TEXT + KRITIK 237 - Juli Zeh -  - E-Book

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Beschreibung

"Wir alle brauchen Autoren wie dich, die mit der Stärke ihrer Persönlichkeit und der Kraft ihres Ausdrucks gegen den Unsinn ankämpfen, der die Welt zu überschwemmen droht." Burkhard Spinnen in einer Laudatio auf Juli Zeh (*1974). Sie wird als politisch engagierte Autorin wahrgenommen, die sich in öffentliche Debatten einmischt. Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen vielbeachteten Gesellschaftsroman vorgelegt: ein Bestseller, der als Dreiteiler im ZDF filmisch adaptiert wurde. Zeh wird zudem oftmals geehrt; 2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Doch Kritik und Literaturwissenschaft begegnen der studierten Schriftstellerin und promovierten Juristin, deren Themen und Plot-Konstruktionen im Vordergrund ihrer Erzähltexte stehen, auch skeptisch. Komplexe Theoreme etwa der Physik ("Schilf") entwirft die Autorin im Genre des Kriminalromans. Durchgängig finden sich apokalyptische Szenerien: als Zeitdiagnose ("Spieltrieb") oder Vorausdeutung (wie in "Corpus Delicti" und "Leere Herzen"). Schlussbilder und Wendepunkte ihrer Narrationen oder grotesken Theaterstücke bieten überwiegend surreal überzogene Exzesse (etwa "Neujahr"), welche die vorigen, 'realistischen' Psychologisierungen ihrer Figuren auffällig und überraschend konterkarieren. Der vorliegende Band möchte dem besonderen, ja einzigartigen Rang Juli Zehs gerecht werden und versammelt deshalb Essays zu Einzelwerken, aber auch zu übergreifenden Fragestellungen sowie Gesamtdeutungen ihrer bisherigen Publikationen.

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Seitenzahl: 222

Veröffentlichungsjahr: 2023

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TEXT+KRITIK.

Zeitschrift für Literatur

Begründet von Heinz Ludwig Arnold

Redaktion:

Meike Feßmann, Axel Ruckaberle, Michael Scheffel und Peer Trilcke

Leitung der Redaktion: Claudia Stockinger und Steffen Martus

Am Reinsgraben 3, 37085 Göttingen

Telefon: (0551) 54 76 643

 

Print ISBN 978-3-96707-790-2 E-ISBN 978-3-96707-793-3

 

Umschlaggestaltung: Thomas Scheer

Umschlagabbildung: Amin Akhtar

E-Book-Umsetzung: Datagroup int. SRL, Timisoara

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlages. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag GmbH & Co KG, München 2023 Levelingstraße 6a, 81673 Münchenwww.etk-muenchen.de

Inhalt

Juli Zeh Anfänge nicht veröffentlichter und unvollendeter Romane

Stephen Brockmann Eine tragfähige Version des Liberalismus – die zeitgenössische Autorin Juli Zeh

Heribert Tommek Modern-episches Erzählen im Roman »Unterleuten«

Heinz-Peter Preußer Ungeheures, Unerhörtes. Groteske Plot-Twists in Romanen Juli Zehs – und in »Neujahr« insbesondere

Sarah Maaß Ein literaturpolitischer Sisyphos. Juli Zeh und ihre Preise

Agnes Mueller Paratext und Autorschaft. Mein Brief an Juli Zeh

Matteo Galli Juli Zehs brandenburgische Klischees

Michael Vauth »Leere Herzen« – Dystopischer Nihilismus

Christina Rossi Das Juristische im Literarischen. Juli Zeh als ›Dichterjuristin‹ und ihr Roman »Schilf« als ›Fall‹ interdiskursiven Schreibens

Michael Töteberg Transmediale Wucherungen. »Spieltrieb« als Kinofilm, als Mini-Serie im brasilianischen TV und als Theaterstück auf der Bühne

Heinz-Peter Preußer / Juli Zeh Über das Studium der literarischen Praxis und die Poetologie. Ein Gespräch

Auswahlbibliografie

Notizen

Juli Zeh

Anfänge nicht veröffentlichter und unvollendeter Romane

Zu meiner Schreibpraxis gehört es, viele Texte zu schreiben, die ich irgendwann aufgebe, vor allem Romane. Manchmal sind es nur Anfänge von zwanzig oder fünfzig Seiten; manchmal sind sie zur Hälfte oder zu zwei Dritteln erzählt; und es gibt auch Fälle, in denen der Text eigentlich schon fertig ist, ich mich aber trotzdem dagegen entscheide, ein Buch daraus zu machen. Je länger der letzte Arbeitstag an einem bestimmten Text zurückliegt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass ich ihn noch fortentwickele. Das ist das »Survival of the Fittest« in meinem kreativen Prozess. Unten vier Beispiele von Romanen, die es nicht geschafft haben. Die Datierungen sind sehr unpräzise, da es immer um lange Arbeitsphasen geht und ich mich meistens nicht genau erinnern kann, wann ich ein Projekt begonnen und dann wieder fallen gelassen habe.

»Die guten Jäger«, unvollendet, momentan ca. 250 Seiten (um 2017/18)

Alle Häuser im Viertel sind erleuchtet. Wenn nicht die großen Erkerfenster im Erdgeschoss, mit Blick auf Esstische, Kronleuchter und Bücherregale, dann jedenfalls ein paar kleinere im ersten Stock, hinter denen Menschen Zähne putzen, Augenbrauen zupfen oder im Bett sitzen und noch etwas lesen, bevor sie das Licht ausknipsen und sich hinlegen für die Nacht.

In den Vorgärten ist das Gras gemäht, ordentlich, aber auch nicht zu akkurat, mit einer kleinen Verbeugung in Richtung Natur wie bei einem gepflegten Fünf-Tage-Bart. Es gibt mehr Obstbäume als Zierbüsche, aber nicht Apfel, das wäre zu rustikal. Kirsche und Quitte stehen hoch im Kurs, und ich kann mir vorstellen, wie sie sich hier alle ihre selbstgemachten Gelees über die Zäune reichen. Es ist Ende April, die Bäume präsentieren stolz ihr hellgrünes Gewand. An den Kastanien hängen dicke, klebrige Knospen. Während ich an den Zäunen entlanggehe, wehen mich schwere Düfte an, als hätten die Häuser ihre Abendgarderobe mit einem satten Spritzer Parfüm ergänzt. Ansonsten riecht es nach dem Regen, der seit Wochen ständig fällt. Nach feuchtem Asphalt und nach Studienabschlüssen.

Im Vergleich zur Größe der Häuser sind die Gärten klein. Die Häuser stehen alle einzeln, es gibt keine DHHs, wie die Makler sagen. Aber die Makler sagen ohnehin nicht viel über dieses Viertel, außer, dass es unmöglich ist, hier etwas zu kriegen, es sei denn, man ist bereit, einen Mord zu verüben. Ich gehe langsam, das Viertel ist nicht groß. Ich schreite jede einzelne Straße ab. Ich fange an, die Menschen zu kennen. Familienväter mit grau melierten Schläfen, die die Küche aufräumen. Den Literaturkreis in der großen Gründerzeitvilla, der jeden Mittwochabend mit Weingläsern in Händen auf Korbmöbeln zusammensitzt, während einer aus einem Buch vorliest. Eine alte Frau, die vor einem Regal steht und nachdenklich etwas mustert, das ich nicht erkennen kann. Eine junge, die ein Baby durchs Wohnzimmer trägt, während sich ihre Lippen bewegen, vielleicht singt sie etwas. Eine Katze, die immer auf derselben Fensterbank zwischen zwei Kerzenleuchtern schläft. Ein Mann, der im ersten Stock an einem kleinen Fenster sitzt, eine Lupe wie ein Monokel ins Auge geklemmt; ich wüsste gern, woran er bastelt: Modellschiffe, Uhren, gefälschte Geldscheine oder ein Reichstagspuzzle aus 10 000 Teilen? Niemand hat Gardinen, Gardinen sind spießig, ich mag auch keine, und nicht nur deshalb, weil ich jetzt die bin, die draußen steht. Die Vorhänge dienen Dekorationszwecken, sie sind immer offen, nichts behindert die Sicht, außer fehlender Körpergröße. Ich muss alles sehen. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen, manchmal hüpfe ich, im Notfall klettere ich auch mal auf eine niedrige Gartenmauer. Nur in wenigen Häusern läuft ein Fernseher. Das ist kein TV-Viertel hier. Es ist ein Viertel der Bücher, Gespräche und Klavierstunden. Alle Räume, in die ich schaue, sind ordentlich, auch dann, wenn erkennbar kleine Kinder in den Häusern leben. Das ist eine Ausstellung, ein Museum menschlicher Perfektion. Hier leben Leute, die das Richtige wählen, das Richtige essen, die ihre Kinder richtig erziehen, Menschen mit interessanten Jobs und guten Freunden und ungewöhnlichen Urlaubszielen. Menschen mit zwei Autos, Menschen, die Schallplatten kaufen, die eine Dauerkarte fürs Schwimmbad besitzen oder ein hochmodernes Fahrrad oder wenigstens ein Paar teurer Joggingschuhe. Keine Aquarien, keine Wellensittiche. Dafür überall Katzen. Die Katze ist die Gallionsfigur des Dichterviertels. Trotz aller Gemeinsamkeiten ist jedes Exponat ein Unikum, jedes Haus anders als sein Nachbar, kleiner, größer, mehr Villa oder Würfel, jedes auf seine individuelle Weise perfekt. Das hat Gott gemeint, als er von der Krone der Schöpfung sprach.

Ich schlafe seit drei Wochen bei meiner Schwester Melanie auf der Couch und manchmal in einer kleinen Pension in Bahnhofsnähe, wenn mein Schwager Thomas wieder einmal ausgerastet ist, was ich ihm nicht verdenken kann. Meine Kinder kann ich nicht sehen, es sei denn, ich stelle mich in der großen Pause an den Zaun. Im Labor habe ich mich für sechs Wochen suspendieren lassen, es ging nicht mehr, meine Hände zitterten und warfen die Präparate von den Objektträgern. Meine Mutter ruft häufiger an als sonst, um sich an meiner Niederlage zu erfreuen. Meine Schwester behandelt mich, als ob jemand gestorben wäre, und vielleicht ist auch jemand gestorben, nämlich ich. Abends gehe ich möglichst lange spazieren, um Melanie und Thomas ein wenig Beinfreiheit zu gönnen, oder um dem engen Käfig meines Pensionszimmers zu entgehen, je nachdem, wo meine Tasche gerade steht. Ich gehe ins Dichterviertel. Ich laufe sämtliche Straßen ab. Ich habe entschieden, dass ich hier leben werde. Dass ich ein Mensch werde, der hier lebt. So wie die anderen. Ich habe ein Recht darauf. Ich bin mit einem Architekten verheiratet, der gut verdient. Ich habe zwei Söhne, für die ich alles tue. Ich habe mein Leben lang alles richtig gemacht und ich habe keine Ahnung, wofür man mich jetzt bestraft. Die 5-Zimmer-Altbauwohnung, in der Kujo jetzt mit unseren Kindern zusammenlebt, nachdem er mich ausradiert hat, als wäre ich schon immer ein Fehler im Gesamtbild gewesen, diese Wohnung mit alten Dielen und Stuck hat einen Balkon, auf dem selbstgezogene Tomaten stehen. Es ist Kujos Wohnung, aber es sind meine Tomaten. Sie sind eine Eintrittskarte ins Dichterviertel; ich brauche nur noch ein Haus für John, Simon, die Tomaten und mich, denn wir sind nicht schlechter als die Leute hier, wir können genauso gut sein, das verspreche ich dem Viertel, das ich im Dunkeln durchstreune, denn nichts anderes habe ich mein Leben lang gewollt. […]

»Packhof«, vollendet, aber unveröffentlicht, ca. 550 Seiten (um 2018–2020)

1 Ella

Die Sonne schien, und alle waren da. Die großflächige Wiese des Packhofs war gesprenkelt von kleinen Grüppchen: Jugendlichen, die miteinander plauderten, Hundespaziergängern, Müttern, die das schöne Wetter für ein Nachmittagspicknick mit ihren Kindern nutzten, oder Leuten, die einfach im Gras lagen und in den Himmel schauten oder ein Buch lasen. Bislang war der Sommer ziemlich mies gewesen. Jeder, der konnte, nutzte die Gelegenheit, um ein paar Stunden unter freiem Himmel zu verbringen.

Direkt am Havel-Ufer hatten die Schüler vom Dom-Gymnasium ihren Stammplatz. Ella lag zwischen Josie und Claudia. Alle drei trugen kurze Hosen und hatten sich so ausgestreckt, dass Gesichter und Arme von den Zweigen eines Ahornbaums beschattet wurden, während die Beine ordentlich Sonne abbekamen.

»Nervt schon, dass die jetzt hier rumhängen.«

»Ich versteh auch nicht, was die hier wollen. Die waren doch sonst immer bei den Rampen.«

In zwanzig Metern Entfernung hatte sich eine Gruppe »Gettokinder« niedergelassen. Das waren Leute aus der Plattenbausiedlung, die auf die »Nord« gingen und sich normalerweise am Rand einer Betonfläche trafen, die mit Halfpipes und Ramps für die BMX-ler bebaut war. Ab und zu ließen sie sich am Packhof sehen, wo sie wie Fremdkörper wirkten.

»Der Zigarettenqualm zieht hier rüber.«

»Sollen wir was sagen?«

»Bringt doch nichts.«

Josie setzte sich auf und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum. Die Gettokinder schenkten ihr keine Beachtung. Dabei sah Josie heute besonders gut aus, ihre langen roten Haare leuchteten in der Sonne, und das grüne, ärmellose Top passte perfekt zu ihrer schlanken Figur.

»Wenigstens haben sie keine Musik dabei.«

Sie hatten Musik dabei. Es dauerte nicht lange, bis eine Boombox aus irgendeinem Rucksack zutage gefördert wurde, und bald tönten die ersten Hip-Hop-Klänge herüber, Sido oder Bushido, Ella kannte sich nicht wirklich aus. Eine Mutter mit Kleinkind packte ihre Picknickdecke zusammen und zog an einen ruhigeren Platz um.

»Der Typ da ist doch schon zwanzig.«

Der Typ, den Josie meinte, war nicht besonders groß, aber drahtig; er sah aus wie einer, der bei Bedarf ungeheure Kraft entfalten konnte. Sein Kopf war kahlgeschoren, Arme, Rücken und Unterschenkel von unzähligen Tätowierungen bedeckt. An seiner Seite lag ein American Staffordshire Terrier, dessen Leine er sich um den Fußknöchel geschlungen hatte. Obwohl Ella Tiere, ganz besonders Hunde, über alles liebte, musste sie zugeben, dass dieses Exemplar gefährlich aussah. Die Augen wirkten viel zu klein im breiten Schädel, beim Hecheln bewegte sich die Zunge träge zwischen den kräftigen Eckzähnen, und irgendwie schien das Tier unverwandt zu ihr herüberzusehen.

»Guck mal, die Kleine da zündet ihm die Zigaretten an. Wie eine Sklavin.«

Der Tätowierte war offensichtlich Chef der Gruppe, älter als die anderen und der Einzige mit Hund. Die Gettokinder saßen um ihn herum, hörten zu, wenn er etwas sagte, und lachten, wenn er lachte. Ein etwa vierzehnjähriges Mädchen mit braunen Spaghettihaaren und einem viel zu warmen Armeeparka hing besonders fasziniert an seinen Lippen. Claudia hatte Recht – wenn der Typ eine neue Zigarette aus der Schachtel fingerte, hatte das Mädchen schon ein Feuerzeug in der Hand und wartete darauf, sie ihm anzünden zu dürfen.

»Die sehen echt alle so scheiße aus.«

Mit einem Seufzer ließ sich Ella zurück in die Wiese sinken und breitete ihr langes, haselnussbraunes Haar wie einen Fächer über das Gras. Irgendwie waren Josie und Claudia ihre besten Freundinnen, aber sie redeten manchmal einfach zu viel über andere. Ella wollte lieber in den Himmel schauen, Sonne tanken und nicht daran denken, dass bis morgen eigentlich noch ein Englischaufsatz zu schreiben war. Stattdessen stellte sie sich vor, dass in zwei Wochen die Ferien anfingen. Sie würde Unmengen Zeit für Mr. Wonderful haben, endlich den Stapel Bücher lesen, der schon seit Weihnachten auf ihrem Nachttisch lag, und dann würden sie noch für zwei Wochen nach Lanzarote fahren, mit der ganzen Familie, wie jedes Jahr.

»Jeder Mann in meiner Stadt versteht es, / Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. / Ein paar aufs Maul, dann hat sich das erledigt, / Denn Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.«

Das Lied, das gerade bei den Gettokindern lief, fand Ella gar nicht so schlecht. Auch wenn sie normalerweise lieber Adele oder Ed Sheeran hörte. Ihr Körper wurde schwer, die Arme schienen mit dem Boden zu verschmelzen. Der Himmel umspannte die ganze Welt. Ella schloss die Augen, ihre Gedanken begannen sich auf angenehme Weise zu vermischen. […]

Fragment aus »Mitternacht«, unvollendetes Projekt, ca. 800 Seiten (um 2000–2008)

[…] In der Nacht auf den 21. Dezember 1959 fiel kein gewöhnlicher Regen. Die Wasserschleier waren so dicht, dass sich nicht unterscheiden ließ, ob der Regen von oben nach unten oder von unten nach oben fiel: schnell oder langsam oder überhaupt nicht. Er schien einfach reglos vor dem Fenster zu stehen. Obwohl es noch nah war an Mitternacht, und obwohl keine Blitze den Himmel erhellten, trugen die Wolken ein graues Licht in sich. Die Hebamme ließ den schweren Vorhang los, er schwang zurück und schloss sich vor dem Fenster, durch das sie für einen Moment hinausgesehen hatte in das seltsam lautlose, unbewegte Inferno, in dem die Statuen, die sie erschreckt hatten, schemenhaft und steif aufgerichtet in einiger Entfernung rund um den Zierteich verteilt standen und nicht besser zu erkennen waren, als wenn der ganze Schlosspark bis hoch unter die Wolkendecke mit schmutziger, verdünnter Milch angefüllt gewesen wäre. Sie wirkten wie eine Versammlung erstarrter Berater, zu deren Füßen sich die beschnittenen Hecken hinduckten wie Tierwesen ohne Namen, ohne Gattung und Geschlecht.

