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Erweitern Sie Ihren Behandlungsspielraum - Lernen Sie alle wichtigen Techniken der verschiedenen Therapieverfahren kennen und gewinnen Sie neue Denkanstöße und Impulse. Schulenübergreifend - Praxisnaher integrativer Therapieansatz - Ausführliche Darstellung aller wichtigen Techniken in der Psychotherapie - Detaillierte und systematische Vermittlung des aktuellen Wissensstand - Aus den wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Perspektiven: Psychodynamische Therapie, Systemische Therapie, Verhaltenstherapie und Humanistische sowie weiteren verbreiteten Therapieformen - Sehr praxisnah mit zahlreichen nützlichen Hinweisen und Fallbeispielen für den Behandlungsalltag - Vorgestellt von jeweils führenden Fachvertretern - Systematisch - Wissenschaftlich fundiert - Praxiserprobt Unverzichtbar für die Ausbildung und ein Gewinn für den erfahrenen Therapeuten!
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Seitenzahl: 909
Veröffentlichungsjahr: 2013
Techniken der Psychotherapie
Michael Broda, Wolfgang Senf, Bettina Wilms, Franz-Peter Begher, Maria Borcsa, Michael Broda, Christoph Buckel, Claudia Dahm-Mory, Andrea Dinger-Broda, Wiebke Driemeyer, Diana Ecker, Christiane Eichenberg, Mohammed El Hachimi, Jana Fasbender, Christian Flassbeck, Patricia Franke, Monika Funke, Nils Greve, Iver Hand, Michael Hase, Thomas Heidenreich, Gerhard Hildenbrand, Bruno Hildenbrand, Thomas Hillecke, Reinhard Hirsch, Gerhard Huber, Stefan Junker, Gert Kaluza, Verena Kast, Bernd Keßler, Norbert Klinkenberg, Eva Koppenhöfer, Peter Kosarz, Hartmut Kraft, Volker Köllner, Joachim Küchenhoff, Maren Langlotz-Weis, Hans Lieb, Friederike Mayer-Bruns, Johannes Michalak, Andrea Möllering, Martin Neher, Frank Nestmann, Dietmar Ohm, Friederike Potreck-Rose, Harald Rau, Uwe Reineck, Hans Reinecker, Eckhard Roediger, Jens Rohloff, Manfred Rust, Rainer Sachse, Julia Schirmer, Angelika Schlarb, Wolfgang Schneider, Constanze Schulze, Cornelie Schweizer, Wolfgang Senf, Jörg Signerski-Krieger, Fritz B. Simon, Harlich H. Stavemann, Beate Steiner, Runald Stritzel, Serge K.D. Sulz, Kerstin Vogt, Jörg Weidenhammer, Jillian Werner, Beate Wilken, Bettina Wilms, Hans-Ulrich Wilms, Alexander Wormit, Dorothee von Moreau
21 Abbildungen
Als im Jahr 1996 mit der „Praxis der Psychotherapie“ das erste konsequent integrative Lehrbuch für Psychotherapie erschien, konnten wir Herausgeber nicht ahnen, wohin die Reise gehen wird. Die „Praxis“ liegt inzwischen in der 5. Auflage vor. Ermutigt durch den Erfolg der integrativen Idee, starteten wir im Jahr 2000 das Projekt einer Zeitschrift: Bislang können wir auf 13 erfolgreiche Jahre der integrativ angelegten Zeitschrift für Praktiker „Psychotherapie im Dialog (PiD)“ zurückblicken. Jetzt runden wir das Experiment mit damals ungewissem Ausgang im Jahr 2013 mit den jetzt vorliegenden „Techniken der Psychotherapie“ ab.
In der psychotherapeutischen Praxis kommt man nach unserer Überzeugung über den Dialog zwangsläufig zur Technik. Mit anderen Worten haben wir das Ziel, das wir uns gesetzt hatten, (fast) erreicht: Über Methodentransparenz haben wir Mut zur Methodenkombination gemacht und sind über den beständigen Dialog bei einer pragmatischen Methodenintegration angekommen. Schon das Wort Integration führt bei manchen Kolleginnen und Kollegen zu Gänsehaut mit der Sorge und in der Vorstellung, dass die eigene wohl behütete psychotherapeutische Identität dadurch bedroht sei. Hier können wir schon vorab beruhigen: Mit unserem auf die konkrete Praxis bezogenen Ansatz – deswegen haben wir in Anlehnung an Peter Fürstenau (1979) für das Grundlagenkapitel den etwas provokanten Begriff Praxeologie gewählt – treten wir niemandem auf die Füße und jeder kann bei seiner Identität bleiben. Wir geben lediglich zu bedenken, dass sich die Psychotherapie in den letzten Jahrzehnten rasant weiterentwickelt hat und der so genannte Schulenstreit anachronistisch ist, da wir es mit unterscheidbaren psychotherapeutischen Kompetenzen für eine psychotherapeutische Behandlung zu tun haben. Diese Kompetenzen resultieren aus den verschiedenen wissenschaftlichen Theorien und aus den unterschiedlichen klinischen Erfahrungsbildungen in der Psychotherapie – das ist in der „Praxis der Psychotherapie“ ausführlich dargelegt. Je nach Störungsbild, Problemstellung, Persönlichkeit, psychosozialer Voraussetzung, Rahmenbedingung usw. stehen uns unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren, Methoden, Techniken und Settings als differenzielle psychotherapeutische Kompetenzen zur Verfügung – das wiederum findet sich in den „Techniken der Psychotherapie“. Und um diese Aspekte zusammenzuführen, brauchen wir den Dialog.
Genau diesen psychotherapeutischen Dialog wollen wir mit diesem Buch voranbringen. Wir haben uns bemüht, in einem pragmatischen Grundmodell zusammenzuführen, was die Psychotherapie an Behandlungsmöglichkeiten zu bieten hat. Das Grundmodell ist daran orientiert, was im Rahmen wissenschaftlich gesicherter Wirkfaktoren der Psychotherapie an Behandlungstechniken zur Verfügung steht und in der Praxis zur Anwendung kommt, um die gestörte Balance von Anforderung und Bewältigung bei unseren Patientinnen und Patienten wieder ins Lot zu bringen. Hierzu wollen wir ihnen nicht nur dabei helfen, ihre Probleme und Motivationen erkennen zu lernen und dafür Lösungen zu finden, sondern auch gezielt ihre Resilienz stärken, indem wir ihre Ressourcen fördern. Neu ist dabei, dass wir nicht nur von einer kurativen oder akuten, sondern ebenso von einer präventiven, bewältigungsorientierten und auch palliativen Psychotherapie sprechen und diese Ansätze unterscheiden.
Techniken und Praxis sind also ein Geschwisterpaar, sie gehören zusammen und ergänzen sich mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten. In den Techniken erscheint, bekannt aus früheren Auflagen der Praxis, wieder das Kapitel Spezielle Therapietechniken, und es finden sich die Hinweise zu den Rahmenbedingungen für eine qualifizierte psychotherapeutische Tätigkeit.
Allen Autorinnen und Autoren, die an diesem Buchprojekt beteiligt sind, danken wir sehr herzlich. Herzlichen Dank sagen wir Frau Korinna Engeli, Frau Katharina Esmarch und Frau Heide Addicks sowie allen anderen Beteiligten vom Thieme Verlag, die unser Projekt und jetzt auch dieses Buch über die Jahre hinweg mit energischer Geduld, aber auch mit viel Ermutigungen und vor allem herzlicher Verbundenheit begleitet und befördert haben.
