The Thrill He Chases - oder: Mrs. Andi Hunt - Nadine Kapp - E-Book
SONDERANGEBOT

The Thrill He Chases - oder: Mrs. Andi Hunt E-Book

Nadine Kapp

0,0
9,99 €
3,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 1,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Kann sie ihn zurück ins Leben holen? Andi hat sich ausgerechnet in den Mann verliebt, den sie niemals für den Richtigen gehalten hätte: Doch hinter John Hunts harter Schale als Boss eines New Yorker Firmenimperiums verbirgt sich ein Mann, der so intensiv liebt, dass es schmerzt. Aber ist Liebe wirklich bedingungslos? Immer wieder stößt er Andi von sich, wenn sie am verletzbarsten ist. Und alles, was sie sich von einem Leben mit John erträumt hat, droht in sich zusammenzubrechen, als sie eine erschütternde Wahrheit von ihm erfährt. John wird niemals wieder derselbe sein. Nun muss sich Andi der scheinbar unmöglichen Frage stellen, ob sich ihre Liebe aus den tausend Splittern ihrer zerbrochenen Zukunft neu zusammenfügen lässt? Der vierte Roman der fesselnden »On the Hunt«-Reihe über zwei Brüder und zwei beste Freundinnen, die trotz aller dunklen Stürme nie aufhören, für ihr Leben und ihre Liebe zu kämpfen. Für Fans von Brittainy C. Cherry und Colleen Hoover.  Dieser emotionale Liebesroman mit Ugly-Cry-Garantie ist bereits unter dem Titel »Mrs. Andi Hunt« und dem Pseudonym Jane Arthur erschienen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über dieses Buch:

 

eBook-Neuausgabe August 2025

Ein eBook des venusbooks Verlags. venusbooks ist ein Verlagslabel der dotbooks GmbH, München.

Dieses Buch erschien bereits 2018 unter dem Titel »Mrs. Andi Hunt« im Selfpublishing.

Copyright © der Originalausgabe 2018, 2024 Freya Miles & Nadine Kapp

Copyright © der Neuausgabe 2025 venusbooks Verlag. venusbooks ist ein Verlagslabel der dotbooks GmbH, München.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung eines Motives von © Anton Salnikov / Adobe Stock sowie mehrerer Bildmotive von © shutterstock

eBook-Herstellung: dotbooks GmbH unter Verwendung von IGP (mm)

 

ISBN 978-3-96898-337-0

 

***

 

Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit gemäß § 31 des Urheberrechtsgesetzes ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: [email protected] . Mit herzlichem Gruß: das Team des venusbooks-Verlags

 

***

 

Besuchen Sie uns im Internet:

www.venusbooks.de

www.facebook.com/venusbooks

www.instagram.com/venusbooks

Freya Miles & Nadine Kapp

The Thrill He Chases

Roman. On the Hunt 4

 

Kapitel 1 – Andi

Zwei Jahre zuvor

 

»Und du glaubst, dass wir das Richtige tun?«, fragte ich in die Stille hinein und erntete nur ein Stirnrunzeln.

John machte einen Schritt auf mich zu und umfasste mein Gesicht mit seinen Händen. Ich liebte es, wenn er das tat. Zusammen mit dem Blick, den er dabei aufsetzte, fühlte ich mich wie die wohl geliebteste Frau auf der ganzen Welt.

»Wenn ich nur den geringsten Zweifel daran hätte, würden wir beide nun nicht hier stehen«, flüsterte er, was mir ein Lächeln entlockte. Das schaffte er immer wieder. Seit wir erfahren hatten, dass der Tumor verschwunden war, wollten wir keine Zeit mehr verschwenden. Seine Krankheit hatte uns gezeigt, wie kurz das Leben sein konnte, und wir wollten nicht mehr warten. Dass wir somit ein gewaltiges Tempo an den Tag legten, störte uns nicht. Im Gegenteil. Während andere Paare sich über Monate, wenn nicht sogar Jahre hinweg kennenlernten, hatten wir all das übersprungen und nun standen wir hier.

»Trägt er eine Perücke?«, hörte ich Meredith neben mir fragen und zuckte mit den Schultern.

