Teufelstriller - Lena Avanzini - E-Book
Beschreibung

Ein wichtiger Musikwettbewerb. Eine berühmte Sonate. Eine tote junge Frau. Und ein schrecklicher Verdacht. Es ist Yasi, Olivias Freundin, die ermordet wurde. Hat Olivias eigener Vater ihre beste Freundin ermordet? Wem kann sie auf der Suche nach der Wahrheit noch trauen? Ein temporeicher und überzeugender Jugendkrimi der Glauser-Preisträgerin Lena Avanzini.

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Seitenzahl:223

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TEUFELSTRILLER

Lena Avanzini

Teufelstriller

Obelisk Verlag

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet

unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Neue Rechtschreibung

© Obelisk Verlag, Innsbruck ­ Wien 2015

Alle Rechte vorbehalten

Cover: h.o. pinxit

Bild: © photocase.de/emoij

Satz: Barbara Herrmann, Freiburg

Print ISBN 978-3-85197-791-2

E-Book ISBN 978-3-85197-814-8

www.obelisk-verlag.at

Inhalt

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Zu diesem Roman

Über die Autorin

Prolog

Vorsichtig richte ich mich auf. Überall ein Knistern und Knacken. Ein züngelndes Zischen wie aus einem Schlangennest. Ich schüttle die Benommenheit ab und rapple mich hoch. Feuer tanzt auf der zerbeulten Blechschnauze des VW Polo. Es breitet sich aus.

Ich humple näher an das brennende Wrack heran. Ganz nahe. Sehe ihn an seinem Gurt reißen. Etwas muss sich verklemmt haben. Er schlägt um sich, kann sich nicht befreien.

Schon kriechen die ersten Flammen durch die zerbrochene Windschutzscheibe ins Wageninnere und zucken nach seinem Gesicht.

Sein Schrei zerreißt die Dämmerung, schrill wie ein schlecht gespieltes Saxophon. Der Mund ist zu einem klaffenden Loch verzerrt. Jetzt sieht er mich an und bellt etwas.

Es klingt wie: „Hilf mir!“

Noch wäre Zeit, den Gurt mit dem Taschenmesser durchzuschneiden und ihn herauszuziehen; es zumindest zu versuchen. Doch ich bleibe stehen, bewege mich nicht. Balle die Hände zu Fäusten.

Seine Augen springen fast aus ihren Höhlen vor Angst. Wie sie flehen und betteln! Keine Spur von Überheblichkeit liegt in ihnen. Verschwunden ist das zynische Lächeln, das seine Demütigungen immer begleitete. In seinem Blick lese ich nur Panik und … Gewissheit. Er begreift, dass ich ihm nicht helfen werde.

Sein Hemd fängt Feuer. Dann kann ich nichts mehr erkennen, nur noch Flammen und schwarzen Rauch. Die Schreie verschmelzen zu einem heiseren Brüllen, das nichts Menschliches an sich hat.

Wenige Herzschläge später reißt das Brüllen ab, so plötzlich, wie man eine Schnur durchschneidet.

Es ist vorbei.

Wärme breitet sich in meinem Magen aus, eine gute Wärme, die mich die Schmerzen vergessen lässt. Ich spüre weder die Prellungen noch die vielen Schnitte, die ich mir beim Sturz durch die Windschutzscheibe zugezogen haben muss. Nur diese klebrige Flüssigkeit, die über meine Wangen und Hände rinnt.

Später, als die Sanitäter meine Wunden versorgen und mich in eine knisternde Metallfolie einwickeln, während sie flüsternd über den tragischen Unfall sprechen, ist das Gefühl immer noch da. Die Wärme, die mich einhüllt wie Musik. Wie der satte Klang tiefer Streicher. Wie das Vibrieren der Bässe in einem voll besetzten Orchester.

Noch nie habe ich mich so frei gefühlt.

1

Fünf Jahre später

Olivia ließ sich auf einen Stuhl in der letzten Reihe fallen und lehnte sich zurück. Ihr Herz klopfte jetzt ruhiger. Aber das Adrenalin, das es vor Kurzem bis in die hintersten Winkel ihres Körpers gepumpt hatte, wirkte noch nach. Ihre Finger simulierten Trommelwirbel auf den Oberschenkeln und die Ohrläppchen pulsierten, vermutlich leuchteten sie scharlachrot.

Und wenn schon. Sie wischte die feuchten Handflächen an der Hose ab.

Was für ein geiles Gefühl! Diesmal hatte sie ihr Marimba-Solo nicht versemmelt, sondern astrein abgeliefert. Trotz des Zitterns, das sie auf der Bühne überfiel, trotz des kalten Schweißes auf der Stirn hatte sie den Auftritt genossen, besonders das anerkennende Nicken des Dirigenten zum Schluss und den Applaus natürlich. Vielleicht wäre Schlagzeugerin doch kein so schlechter Beruf?

