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Beschreibung

Erweitern Sie Ihren Behandlungsspielraum - Lernen Sie alle wichtigen Techniken der verschiedenen Therapieverfahren kennen und gewinnen Sie neue Denkanstöße und Impulse. Schulenübergreifend - Praxisnaher integrativer Therapieansatz - Ausführliche Darstellung aller wichtigen Techniken in der Psychotherapie - Detaillierte und systematische Vermittlung des aktuellen Wissensstand - Aus den wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Perspektiven: Psychodynamische Therapie, Systemische Therapie, Verhaltenstherapie und Humanistische sowie weiteren verbreiteten Therapieformen - Sehr praxisnah mit zahlreichen nützlichen Hinweisen und Fallbeispielen für den Behandlungsalltag - Vorgestellt von jeweils führenden Fachvertretern - Systematisch - Wissenschaftlich fundiert - Praxiserprobt Unverzichtbar für die Ausbildung und ein Gewinn für den erfahrenen Therapeuten!

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Seitenzahl: 909

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Techniken der Psychotherapie

Michael Broda, Wolfgang Senf, Bettina Wilms, Franz-Peter Begher, Maria Borcsa, Michael Broda, Christoph Buckel, Claudia Dahm-Mory, Andrea Dinger-Broda, Wiebke Driemeyer, Diana Ecker, Christiane Eichenberg, Mohammed El Hachimi, Jana Fasbender, Christian Flassbeck, Patricia Franke, Monika Funke, Nils Greve, Iver Hand, Michael Hase, Thomas Heidenreich, Gerhard Hildenbrand, Bruno Hildenbrand, Thomas Hillecke, Reinhard Hirsch, Gerhard Huber, Stefan Junker, Gert Kaluza, Verena Kast, Bernd Keßler, Norbert Klinkenberg, Eva Koppenhöfer, Peter Kosarz, Hartmut Kraft, Volker Köllner, Joachim Küchenhoff, Maren Langlotz-Weis, Hans Lieb, Friederike Mayer-Bruns, Johannes Michalak, Andrea Möllering, Martin Neher, Frank Nestmann, Dietmar Ohm, Friederike Potreck-Rose, Harald Rau, Uwe Reineck, Hans Reinecker, Eckhard Roediger, Jens Rohloff, Manfred Rust, Rainer Sachse, Julia Schirmer, Angelika Schlarb, Wolfgang Schneider, Constanze Schulze, Cornelie Schweizer, Wolfgang Senf, Jörg Signerski-Krieger, Fritz B. Simon, Harlich H. Stavemann, Beate Steiner, Runald Stritzel, Serge K.D. Sulz, Kerstin Vogt, Jörg Weidenhammer, Jillian Werner, Beate Wilken, Bettina Wilms, Hans-Ulrich Wilms, Alexander Wormit, Dorothee von Moreau

21 Abbildungen

Vorwort

Als im Jahr 1996 mit der „Praxis der Psychotherapie“ das erste konsequent integrative Lehrbuch für Psychotherapie erschien, konnten wir Herausgeber nicht ahnen, wohin die Reise gehen wird. Die „Praxis“ liegt inzwischen in der 5. Auflage vor. Ermutigt durch den Erfolg der integrativen Idee, starteten wir im Jahr 2000 das Projekt einer Zeitschrift: Bislang können wir auf 13 erfolgreiche Jahre der integrativ angelegten Zeitschrift für Praktiker „Psychotherapie im Dialog (PiD)“ zurückblicken. Jetzt runden wir das Experiment mit damals ungewissem Ausgang im Jahr 2013 mit den jetzt vorliegenden „Techniken der Psychotherapie“ ab.

In der psychotherapeutischen Praxis kommt man nach unserer Überzeugung über den Dialog zwangsläufig zur Technik. Mit anderen Worten haben wir das Ziel, das wir uns gesetzt hatten, (fast) erreicht: Über Methodentransparenz haben wir Mut zur Methodenkombination gemacht und sind über den beständigen Dialog bei einer pragmatischen Methodenintegration angekommen. Schon das Wort Integration führt bei manchen Kolleginnen und Kollegen zu Gänsehaut mit der Sorge und in der Vorstellung, dass die eigene wohl behütete psychotherapeutische Identität dadurch bedroht sei. Hier können wir schon vorab beruhigen: Mit unserem auf die konkrete Praxis bezogenen Ansatz – deswegen haben wir in Anlehnung an Peter Fürstenau (1979) für das Grundlagenkapitel den etwas provokanten Begriff Praxeologie gewählt – treten wir niemandem auf die Füße und jeder kann bei seiner Identität bleiben. Wir geben lediglich zu bedenken, dass sich die Psychotherapie in den letzten Jahrzehnten rasant weiterentwickelt hat und der so genannte Schulenstreit anachronistisch ist, da wir es mit unterscheidbaren psychotherapeutischen Kompetenzen für eine psychotherapeutische Behandlung zu tun haben. Diese Kompetenzen resultieren aus den verschiedenen wissenschaftlichen Theorien und aus den unterschiedlichen klinischen Erfahrungsbildungen in der Psychotherapie – das ist in der „Praxis der Psychotherapie“ ausführlich dargelegt. Je nach Störungsbild, Problemstellung, Persönlichkeit, psychosozialer Voraussetzung, Rahmenbedingung usw. stehen uns unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren, Methoden, Techniken und Settings als differenzielle psychotherapeutische Kompetenzen zur Verfügung – das wiederum findet sich in den „Techniken der Psychotherapie“. Und um diese Aspekte zusammenzuführen, brauchen wir den Dialog.

Genau diesen psychotherapeutischen Dialog wollen wir mit diesem Buch voranbringen. Wir haben uns bemüht, in einem pragmatischen Grundmodell zusammenzuführen, was die Psychotherapie an Behandlungsmöglichkeiten zu bieten hat. Das Grundmodell ist daran orientiert, was im Rahmen wissenschaftlich gesicherter Wirkfaktoren der Psychotherapie an Behandlungstechniken zur Verfügung steht und in der Praxis zur Anwendung kommt, um die gestörte Balance von Anforderung und Bewältigung bei unseren Patientinnen und Patienten wieder ins Lot zu bringen. Hierzu wollen wir ihnen nicht nur dabei helfen, ihre Probleme und Motivationen erkennen zu lernen und dafür Lösungen zu finden, sondern auch gezielt ihre Resilienz stärken, indem wir ihre Ressourcen fördern. Neu ist dabei, dass wir nicht nur von einer kurativen oder akuten, sondern ebenso von einer präventiven, bewältigungsorientierten und auch palliativen Psychotherapie sprechen und diese Ansätze unterscheiden.

Techniken und Praxis sind also ein Geschwisterpaar, sie gehören zusammen und ergänzen sich mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten. In den Techniken erscheint, bekannt aus früheren Auflagen der Praxis, wieder das Kapitel Spezielle Therapietechniken, und es finden sich die Hinweise zu den Rahmenbedingungen für eine qualifizierte psychotherapeutische Tätigkeit.

Allen Autorinnen und Autoren, die an diesem Buchprojekt beteiligt sind, danken wir sehr herzlich. Herzlichen Dank sagen wir Frau Korinna Engeli, Frau Katharina Esmarch und Frau Heide Addicks sowie allen anderen Beteiligten vom Thieme Verlag, die unser Projekt und jetzt auch dieses Buch über die Jahre hinweg mit energischer Geduld, aber auch mit viel Ermutigungen und vor allem herzlicher Verbundenheit begleitet und befördert haben.