Nordhausen, Essen, Bad Bergzabern, im Frühjahr 2013
Bettina Wilms, Wolfgang Senf, Michael Broda
Vorwort
Teil I Grundlagen
1 Werte als Kompass der Psychotherapie
1.1 Einleitung
1.2 Marginale Beachtung der Werte in Psychotherapie und Psychodiagnostik
1.3 Werte im Verlauf des diagnostischen und therapeutischen Prozesses
1.3.1 Ausgangszustand
1.3.2 Transformationsprozess
1.3.3 Zielzustand
1.3.4 Weitere Unterscheidungen
1.4 Konflikte und Krisen unter dem Blickwinkel von Werten
1.4.1 Potenzial von Werten
1.4.2 Konfliktlagen
1.4.3 Konflikttypen
1.5 Werte als Kompass geeignet?
1.6 Literatur
2 Praxeologie integrativer Psychotherapie
2.1 Grundlagen
2.1.1 Psychotherapie als Kommunikationsprozess
2.1.2 Prinzip der realen Erfahrung
2.1.3 Grundkompetenzen
2.1.4 Problem- und Ressourcenorientierung – Pole auf einer Dimension
2.1.5 Anforderung und Bewältigung
2.1.6 Exkurs: Belastungszyklus
2.2 Psychotherapeutisches Handeln
2.2.1 Erkennen
2.2.2 Verstehen
2.2.3 Handeln
2.2.4 Evaluation
2.3 Anamneseerhebung im Erstgespräch
2.3.1 Gesprächsbeginn
2.3.2 Standardisierte Erhebungsbögen
2.3.3 Sachdimensionen
2.3.4 Beziehungsdimensionen
2.3.5 Ziele der Anamnese im Erstgespräch
2.4 Literatur
Teil II Allgemeine ressourcenorientierte Therapietechniken
3 Vermittlung von Selbstsicherheit
3.1 Benennung und Ziele der Technik
3.1.1 Einordnung nach Grawe
3.1.2 Ziele
3.2 Voraussetzungen und Indikationen
3.2.1 Voraussetzungen beim Patienten
3.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten
3.2.3 Differenzielle Indikation
3.3 Beschreibung des Vorgehens
3.3.1 Schwerpunkte der Technik
3.3.2 Elemente und Übungen
3.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
3.5 Literatur
4 Stressbewältigungstraining
4.1 Benennung und Ziele der Technik
4.1.1 Benennung
4.1.2 Einordnung nach Grawe
4.1.3 Ziele
4.2 Voraussetzungen und Indikationen
4.2.1 Voraussetzungen beim Teilnehmer und Therapeuten
4.2.2 Differenzielle Indikation
4.3 Beschreibung des Vorgehens
4.3.1 Schwerpunkt der Technik
4.3.2 Durchführung
4.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
4.5 Literatur
5 Stärkung des Selbstwerts
5.1 Benennung und Ziele der Technik
5.1.1 Benennung
5.1.2 Ziele
5.2 Voraussetzungen und Indikationen
5.2.1 Voraussetzungen beim Patienten
5.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten
5.2.3 Differenzielle Indikation
5.3 Beschreibung des Vorgehens
5.3.1 Therapieziel: theoretische Grundlagen vermitteln
5.3.2 Therapieziel: Selbstbewertungsprozesse erkennen
5.3.3 Therapieziel: positive Selbstbewertung fördern
5.3.4 Therapieziel: Selbstentwertung reduzieren
5.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
5.5 Literatur
6 Vermittlung von Achtsamkeit
6.1 Beschreibung und Ziele der Technik
6.1.1 Benennung
6.1.2 Einordnung nach Grawe
6.1.3 Ziele
6.2 Voraussetzungen und Indikationen
6.2.1 Voraussetzungen beim Patienten
6.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten
6.2.3 Differenzielle Indikation
6.3 Beschreibung des Vorgehens
6.3.1 Schwerpunkt der Technik
6.3.2 Instruktion, Auswertung
6.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
6.5 Literatur
7 Stärkung der Genussfähigkeit
7.1 Einleitung und theoretischer Kontext
7.2 Ziel der eingesetzten Technik
7.3 Fragen zur Indikation
7.4 Therapieprogramm
7.4.1 Beschreibung des Vorgehens
7.5 Übergeordnete ressourcenaktivierende Wirkfaktoren
7.6 Literatur
8 Fantasiereisen
8.1 Nutzen, Indikation und Zielsetzungen
8.2 Therapeutische Durchführung
8.2.1 Vorbereitung
8.2.2 Entspannungsinduktion
8.2.3 Eigentliche Vorstellungsübung
8.2.4 Rückführung
8.2.5 Nachbesprechung
8.3 Günstige Voraussetzungen
8.3.1 Aufseiten der Patienten
8.3.2 Aufseiten der Therapeuten
8.4 Mögliche Schwierigkeiten und Lösungsmöglichkeiten
8.5 Literatur
9 Rollenspiel
9.1 Benennung und Ziele der Technik
9.1.1 Benennung
9.1.2 Einordnung nach Grawe
9.1.3 Ziele
9.2 Voraussetzungen und Indikationen
9.2.1 Voraussetzungen beim Patienten
9.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten
9.2.3 Differenzielle Indikation
9.3 Beschreibung des Vorgehens
9.3.1 Schwerpunkt der Technik
9.3.2 Durchführung
9.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
9.5 Literatur
10 Einpersonenrollenspiel
10.1 Charakterisierung und Ziele
10.2 Indikation und Voraussetzungen
10.3 Anwendungsbereiche
10.4 Vorgehen
10.4.1 Funktionen des Klienten
10.4.2 Funktionen des Therapeuten
10.5 Ablauf
10.5.1 Klient auf Klientenposition: Herausarbeiten einer bearbeitbaren Annahme
10.5.2 Klient auf Therapeutenposition: Bearbeitung der Annahme
10.5.3 Klient auf der Klientenposition: Prüfen der Gegenargumente
10.6 Mögliche Komplikationen
10.7 Nachbesprechung
10.8 Literatur
11 Lösungsorientierte Techniken
11.1 Einordnung und Zielsetzung
11.2 Differenzierung von Problemen und Tatsachen
11.3 Ausdifferenzierung der Zielzustände
11.4 Können alle Patienten davon profitieren?
11.5 Beschreibung des Vorgehens
11.5.1 Wunderfrage
11.5.2 Zauberfrage
11.5.3 5-Jahres-Frage
11.6 Schlussbemerkung
11.7 Literatur
12 Neukonstruktion von Lebensnarrationen
12.1 Ziele der Technik
12.2 Voraussetzungen und Indikationen
12.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten
12.2.2 Differenzielle Indikation
12.3 Beschreibung des Vorgehens
12.3.1 Schwerpunkt der Technik
12.3.2 Prozessabschnitte
12.4 Zu Beachtendes
12.5 Literatur
13 Genogrammarbeit
13.1 Geschichtliches
13.2 Ressourcenorientierte Genogrammarbeit
13.2.1 Philosophische und wissenschaftliche Grundlagen
13.3 Praxis der Genogrammarbeit
13.3.1 Genogrammarbeit als Sequenzanalyse
13.3.2 Wann werden Genogrammdaten erhoben?
13.3.3 Wie werden Genogrammdaten erhoben?
13.3.4 Wie werden Genogrammdaten analysiert?
13.4 Literatur
14 Stabilisierungstechniken
14.1 Einleitung
14.2 Äußere Sicherheit
14.3 Innere Sicherheit
14.4 Innere Stabilität
14.5 Selbstmanagement und Selbstwirksamkeit
14.5.1 Imaginative Verfahren
14.5.2 Sicherer Ort und innerer Wohlfühlort
14.5.3 Filterschutz
14.5.4 Innere Kinder
14.6 Medikamentöse Therapie
14.7 Literatur
15 Reframing
15.1 Einleitung
15.2 Neurolinguistisches Programmieren (NLP)
15.3 Systemische Therapie
15.4 Beispiel aus der Praxis
15.5 Sozialer Konstruktionismus und offener Dialog
15.6 Zum Vergleich: Deutungen
15.7 Anmerkungen zur Praxis
15.8 Literatur
16 Arbeit mit Glaubenssätzen
16.1 Ziele der Technik
16.2 Voraussetzungen und Indikationen
16.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten
16.2.2 Differenzielle Indikation
16.3 Beschreibung des Vorgehens und mögliche Komplikationen
16.3.1 Schritt 1: Liste der Glaubenssätze erstellen
16.3.2 Schritt 2: Sinnhaftigkeit und Überlebensaspekte erarbeiten
16.3.3 Schritt 3: Heutige Sinnhaftigkeit erarbeiten
16.3.4 Schritt 4: Umwandeln der Familienregel in Leitlinien
16.3.5 Schritt 5: Kosten für die Aufrechterhaltung der Glaubensätze und Einführung einer Zeitperspektive
16.3.6 Schritt 6: Weitergabe der Familienregeln
16.4 Schlussbemerkung
16.5 Beispiel aus der Praxis
16.6 Literatur
Teil III Allgemeine problemorientierte Therapietechniken
17 Problemlösungstechniken
17.1 Einordnung und Ziele
17.2 Indikation und Grenzen
17.3 Beschreibung der Technik
17.4 Ergebnisse
17.5 Literatur
18 Verhaltensanalyse
18.1 Einleitung
18.2 Prinzipien und Grundlagen
18.3 Therapie als Problemlösen
18.4 Funktionales Modell der Verhaltensanalyse
18.5 Hypothetisches Bedingungsmodell
18.6 Validität von Verhaltensanalysen
18.7 Literatur
19 Technik des zirkulären Fragens
19.1 Beschreibung der Technik
19.2 Theoretische und praktische Begründung
19.3 Fragetypen
19.4 Literatur
20 Symptomverschreibung
20.1 Benennung und Ziele der Technik
20.2 Voraussetzungen und Indikationen
20.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten
20.2.2 Differenzielle Indikation
20.3 Beschreibung des Vorgehens und mögliche Komplikationen
20.4 Beispiel aus der Praxis
20.5 Literatur
21 Technik des Deutens
21.1 Benennung und Ziele der Technik
21.2 Widerstand
21.2.1 Unbewusster Widerstand
21.2.2 Weitere Widerstandsformen
21.3 Abwehr
21.4 Übertragung
21.5 Regression
21.6 Gegenübertragung
21.7 Beschreibung des Vorgehens
21.7.1 Konfrontieren und Klären
21.7.2 Deuten
21.7.3 Durcharbeiten
21.8 Literatur
22 Traumdeutung
22.1 Jung’sches Traumverständnis
22.2 Differenzielle Indikation, Voraussetzungen
22.3 Behandlungstechnik
22.4 Beschreibung des Vorgehens
22.5 Fallbeispiel
22.5.1 Emotionale Reaktion der Träumerin
22.5.2 Emotionale Reaktion der Therapeutin
22.5.3 Imaginatives Nacherleben des Traums
22.5.4 Reflektieren über den Traum
22.6 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
22.7 Literatur
23 Psychotherapeutische sokratische Gesprächsführung
23.1 Benennung und Ziele der Technik
23.1.1 Allgemeine Einordnung
23.1.2 Ziele
23.2 Voraussetzungen und Indikationen
23.2.1 Voraussetzungen beim Patienten
23.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten
23.2.3 Differenzielle Indikation
23.3 Eingesetzte Techniken
23.3.1 Fragetechniken
23.3.2 Disputtechniken
23.3.3 Regressive Abstraktion
23.4 Beschreibung des Vorgehens
23.4.1 Phasen explikativer sokratischer Gesprächsführung („Was ist das?“)
23.4.2 Phasen normativer sokratischer Gesprächsführung („Darf ich das?“)
23.4.3 Phasen funktionaler sokratischer Gesprächsführung („Soll ich das?“)
23.5 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
23.5.1 Vor Dialogbeginn
23.5.2 Während des Dialogs
23.5.3 Nach dem Dialog
23.6 Literatur
24 Kognitive Umstrukturierung
24.1 Benennung und Ziele der Technik
24.1.1 Benennung
24.1.2 Einordnung nach Grawe
24.1.3 Ziele
24.2 Voraussetzungen und Indikationen
24.2.1 Voraussetzungen beim Patienten
24.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten
24.2.3 Differenzielle Indikation
24.3 Beschreibung des Vorgehens
24.3.1 Schwerpunkt der Technik
24.3.2 Exploration der dysfunktionalen Kognitionen
24.3.3 Infragestellen der als dysfunktional identifizierten Kognitionen
24.3.4 Erarbeiten funktionaler Kognitionen
24.3.5 Einüben dieser neuen Sichtweisen
24.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
24.5 Literatur
25 Aktivierung der Selbstorganisation
25.1 Erste Selbstbeobachtung
25.2 Grundlagen
25.3 Relevante Begriffe
25.4 Voraussetzungen beim Klienten und Therapeuten
25.5 Grenzen der Selbstorganisation (oder eher Vorsicht)
25.6 Beispiele
25.7 Aktive und passive Rolle bei der Selbstorganisation
25.8 Kreative Instrumente, Hindernisse, Hinweise
25.9 Literatur
26 Psychoedukation
26.1 Einleitung
26.2 Probleme im klinischen Alltag
26.3 Beschreibung des Vorgehens
26.3.1 Schwerpunkt der Technik
26.3.2 Durchführung
26.4 Mögliche Komplikationen
26.5 Literatur
Teil IV Allgemeine emotionsorientierte Therapietechniken
27 Dialektisch-behaviorale Therapie
27.1 Einleitung
27.2 Dialektisches Denken
27.3 Achtsamkeit
27.4 Skillstraining
27.4.1 Theoretischer Hintergrund
27.4.2 Vermittlung eines allgemeinen Emotionsmodells
27.5 Therapeutische Methoden in der Einzeltherapiesitzung
27.5.1 Emotionsfokus in der Sitzung
27.5.2 Validierung von Emotionen
27.5.3 Exposition zu Gefühlszuständen in der Sitzung
27.5.4 Anwenden von Skills in der Sitzung
27.5.5 Burnoutprophylaxe
27.6 Literatur
28 Systemaufstellungen
28.1 Herkunft, Geschichte
28.2 Logik, Ziel
28.3 Empirie, Theorie
