecurus pratensis), Wiesen-Rispengras (Poa pratensis), Englisches Raygras (Lolium perenne), Knäuelgras (Dactylis glomerata), Acker-Quecke (Elymus repens) und Wiesen-Kammgras (Cynosurus cristatus).
Diese intensiv bewitschaftete, botanisch sehr artenarme Form des Kulturgraslands – überwiegend Fettwiesen, vergleichsweise selten Fettweiden – ist im ganzen Land in den Talböden in weitester Verbreitung vorhanden, im Unterland, speziell im Zillertal, im Alpbachtal und im Brixental sogar bis in die Mittelgebirgslagen (bis mindestens 1.200 m, oft noch oberhalb davon) der vorherrschende, ja sogar fast ausschließlich zu findende Wiesentyp.
Hübsch wirkende, jedoch biologisch stark verarmte Fettwiese im Inntal. Foto: Peter Huemer
Widderchen sind hier zur Gänze verschwunden und auch für Tagfalter sind Fettwiesen und Fettweiden in dieser Ausprägung kein geeigneter Lebensraum. Es können zwar hin und wieder ein paar Individuen des Schwalbenschwanzes (Papilio machaon), der Goldenen Acht (Colias hyale), des Postillons (Colias crocea), des Hauhechel-Bläulings (Polyommatus icarus), des Ochsenauges (Maniola jurtina) und des Kleinen Wiesenvögelchens (Coenonympha pamphilus) angetroffen werden, die sich möglicherweise in einer dreimähdigen Fettwiese entwickelten. Für gesunde, individuenreiche, langfristig überlebensfähige Populationen ist die Menge verfügbaren Larval- und Imaginalsubstrats nicht ausreichend, die Mahdhäufigkeit (zu kurze Phasen für die Larvalentwicklung) sowie die Art und Weise der Bewirtschaftung nicht zuträglich (zu hohe Ausfallsraten). Andere, über die Intensivwiesen und -weiden fliegende Tagfalterarten, wie der Kleine Fuchs (Aglais urticae), das Tagpfauenauge (Aglais io), der Admiral (Vanessa atalanta), der Distelfalter (Vanessa cardui) oder diverse Weißlingsarten sind keine Wiesenarten, sondern weit verbreitete Ubiquisten oder migrierende Arten. Sie finden in den „Grasäckern“ bzw. den über lange Zeiträume hinweg bis auf den Boden abgefressenen Weiden oft nicht einmal Blüten für die Nektaraufnahme.
Laut AMA (© Agrarmarkt Austria als Geodatenstelle, URL: https://www.data.gv.at/katalog/de/dataset/ama_invekosschlgesterreich20232, Stand: 12. Februar 2024) sind 38.371 ha als Mähwiesen bzw. Mähweiden mit drei und mehr Nutzungen für Tirol ausgewiesen. Aus den weiter oben geschilderten Gründen ist hier aber wohl noch eine ähnlich große Fläche des mit zwei Nutzungen in der AMA-Statistik angeführten Grünlands hinzuzurechnen, womit wohl mindestens 80 %, sehr wahrscheinlich deutlich mehr, aller Wiesen und Weiden Tirols aus Sicht der Tagfalter und Widderchen keinen geeigneten Lebensraum mehr darstellen!
Viehwirtschaft hat in Tirol eine lange Tradition. Es ist der mit Abstand bedeutendste Zweig der Landwirtschaft, Almen daher ein typischer Teil der Tiroler Kulturlandschaft, die „Almidylle“ ein wichtiges Element für den Tourismus. Almen liegen meist in hochmontanen bis subalpinen Lagen, seltener im tief- und mittelmontanen Bereich, also vielfach noch innerhalb des Waldgürtels, wo sie durch Rodung des Bergwalds und des Krummholzes aus wirtschaftlicher Not heraus entstanden sind. Sie sind in unserem vom Gebirge dominierten Land weit verbreitet und erstrecken sich teilweise bis in die Urwiesen der alpinen Stufe. Durch die Schaffung des alpinen Grünlands wurde die natürliche Waldgrenze so deutlich verändert und nach unten verschoben, dass ihre ursprüngliche Höhe und ihr Aussehen nicht mehr sicher festgestellt werden können (HOLZNER 1989).
