TAUMEL - Holger Scheerer - E-Book

TAUMEL E-Book

Holger Scheerer

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Beschreibung

Der zweite Gedichtband von Holger Scheerer. Der erste erschien ebenfalls im Jahr 2015 im Gerhard Hess Verlag, Bad Schussenried.

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Seitenzahl: 43

Veröffentlichungsjahr: 2015

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BoD

Inhaltsverzeichnis

TAUMEL

PROLOG

TAUMEL

DER PFAD

ALTER OLIVENBAUM, FRÜCHTETRAGEND

MAHNUNG

VERSUCH ÜBER EINE BRIEFMARKE

DER KRITIKER AUF SEINEM THRON

BERICHT VON DER UNFALLSTELLE

DA IST II

GEDICHT FÜR EIN ARSCHLOCH

ANFECHTUNG SICH AUS DER WIRKLICHKEIT ZU TREIBEN

TOD DER ALTEN KAMERADEN

STATT EINES ABSCHIEDSBRIEFES HINTERLIESS DER HAUPTSCHÜLER ADOLFO SEIN ABSCHLUSSZEUGNIS

WER TRAURIG IST

GESPRÄCH MIT BRUDER SCHMALHANS

EVA IN DER PRODUKTION

SELBSTPORTRAIT, 20. OKTOBER 2007

SELBSTPORTRAIT, 18.06.2012

IN MEMORIAM ARCHILOCHUS

BRECHT UND BENN

LOB DER DIALEKTIK

BUKOWSKIS GEBET

ALFRED DÖBLIN ZUM BEISPIEL

EPITAPH FÜR ALBERT EHRENSTEIN

EPITAPH FÜR MAXIM GORKI

DES SOMMERS LETZTE ROSE

TRINKLIED IN HEBBELS MANIER

GEPRIESEN SEI DAS WEIB

IN MEMORIAM ERNST JANDL

IN DER STRAFKOLONIE

HEINER MÜLLER ZUM BEISPIEL

MÜLLER-MASCHINE

NAPOLEON ZUM BEISPIEL

GEDICHT FÜR PARMENIDES

GEDICHT FÜR PARMENIDES II

ZERO HOUR ARTHUR RUBINSTEIN

ANTON TSCHECHOV ZUM BEISPIEL

IST DIE ZEIT AUCH HINGEFLOGEN

IN MEMORIAM PAUL VERLAINE

I THINK I´M GONNA DIE

REDE DES WERDENDEN

ZUR STELLUNG DES THEATERS

KÄFIGMENSCH

VERMISSTENANZEIGE 7. MÄRZ 1969

DIE EINEN UND DIE ANDEREN

MEIN LEBEN HAT KEINEN PLAN

WENN DU GEDICHTE SCHREIBEN WILLST

DER RAUSCH IST EINE ÜBERSATTE ROSE

ICH SEHE DIESEN SCHWARZEN SAUM

DER PRIESTER VON LALIBELA

DER FISCHER VON LALIBELA

DER SCHLANGENBESCHWÖRER VON LALIBELA

DER EINSAME STREITER

ICH LASSE MICH ZU NICHTS MEHR LOCKEN

WENN DIE LIEBSTE GEHT

DOLOMITEN 1915

TWEEDS

SENTENZEN

VERFLOSSEN BRÜCHIG ZERFASERRT

FALSCH IST ES, SICH AN EIN WEIB ZU BINDEN

ICH LIEBE DICH UND FICKE IHN

STÖR-FABRIK

VON DER EINFACHHEIT DAS SCHWIERIGE ZU WOLLEN

DIE TOTEN RUFEN UNS

BOSNISCHE TOTENKLAGE 1994

REDE DES BOSNISCHEN SOLDATEN 1994

REDE DES BRITISCHEN SOLDATENS AUF DEM IGMAN 1995

KLEINES GEDICHT ÜBER DAS STERBEN

WOHLFEILE DER NICHTIGKEIT

SCHREIBE DEINEN VERS RUHIG OHNE ÜBERZEUGUNG

SPRACHKRITIK

BEITRAG ZU EINER PROLETARISCHEN PHÄNOMENOLOGIE

ZERSTÖRUNG II

TAUMEL

Gedichte

„Es ist nötig, die niedere Stufe zu finden,

auf der wir wirklich stehen können,

wo wir nicht taumeln.“

Friedrich Nietzsche

Nachgelassene Fragmente 1869/74

PROLOG

Die rechte Zeit wird kommen!