28.4 Setting, Aufstellungsarten
28.4.1 Klassische Ansätze
28.4.2 Neuere Ansätze
28.5 Lösungsheuristiken klassischer Systemaufstellungen (Familien, Organisationen)
28.6 Wer stellt was auf?
28.7 Beschreibung des Vorgehens
28.8 Literatur
29 Expositionstraining (Konfrontationstraining)
29.1 Prolog: am Wasserrand am Nordseestrand
29.2 Benennung und Ziele der Technik
29.2.1 Benennung
29.2.2 Ziele und Vorgehensweisen
29.3 Voraussetzungen und Indikationen
29.3.1 Voraussetzungen beim Patienten
29.3.2 Voraussetzungen beim Therapeuten
29.3.3 Differenzielle Indikation
29.4 Beschreibung des Vorgehens
29.4.1 Schwerpunkte der Techniken
29.4.2 Exposition-Reaktions-Management in vivo
29.4.3 Exposition-Reaktions-Management in sensu
29.5 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
29.6 Literatur
30 30-Sekunden-Buchführung
30.1 Ziele der Technik
30.2 Voraussetzungen und Indikationen
30.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten
30.2.2 Differenzielle Indikation
30.3 Beschreibung des Vorgehens
30.3.1 Schwerpunkt der Technik
30.3.2 Ablauf
30.4 Umsetzungsbesonderheiten und -hinweise
30.5 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
30.6 Literatur
31 Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)
31.1 Einleitung
31.2 Ziel der Therapie im AIP-Modell
31.3 Voraussetzungen und Indikationen
31.3.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten
31.3.2 Differenzielle Indikation
31.4 Beschreibung des Vorgehens
31.4.1 Phase 1: Vorgeschichte und Behandlungsplanung
31.4.2 Phase 2: Vorbereitung des Patienten
31.4.3 Phase 3: Bewertung des Traumas
31.4.4 Phase 4: Durcharbeitung
31.4.5 Phase 5: Verankerung
31.4.6 Phase 6: Körpertest
31.4.7 Phase 7: Abschluss
31.4.8 Phase 8: Nachbefragung
31.5 Sicherheit der Methode
31.6 Ergänzende Techniken
31.7 Literatur
Teil V Spezielle Therapietechniken
32 Arbeit mit Familien
32.1 Einleitung
32.2 Voraussetzungen und Indikationen
32.2.1 Voraussetzungen
32.2.2 Differenzielle Indikation
32.3 Beschreibung des Vorgehens und mögliche Komplikationen
32.4 Literatur
33 Arbeit mit größeren Systemen
33.1 Einleitung
33.2 Voraussetzungen und Indikationen
33.2.1 Voraussetzungen beim Patienten und Therapeuten
33.2.2 Differenzielle Indikation
33.3 Beschreibung des Vorgehens und mögliche Komplikationen
33.4 Literatur
34 Katathym Imaginative Psychotherapie
34.1 Grundlagen
34.2 Differenzielle Indikation
34.3 Methodik
34.4 Gruppenimagination
34.5 Therapie mit Kindern und Jugendlichen
34.6 Paar- und Familientherapie
34.7 Erweiterungen
34.7.1 Psychotraumatherapie
34.8 Zusammenfassung
34.9 Literatur
35 Sexualtherapie
35.1 Überblick über sexualtherapeutische Strömungen
35.2 Verhaltenstherapeutisch orientierte Sexualtherapie
35.2.1 Verhaltenstherapeutische Grundperspektive
35.2.2 Paartherapie bei sexuellen Funktionsstörungen von Frauen
35.2.3 Erste Überlegungen zur Integration achtsamkeitsbasierter Interventionen
35.2.4 Kritische Überlegungen
35.2.5 Illustration am Beispiel sexueller Lustlosigkeit bei Frauen
35.3 Paartherapie bei sexuellen Störungen – Hamburger Modell
35.3.1 Hintergrund des Therapieverfahrens
35.3.2 Rahmenbedingungen
35.3.3 Voraussetzungen beim Therapeuten
35.3.4 Therapieverlauf mit Fallbeispiel
35.4 Literatur
36 Körperorientierte Techniken
36.1 Grundlagen und Modelle
36.2 Tiefe Atmung
36.3 Grounding
36.4 Wegschieben
36.5 Nähe-Distanz-Übung
36.6 Embodiment
36.7 Halt geben
36.8 Angenehmes Körpererleben
36.9 Gefühle ausdrücken bzw. regulieren
36.10 Schlusswort
36.11 Literatur
37 Bewegung und Ausdauertraining
37.1 Einleitung
37.2 Forschungsstand zu Wirksamkeit und Indikation
37.2.1 Depressionen
37.2.2 Angststörungen
37.2.3 Schmerzsyndrome
37.3 Formen der Bewegungstherapie
37.4 Integration der Bewegungstherapie in die psychotherapeutische Behandlung
37.4.1 Stationäre Versorgung
37.4.2 Ambulante Versorgung
37.5 Literatur
38 Psychoanalytisch begründete Körperpsychotherapien
38.1 Indikation
38.2 Theoretische Grundlagen
38.3 Wirkprinzipien
38.4 Konzentrative Bewegungstherapie (KBT)
38.4.1 Wirkfaktoren und Techniken
38.5 Literatur
39 Autogenes Training
39.1 Einleitung
39.2 Stellung in der Arzt-Patient-Beziehung
39.2.1 Strukturierend-stützender Vermittlungsstil
39.2.2 Analytisch orientierter Vermittlungsstil
39.3 Funktionsweise
39.3.1 Hypnoid und posthypnotischer Auftrag
39.3.2 Psychophysische Einheit
39.3.3 Lerntheoretische Ansätze
39.4 Indikationen
39.5 Kontraindikationen
39.6 Grundstufe des autogenen Trainings
39.6.1 Allgemeine Rahmenbedingungen
39.6.2 Schwereübung
39.6.3 Wärmeübung
39.6.4 Atemübung („passives Atemerlebnis“)
39.6.5 Herzübung („passives Herzerlebnis“)
39.6.6 Sonnengeflechtsübung (Bauchübung)
39.6.7 Stirnkühleübung („relative Stirnkühle“)
39.6.8 Rücknahme
39.7 Ausblick
39.8 Literatur
40 Progressive Relaxation
40.1 Ansatz von Edmund Jacobson
40.2 Heutige Übungsprogramme
40.3 Leitlinien
40.4 Aufbau der Anspannungs- und Entspannungszyklen
40.5 Übungssettings
40.6 Adaptationen für Kinder und Jugendliche
40.7 Lang- und Kurzformen
40.8 Befundlage zur Wirksamkeit
40.9 Schlussbemerkung
40.10 Literatur
41 Techniken der Körperverhaltenstherapie
41.1 Körperverhaltenstherapie als Perspektive
41.2 Wirkprinzipien
41.2.1 Ressourcenaktivierung
41.2.2 Problemaktualisierung und prozessuale Aktivierung
41.2.3 Problembewältigung
41.2.4 Klärungsperspektive
41.3 Strategien
41.3.1 Probieren und Überprüfen in einer Arbeitsgemeinschaft
41.3.2 Begrenzung der Fragestellung
41.3.3 Kontaktnahme
41.3.4 Förderung von (Bewegungs-)Lernen
41.3.5 Klärung zweckmäßigeren Verhaltens
41.4 Techniken
41.4.1 Bodyscan
41.4.2 Pausen und Pacing
41.4.3 Steuerung der kinästhetischen Information
41.4.4 Variieren von Bewegungen
41.4.5 Vorstellung von Bewegung
41.4.6 Kontextveränderung
41.4.7 Nutzung selektiver Aufmerksamkeit
41.4.8 Beeinflussung des Gesamtbewegungsmusters
41.5 Ziele, Indikationen, Voraussetzungen
41.6 Literatur
42 Ergotherapeutische Techniken
42.1 Einleitung
42.2 Definition und Gegenstandsbereich
42.3 Theoretische Grundlagen
42.4 Klientenzentrierung, Behandlungsprozess und Interventionen
42.5 Schnittstellen zur Psychotherapie
42.6 Ergotherapeutische Behandlung
42.7 Ergotherapeutische Mittel und Medien
42.8 Vorgehensweisen
42.9 Methoden
42.10 Literatur
43 Kunsttherapeutische Techniken
43.1 Grundlagen
43.2 Anwendungsbereiche und allgemeine Ziele
43.3 Spezielle Behandlungstechniken im Gruppensetting
43.3.1 Einzelarbeit
43.3.2 Paar- oder Kleingruppenarbeit
43.3.3 Gemeinsame Gruppenarbeit
43.3.4 Zusammenfassung
43.4 Diskussion
43.5 Literatur
44 Musiktherapeutische Techniken
44.1 Einleitung
44.2 Rezeptive musiktherapeutische Interventionen
44.2.1 Formen rezeptiven Arbeitens
44.2.2 Wirkweise, Voraussetzung, Indikation und Kontraindikation rezeptiven Arbeitens
44.3 Aktive musiktherapeutische Interventionen
44.3.1 Formen aktiver musiktherapeutischer Interventionen
44.3.2 Techniken in aktiven musiktherapeutischen Interventionen
44.4 Ausblick
44.5 Literatur
45 Sozialtherapeutische Techniken
45.1 Theoretische Grundlagen
45.2 Soziale Einzelfallhilfe
45.2.1 Ziele
45.2.2 Voraussetzungen beim Klienten
45.2.3 Voraussetzungen beim Therapeuten
45.2.4 Differenzielle Indikation
45.2.5 Schwerpunkt der Technik
45.2.6 Vorgehen
45.3 Soziale Gruppenarbeit
45.3.1 Ziel
45.3.2 Voraussetzungen und Komplikationen
45.3.3 Schwerpunkt der Technik
45.3.4 Vorgehen
45.4 Zu Beachtendes
45.5 Literatur
46 Hypnotherapie
46.1 Einleitung
46.2 Benennung und Ziele der Technik
46.2.1 Begriffsklärung
46.2.2 Ziele
46.3 Erklärungsmodelle
46.4 Indikationen und Techniken
46.4.1 Anwendungsfelder
46.4.2 Techniken der modernen Hypnotherapie
46.5 Ablauf einer Hypnosetherapiesitzung
46.6 Kombinationen
46.6.1 Hypnotherapie und Verhaltenstherapie
46.6.2 Hypnoanalyse
46.6.3 Hypnose und systemische Therapie
46.7 Wirksamkeit
46.8 Hypnotherapie mit Kindern und Jugendlichen
46.9 Literatur
47 Psychodrama
47.1 Grundlagen
47.2 Behandlungstechniken
47.2.1 Erwärmung
47.2.2 Rollentausch
47.2.3 Doppeln
47.2.4 Probehandeln
47.2.5 Rollenfeedback und Sharing
47.3 Fallbeispiel und Bezug zum Therapieverständnis im Psychodrama
47.4 Literatur
48 Biofeedback
48.1 Einleitung
48.2 Biofeedbacktechniken
48.3 Voraussetzungen beim Therapeuten und Patienten
48.4 Planung und Ablauf einer Biofeedbacktherapie
48.5 Literatur
49 Schematherapie
49.1 Benennung und Ziele der Techniken
49.1.1 Benennung
49.1.2 Einordnung nach Grawe
49.1.3 Ziele und Vorgehensweise
49.2 Voraussetzungen und Indikationen
49.2.1 Voraussetzungen beim Patienten
49.2.2 Voraussetzungen beim Therapeuten
49.2.3 Differenzielle Indikation
49.3 Beschreibung des Vorgehens
49.3.1 Schwerpunkt der Techniken
49.3.2 Fallbeispiel
49.4 Zu Beachtendes, mögliche Komplikationen
49.5 Literatur
50 Gesundheitsrelevante Internetnutzung
50.1 Einleitung
50.2 Information
50.3 Intervention
50.3.1 Rechtliche Aspekte
50.3.2 Onlineberatung
50.3.3 Möglichkeiten und Grenzen
50.3.4 Onlinediagnostik
50.3.5 E-Mail-Konsultation in laufenden Behandlungen
50.3.6 Bereitschaft zur Einbindung moderner Medien
50.4 Beziehungsänderung
50.5 Klinisch relevante Effekte der Internetnutzung
50.5.1 Internetsucht
50.5.2 Cyberchondria
50.5.3 Extreme Communities
50.6 Ausblick
50.7 Literatur
51 Psychosoziale Beratung
51.1 Einleitung
51.2 Professionelle Beratung
51.3 Beratung und Information
51.4 Beratung und Psychotherapie
51.4.1 Differenzierungskontinuen zwischen Beratung und Psychotherapie
51.4.2 Konvergenzen von Beratung und Psychotherapie
51.5 Beratung interdisziplinär – auf dem Weg zu einem eigenständigen Profil
51.5.1 Beratung ist interdisziplinär
51.5.2 Beratung ist kritische Aufklärung
51.5.3 Lebensweltorientierung
51.6 Professionelle Beratung der Zukunft
51.6.1 Beratung und neue Medien
51.6.2 Bedarf an neuen theoretischen Entwürfen
51.6.3 Sozialkonstruktivistische Ansätze
51.7 Literatur
Teil VI Rahmenbedingungen
52 Praktische Hinweise für den psychotherapeutischen Alltag
52.1 Einleitung
52.2 Praxisführung und Setting
52.3 Zeitraster
52.4 Bezahlung
52.5 Umfang der Inanspruchnahme
52.6 Dokumentation
52.6.1 Elektronische Medien
52.6.2 Rechtslage
52.6.3 Schweigepflicht
52.6.4 Arztbriefe
52.7 Elemente der Therapie
52.7.1 Information des Patienten
52.7.2 Sitzungsvorbereitung
52.7.3 Therapeutisches Arbeitsbündnis
52.7.4 Besprechung der Behandlungsziele
52.7.5 Erläuterung des Therapieprozesses
52.7.6 Anfang und Ende der Behandlung
52.7.7 Auswirkung von Diagnostik
52.7.8 Einbeziehung von Bezugspersonen
52.8 Professionelles Verhalten des Psychotherapeuten
52.8.1 Beziehung zwischen Patient und Therapeut
52.8.2 Eigene Gefühle in der therapeutischen Beziehung
52.9 Typische Problemsituationen für Anfänger
52.9.1 Ausgrenzung von Themenbereichen
52.9.2 Unter Zeitdruck setzen
52.9.3 Unter Leidensdruck setzen
52.9.4 Zweifel an der Kompetenz der Therapeuten
52.9.5 Betonung der Kompetenz der Therapeuten
53 Geschlechtsspezifische Einflüsse in der Psychotherapie
53.1 Einleitung
53.2 Unterschiede auf Patientenseite
53.2.1 Geschlechtsspezifische Störungshäufungen
53.2.2 Soziale Wirklichkeiten
53.2.3 Belastungssituationen
53.2.4 Therapiethemen
53.3 Unterschiede auf Therapeutenseite
53.3.1 Therapeutenmerkmale
53.3.2 Entwicklung in Richtung „Frauenberuf“
53.4 Therapeutische Dyade
53.4.1 Vor- und Nachteile gegengeschlechtlicher/gleichgeschlechtlicher Arbeit
53.4.2 Schutz vor Verführungssituationen, Übergriffen, falschen Missbrauchsvorwürfen
53.5 Anregungen zur Selbstreflexion
53.6 Literatur
54 Antragstellung
54.1 Einleitung
54.2 Rahmenbedingungen der Antragstellung in der GKV
54.3 Probatorische Sitzungen
54.4 Kurzzeitbehandlung
54.5 Langzeitbehandlung
54.6 Bericht an den Gutachter
54.6.1 Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
54.6.2 Verhaltenstherapie
54.7 Kommentar
54.7.1 Gesetzliche Krankenversicherung
54.7.2 Private Krankenversicherung
54.7.3 Beihilfeträger
54.8 Literatur
55 Begutachtung der beruflichen Leistungsfähigkeit bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen
55.1 Einleitung
55.2 Begutachtungsprobleme
55.3 Begriff der beruflichen Leistungsfähigkeit
55.4 Leitfaden zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit
55.4.1 Psychiatrische und psychosomatische Vorbefunde
55.4.2 Psychische und psychosomatische Funktionen und Funktionsstörungen
55.4.3 Krankheitsverarbeitung
55.4.4 Aktivitäten
55.4.5 Beurteilung tendenziöser Haltungen
55.4.6 Beurteilung der beruflichen Leistungsfähigkeit
55.4.7 Diagnostische Methoden bei der Begutachtung
55.4.8 Integration der unterschiedlichen Datenebenen
55.4.9 Ausblick
55.5 Literatur
56 Versorgungsstrukturen und Schnittstellen psychotherapeutischer Versorgung
56.1 Einleitung
56.2 Ambulante psychotherapeutische Versorgung
56.2.1 Bedarfszahlen und Bedarfsdeckung
56.2.2 Funktion
56.2.3 Kooperation mit anderen niedergelassenen Behandlern
56.2.4 Ambulante Psychotherapie als Vor- und Nachbereiter stationärer Aufenthalte
56.3 Psychosomatische Krankenhausbehandlung
56.3.1 Bedarfszahlen und Bedarfsdeckung
56.3.2 Strukturen
56.3.3 Funktionen
56.3.4 Ausblick
56.4 Psychosomatische Rehabilitation
56.4.1 Entwicklung in Deutschland
56.4.2 Unterschiede zwischen psychosomatischer Rehabilitation und Krankenhausbehandlung
56.4.3 Bedarfszahlen und Bedarfsentwicklung
56.5 Schnittstellen
56.5.1 Schnittstelle Psychosomatische Medizin – Psychiatrie
56.5.2 Schnittstellenprobleme ambulante Versorgung – stationäre Therapie
56.5.3 Schnittstellenprobleme Akutbehandlung – Rehabilitation
56.5.4 Ausblick
56.6 Literatur
57 Psychotherapie und Pharmakotherapie
57.1 Einleitung
57.2 Psychotherapie und Psychopharmaka bei psychischen Störungen
57.3 Nebenwirkungen von Psychopharmaka
57.4 Psychotherapie und anderweitige Substanzen bei psychischen Störungen
57.5 Psychotherapie und Pharmakotherapie somatischer Erkrankungen
57.6 Zusammenfassung und Fazit für die Praxis
57.7 Literatur
Autorenvorstellung
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Werte als Kompass der Psychotherapie
2 Praxeologie integrativer Psychotherapie
Christian Flassbeck, Bernd H. Keßler
In der Psychotherapie geht es um Modifikationen von Lebensformen, die in gewisser Weise als „schlecht“ erfahren werden. Eine der Kernfragen dabei ist, wie das „gute“ Leben zu definieren ist, das sich als Ergebnis der Psychotherapie entwickeln soll. Mögliche Antworten darauf könnten dem Fundus der Lebensstile unserer Gesellschaft entnommen werden. Der gute Mensch aus der Sicht des Wirtschaftslebens ist der Konsument – habgierig, hedonistisch und kaufwütig. Ganz anders sieht der gute Mensch aus, der aus dem Blickwinkel unseres christlichen und humanistischen Erbes gewollt ist – maßhaltend, selbstlos, hilfsbereit, gottvertrauend, demütig. Wiederum aus einer anderen Ecke, nicht zuletzt vom Schul- und Universitätssystem, aber auch dem Sport gefördert und gefordert, ertönt der Ruf nach Leistungsbereitschaft, Einsatz bis zum Letzten, nach Perfektion, Exzellenz und Elite. Hingegen, glaubt man manchen Lifestyle-Medien und der Modebranche, scheinen Schönheit, körperliche Attraktivität, Jugendlichkeit und Prominenz als zentrale Werte eingestuft zu sein.
In diesem, von vielen weiteren Leitbildern beeinflussten, durch die gegensätzlichen Pole der Pflichtkultur und der Selbstverwirklichung, des Relativismus und Universalismus geprägten Spannungsfeld steht der moderne Mensch, in der Hand den Kompass zur guten Lebensgestaltung. Er soll viele und oft widersprüchliche Wertekategorien in sich vereinen und leben. Orientierungslosigkeit und Unsicherheit, aber auch Welterschließungen eingefahrener Art sind die Folge.
Professionelle Hilfestellung wird von unserem Gesundheitssystem erwartet, das sich aber selbst in diesem Wertedickicht verirrt hat, in dem die „Werte im Widerstreit“ (Rinderle 2007 ► [10]) stehen. Die modernen Psychotherapeuten, wie die vier klugen Gesellen in Bechsteins Märchen nach den Rezepten für das Gelingen eines Lebens befragt, würden wie diese unterschiedliche Antworten geben. Mit den Begrifflichkeiten Neugier, Hoffnung, Güte, Tapferkeit, Autonomie, Selbstregulation, Dialogbereitschaft, Aktivität in der Gestaltung des Lebens, Sinnerfüllung oder emotionales Gleichgewicht ist nur ein geringer Teil der aus Psychotherapiemanualen zitierten Rezepte abgedeckt. Die Zielsetzungen könnten mühelos ergänzt werden, dürften aber Worthülsen bleiben, wenn sie nicht in die jeweiligen Problemstellungen der Patienten in differenzieller Weise eingebunden und auf ihren Standort zwischen Übermaß und Mangel überprüft werden.
Im psychotherapeutischen Alltag, der sich in der Regel nicht märchenhaft wendet, lauert eine Fülle von ethischen Zwickmühlen mit hoher Komplexität, die mit simplen Rezepten nicht zu lösen sind. Sie erfordern implizit oder explizit eine Auseinandersetzung sowohl mit den objektiven, moralischen Kategorien, wie gelebt werde sollte, als auch den wissenschaftlichen und empirischen Sichten, wie ein gelingendes, glückliches Leben sich entwickeln könnte. Dazu wird es keine einfachen Antworten geben, da, wie Schuch (2000) feststellt, die Hauptaufgaben der Psychotherapie darin liegen, den Patienten zu verhelfen, pluriformes Leben und Erleben zu ertragen, prekäre Lebenslagen zu bewältigen und sinnvoll zu strukturieren, sowie „Identität, Lebenswert und Lebenssinn zu realisieren und auf dem Meer der Weltkomplexität kompetent navigieren zu können“ ► [14].
Ähnlich wie in den Wirtschaftswissenschaften, in denen das Fach „corporate governance“ zunehmend gewichtig wird, weil die betriebliche Fokussierung auf Werte die Unternehmensbilanz offenbar nachhaltig zu beeinflussen in der Lage ist, dürfte auch eine angemessene Beachtung der Werte in der Psychotherapie deren wissenschaftlichen und sozialpolitischen Stellenwert eher befördern. Wenn man als Psychotherapeut in dieser Frage Halt sucht, bietet sich zwar eine Vielzahl theoretischer Abhandlungen an, in denen Werte aus philosophischer, soziologischer und psychologischer Perspektive erörtert sind, sucht man aber in den einschlägigen Lehrbüchern für Klinische Psychologie und Psychotherapie nach einer Auseinandersetzung mit Werten, ist man eher enttäuscht. Zudem sind die wenigen Darstellungen stark theorielastig und schwer umsetzbar im psychotherapeutischen Alltag.
Selbst in den kritischen Fragen nicht aus dem Wege gehenden Lehrbüchern, beispielsweise Grawe (1998 ► [4]) oder Schmidt (2001 ► [12]), ist, obgleich die Autoren einer Reflexion der Normen der Gesellschaft und ihrer relevanten Systeme eine zentrale Rolle zuschreiben, zu wertorientierten therapeutischen Themen nur wenig zu erfahren. Auch in der klinischen Psychodiagnostik finden sich nur selten Methoden, die sich den Wertorientierungen zuwenden (Flassbeck u. Keßler 2011 ► [3]). In dem Lehrbuch „Psychodiagnostik in klinischer Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie“ von Stieglitz et al. (2001 ► [17]), das so gut wie alle Arbeitsbereiche abdeckt, gibt es dazu keine Hinweise. Erst mit der dritten Welle der Psychotherapieentwicklung scheint sich eine ethische Renaissance in den Lehrbüchern anzudeuten.
Überdies entsteht der Eindruck, dass Wertfragen in der Zeit vor der heutigen Kassenpsychotherapie eine größere Bedeutung besaßen. Hier sei nur an die Gewichtung der Werte in der Entwicklung der Persönlichkeit und in der Psychotherapie durch Bühler (1962 ► [2]) erinnert.
Werte sind in den einzelnen Wissenschaften und auch in den einzelnen psychotherapeutischen Schulen nicht in gleicher Weise begrifflich gefasst, was die Kommunikation der Arbeitsgebiete erheblich erschwert. Häufig ist daher versucht worden, Taxonomien zu erstellen. Sie bieten recht unterschiedliche Ordnungsversuche; einzelne betonen Wertehierarchien, andere Werteähnlichkeiten, wiederum andere die Wertegenese und schließlich manche die Typologien von Wertedefinitionen („Konstituierungsebenen“ von Werten von Oldemeyer 1979 ► [8], „Circumplex-Modell der Werte“ von Schwartz 1994 ► [15], Modell der „drei Quellen menschlicher Werte“ von Hayek 1979 ► [5], Taxonomie von sechs Definitionsarten von Tjeltveit 1999 ► [18]). Insgesamt sind diese Ordnungen in der Psychotherapie jedoch wenig rezipiert.
Merke
Überlegungen zu Werten können sich in einem psychotherapeutischen Vorgehen sowohl auf den Ausgangszustand, den Transformationsprozess als auch den Zielzustand beziehen. Eine wertefreie Psychotherapie existiert nicht. Das mögliche Bemühen, wertefrei zu arbeiten, ist nicht widerspruchsfrei, da diese Forderung offensichtlich selbst eine Wertaussage enthält.
Die Erfassung des Ausgangszustands ist eine der wesentlichen Aufgaben der Psychodiagnostik. Sowohl die Beschreibung und die Erklärungals auch die Klassifikation von Störungsbildern sind von Werten bestimmt.
Beschreibung Die Beschreibung dessen, was von den Patienten und ihren Bezugsgruppen einerseits oder den Therapeuten und ihrem Bezugssystem andererseits als Krankheiten, ungute Zustände oder Lebensprobleme eingeschätzt wird, ist werteabhängig. Unterschiedliche Therapeuten schauen durch jeweils andere diagnostische Brillen auf den ankommenden Patienten, etwa dadurch, dass sie Defizite oder Ressourcen betonen. Einstmals als problematisch eingeschätzte Zustände sind nach gesellschaftlichen Entwicklungen oder Umbrüchen heute möglicherweise nicht mehr „krankhaft“; dafür wachsen auf dem Feld der Störungsbilder immer wieder Begrifflichkeiten nach, mit denen neue Problemzustände bezeichnet werden, wie etwa Mobbing, ADHS oder Burnout. Therapeutische Einschätzungen, welche Personen als „schwere“ und welche als „leichte Fälle“ einstufen sind, basieren stets auch auf Werthaltungen.
Klassifikation Die Frage, welche klassifikatorischen Zuordnungen für die Problembeschreibungen erfolgen, ist in der Diagnostik ebenfalls nicht wertefrei. Diagnosen – seien sie typologisch oder multiaxial – sind Etiketten, deren Auswahl und Wirkung auf die therapeutische Beziehung oder die therapeutischen Prozesse von den Werthaltungen der Diagnostiker in starkem Maße mitbestimmt werden. Die Auseinandersetzung um die Diagnosestellung einer Persönlichkeitsstörung mag ein Beispiel dafür sein. Einen massiven Einfluss auf Wertsetzungen zu Beginn der Behandlungen haben auch Modellvorstellungen, wie etwa das medizinische oder das multifaktorielle Modell, die zur Interpretation psychischer Probleme herangezogen werden.