Abgelegen von den Wirtschaftsbetrieben im Tal oder auf den Terrassen wurden vormals lange Wege in Kauf genommen, um die Almflächen zu erreichen. Früher wurden die Weidetiere mühsam, teilweise in gefährlichen und sehr zeitaufwändigen Fußmärschen auf die Alm getrieben, heute müssen die vielfach gehaltenen modernen Hochleistungsrinder auf die Sommerweiden gefahren werden. Voraussetzung dafür ist die inzwischen gute Erreichbarkeit vieler Almen über ausgebaute Wirtschaftswege, die nicht nur dem Almbetrieb zugutekommen, sondern auch Tourist*innen die Möglichkeit bieten, Gastbetriebe einfach und ohne Anstrengung zu erreichen.
Almen zeichnen sich vielfach noch durch enormen floristischen Artenreichtum aus. Foto: Peter Huemer
Almen sind großflächige Weidegebiete mit Almgebäuden, oft verzahnt mit Bergmähwiesen, die es den Bauern und Bäuerinnen erlaubten, ihren Viehbestand zu erhöhen oder Nahrungsengpässe, die durch anderweitige Nutzung der Talflächen entstanden, auszugleichen. Aufgrund der kurzen Vegetationszeit im Gebirge können die Almgebiete nur im Sommer über einen Zeitraum von rund drei Monaten bestoßen werden, und zwar dann, wenn die Bergflora am üppigsten und gehaltvollsten ist. Fast ausschließlich auf Milchwirtschaft ausgerichtet, handelt es sich ganz vorrangig um Rinder, seltener um Schafe oder andere Tiere, die auf den Almflächen weiden. Sie alle haben ihre eigene „Fraßtechnik“ und meiden – mit Ausnahme der Ziegen – bestachelte oder bedornte Pflanzen sowie solche mit giftigen oder zu aromatischen Inhaltsstoffen. Zudem düngen sie die Weiden mit ihren Exkrementen und führen durch Trittbelastungen und Bewegungsmuster („Viehgangln“) in Hangbereichen zu vielen offenen Bodenstellen, welche bei extensiver Bewirtschaftung, also geringem Besatz, keine gravierenden Nachteile für Tagfalter und Widderchen mit sich bringen. Abgesehen von den nicht zum Kulturland gehörenden, natürlichen und somit keiner Pflege bedürftigen alpinen Rasen und Matten wie auch den Krummholz- und Zwergstrauchgesellschaften und den immer wieder eingestreuten Flachmooren umfassen die Almgebiete Borstgrasrasen, Alpine Violettschwingelrasen, Milchkrautweiden und subalpine Kammgrasweiden – alles Grünlandgesellschaften (Klasse Molinio-Arrhenateretea) der Verbände Nardion strictae, Poion alpinae und Cynosurion – ergänzt von Hochstauden- und Lägerfluren (Verbände Adenostylion alliariae und Rumicion alpini). Letztere sind in Form von dicht- und hochwüchsigen Alpen-Ampferfluren (Rumicetum alpini) in der unmittelbaren Umgebung der Almhütten auf überdüngten, frischen bis feuchten Böden ausgebildet, dort wo das Vieh gerne rastet und verdaut, teilweise in Form von Reinbeständen des Alpen-Ampfers (Rumex alpinus), teilweise im Verbund mit wenigen anderen Hochstauden wie der Brennessel (Urtica dioica). Für Schmetterlinge spielen sie nur eine unbedeutende Rolle. Hinsichtlich der Tagfalter und Widderchen sind sie lediglich für den Kleinen Fuchs (Aglais urticae) interessant.
Prinzipiell sind die Almweiden und -wiesen aber durch einen beachtlichen botanischen Artenreichtum mit vielen in der Volksmedizin bekannten Alpenkräutern gekennzeichnet. In den Borstgrasrasen wachsen z. B. Arnika (Arnica montana), Gold-Pippau (Crepis aurea), Bärtige Glockenblume (Campanula barbata), Langblättrige Witwenblume (Knautia longifolia), Glanz-Skabiose (Scabiosa lucida), Ostalpen-Enzian (Gentiana pannonica) und weitere Enziane, Kohlröschen (Nigritella nigra), Knabenkraut-Arten (Dactylorhiza spp.) und weitere Orchideen, in den Milchkraut- bzw. Kammgrasweiden Rauer Löwenzahn (Leontodon hispidus), Gold-Fingerkraut (Potentilla aurea), Perücken-Flockenblume (Centaurea pseudophrygia) und verschiedene Schmetterlingsblütler (Lotus corniculatus, Trifolium spp.), um nur einige wenige zu nennen. Daneben finden sich jede Menge Gräser, unter anderem das Borstgras (Nardus stricta). Genauso vielfältig sind die Hochstaudenfluren mit Berg-Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum), Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum), Alpendost (Adenostyles alliariae), Berg-Haarstrang (Peucedanum osthrutium), diversen Disteln (Carduus spp.) usw.
Mit zunehmender Beweidung sinkt die Artenvielfalt auf vielen Almen. Foto: Peter Huemer
Insgesamt sind extensiv gepflegte Almgebiete nicht nur optisch beeindruckend, sondern auch sehr artenreiche Schmetterlingslebensräume, die für eine große Zahl an Tagfaltern und einigen Widderchen hervorragende Bedingungen bieten. Auffallend sind diverse Vertreter der dunklen, nur verhalten mit orangen Bändern oder Flecken verzierten Mohrenfalter (Erebia spp.), deren Raupen verschiedene Gräser, u. a. Borstgras (Nardus stricta), Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Rot-Schwingel (Festuca rubra) oder Ruchgras (Anthoxanthum odoratum) fressen – z. B. Knochs Mohrenfalter (Erebia epiphron), Früher Mohrenfalter (Erebia medusa), Kleiner Mohrenfalter (Erebia melampus) oder die im Sonnenlicht grünlich glänzenden, morphologisch recht ähnlichen Arten Schweizer Schillernder Mohrenfalter (Erebia tyndarus) und Schillernder Mohrenfalter (Erebia cassioides).
Auf den Wiesen, Weiden und Hochstauden der Almen tummeln sich aber auch viele Bläulingsarten, die man manchmal in größeren Ansammlungen an feuchten Stellen beobachten kann, hie und da vergesellschaftet mit Tagfaltern aus anderen Familien. So z. B. der in beiden Geschlechtern dunkelbraune, im Falle der Männchen oft bläulich bestäubte Zwerg-Bläuling (Cupido minimus), dessen Raupe nur am Wundklee (Anthyllis vulneraria) lebt. Der Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) und die Gebirgsform des Braunen Feuerfalters (Lycaena tityrus subalpina), die sich beide als Raupe von verschiedenen Ampfer-Arten, etwa dem Schild-Ampfer (Rumex scutatus) oder dem Kleinen Sauerampfer (Rumex acetosella), ernähren, gehören ebenso zu den Charakterarten der Almgebiete. Weitere typische Vertreter sind der im Gebirge an Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) gebundene Storchschnabel-Bläuling (Eumedonia eumedon) oder der dem Quendel und der Ameisenart Myrmica sabuleti auf Gedeih und Verderb ausgelieferte Thymian-Ameisen-Bläuling (Phengaris arion) genauso wie der herrlich hellblaue Eros-Bläuling (Polyommatus eros). Unter den Weißlingen sind es der Berg-Weißling (Pieris bryoniae), der dem Grünader-Weißling (Pieris napi) sehr ähnelt, dessen Weibchen jedoch oft gelblich braun oder zumindest rauchig grau verdunkelt sind, und der Alpen-Gelbling (Colias phicomone), die als Leitarten der Almen betrachtet werden können.
Blumenreiche Bergwiesen sind ein Eldorado für zahlreiche Tagfalter und Widderchen. Foto: Helmut Deutsch
Hochstaudenfluren bieten einer Vielzahl von Tagfaltern und Widderchen geeignete Lebensbedingungen. Foto: Peter Huemer
Regelmäßig anzutreffen sind auch der Rundfleckige Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus serratulae), der Natterwurz-Perlmuttfalter (Boloria titania), der Hochalpen-Perlmuttfalter (Boloria pales) oder das Alpen-Wiesenvögelchen (Coenonympha gardetta). Viele der hier angesprochenen Arten sind bis in die Rasen und Matten der alpinen Zone verbreitet.