Nordhausen, Essen, Bad Bergzabern, im Frühjahr 2013

Bettina Wilms, Wolfgang Senf, Michael Broda

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil I Grundlagen

1 Werte als Kompass der Psychotherapie

1.1 Einleitung

1.2 Marginale Beachtung der Werte in Psychotherapie und Psychodiagnostik

1.3 Werte im Verlauf des diagnostischen und therapeutischen Prozesses

1.3.1 Ausgangszustand

1.3.2 Transformationsprozess

1.3.3 Zielzustand

1.3.4 Weitere Unterscheidungen

1.4 Konflikte und Krisen unter dem Blickwinkel von Werten

1.4.1 Potenzial von Werten

1.4.2 Konfliktlagen

1.4.3 Konflikttypen

1.5 Werte als Kompass geeignet?

1.6 Literatur

2 Praxeologie integrativer Psychotherapie

2.1 Grundlagen

2.1.1 Psychotherapie als Kommunikationsprozess

2.1.2 Prinzip der realen Erfahrung

2.1.3 Grundkompetenzen

2.1.4 Problem- und Ressourcenorientierung – Pole auf einer Dimension

2.1.5 Anforderung und Bewältigung

2.1.6 Exkurs: Belastungszyklus

2.2 Psychotherapeutisches Handeln

2.2.1 Erkennen

2.2.2 Verstehen

2.2.3 Handeln

2.2.4 Evaluation

2.3 Anamneseerhebung im Erstgespräch

2.3.1 Gesprächsbeginn

2.3.2 Standardisierte Erhebungsbögen

2.3.3 Sachdimensionen

2.3.4 Beziehungsdimensionen

2.3.5 Ziele der Anamnese im Erstgespräch

2.4 Literatur

Teil II Allgemeine ressourcenorientierte Therapietechniken

3 Vermittlung von Selbstsicherheit

3.1 Benennung und Ziele der Technik

3.1.1 Einordnung nach Grawe

3.1.2 Ziele

3.2 Voraussetzungen und Indikationen

3.2.1 Voraussetzungen beim Patienten

3.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten

3.2.3 Differenzielle Indikation

3.3 Beschreibung des Vorgehens

3.3.1 Schwerpunkte der Technik

3.3.2 Elemente und Übungen

3.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

3.5 Literatur

4 Stressbewältigungstraining

4.1 Benennung und Ziele der Technik

4.1.1 Benennung

4.1.2 Einordnung nach Grawe

4.1.3 Ziele

4.2 Voraussetzungen und Indikationen

4.2.1 Voraussetzungen beim Teilnehmer und Therapeuten

4.2.2 Differenzielle Indikation

4.3 Beschreibung des Vorgehens

4.3.1 Schwerpunkt der Technik

4.3.2 Durchführung

4.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

4.5 Literatur

5 Stärkung des Selbstwerts

5.1 Benennung und Ziele der Technik

5.1.1 Benennung

5.1.2 Ziele

5.2 Voraussetzungen und Indikationen

5.2.1 Voraussetzungen beim Patienten

5.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten

5.2.3 Differenzielle Indikation

5.3 Beschreibung des Vorgehens

5.3.1 Therapieziel: theoretische Grundlagen vermitteln

5.3.2 Therapieziel: Selbstbewertungsprozesse erkennen

5.3.3 Therapieziel: positive Selbstbewertung fördern

5.3.4 Therapieziel: Selbstentwertung reduzieren

5.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

5.5 Literatur

6 Vermittlung von Achtsamkeit

6.1 Beschreibung und Ziele der Technik

6.1.1 Benennung

6.1.2 Einordnung nach Grawe

6.1.3 Ziele

6.2 Voraussetzungen und Indikationen

6.2.1 Voraussetzungen beim Patienten

6.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten

6.2.3 Differenzielle Indikation

6.3 Beschreibung des Vorgehens

6.3.1 Schwerpunkt der Technik

6.3.2 Instruktion, Auswertung

6.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

6.5 Literatur

7 Stärkung der Genussfähigkeit

7.1 Einleitung und theoretischer Kontext

7.2 Ziel der eingesetzten Technik

7.3 Fragen zur Indikation

7.4 Therapieprogramm

7.4.1 Beschreibung des Vorgehens

7.5 Übergeordnete ressourcenaktivierende Wirkfaktoren

7.6 Literatur

8 Fantasiereisen

8.1 Nutzen, Indikation und Zielsetzungen

8.2 Therapeutische Durchführung

8.2.1 Vorbereitung

8.2.2 Entspannungsinduktion

8.2.3 Eigentliche Vorstellungsübung

8.2.4 Rückführung

8.2.5 Nachbesprechung

8.3 Günstige Voraussetzungen

8.3.1 Aufseiten der Patienten

8.3.2 Aufseiten der Therapeuten

8.4 Mögliche Schwierigkeiten und Lösungsmöglichkeiten

8.5 Literatur

9 Rollenspiel

9.1 Benennung und Ziele der Technik

9.1.1 Benennung

9.1.2 Einordnung nach Grawe

9.1.3 Ziele

9.2 Voraussetzungen und Indikationen

9.2.1 Voraussetzungen beim Patienten

9.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten

9.2.3 Differenzielle Indikation

9.3 Beschreibung des Vorgehens

9.3.1 Schwerpunkt der Technik

9.3.2 Durchführung

9.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

9.5 Literatur

10 Einpersonenrollenspiel

10.1 Charakterisierung und Ziele

10.2 Indikation und Voraussetzungen

10.3 Anwendungsbereiche

10.4 Vorgehen

10.4.1 Funktionen des Klienten

10.4.2 Funktionen des Therapeuten

10.5 Ablauf

10.5.1 Klient auf Klientenposition: Herausarbeiten einer bearbeitbaren Annahme

10.5.2 Klient auf Therapeutenposition: Bearbeitung der Annahme

10.5.3 Klient auf der Klientenposition: Prüfen der Gegenargumente

10.6 Mögliche Komplikationen

10.7 Nachbesprechung

10.8 Literatur

11 Lösungsorientierte Techniken

11.1 Einordnung und Zielsetzung

11.2 Differenzierung von Problemen und Tatsachen

11.3 Ausdifferenzierung der Zielzustände

11.4 Können alle Patienten davon profitieren?

11.5 Beschreibung des Vorgehens

11.5.1 Wunderfrage

11.5.2 Zauberfrage

11.5.3 5-Jahres-Frage

11.6 Schlussbemerkung

11.7 Literatur

12 Neukonstruktion von Lebensnarrationen

12.1 Ziele der Technik

12.2 Voraussetzungen und Indikationen

12.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten

12.2.2 Differenzielle Indikation

12.3 Beschreibung des Vorgehens

12.3.1 Schwerpunkt der Technik

12.3.2 Prozessabschnitte

12.4 Zu Beachtendes

12.5 Literatur

13 Genogrammarbeit

13.1 Geschichtliches

13.2 Ressourcenorientierte Genogrammarbeit

13.2.1 Philosophische und wissenschaftliche Grundlagen

13.3 Praxis der Genogrammarbeit

13.3.1 Genogrammarbeit als Sequenzanalyse

13.3.2 Wann werden Genogrammdaten erhoben?

13.3.3 Wie werden Genogrammdaten erhoben?

13.3.4 Wie werden Genogrammdaten analysiert?

13.4 Literatur

14 Stabilisierungstechniken

14.1 Einleitung

14.2 Äußere Sicherheit

14.3 Innere Sicherheit

14.4 Innere Stabilität

14.5 Selbstmanagement und Selbstwirksamkeit

14.5.1 Imaginative Verfahren

14.5.2 Sicherer Ort und innerer Wohlfühlort

14.5.3 Filterschutz

14.5.4 Innere Kinder

14.6 Medikamentöse Therapie

14.7 Literatur

15 Reframing

15.1 Einleitung

15.2 Neurolinguistisches Programmieren (NLP)

15.3 Systemische Therapie

15.4 Beispiel aus der Praxis

15.5 Sozialer Konstruktionismus und offener Dialog

15.6 Zum Vergleich: Deutungen

15.7 Anmerkungen zur Praxis

15.8 Literatur

16 Arbeit mit Glaubenssätzen

16.1 Ziele der Technik

16.2 Voraussetzungen und Indikationen

16.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten

16.2.2 Differenzielle Indikation

16.3 Beschreibung des Vorgehens und mögliche Komplikationen

16.3.1 Schritt 1: Liste der Glaubenssätze erstellen

16.3.2 Schritt 2: Sinnhaftigkeit und Überlebensaspekte erarbeiten

16.3.3 Schritt 3: Heutige Sinnhaftigkeit erarbeiten

16.3.4 Schritt 4: Umwandeln der Familienregel in Leitlinien

16.3.5 Schritt 5: Kosten für die Aufrechterhaltung der Glaubensätze und Einführung einer Zeitperspektive

16.3.6 Schritt 6: Weitergabe der Familienregeln

16.4 Schlussbemerkung

16.5 Beispiel aus der Praxis

16.6 Literatur

Teil III Allgemeine problemorientierte Therapietechniken

17 Problemlösungstechniken

17.1 Einordnung und Ziele

17.2 Indikation und Grenzen

17.3 Beschreibung der Technik

17.4 Ergebnisse

17.5 Literatur

18 Verhaltensanalyse

18.1 Einleitung

18.2 Prinzipien und Grundlagen

18.3 Therapie als Problemlösen

18.4 Funktionales Modell der Verhaltensanalyse

18.5 Hypothetisches Bedingungsmodell

18.6 Validität von Verhaltensanalysen

18.7 Literatur

19 Technik des zirkulären Fragens

19.1 Beschreibung der Technik

19.2 Theoretische und praktische Begründung

19.3 Fragetypen

19.4 Literatur

20 Symptomverschreibung

20.1 Benennung und Ziele der Technik

20.2 Voraussetzungen und Indikationen

20.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten

20.2.2 Differenzielle Indikation

20.3 Beschreibung des Vorgehens und mögliche Komplikationen

20.4 Beispiel aus der Praxis

20.5 Literatur

21 Technik des Deutens

21.1 Benennung und Ziele der Technik

21.2 Widerstand

21.2.1 Unbewusster Widerstand

21.2.2 Weitere Widerstandsformen

21.3 Abwehr

21.4 Übertragung

21.5 Regression

21.6 Gegenübertragung

21.7 Beschreibung des Vorgehens

21.7.1 Konfrontieren und Klären

21.7.2 Deuten

21.7.3 Durcharbeiten

21.8 Literatur

22 Traumdeutung

22.1 Jung’sches Traumverständnis

22.2 Differenzielle Indikation, Voraussetzungen

22.3 Behandlungstechnik

22.4 Beschreibung des Vorgehens

22.5 Fallbeispiel

22.5.1 Emotionale Reaktion der Träumerin

22.5.2 Emotionale Reaktion der Therapeutin

22.5.3 Imaginatives Nacherleben des Traums

22.5.4 Reflektieren über den Traum

22.6 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

22.7 Literatur

23 Psychotherapeutische sokratische Gesprächsführung

23.1 Benennung und Ziele der Technik

23.1.1 Allgemeine Einordnung

23.1.2 Ziele

23.2 Voraussetzungen und Indikationen

23.2.1 Voraussetzungen beim Patienten

23.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten

23.2.3 Differenzielle Indikation

23.3 Eingesetzte Techniken

23.3.1 Fragetechniken

23.3.2 Disputtechniken

23.3.3 Regressive Abstraktion

23.4 Beschreibung des Vorgehens

23.4.1 Phasen explikativer sokratischer Gesprächsführung („Was ist das?“)

23.4.2 Phasen normativer sokratischer Gesprächsführung („Darf ich das?“)

23.4.3 Phasen funktionaler sokratischer Gesprächsführung („Soll ich das?“)

23.5 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

23.5.1 Vor Dialogbeginn

23.5.2 Während des Dialogs

23.5.3 Nach dem Dialog

23.6 Literatur

24 Kognitive Umstrukturierung

24.1 Benennung und Ziele der Technik

24.1.1 Benennung

24.1.2 Einordnung nach Grawe

24.1.3 Ziele

24.2 Voraussetzungen und Indikationen

24.2.1 Voraussetzungen beim Patienten

24.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten

24.2.3 Differenzielle Indikation

24.3 Beschreibung des Vorgehens

24.3.1 Schwerpunkt der Technik

24.3.2 Exploration der dysfunktionalen Kognitionen

24.3.3 Infragestellen der als dysfunktional identifizierten Kognitionen

24.3.4 Erarbeiten funktionaler Kognitionen

24.3.5 Einüben dieser neuen Sichtweisen

24.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

24.5 Literatur

25 Aktivierung der Selbstorganisation

25.1 Erste Selbstbeobachtung

25.2 Grundlagen

25.3 Relevante Begriffe

25.4 Voraussetzungen beim Klienten und Therapeuten

25.5 Grenzen der Selbstorganisation (oder eher Vorsicht)

25.6 Beispiele

25.7 Aktive und passive Rolle bei der Selbstorganisation

25.8 Kreative Instrumente, Hindernisse, Hinweise

25.9 Literatur

26 Psychoedukation

26.1 Einleitung

26.2 Probleme im klinischen Alltag

26.3 Beschreibung des Vorgehens

26.3.1 Schwerpunkt der Technik

26.3.2 Durchführung

26.4 Mögliche Komplikationen

26.5 Literatur

Teil IV Allgemeine emotionsorientierte Therapietechniken

27 Dialektisch-behaviorale Therapie

27.1 Einleitung

27.2 Dialektisches Denken

27.3 Achtsamkeit

27.4 Skillstraining

27.4.1 Theoretischer Hintergrund

27.4.2 Vermittlung eines allgemeinen Emotionsmodells

27.5 Therapeutische Methoden in der Einzeltherapiesitzung

27.5.1 Emotionsfokus in der Sitzung

27.5.2 Validierung von Emotionen

27.5.3 Exposition zu Gefühlszuständen in der Sitzung

27.5.4 Anwenden von Skills in der Sitzung

27.5.5 Burnoutprophylaxe

27.6 Literatur

28 Systemaufstellungen

28.1 Herkunft, Geschichte

28.2 Logik, Ziel

28.3 Empirie, Theorie

28.4 Setting, Aufstellungsarten

28.4.1 Klassische Ansätze

28.4.2 Neuere Ansätze

28.5 Lösungsheuristiken klassischer Systemaufstellungen (Familien, Organisationen)

28.6 Wer stellt was auf?

28.7 Beschreibung des Vorgehens

28.8 Literatur

29 Expositionstraining (Konfrontationstraining)

29.1 Prolog: am Wasserrand am Nordseestrand

29.2 Benennung und Ziele der Technik

29.2.1 Benennung

29.2.2 Ziele und Vorgehensweisen

29.3 Voraussetzungen und Indikationen

29.3.1 Voraussetzungen beim Patienten

29.3.2 Voraussetzungen beim Therapeuten

29.3.3 Differenzielle Indikation

29.4 Beschreibung des Vorgehens

29.4.1 Schwerpunkte der Techniken

29.4.2 Exposition-Reaktions-Management in vivo

29.4.3 Exposition-Reaktions-Management in sensu

29.5 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

29.6 Literatur

30 30-Sekunden-Buchführung

30.1 Ziele der Technik

30.2 Voraussetzungen und Indikationen

30.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten

30.2.2 Differenzielle Indikation

30.3 Beschreibung des Vorgehens

30.3.1 Schwerpunkt der Technik

30.3.2 Ablauf

30.4 Umsetzungsbesonderheiten und -hinweise

30.5 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

30.6 Literatur

31 Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)