Erklärung Die Erklärungsversuchefür die als problematisch bewerteten Deskriptionen und ihre Klassifikationen sind seit jeher ein wesentliches Thema der Auseinandersetzungen unterschiedlicher Therapieschulen mit ihren impliziten Werthaltungen. Zusammenhänge von Symptomatik und den verursachenden und aufrechthaltenden Konditionen sind komplex und oft nur annähernd zu ergründen. Viele zumeist sich widersprechende Konzeptionen suchen die Verknüpfungen von Symptomatik und Lebensbedingungen zu strukturieren. Eine Hürde, die genommen werden muss, ist die der Definition der Ebenen, auf denen die Kausalität angesiedelt wird. Was führt zu einer psychischen Störung? Bei einer depressiven Person könnte man diese Ebenen je nach Sichtweise etwa im Stoffwechsel, in den neuronalen Schaltkreisen, den Kognitionen, den biografischen Erfahrungen oder auch in den Orientierungen an bestimmten Werten, vielleicht auch im Zusammenwirken einzelner oder aller Ebenen suchen.
Der sehr komplexe Transformationsprozess ist ebenfalls niemals wertefrei zu sehen. Die Geschichte der Psychotherapie kennt viele Techniken und Strategien, die, obgleich sie möglicherweise als effektiv einzustufen waren, aus wertegeladenen Argumentationen heraus von manchen Therapeuten nicht angewendet wurden. Im Diskurs um den besten Transformationsprozess sind die gegenseitigen Einschätzungen der verschiedenen Therapieschulen weitestgehend wertebestimmt. Auch die Einbettung des Transformationsprozesses in das Gesundheitssystem wirft viele Fragen auf, in denen Werte zentral sind.
In den letzten Jahren wurde für die Entwicklung und Verbesserung der Methoden und Techniken des Transformationsprozesses, hin zu einer evidenzbasierten Psychotherapie, sehr viel Aufwand betrieben, die ebenso wichtigen Fragen nach Wertorientierungen und Zielen wurden dabei vernachlässigt. Möglicherweise hat sich die Psychotherapieforschung der letzten Jahre zu stark auf behandlungstechnische Möglichkeiten und Fortschritte begrenzt und sich bei der Frage, „wie zu leben sei“, zu stark zurückgehalten, anderen Wissenschaften den Vortritt gelassen oder ihre Beantwortung zu sehr privatisiert.
Die Definition der Zielzustände therapeutischen Handelns kommt ohne eine Diskussion der Werte nicht aus. Die Beantwortung der Frage, wohin der therapeutische Prozess führen soll, wird jedem Therapeuten abverlangt. Er befindet sich dabei in einer Konfliktlage, denn er alleine definiert nicht das Ziel, sondern die Patienten und deren Umfeld, aber auch die Anliegen der Gesellschaft. Dabei wird deutlich, dass Werthaltungen in der Regel an der Spitze der Hierarchie einer Zieldefinition stehen. Sind beispielsweise Depressionen im Zusammenhang mit Partnerschaftsproblemen als Ausgangszustand diagnostiziert, könnte die Zielsetzung auf einer unteren Ebene der Hierarchie als Angstreduktion, Aktivitätsförderung, Erarbeitung der Bedürfnisse, Aufbau autonomer Strebungen oder von Regulationskompetenzen definiert werden. Therapieziele auf höherem werthaltigem Niveau könnten wie folgt aussehen: Klärung der Bedeutung von Treue in der Partnerschaft, Konfrontation mit Tugenden, wie Mäßigung, Ehrlichkeit, Einbezug von Fragestellungen der Moral.
Stellt man dabei aber die Frage, aus welchen Gründen jeweils diese zuweilen als selbstverständlich gesehenen Zielsetzungen gewählt wurden, und bezieht dabei auch die längerfristigen Auswirkungen auf Mitmenschen ein, sind immer in der Hierarchie höher anzusiedelnde Werteaussagen notwendig, in denen Begriffe wie Glück, Selbstverwirklichung, Selbstaktualisierung, Wohlbefinden, Expansion der Persönlichkeit, Gesundheit, moralische Höherentwicklung obenan stehen. Dabei ist aber berechtigterweise zu fragen, ob solche hochrangigen Lebensziele überhaupt Therapieziele sein können und sollen. Andererseits sind vom Patienten erwünschte Ziele möglicherweise nicht bedeutsam genug, um zum Wert des Lebens beizutragen: „Wenn man die Maßstäbe selbst setzte, könnte man sein Leben zu einem überwältigenden Erfolg machen, indem man die Maßstäbe extrem niedrig ansetzt“ (Appiah 2009 ► [1]).
Professionell/ subjektiv Alle drei Bereiche – Ausgangszustand, Transformationsprozess und Zielzustand – könnte man jeweils wiederum aus dem Blickwinkel einer Unterscheidung zwischen „professioneller“ und „subjektiver“ Psychotherapie betrachten. Erstere umfasst im engeren Sinne die evidenzbasierte, nachweislich wirkungsvolle, auf wissenschaftlichen Hypothesen beruhende Psychotherapie durch gut ausgebildete Psychotherapeuten unter Berücksichtigung der differenziellen Wirksamkeit bei einzelnen Fragestellungen. Letztere bezeichnet den von Anmutungen, spontanen Eingebungen, subjektiven Sichtweisen und Befindlichkeiten geprägten (psychotherapeutischen) Umgang mit Patienten, der von dominanten eigenen Erfahrungen (Weisheitswissen), Werteprägungen und Glücksvorstellungen bestimmt wird. Papenkort (2009) schlägt in ähnlicher Weise verschiedene Ethiktypen vor, die er in Zusammenhang mit dem Psychotherapeuten als Professionellem und dem Psychotherapeuten als Privatperson in Zusammenhang bringt ► [9].
Explizit/ implizit Eine weitere Unterscheidung wäre die in „explizite“ und „implizite“ therapeutische Wertearbeit. Sowohl die Ausgangszustände, die Transformationsprozesse als auch die Zielsetzungen können danach unterschieden werden, ob die Patienten zu Wertethemen und Wertearbeit ausdrücklich angesprochen sind. Explizit heißt in diesem Zusammenhang, dass dem Patienten eindeutig mitgeteilt wird, dass Werte diagnostiziert werden, dass sie eine große Bedeutung im Verlauf des Transformationsprozesses haben und dass die Zielsetzungen wertebestimmt sind. Als Beispiel sei auf die „Akzeptanz und Commitment Therapie“ (Hayes 2004 ► [6]) hingewiesen. Viele therapeutische Ansätze, etwa die Gesprächspsychotherapie, sind in diesem Sinne „implizit“, sie vermitteln zwar Werthaltungen, bringen diese dem Patienten aber nicht gezielt zum Ausdruck.
Salutogenes Potenzial Werthaltige Themen sind in der Psychotherapie in unterschiedlichem Maße erkennbar. Während manche vorgebrachten Probleme, wie etwa Affären, Suizidalität, Sucht, Alter und Tod, Täter-Opfer-Thematiken, für jeden offenkundig von Werten geprägt sind, sind die „versteckten“ Werte in anderen Themenstellungen und Störungsbildern nicht so leicht zu erkennen. Werte sind offenbar immer dann von besonderer Bedeutung, wenn Krisen Gestaltung verlangen oder in Konflikten Entscheidungen anstehen. Sinnfragen tauchen verstärkt in Zeiten auf, in denen gesicherte Rollen und Konventionen infrage stehen oder Mangel spürbar wird.
Schmid (2005) weist darauf hin, dass der dem Menschen drohende Tod, die Begrenztheit des Daseins, die Gestaltung des Lebens, die Lebenskunst, erst notwendig macht ► [11]. Ohne Tod wäre die Lebensgestaltung nicht dringlich, sie könnte mühelos auf das Später verschoben werden. Es wäre hinzuzufügen, dass ohne Lebenskrisen und Konflikte, insbesondere wenn sie Existenzielles anrühren, die Lebensgestaltung ebenfalls überflüssig wäre. Dadurch, dass die gekonnte Lebensgestaltung weitgehend nur im Kontext mit anderen Menschen, in der Auseinandersetzung mit ihnen und ihren Normsetzungen erfolgt, bedarf es der Orientierung, der Überlegungen zum Wichtigen und Unwichtigen, der Sinngebung, aber auch der Techniken und Übungen, also der praktischen Umsetzung der Wertmaßstäbe im Alltag.
Pathogenes Potenzial Dem salutogenen Potenzial von Werten steht aber auch ein pathogenes Potenzial gegenüber, zum Beispiel dann, wenn mit ihnen gesellschaftlicher Druck, rigide Moralvorstellungen oder Zwänge durch Leitbilder verbunden sind und sie damit zu Krisen, Konflikten und Symptomen beitragen. Die Pluralität der Werte erschwert oftmals zielorientierte Handlungsentscheidungen in Konfliktsituationen. Meist sind diese Abwägungen und Überlegungen von Zwiespältigkeiten, Zweideutigkeiten und Unklarheiten durchsetzt, von Unschlüssigkeiten beschwert und mit einer Unsicherheit verbunden, die nach der Entscheidung sogar manchmal ein Leben lang anhalten kann (Höffe 2009 ► [7]).
Die überwiegende Anzahl der Menschen hat heute ein Höchstmaß an Handlungsfreiheit und die Wahl zwischen vielfältigen Lebensmodellen. Der von Konventionen, Monopolen und traditionellen moralischen Instanzen „entfesselte Mensch“ (Schockenhoff u. Florin 2009 ► [13]) fühlt sich von den gewachsenen Entscheidungsmöglichkeiten allerdings häufig überfordert und bedroht.
In Konflikten spitzen sich Diskussionen über Werte zu. Mehr oder weniger lebensnahe Konfliktlagen wurden immer wieder benutzt, um Werthaltungen zu diagnostizieren und therapeutisch zu bearbeiten. Sie lassen sich grob in Alltagskonflikte, künstliche Notlagen und psychotherapeutisch relevante Dilemmata untergliedern.
Alltagskonflikte Sie beschreiben Entscheidungssituationen des privaten, beruflichen oder auch gesellschaftlichen Lebens, mehr oder weniger leicht zu lösende Interessen- und Wertekonflikte, die den Menschen alltäglich begegnen können und in der Regel kein großartiges Kopfzerbrechen bereiten.
Künstliche Notlagen Fernab jeglicher Alltagspraxis werden dazu im Gegensatz auf einer anderen Ebene Wertfragen in künstlich zugespitzten, stilisierten Dilemmata, meist in Experimentalsituationen beschrieben. Antworten auf diese Fragen sind – anders als in den zuvor beschriebenen Alltagszwickmühlen – von dramatischen Konsequenzen für das Leben einzelner oder vieler, aber sie sind eher unwahrscheinlich, selten oder gar künstlich konstruiert. Häufiger sind allerdings ähnliche Dilemmata im Kontext von Abtreibung oder Sterbehilfe und leider auch wieder Konflikte im soldatischen Handeln.
Psychotherapeutisch relevante Dilemmata Die ethisch-moralischen Dilemmata, die im Rahmen der Psychotherapie in der Regel von Bedeutung sind, haben einen anderen Charakter. Sie nehmen eine Art Zwischenstellung ein, sind einerseits oft an Alltagsfragen angebunden, haben aber andererseits für das Leben einzelner oder ihres Umfeldes eine gewichtige und oft lange anhaltende Bedeutung. Zudem besitzen sie meist schwer zugängliche und unbewusste Anteile. In quälenden Konfliktlagen, die sich über Jahre hinziehen, in ausweglos erscheinenden Lebenskrisen und bei permanenten Unfähigkeiten zu Entscheidungen stellen sich dann die Fragen nach dem „guten“ oder „richtigen“ Weg oder Ziel.
Innerhalb der bisher aufgeführten Erscheinungsformen von Wertekonflikten lassen sich unterschiedliche Konflikttypen identifizieren. Nicht bei allen psychotherapeutisch relevanten Fragestellungen ist allerdings ein Wertekonflikt vordringlich. Bei einem Schmerzpatienten beispielsweise imponiert zunächst kein massiver Wertekonflikt, dennoch hängt auch sein Leiden mit Wertfragen zusammen. Bei anhaltenden Schmerzen könnte er sich dem Wagnis des beruflichen Wiedereinstiegs stellen, mit dem Risiko einer Verschlimmerung seiner Symptomatik, oder er könnte sich die restlichen Lebensjahre rehabilitieren, im vielleicht von weniger Schmerzen geplagten Müßiggang mit seinen finanziellen Folgen.