Eine Vorstellung von der Mannigfaltigkeit der Bergmähwiesen liefern die Brandberger Bergmähder im hinteren Zillertal. Mit einem Maßnahmenplan (AIGNER 2008) gelang es, die vor dem völligen Verlust stehenden Bergwiesen durch Zusammenarbeit des Hochgebirgs-Naturparks Zillertaler Alpen, der Bauern und Bäuerinnen und der Gemeinde teilweise wiederherzustellen. In einer kürzlich durchgeführten Untersuchung konnten auf den revitalisierten Flächen insgesamt 62 Tagfalter- und 3 Widderchenarten registriert werden (LECHNER & ORTNER 2022).
Leider finden auch im Kulturgrasland der Gebirge Veränderungen mit negativen Auswirkungen auf Schmetterlinge statt. Zum einen sind viele Almen aus wirtschaftlichen Gründen bereits aufgegeben worden, wodurch die ehemaligen Weideflächen und Bergmähder verhochstauden, verheiden oder mit Latschen bzw. Grünerlen zuwachsen. Andererseits breitet sich die Intensivierung (Gülledüngung, zu hoher Viehbestand) im Bergland immer weiter aus, mit drastischen Veränderungen der Flora und Fauna, ganz besonders der für Almwiesen und -weiden typischen Schmetterlingsarten.
Bergmähder wie die Greiwiesen im Großglocknergebiet sind durch Nutzungsaufgabe in ihrem Bestand gefährdet. Foto: Helmut Deutsch
Um ihre Habitateigenschaften und ihren offenen Charakter beizubehalten, benötigen Halbtrockenrasen, Wiesen und Weiden eine regelmäßige Pflege. Wird die Mahd oder die Beweidung eingestellt, entwickeln sich aus diesen Graslandbiotopen Brachen. Das betrifft vor allem Flächen, die wenig Ertrag liefern oder aufgrund ihrer Lage schwer zu bewirtschaften sind – also Halbtrockenrasen, trockene Magerwiesen und -weiden, Streuwiesen, Bergmähder, Almen, Feucht- und Nasswiesen.
Durch das Ausbleiben der regelmäßigen Mahd oder Beweidung werden Konkurrenzverhältnisse beeinflusst. Konkurrenzkräftige Arten vermehren sich zugunsten der schwächeren, wodurch die Diversität verringert wird. Durch den fehlenden Austrag reichern sich Nährstoffe an und am Boden bildet sich eine mit der Zeit immer dickere Streuschicht abgestorbenen Pflanzenmaterials. Der Boden verfilzt, die kleinklimatischen Verhältnisse verändern sich, es wird kühler und feuchter.
In Halbtrockenrasen breiten sich bereits vorhandene Dornsträucher durch Kriechwurzeln aus und führen à la longue über eine Buschlandschaft zu einem Wald, in den Tiroler Trockengebieten vorrangig in Richtung Föhrenwald, teilweise auch in von Robinien (Robinia pseudoacacia) und Götterbaum (Ailanthus altissima) dominierte Gehölzbestände. Auf nicht mehr beweideten Almen dringen Zwergsträucher und Latschen immer weiter vor und infiltrieren die ehemaligen Wirtschaftsflächen.
Generell verschwinden kleinwüchsigere Kräuter auf Kosten höherwüchsiger, ausdauernder Stauden und Gräser, trockene Wiesen und Weiden versaumen, Pfeifengraswiesen und Feuchtwiesen entwickeln sich zu stark verschilften und generell grasreichen (Pfeifengras, Großseggen) Beständen oder sehr dichten Hochstaudenfluren mit nur wenigen Krautarten, allen voran Mädesüß, Gilbweiderich und Kohldistel. Über kurz oder lang können sich zunehmend Gehölze einfinden und den Charakter der ehemals offenen Lebensräume grundlegend verändern.
In sich selbst überlassenem Offenland können sich auch Neophyten breitmachen. In Feuchtwiesen z. B. das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), die Kanadische Goldrute und die Riesen-Goldrute (Solidago canadensis, S. gigantea). In Trockengebieten besteht die Gefahr, dass sich die Robinie massiv ausbreitet und die Vegetation durch Anreicherung mit Stickstoff nachhaltig verändert. Hier findet sich zudem oft der Götterbaum, der ebenfalls in kurzer Zeit große Flächen einnehmen kann.