31.1 Einleitung

31.2 Ziel der Therapie im AIP-Modell

31.3 Voraussetzungen und Indikationen

31.3.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten

31.3.2 Differenzielle Indikation

31.4 Beschreibung des Vorgehens

31.4.1 Phase 1: Vorgeschichte und Behandlungsplanung

31.4.2 Phase 2: Vorbereitung des Patienten

31.4.3 Phase 3: Bewertung des Traumas

31.4.4 Phase 4: Durcharbeitung

31.4.5 Phase 5: Verankerung

31.4.6 Phase 6: Körpertest

31.4.7 Phase 7: Abschluss

31.4.8 Phase 8: Nachbefragung

31.5 Sicherheit der Methode

31.6 Ergänzende Techniken

31.7 Literatur

Teil V Spezielle Therapietechniken

32 Arbeit mit Familien

32.1 Einleitung

32.2 Voraussetzungen und Indikationen

32.2.1 Voraussetzungen

32.2.2 Differenzielle Indikation

32.3 Beschreibung des Vorgehens und mögliche Komplikationen

32.4 Literatur

33 Arbeit mit größeren Systemen

33.1 Einleitung

33.2 Voraussetzungen und Indikationen

33.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten

33.2.2 Differenzielle Indikation

33.3 Beschreibung des Vorgehens und mögliche Komplikationen

33.4 Literatur

34 Katathym Imaginative Psychotherapie

34.1 Grundlagen

34.2 Differenzielle Indikation

34.3 Methodik

34.4 Gruppenimagination

34.5 Therapie mit Kindern und Jugendlichen

34.6 Paar- und Familientherapie

34.7 Erweiterungen

34.7.1 Psychotraumatherapie

34.8 Zusammenfassung

34.9 Literatur

35 Sexualtherapie

35.1 Überblick über sexualtherapeutische Strömungen

35.2 Verhaltenstherapeutisch orientierte Sexualtherapie

35.2.1 Verhaltenstherapeutische Grundperspektive

35.2.2 Paartherapie bei sexuellen Funktionsstörungen von Frauen

35.2.3 Erste Überlegungen zur Integration achtsamkeitsbasierter Interventionen

35.2.4 Kritische Überlegungen

35.2.5 Illustration am Beispiel sexueller Lustlosigkeit bei Frauen

35.3 Paartherapie bei sexuellen Störungen – Hamburger Modell

35.3.1 Hintergrund des Therapieverfahrens

35.3.2 Rahmenbedingungen

35.3.3 Voraussetzungen beim Therapeuten

35.3.4 Therapieverlauf mit Fallbeispiel

35.4 Literatur

36 Körperorientierte Techniken

36.1 Grundlagen und Modelle

36.2 Tiefe Atmung

36.3 Grounding

36.4 Wegschieben

36.5 Nähe-Distanz-Übung

36.6 Embodiment

36.7 Halt geben

36.8 Angenehmes Körpererleben

36.9 Gefühle ausdrücken bzw. regulieren

36.10 Schlusswort

36.11 Literatur

37 Bewegung und Ausdauertraining

37.1 Einleitung

37.2 Forschungsstand zu Wirksamkeit und Indikation

37.2.1 Depressionen

37.2.2 Angststörungen

37.2.3 Schmerzsyndrome

37.3 Formen der Bewegungstherapie

37.4 Integration der Bewegungstherapie in die psychotherapeutische Behandlung

37.4.1 Stationäre Versorgung

37.4.2 Ambulante Versorgung

37.5 Literatur

38 Psychoanalytisch begründete Körperpsychotherapien

38.1 Indikation

38.2 Theoretische Grundlagen

38.3 Wirkprinzipien

38.4 Konzentrative Bewegungstherapie (KBT)

38.4.1 Wirkfaktoren und Techniken

38.5 Literatur

39 Autogenes Training

39.1 Einleitung

39.2 Stellung in der Arzt-Patient-Beziehung

39.2.1 Strukturierend-stützender Vermittlungsstil

39.2.2 Analytisch orientierter Vermittlungsstil

39.3 Funktionsweise

39.3.1 Hypnoid und posthypnotischer Auftrag

39.3.2 Psychophysische Einheit

39.3.3 Lerntheoretische Ansätze

39.4 Indikationen

39.5 Kontraindikationen

39.6 Grundstufe des autogenen Trainings

39.6.1 Allgemeine Rahmenbedingungen

39.6.2 Schwereübung

39.6.3 Wärmeübung

39.6.4 Atemübung („passives Atemerlebnis“)

39.6.5 Herzübung („passives Herzerlebnis“)

39.6.6 Sonnengeflechtsübung (Bauchübung)

39.6.7 Stirnkühleübung („relative Stirnkühle“)

39.6.8 Rücknahme

39.7 Ausblick

39.8 Literatur

40 Progressive Relaxation

40.1 Ansatz von Edmund Jacobson

40.2 Heutige Übungsprogramme

40.3 Leitlinien

40.4 Aufbau der Anspannungs- und Entspannungszyklen

40.5 Übungssettings

40.6 Adaptationen für Kinder und Jugendliche

40.7 Lang- und Kurzformen

40.8 Befundlage zur Wirksamkeit

40.9 Schlussbemerkung

40.10 Literatur

41 Techniken der Körperverhaltenstherapie

41.1 Körperverhaltenstherapie als Perspektive

41.2 Wirkprinzipien

41.2.1 Ressourcenaktivierung

41.2.2 Problemaktualisierung und prozessuale Aktivierung

41.2.3 Problembewältigung

41.2.4 Klärungsperspektive

41.3 Strategien

41.3.1 Probieren und Überprüfen in einer Arbeitsgemeinschaft

41.3.2 Begrenzung der Fragestellung

41.3.3 Kontaktnahme

41.3.4 Förderung von (Bewegungs-)Lernen

41.3.5 Klärung zweckmäßigeren Verhaltens

41.4 Techniken

41.4.1 Bodyscan

41.4.2 Pausen und Pacing

41.4.3 Steuerung der kinästhetischen Information

41.4.4 Variieren von Bewegungen

41.4.5 Vorstellung von Bewegung

41.4.6 Kontextveränderung

41.4.7 Nutzung selektiver Aufmerksamkeit

41.4.8 Beeinflussung des Gesamtbewegungsmusters

41.5 Ziele, Indikationen, Voraussetzungen

41.6 Literatur

42 Ergotherapeutische Techniken

42.1 Einleitung

42.2 Definition und Gegenstandsbereich

42.3 Theoretische Grundlagen

42.4 Klientenzentrierung, Behandlungsprozess und Interventionen

42.5 Schnittstellen zur Psychotherapie

42.6 Ergotherapeutische Behandlung

42.7 Ergotherapeutische Mittel und Medien

42.8 Vorgehensweisen

42.9 Methoden

42.10 Literatur

43 Kunsttherapeutische Techniken

43.1 Grundlagen

43.2 Anwendungsbereiche und allgemeine Ziele

43.3 Spezielle Behandlungstechniken im Gruppensetting

43.3.1 Einzelarbeit

43.3.2 Paar- oder Kleingruppenarbeit

43.3.3 Gemeinsame Gruppenarbeit

43.3.4 Zusammenfassung

43.4 Diskussion

43.5 Literatur

44 Musiktherapeutische Techniken

44.1 Einleitung

44.2 Rezeptive musiktherapeutische Interventionen

44.2.1 Formen rezeptiven Arbeitens

44.2.2 Wirkweise, Voraussetzung, Indikation und Kontraindikation rezeptiven Arbeitens

44.3 Aktive musiktherapeutische Interventionen

44.3.1 Formen aktiver musiktherapeutischer Interventionen

44.3.2 Techniken in aktiven musiktherapeutischen Interventionen

44.4 Ausblick

44.5 Literatur

45 Sozialtherapeutische Techniken

45.1 Theoretische Grundlagen

45.2 Soziale Einzelfallhilfe

45.2.1 Ziele

45.2.2 Voraussetzungen beim Klienten

45.2.3 Voraussetzungen beim Therapeuten

45.2.4 Differenzielle Indikation

45.2.5 Schwerpunkt der Technik

45.2.6 Vorgehen

45.3 Soziale Gruppenarbeit

45.3.1 Ziel

45.3.2 Voraussetzungen und Komplikationen

45.3.3 Schwerpunkt der Technik

45.3.4 Vorgehen

45.4 Zu Beachtendes

45.5 Literatur

46 Hypnotherapie

46.1 Einleitung

46.2 Benennung und Ziele der Technik

46.2.1 Begriffsklärung

46.2.2 Ziele

46.3 Erklärungsmodelle

46.4 Indikationen und Techniken

46.4.1 Anwendungsfelder

46.4.2 Techniken der modernen Hypnotherapie

46.5 Ablauf einer Hypnosetherapiesitzung

46.6 Kombinationen

46.6.1 Hypnotherapie und Verhaltenstherapie

46.6.2 Hypnoanalyse

46.6.3 Hypnose und systemische Therapie

46.7 Wirksamkeit

46.8 Hypnotherapie mit Kindern und Jugendlichen

46.9 Literatur

47 Psychodrama

47.1 Grundlagen

47.2 Behandlungstechniken

47.2.1 Erwärmung

47.2.2 Rollentausch

47.2.3 Doppeln

47.2.4 Probehandeln

47.2.5 Rollenfeedback und Sharing

47.3 Fallbeispiel und Bezug zum Therapieverständnis im Psychodrama

47.4 Literatur

48 Biofeedback

48.1 Einleitung

48.2 Biofeedbacktechniken

48.3 Voraussetzungen beim Therapeuten und Patienten

48.4 Planung und Ablauf einer Biofeedbacktherapie

48.5 Literatur

49 Schematherapie

49.1 Benennung und Ziele der Techniken

49.1.1 Benennung

49.1.2 Einordnung nach Grawe

49.1.3 Ziele und Vorgehensweise

49.2 Voraussetzungen und Indikationen

49.2.1 Voraussetzungen beim Patienten

49.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten

49.2.3 Differenzielle Indikation

49.3 Beschreibung des Vorgehens

49.3.1 Schwerpunkt der Techniken

49.3.2 Fallbeispiel

49.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen

49.5 Literatur

50 Gesundheitsrelevante Internetnutzung

50.1 Einleitung

50.2 Information

50.3 Intervention

50.3.1 Rechtliche Aspekte

50.3.2 Onlineberatung

50.3.3 Möglichkeiten und Grenzen

50.3.4 Onlinediagnostik

50.3.5 E-Mail-Konsultation in laufenden Behandlungen

50.3.6 Bereitschaft zur Einbindung moderner Medien

50.4 Beziehungsänderung

50.5 Klinisch relevante Effekte der Internetnutzung

50.5.1 Internetsucht

50.5.2 Cyberchondria

50.5.3 Extreme Communities

50.6 Ausblick

50.7 Literatur

51 Psychosoziale Beratung

51.1 Einleitung

51.2 Professionelle Beratung

51.3 Beratung und Information

51.4 Beratung und Psychotherapie

51.4.1 Differenzierungskontinuen zwischen Beratung und Psychotherapie

51.4.2 Konvergenzen von Beratung und Psychotherapie

51.5 Beratung interdisziplinär – auf dem Weg zu einem eigenständigen Profil

51.5.1 Beratung ist interdisziplinär

51.5.2 Beratung ist kritische Aufklärung

51.5.3 Lebensweltorientierung

51.6 Professionelle Beratung der Zukunft

51.6.1 Beratung und neue Medien

51.6.2 Bedarf an neuen theoretischen Entwürfen

51.6.3 Sozialkonstruktivistische Ansätze

51.7 Literatur

Teil VI Rahmenbedingungen

52 Praktische Hinweise für den psychotherapeutischen Alltag

52.1 Einleitung

52.2 Praxisführung und Setting

52.3 Zeitraster

52.4 Bezahlung

52.5 Umfang der Inanspruchnahme

52.6 Dokumentation

52.6.1 Elektronische Medien

52.6.2 Rechtslage

52.6.3 Schweigepflicht

52.6.4 Arztbriefe

52.7 Elemente der Therapie

52.7.1 Information des Patienten

52.7.2 Sitzungsvorbereitung

52.7.3 Therapeutisches Arbeitsbündnis

52.7.4 Besprechung der Behandlungsziele

52.7.5 Erläuterung des Therapieprozesses

52.7.6 Anfang und Ende der Behandlung

52.7.7 Auswirkung von Diagnostik

52.7.8 Einbeziehung von Bezugspersonen

52.8 Professionelles Verhalten des Psychotherapeuten

52.8.1 Beziehung zwischen Patient und Therapeut

52.8.2 Eigene Gefühle in der therapeutischen Beziehung

52.9 Typische Problemsituationen für Anfänger

52.9.1 Ausgrenzung von Themenbereichen

52.9.2 Unter Zeitdruck setzen

52.9.3 Unter Leidensdruck setzen

52.9.4 Zweifel an der Kompetenz der Therapeuten

52.9.5 Betonung der Kompetenz der Therapeuten

53 Geschlechtsspezifische Einflüsse in der Psychotherapie

53.1 Einleitung

53.2 Unterschiede auf Patientenseite

53.2.1 Geschlechtsspezifische Störungshäufungen

53.2.2 Soziale Wirklichkeiten

53.2.3 Belastungssituationen

53.2.4 Therapiethemen

53.3 Unterschiede auf Therapeutenseite

53.3.1 Therapeutenmerkmale

53.3.2 Entwicklung in Richtung „Frauenberuf“

53.4 Therapeutische Dyade

53.4.1 Vor- und Nachteile gegengeschlechtlicher/gleichgeschlechtlicher Arbeit

53.4.2 Schutz vor Verführungssituationen, Übergriffen, falschen Missbrauchsvorwürfen

53.5 Anregungen zur Selbstreflexion

53.6 Literatur

54 Antragstellung

54.1 Einleitung

54.2 Rahmenbedingungen der Antragstellung in der GKV

54.3 Probatorische Sitzungen

54.4 Kurzzeitbehandlung

54.5 Langzeitbehandlung

54.6 Bericht an den Gutachter

54.6.1 Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

54.6.2 Verhaltenstherapie

54.7 Kommentar

54.7.1 Gesetzliche Krankenversicherung