Rinderle (2007) hat drei Konflikttypen zwischen Werten beschrieben ► [10]. Er unterscheidet zwischen Interessenkonflikten, Interesse-Moral-Konflikten undMoral-Moral-Konflikten.
In Ergänzung zu seinem Ansatz könnte der Einbezug einer Zeitperspektive hilfreich sein. Je nachdem, ob der Wertekonflikt in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft liegt, könnten sich andere Fragen bezüglich Lösbarkeit und Methodik der Lösungsversuche stellen.
Die Pluralität und der Widerstreit der Werte, wie sie in diesen Konflikttypen auftaucht, stellt nicht die Möglichkeit vernünftigen Urteilens und Handelns infrage, sondern stellt höhere Ansprüche an die Rechtfertigung des Handelns.
Die Hinwendung zu Werten verdeutlicht den komplexen „ethischen Charakter“ (Tjeltveit 1999 ► [18]) der Psychotherapie, erlaubt aber keine Orientierung auf den ersten Blick. Daher wird zunehmend zu einem Umdenken aufgerufen. So fordern Stavemann (2002) eine „philosophische Wende“ in der Psychotherapie und Tjeltveit einen praktisch tätigen „Ethizisten“ ► [16]. Beide erkennen aber auch die Überforderung der Psychotherapeuten, wenn diese mit den vielfältigen ethischen Fragstellungen konfrontiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Psychotherapeuten traditionell vor allem Fragestellungen der Moral und des Lebensglücks, die sehr eng mit Werten verknüpft sind, die kalte Schulter zeigen, weil sie dahinter edukative Festlegungen fürchten. Das ist aber so, als bliebe man auf der Hälfte des Weges stehen.
Als Kompass könnten Werte sowohl dem Patienten als auch dem Therapeuten dienen. Für den Patienten sind sie vordringlich eine „Methode“ im Transformationsprozess der Psychotherapie. In einer therapeutischen „Wertearbeit“, die Werteklärung, Wertebegründung und Wertebindung umfasst, soll er sich seiner wichtigsten Werte bewusst werden und ein motiviertes Handeln in Richtung der identifizierten Werte entwickeln.
Der Therapeutmuss sich mit Werten im gesamten therapeutischen Prozess auseinander setzen. Die Notwendigkeit, Ausgangszustand, Transformationsprozess und die Zielzustände wertorientiert zu gestalten, erfordert von ihm nicht nur eine Selbsterfahrung seiner eigenen Werteentwicklung inklusive der Offenlegung seiner Positionierung im Spektrum der Grundhaltungen, sondern auch das Bemühen um eine Analyse der Werthaltungen und deren Entwicklung seiner Patienten.
Allerdings ist psychotherapeutisches Handeln vorherrschend utilitaristisch begründet. Die Konsequenzen des Handelns der am psychotherapeutischen Prozess Beteiligten sind Gradmesser zur Bestimmung des Guten bzw. Schlechten. Bedeutsame alternative ethische Begründungsmuster, wie deontologische, tugendethische oder kontraktualistische, bleiben meist unberücksichtigt. Anders ausgedrückt, man besitzt zwar einen Kompass, geht aber nur in eine Himmelsrichtung. Durch den Einbezug weiterer Begründungsmuster könnten wichtige neue Wertsetzungen in den gesamten Therapieprozess einfließen. Auf dieser Basis lassen sich wohl ergänzende Antworten finden, die der Pluralität des Guten auch in der Psychotherapie gerecht werden.
[1]Appiah KA. Ethische Experimente. Übungen zum guten Leben. München: Beck; 2009
[2]Bühler C. Die Rolle der Werte in der Entwicklung der Persönlichkeit und in der Psychotherapie. Stuttgart: Klett; 1975
[3]Flassbeck C, Keßler BH. Biographische Diagnostik von Wertorientierungen. In: Jüttemann G, Hrsg. Biographische Diagnostik. Lengerich: Pabst; 2011: 159–168
[4]Grawe K. Psychologische Therapie. Göttingen: Hogrefe; 1998
[5]Hayek FA. Die drei Quellen der menschlichen Werte. Walter Eucken Institut: Vorträge und Aufsätze 70. Tübingen: J.C.B. Mohr; 1979
[6]Hayes S, Strosal KD, Wilson KG. Akzeptanz und Commitment Therapie. München: CIP-Medien; 2004
[7]Höffe O. Lebenskunst und Moral oder macht Tugend glücklich. München: Beck; 2009
[8]Oldemeyer E. Zum Problem der Umwertung von Werten. In: Klages H, Kmieciak T, Hrsg. Wertewandel und gesellschaftlicher Wandel. Frankfurt: Campus; 1979: 597–617
[9]Papenkort U. Psychotherapie und die Frage nach dem glücklichen Leben. In: Bormann M, Maus U, Zilly G, Hrsg. Ethik für alle Fälle. Arbeitsbuch zur Ethik in Psychotherapie und Beratung. Tübingen: dgvt; 2009: 61–76
[10]Rinderle P. Werte im Widerstreit. Freiburg: Karl Alber; 2007
[11]Schmid W. Schönes Leben? Einführung in die Lebenskunst. Frankfurt am Main: Suhrkamp; 2005
[12]Schmidt LR. Klinische Psychologie: Entwicklungen, Reformen, Perspektiven. Tübingen: dgvt; 2001
[13]Schockenhoff E, Florin C. Gewissen. Eine Gebrauchsanweisung. Freiburg: Herder; 2009
[14]Schuch HW. Grundzüge eines Konzeptes und Modells Integrativer Psychotherapie. Integrative Therapie 2000; 26: 145–202
[15]Schwartz SH. Are there universal aspects in the content and structure of values? J Soc Issues 1994; 50: 19–45
[16]Stavemann HH. Sokratische Gesprächsführung in Therapie und Beratung. Weinheim: Beltz; 2002
[17]Stieglitz RD, Baumann U, Freyberger HJ, Hrsg. Psychodiagnostik in Klinischer Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie. Stuttgart: Thieme; 2001
[18]Tjeltveit AC. Ethics and values in psychotherapy. London: Routledge; 1999
[19]van Deth JW, Scarbrough E. The concept of values. In: van Deth JW, Scarbrough E, eds. The impact of values. Vol. 4. Oxford: Beliefs in Government Series; 1995: 21–47
Wolfgang Senf, Michael Broda, Bettina Wilms
Die Frage, was Psychotherapie ist, lässt sich nicht einfach beantworten. Eine Definition haben wir in der Praxis der Psychotherapie gegeben (Senf u. Broda 2012 ► [48]).
Definition
Psychotherapie ist professionelles psychotherapeutisches Handeln im Rahmen des öffentlichen Gesundheitswesens, das wissenschaftlich fundiert ist mit Bezug auf wissenschaftlich begründete und empirisch gesicherte Krankheits-, Heilungs- und Behandlungstheorien. Dabei handelt es sich um ein komplexes therapeutisches Prinzip mit handlungsorientierten Strategien zur Beeinflussung von Erleben und Verhalten, das geeignet ist, psychisch bedingte oder mitbedingte Krankheiten oder Verarbeitungsstörungen bei körperlicher Erkrankung oder bei psychosozialer Belastung zu beseitigen oder zu mildern (kurative Psychotherapie) oder Krisen zu bewältigen (akute Psychotherapie), der Krankheitsentstehung vorzubeugen (präventive Psychotherapie) oder bei der Bewältigung der Folgen einer Störung oder Erkrankung zu helfen (bewältigungsorientierte Psychotherapie) oder das nicht heilbare Leiden zu erleichtern (palliative Psychotherapie).
Dieses komplexe therapeutische Prinzip lässt sich grundsätzlich als ein bewusster und geplanter Kommunikationsprozess im Rahmen interpersoneller Beziehungen begreifen. Schon alltägliche Kommunikation ist auf sehr verschiedenen Ebenen, in unterschiedlichen Kontexten und auf verschiedene Arten möglich. Das trifft auch für die psychotherapeutische Begegnung zu, für die nach Paul Watzlawick, der die Gesetzmäßigkeiten zwischenmenschlicher Kommunikation in genialer Weise auf den Punkt gebracht hat, auch festzustellen ist: Man kann nicht nicht kommunizieren.
Eine Besonderheit für die psychotherapeutische Kommunikation ist, dass sie von den theoretischen und behandlungstechnischen Vorgaben der verschiedenen Therapieschulen geprägt ist (► Tab. 2.1). Die daraus resultierende Handhabung psychotherapeutischer Kommunikation ist nicht nur unterschiedlich zwischen den therapeutischen Schulen, sondern variiert auch innerhalb eines Therapiesystems.
Tab. 2.1
Unterscheidung zwischen Alltagskommunikation und therapeutischer Kommunikation (nach Kanfer et al. 1990
► [32]
).
Alltagskommunikation
therapeutische Kommunikation
geprägt von soziokulturellen Erwartungen und Werten
„Anstandsregeln“ und Umgangsformen sind kein notwendiger Bestandteil
Beziehung ist persönlich bis intim
Beziehung ist professionell, Kommunikation aufgabenbezogen
häufige Verwendung von Floskeln
Verwendung eines speziellen Sprachstils
Interaktion überall und jederzeit
klare Festlegung von Zeit, Ort und Häufigkeit
spontane Dialogsteuerung durch Gefühle und Meinungen
Kommunikation ist ziel- und zweckorientiert
Fokuswechsel von einer Person zur anderen
Fokus beim Klienten
ergebnisoffen
zielorientiert
Vor diesem Hintergrund können wir psychotherapeutische Arbeitpragmatisch und anwendungsorientiert definieren.
Definition
Psychotherapeutische Arbeit beinhaltet die gezielte Anwendung von psychotherapeutischen Behandlungstechniken (Methoden), die die psychotherapeutische Kommunikation herstellen und steuern. Das findet im Rahmen von professioneller Beziehung als dem Hintergrund statt, auf dem sich psychotherapeutische Arbeit vollzieht, der eine Einbettung der Technik und eine angstfreiere Begegnung mit emotionalen, kognitiven und realen Zuständen und Situationen erlaubt und somit dem Patienten ein neues Erfahrungsfeld erschließt.
Nahezu alle Therapiekonzeptionen gehen davon aus, dass das Eintreten einer psychotherapeutischen Wirkung in erster Linie durch dasreale Erleben in der therapeutischen Situation und durch die dadurch veränderten Bedeutungen bedingt ist. Was im psychotherapeutischen Prozess verändert werden soll, muss in der realen Erfahrung in der Psychotherapie prozessual aktiviert werden. Das betrifft die Probleme eines Patienten, seine pathologischen Erlebensweisen, Handlungsweisen und Bedeutungszuschreibungen ebenso wie seine positiven Eigenschaften und Fähigkeiten, die von den Patienten oft nicht selbst wahrgenommenen werden können. Die Probleme des Patienten, die sein Leiden ausmachen, können dann am wirksamsten verändert werden, wenn diese in der Therapie zum Erleben gebracht werden. Es geht darum, dass der Patient nach dem Prinzip der realen Erfahrung unmittelbar erlebt, worum es bei seiner Störung geht. Er muss aber ebenso seine Stärken und positiven Eigenarten erfahren und vor allem wie und mit welchen seiner Kräfte und Fähigkeiten er seine Probleme bewältigen kann.
Zielsetzung einer jeden Psychotherapie ist eine verbesserteProblemlösefähigkeit des Patienten, was sich gelegentlich in der Formulierung wiederfindet, dass der Patient zum Experten seiner Erkrankung und damit sein eigener Therapeut werden soll.
Diese allgemeine Formulierung ist ein gemeinsamer und für alle psychotherapeutischen Schulen akzeptabler Nenner. Das ist auch die Grundlage für einenintegrierten psychotherapeutischen Ansatz in der Psychotherapie.
Merke
Der therapeutische Auftrag an eine Psychotherapie ist dann erfüllt, wenn ein Patient die Therapie erhält, die für seine Krankheit notwendig ist, und wenn der therapeutische Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zu dem Behandlungsergebnis steht.