Durch Aufgabe der Bewirtschaftung okkupieren Zwergsträucher und Latschen zwar nur langsam, aber kontinuierlich ehemalige Bergmähwiesen. Foto: Kurt Lechner
Dichtwüchsige Feuchtwiesenbrachen beherbergen nur noch wenige, in der Regel jedoch spezialisierte Schmetterlingsarten. Foto: Kurt Lechner
Für Tagfalter und Widderchen sind junge Brachen durchaus attraktiv, verlieren jedoch mit zunehmender botanischer Verarmung und Beschattung an Bedeutung.
In trockenem offenem Kulturland fehlen durch die immer dichter werdende Vegetation vermehrt offene Bodenstellen, an welchen die Raupennährpflanzen für anspruchsvolle Arten keimen (z. B. Quendel). Feinerdige Stellen wachsen zu, die hier vorhandenen niederwüchsigen Pflanzen, z. B. Sonnenröschen- und Fingerkraut-Arten, werden überwuchert und verschwinden. Felsigen Bereichen mit Schuttfluren und u. a. Bewuchs des Weißen Mauerpfeffers (Sedum album) wird durch das Aufwachsen von Sträuchern und Bäumen immer länger die Sonne entzogen. Das Kleinklima verändert sich von trocken-heiß zu feucht-kühl, was zum Verschwinden xerothermophiler Arten führt.
In Streuwiesen- und Feuchtwiesenbrachen gehen durch die mit der Zeit zu starke Verdichtung der Vegetationsstruktur bzw. die zu starke Dominanz einzelner Hochstaudenarten Raupennährpflanzen verloren, die Eiablage mancher Arten wird erschwert oder es schwindet die Habitateigenschaft für die Wirtsameisen der Ameisen-Bläulinge.
Typische Arten von Brachen sind der Randring-Perlmuttfalter (Boloria eunomia), der Mädesüß-Perlmuttfalter (Brenthis ino) und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling (Phengaris nausithous).
Der Ackerbau spielt heutzutage in Tirol eine untergeordnete Rolle in der Landwirtschaft, war jedoch früher in der auf Selbstversorgung ausgerichteten Gesellschaft ein unverzichtbares Element der Kulturlandschaft. Prinzipiell werden dabei Pflanzen für die Ernährung (direkt oder indirekt als Futter für die Viehwirtschaft) kultiviert, seit einigen Jahren aber auch sogenannte Energiepflanzen. Immer handelt es sich um Monokulturen, die günstige Voraussetzungen für Massenvermehrungen bestimmter Insektenarten bieten und daher zur Ertrags- und Gewinnsicherung geschützt werden müssen, was in der Regel chemisch erfolgt.
Aktuell beträgt die Ackerfläche in Tirol rund 8.000 ha. Dabei handelt es sich in erster Linie um Feldfutterbau (inkl. Silomais 75 %), in deutlich geringerem Umfang um Getreide und Erdäpfel. Wobei gerade der Getreidebau in den letzten Jahren deutlich forciert wurde. Mais kann inzwischen bis ins Mittelgebirge kultiviert werden (EGGER 2024).
Ackerbau wird in Tirol in klimatisch günstigen Regionen betrieben, allen voran dem Inntal, das durch seine breiten, gut bebaubaren Talböden, resultierend aus Flussregulierungen und Trockenlegungen im 19. und 20. Jahrhundert, gut maschinell bewirtschaftet werden kann (URL: https://tirolatlas.uibk.ac.at/maps/thema/query.py/text?lang=de;id=1129).
Intensive Nutzungsformen im Ackerbau drängen ökologisch hochwertige Flächen zunehmend in den Hintergrund. Foto: Peter Huemer
Obstkulturen nehmen in Tirol zwar nur wenig Fläche ein, dies aber in für Insekten prinzipiell günstigen, wärmegetönten Becken, Südhängen und Tälern. Foto: Kurt Lechner
Während Getreide hauptsächlich im trockenen Nordtiroler Oberland angebaut wird, sind Gemüsekulturen (Radieschen, Porree, Salat, Kohlgemüse, Karotten usw.) vorwiegend im Großraum Innsbruck und Umgebung, Mais ebenfalls vielfach im Inntal, teilweise aber auch auf den anliegenden Terrassen zu finden.
