5,49 €
Der zweite Gedichtband von Holger Scheerer. Der erste erschien ebenfalls im Jahr 2015 im Gerhard Hess Verlag, Bad Schussenried.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 43
Veröffentlichungsjahr: 2015
BoD
TAUMEL
PROLOG
TAUMEL
DER PFAD
ALTER OLIVENBAUM, FRÜCHTETRAGEND
MAHNUNG
VERSUCH ÜBER EINE BRIEFMARKE
DER KRITIKER AUF SEINEM THRON
BERICHT VON DER UNFALLSTELLE
DA IST II
GEDICHT FÜR EIN ARSCHLOCH
ANFECHTUNG SICH AUS DER WIRKLICHKEIT ZU TREIBEN
TOD DER ALTEN KAMERADEN
STATT EINES ABSCHIEDSBRIEFES HINTERLIESS DER HAUPTSCHÜLER ADOLFO SEIN ABSCHLUSSZEUGNIS
WER TRAURIG IST
GESPRÄCH MIT BRUDER SCHMALHANS
EVA IN DER PRODUKTION
SELBSTPORTRAIT, 20. OKTOBER 2007
SELBSTPORTRAIT, 18.06.2012
IN MEMORIAM ARCHILOCHUS
BRECHT UND BENN
LOB DER DIALEKTIK
BUKOWSKIS GEBET
ALFRED DÖBLIN ZUM BEISPIEL
EPITAPH FÜR ALBERT EHRENSTEIN
EPITAPH FÜR MAXIM GORKI
DES SOMMERS LETZTE ROSE
TRINKLIED IN HEBBELS MANIER
GEPRIESEN SEI DAS WEIB
IN MEMORIAM ERNST JANDL
IN DER STRAFKOLONIE
HEINER MÜLLER ZUM BEISPIEL
MÜLLER-MASCHINE
NAPOLEON ZUM BEISPIEL
GEDICHT FÜR PARMENIDES
GEDICHT FÜR PARMENIDES II
ZERO HOUR ARTHUR RUBINSTEIN
ANTON TSCHECHOV ZUM BEISPIEL
IST DIE ZEIT AUCH HINGEFLOGEN
IN MEMORIAM PAUL VERLAINE
I THINK I´M GONNA DIE
REDE DES WERDENDEN
ZUR STELLUNG DES THEATERS
KÄFIGMENSCH
VERMISSTENANZEIGE 7. MÄRZ 1969
DIE EINEN UND DIE ANDEREN
MEIN LEBEN HAT KEINEN PLAN
WENN DU GEDICHTE SCHREIBEN WILLST
DER RAUSCH IST EINE ÜBERSATTE ROSE
ICH SEHE DIESEN SCHWARZEN SAUM
DER PRIESTER VON LALIBELA
DER FISCHER VON LALIBELA
DER SCHLANGENBESCHWÖRER VON LALIBELA
DER EINSAME STREITER
ICH LASSE MICH ZU NICHTS MEHR LOCKEN
WENN DIE LIEBSTE GEHT
DOLOMITEN 1915
TWEEDS
SENTENZEN
VERFLOSSEN BRÜCHIG ZERFASERRT
FALSCH IST ES, SICH AN EIN WEIB ZU BINDEN
ICH LIEBE DICH UND FICKE IHN
STÖR-FABRIK
VON DER EINFACHHEIT DAS SCHWIERIGE ZU WOLLEN
DIE TOTEN RUFEN UNS
BOSNISCHE TOTENKLAGE 1994
REDE DES BOSNISCHEN SOLDATEN 1994
REDE DES BRITISCHEN SOLDATENS AUF DEM IGMAN 1995
KLEINES GEDICHT ÜBER DAS STERBEN
WOHLFEILE DER NICHTIGKEIT
SCHREIBE DEINEN VERS RUHIG OHNE ÜBERZEUGUNG
SPRACHKRITIK
BEITRAG ZU EINER PROLETARISCHEN PHÄNOMENOLOGIE
ZERSTÖRUNG II
TAUMEL
Gedichte
„Es ist nötig, die niedere Stufe zu finden,
auf der wir wirklich stehen können,
wo wir nicht taumeln.“
Friedrich Nietzsche
Nachgelassene Fragmente 1869/74
Die rechte Zeit wird kommen!