Wann?

Wann kommt sie denn,

die rechte Zeit,

bessere Zeit,

oder ist sie schon verschlafen?

Ist die Kraft verbraucht,

der Glaube an sich selbst verflogen?

Darf man ruhig einmal

zwei Schritte zurück tun,

um dann umso gewaltiger

drei Schritte zurück zu tun?

Erfährt jeder einmal

das Gefühl des Triumphes oder

gibt es ewige Verlierer?

Ist es nur ein böser Geist,

der ausgehaucht zu haben scheint,

ein utopisches Lügengehäuse,

welches zu kurze Stelzen bekam?

Scheint es angenehmer,

sich mit Illusionen abzufinden,

als sich Gedanken zu machen

über deren Verwirklichung?

Verwirklichung von Illusionen?

Führt man noch zu Ende,

was man begonnen hat,

oder springt man ab,

sobald der Zug langsamer wird?

Die Frage,

wo etwas hingeht,

wenn man nicht weiß,

woher es gekommen ist,

sinnlos oder unabwendbar?

TAUMEL

Ach, Welt, gestatte mir den wirren Blick,

wie ich erschrak in deiner Nähe

fiel ich zurück in mein Geschick,

wo ich mich um mich selbst nur drehe.

Und sink ich dann auf meine Wunden,

mag kein Gedanke sich mehr regen,

weil von ewig Dreh und Fall zerschunden

ganz verstreut ich lieg auf deinen Wegen.

DER PFAD

Wer den Pfad einmal gesehen

weg in eisiges Erschauen,

muss verlieren und begehen,

dem senkt sich das Vertrauen.

Wer diese Schritte unternommen,

hört dem Leben stets erschlagen zu,

vergeht erschüttert und benommen,

findet nimmermehr zur Ruh.

ALTER OLIVENBAUM, FRÜCHTETRAGEND

Den Stamm schon ganz zerfressen

steht der Baum jahrtausendalt,

von Sturm und Brand vergessen

als Greis in einem jungen Wald.

Obschon vom Getier gequält

der Leib sein Innerstes entblößt,

von Früchtebildung bleibt beseelt

die Wurzel, die den Stein durchstößt.

MAHNUNG

„Was unsterblich im Gesang soll leben,

muss im Leben untergehn.“

Friedrich Schiller

Manchmal scheint mir der Verdacht,

wir lebten in zwei Welten,

die eine liegt in dunkler Nacht,

die andre lässt nur Helles gelten.

Und mir ist es nicht bewusst,

welche mehr die meine ist,

nur eines hab ich früh gewusst:

das Dunkel oft die Helle frisst.

Ich weiß noch, wie es mir gelacht:

Die Seele kennt kein Vergessen;

der helle Geist, der dich bewacht,

ist nicht nur von sich besessen.

Sieh, du müder Traumbewahrer,

gefangen hält dich deine Welt,

im Sturm der Bilder Seebefahrer,

im Leben stolz der Kahn zerschellt.

VERSUCH ÜBER EINE BRIEFMARKE

Auf alle meine Post klebe ich neuerdings die Marke:

"Keine Gewalt gegen Frauen" -

was aber hilft denn sonst

gegen ihre Liebe?

DER KRITIKER AUF SEINEM THRON

Der Kritiker, zwei Seelen wohnen ach in seiner Brust,

befindet sich an diesem Morgen auf dem Redaktionsabort

in einem schweren Kampf; auf der einen Seite

die eigene unbezwingbare Genialität,

auf der andern die anale Verkrampftheit

des unglücklichen Deutschen.

Sein Atem geht schwer,

er stöhnt und seufzt wie

schon lange nicht mehr:

die Muskeln sind gespannt

vom einsamen Ringen.

Ein Furz - und die Erlösung: