Texas Wolf Band 79: Old Joe legt den Köder aus - Glenn Stirling - E-Book

Texas Wolf Band 79: Old Joe legt den Köder aus E-Book

Glenn Stirling

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Beschreibung

Banditen! Sie haben es auf eine Kiste voller Geld abgesehen, die Ranger Tom Cadburn bewachen soll – und der Weg zum Bestimmungsort der kostbaren Fracht ist lang. Gemeinsam mit einer harten, von ihm selbst zusammengestellten Mannschaft und mit dem alten Joe macht Cadburn sich daran, den brandgefährlichen Auftrag auszuführen. Sein treuer Timberwolf Sam darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Doch irgendetwas ist faul an der ganzen Sache. Der Ranger empfindet Misstrauen, zum Teil auch seinem Auftraggeber Pender gegenüber. Zu Unrecht? Die Reise durch die trockene Prärie verläuft zunächst ohne Zwischenfälle, aber die Ruhe ist trügerisch und schon bald kommt es zu einem ersten Zusammenstoß mit den Wegelagerern. Glücklicherweise entwickelt Old Joe einen heimlichen Plan, denn er ist womöglich noch argwöhnischer als sein Freund Tom. Auf einem Erkundungsritt muss dann Cadburn einen Augenblick des Leichtsinns bitter büßen …

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Glenn Stirling

 

 

Texas Wolf

 

Band 79

 

Old Joe legt den Köder aus

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

Copyright © by Author/Edition Bärenklau 

Cover: © Layout by Steve Mayer, 2022

Korrektorat: Antje Ippensen

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau.

 

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

 

Alle Rechte vorbehalten

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

1. Kapitel 

2. Kapitel 

3. Kapitel 

4. Kapitel 

5. Kapitel 

6. Kapitel 

7. Kapitel 

8. Kapitel 

9. Kapitel 

10. Kapitel 

11. Kapitel 

12. Kapitel 

13. Kapitel 

14. Kapitel 

15. Kapitel 

16. Kapitel 

17. Kapitel 

18. Kapitel 

19. Kapitel 

 

Das Buch

 

 

Banditen! Sie haben es auf eine Kiste voller Geld abgesehen, die Ranger Tom Cadburn bewachen soll – und der Weg zum Bestimmungsort der kostbaren Fracht ist lang. Gemeinsam mit einer harten, von ihm selbst zusammengestellten Mannschaft und mit dem alten Joe macht Cadburn sich daran, den brandgefährlichen Auftrag auszuführen. Sein treuer Timberwolf Sam darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Doch irgendetwas ist faul an der ganzen Sache. Der Ranger empfindet Misstrauen, zum Teil auch seinem Auftraggeber Pender gegenüber. Zu Unrecht? Die Reise durch die trockene Prärie verläuft zunächst ohne Zwischenfälle, aber die Ruhe ist trügerisch und schon bald kommt es zu einem ersten Zusammenstoß mit den Wegelagerern. Glücklicherweise entwickelt Old Joe einen heimlichen Plan, denn er ist womöglich noch argwöhnischer als sein Freund Tom. Auf einem Erkundungsritt muss dann Cadburn einen Augenblick des Leichtsinns bitter büßen …

 

 

***

 

 

1. Kapitel

 

Zuerst luden sie die Toten aus der Kutsche – fünf Männer, der älteste ein runzelhäutiger Lederstrumpf mit eisgrauem Haar, der jüngste fast noch ein Kind.

Die verdreckten und blutenden Reiter vom bewaffneten Begleitkommando traten zurück. Die Gesichter waren verkniffen, die Blicke düster, und die Lippen schmal. Heaton, der sie anführte, hakte langsam die Daumen hinter den Waffengurt.