Sie seufzte. Seit sie das Musikgymnasium besuchte und regelmäßig üben musste, war die Begeisterung für ihr Instrument beträchtlich geschrumpft. Und der alte Kinderwunsch, Affenforscherin zu werden, war wieder aufgeflammt, so naiv er sich auch anhörte. Zum Glück brauchte sie sich noch lange nicht zu entscheiden.

Sie richtete ihre Augen auf Jay, der schräg vor ihr saß. Im selben Moment drehte er sich um, als hätte er ihren Blick gespürt. Er zwinkerte. Seine Mundwinkel zuckten und wanderten in Richtung Ohren. Einen Lidschlag lang blitzte Stolz hinter seinem breiten Grinsen hervor, dann schien er sich wieder im Griff zu haben. Zum Glück, denn was gab es Peinlicheres als einen stolzen Vater?

Das Konzert ging weiter. Neugierig linste Olivia in das Programmheft ihrer Nachbarin.

Giuseppe Tartini (1692–1770), Teufelstrillersonate in g-Moll, 3. und 4. Satz, las sie. Yasemin Gökdal, Violine und Lisa Baumann, Klavier.

Barockmusik, oh weh. Unweigerlich dachte sie an gepuderte Perücken, überflüssige Schnörkel und verstaubte Rüschengewänder. Das war nicht ihre Welt. Trotzdem klatschte sie begeistert, als Yasi und Lisa die Bühne betraten und sich gemeinsam verneigten. Sie betrachtete ihre Freundinnen und musste lächeln. Die beiden hätten wirklich nicht unterschiedlicher sein können: Lisa, die große Blonde mit den weiblichen Rundungen, trug ein tief ausgeschnittenes schwarzes Minikleid, das ein bisschen zu klein war. Genau den Hauch zu klein, den Jungs umwerfend fanden. Souverän nahm sie am Flügel Platz und schraubte in aller Ruhe den Klavierstuhl in die passende Höhe. Mit einer lässigen Kopfbewegung schüttelte sie ihre Mähne aus dem Gesicht und warf einen lasziven Blick in die Runde.

Yasi dagegen hielt den Blick gesenkt. Der bodenlange Rock, in dem ihr schmächtiger Körper fast versank, ließ sie wie Aschenputtel neben der schönen Stiefschwester aussehen. Eine rosafarbene Schleife zierte ihr Haar, wie kleine Mädchen sie trugen. Die hochgeschlossene Bluse passte farblich perfekt dazu.

Jetzt hob Yasi die Violine ans Kinn. Sie setzte den Bogen an und schaute zu Lisa, die zurücknickte. Der erste Geigenton erklang. Rein und klar erhob er sich über Lisas Begleitakkorde. Warm und satt füllte er den Raum, schwoll an und wieder ab und mündete in einen eleganten Triller. Eine melancholische Melodie entfaltete sich, die Olivia an ihre Lieblingssüßigkeit erinnerte: an zartbittere Edelschokolade mit Preiselbeerfüllung.

Auf den langsamen Satz folgte nahtlos ein schneller. Schon mit dem ersten Takt verwandelte Yasi sich vom unscheinbaren kleinen Mädchen in eine temperamentvolle Künstlerin. Ihr Bogen flog über die Saiten, er hüpfte, tanzte, strich und schlug. Es hätte Olivia nicht gewundert, wenn Funken geflogen wären. Sie konnte gar nicht mehr verstehen, dass sie Barockmusik je für langweilig gehalten hatte. Yasi brachte die Sonate zum Grooven und entfaltete dabei eine Virtuosität, die Olivia den Atem raubte.

Jay hatte einmal erwähnt, dass auch die berühmtesten Geiger dieses Werk fürchteten, weil es ihnen technisch und musikalisch alles abverlangte. Besonders der vierte Satz mit seinen Doppelgriffen und Trillern. Doch Yasi bewältigte die Teufeleien Tartinis, als wären sie ein Kinderspiel.

Noch ehe der letzte Ton verklungen war, brodelte die Aula des Musikgymnasiums unter dem Applaus der Zuhörer.

„Bravo!“, schrie Olivia und klatschte, bis ihre Handflächen brannten.

Nach dem Konzert scharte sich ein Häuflein Gratulanten um Yasi und Lisa. Lisas Freund Max drückte Yasi vorsichtig, als hielte er ein rohes Ei in Händen. Dann ging er mit hoch erhobenem Haupt an Lisa vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Die verdrehte die Augen und zuckte mit den Schultern. Das hieß wohl, dass sie sich tatsächlich von Max getrennt hatte, wie es seit Tagen vorherzusehen war. Schon wieder! Olivia schüttelte innerlich den Kopf. Sie fragte sich, wie lange es diesmal dauern würde, bis sich die beiden wieder versöhnten. Obwohl sie Lisa wirklich gern mochte, wunderte sie sich, dass der gutmütige Max ihr Gefühlschaos nicht längst satt hatte.

Philip Lessiak, der heute noch blasser aussah als sonst, überhäufte Yasi mit Lob. Sie wand sich. Komplimente machten sie immer verlegen. Lisa dagegen nahm seine Gratulation huldvoll entgegen und genoss die Aufmerksamkeit, als hätte sie mit ihren paar Begleitakkorden die Hauptrolle gespielt.