»Ich bin mir nicht ganz sicher.« Ich musterte den Mann vor uns, der gerade die letzten Vorbereitungen traf, und legte den Kopf schief. »Es wäre traurig, wenn das seine echten Haare wären.«

Eric, der neben John im Rollstuhl saß, schnaubte. »Worauf habe ich mich hier nur eingelassen?«

Ich kicherte, denn das war typisch Eric.

»Nun gut«, meinte der Mann im Elviskostüm, dessen Haare entweder echt oder auch nicht echt waren, und räusperte sich laut. »Wir sind heute hier zusammengekommen, um diese beiden …« Er warf einen hektischen Blick auf die Papiere, die vor ihm lagen, und ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Oh ja, das hier war nicht unbedingt das, wovon ich als kleines Mädchen geträumt hatte. Eine nicht so ganz perfekte Hochzeit in Las Vegas, die völlig spontan zustande gekommen war. Aber ich wusste, dass ich keinen Tag länger Andrea Moore sein wollte. Ich wollte, dass der Mann, den ich liebte, mein Ehemann wurde. Ich wollte Mrs. Andi Hunt sein.

»Also noch einmal. Wir sind heute hier zusammengekommen, um John Hunt und Andrea Moore den Bund der Ehe schließen zu lassen.«

Er plapperte ein paar Zeilen herunter, die er nach der wahrscheinlich fünfhundertsten Hochzeit immer noch nicht auswendig kannte, und noch bevor er die entscheidende Frage stellte, bejahte ich. Verflucht, ja, ich wollte! Und wie!

Nachdem wir die Ringe ausgetauscht hatten, erhielt ich den wohl filmreifesten Kuss, den man sich nur vorstellen konnte.

»Ich liebe dich«, flüsterte John und ich lächelte.

»Ich liebe dich auch.«

 

Heute

 

Zwei Jahre waren vergangen und ich wollte mir nicht einmal mehr vorstellen, wie mein Leben ohne John ausgesehen hätte. Seit wir die Krankheit besiegt hatten, waren wir um die Welt gereist, ganz so, wie wir es uns vorgenommen hatten. Wir hatten verrückte Dinge getan. Hatten in einem Baumhaus mitten im Dschungel übernachtet, was mir beinahe so viel Angst eingejagt hatte wie der Tumor.

Wir genossen unser gemeinsames Leben und ich fühlte, dass sich etwas zwischen uns verändert hatte. John und ich waren näher zusammengewachsen und es stimmte, wenn man behauptete, dass ein solches Erlebnis einen einander näher brachte. Der Tumor hatte John zum Positiven verändert, wenn ich in manchen Situationen auch manchmal verzweifelte, weil er verschiedene Dinge extrem fordernd anging. Die Geschwindigkeit war nicht die meine, aber ich nahm es so hin, denn ich liebte ihn.

Seit geraumer Zeit arbeitete John nun bei Hunt Industries, obwohl das immer das gewesen war, was er nie hatte tun wollen. Ich vermutete, dass der Hauptgrund darin lag, dass Eric mehr Zeit mit seiner Familie verbringen konnte. Wer konnte es ihm schon verübeln, dass er lieber bei meiner besten Freundin und ihrer gemeinsamen Tochter Rose sein wollte, anstatt in diesem stickigen Büro hoch über New York zu sitzen? Rose war zauberhaft und die Beziehung zu John war eine ganz besondere. Sie liebten einander so sehr, dass mir jedes Mal aufs Neue das Herz aufging, wenn ich sie gemeinsam sah. Natürlich dachte ich in solchen Momenten darüber nach, wie es sein würde, wenn auch wir irgendwann Kinder haben würde, doch der richtige Zeitpunkt dafür war noch nicht gekommen.

Immer noch bestand die Gefahr, dass der Tumor zurückkehrte, und auch wenn wir hofften, dass wir davon verschont bleiben würden, wollten wir kein Kind in die Welt setzen, das dann vielleicht schon nach einer kurzen Zeit seinen Vater verlieren konnte.

Wir hatten bereits einige Male darüber gesprochen und es für das Beste gehalten, noch zu warten. Wenn es jedoch so weit sein würde, wäre John der beste Vater, den die Welt je gesehen hatte. Er konnte so gut mit Rose umgehen, dass selbst Eric manchmal neidisch wurde.

Obwohl wir bereits viel durchlebt hatten, war ich mir sicher, dass ich mit John den Mann gefunden hatte, mit dem ich mein restliches Leben verbringen wollte. Sicherlich klang das total kitschig, aber es war die Wahrheit. Es machte mich glücklich, abends neben ihm einzuschlafen und morgens neben ihm aufzuwachen. Ich liebte es, mit ihm zu schlafen, die Art, wie er mich ansah, wenn er mir sagte, wie viel er für mich empfand. All diese Dinge waren es, die mich nie an der Liebe zu ihm zweifeln ließen.

Ich konnte mich nicht erinnern, wie es gewesen war, ein Leben ohne ihn zu führen, und das wollte ich auch gar nicht.

Kapitel 2 – John

 

Langsam drehte ich mich zur Seite und blickte zu Andi, die noch selig schlief. Ihr Mund war leicht geöffnet, ihre Atmung ruhig und vollkommen entspannt. Wenn sie wüsste, wie oft ich sie beim Schlafen beobachtete, würde sie wahrscheinlich einen Anfall kriegen, doch diese Momente blieben mein Geheimnis. Ich war oft vor ihr wach, eigentlich immer, denn Andi verstand etwas davon, ihren Schlaf bis zur letzten Minute auszunutzen, und das gab mir genug Zeit, sie einfach nur anzustarren. Ihre Schönheit zu bewundern und mich zu fragen, womit ich eine Frau wie sie an meiner Seite verdient hatte.

Andi Hunt hatte sich zu einem Zeitpunkt in mein Leben geschlichen, an dem ich mir nicht erlauben wollte, glücklich zu sein. Doch sie hatte mir all meine Zweifel genommen, nach und nach. Behutsam und mit einer Inbrunst und Liebe, die wahrscheinlich ihresgleichen suchte. Und dann war sie mit mir in die wohl schlimmste und dunkelste Zeit meines Lebens abgetaucht, ohne wegzulaufen, ohne sich je zu beschweren, ohne mich im Stich zu lassen. Wir hatten die schwerste Prüfung unseres Lebens durchgemacht, in einer Zeit, in der andere Paare damit beschäftigt waren, sich kennenzulernen, ihre Liebe zu genießen und wilde Zukunftspläne zu schmieden. Lange Zeit hatten wir nicht einmal gewusst, ob es so etwas wie eine Zukunft für uns geben würde. Lange Zeit hatte ich mich geweigert, weiter zu planen als bis zum nächsten Tag, und nur langsam, ganz langsam, gewöhnte ich mich mittlerweile daran, wieder in die Zukunft zu schauen. Eine Zukunft, die mir nicht mehr so unmöglich erschien … und doch …

Ich unterdrückte ein leises Seufzen, da ich Andi auf gar keinen Fall aufwecken wollte. Sie schlief so friedlich und diesen Frieden wollte ich ihr nicht nehmen. Mir war klar, dass sie bald selbst wieder daran denken würde, dass meine nächste Untersuchung in etwas mehr als einer Woche bevorstand. Wie immer vor diesen Terminen würden wir irgendwann aufhören, viel zu reden, da jeder von uns Angst hatte, das Falsche zu sagen oder etwas heraufzubeschwören, womit wir nicht umgehen konnten. Ich hatte Angst und ich wusste, dass es Andi genauso ging.

Während der vergangenen Jahre hatte ich mich immer und immer wieder gezwungen, mein Leben nicht von der Angst bestimmen zu lassen, eines Tages wieder ums Überleben kämpfen zu müssen, und doch war sie da. Die Angst, dass bei einer Untersuchung wieder etwas festgestellt wurde. Die Angst, dass der Krebs zurückkehrte und diese Zukunft, dieses Leben mit Andi, das ich so sehr wollte, sich einfach in Luft auflöste. Heute in einer Woche würde ich wieder in das Krankenhaus zurückkehren, in dem ich um mein Leben gekämpft hatte, um zu erfahren, ob ich weiterhin glücklich sein durfte oder ob in meinem Körper die nächste Hölle losgebrochen war.

Nun seufzte ich doch, da die Gedanken mich bereits wieder viel zu viel beschäftigten. Ich fühlte mich gut. Nein, nicht nur gut, ich fühlte mich wunderbar und tief in meinem Inneren ging ich davon aus, dass ich wissen würde, wenn etwas nicht stimmte. Es gab keine Kopfschmerzen, keine Doppelbilder, keine Konzentrationsprobleme. Nichts. Ich fühlte mich einfach nur wie ein kerngesunder, fitter, durchtrainierter junger Kerl mit einer wirklich heißen Frau an seiner Seite. Eine Frau, die ich am liebsten jetzt und hier lieben würde … doch dafür war ich zu spät aufgewacht. Wenn mein neuer Chef eins nicht tolerieren konnte, dann war es Unpünktlichkeit. Da zählte auch die Entschuldigung, dass ich sein Bruder war, kein bisschen.

Bereits kurz nach der Operation hatte ich meinen Job hingeschmissen und nachdem ich die gesamte Hölle aus Bestrahlungen und Chemotherapien hinter mich gebracht hatte, war ich mit Andi aufgebrochen, um die Welt zu entdecken und zu leben. Ich wollte mich nicht auf meine Arbeit konzentrieren müssen, wenn es so viele schöne Dinge gab, die ich auf gar keinen Fall verpassen wollte. Dank Eric war dies nicht nur für mich, sondern auch für Andi möglich gewesen, denn er hatte uns alle Zeit der Welt eingeräumt, um einfach nur das Leben zu genießen, ohne uns Gedanken um unsere Jobs zu machen. So war es dann auch dazu gekommen, dass ich nun als stellvertretender Geschäftsführer bei Hunt Industries arbeitete und Eric vertrat, wann immer er sich Zeit für seine Familie nehmen wollte. Jetzt, wo ich wieder voll belastbar war, vertrat ich ihn an zwei Tagen in der Woche komplett, während ich an den restlichen drei Tagen hauptsächlich die Geschäfte des Standorts in Atlanta übernahm. Ab und an musste ich auch dorthin fliegen, aber hauptsächlich konnte ich von New York aus alle Arbeiten erledigen, da Erics ehemaliger Stellvertreter als Hauptverantwortlicher nach Atlanta gewechselt war.

An der Seite meines Bruders zu arbeiten, war für mich mehr ein Segen als eine Herausforderung, da Eric und ich uns blind verstanden. Jahrelang hatte ich es mir nicht vorstellen können, in seine Firma einzusteigen, da ich mir etwas Eigenes aufbauen wollte. Doch auch mein angesehener Posten hatte mich nicht davor bewahrt, dass ich krank wurde. Mittlerweile liebte ich meinen Job bei Hunt Industries genauso sehr wie mein Leben mit dieser wunderschönen Frau an meiner Seite. John Hunt, der Womanizer, der frauenverschlingende Weiberheld, war endlich sesshaft geworden. Spaßhaft rätselte Eric noch immer darüber, ob es wohl Andi war, die mich gezähmt hatte, oder aber der Tumor, doch wir beide wussten, dass es die lange überfällige Aussprache zwischen uns beiden gewesen war, die mich auf den rechten Pfad zurückgebracht hatte.

Über Jahre hatte ich mir die Schuld daran gegeben, dass Eric bei einem schweren Unfall verletzt worden war und seither im Rollstuhl saß. Ich war der Meinung gewesen, dass ich ihn hätte abhalten können, doch Eric hatte mich längst eines Besseren belehrt, so dass ich mir endlich erlauben konnte, auch selbst glücklich zu sein.

Leise schlich ich mich aus dem Schlafzimmer, auch wenn ich nichts sehnlicher getan hätte, als Andi zu wecken und ihre sanften Lippen zu küssen. Doch ihr Arbeitstag begann erst in zwei Stunden, wieso sollte ich sie also aus dem Schlaf reißen? Wir hatten uns bis spät in die Nacht geliebt und sie brauchte ihren Schlaf definitiv, ganz im Gegensatz zu mir.

Selbst mit vier Stunden Schlaf war meine Laune noch immer bestens, als ich das Büro betrat und meine persönliche Assistentin Renata begrüßte. Sie hatte bereits zuverlässig dafür gesorgt, dass eine dampfende Tasse Kaffee zusammen mit einem Croissant und Erdbeermarmelade auf meinem Tisch standen. Zu Hause hatte ich nie Zeit, zu frühstücken, da nutzte ich sie doch lieber, um Andi beim Schlafen zuzusehen, aber im Büro brauchte ich mein kleines Frühstückchen, um in den Tag zu starten.

Was hatte ich mich damals immer über Erics Vorstellungen eines pünktlichen Kaffees und seinen genau durchgeplanten und ekelhaft strukturierten Tag lustig gemacht. Heute wusste ich, wie wichtig es war, um in einem Job wie diesem nicht vollkommen den Überblick zu verlieren. Gott, ja, ich war ein verheirateter Mann, der nur mit einer Frau schlief, die Abende gern auf der Dachterrasse verbrachte und einen geregelten durchstrukturierten Tagesablauf pflegte, und trotzdem war ich immer noch John Hunt. Auch wenn ich mir das manchmal selbst kaum glaubte, wenn ich an den alten John und all seine Frauengeschichten zurückdachte.

»Guten Morgen!«, erklang Erics Stimme und ich blickte verwundert von meiner Zeitung auf, die ich auch wie jeden Morgen bei meinem Frühstück studierte. Normalerweise trafen wir uns zu unserer Besprechung erst in einer halben Stunde. »Bezahle ich dich eigentlich wirklich dafür?«, fragte Eric und deutete auf meine Beine, die ich lässig auf dem Schreibtisch liegen hatte.

»Gott, Brüderchen, darf ich mal anmerken, dass du richtig scheiße aussiehst?«, fragte ich und klappte meine Zeitung zusammen. »Ist alles in Ordnung?«

»Nein, deshalb bin ich hier. Rose hat die ganze Nacht geschrien. Sie ist krank und ich bin total fertig.«

»Ja, das sieht man dir an. Willst du wieder nach Hause?«

»Ich habe heute ein paar wirklich wichtige Meetings …«

»Die ich durchaus und absolut ohne Probleme für dich übernehmen könnte und würde.«

Eric seufzte leise, während ich auf seine zuckenden Beine deutete. Normalerweise hatte er mit seinen Spastiken keinerlei Probleme mehr, außer wenn er unter enormer Anspannung stand.

»Hey, was ist los?«, fragte ich besorgt.

»Ich habe kaum gelegen, sie die ganze Nacht gewiegt, weil Meredith heute Nacht einfach nur fertig war. Sie hat ebenfalls Fieber und …«

»Gott, Eric, geh nach Hause! Genau für solche Fälle bin ich doch da. Deine Familie braucht dich jetzt dringender als deine Firma. Mach, dass du wegkommst. Ich werde Renata Bescheid geben, welche Unterlagen ich brauche.«

»Danke, Mann.«

»Nicht dafür. Und ruh dich ebenfalls aus! Diese Spastiken will ich nie wieder sehen, okay?«, fragte ich, was Eric mit einem müden Nicken beantwortete. Ich hatte ihn selten so fertig gesehen, außer damals, als er Tag und Nacht an meiner Seite gewacht hatte.

Widerwillig unterbrach ich mein Frühstück, um meinen Tag umzuplanen. Ich würde heute lange arbeiten müssen, aber ich tat es gern, wenn ich dadurch meinem Bruder etwas Arbeit abnehmen konnte. Er hatte schon so viel für mich getan, es freute mich, ihm endlich etwas zurückgeben zu können.

 

Zwei Tage später sah die Welt im Hause Eric Hunt auch schon um einiges besser aus, als ich zum Abendessen vorbeikam. Wir trafen uns regelmäßig bei Eric, da er mit dem Rollstuhl in seiner gewohnten Umgebung noch immer am besten zurechtkam. Außerdem war es für Mer und ihn einfacher, da Rose auch irgendwann ins Bett musste.

»Onkel John!«, rief der kleine Wirbelwind sofort, als er mich erblickte, und ich ließ mich auf die Knie sinken, um ihn in meine Arme zu schließen.

»Hey, da ist aber jemand wieder fit, was?«, fragte ich und hauchte einen Kuss auf das dicke schwarze Haar meiner Nichte.

»Rose war krank! Ganz dolle krank!«, sagte sie und ich lächelte bei dem Klang ihrer süßen Stimme. Sie war Eric wie aus dem Gesicht geschnitten und hatte selbst sein kleines Grübchen geerbt.

»Dein Daddy hat mir schon davon erzählt. Deshalb habe ich dir Dr. John mitgebracht. Ich hoffe, er kann das nächste Mal helfen, wenn sich die kleine Rose nicht gut fühlt«, sagte ich und zog einen kleinen Stoffteddybär mit weißem Arztkittel hinter meinem Rücken hervor.

Rose stieß einen quiekenden Laut aus, bevor sie mit dem Teddybären in der Hand auf meinen Bruder zulief und ihm direkt auf den Schoß kletterte. »Sieh mal, Daddy! John-Bär!«

»Besser als John-Boy«, entfuhr es Meredith, die ich ebenfalls mit einer Umarmung begrüßte, nachdem ich mich vom Boden aufgerappelt hatte.

»Geht’s dir auch besser?«, fragte ich, was sie mit einem Nicken beantwortete.

»Nichts, was Aspirin nicht wieder in den Griff bekommen würde«, erwiderte sie und ich folgte ihr in Richtung Esszimmer, wo Andi bereits wartete. Ich war direkt von der Firma hergekommen, wo ich erst noch eine Telefonkonferenz hatte beenden müssen.

»Hey, schöne Frau«, sagte ich lächelnd, als ich Andi erblickte, und küsste sie sanft, was Rose mit einem angeekelten Geräusch untermalte. »Du magst es scheinbar immer noch nicht, wenn sich Leute küssen, was, Rose?«, fragte ich, was die Kleine, die noch immer auf Erics Schoß saß, mit einem heftigen Kopfschütteln erwiderte.

»Nur Rose darf Küsschen haben!«, stellte sie klar.

»Ich debattiere ungern mit einer Zweijährigen, aber kleine Rose, da liegst du völlig falsch!«, sagte ich und warf einen Blick auf die Uhr. Es war schon verdammt spät, wahrscheinlich war die Kleine nur noch wach, damit ich sie wenigstens kurz zu Gesicht bekam. Oder aber, damit ich sie ins Bett brachte, so wie immer, wenn ich zu Besuch kam. Es hatte sich mittlerweile schon eingebürgert. »Muss das kleine Fräulein hier eigentlich nicht ins Bett?«, fragte ich, doch Meredith unterbrach mich sofort.

»Du bist gerade erst gekommen und hattest wahrscheinlich einen langen Tag. Es ist okay, wenn …«

»Onkel John bringt mich Bett!«, unterbrach Rose ihre Mutter direkt und stellte damit wieder einmal ihre Wünsche klar.

»Na, damit habe ich doch bereits gerechnet. Dann komm mal her, kleine Prinzessin. Sag Mommy, Daddy und Tante Andi gute Nacht.«

Vorsichtig hob ich Rose von Erics Schoß, die ein kurzes Winken für die Runde übrighatte, bevor sie ihre Arme um meinen Hals schlang. Wir hatten ein inniges Verhältnis und ich verbrachte so viel Zeit wie möglich mit diesem wundervollen kleinen Mädchen, das ich beinahe nicht kennengelernt hätte. Allein der Gedanke daran raubte mir die Luft zum Atmen. Sie aufwachsen zu sehen, ihr unbeschwertes Lachen zu hören, war das Größte für mich. Schon jetzt war nicht mehr viel von dem kleinen, hilflosen Baby übrig, das ich nur einen Tag nach seiner Geburt in meinen Armen gehalten hatte. Ganz und gar nichts. Mittlerweile wusste die Madame genau, was sie wollte, und das ließ sie ihr Umfeld auch deutlich spüren. Ganz der Papa, denn Eric hatte auch schon immer erreicht, was er erreichen wollte, ganz egal, welche Widrigkeiten ihm das Leben in den Weg stellte.

Ich putzte Rose’ Zähne, wusch ihr das Gesicht, wickelte sie, zog sie um und brachte sie in ihr Bett, so wie ich es immer tat, wenn ich bei Eric und Meredith war und sich der Tag dem Ende zuneigte. Wie immer las ich Rose eine Geschichte vor und wartete, bis sie eingeschlafen war, bevor ich das Licht in ihrem Zimmer dimmte und sie noch ein paar Minuten beobachtete. Voller Dankbarkeit und Freude darüber, sie zu kennen.

Auch am heutigen Abend fragte ich mich wieder, ob Andi und ich vielleicht auch eines Tages eine Familie gründen würden. Ich wusste, dass Andi bereit dazu war und nur darauf wartete, dass ich endlich bereit war, mit ihr in diesen neuen Lebensabschnitt zu starten, doch noch war ich es nicht. Ich konnte es mir vorstellen, ich wollte es sogar, doch die Angst machte es mir noch immer vollkommen unmöglich. Was, wenn der Krebs zurückkehren würde und ich die beiden allein lassen müsste? Das würde ich mir niemals verzeihen und das konnte ich auch keinem kleinen Wesen antun.

Heute in einer Woche würde ich wieder diese Untersuchung über mich ergehen lassen müssen und wenn ich dann noch immer krebsfrei war, wenn dann noch immer alle Zeichen auf eine gute Zukunft standen, würde ich Andi das langersehnte Zeichen geben, denn tief in meinem Inneren war ich so was von bereit und wünschte mir kaum etwas sehnlicher, als einen eigenen kleinen John oder eine eigene kleine Andi auf dieser Erde begrüßen zu dürfen.

Leise schloss ich die Tür zu Rose’ Zimmer hinter mir und setzte mich an meinen angestammten Platz im Esszimmer, direkt gegenüber von Eric und neben Andi.

»Ich frage mich jedes Mal auf Neue, wie du sie so schnell ruhig und zum Schlafen bekommst«, sagte Eric und schenkte mir etwas Wein ein.

»Alles eine Frage der richtigen Gute-Nacht-Geschichte«, sagte ich zwinkernd und drückte kurz Andis Hand. Wir hatten uns heute noch gar nicht gesehen. Ein Umstand, den ich eigentlich immer zu vermeiden versuchte. Dafür war es mir viel zu wichtig, keine Zeit zu verschwenden.

Wir sprachen ausgelassen beim Abendessen in einer Atmosphäre, die locker und gelöst war, bis mein Bruder die Frage stellte, die ich am liebsten noch länger ignoriert hätte.

»Wann ist dein Termin?«, fragte er und ich seufzte leise.

Andis Blick schoss nach oben, denn scheinbar hatte sie bis jetzt erfolgreich verdrängt, dass es uns wieder bevorstand.

»Entschuldigt, ich wollte nicht …«, begann Eric sofort, doch ich winkte ab.

»Nein, nein, kein Problem. Heute in genau einer Woche werde ich mich wieder all diesen Tests unterziehen müssen. Aber hey, ich fühle mich gut, es gibt keinerlei Beschwerden, von daher denke ich, dass wir ganz locker an diese Sache herangehen können.«

Ich schenkte Andi ein Lächeln und strich ihr kurz über die Wange, während ich hilflos dabei zusehen musste, wie der besorgte Ausdruck, den sie mir gegenüber so lange gezeigt hatte, wieder Einzug in ihr wunderschönes Gesicht hielt. Ab jetzt würde die Woche wieder so werden wie immer vor einem solchen Termin. Wir würden viel Zeit miteinander verbringen, so tun, als wäre nichts, und dabei kaum miteinander reden, um nicht das Falsche zu sagen. Gott, wie sehr ich diesen Termin hasste, egal wie notwendig er auch war.