54.7.2 Private Krankenversicherung

54.7.3 Beihilfeträger

54.8 Literatur

55 Begutachtung der beruflichen Leistungsfähigkeit bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen

55.1 Einleitung

55.2 Begutachtungsprobleme

55.3 Begriff der beruflichen Leistungsfähigkeit

55.4 Leitfaden zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit

55.4.1 Psychiatrische und psychosomatische Vorbefunde

55.4.2 Psychische und psychosomatische Funktionen und Funktionsstörungen

55.4.3 Krankheitsverarbeitung

55.4.4 Aktivitäten

55.4.5 Beurteilung tendenziöser Haltungen

55.4.6 Beurteilung der beruflichen Leistungsfähigkeit

55.4.7 Diagnostische Methoden bei der Begutachtung

55.4.8 Integration der unterschiedlichen Datenebenen

55.4.9 Ausblick

55.5 Literatur

56 Versorgungsstrukturen und Schnittstellen psychotherapeutischer Versorgung

56.1 Einleitung

56.2 Ambulante psychotherapeutische Versorgung

56.2.1 Bedarfszahlen und Bedarfsdeckung

56.2.2 Funktion

56.2.3 Kooperation mit anderen niedergelassenen Behandlern

56.2.4 Ambulante Psychotherapie als Vor- und Nachbereiter stationärer Aufenthalte

56.3 Psychosomatische Krankenhausbehandlung

56.3.1 Bedarfszahlen und Bedarfsdeckung

56.3.2 Strukturen

56.3.3 Funktionen

56.3.4 Ausblick

56.4 Psychosomatische Rehabilitation

56.4.1 Entwicklung in Deutschland

56.4.2 Unterschiede zwischen psychosomatischer Rehabilitation und Krankenhausbehandlung

56.4.3 Bedarfszahlen und Bedarfsentwicklung

56.5 Schnittstellen

56.5.1 Schnittstelle Psychosomatische Medizin – Psychiatrie

56.5.2 Schnittstellenprobleme ambulante Versorgung – stationäre Therapie

56.5.3 Schnittstellenprobleme Akutbehandlung – Rehabilitation

56.5.4 Ausblick

56.6 Literatur

57 Psychotherapie und Pharmakotherapie

57.1 Einleitung

57.2 Psychotherapie und Psychopharmaka bei psychischen Störungen

57.3 Nebenwirkungen von Psychopharmaka

57.4 Psychotherapie und anderweitige Substanzen bei psychischen Störungen

57.5 Psychotherapie und Pharmakotherapie somatischer Erkrankungen

57.6 Zusammenfassung und Fazit für die Praxis

57.7 Literatur

Autorenvorstellung

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum

Teil I Grundlagen

1  Werte als Kompass der Psychotherapie

2  Praxeologie integrativer Psychotherapie

1 Werte als Kompass der Psychotherapie

Christian Flassbeck, Bernd H. Keßler

1.1 Einleitung

In der Psychotherapie geht es um Modifikationen von Lebensformen, die in gewisser Weise als „schlecht“ erfahren werden. Eine der Kernfragen dabei ist, wie das „gute“ Leben zu definieren ist, das sich als Ergebnis der Psychotherapie entwickeln soll. Mögliche Antworten darauf könnten dem Fundus der Lebensstile unserer Gesellschaft entnommen werden. Der gute Mensch aus der Sicht des Wirtschaftslebens ist der Konsument – habgierig, hedonistisch und kaufwütig. Ganz anders sieht der gute Mensch aus, der aus dem Blickwinkel unseres christlichen und humanistischen Erbes gewollt ist – maßhaltend, selbstlos, hilfsbereit, gottvertrauend, demütig. Wiederum aus einer anderen Ecke, nicht zuletzt vom Schul- und Universitätssystem, aber auch dem Sport gefördert und gefordert, ertönt der Ruf nach Leistungsbereitschaft, Einsatz bis zum Letzten, nach Perfektion, Exzellenz und Elite. Hingegen, glaubt man manchen Lifestyle-Medien und der Modebranche, scheinen Schönheit, körperliche Attraktivität, Jugendlichkeit und Prominenz als zentrale Werte eingestuft zu sein.

In diesem, von vielen weiteren Leitbildern beeinflussten, durch die gegensätzlichen Pole der Pflichtkultur und der Selbstverwirklichung, des Relativismus und Universalismus geprägten Spannungsfeld steht der moderne Mensch, in der Hand den Kompass zur guten Lebensgestaltung. Er soll viele und oft widersprüchliche Wertekategorien in sich vereinen und leben. Orientierungslosigkeit und Unsicherheit, aber auch Welterschließungen eingefahrener Art sind die Folge.

Professionelle Hilfestellung wird von unserem Gesundheitssystem erwartet, das sich aber selbst in diesem Wertedickicht verirrt hat, in dem die „Werte im Widerstreit“ (Rinderle 2007 ► [10]) stehen. Die modernen Psychotherapeuten, wie die vier klugen Gesellen in Bechsteins Märchen nach den Rezepten für das Gelingen eines Lebens befragt, würden wie diese unterschiedliche Antworten geben. Mit den Begrifflichkeiten Neugier, Hoffnung, Güte, Tapferkeit, Autonomie, Selbstregulation, Dialogbereitschaft, Aktivität in der Gestaltung des Lebens, Sinnerfüllung oder emotionales Gleichgewicht ist nur ein geringer Teil der aus Psychotherapiemanualen zitierten Rezepte abgedeckt. Die Zielsetzungen könnten mühelos ergänzt werden, dürften aber Worthülsen bleiben, wenn sie nicht in die jeweiligen Problemstellungen der Patienten in differenzieller Weise eingebunden und auf ihren Standort zwischen Übermaß und Mangel überprüft werden.

Im psychotherapeutischen Alltag, der sich in der Regel nicht märchenhaft wendet, lauert eine Fülle von ethischen Zwickmühlen mit hoher Komplexität, die mit simplen Rezepten nicht zu lösen sind. Sie erfordern implizit oder explizit eine Auseinandersetzung sowohl mit den objektiven, moralischen Kategorien, wie gelebt werde sollte, als auch den wissenschaftlichen und empirischen Sichten, wie ein gelingendes, glückliches Leben sich entwickeln könnte. Dazu wird es keine einfachen Antworten geben, da, wie Schuch (2000) feststellt, die Hauptaufgaben der Psychotherapie darin liegen, den Patienten zu verhelfen, pluriformes Leben und Erleben zu ertragen, prekäre Lebenslagen zu bewältigen und sinnvoll zu strukturieren, sowie „Identität, Lebenswert und Lebenssinn zu realisieren und auf dem Meer der Weltkomplexität kompetent navigieren zu können“ ► [14].

1.2 Marginale Beachtung der Werte in Psychotherapie und Psychodiagnostik

Ähnlich wie in den Wirtschaftswissenschaften, in denen das Fach „corporate governance“ zunehmend gewichtig wird, weil die betriebliche Fokussierung auf Werte die Unternehmensbilanz offenbar nachhaltig zu beeinflussen in der Lage ist, dürfte auch eine angemessene Beachtung der Werte in der Psychotherapie deren wissenschaftlichen und sozialpolitischen Stellenwert eher befördern. Wenn man als Psychotherapeut in dieser Frage Halt sucht, bietet sich zwar eine Vielzahl theoretischer Abhandlungen an, in denen Werte aus philosophischer, soziologischer und psychologischer Perspektive erörtert sind, sucht man aber in den einschlägigen Lehrbüchern für Klinische Psychologie und Psychotherapie nach einer Auseinandersetzung mit Werten, ist man eher enttäuscht. Zudem sind die wenigen Darstellungen stark theorielastig und schwer umsetzbar im psychotherapeutischen Alltag.

Selbst in den kritischen Fragen nicht aus dem Wege gehenden Lehrbüchern, beispielsweise Grawe (1998 ► [4]) oder Schmidt (2001 ► [12]), ist, obgleich die Autoren einer Reflexion der Normen der Gesellschaft und ihrer relevanten Systeme eine zentrale Rolle zuschreiben, zu wertorientierten therapeutischen Themen nur wenig zu erfahren. Auch in der klinischen Psychodiagnostik finden sich nur selten Methoden, die sich den Wertorientierungen zuwenden (Flassbeck u. Keßler 2011 ► [3]). In dem Lehrbuch „Psychodiagnostik in klinischer Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie“ von Stieglitz et al. (2001 ► [17]), das so gut wie alle Arbeitsbereiche abdeckt, gibt es dazu keine Hinweise. Erst mit der dritten Welle der Psychotherapieentwicklung scheint sich eine ethische Renaissance in den Lehrbüchern anzudeuten.

Überdies entsteht der Eindruck, dass Wertfragen in der Zeit vor der heutigen Kassenpsychotherapie eine größere Bedeutung besaßen. Hier sei nur an die Gewichtung der Werte in der Entwicklung der Persönlichkeit und in der Psychotherapie durch Bühler (1962 ► [2]) erinnert.

1.3 Werte im Verlauf des diagnostischen und therapeutischen Prozesses

Werte sind in den einzelnen Wissenschaften und auch in den einzelnen psychotherapeutischen Schulen nicht in gleicher Weise begrifflich gefasst, was die Kommunikation der Arbeitsgebiete erheblich erschwert. Häufig ist daher versucht worden, Taxonomien zu erstellen. Sie bieten recht unterschiedliche Ordnungsversuche; einzelne betonen Wertehierarchien, andere Werteähnlichkeiten, wiederum andere die Wertegenese und schließlich manche die Typologien von Wertedefinitionen („Konstituierungsebenen“ von Werten von Oldemeyer 1979 ► [8], „Circumplex-Modell der Werte“ von Schwartz 1994 ► [15], Modell der „drei Quellen menschlicher Werte“ von Hayek 1979 ► [5], Taxonomie von sechs Definitionsarten von Tjeltveit 1999 ► [18]). Insgesamt sind diese Ordnungen in der Psychotherapie jedoch wenig rezipiert.

Merke

Überlegungen zu Werten können sich in einem psychotherapeutischen Vorgehen sowohl auf den Ausgangszustand, den Transformationsprozess als auch den Zielzustand beziehen. Eine wertefreie Psychotherapie existiert nicht. Das mögliche Bemühen, wertefrei zu arbeiten, ist nicht widerspruchsfrei, da diese Forderung offensichtlich selbst eine Wertaussage enthält.

1.3.1 Ausgangszustand

Die Erfassung des Ausgangszustands ist eine der wesentlichen Aufgaben der Psychodiagnostik. Sowohl die Beschreibung und die Erklärungals auch die Klassifikation von Störungsbildern sind von Werten bestimmt.

Beschreibung Die Beschreibung dessen, was von den Patienten und ihren Bezugsgruppen einerseits oder den Therapeuten und ihrem Bezugssystem andererseits als Krankheiten, ungute Zustände oder Lebensprobleme eingeschätzt wird, ist werteabhängig. Unterschiedliche Therapeuten schauen durch jeweils andere diagnostische Brillen auf den ankommenden Patienten, etwa dadurch, dass sie Defizite oder Ressourcen betonen. Einstmals als problematisch eingeschätzte Zustände sind nach gesellschaftlichen Entwicklungen oder Umbrüchen heute möglicherweise nicht mehr „krankhaft“; dafür wachsen auf dem Feld der Störungsbilder immer wieder Begrifflichkeiten nach, mit denen neue Problemzustände bezeichnet werden, wie etwa Mobbing, ADHS oder Burnout. Therapeutische Einschätzungen, welche Personen als „schwere“ und welche als „leichte Fälle“ einstufen sind, basieren stets auch auf Werthaltungen.

Klassifikation Die Frage, welche klassifikatorischen Zuordnungen für die Problembeschreibungen erfolgen, ist in der Diagnostik ebenfalls nicht wertefrei. Diagnosen – seien sie typologisch oder multiaxial – sind Etiketten, deren Auswahl und Wirkung auf die therapeutische Beziehung oder die therapeutischen Prozesse von den Werthaltungen der Diagnostiker in starkem Maße mitbestimmt werden. Die Auseinandersetzung um die Diagnosestellung einer Persönlichkeitsstörung mag ein Beispiel dafür sein. Einen massiven Einfluss auf Wertsetzungen zu Beginn der Behandlungen haben auch Modellvorstellungen, wie etwa das medizinische oder das multifaktorielle Modell, die zur Interpretation psychischer Probleme herangezogen werden.