Auch Obstplantagen sind nur kleinflächig in der Tiroler Landschaft und ebenso ganz vorrangig in den klimatisch begünstigten Tallagen auszumachen. Meist handelt es sich dabei um Kernobst, besonders Apfel, seltener um Steinobst in Form von Kirsche und Zwetschke, nur ausnahmsweise um die wärme- und trockenheitsliebende Marille. Praktisch noch in den Kinderschuhen steckt der Weinanbau in Tirol, der wohl bedingt durch die Klimaänderung zunehmend mehr Freunde und Freundinnen findet, durch die pontokaspische Herkunft der Weinrebe jedoch nur in sehr milden Gebieten mit hochwertigeren Sorten betrieben werden kann.
Ackerland war genauso wie Obst- und Weinkulturen nie Gegenstand lepidopterologischer Untersuchungen oder Ziel hiesiger Schmetterlingssammler*innen. Das hängt wohl damit zusammen, dass die Erwartungshaltung, hier seltene, viele verschiedene oder naturschutzfachlich aussagekräftige Arten anzutreffen, sehr gering war und dies nach wie vor ist. Wir können uns hier deshalb nur auf Gelegenheitsbeobachtungen berufen.
Der regelmäßige, flächenhafte, teilweise in kurzen Intervallen stattfindende Umbruch und/oder die wohl im Regelfall konventionelle Anbaumethode mit Pflanzenschutzmitteln schränken eine erfolgreiche Entwicklung ein, das monotone Pflanzenangebot den Kreis der Nutznießer.
Höchstens an den Rändern, hin zu Wegen oder – was heutzutage nur selten vorkommt – artenreicherem Kulturland mit Glatthaferwiesen, Säumen und Hochstaudenfluren, wo noch Veilchen (Viola spp.), Acker-Kratzdisteln (Cirsium arvense) oder andere Kräuter wachsen, sind Reproduktionserfolge einiger weniger Arten denkbar. Obwohl dem Ackerland auch früher nicht die Bedeutung zugekommen ist, die magere Wiesen und Weiden auszeichnet, waren sie einst reichlicher mit ihren Ackerwildkräutern und nicht nur als Imaginalhabitat Bestandteil des Lebensraums. Eine gewisse Relevanz ist den mit Schmetterlingsblütlern, besonders Esparsette, Luzerne oder Rotklee, bestandenen Wechselwiesen im Feldfutterbau zuzusprechen.
Dennoch sind auch diese Ackerflächen nur für wenige anspruchslose, mehrbrütige Tagfalterarten, allenfalls die Goldene Acht (Colias hyale), den Postillon (Colias croceus) und den Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) relevant. In Gemüsekulturen können sich immer wieder Individuen des Kleinen Kohlweißlings (Pieris rapae) und des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) an Kohlrabi, Brokkoli und an anderen Gemüse-, aber auch Blattkohlarten, wie Gemüse-Kohl (Brassica oleracea), Raps (Brassica napus) usw., entwickeln, an Karotten (Daucus carota ssp. sativus) unter Umständen der Schwalbenschwanz (Papilio machaon). Der Distelfalter (Vanessa cardui) ernährt sich als Raupe von der bereits erwähnten Acker-Kratzdistel, der Kleine Fuchs (Aglais urticae) und das Tagpfauenauge (Aglais io) von der Groß-Brennessel (Urtica dioica). Veilchen (Viola spp.) werden vom Kleinen Perlmuttfalter (Issoria lathonia) genutzt. Widderchen sind in Äckern nicht vorhanden.