»In Ordnung«, sagte er zu seinen Leuten und zu den zusammenströmenden Zuschauern mit großer Bitterkeit in der Stimme, »in Ordnung, wir haben die Kutsche durchgebracht und die Kiste dazu. Aber wir haben einen hohen Preis dafür bezahlt. Fünf gute Männer sind jetzt tot. Begraben wir sie, und dann sind wir hier fertig.«

Ein Mann mit einem langen braunen Tuchrock und mit einem gemütlichen Backenbart trat auf die Treppe der Kutschenstation. Er fingerte ein blütenweißes Taschentuch aus dem Rock und wischte die feuchte Stirn ab.

»Kommen Sie mir nicht so, Heaton!«, erwiderte er heftig. »Jeder wusste, worauf er sich einließ, Sie können mir nicht vorwerfen, ich hätte die Leute in den Tod geschickt. Es ist ein Revolverjob, und ich habe die entsprechenden Prämien bezahlt. Es hat mir keiner einen Vorwurf zu machen.«

Einen entsetzlichen Augenblick lang sah es aus, als wollte Heaton dem Mann vor die Füße spucken. Rechtzeitig besann er sich. Angesichts der Toten einen Streit vom Zaun zu brechen war schäbig.

»Sie haben bloß vergessen, uns zu warnen, dass das ganze Gesindel unter dem Himmel zusammenströmen wird, um diese Kutsche zu erwischen. Cass war der jüngste Mann. Ganze siebzehn. Er wird seine Prämie nicht mehr ausgeben. Wir sind fertig mit Ihnen, Pender!«

Der Mann mit dem Backenbart trat in den Hof. Der Agent und die Stationshelfer folgten ihm und betrachteten scheu die Toten.

»Sie haben einen Vertrag, Heaton!«, sagte Pender scharf. »Den werden Sie erfüllen. Oder ich sorge dafür, dass kein Hund mehr ein Stück Brot von Ihnen nimmt.« Die Reiter, die ihre Kugellöcher notdürftig verbunden hatten, begannen zu murren.

Heaton schnaufte schwer. »Davon, dass wir auf den ersten fünfzig Meilen den ersten Toten haben würden, stand nichts in Ihrem Vertrag. Auch nicht davon, dass wir auf den letzten zehn Meilen gleich fünf Männer verlieren würden. Nun gut, dieses Nest hier ist Sherman, und es liegt in Texas, und im Vertrag steht, dass wir diese Kutsche samt Inhalt durch Kansas und durchs Indianerterritorium bringen sollen. Bis nach Texas. Kein Wort mehr. Da ist die Kutsche, und hier ist Texas. Wir sind quitt, Pender.«

Er wandte sich seinen Leuten zu. Pender und der Agent eilten an den Toten vorbei zur Kutsche. Sie rissen den Schlag auf. Die mittlere Sitzbank im Passagierkasten war herausgebrochen. An der Stelle stand eine große eisenbeschlagene Kiste.

Der Anblick gefiel dem Agenten, und Pender sagte zufrieden: »Da ist sie ja, Gott sei Dank!«

Heaton hörte es, aber er tat nichts. Er sagte mit einer weichen Stimme, die nicht zu seiner groben Gestalt und nicht zu seiner eisenharten Art passte: »Begraben wir sie jetzt. Sie bekommen ihre Schießeisen und die Stiefel mit. Sie haben ja sonst nichts, an dem sie hängen.«

Hinten im Hof stand ein zweirädriger Karren. Zwei von Heatons Leuten rollten ihn heran, andere koppelten zwei Pferde von der Kutschenbespannung ab und banden sie vor den Karren.

Heaton selbst lud Cass auf. Er hielt die schmächtige Gestalt des Jungen wie eine Feder in seinen bärenstarken Armen und bettete sie ganz behutsam auf die Bretter des Karrens.

Eine ganze Weile stand er dann und hielt noch die Jacke des Toten gepackt, als wollte er Cass auf dieser Welt festhalten.

Einer der Männer trat heran. »Du musst ihn jetzt loslassen, Heaton. Wir wollen sie zusammen begraben.«

Heaton hob den Kopf. »Ja, das muss wohl sein«, sagte er mit rauer Stimme.

Vier Stationshelfer hatten inzwischen die eisenbeschlagene Kiste aus der Kutsche gewuchtet. Die Lederbandaufhängung des Kastens knarrte überlaut.

»Tragt sie ins Haus!«, befahl Pender und zog den Revolver. Er fuchtelte mit der Waffe. »Nur damit niemand auf dumme Gedanken kommt!« Er machte zwei Schritte auf Heaton zu. »Hören Sie, ich zahle Ihnen und Ihren Männern die doppelte Prämie, wenn Sie den Transport bis El Paso durchbringen!«

Keiner der Reiter vom Begleitkommando ging auf das Angebot ein. Und Heaton sagte schroff: »Nein!«

Pender ließ die Schultern etwas hängen. Fast hilfesuchend wandte er sich an den Stationsagenten. »Sam, sagen Sie es ihnen. Mit mir reden sie ja nicht mehr, scheint’s.«

Sam krempelte sich geschäftig die Hemdsärmel hoch und schob die Hände unter die Hosenträger. »Also, Leute, die Sache ist nämlich die, wir haben Texas Ranger für den Job gewinnen können. Schließlich ist das kein alltäglicher Transport. Die Jungens übernehmen die Kiste und bringen sie über die Piste, aber sie brauchen Hilfe. Eure Hilfe. Wie klingt das?«

»Wie viele Ranger?«, fragte Heaton knurrend.

Sam bekam irgendwie Magendrücken, jedenfalls krümmte er sich. Ziemlich kleinlaut maulte er dann: »Zwei – ein Captain und ein Ranger.«

Heatons buschige Brauen gingen in die Höhe. »Es klingt verdammt schlecht. Nichts zu machen. Wir reiten nach Hause!«

Die Absicht hatten auch seine Leute. Sie nickten.

Pender hantierte etwas fahrlässig mit dem Revolver. »Heaton, es ist ein faires Angebot.«

»Fair? Wissen Sie überhaupt, was das ist? Die Ranger springen mit beiden Füßen mitten in die Hölle, aus der wir gerade noch herausgekommen sind. Mein letztes Wort – nein. Und nehmen Sie Ihr verdammtes Schießeisen von meinem Bauch fort, sonst schlage ich Sie vor allen Leuten zusammen und nagle Sie mit Ihren fetten Ohren an die Tür!«

Erschrocken senkte Pender die Waffe, so dass der Lauf zu Boden zeigte.

Heaton gab seinen Männern ein Zeichen, und das Begleitkommando verließ mit der traurigen Fracht auf dem Karren den Hof der Station.

Betroffen wichen die Zuschauer zurück. Ein alter grauhaariger Mann stand unter ihnen. Nachdenklich strich er seinen Dachsbart aus, dann wandte er sich ab und überquerte hinkend die Straße.

 

 

2. Kapitel

 

Brühwarm berichtete Old Joe, was er gerade mit eigenen Augen und Ohren drüben im Hof der Kutschenstation mitbekommen hatte.

»Zum Teufel, Tom, ich glaube, dieser Pender mit seiner ganzen verdammten Kutschen- und Transportgesellschaft hat den Captain und dich reingelegt. Er hat euch angeschmiert. Und wie!«

»Es klingt wirklich nicht gut!«, räumte Tom Cadburn ein. »Sechs tote Männer! Kennst du diesen Heaton näher?«

»Das nicht, aber ich weiß, dass er ein eisenharter Brocken ist und früher Trecks auf dem Santa Fé-Trail geführt hat. Sein Name ist auf der Piste Legende. Im Krieg hat er für die Südstaaten gekämpft, danach den Treibherden den Weg nach Kansas an die Bahnlinie freigeschossen. Er hat seine Mannschaft behalten und übernimmt heiße Sachen, an die andere nicht mit dem Schürhaken drangehen.

»Also ein ehrlicher Mann?«, vergewisserte sich Tom.

»Durch und durch. Ein haariger Bursche, natürlich, aber er hat nie gegen das Gesetz gearbeitet, soviel ich weiß.«

»Hm!« Tom Cadburn schaute nachdenklich. »Und was ist nun in dieser gutbewachten Kiste?«

»Das wissen Pender und der Teufel allein!«, erklärte Old Joe mit großem Nachdruck. »Aber Schießpulver wird’s wohl nicht sein.«

»Nicht anzunehmen«, stimmte Tom zu. »Wie ich die Sache sehe, wissen außer Pender und dem Teufel aber auch andere Leute, worum es geht. Sonst hätte man schließlich nicht versucht, Heatons rauen Gesellen unterwegs die Haut abzuziehen. Ich habe das Gefühl, dass ich dringend mit dem Captain reden muss.«

»Mach’s gleich«, stichelte Old Joe, weil er merkte, dass Tom gereizt und in der richtigen Stimmung war, dem Captain auf den Hals zu rücken.

Tom ging den Captain suchen, und dabei fielen ihm brühheiß ein paar Dinge ein, die ihm seltsam vorgekommen waren. Zum Beispiel, als der Captain gesagt hatte, er solle schleunigst nach Sherman hinaufreiten und dort auf ihn warten. Besonderer Auftrag und so.

Na, da war er eben in Gewaltritten losgezogen. Old Joe hatte Mühe gehabt, mit seiner Maultierlady Rosinante Schritt zu halten. Und Sam, dem unverwüstlichen Schwarztimber, hatte auch jeden Tag unzufriedener geknurrt.

Schön, bei der Ankunft in Sherman an der Grenze zum Indianerterritorium war der Captain schon zur Stelle gewesen. Er war weit bequemer mit der Kutsche gereist und einen Tag zuvor eingetroffen. Und er hatte etwas von einem Transport gefaselt, der hier zu übernehmen sei. Die Rangertruppe hätte die Verantwortung, aber es komme eine gute Mannschaft mit.

Wenn der Captain sich derart ins Zeug legte, musste er eine Menge mehr wissen als nur das, was er freiwillig erzählt hatte.

Tom fand ihn unten im Speiseraum des Hotels. Er hatte einen Platz am Fenster und schaute düster. Gar keine Frage, er hatte gesehen, wie die Kutsche in die Stadt gebracht worden war.

Bei Toms Anblick versuchte er, ein freundliches Gesicht zu machen.

»Nehmen Sie Platz, Tom. Ein Drink gefällig?«

»Sparen Sie sich Ihre lärmende Fröhlichkeit«, knurrte Tom. »Da ist eine Kutsche in die Stadt gekommen, und die Mannschaft, die sie begleitet hat, musste Haare lassen. Ich wüsste gerne mehr darüber, denn ich habe ein Ziehen in der Magengegend, und das war noch nie ein gutes Zeichen.«

»Ja, schlechte Nachrichten sprechen sich leider viel schneller herum als gute«, meinte der Captain kummervoll. »Wegen der Kutsche sind Sie hier, Tom.«

Tom Cadburn begann Unheil zu wittern. »Moment mal, wir sind hier!«

Der Captain grinste etwas verzweifelt. »In gewissem Sinne ist das ja auch richtig. Ich übernehme diese Kutsche dort drüben in die Verantwortung der Texas Ranger, und Sie werden sie nach El Paso eskortieren.«

Ächzend ließ sich Tom auf einen Stuhl fallen. »Heißt das, ich muss einen Höllenritt nach El Paso machen, den Kopf für etwas hinhalten, von dem ich nicht den Schimmer einer blassen Ahnung habe, und Sie schaukeln gemütlich in einer Linienkutsche wieder heimwärts?«

»Was heißt gemütlich?«, entrüstete sich der Captain. »Sie scheinen unsere Kutschen und die miserablen Wege nicht zu kennen! – Ja, zum Teufel, Sie haben recht, Tom, darauf läuft es hinaus. Sie sind mein bester Mann. Ich wüsste keinen, dem ich diesen Job geben kann.«

»Das ist ein Befehl, nehme ich an?«

»Das auch, Tom. Machen Sie mir keine Schwierigkeiten, davon habe ich schon einen ganzen Sack voll. Ich hatte gehofft, Heaton und seine Mannschaft würden dabeibleiben, aber ich habe schon gehört, dass er aussteigt.«

»Ein kluger Mann und der Grund, warum er so alt geworden ist.«

»Auf Ihre Sticheleien kann ich gerne verzichten, Tom! Hören Sie zu, Pender und seine Frachtwagen- und Transportgesellschaft haben Beziehungen zu den höchsten Regierungsstellen …

»Freut mich für den Mann!«, warf Tom grimmig ein.

»Er hat sie spielen lassen, und man hat beschlossen, die Truppe der Texas Ranger heranzuziehen, damit er seinen Transport sicher durch Texas hindurchbekommt.«

»Aha, Sie werden deutlicher. Was ist das für ein Transport?«

»Eine Kiste, eine einfache, eisenbeschlagene Kiste.«

»Und für die Kiste sind eine Menge Männer bereits zur Hölle gefahren! Was ist in der Kiste?«

Der Captain zögerte. Schließlich meinte er: »Geld, Tom! Eine gewaltige Menge Geld! Die größte Summe, die in diesem Jahr nach Westen geht.«

»Wohin?«

»Nach Kalifornien, aber Sie sollen die Kutsche ja nur bis El Paso bringen. Dort steht eine Truppe bereit, die Pender angeworben hat.«

»Nur bis El Paso!«, höhnte Tom. »Ihre Witze waren noch nie gut! Zum Teufel, ich bin allein, bestenfalls habe ich Old Joe als Hilfe. Wobei noch sehr die Frage ist, ob er mitmacht, wenn er die genauen Umstände erfährt.«

»Der?«, machte der Captain im Ton eines Mannes, der immer etwas mehr weiß als seine Mitmenschen. »Der ist doch überall dabei, wo es brenzlig riecht.«

»Jetzt habe ich Sie! Die Sache ist gefährlich! Sie geben es zu!«

»Ihnen kann ich nichts vormachen. Natürlich ist der Auftrag gefährlich, Tom. Sehen Sie, als der Transport losrollte, wurden gleichzeitig vier Kutschen nach Westen in Marsch gesetzt. Mit Begleitkommando und allem Drum und Dran. Um eventuelle Banden, die hinter der Kiste und ihrem Inhalt her sind, hinters Licht zu führen. Es ist nicht gelungen.«

»Eine undichte Stelle, und Heatons Männer haben es ausbaden müssen.«

»Wahrscheinlich, aber das ist Sache von Pender. Ich habe gerade mit ihm gesprochen. Er wird Detektive seiner Gesellschaft einsetzen.«

»Davon werden die Toten nicht wieder lebendig. Warum hat er seine verfluchte Geldkiste nicht mit der Eisenbahn verfrachtet?«

»Im Frühjahr wurde der Zug überfallen und der Frachtwaggon mit den Wächtern und der Eisenkiste in die Luft gesprengt. Die Bahn musste den vollen Schaden ersetzen. Sie hat danach alle Transporte dieser Art für die Zukunft abgelehnt.«

»Aha!«, machte Tom. »Bei den noblen Beziehungen hätte Pender dafür sorgen können, dass die Armee seine verdammte Kiste nach Kalifornien schafft!«

»Das hat die Armeeführung abgelehnt. Tom, fragen Sie mir keine Löcher in den Bauch, ich weiß nicht, warum die gesamte Summe auf einem Haufen in Kalifornien benötigt wird oder warum sie nicht in Teilbeträgen durch den halben Kontinent gebracht werden kann. Die Gründe interessieren mich auch nicht.«

Tom konnte sich ein immer besseres Bild machen. »Dann hat wohl auch die Butterfield Overland Mail es abgelehnt, für Pender zu fahren?«

»Sie sagen es, Tom. Pender blieb gar nichts anderes übrig, er musste eine eigene Kutsche nehmen und eine Revolvermannschaft anheuern.«

»Bis er dann hier für Texas die Ranger gefunden hat, die ihm die heißen Kartoffeln aus dem Feuer holen und sich die Finger dabei verbrennen. Jetzt ist mir die Sache klar.«

»Pender wirbt eine Mannschaft an, die Sie und den Alten unterstützt«, versuchte der Captain Toms Bedenken zu entkräften.

»Ich bin schon zwei Tage hier, aber ich habe keinen Mann gesehen, der besser als drittklassig wäre«, sagte Tom.

»Na, es laufen aber einige Burschen herum, die aussehen, als könnten sie ein Gewehr halten und wissen, dass vorne eine Kugel rausfliegt, wenn sie hinten abdrücken.«

»Großartig!«, spottete Tom grimmig. »Die brauchen dann nur noch das Gewehr in die richtige Richtung zu halten, wenn’s darauf ankommt! Herrgott, zehn Meilen von hier soll Heaton einen mörderischen Angriff von Banditen abgewehrt haben. Das hat ihn fünf Männer gekostet. Wir haben doch sofort eine halbe Armee von Halunken auf dem Hals, sobald wir die Dächer von Sherman aus dem Blickfeld verloren haben! Da, schauen Sie rüber, und Sie wissen, wie die Chancen stehen!«

Der Captain blickte aus dem Fenster und nickte düster.

Vor der Kutschenstation waren Bewaffnete aufgezogen, die niemand näher als zwanzig Schritte an das verwitterte Gebäude herankommen ließen.

»Er hat alles aufgeboten, was er bekommen konnte«, meinte der Captain. »Auch die Stationshelfer. Er lässt es sich etwas kosten.«

Tom rollte sich eine Zigarette.

Der Befehl an die Truppe der Texas Ranger war von oben gekommen, der Captain gab diesen Befehl nur weiter. Daran war nichts mehr zu ändern. Aber die Sache missfiel Tom im höchsten Grade.

»Wie weit hängt denn Pender eigentlich drin?«, fragte er.

»Bis über die Haare. Er haftet mit seinem Kopf und mit seinem Vermögen dafür, dass das Geld sicher nach Kalifornien kommt.«

»So sieht der Kerl aber gar nicht aus mit seinem gemütlichen Backenbart.« Tom riss ein Streichholz an und hielt die Flamme an die Zigarette. Er blies eine Rauchwolke gegen das Fenster. »Vielleicht ist in der Kiste mehr drin, als sein Vermögen ausmacht, oder ihm sein guter Ruf wert ist.«

Der Captain riss die Augen auf, als säße statt Tom der leibhaftige Teufel an seinem Tisch. »Sind Sie wahnsinnig geworden? Halten Sie den Mund!«

»Ist das auch ein Befehl? Man wird sich ja Gedanken machen dürfen. Und ich muss mal verdammt scharf darüber nachdenken, wieso die Banditen gleich der richtigen Kutsche folgten. Wo ist denn die Fuhre eigentlich losgerollt?«

»Kansas City«, antwortete der Captain; er war sichtlich verstimmt.

Tom nickte und schaute trübe. »Das muss man sich vorstellen, die Burschen sind der Kutsche durch Kansas und das Territorium gefolgt! Und das werden sie auch durch Texas tun und uns so lange einheizen, bis sie uns haben. Ich bin wirklich ein bedauernswerter Pilger. Denken Sie sich eine hübsche Grabinschrift für mich aus, Captain!

---ENDE DER LESEPROBE---