Dieser Grundsatz legt einen integrativen Ansatz in der Psychotherapie zwingend nahe. Auch wenn die meisten der etablierten Psychotherapieformen für einen signifikanten Anteil der behandelten Patienten hilfreich sind, wird heute kaum jemand ernsthaft behaupten wollen, dass ein einziges Behandlungsmodell bei allen Problemen, Krankheiten und Störungen sowie bei allen Persönlichkeitstypen von Patienten gleich wirksam ist.
Die unterschiedlichen psychotherapeutischen Systeme, die wir als „Therapieschulen“ bezeichnen, stellen unterschiedlichetherapeutische Kompetenzen zur Verfügung, die gegenseitig nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich sehr oft optimal ergänzen. Deshalb ist es sinnvoll, sich zumindest mit den Grundkompetenzen der verschiedenen psychotherapeutischen Systeme und den daraus entwickelten Behandlungsverfahren zu befassen, wie sie in ► Tab. 2.2 im Überblick zusammengefasst sind.
Tab. 2.2
Grundkompetenzen der verschiedenen Behandlungsverfahren.
Psychoanalytische Psychotherapie
Verhaltenstherapie
Systemische Therapie
Literaturempfehlungen
Mertens 2012 ► [40], Wöller u. Kruse 2010, 2012 ► [54], ► [55]
Reinecker 2012 ► [42]
Schweitzer 2012 ► [47], von Schlippe u. Schweitzer 2007 ► [45], von Sydow et al. 2007 ► [52]
Definition
Die psychoanalytisch begründeten Psychotherapieverfahren (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und analytische Psychotherapie) werden unter dem Oberbegriff psychodynamische Psychotherapie zusammengefasst. Sie umfassen ein vielfältiges Spektrum an psychotherapeutischen Verfahren und Behandlungstechniken. Gegenstand der Behandlung ist die unbewusste Psychodynamik neurotischer und psychosomatischer Störungen, die sich in der psychischen und/oder somatischen Symptomatik manifestiert. Die unbewusste Psychodynamik resultiert aus lebensgeschichtlich verankerten Konfliktmustern und inszeniert sich mit dem Therapieprozess in der therapeutischen Beziehung.
Die verschiedenen Formen der Verhaltenstherapie stellen die Hilfe zur Selbsthilfe in den Mittelpunkt therapeutischen Handelns. Sie erklären Verhalten unter Zuhilfenahme von Lerngesetzen mit klassischen und operanten Konditionierungs- und Systemmodellen. Ziel ist das Selbstmanagement der Klienten unter Zuhilfenahme der Ressourcen des Individuums. Verhaltenstherapie hat traditionell enge Verbindungen zu benachbarten Wissenschaftszweigen wie der Biologie, den Neurowissenschaften, der Soziologie oder der Physiologie. Ihr Wissenschaftsmodell ist empirisch.
Systemische Therapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Fokus auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen liegt und das zusätzlich zu einem oder mehreren Patienten weitere Mitglieder des für den/die Patienten bedeutsamen sozialen Systems einbezieht.
Theorie
Grundlage sind die Theorien der Psychoanalyse über unbewusste psychische Vorgänge und die darauf aufgebauten Theorien über die Entwicklung und Struktur der Psyche und daraus abgeleitet über die Motivationen des Erlebens und Verhaltens des Subjektes auch im Verhältnis zu seinem körperlichen und soziokulturellen Kontext. Die Theorie ist zu einer Vielzahl von Schulrichtungen mit unterschiedlichen Konzeptionen und Schwerpunkten differenziert, z.B. Ich-Psychologie, Objektbeziehungstheorie, Selbstpsychologie, Bindungstheorie etc., und daraus abgeleiteter unterschiedlicher Methodik. Grundannahmen sind, dass menschliches Denken, Fühlen und Handeln wesentlich durch das Unbewusste bestimmt sind und dass die menschliche Entwicklung von den lebensgeschichtlich frühen Erfahrungen und Konfliktlösungen determiniert ist (Entwicklungstheorien) und dass psychisch traumatisierende Erfahrungen zu Entwicklungsdefiziten führen.
Lernprozesse bilden die Grundlage allen Verhaltens und finden sowohl auf behavioraler, kognitiver, emotionaler als auch physiologischer Ebene statt. Die Konzentration auf gegenwärtige Systemkonstellationen steht im Mittelpunkt, ohne jedoch auf die Analyse einer Problemgenese zu verzichten. Kernstück bildet die Verhaltensanalyse (horizontal und vertikal), die in einer Makro- und Mikroanalyse das Problemverhalten in einem hypothetischen Bedingungsmodell beschreibt. Daraus resultieren die mit den Klienten gemeinsam erstellten Therapieziele und der Behandlungsplan. Je nach Praktikabilität werden dann Interventionen eingesetzt, die bei möglichst geringem therapeutischem Aufwand eine bestmögliche Veränderungsoption versprechen. Das verhaltenstherapeutische Systemmodell ist rekursiv, d.h., es werden ständig Evaluationen der Therapiezielerreichung vorgenommen.
Die kommunikationstheoretischen Arbeiten der Palo-Alto-Gruppe führten zusammen mit den Konzepten der „Mailänder Schule“ zur Differenzierung der Interventionen sowie zur Begründung der „systemischen Familientherapie“. Zur Weiterentwicklung trugen die Ansätze der strukturellen Familientherapie sowie lösungsorientierte Ansätze bei. Konzepte der allgemeinen Systemtheorie, der Kybernetik sowie der Systemtheorie flossen in die Theoriebildung ein. Für die Weiterentwicklung systemischer Therapieprozesskonzepte wurden die Chaos- und Komplexitätstheorie sowie der Konstruktivismus mit den Arbeiten zur Kybernetik 2. Ordnung und der Ansatz des sozialen Konstruktionismus bedeutsam.
Krankheitstheorie
„Nicht Herr im eigenen Haus“ (S. Freud): Die Symptome und Konflikte einer Person werden nicht alleine durch gegenwärtige widrige Umstände und Bedingungen hervorgerufen, sondern sind vor allem Folge biografisch früherer unverarbeiteter Lebensereignisse (z.B. Traumatisierungen Entwicklungshemmungen, Konfliktbelastungen), die zu Beeinträchtigungen in der Persönlichkeits- und Selbstwertentwicklung geführt haben. Diese führen durch unbewusste Konflikte, Fantasien, pathogene Überzeugungen zu psychischen Störungen und psychosomatischen Krankheiten.
Dysfunktionales Verhalten wird erworben in der Lerngeschichte in Person-Umwelt-Situationen und aufrechterhalten durch die auf das Verhalten folgenden Konsequenzen. Dabei spielen sowohl positive als auch negative Verstärkung eine wichtige Rolle. Dysfunktionales Verhalten wird meist auch als ein inadäquater Problemlöseversuch des Individuums gesehen, der auf Verhaltensdefiziten in adäquateren Problemlösungen beruht. In diesem Fall steht der Verhaltensaufbau im Vordergrund. Im Falle von Verhaltensexzessen wird der Verhaltensabbau angestrebt. Biografisch erworbene Lernmuster bestimmen Wahrnehmungsprozesse und resultieren im Problemverhalten. Neuronale Netzwerkmodelle bilden die Erklärungsgrundlage für das parallele Auftreten von Handlung, Kognition, Emotion sowie Physiologie. Verhaltensänderungen setzen nicht notwendigerweise eine genaue Kenntnis der Ursachen voraus – stabile Verhaltensänderungen gelingen häufig auch ohne eine kausale Erklärung. Die kognitive Verhaltenstherapie entwickelte sich in den 1970er-Jahren und wurde bis heute zur verbreitetsten Strömung innerhalb der Verhaltenstherapie. Es folgte dann die Einbeziehung von Emotionen in die VT.
Der systemische Ansatz vertritt kein störungsspezifisches Konzept. Die präsentierte Störung gilt als die bestmöglichste Lösung für das familiäre System in einer Konfliktsituation zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit professionellen Helfern. Als Konsequenz wurde formuliert, dass der auch als „Indexpatient“ bezeichnete Symptomträger nicht der Kranke ist, sondern das relevante System – meist die Familie –, in der sich die Störung entwickeln konnte. Im weiterentwickelten Verständnis dieses Ansatzes sind die präsentierte Störung bzw. die sich darum gebildeten Interaktionen die derzeit für das relevante System bestmöglichste Lösung in einer Konfliktsituation. Konsequent ist daher eine wertschätzende Haltung für die bisher „gefundenen“ Lösungen. Eine spezifische systemische Methodik, z.B. für die Behandlung von Depressionen oder Angsterkrankungen, widerspricht dem Störungsverständnis systemischer Therapie, wenngleich sich in der Behandlungspraxis ein störungsspezifisches Wissen entwickelt hat.
Zentrale Annahmen der Krankheitstheorie sind:
Triebkonfliktmodell: Psychische und psychosomatische Symptome entstehen durch den Einfluss unbewusster psychischer Prozesse auf die aktuelle Konfliktbewältigung des Subjektes in der aktuellen Lebenssituation.
Entwicklungsdefizitmodell: Störungen der Persönlichkeit und des Selbstwerts erfolgen durch ungünstige Einflüsse auf die Entwicklung der Persönlichkeit auf den Ebenen Trieb, Objekt und Selbst in einer Phasentheorie der psychischen Entwicklung mit dazugehörigen Entwicklungsaufgaben und Möglichkeiten des Scheiterns.
Beziehungskonfliktmodell: Psychische Entwicklung und Subjektivität sind entscheidend bestimmt von der vor allem biografisch frühen Interaktion zwischen Subjekt und Personen der Umwelt, insbesondere der sozialisierenden Mutterperson.
Wirkfaktoren und Ziele
Unbewusstes bewusst machen: Durch die deutende (Deutung) Verbindung von aktuellen Konflikten mit biografisch früheren Konflikten, die vor allem in der aktuellen therapeutischen Beziehung auf der vor allem emotionalen, aber auch kognitiven Ebene wiederbelebt sind (Übertragung), kommt es zur Bearbeitung von pathogen wirksamen unbewussten Motivationen („Reste verbliebener Kindlichkeit“, Fürstenau) und damit zur Auflösung unbewusster Konfliktdynamik durch die Förderung von Einsicht in die Motive des eigenen Erlebens und Handelns.
Wiederherstellung von Erlebens- und Verhaltenskompetenz durch Veränderung der Selbstsicht und Selbstkontrolle. Aufbauend auf der genauen und individuellen Analyse des Problemverhaltens werden Lernsituationen geschaffen, die das Sammeln neuer Erfahrungen ermöglichen. Durch die durchgehend transparent gestaltete Vorgehensweise lernt der Klient die Einsicht in die Zusammenhänge und die Auftretenswahrscheinlichkeiten seines Problemverhaltens und kann diese Prinzipien auf ähnliche Problemsituationen anwenden. Ziel ist die schnellstmögliche Unabhängigkeit von der therapeutischen Unterstützung bei einer selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Lebensführung.
Therapeutische Interventionen zielen auf Veränderungen im Klientensystem ab. Hierbei geht es um eine Veränderung von zur Homöostase tendierenden Systemen mithilfe einer Initiierung von Irritation, die dann das erstarrte System in Bewegung und zu Neuorganisation bringt. Mit zunehmender Kenntnis der Wirklichkeitskonstruktionen des Klientensystems werden hypothesengeleitet anschlussfähige, aber prinzipiell verstörende Interventionen angewandt. Dem Therapieprozess gilt dabei besondere Aufmerksamkeit, um das Klientensystem einerseits im therapeutischen Prozess zu halten und andererseits mithilfe von als neu und ungewöhnlich erkannten Interventionen einen Veränderungsprozess zu initiieren. Die Veränderung selbst ist dann im systemischen Verständnis nicht das Ergebnis eines therapeutischen Einflusses, sondern die vom System selbst generierte Konsequenz einer mit gezielten Interventionen initiierten Irritation. Das Konzept der Selbstorganisation sowie die binokulare Theorie des Wandels komplettieren das Therapieprozessmodell der systemischen Therapie.
Befähigung zur reifen Konfliktlösung: Angemessene Konfliktlösung wird gefördert durch die Auflösung des Zwanges zur Wiederholung von biografisch früheren Konfliktlösungen (Wiederholungszwang), es kommt zur Nachentwicklung und Nachreifung der Persönlichkeit durch emotional korrigierende Erfahrungen im Rahmen der therapeutischen Beziehung.
Behandlungsmethoden
Die Behandlung basiert auf der Herstellung einer intensiven therapeutischen Beziehung durch Regression fördernde Interventionen, um bei dem Patienten für ihn typische Beziehungsmuster im seinem Erleben und Verhalten dem Therapeuten gegenüber auszulösen (Übertragung). Diese Übertragungsmuster entstehen durch die Aktualisierung biografisch früher Konflikte und Erfahrungen in der therapeutischen Beziehung. Sie werden unter Nutzung der subjektiven Reaktion des Therapeuten auf diese Übertragungsmuster (Gegenübertragung) erkannt und dem Patienten als die unbewussten Motive seines pathologischen Erlebens und Verhaltens aufgezeigt (Deutung), was häufig gegen seinen bewussten Willen (Widerstand) erfolgen muss. Die deutende Verbindung von biografisch früher Erfahrung mit aktuellen Konfliktkonstellationen, was zudem bezogen wird auf die therapeutische Beziehung (Deutung), hat die Auflösung des pathogenen Einflusses biografisch früher Konflikte auf die aktuellen Lebenssituationen zum Ziel.
kognitive Methoden: z.B. kognitive Umstrukturierung; sokratischer Dialog, Ziel- und Werteklärung
handlungsorientierte Methoden: z.B. Modelllernen; Üben, Rollenspiel, Training sozialer Kompetenz
emotionsorientierte Methoden: z.B. Konfrontationsbehandlung, Reaktionsverhinderung, Habituation durch Exposition, Genusstraining; Achtsamkeitsübungen werden mit dem Klienten zusammen ausgewählt unter aktiver Zustimmung des Klienten, Erfahrungen werden evaluiert und danach entweder Hypothesen in der Verhaltensanalyse verändert (bei Nichterfolg) oder Üben der neuen Methoden zur Verfestigung des Lernerfolgs beibehalten.
Merkmale einer systemischen Haltung: Allparteilichkeit, Lösungs-, Kundenorientierung
methodische Grundtechnik: Hypothetisieren („nehmen wir mal an…“)
Methoden:
strukturelle Methoden
strategische Methoden
symbolisch-metaphorische Methoden
zirkuläre Methoden
lösungsorientierte Methoden
narrative Methoden
dialogische Methoden
Therapeutische Beziehung, Interaktion
Die therapeutische Beziehung ist über die alltäglichen zwischenmenschliche Beziehung und die Arbeitsbeziehung hinaus vor allem durch die problembestimmte Übertragungsbeziehung charakterisiert, in der sich biografisch frühere Konfliktkonstellationen manifestieren (Problemaktualisierung), die dann der Deutung zugänglich sind (motivationale Klärung) und zu einer nachhaltigen Problemlösung führen (Problembewältigung). Die therapeutischen Grundhaltungen sind wohlwollende Neutralität und Abstinenz bei einer manchmal zwar frustrierenden, da direkte Befriedigung verweigernden, aber immer gleich bleibend unterstützenden, dabei aber wesentlich nicht direktiven Beziehungsdimension. Die therapeutischen Interaktionen sind überwiegend bestimmt durch eine Haltung des Spiegelns und Deutens. Die reale Persönlichkeit der Psychotherapeuten bleibt als Projektionsfigur und somit Spiegel für den Patienten im Hintergrund. Eigene Bedürfnisse und Wünsche des Therapeuten müssen als Gegenübertragung reflektiert werden und dürfen nicht agiert werden.
Therapeutische Arbeitsbeziehung zwischen einem professionellen Fachmann und einem an die Grenzen eigener Problemlösekapazitäten gekommenen Hilfesuchenden. In der Verhaltenstherapie liegt von Beginn an die Verantwortung für den Veränderungsprozess beim Klienten, der Therapeut kann beratend, korrigierend, konfrontierend oder stützend begleiten – der Klient hat jederzeit das Recht, Themen oder Techniken abzulehnen, die Therapie zu beenden oder bei seiner eigenen Sichtweise zu bleiben. Die Interaktion ist asymmetrisch, der Therapeut versucht die Wahrnehmung von Erfolgserlebnissen zu fördern und Misserfolgsorientierungen zu hinterfragen. Die therapeutische Interaktion ist handlungsorientiert, problem- und aufgabenbezogen, freundlich-sachlich ohne Interpretationen und Unterstellungen.
Der Patient und sein Umfeld sind Experten für ihren Alltag, der Therapeut ist der Experte für potenziell hilfreiche Gespräche. Das hervorstechende Strukturelement der systemischen Therapie ist eine Psychotherapie mit mehr als einer Person. Dieses Strukturelement findet sich auch in der Einzeltherapie: Interventionen rufen unweigerlich Auswirkungen auf das relevante Klientensystem hervor, die es zu beachten und zu nutzen gilt. Zur Beginn des Therapieprozesses ist das Therapeutenverhalten aktiv mit dem Ziel der Einleitung von Veränderung durch Verstörung, im Folgenden zurückhaltend zur Begleitung der initiierten Veränderungen.
Selbsterfahrung und Supervision
Die Selbsterfahrungfokussiert auf die Selbstanteile eines Therapeuten, die die psychotherapeutische Kommunikation mit dem Patienten und damit das therapeutische Geschehen beeinflussen. In der psychodynamisch orientierten Psychotherapie wird davon ausgegangen, dass sich die Problematik eines Patienten vielfältig in der therapeutischen Beziehung widerspiegelt (Übertragung und Gegenübertragung) und dass die Kompetenz zur beständigen Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion auch der eigenen unbewussten Dynamik bei dem Therapeuten unverzichtbar ist.
In der verhaltenstherapeutischen Weiterbildung sind 120 Stunden Selbsterfahrung in der Gruppe vorgeschrieben, außerdem besteht eine lebenslange Verpflichtung zu Supervision. Der Therapeut soll lernen, den Therapieprozess auf zwei Ebenen zu beobachten: im direkten Erleben der Situation mit dem Menschen gegenüber und auf der Metaebene mit der Frage, was zwischen diesen beiden Menschen passiert.
Ein Prototyp der systemischen Selbsterfahrung ist die Familienrekonstruktion nach Virgina Satir. Mithilfe von Livesupervisionen oft in der Technik des Reflectings Teams werden in der Supervision regelmäßig Selbsterfahrungsprozesse befördert und engmaschige Feedbackschleifen mit den Klientensystemen unterstützt. Supervision und Intervisionsprozesse sind selbstverständlicher Teil des im Berufsleben stehenden systemischen Therapeuten.
In der Supervision geht es vor allem um die Interaktion und insbesondere die Beziehung zwischen Patient und Therapeut, so wie sie sich auf den Dimensionen problembestimmte Beziehung (Übertragung/Gegenübertragung) und der Kollusion darstellt.
Kompetenzen
Der Umgang mit Regression und die interaktive Wahrnehmung unbewusster Motivationen gehören zu den spezifischen professionellen psychodynamischen Fähigkeiten.
Die Handlungsorientierung und ein Pragmatismus zählen sicherlich zu den Merkmalen der Verhaltenstherapie. Charakteristisch ist daneben ein „So-viel-wie-nötig-so-wenig-wie-möglich“-Vorgehen, das schrittweise Veränderungen impliziert. Außerdem ist die Verhaltenstherapie ein offenes Systemmodell, das Ergebnisse anderer Fächer schnell integrieren kann, also insofern „lernfähig“ ist.
Wesentliche Kernkompetenzen der systemischen Therapie sind das geteilte Expertenverständnis zwischen Patienten, deren Umfeld und den beteiligten Therapeuten sowie die Wertschätzung für die Lösungen des hilfesuchenden Systems.
Damit eröffnet sich für die Psychotherapie eine Perspektivenvielfalt, die es erlaubt, vor der Einleitung wie auch zu jedem Zeitpunkt einer Behandlung mehrere theoretische oder klinisch praktische Perspektiven einzunehmen. Das ermöglicht einen adaptiven Behandlungsprozess, der an den Notwendigkeiten und Bedürfnissen der Patienten orientiert ist. Der damit verbundene Perspektivenwechsel verläuft von einem methodenorientierten Ansatz hin zu einer patientenzentrierten Psychotherapie.
Die Perspektive der sich ergänzenden Grundkompetenzen lässt sich für alle Bereiche anwenden, so auch für Supervision und Selbsterfahrung.
Supervision Wie Supervision im Einzelnen durchgeführt wird, variiert entsprechend der jeweiligen therapeutischen Grundorientierung. In der Aus- und Weiterbildung erfolgt die Supervision mit festgelegten Mindestanforderungen im Einzel- oder Gruppensetting durch erfahrene und dazu legitimierte Psychotherapeuten. Über die Vermittlung von klinischem Wissen (Erkennen) sowie die theoretische Einordnung (Verstehen) und die Anleitung zur Anwendung therapeutischer Interventionen (Handeln) hinaus als die allgemeinen Grundlagen von Psychotherapie (► Abb. 2.4) geht es in der Supervision um die Interaktion und die Beziehung zwischen Patient und Therapeut, so wie sie sich auf den verschiedenen Dimensionen wie alltägliche zwischenmenschliche Beziehung, Arbeitsbeziehung, problembestimmte Beziehung und Kollusion darstellt (siehe dazu Senf et al. 2012 ► [49]). Die in der systemischen Psychotherapie genutzte Methode der Livesupervision, also der Supervision im Beisein des Patienten und während der Therapiesitzung, zeigt, wie diese Form der Aus- und Weiterbildung direkt für den therapeutischen Prozess genutzt werden kann.
Intervision In der Intervision, wie die Supervision zwischen professionellen Psychotherapeuten bezeichnet wird und die häufig in Intervisionsgruppen erfolgt (Rotering-Steinberg 1999 ► [43]), geht es vor allem um die Dimensionen der therapeutischen Beziehung. Während bei der Supervision in der Aus- und Weiterbildung noch das „Lernen“ im Vordergrund steht, soll die Intervision dabei helfen, Blockaden im therapeutischen Prozess zu erkennen. Eine zentrale Rolle spielen dabei vor allem die Anteile einer problembestimmten Beziehung oder gar einer Kollusion, was dem jeweiligen Therapeuten nicht bewusst ist. Für den im Berufsalltag stehenden erfahrenen Therapeuten stellt sich hier nur noch selten die Frage der Bezeichnung „super“ (im Sinne von „jemand könnte es besser wissen“ oder „inter“ (im Sinne von „was denken andere Kollegen). Viel bedeutsamer ist der Prozess der Erweiterung des Kontextes und der Komplettierung der Wahrnehmung durch die Hinzuziehung von Berufskollegen.
Eine Intervision oder Supervision bei einem erfahrenen Kollegen ist vor allem dann geboten, wenn es zu bestimmten Problemen in der Behandlung kommt. Da auch ein professioneller Therapeut in der psychotherapeutischen Kommunikation in schwierige Situationen geraten kann, ist Supervision bzw. Intervision eine unabdingbare Notwendigkeit für die gesamte Berufslaufbahn, die je nach Bedarf kontinuierlich oder auch diskontinuierlich erfolgen kann.
Selbsterfahrung Sie fokussiert auf die Selbstanteile eines Therapeuten, die die psychotherapeutische Kommunikation mit dem Patienten und damit das therapeutische Geschehen beeinflussen. In der psychodynamisch orientierten Psychotherapie wird davon ausgegangen, dass sich die Problematik des Patienten vielfältig in der therapeutischen Beziehung widerspiegelt (Übertragung und Gegenübertragung) und dass die beständige Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion für den therapeutischen Prozess unverzichtbar sind (vgl. auch Krause 1997 ► [34], Streeck u. Werthmann 1992 ► [50]).
Auch in der Verhaltenstherapie ist die Selbsterfahrung Pflichtbestandteil der Aus- und Weiterbildung (z. B. Hippler u. Görlitz 2001 ► [31]). Hier werden häufig strukturierte Themen wie „wo komme ich her?“, „mein Stand in der Gruppe“, „ich als Patient“, „ich als Therapeut“, „schwierige Therapiesituationen und Tabuthemen“, „Abschied nehmen und beendigen“ mithilfe von Übungen und Rollenspielen für die Teilnehmer erfahrbar gemacht. Dies soll die Selbstwahrnehmung fördern und bildet die Grundlage für therapeutisches, reflektiertes Interaktionsverhalten.
In der systemischen Psychotherapie ist ein Prototyp der Selbsterfahrung die Familienrekonstruktion nach Virgina Satir (v. Schlippe u. Schweitzer 2007 ► [45]