„In Tirol und auch in ganz Österreich gibt es genügend Land, um die Menschen wieder in einen direkten Kontakt zum natürlichen Lebensraum zu bringen [...] Es ist zwar selbstverständlich, die freie Landschaft unbebaut erhalten zu wollen. Dieses Bestreben darf aber nicht dazu verleiten, durch verdichtete Bauweise vielen Tiroler Familien ungesunde Lebensbedingungen aufzuzwingen, zumal ausreichend Land [...] vorhanden ist“ (SWAROVSKI 1988). Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg hat speziell im Umfeld großer Industriebetriebe ein wahrer Bauboom eingesetzt. Städte wuchsen unaufhörlich, Ortschaften fraßen sich immer weiter in die Landschaft und sogar neue Siedlungen wurden aus dem Boden gestampft. Der neue Wohlstand führte dazu, dass sich besonders in den 1960er- und 1970er-Jahren immer mehr Tiroler*innen den Traum vom Eigenheim mit Garten verwirklichen konnten. Aus menschlicher Sicht natürlich erfreulich. Aus dem Blickwinkel von Insekten, Vögeln, Fledermäusen usw. hingegen Verlust von Lebensräumen bzw. Lebensqualität. Wiesen und Weiden, zumindest zu Anfang dieses Wohnbaus noch vielfach mager und artenreich, im Tausch mit grünen, penibel gepflegten Einheitsflächen, ein paar Sträuchern und Bäumen, in der Regel ausländischer Herkunft, vielleicht etwas Obst und einem kleinen Gemüsebeet.
Heutzutage gibt es nicht nur sterile Gartenanlagen, sondern auch „Naturgärten“ mit heimischen Stauden, Sträuchern und Bäumen, manchmal sogar einer kleinen Magerwiesenfläche, die pestizidfrei gehalten werden. So sehr sich naturverbundene Gartenbesitzer*innen auch bemühen und so „artenreich“ manche Gärten auch sind (z. B. LECHNER 2021, W. Bacher mündl.), die Gartenflächen alleine ermöglichen praktisch keiner Tagfalter- oder Widderchenart eine langfristig überlebensfähige Population aufzubauen. Sie sind in erster Linie „Wirtshäuser“ für nektarsaugende Insekten, was vor allem dann wichtig wird, wenn das Umland entweder nur ein sehr begrenztes Blütenangebot aufweist oder durch flächendeckende Mahd mit einem Schlag seines gesamten Blütenflors beraubt wurde.
Dennoch, der erst seit kurzem bei uns etablierte Karst-Weißling (Pieris mannii) ist bisher nur im Siedlungsraum und dessen näherer Umgebung registriert worden, wo sich die Raupen an der in vielen Gärten wachsenden Zierpflanze Immergrün-Schleifenblume (Iberis sempervirens) und in der als Salat angebauten Schmalblättrigen Doppelrauke (Diplotaxis tenuifolia) entwickeln. Eine wichtige Rolle spielen Gärten für den Großen und Kleinen Kohlweißling (Pieris brassicae, P. rapae), die beispielsweise Kapuzinerkresse (Tropaeolum spp.) und Kohlgemüse (Brassica spp.) als Larvalnahrung nutzen (von den meisten Menschen deshalb aber auch weniger gern gesehen werden). Für die Nesselfalter Admiral (Vanessa atalanta), Tagpfauenauge (Aglais io) und Kleiner Fuchs (Aglais urticae) ist das Wohngebiet ebenso von Bedeutung, besonders dann, wenn die so oft propagierten Brennesselecken sowohl an trocken-heißen als auch etwas feuchteren bzw. sogar schattigen Stellen einen Platz finden. Das gilt ebenfalls für den Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae), sofern Pfirsich, Nektarine (beide Prunus persica), Marille (Prunus armeniaca) oder Zwetschke (Prunus domestica) angebaut werden.
Mit Magerwiesen, heimischen Stauden, Sträuchern und Obstgehölzen können Gärten durchaus eine Bereicherung für Schmetterlinge und andere Insekten sein. Foto: Kurt Lechner
Manchmal können zudem Raupen des Schwalbenschwanzes (Papilio machaon) an Karotte (Daucus carota ssp. sativus), Fenchel (Foeniculum vulgare) oder Dill (Anethum graveolens), die des Grünader-Weißlings (Pieris napi) an Blaukissen (Aubrieta spp.), jene des Distelfalters (Vanessa cardui) oder des C-Falters (Polygonia c-album) an Echt-Borretsch (Borago officinalis) bzw. Ribisel (Ribes sp.) gefunden werden.
Sollten Magerwiesen oder schmetterlingsblütlerreichere, wiesenähnliche Beete Platz haben, finden sich wahrscheinlich das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), vielleicht der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) ein, der dann am Wiesen-Hornklee (Lotus corniculatus), am Hopfen-Klee (Medicago lupulina), an der Gewöhnlichen Esparsette (Onobrychis viciifolia