Jay drängte sich vor. Er schob Philip zur Seite und legte seine Hand auf Yasis Schulter.

Jetzt kann er seinen Stolz nicht mehr verbergen, dachte Olivia und grinste.

„Tops!“, rief er aus. „My oath!“ Wie immer in Momenten echter Begeisterung verfiel er in seine Muttersprache. Und als er noch „Wundervoll, Yasemin, ganz wundervoll“, hinzufügte, wusste Olivia, dass ihr Vater kein größeres Lob hätte aussprechen können. Kurz flammte Neid auf, den sie erschrocken wegwischte. Denn wer verdiente so ein Lob, wenn nicht seine talentierteste Geigenschülerin? Und wem gönnte sie es, wenn nicht ihrer besten Freundin?

„Und wie war ich?“, fragte Lisa und schenkte Jay einen ihrer berühmten Augenaufschläge.

„Frag lieber nicht!“ Er musterte sie mit gerunzelter Stirn „Beinahe du hättest die Aufnahme geschmissen mit diese abrupte Tempowechsel.“

Beinahe hättest du, korrigierte Olivia im Stillen. Mit diesen abrupten Tempowechseln.

„Ich verstehe nicht, wie kann man machen so viele Fehler in so wenige Noten.“

Lisa prallte zurück, als hätte Jay sie geschlagen. „Aber …“ Flammende Röte überzog ihr Gesicht.

„Zu deinem Glück Yasemin hat nicht sich rausbringen lassen.“

Lisa schoss ihm einen giftigen Blick zu. Dann drehte sie sich um und stakste hinaus.

Jay wandte sich wieder an Yasi. „Trotzdem die Aufnahme ist toll geworden, ich bin sicher.“

„… ist die …“, murmelte Olivia.

„By the way, die Stipendium von die Bartlmä-Messner-Stiftung ist ausgeschrieben. Ich möchte gerne, dass du bewirbst dich, Yasemin. Es geht um viel Geld. Damit du kannst an einer Musikhochschule studieren.“

Yasis Augen wurden groß und rund. „Aber es … es gibt doch bestimmt ältere und bessere Schüler, die …“, stammelte sie und drehte sich halb zu Philip um, der wie gebannt auf Jays Lippen starrte.

„Natürlich im ganzen Land da gibt es einige Geiger, who are keen on it – wie sagt man?“

„Die scharf darauf sind“, half Olivia aus.

„Schon zweimal Schüler von mir haben die Stipendium bekommen. Sie waren nicht halb so talentiert wie du. Ich bin sicher, du machst das Rennen.“

Yasi strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Sie schwieg, doch ihre Augen strahlten.

„Allerdings du musst nach Wien gehen im nächsten Schuljahr. Oder nach München. Ist das okay für dich?“

Olivia knuffte Yasi in die Seite. „Hey! Das ist eine Riesenchance. Sag schon Ja!“ Sie würde ihre Freundin zwar vermissen, aber sie konnten sich zumindest an den Wochenenden sehen und in den Ferien.

„Sicher. Das ist es ja, was ich mir immer gewünscht habe. In München hätte ich sogar Verwandte. Ich hoffe nur, Papa erlaubt es.“

„Das wird er“, sagte Jay. „Don’t worry, my dear. Das wird er.“

Als Olivia sich auf den Heimweg machte, sah sie Lisa bei den Garderoben stehen. Sie wischte mit einem Taschentuch in ihrem Gesicht herum und wirkte total aufgelöst.

Wenn es um Musik ging, war Jay manchmal zu hart. Am liebsten wäre Olivia hingegangen und hätte Lisa getröstet. Doch da steuerte Philip auf Lisa zu, strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn und legte den Arm um sie. Ein schmales Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.

Sie wird schneller über die Schlappe hinwegkommen, als man „Giuseppe Tartini“ sagen kann, dachte Olivia und verließ das Schulgebäude.

2

So euphorisch ihre Stimmung nach dem Konzert gewesen war, so tief sank sie im Lauf des nächsten Vormittags. Bis in den Keller. Der Lenz hatte sie vor der ganzen Klasse für die schlechteste Mathearbeit aller Zeiten gerügt. Das Schuljahr hatte kaum begonnen und sie stand bereits auf einer glatten Fünf. In Physik wurde sie aufgerufen, den Stoff der letzten Stunde zu wiederholen und handelte sich prompt ein Minus ein, in Geschichte kassierte sie ein weiteres Minus für mangelhafte Mitarbeit. Ihre Banknachbarin Yasi, die sonst immer fleißig einsagte, war in irgendwelche Träumereien versunken und ließ Olivia total im Stich. Als ob das nicht ausreichte, hatte Lisa in der großen Pause die ganze Klasse zu einer Party eingeladen, weil ihre Eltern ein paar Tage verreisten. Olivia hasste Partys.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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