Der Säugling hatte sich nicht zum Schreien bringen lassen. Kein Laut, kein Wort, kein Wispern war über seine Lippen gekommen, egal was sie mit ihm anstellte. Er hielt den Mund zusammengepresst wie einer, der bereits wusste, was sich lohnt und was nicht. Die Hebamme legte das Gesicht in die Hände und rieb sich die Stirn. Ein stummer Säugling, sagten die Alten, trägt den Teufel in sich.

Obwohl sie klein war, hatte sie den Spiegel hoch anbringen lassen. Wenn sie unmittelbar davor stand, gab er gerade ihren Kopf wieder. Ganz in der Ecke, eine kleine Kugel, auf dem unteren Rand des Goldrahmens balancierend und sonderbar anmutend unter der weiten, spiegelnden Fläche, die sich bis fast unter die Saaldecke dehnte und in der Breite gerade Platz fand an dem Wandstück zwischen den beiden Glastüren, durch die man die Terrasse mit der weiten, zum Park hinunterführenden Steintreppe von den äußersten Enden her betrat. Marianne mochte es, in Spiegel zu schauen, die einen großen Teil des Raumes zeigten, ihn um sich selbst verlängerten weit über die Mauern des Gebäudes hinaus, ohne dabei aber ihr eigenes Bild einzufangen. Wenn sie sich selbst sehen wollte, trat sie, wie jetzt, ganz nah vor die rechte untere Ecke; und da war ihr Gesicht, hinter der Scheibe wie am Grund eines gewaltigen Aquariums, in dem es Holzschnitzereien gab und Kronleuchter, die wegen der Stromkosten immer ausgeschaltet blieben. Marianne hatte keine Angst vor der Übermacht des Raums, auch nicht vor der Winzigkeit des eigenen Gesichts und seiner Einsamkeit. Der Anblick kam der Vorstellung, die sie von sich selber besaß, am nächsten. Der Spiegel zeigte immer das gleiche Bild: Mariannes Kopf im Raum ohne Körper, ob sie angezogen war oder nackt, im Morgenmantel oder Kostüm, ob sie zugenommen hatte oder schlank war. Er zeigte die Schwangerschaft nicht, die sie aufblähte, während sie an eben jener Stelle stand und auf das Einsetzen der Wehen wartete. Immer sah sie hier nur ihren Kopf, klein und rund und bereitliegend wie ein Golfball, der gleich in die Ferne hinausgeschlagen werden sollte. Die ganze Familie und alle Bekannten nannten Marianne nur »die Dame«.

Er war nicht so schön wie das Original, bei Weitem nicht so perfekt, die Haare kürzer, das Kinn durch einen Bart verunreinigt und die Gesichtszüge insgesamt weniger ausgeprägt, als hätte ein Künstler beim zweiten Mal schon keine Lust mehr gehabt, ganz so tief zu meißeln und zu schnitzen, ganz so sorgfältig auszuarbeiten, was ihm beim ersten Mal bis zur Perfektion gelungen war. Er ähnelte seinem Bruder nur wie eine flüchtig angefertigte Kopie dem eigentlichen Gegenstand. Trotzdem konnte die Dame nicht aufhören, ihn anzustarren.

Seine Augen lagen so tief in den Höhlen, als wollten sie verbergen, dass ihnen, obwohl sie vom gleichen dunklen Braun waren, das irritierende, rosskastanienhafte rote Leuchten fehlte, welches dem Blick des Älteren alles Menschliche genommen hatte. Jener hatte meistens zu Boden gesehen, so aufmerksam, als könnte er etwas beobachten, das sich unter der Erde abspielte. Wenn er dann unvermittelt den Kopf hob und der Dame direkt ins Gesicht schaute, erschrak sie immer wieder vor dem Gefühl, dass etwas Fremdes sie anblickte, etwas, das sich die menschliche Hülle mit Haut und Haaren nur übergezogen hatte wie ein Kostüm. Aus den Augen des jüngeren Bruders aber schaute der jüngere Bruder heraus und niemand sonst. Seine Erscheinung war gewöhnlicher und hatte trotzdem alle Köpfe im Saal wie die eines einzigen Wesens umgedreht, als er eingetreten und auf die Dame zugegangen war, so dass sie genau wie damals, wenn sie sich mit dem Älteren traf, zuerst das Aufsehen bemerkte, das er erregte, und dann ihn selbst. Aus dem nervösen Hin- und Wegschauen der Anwesenden ergab sich eine allgemeine Blickrichtung, anhand derer er sich im größten Gedränge hätte aufspüren lassen.