Erklärung Die Erklärungsversuchefür die als problematisch bewerteten Deskriptionen und ihre Klassifikationen sind seit jeher ein wesentliches Thema der Auseinandersetzungen unterschiedlicher Therapieschulen mit ihren impliziten Werthaltungen. Zusammenhänge von Symptomatik und den verursachenden und aufrechthaltenden Konditionen sind komplex und oft nur annähernd zu ergründen. Viele zumeist sich widersprechende Konzeptionen suchen die Verknüpfungen von Symptomatik und Lebensbedingungen zu strukturieren. Eine Hürde, die genommen werden muss, ist die der Definition der Ebenen, auf denen die Kausalität angesiedelt wird. Was führt zu einer psychischen Störung? Bei einer depressiven Person könnte man diese Ebenen je nach Sichtweise etwa im Stoffwechsel, in den neuronalen Schaltkreisen, den Kognitionen, den biografischen Erfahrungen oder auch in den Orientierungen an bestimmten Werten, vielleicht auch im Zusammenwirken einzelner oder aller Ebenen suchen.

1.3.2 Transformationsprozess

Der sehr komplexe Transformationsprozess ist ebenfalls niemals wertefrei zu sehen. Die Geschichte der Psychotherapie kennt viele Techniken und Strategien, die, obgleich sie möglicherweise als effektiv einzustufen waren, aus wertegeladenen Argumentationen heraus von manchen Therapeuten nicht angewendet wurden. Im Diskurs um den besten Transformationsprozess sind die gegenseitigen Einschätzungen der verschiedenen Therapieschulen weitestgehend wertebestimmt. Auch die Einbettung des Transformationsprozesses in das Gesundheitssystem wirft viele Fragen auf, in denen Werte zentral sind.

In den letzten Jahren wurde für die Entwicklung und Verbesserung der Methoden und Techniken des Transformationsprozesses, hin zu einer evidenzbasierten Psychotherapie, sehr viel Aufwand betrieben, die ebenso wichtigen Fragen nach Wertorientierungen und Zielen wurden dabei vernachlässigt. Möglicherweise hat sich die Psychotherapieforschung der letzten Jahre zu stark auf behandlungstechnische Möglichkeiten und Fortschritte begrenzt und sich bei der Frage, „wie zu leben sei“, zu stark zurückgehalten, anderen Wissenschaften den Vortritt gelassen oder ihre Beantwortung zu sehr privatisiert.

1.3.3 Zielzustand

Die Definition der Zielzustände therapeutischen Handelns kommt ohne eine Diskussion der Werte nicht aus. Die Beantwortung der Frage, wohin der therapeutische Prozess führen soll, wird jedem Therapeuten abverlangt. Er befindet sich dabei in einer Konfliktlage, denn er alleine definiert nicht das Ziel, sondern die Patienten und deren Umfeld, aber auch die Anliegen der Gesellschaft. Dabei wird deutlich, dass Werthaltungen in der Regel an der Spitze der Hierarchie einer Zieldefinition stehen. Sind beispielsweise Depressionen im Zusammenhang mit Partnerschaftsproblemen als Ausgangszustand diagnostiziert, könnte die Zielsetzung auf einer unteren Ebene der Hierarchie als Angstreduktion, Aktivitätsförderung, Erarbeitung der Bedürfnisse, Aufbau autonomer Strebungen oder von Regulationskompetenzen definiert werden. Therapieziele auf höherem werthaltigem Niveau könnten wie folgt aussehen: Klärung der Bedeutung von Treue in der Partnerschaft, Konfrontation mit Tugenden, wie Mäßigung, Ehrlichkeit, Einbezug von Fragestellungen der Moral.

Stellt man dabei aber die Frage, aus welchen Gründen jeweils diese zuweilen als selbstverständlich gesehenen Zielsetzungen gewählt wurden, und bezieht dabei auch die längerfristigen Auswirkungen auf Mitmenschen ein, sind immer in der Hierarchie höher anzusiedelnde Werteaussagen notwendig, in denen Begriffe wie Glück, Selbstverwirklichung, Selbstaktualisierung, Wohlbefinden, Expansion der Persönlichkeit, Gesundheit, moralische Höherentwicklung obenan stehen. Dabei ist aber berechtigterweise zu fragen, ob solche hochrangigen Lebensziele überhaupt Therapieziele sein können und sollen. Andererseits sind vom Patienten erwünschte Ziele möglicherweise nicht bedeutsam genug, um zum Wert des Lebens beizutragen: „Wenn man die Maßstäbe selbst setzte, könnte man sein Leben zu einem überwältigenden Erfolg machen, indem man die Maßstäbe extrem niedrig ansetzt“ (Appiah 2009 ► [1]).

1.3.4 Weitere Unterscheidungen

Professionell/ subjektiv Alle drei Bereiche – Ausgangszustand, Transformationsprozess und Zielzustand – könnte man jeweils wiederum aus dem Blickwinkel einer Unterscheidung zwischen „professioneller“ und „subjektiver“ Psychotherapie betrachten. Erstere umfasst im engeren Sinne die evidenzbasierte, nachweislich wirkungsvolle, auf wissenschaftlichen Hypothesen beruhende Psychotherapie durch gut ausgebildete Psychotherapeuten unter Berücksichtigung der differenziellen Wirksamkeit bei einzelnen Fragestellungen. Letztere bezeichnet den von Anmutungen, spontanen Eingebungen, subjektiven Sichtweisen und Befindlichkeiten geprägten (psychotherapeutischen) Umgang mit Patienten, der von dominanten eigenen Erfahrungen (Weisheitswissen), Werteprägungen und Glücksvorstellungen bestimmt wird. Papenkort (2009) schlägt in ähnlicher Weise verschiedene Ethiktypen vor, die er in Zusammenhang mit dem Psychotherapeuten als Professionellem und dem Psychotherapeuten als Privatperson in Zusammenhang bringt ► [9].

Explizit/ implizit Eine weitere Unterscheidung wäre die in „explizite“ und „implizite“ therapeutische Wertearbeit. Sowohl die Ausgangszustände, die Transformationsprozesse als auch die Zielsetzungen können danach unterschieden werden, ob die Patienten zu Wertethemen und Wertearbeit ausdrücklich angesprochen sind. Explizit heißt in diesem Zusammenhang, dass dem Patienten eindeutig mitgeteilt wird, dass Werte diagnostiziert werden, dass sie eine große Bedeutung im Verlauf des Transformationsprozesses haben und dass die Zielsetzungen wertebestimmt sind. Als Beispiel sei auf die „Akzeptanz und Commitment Therapie“ (Hayes 2004 ► [6]) hingewiesen. Viele therapeutische Ansätze, etwa die Gesprächspsychotherapie, sind in diesem Sinne „implizit“, sie vermitteln zwar Werthaltungen, bringen diese dem Patienten aber nicht gezielt zum Ausdruck.

1.4 Konflikte und Krisen unter dem Blickwinkel von Werten

1.4.1 Potenzial von Werten

Salutogenes Potenzial Werthaltige Themen sind in der Psychotherapie in unterschiedlichem Maße erkennbar. Während manche vorgebrachten Probleme, wie etwa Affären, Suizidalität, Sucht, Alter und Tod, Täter-Opfer-Thematiken, für jeden offenkundig von Werten geprägt sind, sind die „versteckten“ Werte in anderen Themenstellungen und Störungsbildern nicht so leicht zu erkennen. Werte sind offenbar immer dann von besonderer Bedeutung, wenn Krisen Gestaltung verlangen oder in Konflikten Entscheidungen anstehen. Sinnfragen tauchen verstärkt in Zeiten auf, in denen gesicherte Rollen und Konventionen infrage stehen oder Mangel spürbar wird.

Schmid (2005) weist darauf hin, dass der dem Menschen drohende Tod, die Begrenztheit des Daseins, die Gestaltung des Lebens, die Lebenskunst, erst notwendig macht ► [11]. Ohne Tod wäre die Lebensgestaltung nicht dringlich, sie könnte mühelos auf das Später verschoben werden. Es wäre hinzuzufügen, dass ohne Lebenskrisen und Konflikte, insbesondere wenn sie Existenzielles anrühren, die Lebensgestaltung ebenfalls überflüssig wäre. Dadurch, dass die gekonnte Lebensgestaltung weitgehend nur im Kontext mit anderen Menschen, in der Auseinandersetzung mit ihnen und ihren Normsetzungen erfolgt, bedarf es der Orientierung, der Überlegungen zum Wichtigen und Unwichtigen, der Sinngebung, aber auch der Techniken und Übungen, also der praktischen Umsetzung der Wertmaßstäbe im Alltag.

Pathogenes Potenzial Dem salutogenen Potenzial von Werten steht aber auch ein pathogenes Potenzial gegenüber, zum Beispiel dann, wenn mit ihnen gesellschaftlicher Druck, rigide Moralvorstellungen oder Zwänge durch Leitbilder verbunden sind und sie damit zu Krisen, Konflikten und Symptomen beitragen. Die Pluralität der Werte erschwert oftmals zielorientierte Handlungsentscheidungen in Konfliktsituationen. Meist sind diese Abwägungen und Überlegungen von Zwiespältigkeiten, Zweideutigkeiten und Unklarheiten durchsetzt, von Unschlüssigkeiten beschwert und mit einer Unsicherheit verbunden, die nach der Entscheidung sogar manchmal ein Leben lang anhalten kann (Höffe 2009 ► [7]).

Die überwiegende Anzahl der Menschen hat heute ein Höchstmaß an Handlungsfreiheit und die Wahl zwischen vielfältigen Lebensmodellen. Der von Konventionen, Monopolen und traditionellen moralischen Instanzen „entfesselte Mensch“ (Schockenhoff u. Florin 2009 ► [13]) fühlt sich von den gewachsenen Entscheidungsmöglichkeiten allerdings häufig überfordert und bedroht.

1.4.2 Konfliktlagen

In Konflikten spitzen sich Diskussionen über Werte zu. Mehr oder weniger lebensnahe Konfliktlagen wurden immer wieder benutzt, um Werthaltungen zu diagnostizieren und therapeutisch zu bearbeiten. Sie lassen sich grob in Alltagskonflikte, künstliche Notlagen und psychotherapeutisch relevante Dilemmata untergliedern.

Alltagskonflikte Sie beschreiben Entscheidungssituationen des privaten, beruflichen oder auch gesellschaftlichen Lebens, mehr oder weniger leicht zu lösende Interessen- und Wertekonflikte, die den Menschen alltäglich begegnen können und in der Regel kein großartiges Kopfzerbrechen bereiten.

Künstliche Notlagen Fernab jeglicher Alltagspraxis werden dazu im Gegensatz auf einer anderen Ebene Wertfragen in künstlich zugespitzten, stilisierten Dilemmata, meist in Experimentalsituationen beschrieben. Antworten auf diese Fragen sind – anders als in den zuvor beschriebenen Alltagszwickmühlen – von dramatischen Konsequenzen für das Leben einzelner oder vieler, aber sie sind eher unwahrscheinlich, selten oder gar künstlich konstruiert. Häufiger sind allerdings ähnliche Dilemmata im Kontext von Abtreibung oder Sterbehilfe und leider auch wieder Konflikte im soldatischen Handeln.

Psychotherapeutisch relevante Dilemmata Die ethisch-moralischen Dilemmata, die im Rahmen der Psychotherapie in der Regel von Bedeutung sind, haben einen anderen Charakter. Sie nehmen eine Art Zwischenstellung ein, sind einerseits oft an Alltagsfragen angebunden, haben aber andererseits für das Leben einzelner oder ihres Umfeldes eine gewichtige und oft lange anhaltende Bedeutung. Zudem besitzen sie meist schwer zugängliche und unbewusste Anteile. In quälenden Konfliktlagen, die sich über Jahre hinziehen, in ausweglos erscheinenden Lebenskrisen und bei permanenten Unfähigkeiten zu Entscheidungen stellen sich dann die Fragen nach dem „guten“ oder „richtigen“ Weg oder Ziel.

1.4.3 Konflikttypen

Innerhalb der bisher aufgeführten Erscheinungsformen von Wertekonflikten lassen sich unterschiedliche Konflikttypen identifizieren. Nicht bei allen psychotherapeutisch relevanten Fragestellungen ist allerdings ein Wertekonflikt vordringlich. Bei einem Schmerzpatienten beispielsweise imponiert zunächst kein massiver Wertekonflikt, dennoch hängt auch sein Leiden mit Wertfragen zusammen. Bei anhaltenden Schmerzen könnte er sich dem Wagnis des beruflichen Wiedereinstiegs stellen, mit dem Risiko einer Verschlimmerung seiner Symptomatik, oder er könnte sich die restlichen Lebensjahre rehabilitieren, im vielleicht von weniger Schmerzen geplagten Müßiggang mit seinen finanziellen Folgen.

