Tapsy und das Leuchten im Nebel - Regina Schulz - E-Book

Tapsy und das Leuchten im Nebel E-Book

Regina Schulz

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Beschreibung

Begib dich auf eine Reise von den glitzernden Eisbergen der Antarktis über den tiefen Dschungel bis hin in die endlose Weite der Savanne. Patty ist ein Pinguin, der sich vor dem kalten Wasser des Eismeeres fürchtet und trotzdem ein wertvoller Teil seiner Kolonie wird. Tapsy, der kleine Tiger lernt, dass man keine schwarzen Streifen braucht, um Gutes zu tun. Das weiße Zebra Cora wird in der dunkelsten Nacht zum leuchtenden Wegweiser für andere. Diese und weitere Geschichten erzählen davon, wie wichtig es ist, man selbst zu sein

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 32

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Wölfchen und das Lied der Stille

Hoch oben in den nebelverhangenen Gipfeln, wo die Fichten so dicht standen, dass das Sonnenlicht kaum den Boden erreichte, lebte ein mächtiges Wolfsrudel. Jeden Abend wenn der Mond am Himmel stand, versammelten sich die Wölfe auf dem Donnerfelsen und sangen ihr mächtiges Mondlied.

Wölfchen saß oft ehrfürchtig dabei und beobachtete seine älteren Brüder und Schwestern. Wenn sie heulten, erzittern die Nadeln der Bäume und der Klang rollte durch die weiten Täler.

Doch die Stimme des kleinen Wolfes war anders. Wenn er seine Schnauze öffnete. kam kein lautes Heulen heraus, sondern ein weiches, melodiöses Summen.

Je näher der Abend rückte, desto schwerer wurde sein Herz. Ein flaues Gefühl breitete sich in seinem Bauch aus - die Angst, nicht dazu zugehören.

„Ich kann nicht so laut sein wie ihr!“ flüsterte er eines Abends verzweifelt, als sein Bruder ihn spielerisch anstieß, um ihn zum Felsen zu drängen. „Meine Stimme ist... … … sie ist einfach nicht dafür gemacht.“

Sein Vater sah ihn ernst an. „Ein Wolf ohne Heulen ist wie ein Wald ohne Bäume, mein Sohn. Es ist unsere Tradition, den Mond zu grüßen, damit er uns den Weg weist. Versuch es wenigstens!“

Wölfchen holte tief Luft und reckte den Hals - doch heraus kam nur ein leises, brüchiges Fiepen.

Ein paar der jungen Wölfe kicherten und Wölfchen fühlte, wie seine Ohren vor Scham glühten.

Voller Selbstzweifel schlich der kleine Wolf sich in dieser Nacht davon. Er wanderte tiefer in den Wald hinein, weit weg von den lauten Stimmen und den erwartungsvollen Blicken seines Rudels. Er fühlte sich allein und anders. Was war er für ein Wolf, wenn er nicht laut heulen konnte?

 

Nachdem er stundenlang gelaufen war, entdeckte er tief im dichten Wald eine riesige, knorrige Eiche. In einer Spalte des Stammes saß eine alte Eule mit großen, weisen Augen, sie konnte nicht mehr fliegen - ihre Flügel waren zu alt und steif geworden.

„Wer bist du, kleiner Wanderer mit dem traurigen Blick?“ fragte die Eule sanft, als sie den kleinen Wolf entdeckte.

Wölfchen erzählte ihr vom Donnerfelsen, von der Erwartung seines Vaters und von seiner Stimme, die so anders war.

Die Eule neigte den Kopf und ihre großen Augen funkelten weise. „Weißt du ...“ sagte sie sanft „… manchmal ist das Leise das Stärkste, was es gibt. Ich kann nicht mehr jagen oder fliegen, aber ich sehe Dinge, die für andere vielleicht unscheinbar sind. Und meine Geschichten erreichen die Herzen, auch wenn sie nur geflüstert sind.“

In den nächsten Tage, und Nächten wurden Wölfchen und die Eule unzertrennlich. Der kleine Wolf lauschte den Geschichten und begann, leise Melodien zu singen. Er merkte, wie wohltuend seine weiche Stimme für die alte Eule war. Der kleine Wolf sang Lieder von den Sternen, von den sanften Winden und den plätschernden Bächen.

Eines Abends, als der Mond durch das Blätterdach schimmerte, erzählte die Eule von den kleinen Waldtieren, die oft Angst vor der Dunkelheit hatten und sich nach Geborgenheit sehnten. „Deine Stimme, Wölfchen ...“ flüsterte sie „… wäre perfekt, um ihnen leise Schlaflieder zu singen. Ein sanftes Heulen, das Trost spendet, anstatt Furcht zu verbreiten.“

Dann begann der kleine Wolf zu singen. Es war kein Heulen, das die Luft zerriss, sondern ein sanftes Schlaflied.

Eine kleine Feldmaus wagte sich aus ihrem Versteck und ein Vogel im Nest über ihnen hörte auf zu flattern und schlummerte ein.

In diesem Moment verflog Wölfchens Angst. Er war kein falscher Wolf, sondern mit einer besonderen Gabe beschenkt worden.

Am nächsten Abend kehrte er zu seinem Rudel zurück und sah die Wölfe bereits auf dem Felsen stehen. Wölfchen ging zu ihnen. „Ich kann nicht so heulen wie ihr!“ sagte er und obwohl seine Stimme leise war, klang sie klar und fest. „Aber ich habe gelernt, dass der Wald mehr braucht als nur lautes Heulen, er braucht auch Ruhe.“