Einen Moment standen sie fassungslos voreinander, dann umarmten sie sich zur Begrüßung, spontan und heftig. Neben der eigenen Überraschung spürte die Dame auch die seine. Wenig hatten sie aneinander gedacht während der vergangenen vier Jahre und nicht gewusst, dass sie einander vermissten. Die Umarmung dauerte zu lange, wurde zärtlich ohne Grund, er streichelte ihren Rücken und sagte in ihr Ohr, zu dem er sich weit hinunterbeugen musste, dass sie ihm damals geholfen hatte. Sie war angenehm überrascht, obwohl das eigentlich keine Bedeutung besaß, jetzt schon gar nicht mehr. Sie hatte ihm früher, erklärte er, ein Stück weit den älteren Bruder ersetzt. Die Dame antwortete nicht, dass auch er, als halbes Kind, ihr diesen Mann ersetzt hatte, der sein Bruder war, weil sie wusste, dass es ihn gekränkt hätte. Sie freute sich, ihn zu sehen. In diesem Moment war er wie ein Gegenstand, dessen Verlust bereits verschmerzt ist, und der deshalb, wenn er unerwartet wieder auftaucht, ein Geschenk des Zufalls darstellt, das von Neuem zu besitzen größere Bedeutung hat als der erstmalige Erwerb. Damit er sie losließ, fragte sie nach seiner Familie, wie es, zum Beispiel, dem Vater gehe. […]

»Wolfenstein«, unvollendeter E-Mail-Roman, ca. 20 Seiten (um 2009)

Lilo an RoMa:

Es ist heiß. Grübele über »Größen des modernen Theaters«. Stoße auf kühl konzipierte Website. Danke! Lilo.

RoMa an Lilo:

Danke auch. Kühle Komplimente erfrischen an heißen Tagen.;-) Roland Marsala.

Lilo an RoMa:

Hören Sie. Hitze vorbei, rasselnder Regen über der Republik. Das bringt frische Frechheit: Kennen Sie diese Frau? Magistere noch immer über Theatergrößen. Tue alles für Trampelpfadinformationen. Formuliere Frage: Sind Sie Franziska von Wolfenstein begegnet? Ja oder nein. Lilo.

RoMa an Lilo:

Liebe Lilo. Begegnet, ja. Franziska und ich sind verheiratet. MfG, Roland Marsala.

Lilo an RoMa:

Drei Tage ins Land gegangen, Schock verwunden. Verheiratet!! So, so. Niederste Neugier, ununterbrochen Ungehörigkeit: Meinen Sie, ich kann Ihrer Frau mal mailen? Lilo.

RoMa an Lilo:

Franziskas Kontaktadresse finden Sie auf der Homepage. Die Nachrichten kommen zu mir, ich leite sie dann weiter. Roland Marsala.

Lilo an Wolfenstein:

Verehrte Frau von Wolfenstein. Ihr Mann erlaubte mir mehr oder minder, an Sie zu schreiben. Schreiben: Magisterarbeit über Größen der modernen Theaterwelt. Fragen: Per Bogen. Darf ich jenen Ihnen senden? Grüße auch an den Weiterleiter. Lilo, hochachtungsvoll.

RoMa an Wolfenstein:

Liebling, untenstehende Mail ist für Dich. Damit ich es später nicht vergesse: Ich habe nur auf deine Kontaktadresse verwiesen, sonst nichts »erlaubt«! Bis später, außerhalb des Netzes, ja? Roland.

Wolfenstein an Lilo:

Sehr geehrte Lilo, schicken Sie Ihre Fragen, dann entscheide ich, ob ich antworten will. MfG, Franziska von Wolfenstein.

RoMa an Wolfenstein:

Liebling, Du hast wieder mal aus Versehen die Reply-Taste gedrückt, die Mail ging an mich, den »Weiterleiter«. Ich schicke sie an diese Lilo, ok? Küsse Dich, R.

Lilo an Wolfenstein:

Frau von Wolfenstein, im Anhang angehängt anhängige Fragen. Hoffend auf Antwort, die mich zu ewigem Dank verpflichten würde. Lilo.

Wolfenstein an Lilo:

Entschuldigen Sie die Verspätung, ich war mit Hamlet auf Tournee. Heute sende ich Ihnen den ausgefüllten Fragebogen zurück. Herzliche Grüße von F. v.W.

Lilo an RoMa:

Ihre Frau liebt Sie. Sie Glückspilz, Sie. Lilo.

P. S.: Traurigkeit, Tiefsinn, Theater vertragen sich nur in wenigen möglichen Kombinationen. Trösten Sie sich: Mit Trübsinn hat das nichts zu tun. Findet – Lilo.

RoMa an Wolfenstein:

Süße, weißt Du noch, der Fragebogen, den Du neulich beantwortet hast. Könntest du mir den schicken? Reine Neugier. Wenn nicht, entreiße ich ihn Dir heute Abend – im Wespennest, wie wäre das? Essen um acht? R.

Wolfenstein an RoMa:

Du schmierst mir Honig ums Maul, dabei sammeln Wespen keinen. Ich würde ihn dir ja schicken, aber er ist weg. Ich finde ihn nicht in meiner Outbox. Das ist das alte Problem mit der Software, die Du mir installiert hast. Selbst schuld, alter Microsofthasser. Aber Essen kriege ich trotzdem, ja? Franziska.

RoMa an Lilo:

Liebe Lilo, können Sie den ausgefüllten Fragebogen noch mal zurückschicken? Frau von Wolfenstein ist er abhandengekommen. MfG, Roland Marsala.

Lilo an RoMa:

Nö. MfG.

RoMa an Lilo:

Bitte.

Lilo an RoMa:

Bitte? Bitte! So, so. Eine Bitte also. Liege im lila Licht auf dem Sofa und höre genau die richtige Musik. Kennen Sie, lieber RoMa mit dem hauptstädtischen Kürzel, die silbrigen Silben von Hensel, Römisches Rot rühmend? Schwingende, beflügelt geflügelte Wörter, durch halbes Dunkel mich hebend. Was ist dazu die richtige Musik?

Eine Bitte nämlich, sie ist ein steiniger Steg. Raten des Rätsels brächte Sie ein kleines Stück voran. Lilo.

RoMa an Lilo:

Lila Lilo, wenn ich mal ein klares Wort sprechen darf: Ich würde mich auf Ihren schrägen Blödsinn nicht einlassen – aber Hensel kenne ich zufällig, und das ist ein seltener Zufall! Ich habe noch nie jemanden getroffen, der Hensel kennt. »Der Winter ist in Rom / das Licht. Du bist das / Gift, an dem man lang- / sam stirbt. Und schön.« – Diese Zeilen sitzen mir wie ein Ohrwurm im Kopf, seit ich sie zum ersten Mal gelesen habe. Dabei halte ich sonst nicht viel von Lyrik. Die richtige Musik dazu, mindestens für Sie mit Ihrer Alliterationsmanie: zu Hensel passt Hentze, zwei Deutsche in Rom, schwebende Töne, Wörter, Geräusche, und alles wiederholt sich. Stimmt’s? R.

RoMa an Lilo:

War wohl die falsche Antwort? Oder sind Sie erstickt an Ihrem lila Licht? Falls Sie mal wieder Luft kriegen, schicken Sie doch den Fragebogen zurück. O.k.? Roland Marsala.

Lilo an RoMa:

Halali, Heureka und Halleluja. Ich wusste, dass Sie’s wissen. Hensel-Hentze bringen zehn Zähler. Das ist, RoMa, für den Anfang schon nicht schlecht. Zur Belohnung der Lila-Lilo-Lieblingsvers: Schon hat einer geblasen / zum großen Halali. Glück treibt / die Glücklichen vor sich her / wie Sauen durchs Dorf.

Getroffen – getroffen aber haben Sie mich nicht. Lilo.

P. S.: Im Postskriptum prüde die problematische Prämie. Hier bitte.

Frage 5) Lilo: Was ist Erfolg?

Frau v. W.: Das, was ich mir immer gewünscht habe.

Frage 6) Lilo: Wie kommen Sie beide mit dem Erfolg zurecht?

Frau v. W.: Immerhin leben wir davon. Ich mag Menschenmassen. Mein Mann möchte sich unterhalten, über Literatur, nicht über Publikumszahlen, und zwar zu Hause, nicht auf Partys, wo ich wie ein Zugvogel bin, der in einer Nacht mehrmals nach Süden fliegt und nur einmal zurück.

Frage 7) Lilo: Sind Sie glücklich?

Frau v. W.: »Das Glück treibt die Glücklichen / wie Sauen durchs Dorf«. Auf der Bühne fühle ich mich wie die Sau, zu Hause wie das Dorf.

Stephen Brockmann

Eine tragfähige Version des Liberalismus – die zeitgenössische Autorin Juli Zeh

Juli Zehs Romane kreisen um das Problem der menschlichen Freiheit. Dass die Autorin sich für den Liberalismus engagiert, wurde in ihrem zusammen mit Ilija Trojanow verfassten Buch »Angriff auf die Freiheit« (2009) deutlich, in dem sie die bürgerlichen Freiheitsrechte gegenüber den Sicherheitsansprüchen des Staates verteidigte. In diesem Buch traten Zeh und Trojanow als linke Kritiker US-amerikanischer Großmachtsansprüche und einer sich damit abfindenden Bundesrepublik auf. Auch in der Corona-Krise, über zehn Jahre später, setzte sich Zeh für die bürgerlichen Freiheiten ein. Da die Kritik an den Corona-Maßnahmen in der Bundesrepublik 2020 bis 2021 am sichtbarsten aus der Ecke der sogenannten »Querdenker«-Bewegung kam, erschien Zeh in der neuen Situation eher als ›rechts‹. In beiden Fällen äußerte die Autorin jedoch die gleiche Sorge um einen zu starken Staat und bestand darauf, die bürgerlichen Freiheitsrechte aufrechtzuerhalten. Nicht die Autorin hatte sich geändert, sondern der Diskurskontext war anders.

Die Sorge um einen starken Staat ist in Zehs Romanen weniger deutlich ausgeprägt als in ihren öffentlichen Beiträgen als Staatsbürgerin. In den meisten Romanen spielt der Staat kaum eine Rolle. Die großen Ausnahmen sind die zwei politischen Romane »Corpus Delicti« (2009) und »Leere Herzen« (2017).1 Der erste entwirft die negative Zukunftsvision einer Diktatur, in der es das Hauptziel des Staates ist, die Gesundheit seiner Bürger sicher zu stellen und die Behörden deswegen legitimiert sind, radikale Eingriffe in die individuelle Freiheit zu unternehmen. Die Autorin entwickelte diese Vision über zehn Jahre vor dem Anfang der Corona-Pandemie, in der Staaten rund um die Welt Eingriffe in die individuellen Freiheitsrechte ihrer Bürger unternahmen.

Auch in Zehs Corona-Roman »Über Menschen« (2021) drückt eine Figur die Sorge aus, dass »die Idee der Gesundheit […] die Idee der Politik verdrängen« wird, dass also der Staat, infolge seiner Bemühungen um die Gesundheit der Bürger, deren freiheitliche Grundrechte abschneiden könnte.2 Dass sich Zeh schon 2009 Sorgen um dieses Problem machte, ist ein Indiz nicht nur für ihre Weitsicht, sondern auch für die beachtenswerte Konsistenz ihrer Vision. Ihr Schriftstellerkollege Daniel Kehlmann räumte mitten in der Corona-Krise ein, dass der Roman »Corpus Delicti« in seiner Darstellung eines wegen seiner Gesundheitsbefugnisse totalitär geworden Staates »ein prophetisches Buch« gewesen sei, in dem Zeh eine Problematik »vor allen anderen erkannt« habe.3

Die andere Ausnahme zur weitgehenden Unsichtbarkeit des Staates in Zehs Romanen, »Leere Herzen«, ist weniger eindeutig auf einen starken Staat eingerichtet. Zwar spielt der Staat in diesem Roman eine Rolle, aber dieser ist eher zu schwach als zu stark. Der Roman handelt sogar von der Möglichkeit eines Staatsstreiches. In der nahen Zukunft wird Deutschland von einer illiberalen Regierung unter der Führung der »Besorgte-Bürger-Bewegung« (BBB, ein Echo der real existierenden Alternative für Deutschland, AfD) geleitet. Vorbereitet wird der Staatsstreich von Geheimdienstleuten, die der Idee einer liberalen, weltoffenen Bundesrepublik treu geblieben sind und deswegen gegen die rechtsradikale Regierung aufbegehren. Dieser Staatstreich wird jedoch durch die Hauptfigur des Romans vereitelt: eine zuvor ethisch fragwürdige, politisch enthaltsame Unternehmerin, die sich am Ende des Romans zur Erkenntnis durchringt, dass auch eine illiberale Regierung nur durch entschlossene liberale Handlung – sprich durch die in einer demokratischen Wahl zum Ausdruck gekommene Stimme der Wähler – entfernt werden darf: »›Diejenigen, die Freyer und Konsorten ins Amt gebracht haben, sollen sie auch wieder abwählen.‹« Schließlich »›sind [wir] noch immer eine Demokratie‹«.4