Rinderle (2007) hat drei Konflikttypen zwischen Werten beschrieben ► [10]. Er unterscheidet zwischen Interessenkonflikten, Interesse-Moral-Konflikten undMoral-Moral-Konflikten.

In Ergänzung zu seinem Ansatz könnte der Einbezug einer Zeitperspektive hilfreich sein. Je nachdem, ob der Wertekonflikt in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft liegt, könnten sich andere Fragen bezüglich Lösbarkeit und Methodik der Lösungsversuche stellen.

Die Pluralität und der Widerstreit der Werte, wie sie in diesen Konflikttypen auftaucht, stellt nicht die Möglichkeit vernünftigen Urteilens und Handelns infrage, sondern stellt höhere Ansprüche an die Rechtfertigung des Handelns.

1.5 Werte als Kompass geeignet?

Die Hinwendung zu Werten verdeutlicht den komplexen „ethischen Charakter“ (Tjeltveit 1999 ► [18]) der Psychotherapie, erlaubt aber keine Orientierung auf den ersten Blick. Daher wird zunehmend zu einem Umdenken aufgerufen. So fordern Stavemann (2002) eine „philosophische Wende“ in der Psychotherapie und Tjeltveit einen praktisch tätigen „Ethizisten“ ► [16]. Beide erkennen aber auch die Überforderung der Psychotherapeuten, wenn diese mit den vielfältigen ethischen Fragstellungen konfrontiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Psychotherapeuten traditionell vor allem Fragestellungen der Moral und des Lebensglücks, die sehr eng mit Werten verknüpft sind, die kalte Schulter zeigen, weil sie dahinter edukative Festlegungen fürchten. Das ist aber so, als bliebe man auf der Hälfte des Weges stehen.

Als Kompass könnten Werte sowohl dem Patienten als auch dem Therapeuten dienen. Für den Patienten sind sie vordringlich eine „Methode“ im Transformationsprozess der Psychotherapie. In einer therapeutischen „Wertearbeit“, die Werteklärung, Wertebegründung und Wertebindung umfasst, soll er sich seiner wichtigsten Werte bewusst werden und ein motiviertes Handeln in Richtung der identifizierten Werte entwickeln.

Der Therapeutmuss sich mit Werten im gesamten therapeutischen Prozess auseinander setzen. Die Notwendigkeit, Ausgangszustand, Transformationsprozess und die Zielzustände wertorientiert zu gestalten, erfordert von ihm nicht nur eine Selbsterfahrung seiner eigenen Werteentwicklung inklusive der Offenlegung seiner Positionierung im Spektrum der Grundhaltungen, sondern auch das Bemühen um eine Analyse der Werthaltungen und deren Entwicklung seiner Patienten.

Allerdings ist psychotherapeutisches Handeln vorherrschend utilitaristisch begründet. Die Konsequenzen des Handelns der am psychotherapeutischen Prozess Beteiligten sind Gradmesser zur Bestimmung des Guten bzw. Schlechten. Bedeutsame alternative ethische Begründungsmuster, wie deontologische, tugendethische oder kontraktualistische, bleiben meist unberücksichtigt. Anders ausgedrückt, man besitzt zwar einen Kompass, geht aber nur in eine Himmelsrichtung. Durch den Einbezug weiterer Begründungsmuster könnten wichtige neue Wertsetzungen in den gesamten Therapieprozess einfließen. Auf dieser Basis lassen sich wohl ergänzende Antworten finden, die der Pluralität des Guten auch in der Psychotherapie gerecht werden.

1.6 Literatur

[1]Appiah KA. Ethische Experimente. Übungen zum guten Leben. München: Beck; 2009

[2]Bühler C. Die Rolle der Werte in der Entwicklung der Persönlichkeit und in der Psychotherapie. Stuttgart: Klett; 1975

[3]Flassbeck C, Keßler BH. Biographische Diagnostik von Wertorientierungen. In: Jüttemann G, Hrsg. Biographische Diagnostik. Lengerich: Pabst; 2011: 159–168

[4]Grawe K. Psychologische Therapie. Göttingen: Hogrefe; 1998

[5]Hayek FA. Die drei Quellen der menschlichen Werte. Walter Eucken Institut: Vorträge und Aufsätze 70. Tübingen: J.C.B. Mohr; 1979

[6]Hayes S, Strosal KD, Wilson KG. Akzeptanz und Commitment Therapie. München: CIP-Medien; 2004

[7]Höffe O. Lebenskunst und Moral oder macht Tugend glücklich. München: Beck; 2009

[8]Oldemeyer E. Zum Problem der Umwertung von Werten. In: Klages H, Kmieciak T, Hrsg. Wertewandel und gesellschaftlicher Wandel. Frankfurt: Campus; 1979: 597–617

[9]Papenkort U. Psychotherapie und die Frage nach dem glücklichen Leben. In: Bormann M, Maus U, Zilly G, Hrsg. Ethik für alle Fälle. Arbeitsbuch zur Ethik in Psychotherapie und Beratung. Tübingen: dgvt; 2009: 61–76

[10]Rinderle P. Werte im Widerstreit. Freiburg: Karl Alber; 2007

[11]Schmid W. Schönes Leben? Einführung in die Lebenskunst. Frankfurt am Main: Suhrkamp; 2005

[12]Schmidt LR. Klinische Psychologie: Entwicklungen, Reformen, Perspektiven. Tübingen: dgvt; 2001

[13]Schockenhoff E, Florin C. Gewissen. Eine Gebrauchsanweisung. Freiburg: Herder; 2009

[14]Schuch HW. Grundzüge eines Konzeptes und Modells Integrativer Psychotherapie. Integrative Therapie 2000; 26: 145–202

[15]Schwartz SH. Are there universal aspects in the content and structure of values? J Soc Issues 1994; 50: 19–45

[16]Stavemann HH. Sokratische Gesprächsführung in Therapie und Beratung. Weinheim: Beltz; 2002

[17]Stieglitz RD, Baumann U, Freyberger HJ, Hrsg. Psychodiagnostik in Klinischer Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie. Stuttgart: Thieme; 2001

[18]Tjeltveit AC. Ethics and values in psychotherapy. London: Routledge; 1999

[19]van Deth JW, Scarbrough E. The concept of values. In: van Deth JW, Scarbrough E, eds. The impact of values. Vol. 4. Oxford: Beliefs in Government Series; 1995: 21–47

2 Praxeologie integrativer Psychotherapie

Wolfgang Senf, Michael Broda, Bettina Wilms

2.1 Grundlagen

2.1.1 Psychotherapie als Kommunikationsprozess

Die Frage, was Psychotherapie ist, lässt sich nicht einfach beantworten. Eine Definition haben wir in der Praxis der Psychotherapie gegeben (Senf u. Broda 2012 ► [48]).

Definition

Psychotherapie ist professionelles psychotherapeutisches Handeln im Rahmen des öffentlichen Gesundheitswesens, das wissenschaftlich fundiert ist mit Bezug auf wissenschaftlich begründete und empirisch gesicherte Krankheits-, Heilungs- und Behandlungstheorien. Dabei handelt es sich um ein komplexes therapeutisches Prinzip mit handlungsorientierten Strategien zur Beeinflussung von Erleben und Verhalten, das geeignet ist, psychisch bedingte oder mitbedingte Krankheiten oder Verarbeitungsstörungen bei körperlicher Erkrankung oder bei psychosozialer Belastung zu beseitigen oder zu mildern (kurative Psychotherapie) oder Krisen zu bewältigen (akute Psychotherapie), der Krankheitsentstehung vorzubeugen (präventive Psychotherapie) oder bei der Bewältigung der Folgen einer Störung oder Erkrankung zu helfen (bewältigungsorientierte Psychotherapie) oder das nicht heilbare Leiden zu erleichtern (palliative Psychotherapie).

Dieses komplexe therapeutische Prinzip lässt sich grundsätzlich als ein bewusster und geplanter Kommunikationsprozess im Rahmen interpersoneller Beziehungen begreifen. Schon alltägliche Kommunikation ist auf sehr verschiedenen Ebenen, in unterschiedlichen Kontexten und auf verschiedene Arten möglich. Das trifft auch für die psychotherapeutische Begegnung zu, für die nach Paul Watzlawick, der die Gesetzmäßigkeiten zwischenmenschlicher Kommunikation in genialer Weise auf den Punkt gebracht hat, auch festzustellen ist: Man kann nicht nicht kommunizieren.

Eine Besonderheit für die psychotherapeutische Kommunikation ist, dass sie von den theoretischen und behandlungstechnischen Vorgaben der verschiedenen Therapieschulen geprägt ist (► Tab. 2.1). Die daraus resultierende Handhabung psychotherapeutischer Kommunikation ist nicht nur unterschiedlich zwischen den therapeutischen Schulen, sondern variiert auch innerhalb eines Therapiesystems.

Tab. 2.1

 Unterscheidung zwischen Alltagskommunikation und therapeutischer Kommunikation (nach Kanfer et al. 1990

► [32]

).

Alltagskommunikation

therapeutische Kommunikation

geprägt von soziokulturellen Erwartungen und Werten

„Anstandsregeln“ und Umgangsformen sind kein notwendiger Bestandteil

Beziehung ist persönlich bis intim

Beziehung ist professionell, Kommunikation aufgabenbezogen

häufige Verwendung von Floskeln

Verwendung eines speziellen Sprachstils

Interaktion überall und jederzeit

klare Festlegung von Zeit, Ort und Häufigkeit

spontane Dialogsteuerung durch Gefühle und Meinungen

Kommunikation ist ziel- und zweckorientiert

Fokuswechsel von einer Person zur anderen

Fokus beim Klienten

ergebnisoffen

zielorientiert

Vor diesem Hintergrund können wir psychotherapeutische Arbeitpragmatisch und anwendungsorientiert definieren.

Definition

Psychotherapeutische Arbeit beinhaltet die gezielte Anwendung von psychotherapeutischen Behandlungstechniken (Methoden), die die psychotherapeutische Kommunikation herstellen und steuern. Das findet im Rahmen von professioneller Beziehung als dem Hintergrund statt, auf dem sich psychotherapeutische Arbeit vollzieht, der eine Einbettung der Technik und eine angstfreiere Begegnung mit emotionalen, kognitiven und realen Zuständen und Situationen erlaubt und somit dem Patienten ein neues Erfahrungsfeld erschließt.

2.1.2 Prinzip der realen Erfahrung

Nahezu alle Therapiekonzeptionen gehen davon aus, dass das Eintreten einer psychotherapeutischen Wirkung in erster Linie durch dasreale Erleben in der therapeutischen Situation und durch die dadurch veränderten Bedeutungen bedingt ist. Was im psychotherapeutischen Prozess verändert werden soll, muss in der realen Erfahrung in der Psychotherapie prozessual aktiviert werden. Das betrifft die Probleme eines Patienten, seine pathologischen Erlebensweisen, Handlungsweisen und Bedeutungszuschreibungen ebenso wie seine positiven Eigenschaften und Fähigkeiten, die von den Patienten oft nicht selbst wahrgenommenen werden können. Die Probleme des Patienten, die sein Leiden ausmachen, können dann am wirksamsten verändert werden, wenn diese in der Therapie zum Erleben gebracht werden. Es geht darum, dass der Patient nach dem Prinzip der realen Erfahrung unmittelbar erlebt, worum es bei seiner Störung geht. Er muss aber ebenso seine Stärken und positiven Eigenarten erfahren und vor allem wie und mit welchen seiner Kräfte und Fähigkeiten er seine Probleme bewältigen kann.

Zielsetzung einer jeden Psychotherapie ist eine verbesserteProblemlösefähigkeit des Patienten, was sich gelegentlich in der Formulierung wiederfindet, dass der Patient zum Experten seiner Erkrankung und damit sein eigener Therapeut werden soll.

Diese allgemeine Formulierung ist ein gemeinsamer und für alle psychotherapeutischen Schulen akzeptabler Nenner. Das ist auch die Grundlage für einenintegrierten psychotherapeutischen Ansatz in der Psychotherapie.

2.1.3 Grundkompetenzen

Merke

Der therapeutische Auftrag an eine Psychotherapie ist dann erfüllt, wenn ein Patient die Therapie erhält, die für seine Krankheit notwendig ist, und wenn der therapeutische Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zu dem Behandlungsergebnis steht.

Dieser Grundsatz legt einen integrativen Ansatz in der Psychotherapie zwingend nahe. Auch wenn die meisten der etablierten Psychotherapieformen für einen signifikanten Anteil der behandelten Patienten hilfreich sind, wird heute kaum jemand ernsthaft behaupten wollen, dass ein einziges Behandlungsmodell bei allen Problemen, Krankheiten und Störungen sowie bei allen Persönlichkeitstypen von Patienten gleich wirksam ist.

Die unterschiedlichen psychotherapeutischen Systeme, die wir als „Therapieschulen“ bezeichnen, stellen unterschiedlichetherapeutische Kompetenzen zur Verfügung, die gegenseitig nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich sehr oft optimal ergänzen. Deshalb ist es sinnvoll, sich zumindest mit den Grundkompetenzen der verschiedenen psychotherapeutischen Systeme und den daraus entwickelten Behandlungsverfahren zu befassen, wie sie in ► Tab. 2.2 im Überblick zusammengefasst sind.

Tab. 2.2

 Grundkompetenzen der verschiedenen Behandlungsverfahren.

Psychoanalytische Psychotherapie

Verhaltenstherapie

Systemische Therapie

Literaturempfehlungen

Mertens 2012 ► [40], Wöller u. Kruse 2010, 2012 ► [54], ► [55]

Reinecker 2012 ► [42]

Schweitzer 2012 ► [47], von Schlippe u. Schweitzer 2007 ► [45], von Sydow et al. 2007 ► [52]

Definition

Die psychoanalytisch begründeten Psychotherapieverfahren (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und analytische Psychotherapie) werden unter dem Oberbegriff psychodynamische Psychotherapie zusammengefasst. Sie umfassen ein vielfältiges Spektrum an psychotherapeutischen Verfahren und Behandlungstechniken. Gegenstand der Behandlung ist die unbewusste Psychodynamik neurotischer und psychosomatischer Störungen, die sich in der psychischen und/oder somatischen Symptomatik manifestiert. Die unbewusste Psychodynamik resultiert aus lebensgeschichtlich verankerten Konfliktmustern und inszeniert sich mit dem Therapieprozess in der therapeutischen Beziehung.

Die verschiedenen Formen der Verhaltenstherapie stellen die Hilfe zur Selbsthilfe in den Mittelpunkt therapeutischen Handelns. Sie erklären Verhalten unter Zuhilfenahme von Lerngesetzen mit klassischen und operanten Konditionierungs- und Systemmodellen. Ziel ist das Selbstmanagement der Klienten unter Zuhilfenahme der Ressourcen des Individuums. Verhaltenstherapie hat traditionell enge Verbindungen zu benachbarten Wissenschaftszweigen wie der Biologie, den Neurowissenschaften, der Soziologie oder der Physiologie. Ihr Wissenschaftsmodell ist empirisch.

Systemische Therapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Fokus auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen liegt und das zusätzlich zu einem oder mehreren Patienten weitere Mitglieder des für den/die Patienten bedeutsamen sozialen Systems einbezieht.

Theorie

Grundlage sind die Theorien der Psychoanalyse über unbewusste psychische Vorgänge und die darauf aufgebauten Theorien über die Entwicklung und Struktur der Psyche und daraus abgeleitet über die Motivationen des Erlebens und Verhaltens des Subjektes auch im Verhältnis zu seinem körperlichen und soziokulturellen Kontext. Die Theorie ist zu einer Vielzahl von Schulrichtungen mit unterschiedlichen Konzeptionen und Schwerpunkten differenziert, z.B. Ich-Psychologie, Objektbeziehungstheorie, Selbstpsychologie, Bindungstheorie etc., und daraus abgeleiteter unterschiedlicher Methodik. Grundannahmen sind, dass menschliches Denken, Fühlen und Handeln wesentlich durch das Unbewusste bestimmt sind und dass die menschliche Entwicklung von den lebensgeschichtlich frühen Erfahrungen und Konfliktlösungen determiniert ist (Entwicklungstheorien) und dass psychisch traumatisierende Erfahrungen zu Entwicklungsdefiziten führen.

Lernprozesse bilden die Grundlage allen Verhaltens und finden sowohl auf behavioraler, kognitiver, emotionaler als auch physiologischer Ebene statt. Die Konzentration auf gegenwärtige Systemkonstellationen steht im Mittelpunkt, ohne jedoch auf die Analyse einer Problemgenese zu verzichten. Kernstück bildet die Verhaltensanalyse (horizontal und vertikal), die in einer Makro- und Mikroanalyse das Problemverhalten in einem hypothetischen Bedingungsmodell beschreibt. Daraus resultieren die mit den Klienten gemeinsam erstellten Therapieziele und der Behandlungsplan. Je nach Praktikabilität werden dann Interventionen eingesetzt, die bei möglichst geringem therapeutischem Aufwand eine bestmögliche Veränderungsoption versprechen. Das verhaltenstherapeutische Systemmodell ist rekursiv, d.h., es werden ständig Evaluationen der Therapiezielerreichung vorgenommen.

Die kommunikationstheoretischen Arbeiten der Palo-Alto-Gruppe führten zusammen mit den Konzepten der „Mailänder Schule“ zur Differenzierung der Interventionen sowie zur Begründung der „systemischen Familientherapie“. Zur Weiterentwicklung trugen die Ansätze der strukturellen Familientherapie sowie lösungsorientierte Ansätze bei. Konzepte der allgemeinen Systemtheorie, der Kybernetik sowie der Systemtheorie flossen in die Theoriebildung ein. Für die Weiterentwicklung systemischer Therapieprozesskonzepte wurden die Chaos- und Komplexitätstheorie sowie der Konstruktivismus mit den Arbeiten zur Kybernetik 2. Ordnung und der Ansatz des sozialen Konstruktionismus bedeutsam.

Krankheitstheorie

„Nicht Herr im eigenen Haus“ (S. Freud): Die Symptome und Konflikte einer Person werden nicht alleine durch gegenwärtige widrige Umstände und Bedingungen hervorgerufen, sondern sind vor allem Folge biografisch früherer unverarbeiteter Lebensereignisse (z.B. Traumatisierungen Entwicklungshemmungen, Konfliktbelastungen), die zu Beeinträchtigungen in der Persönlichkeits- und Selbstwertentwicklung geführt haben. Diese führen durch unbewusste Konflikte, Fantasien, pathogene Überzeugungen zu psychischen Störungen und psychosomatischen Krankheiten.

Dysfunktionales Verhalten wird erworben in der Lerngeschichte in Person-Umwelt-Situationen und aufrechterhalten durch die auf das Verhalten folgenden Konsequenzen. Dabei spielen sowohl positive als auch negative Verstärkung eine wichtige Rolle. Dysfunktionales Verhalten wird meist auch als ein inadäquater Problemlöseversuch des Individuums gesehen, der auf Verhaltensdefiziten in adäquateren Problemlösungen beruht. In diesem Fall steht der Verhaltensaufbau im Vordergrund. Im Falle von Verhaltensexzessen wird der Verhaltensabbau angestrebt. Biografisch erworbene Lernmuster bestimmen Wahrnehmungsprozesse und resultieren im Problemverhalten. Neuronale Netzwerkmodelle bilden die Erklärungsgrundlage für das parallele Auftreten von Handlung, Kognition, Emotion sowie Physiologie. Verhaltensänderungen setzen nicht notwendigerweise eine genaue Kenntnis der Ursachen voraus – stabile Verhaltensänderungen gelingen häufig auch ohne eine kausale Erklärung. Die kognitive Verhaltenstherapie entwickelte sich in den 1970er-Jahren und wurde bis heute zur verbreitetsten Strömung innerhalb der Verhaltenstherapie. Es folgte dann die Einbeziehung von Emotionen in die VT.

Der systemische Ansatz vertritt kein störungsspezifisches Konzept. Die präsentierte Störung gilt als die bestmöglichste Lösung für das familiäre System in einer Konfliktsituation zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit professionellen Helfern. Als Konsequenz wurde formuliert, dass der auch als „Indexpatient“ bezeichnete Symptomträger nicht der Kranke ist, sondern das relevante System – meist die Familie –, in der sich die Störung entwickeln konnte. Im weiterentwickelten Verständnis dieses Ansatzes sind die präsentierte Störung bzw. die sich darum gebildeten Interaktionen die derzeit für das relevante System bestmöglichste Lösung in einer Konfliktsituation. Konsequent ist daher eine wertschätzende Haltung für die bisher „gefundenen“ Lösungen. Eine spezifische systemische Methodik, z.B. für die Behandlung von Depressionen oder Angsterkrankungen, widerspricht dem Störungsverständnis systemischer Therapie, wenngleich sich in der Behandlungspraxis ein störungsspezifisches Wissen entwickelt hat.

Zentrale Annahmen der Krankheitstheorie sind:

Triebkonfliktmodell: Psychische und psychosomatische Symptome entstehen durch den Einfluss unbewusster psychischer Prozesse auf die aktuelle Konfliktbewältigung des Subjektes in der aktuellen Lebenssituation.

Entwicklungsdefizitmodell: Störungen der Persönlichkeit und des Selbstwerts erfolgen durch ungünstige Einflüsse auf die Entwicklung der Persönlichkeit auf den Ebenen Trieb, Objekt und Selbst in einer Phasentheorie der psychischen Entwicklung mit dazugehörigen Entwicklungsaufgaben und Möglichkeiten des Scheiterns.

Beziehungskonfliktmodell: Psychische Entwicklung und Subjektivität sind entscheidend bestimmt von der vor allem biografisch frühen Interaktion zwischen Subjekt und Personen der Umwelt, insbesondere der sozialisierenden Mutterperson.

Wirkfaktoren und Ziele

Unbewusstes bewusst machen: Durch die deutende (Deutung) Verbindung von aktuellen Konflikten mit biografisch früheren Konflikten, die vor allem in der aktuellen therapeutischen Beziehung auf der vor allem emotionalen, aber auch kognitiven Ebene wiederbelebt sind (Übertragung), kommt es zur Bearbeitung von pathogen wirksamen unbewussten Motivationen („Reste verbliebener Kindlichkeit“, Fürstenau) und damit zur Auflösung unbewusster Konfliktdynamik durch die Förderung von Einsicht in die Motive des eigenen Erlebens und Handelns.

Wiederherstellung von Erlebens- und Verhaltenskompetenz durch Veränderung der Selbstsicht und Selbstkontrolle. Aufbauend auf der genauen und individuellen Analyse des Problemverhaltens werden Lernsituationen geschaffen, die das Sammeln neuer Erfahrungen ermöglichen. Durch die durchgehend transparent gestaltete Vorgehensweise lernt der Klient die Einsicht in die Zusammenhänge und die Auftretenswahrscheinlichkeiten seines Problemverhaltens und kann diese Prinzipien auf ähnliche Problemsituationen anwenden. Ziel ist die schnellstmögliche Unabhängigkeit von der therapeutischen Unterstützung bei einer selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Lebensführung.

Therapeutische Interventionen zielen auf Veränderungen im Klientensystem ab. Hierbei geht es um eine Veränderung von zur Homöostase tendierenden Systemen mithilfe einer Initiierung von Irritation, die dann das erstarrte System in Bewegung und zu Neuorganisation bringt. Mit zunehmender Kenntnis der Wirklichkeitskonstruktionen des Klientensystems werden hypothesengeleitet anschlussfähige, aber prinzipiell verstörende Interventionen angewandt. Dem Therapieprozess gilt dabei besondere Aufmerksamkeit, um das Klientensystem einerseits im therapeutischen Prozess zu halten und andererseits mithilfe von als neu und ungewöhnlich erkannten Interventionen einen Veränderungsprozess zu initiieren. Die Veränderung selbst ist dann im systemischen Verständnis nicht das Ergebnis eines therapeutischen Einflusses, sondern die vom System selbst generierte Konsequenz einer mit gezielten Interventionen initiierten Irritation. Das Konzept der Selbstorganisation sowie die binokulare Theorie des Wandels komplettieren das Therapieprozessmodell der systemischen Therapie.

Befähigung zur reifen Konfliktlösung: Angemessene Konfliktlösung wird gefördert durch die Auflösung des Zwanges zur Wiederholung von biografisch früheren Konfliktlösungen (Wiederholungszwang), es kommt zur Nachentwicklung und Nachreifung der Persönlichkeit durch emotional korrigierende Erfahrungen im Rahmen der therapeutischen Beziehung.

Behandlungsmethoden

Die Behandlung basiert auf der Herstellung einer intensiven therapeutischen Beziehung durch Regression fördernde Interventionen, um bei dem Patienten für ihn typische Beziehungsmuster im seinem Erleben und Verhalten dem Therapeuten gegenüber auszulösen (Übertragung). Diese Übertragungsmuster entstehen durch die Aktualisierung biografisch früher Konflikte und Erfahrungen in der therapeutischen Beziehung. Sie werden unter Nutzung der subjektiven Reaktion des Therapeuten auf diese Übertragungsmuster (Gegenübertragung) erkannt und dem Patienten als die unbewussten Motive seines pathologischen Erlebens und Verhaltens aufgezeigt (Deutung), was häufig gegen seinen bewussten Willen (Widerstand) erfolgen muss. Die deutende Verbindung von biografisch früher Erfahrung mit aktuellen Konfliktkonstellationen, was zudem bezogen wird auf die therapeutische Beziehung (Deutung), hat die Auflösung des pathogenen Einflusses biografisch früher Konflikte auf die aktuellen Lebenssituationen zum Ziel.

kognitive Methoden: z.B. kognitive Umstrukturierung; sokratischer Dialog, Ziel- und Werteklärung

handlungsorientierte Methoden: z.B. Modelllernen; Üben, Rollenspiel, Training sozialer Kompetenz

emotionsorientierte Methoden: z.B. Konfrontationsbehandlung, Reaktionsverhinderung, Habituation durch Exposition, Genusstraining; Achtsamkeitsübungen werden mit dem Klienten zusammen ausgewählt unter aktiver Zustimmung des Klienten, Erfahrungen werden evaluiert und danach entweder Hypothesen in der Verhaltensanalyse verändert (bei Nichterfolg) oder Üben der neuen Methoden zur Verfestigung des Lernerfolgs beibehalten.

Merkmale einer systemischen Haltung: Allparteilichkeit, Lösungs-, Kundenorientierung

methodische Grundtechnik: Hypothetisieren („nehmen wir mal an…“)

Methoden:

strukturelle Methoden

strategische Methoden

symbolisch-metaphorische Methoden

zirkuläre Methoden

lösungsorientierte Methoden

narrative Methoden

dialogische Methoden

Therapeutische Beziehung, Interaktion

Die therapeutische Beziehung ist über die alltäglichen zwischenmenschliche Beziehung und die Arbeitsbeziehung hinaus vor allem durch die problembestimmte Übertragungsbeziehung charakterisiert, in der sich biografisch frühere Konfliktkonstellationen manifestieren (Problemaktualisierung), die dann der Deutung zugänglich sind (motivationale Klärung) und zu einer nachhaltigen Problemlösung führen (Problembewältigung). Die therapeutischen Grundhaltungen sind wohlwollende Neutralität und Abstinenz bei einer manchmal zwar frustrierenden, da direkte Befriedigung verweigernden, aber immer gleich bleibend unterstützenden, dabei aber wesentlich nicht direktiven Beziehungsdimension. Die therapeutischen Interaktionen sind überwiegend bestimmt durch eine Haltung des Spiegelns und Deutens. Die reale Persönlichkeit der Psychotherapeuten bleibt als Projektionsfigur und somit Spiegel für den Patienten im Hintergrund. Eigene Bedürfnisse und Wünsche des Therapeuten müssen als Gegenübertragung reflektiert werden und dürfen nicht agiert werden.

Therapeutische Arbeitsbeziehung zwischen einem professionellen Fachmann und einem an die Grenzen eigener Problemlösekapazitäten gekommenen Hilfesuchenden. In der Verhaltenstherapie liegt von Beginn an die Verantwortung für den Veränderungsprozess beim Klienten, der Therapeut kann beratend, korrigierend, konfrontierend oder stützend begleiten – der Klient hat jederzeit das Recht, Themen oder Techniken abzulehnen, die Therapie zu beenden oder bei seiner eigenen Sichtweise zu bleiben. Die Interaktion ist asymmetrisch, der Therapeut versucht die Wahrnehmung von Erfolgserlebnissen zu fördern und Misserfolgsorientierungen zu hinterfragen. Die therapeutische Interaktion ist handlungsorientiert, problem- und aufgabenbezogen, freundlich-sachlich ohne Interpretationen und Unterstellungen.

Der Patient und sein Umfeld sind Experten für ihren Alltag, der Therapeut ist der Experte für potenziell hilfreiche Gespräche. Das hervorstechende Strukturelement der systemischen Therapie ist eine Psychotherapie mit mehr als einer Person. Dieses Strukturelement findet sich auch in der Einzeltherapie: Interventionen rufen unweigerlich Auswirkungen auf das relevante Klientensystem hervor, die es zu beachten und zu nutzen gilt. Zur Beginn des Therapieprozesses ist das Therapeutenverhalten aktiv mit dem Ziel der Einleitung von Veränderung durch Verstörung, im Folgenden zurückhaltend zur Begleitung der initiierten Veränderungen.

Selbsterfahrung und Supervision

Die Selbsterfahrungfokussiert auf die Selbstanteile eines Therapeuten, die die psychotherapeutische Kommunikation mit dem Patienten und damit das therapeutische Geschehen beeinflussen. In der psychodynamisch orientierten Psychotherapie wird davon ausgegangen, dass sich die Problematik eines Patienten vielfältig in der therapeutischen Beziehung widerspiegelt (Übertragung und Gegenübertragung) und dass die Kompetenz zur beständigen Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion auch der eigenen unbewussten Dynamik bei dem Therapeuten unverzichtbar ist.

In der verhaltenstherapeutischen Weiterbildung sind 120 Stunden Selbsterfahrung in der Gruppe vorgeschrieben, außerdem besteht eine lebenslange Verpflichtung zu Supervision. Der Therapeut soll lernen, den Therapieprozess auf zwei Ebenen zu beobachten: im direkten Erleben der Situation mit dem Menschen gegenüber und auf der Metaebene mit der Frage, was zwischen diesen beiden Menschen passiert.

Ein Prototyp der systemischen Selbsterfahrung ist die Familienrekonstruktion nach Virgina Satir. Mithilfe von Livesupervisionen oft in der Technik des Reflectings Teams werden in der Supervision regelmäßig Selbsterfahrungsprozesse befördert und engmaschige Feedbackschleifen mit den Klientensystemen unterstützt. Supervision und Intervisionsprozesse sind selbstverständlicher Teil des im Berufsleben stehenden systemischen Therapeuten.

In der Supervision geht es vor allem um die Interaktion und insbesondere die Beziehung zwischen Patient und Therapeut, so wie sie sich auf den Dimensionen problembestimmte Beziehung (Übertragung/Gegenübertragung) und der Kollusion darstellt.

Kompetenzen

Der Umgang mit Regression und die interaktive Wahrnehmung unbewusster Motivationen gehören zu den spezifischen professionellen psychodynamischen Fähigkeiten.

Die Handlungsorientierung und ein Pragmatismus zählen sicherlich zu den Merkmalen der Verhaltenstherapie. Charakteristisch ist daneben ein „So-viel-wie-nötig-so-wenig-wie-möglich“-Vorgehen, das schrittweise Veränderungen impliziert. Außerdem ist die Verhaltenstherapie ein offenes Systemmodell, das Ergebnisse anderer Fächer schnell integrieren kann, also insofern „lernfähig“ ist.

Wesentliche Kernkompetenzen der systemischen Therapie sind das geteilte Expertenverständnis zwischen Patienten, deren Umfeld und den beteiligten Therapeuten sowie die Wertschätzung für die Lösungen des hilfesuchenden Systems.

Damit eröffnet sich für die Psychotherapie eine Perspektivenvielfalt, die es erlaubt, vor der Einleitung wie auch zu jedem Zeitpunkt einer Behandlung mehrere theoretische oder klinisch praktische Perspektiven einzunehmen. Das ermöglicht einen adaptiven Behandlungsprozess, der an den Notwendigkeiten und Bedürfnissen der Patienten orientiert ist. Der damit verbundene Perspektivenwechsel verläuft von einem methodenorientierten Ansatz hin zu einer patientenzentrierten Psychotherapie.

Die Perspektive der sich ergänzenden Grundkompetenzen lässt sich für alle Bereiche anwenden, so auch für Supervision und Selbsterfahrung.

Supervision Wie Supervision im Einzelnen durchgeführt wird, variiert entsprechend der jeweiligen therapeutischen Grundorientierung. In der Aus- und Weiterbildung erfolgt die Supervision mit festgelegten Mindestanforderungen im Einzel- oder Gruppensetting durch erfahrene und dazu legitimierte Psychotherapeuten. Über die Vermittlung von klinischem Wissen (Erkennen) sowie die theoretische Einordnung (Verstehen) und die Anleitung zur Anwendung therapeutischer Interventionen (Handeln) hinaus als die allgemeinen Grundlagen von Psychotherapie (► Abb. 2.4) geht es in der Supervision um die Interaktion und die Beziehung zwischen Patient und Therapeut, so wie sie sich auf den verschiedenen Dimensionen wie alltägliche zwischenmenschliche Beziehung, Arbeitsbeziehung, problembestimmte Beziehung und Kollusion darstellt (siehe dazu Senf et al. 2012 ► [49]). Die in der systemischen Psychotherapie genutzte Methode der Livesupervision, also der Supervision im Beisein des Patienten und während der Therapiesitzung, zeigt, wie diese Form der Aus- und Weiterbildung direkt für den therapeutischen Prozess genutzt werden kann.

Intervision In der Intervision, wie die Supervision zwischen professionellen Psychotherapeuten bezeichnet wird und die häufig in Intervisionsgruppen erfolgt (Rotering-Steinberg 1999 ► [43]), geht es vor allem um die Dimensionen der therapeutischen Beziehung. Während bei der Supervision in der Aus- und Weiterbildung noch das „Lernen“ im Vordergrund steht, soll die Intervision dabei helfen, Blockaden im therapeutischen Prozess zu erkennen. Eine zentrale Rolle spielen dabei vor allem die Anteile einer problembestimmten Beziehung oder gar einer Kollusion, was dem jeweiligen Therapeuten nicht bewusst ist. Für den im Berufsalltag stehenden erfahrenen Therapeuten stellt sich hier nur noch selten die Frage der Bezeichnung „super“ (im Sinne von „jemand könnte es besser wissen“ oder „inter“ (im Sinne von „was denken andere Kollegen). Viel bedeutsamer ist der Prozess der Erweiterung des Kontextes und der Komplettierung der Wahrnehmung durch die Hinzuziehung von Berufskollegen.

Eine Intervision oder Supervision bei einem erfahrenen Kollegen ist vor allem dann geboten, wenn es zu bestimmten Problemen in der Behandlung kommt. Da auch ein professioneller Therapeut in der psychotherapeutischen Kommunikation in schwierige Situationen geraten kann, ist Supervision bzw. Intervision eine unabdingbare Notwendigkeit für die gesamte Berufslaufbahn, die je nach Bedarf kontinuierlich oder auch diskontinuierlich erfolgen kann.

Selbsterfahrung Sie fokussiert auf die Selbstanteile eines Therapeuten, die die psychotherapeutische Kommunikation mit dem Patienten und damit das therapeutische Geschehen beeinflussen. In der psychodynamisch orientierten Psychotherapie wird davon ausgegangen, dass sich die Problematik des Patienten vielfältig in der therapeutischen Beziehung widerspiegelt (Übertragung und Gegenübertragung) und dass die beständige Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion für den therapeutischen Prozess unverzichtbar sind (vgl. auch Krause 1997 ► [34], Streeck u. Werthmann 1992 ► [50]).

Auch in der Verhaltenstherapie ist die Selbsterfahrung Pflichtbestandteil der Aus- und Weiterbildung (z. B. Hippler u. Görlitz 2001 ► [31]). Hier werden häufig strukturierte Themen wie „wo komme ich her?“, „mein Stand in der Gruppe“, „ich als Patient“, „ich als Therapeut“, „schwierige Therapiesituationen und Tabuthemen“, „Abschied nehmen und beendigen“ mithilfe von Übungen und Rollenspielen für die Teilnehmer erfahrbar gemacht. Dies soll die Selbstwahrnehmung fördern und bildet die Grundlage für therapeutisches, reflektiertes Interaktionsverhalten.

In der systemischen Psychotherapie ist ein Prototyp der Selbsterfahrung die Familienrekonstruktion nach Virgina Satir (v. Schlippe u. Schweitzer 2007 ► [45]