The Danger He Hunts - oder: Mr. John Hunt - Nadine Kapp - E-Book
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The Danger He Hunts - oder: Mr. John Hunt E-Book

Nadine Kapp

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Beschreibung

Er ist der Mann, den sie am meisten verabscheut … oder? Bereits bei ihrer ersten Begegnung verspürt Andi tiefe Abneigung gegen John Hunt, den zukünftigen Schwager ihrer besten Freundin. Ein eiskalter Investmentbanker und Draufgänger, ein Mann, der es anscheinend gewohnt ist, dass Frauen ihm hörig sind. Was Andi sich niemals eingestehen würde: Dass sein sexy Lächeln sie ebenso um den Verstand bringt. Und dass sie nach der Hochzeitsfeier seines Bruders eine Nacht voll explosiver Leidenschaft teilen. Ihre Anziehung ist unbestreitbar ... nur warum fühlt es sich so an, als würde sich hinter Johns Playboy-Fassade so viel Schmerz und eine tiefe Leere verbergen? Andi begreift, dass sie Johns Geheimnisse um jeden Preis ergründen muss – denn schon bald braucht sie sein Lächeln wie die Luft zum Atmen … Der dritte Roman der fesselnden »On the Hunt«-Reihe über zwei Brüder und zwei beste Freundinnen, zerrissen zwischen Geheimnissen, Verrat und tiefen Emotionen. Für Fans von Lucie Score und Ana Huang. Dieser Spicy-Romance-Roman ist bereits unter dem Titel »Mr. John Hunt« und dem Pseudonym Jane Arthur erschienen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Über dieses Buch:

 

Bereits bei ihrer ersten Begegnung verspürt Andi tiefe Abneigung gegen John Hunt, den zukünftigen Schwager ihrer besten Freundin. Ein eiskalter Investmentbanker und Draufgänger, ein Mann, der es anscheinend gewohnt ist, dass Frauen ihm hörig sind. Was Andi sich niemals eingestehen würde: Dass sein sexy Lächeln sie ebenso um den Verstand bringt. Und dass sie nach der Hochzeitsfeier seines Bruders eine Nacht voll explosiver Leidenschaft teilen. Ihre Anziehung ist unbestreitbar ... nur warum fühlt es sich so an, als würde sich hinter Johns Playboy-Fassade so viel Schmerz und eine tiefe Leere verbergen? Andi begreift, dass sie Johns Geheimnisse um jeden Preis ergründen muss – denn schon bald braucht sie sein Lächeln wie die Luft zum Atmen …

eBook-Neuausgabe Juli 2025

Ein eBook des venusbooks Verlags. venusbooks ist ein Verlagslabel der dotbooks GmbH, München.

Die Originalausgabe erschien 2018 bereits unter dem Pseudonym Jane Arthur und dem Titel »Mr. John Hunt« im Selfpublishing.

Copyright © der Originalausgabe 2018, 2024 Freya Miles & Nadine Kapp

Dave Jindal, Am Weidenbach 29, 50676 Köln

Copyright © der Neuausgabe 2025 venusbooks Verlag. venusbooks ist ein Verlagslabel der dotbooks GmbH, München.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung eines Motives von © SweetCommercial / Adobe Stock sowie mehrerer Bildmotive von © shutterstock

eBook-Herstellung: IGP (mm)

 

ISBN 978-3-96898-347-9

 

***

 

Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit gemäß § 31 des Urheberrechtsgesetzes ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: [email protected] . Mit herzlichem Gruß: das Team des venusbooks-Verlags

 

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Freya Miles & Nadine Kapp

The Danger He Hunts

On the Hunt – Band 3

 

venusbooks

Kapitel 1: John

 

Lautlos nahm ich mein Jackett von dem fremden Stuhl in dieser mir vollkommen fremden Wohnung und warf noch einen kurzen Blick auf die blonde Schönheit, die vor Erschöpfung tief und fest schlief. Ein weiterer One-Night-Stand auf meiner schier endlos langen Liste der bedeutungslosen Liebschaften, die ich über die Jahre angehäuft hatte.

Vor der Tür winkte ich mir ein Taxi heran und gab die Adresse meines Apartments in Manhattan durch. Die Kleine heute Nacht war wirklich wild gewesen. Würde ich mich ein zweites Mal mit Frauen treffen, wäre sie definitiv bei den Auserwählten. Da dies aber nie vorkam, brauchte ich mir auch keine Gedanken darüber zu machen, diese Frau jemals wiederzusehen.

In meinem Apartment angekommen, schmiss ich mein Jackett achtlos über einen der Esszimmerstühle und befreite mich von meinen Klamotten, um eine Dusche zu nehmen. Es war bereits spät. Morgen früh wartete meine Arbeit mit all den Zahlen wieder auf mich – und dort fragte niemand, ob ich meine Freizeit dazu genutzt hatte, mich auszuruhen oder mit halb New York ins Bett zu steigen.

Seit Jahren arbeitete ich als Investmentbanker bei Simmons, Anderson und Partner, was mir ein nettes Trinkgeld zu all dem Geld einbrachte, das ich dank Eric meins nennen durfte.

Meinem Bruder, Eric Hunt, gehörte mittlerweile ein beachtliches Imperium mit Firmensitzen in New York und Atlanta. Zu behaupten, mein Bruder würde im Geld schwimmen, wäre wahrscheinlich extrem untertrieben. Er besaß auf jeden Fall genug davon, um niemals in Geldsorgen zu kommen, so dass ich kein schlechtes Gewissen mehr dabei hatte, sein Geld anzunehmen, denn er ließ in diesem Punkt so oder so nicht mit sich reden.

Im Gegensatz zu mir war Eric deutlich weniger beziehungsgestört, was auch die Tatsache bewies, dass er bereits in der nächsten Woche seine Freundin Meredith heiraten würde.

Heiraten … Ich schüttelte bei dem puren Gedanken daran den Kopf. Meine Eltern redeten schon seit Jahren auf mich ein, versuchten mich davon zu überzeugen, endlich sesshaft zu werden und ihnen Enkelkinder zu schenken, doch das würde ja nun hoffentlich mein lieber Bruder übernehmen. Mein Bruder, für den ich nichts anderes als absolute Hochachtung empfand, denn egal vor welche Herausforderungen das Leben ihn stellte, er ließ sich nicht aufhalten. Seit einem schweren Verkehrsunfall vor einigen Jahren war er von der Hüfte abwärts gelähmt, ohne eine Chance auf Besserung. Er würde niemals aus diesem Rollstuhl aufstehen, niemals wieder laufen können, und doch baute er sich sein Imperium weiter auf. Mit Meredith hatte er nun eine Frau an seiner Seite, die ihn so akzeptierte, wie er war. Mit seiner Behinderung, mit seiner manchmal durchaus schwierigen Art, von der ich ebenfalls eine gehörige Portion abbekommen hatte. Ich ließ mir ungern etwas sagen und stellte die Regeln, nach denen ich mein Leben lebte, lieber selbst auf, als mich von irgendwem bevormunden zu lassen.

Ich duschte ausgiebig, bevor ich den Fernseher einschaltete, um sinnlos durch die Programme zu zappen. Eigentlich hasste ich es, fernzusehen, aber noch mehr hasste ich die Stille und Einsamkeit in meinem Apartment. Ein Widerspruch in sich, war ich doch stets darauf bedacht, allein sein zu wollen … Ich hatte es nicht anders verdient …

 

»Guten Morgen, Josefine. Alle neuen Statistiken bitte sofort in mein Büro.«

Meine persönliche Assistentin schenkte mir wieder einmal dieses verträumte Lächeln und ich hatte fast Mitleid mit ihr. Sie warf sich mir schon seit Jahren an den Hals, aber ich würde es niemals mit ihr treiben. Dafür schätzte ich ihre Arbeit zu sehr und sie jeden Tag wiedersehen zu müssen, entsprach nicht meinem Stil. Außerdem wäre das Drama dann schon vorprogrammiert.

»Ihr Bruder auf der 1«, gab Josefine durch, noch bevor ich mich an meinen Schreibtisch gesetzt hatte.

Verwirrt blickte ich auf die Uhr. Es war kurz nach sieben. Eric meldete sich nie so früh, dafür wusste er zu genau, wie sehr ich es hasste, morgens viel zu sprechen. Ich konnte nicht verhindern, dass meine Alarmglocken sofort schrillten. Bis zu einer Operation vor ein paar Monaten war es öfter vorgekommen, dass er mich anrief, da er meine Hilfe brauchte. Eric hatte nach seinem Unfall jahrelang unter schweren Spastiken gelitten, doch eigentlich ging es ihm mittlerweile gut …

»Hey, Mann, alles in Ordnung?«, fragte ich also sofort, nachdem ich das Gespräch entgegengenommen hatte.

»Dir auch einen guten Morgen. Alles bestens.«

»Wieso rufst du dann um diese Uhrzeit an, Mann? Du weißt, wie sehr ich es hasse, morgens mehr zu sprechen als unbedingt notwendig.«

Eric lachte. Im Gegensatz zu mir war er ein Morgenmensch – wie auch immer man so sein konnte. »Kannst du heute Abend vorbeikommen? Ich schreibe dir die genaue Uhrzeit noch.«

»Jetzt sag nicht, dass du es weiter versuchen willst«, sagte ich und schüttelte den Kopf.

Eric Hunt – unbesiegbar. Da war er wieder, dieser Wille meines Bruders, der zur Not auch mit dem Kopf durch die Wand gehen würde.

»Natürlich werde ich es versuchen. Mit oder ohne deine Hilfe. Also, bist du dabei?«

Ich seufzte, denn eigentlich hatten mir die vorherigen Versuche gereicht. »Schreib mir die Uhrzeit«, erwiderte ich und beendete dann das Gespräch.

Eric hatte sich in den Kopf gesetzt, für die Hochzeit mit Meredith einen neuartigen Hightech-Rollstuhl zu nutzen, in dem er stehen konnte. Er wollte mit ihr tanzen, einmal, Auge in Augen, doch die letzten Male hatten damit geendet, dass er bewusstlos geworden war oder sich die Seele aus dem Leib gekotzt hatte, weil sein verdammter Kreislauf bei diesem Projekt nicht mitspielte. Und doch wusste ich schon jetzt, dass er es schaffen würde. So war Eric. Er hatte bis jetzt alles geschafft.

Bereits kurz nach seiner Nachricht betrat ich die Penthousewohnung, die ich für Eric gekauft und eingerichtet hatte, nachdem klar gewesen war, dass er nie wieder in sein bisheriges Leben zurückkehren konnte. Etwas, das ihn noch immer schwer belastete, denn in dieser einen Sekunde war ihm alles genommen worden. Ein normales, unbeschwertes Leben, sein bisheriges Leben, ausgelöscht wegen einer verdammten Fehlentscheidung. Er war zu seiner Freundin ins Auto gestiegen, obwohl niemand mehr hätte fahren dürfen …

»Wie war dein Tag?«, fragte Eric und schenkte mir ein Lächeln, während ich mich zu ihm hinunterbeugte, um ihn zu umarmen.

»Ach, du weißt doch, die Tage muss ich überstehen, damit ich an den Abenden richtig Gas geben kann.«

Eric verdrehte kurz die Augen, was ich mit einem Lachen quittierte. Spätestens seitdem er mit Meredith zusammen war, versuchte er immer, mir Beziehungen schmackhaft zu machen. Für ihn war es scheinbar nur schwer zu akzeptieren, dass diese Art der Zweisamkeit für mich absolut nicht infrage kam.

»Komm, lass uns keine Zeit verlieren. Meredith ist mit Andi unterwegs, aber ich bin mir nicht sicher, wann sie wiederkommen.«

Seufzend folgte ich meinem Bruder in sein Büro und schüttelte den Kopf, als ich sah, dass er bereits einen Eimer bereitgestellt hatte. »Du rechnest doch selbst nicht damit, dass es funktioniert, oder?«, fragte ich.

»Ich habe noch ein bisschen Zeit bis zur Hochzeit und werde es versuchen. Jeden verdammten Tag. Wenn es nicht funktionieren sollte, dann ist es eben so, aber ich werde garantiert nicht aufhören, es zu probieren.«

»Was habe ich auch anderes erwartet. Also dann, auf in den Kampf.«

Ich fasste unter Erics Achseln und hob ihn von seinem Rollstuhl in den elektrischen Rollstuhl, wo ich ihn anschnallte.

»Drück dieses verdammte Knöpfchen langsam!«, sagte ich und umfasste bereits den Eimer, falls Eric sich übergeben musste. Bei den ersten Malen war er sofort bewusstlos geworden, ich hatte also keine Ahnung, was mich jetzt erwarten würde. »Ich sehe bereits an deinen Augen, dass dir schwindelig wird!«, sagte ich und legte meine Hand auf seine, damit er aufhörte, den Knopf weiter zu drücken.

»John!«

»Eric, gib dir etwas Zeit. Jetzt komm schon. Warte ein paar Minuten und wenn der Schwindel nachlässt, fährst du höher. Was bringt es dir denn, wenn du das jetzt schnell machst und dann wieder ohnmächtig wirst?«

Ich beobachtete meinen Bruder genau und positionierte meine Hände an seinen Schultern, als er den Knopf erneut betätigte. Ich wusste, dass er nicht umfallen konnte, doch so fühlte ich mich sicherer. Die Farbe wich bereits wieder aus Erics Gesicht, allerdings bei Weitem nicht so schlimm wie beim letzten Mal.

»Bist du noch bei mir?«, fragte ich, was Eric mit einem leichten Nicken beantwortete. »Dann sprich mit mir.«

»Alles gut.«

Seine Aussprache klang verwaschen und ich zog ihn ein Stück an mich, so dass sein Kopf an meiner Schulter ruhen konnte. Es war seltsam, ihn stehen zu sehen. Ich hatte vergessen, dass er sogar ein Stückchen größer war als ich.

»Bist du noch bei mir?« Ein leichtes Nicken an meiner Schulter. »Soll ich den Rollstuhl runterfahren?«

»Nein!« Die Entschlossenheit in seiner Stimme war ungetrübt und zu meinem Erstaunen hob Eric den Kopf und blickte mich an. »Es geht«, sagte er und ließ mich die Augen aufreißen.

»Kein Schwindel? Keine Übelkeit?«

Eric schüttelte den Kopf und ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, das ich sofort erwiderte.

»Du verdammter Mistkerl! Sollte sich dein Sturkopf also wirklich wieder auszahlen?«

»Es sieht ganz danach aus.«

»Aber tanzen muss ich jetzt nicht mit dir, oder?«

»Du darfst das gern, wenn du möchtest.«

»Ich liebe dich, so wie man einen Bruder lieben muss, aber das geht zu weit!«

»Ich sollte wieder runter, bevor ich mein Glück noch ausreize. Aber wenn wir es in den nächsten Tagen weiter probieren …«

»… dann wirst du es schaffen, so wie du bis jetzt alles geschafft hast.«

Langsam fuhr Eric zurück in eine sitzende Position und auch jetzt half ich ihm wieder in seinen anderen Rollstuhl, auch wenn er das perfekt allein konnte, so wie fast alles. Ich ließ mich auf meinen Platz auf Erics Couch sinken und akzeptierte den Whiskey, den er mir eingeschenkt hatte.

»Und, was macht die Frauenwelt im New Yorker Nachtleben?«

»Auf einen Hunt warten, definitiv«, entgegnete ich und warf einen verstohlenen Blick auf die Uhr. Es war noch deutlich früher, als ich es erwartet hatte, was mir tatsächlich noch die Chance gab, auch heute Nacht nicht ohne volle Befriedigung ins Bett gehen zu müssen.

»Du sagst mir aber Bescheid, bevor du in eine andere Stadt ziehst, weil du hier schon alles durchgevögelt hast, was nicht bei drei auf dem Baum ist.«

»Ach Bro, du sagst doch selbst immer, ich soll das Leben genießen, und das tue ich. Nur halt auf meine ganz eigene Weise. Fühlst du dich gut? Kein Schwindel, nichts?«, fragte ich nach, was Eric mit einem Kopfschütteln beantwortete.

»Du willst doch nur vom Thema ablenken.«

»Ganz im Gegenteil. Das ist genau das Thema. Wenn ich dich jetzt allein lassen kann, garantiere ich mir damit, heute Nacht nicht allein zu sein, wenn du weißt, was ich meine.«

»Du verbringst die Nacht doch so oder so allein. Oder hast du die Abneigung, dein Bett mit einer Frau zu teilen, abgelegt?«

»Nicht wirklich. Aber befriedigt zu schlafen ist schöner als …«

»Okay, okay, okay. Ich will keine Einzelheiten wissen. Mach dir einen schönen Abend. Ich melde mich dann wegen morgen.«

Wieder nahm ich meinen Bruder kurz in den Arm, bevor ich sein Penthouse verließ, um mich in das New Yorker Nachtleben zu stürzen. Es kostete mich jedes Mal aufs Neue Überwindung, ihn kämpfen zu sehen, selbst wenn das heute nichts im Gegensatz zu den grauenhaften Spastiken war, die er jahrelang durchlitten hatte. Ganz im Gegenteil. Es ging ihm gut und er machte wundervolle Fortschritte, doch das alles änderte nichts an der Tatsache, dass er nie wieder von allein vor mir stehen würde. Und das alles wegen dieser einen beschissenen Entscheidung vor all den Jahren …

Kapitel 2: Andi

 

»Was hältst du hiervon?«

Mer hielt mir fragend ein Stück Torte hin, das verdächtig nach einer Kalorienbombe aussah. Seit einer geschlagenen Stunde saßen wir bereits in dieser Konditorei und hatten so viel Kuchen probiert, dass mir allein bei dem Gedanken daran, je wieder in meinem Leben etwas zu essen, furchtbar übel wurde.

Ich schüttelte den Kopf und verzog dann das Gesicht. »Mer, wenn ich das jetzt noch probiere, werde ich mich übergeben. Das ist mein vollkommener Ernst.«

Meredith verdrehte die Augen und steckte sich dann das Stück in den Mund. Meine beste Freundin wirkte so, als müsste sie eine äußerst wichtige Entscheidung treffen, dabei ging es hier bloß um einen verdammten Kuchen für ihre Hochzeitsfeier.

Immer noch hatte ich ein ungutes Gefühl, was ihren Verlobten Eric Hunt betraf, denn immerhin saß er im Rollstuhl. Mer würde nie die Dinge tun können, die sie gern tat. Begonnen beim Tanzen bis hin zum Wandern. Doch ich konnte auch sehen, dass sie sich in der letzten Zeit verändert hatte. Auf irgendeine verrückte Art und Weise tat Eric ihr gut und mittlerweile hatte ich einsehen müssen, dass ich mit meiner Meinung eventuell doch falschlag.

»Ich schwanke zwischen der Schokoladentorte und der mit Erdbeere und Nuss. Das ist eine verrückte Kombination, aber irgendwie hat es auch etwas.«

Ich zog die Augenbrauen hoch. »Es ist nur Kuchen, Mer.«

Sie seufzte und ließ dann die Gabel sinken. »Es ist nicht nur Kuchen. Es wird der erste Kuchen sein, den ich als verheiratete Frau essen werde.«

Ich musterte Meredith und musste mir eingestehen, dass sie wie ausgewechselt wirkte. Eric löste etwas in ihr aus, das ich in diesem Ausmaß noch nie an ihr gesehen hatte. Sie wirkte glücklich. Richtig glücklich.

Als sie nach der Trennung ihres Ex-Freundes nach New York gekommen war, hatte ich keine Sekunde lang gezögert, sie bei mir aufzunehmen. Seither hatten wir gemeinsam in einer WG gelebt und ich liebte es, sie immer an meiner Seite zu wissen. Natürlich war sie jetzt, nachdem sie verlobt war, zu Eric gezogen. Zudem arbeitete ich als Grafikdesignerin bei Hunt Industries, was auch dazu geführt hatte, dass ich ihr dort ein Vorstellungsgespräch besorgen konnte. Eins führte zum anderen und Meredith wurde nicht nur die persönliche Assistentin von Eric, sondern würde ihn auch bald heiraten. Die perfekte Liebesgeschichte? Ich wusste es nicht. Wenn es eines gab, womit ich mich ausnahmsweise nicht auskannte, dann waren es Beziehungen. Ich ging gern auf Partys und genoss mein Leben. Natürlich hatte ich auch Sex, aber bisher war noch kein Mann dabei gewesen, der es wert gewesen wäre, ihn näher kennenlernen zu wollen. Vielleicht war ich zu wählerisch, doch ich war zufrieden mit meinem Leben. Ein Mann hätte sicherlich bloß alles verkompliziert.

Mer entschied sich für beide Torten und als wir uns vor der Konditorei verabschiedeten, wurde mir wieder einmal bewusst, dass ich in eine leere Wohnung zurückkehren musste. Ich hatte bereits vor einigen Tagen eine Annonce in die Zeitung gesetzt, in der Hoffnung, eine nette Mitbewohnerin zu finden. Heute würde eine Bewerberin erscheinen und ich hoffte, dass es passen würde.

Seufzend lief ich den Weg bis nach Hause und rieb mir fröstelnd über die Arme. Obwohl der Frühling eingezogen war, war es teilweise noch frisch und ich ärgerte mich, dass ich heute nur eine leichte Jacke trug.

Als ich zu Hause war, sprang ich schnell unter die Dusche und wartete dann gespannt auf die Bewerberin, von der ich bisher nur wusste, dass sie noch studierte und viel Wert darauf legte, dass in der Wohnung Ordnung herrschte. Aus diesem Grund hatte ich extra noch etwas aufgeräumt, um einen guten Eindruck zu machen.

Als es an der Tür klingelte, öffnete ich mit einem Lächeln auf den Lippen, das mir jedoch wieder verging, als ich auf die Frau starrte, die vor mir stand.

Ihre Haare waren zu einem strengen Dutt zusammengebunden und sie verzog keine Miene. Ihre Kleidung glich eher der meiner Grandma als der einer fünfundzwanzigjährigen Frau.

Ich räusperte mich und hielt ihr meine Hand entgegen, schließlich wollte ich nicht oberflächlich sein. »Hi, ich bin Andi.«

Sie zog ihre Augenbrauen zusammen und blickte zu meiner Hand, als würde ich unter einer ansteckenden Krankheit leiden. Ja, sie wirkte beinahe angewidert und sah dann von meiner Hand zu mir auf. »Ich bin Mary. Ich verzichte auf solche Förmlichkeiten, denn ich kann es nicht ausstehen, andere Menschen anzufassen.«

Okaaaaay. Lächeln, Andi.

»Äh, in Ordnung. Das ist … gewöhnungsbedürftig, aber ich schätze, damit komme ich klar.«

Ich machte einen Schritt zur Seite, damit Mary eintreten konnte, doch gedanklich wog ich bereits das Pro und Kontra ab. Gab es bisher überhaupt ein Pro?

Ich hatte mir vorgenommen, die Bewerber durch die Wohnung zu führen und ihnen alles zu zeigen, doch anscheinend legte Mary darauf keinen Wert. Stattdessen sah sie sich in jedem einzelnen Zimmer um, als erwartete sie die nächste Zombie-Invasion. Ich folgte ihr brav auf Schritt und Tritt, bis sie sich plötzlich zu mir umdrehte und die Nase rümpfte.

»Erinnerst du dich daran, dass ich schrieb, ich würde auf Ordnung und Sauberkeit bestehen? Hast du dich überhaupt auf meinen Besuch vorbereitet? So wie ich das hier sehe, bist du eine Katastrophe, was Hausarbeit angeht.«

Mary blickte zur Couch, auf der Mers Lieblingskissen lag, das aufgrund unserer Serienabende in Mitleidenschaft gezogen worden war. Es wies schon einige Flecken auf, doch das machte den Charme dieses Stücks aus. Das Kissen war gespickt mit so vielen Erinnerungen, dass ich es niemals übers Herz gebracht hätte, es zu entsorgen.

Ich räusperte mich. »Wieso sollte ich mich auf deinen Besuch vorbereiten? Immerhin bist du diejenige, die ein Zimmer sucht, und nicht ich. Oder liege ich da falsch?«

Sie wollte zickig? Sie konnte zickig haben!

Sie setzte ein mitfühlendes falsches Lächeln auf. »Wahrscheinlich hast du nur keine Erziehung genossen. Dann ist es natürlich klar, wieso du nicht weißt, wie man sich anderen Menschen gegenüber verhält.«

Es fehlte nur noch, dass sie mir die Hand tätschelte, dann wäre sie zu hundert Prozent meine Grandma.

So langsam platzte mir der Kragen. »Ich bin diejenige, die nicht weiß, wie man sich anderen Menschen gegenüber verhält?« Das sagte mir ausgerechnet die Person, die eine Phobie nach der anderen besaß? »In Ordnung, ich denke, du solltest jetzt gehen.« Nun war ich es, die ein gekünsteltes Lächeln aufsetzte.

Grandma Mary verdrehte die Augen und seufzte dann. »Es hätte sowieso nicht funktioniert.«

Ich lachte bitter. »Da muss ich dir recht geben.« Bevor ich ihr die Tür vor der Nase zuschlug, warf ich noch ein »Da würde ich doch eher mit John zusammenziehen« hinterher, denn das war die Wahrheit. Und jeder, der ihn kannte, wusste, was das bedeutete.

Kapitel 3: John

 

»Eric?«, rief ich, nachdem ich in der obersten Etage von Erics Sommerhaus in den Hamptons angekommen war, und wartete auf das »Hier« meines Bruders, das aus seinem Gästezimmer ertönte. Ich war mir nicht sicher gewesen, wo Meredith sich umziehen würde, und in den falschen Raum zu platzen wäre selbst mir unangenehm gewesen. »Hey! Oh Gott!«, entfuhr es mir sofort, als ich Eric erblickte, dem die Nervosität ins Gesicht geschrieben stand. Mein sonst so abgebrühter großer Bruder, der in seiner Firma Entscheidungen über Millionenbeträge fällte, saß auf dem Bett und wirkte, als würde er jeden Moment ausrasten. »Du kriegst jetzt aber nicht noch kalte Füße, oder?«, fragte ich, was das Lächeln auf Erics Gesicht zurückbrachte.

»Was würde ich für das Gefühl von verdammten kalten Füßen geben«, erwiderte er lachend und schüttelte dann deutlich ernster den Kopf. »Ich war mir in meinem Leben noch nie so sicher wie heute.«

»Aber …«

»Aber ich bin verdammt nervös. Was ist, wenn Meredith es sich doch noch anders überlegt? Was, wenn sie es ist, die kalte Füße bekommt? Was, wenn sie …«

»Woah! Hey, Eric! Durchatmen, okay? Meredith liebt dich und das weißt du ganz genau. Sie würde niemals wegrennen!«

»Ich weiß.« Eric zuckte mit den Schultern, während ich seinen Anzug aus der Kleiderhülle zog.