Wann?
Wann kommt sie denn,
die rechte Zeit,
bessere Zeit,
oder ist sie schon verschlafen?
Ist die Kraft verbraucht,
der Glaube an sich selbst verflogen?
Darf man ruhig einmal
zwei Schritte zurück tun,
um dann umso gewaltiger
drei Schritte zurück zu tun?
Erfährt jeder einmal
das Gefühl des Triumphes oder
gibt es ewige Verlierer?
Ist es nur ein böser Geist,
der ausgehaucht zu haben scheint,
ein utopisches Lügengehäuse,
welches zu kurze Stelzen bekam?
Scheint es angenehmer,
sich mit Illusionen abzufinden,
als sich Gedanken zu machen
über deren Verwirklichung?
Verwirklichung von Illusionen?
Führt man noch zu Ende,
was man begonnen hat,
oder springt man ab,
sobald der Zug langsamer wird?
Die Frage,
wo etwas hingeht,
wenn man nicht weiß,
woher es gekommen ist,
sinnlos oder unabwendbar?
Ach, Welt, gestatte mir den wirren Blick,
wie ich erschrak in deiner Nähe
fiel ich zurück in mein Geschick,
wo ich mich um mich selbst nur drehe.
Und sink ich dann auf meine Wunden,
mag kein Gedanke sich mehr regen,
weil von ewig Dreh und Fall zerschunden
ganz verstreut ich lieg auf deinen Wegen.
Wer den Pfad einmal gesehen
weg in eisiges Erschauen,
muss verlieren und begehen,
dem senkt sich das Vertrauen.
Wer diese Schritte unternommen,
hört dem Leben stets erschlagen zu,
vergeht erschüttert und benommen,
findet nimmermehr zur Ruh.
Den Stamm schon ganz zerfressen
steht der Baum jahrtausendalt,
von Sturm und Brand vergessen
als Greis in einem jungen Wald.
Obschon vom Getier gequält
der Leib sein Innerstes entblößt,
von Früchtebildung bleibt beseelt
die Wurzel, die den Stein durchstößt.
„Was unsterblich im Gesang soll leben,
muss im Leben untergehn.“
Friedrich Schiller
Manchmal scheint mir der Verdacht,
wir lebten in zwei Welten,
die eine liegt in dunkler Nacht,
die andre lässt nur Helles gelten.
Und mir ist es nicht bewusst,
welche mehr die meine ist,
nur eines hab ich früh gewusst:
das Dunkel oft die Helle frisst.
Ich weiß noch, wie es mir gelacht:
Die Seele kennt kein Vergessen;
der helle Geist, der dich bewacht,
ist nicht nur von sich besessen.
Sieh, du müder Traumbewahrer,
gefangen hält dich deine Welt,
im Sturm der Bilder Seebefahrer,
im Leben stolz der Kahn zerschellt.
Auf alle meine Post klebe ich neuerdings die Marke:
"Keine Gewalt gegen Frauen" -
was aber hilft denn sonst
gegen ihre Liebe?
Der Kritiker, zwei Seelen wohnen ach in seiner Brust,
befindet sich an diesem Morgen auf dem Redaktionsabort
in einem schweren Kampf; auf der einen Seite
die eigene unbezwingbare Genialität,
auf der andern die anale Verkrampftheit
des unglücklichen Deutschen.
Sein Atem geht schwer,
er stöhnt und seufzt wie
schon lange nicht mehr:
die Muskeln sind gespannt
vom einsamen Ringen.
Ein Furz - und die Erlösung:
