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Olive O'Brien ist Plus-Size-Influencerin mit einer halben Million Followern und großen Träumen. Sie verspürt den immensen Druck, sich von anderen abzuheben und gleichzeitig sich selbst treu zu bleiben. Um damit fertig zu werden, findet Olive Trost an einem unerwarteten Ort: in den DMs von Jasper Rafferty, dem heißesten Filmstar der Welt. Hier fühlt sie sich sicher, ihre Hoffnungen, Ängste und Geheimnisse zu teilen, weil er sie ja nicht lesen wird. Bis er es doch tut. Irgendwie. Nach einem missglückten Interview hat Jaspers jüngerer Bruder Jude die undankbare Aufgabe, sich um die Social-Media-Konten seines Bruders zu kümmern, um dessen Image aufzupolieren. Olives Nachrichten sind unerwartet, und ihr Witz und ihre Verletzlichkeit wecken sein Interesse. Wie kann »Jasper« da nicht antworten? Je flirtender und persönlicher die Nachrichten zwischen den beiden werden, desto größer wird die Frage, was passieren wird, wenn Olive herausfindet, dass sie sich in einen Betrüger verliebt hat …
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Seitenzahl: 527
Veröffentlichungsjahr: 2026
Teagan Hunter
Übersetzt von Sandy Brandt
Copyright der deutschen Ausgabe. © 2026 VAJOSH Verlag GmbH
Copyright © 2024. THE DM DIARIES by Teagan Hunter
the moral rights of the author have been asserted.
All rights reserved
Vermittelt durch: Brower Literary & Management, Inc., 13720 Old St. Augustine Rd., Ste 8-512, Jacksonville, FL 32258, USA
Übersetzung: Sandy Brandt
Die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel
»THE DM DIARIES«.
Korrektorat: Désirée Kläschen und Sarah Neumann
Umschlaggestaltung: Diana Gus
Satz: VAJOSH Verlag GmbH, Oelsnitz
VAJOSH Verlag GmbH
Carl-Wilhelm-Koch-Str. 3
08606 Oelsnitz
Teil der SCHÖCHE Verlagsgruppe GmbH
Für Aimee,
die mich immer unterstützt und mich aus meiner Komfortzone herausgeholt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, das mit jemand anderem an meiner Seite zu schaffen.
Danke, dass du an mich geglaubt hast.
»Du bist ein Rafferty, verdammt. Sag ihnen, dass du keine Blumen in deiner Garderobe haben willst. So regeln wir das.«
»Es ist dumm, sich über Blumen zu beschweren, Jasper. Ich will nicht wie eine Diva wirken.« Wie du. »Ich versuche, in der Szene Fuß zu fassen, nicht, mir alles zu vermasseln.«
Ich fahre mir mit der Hand durch mein schmutzig-blondes Haar und merke zu spät, dass ich es besser nicht hätte anfassen sollen. Es war perfekt, und ich bin mir zu neunzig Prozent sicher, dass mich das Haar- und Make-up-Team mit ihren Bürsten verprügelt hätte, wenn sie mich dabei gesehen hätten.
Ich stehe von der Couch auf, die mir Rückenschmerzen bereitet, klemme mein Handy zwischen Ohr und Schulter und eile zum Spiegel, um sicherzugehen, dass ich meine Frisur nicht ruiniert habe. Ich fühle mich wie die Diva, die ich niemals sein wollte, während ich meinem Bruder am anderen Ende der Leitung zuhöre.
»Glaub mir, ich habe schon viel anspruchsvollere … nun ja, Forderungen gestellt. Als ich zum Beispiel schreckliche Kopfschmerzen hatte, habe ich alle Glühbirnen im Zimmer durch grüne ersetzen lassen, weil ich in einem Artikel gelesen hatte, dass sie Lichtempfindlichkeit reduzieren. Es ist nicht schlimm, sie zu bitten, diese furchtbar stinkenden Dinger aus deinem Zimmer zu entfernen. Niemand wird auch nur mit der Wimper zucken.«
Mein älterer Bruder hat wahrscheinlich recht, aber ich weiß, dass ich auch recht habe. Ich möchte nicht der Idiot sein, über den alle in der Branche hinter seinem Rücken wegen seiner ausgefallenen Sonderwünsche reden. Außerdem fange ich gerade erst an, mir eine Karriere aufzubauen, die nicht auf dem Ruf meiner Familie fußt, und ich brauche keine schlechte Reputation.
Ich reibe mir die Schläfen, gehe im Zimmer auf und ab und zähle jeden Schritt.
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht.
Ich drehe mich auf dem Absatz um und mache es noch einmal in die andere Richtung.
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht.
Das erste Interview zu meinem neuen Film hat noch nicht einmal begonnen, und schon muss ich mich übergeben.
Verdammte Scheiße. Jude Rafferty zu sein ist anstrengend.
Das liegt wohl in der Natur der Sache, wenn man der Sohn des einzigartigen Joel Rafferty ist, einem vierfachen Oscar-Preisträger, der die zweifache Oscar-Preisträgerin Camilla Owens geheiratet hat. Da meine beiden Großväter unzählige Auszeichnungen erhalten haben und ihre Filmografie kilometerlang ist, hat die Ehe meiner Eltern zwei der prominentesten Hollywood-Familien vereint und ein Vermächtnis geschaffen, das ich nun wie eine Last von zehntausend Pfund auf meinen Schultern trage.
Man kann mit Sicherheit sagen, dass fast alles, was ich tue, beobachtet und kritisiert wird, einschließlich dieses Interviews. Ich muss das hinbekommen, sonst bin ich erledigt.
»Mach es einfach. Niemand wird dich für eine Diva halten«, sagt mein Bruder.
»Das bezweifle ich stark. Weißt du noch, wie Hugh Reynolds Whiskey in seinem Becher haben wollte statt Wasser oder Kaffee? Jetzt will niemand mehr mit ihm arbeiten. Er wurde als Diva abgestempelt.«
Jasper schnaubt. »Er wurde als Risiko abgestempelt.«
»Na gut. Als Risiko und als Diva.«
Mein Bruder seufzt. »Du übertreibst, Jude.«
»Ich bin ehrlich, und das weißt du. Du bist lange genug in dieser Branche, um zu wissen, wie es läuft.«
»Ich bin aber auch schon lange genug dein Bruder, um zu wissen, wann du übertreibst – und jetzt übertreibst du verdammt noch mal.«
»Ich habe um moralische Unterstützung gebeten. Nicht um das hier.«
»Ehrlichkeit?«
»Jasper …«
Er lacht. »Du schaffst das schon. Hör mal, ich muss los. Ich habe ein Date.« Natürlich hat er ein Date. Er macht nichts anderes, als auf Dates zu gehen. Ich schwöre, manchmal ist er schlimmer als DiCaprio, immer mit einer neuen Frau im Arm, oder er wird auf Booten mit Bikini-Ladys fotografiert. Allerdings sind seine Freundinnen nicht annähernd so jung. Das ist nicht Jaspers Ding.
Wie er Zeit für all das hat, werde ich nie verstehen. Ich bin bei weitem nicht so bekannt wie er, und mein Terminkalender ist voll.
»Bin ich – dein Lieblingsbruder – nicht wichtiger als irgendein Date, deren Namen du morgen schon wieder vergessen hast?«
»Wer hat gesagt, dass du mein Lieblingsbruder bist?«, fragt er und weicht meiner Spitze aus. Es stimmt allerdings. Er erinnert sich kaum an die Frauen, mit denen er ausgeht, und ich bezweifle stark, dass es bei dieser anders ist.
»Nun, ich bin dein einziger Bruder, also …«
»Ich lasse dich nicht einfach so gewinnen. Die Familie Rafferty lässtniemals jemanden gewinnen. Man muss es sich verdienen.«
Ah, da ist es – das Familienmotto.
Ich bin zwar dankbar, dass meine Familie nicht zu denen gehört, die Vetternwirtschaft betreiben, aber manchmal würde es mein Leben einfacher machen. Vielleicht hätte ich dann schon vor Jahren eine Hauptrolle in einem Film bekommen, statt erst mit sechsundzwanzig. Ich hatte gehofft, dass ich nach meiner Zeit in dieser furchtbaren Teenie-Serie eine Karriere starten könnte. Aber das war nicht der Fall. Nach dem Ende von Lakedale hatte ich ein großes Angebot. Ich war mir sicher, dass Eternity der nächste große Hit werden würde, aber ich glaube, wir haben den Vampir-Hype um ein paar Jahre verpasst, denn die Serie wurde nach einer Staffel abgesetzt.
Trotz der gescheiterten Projekte weiß ich, dass ich glücklich sein werde, wenn ich endlich meinen Oscar entgegennehmen und sagen kann, dass ich es allein geschafft habe. Nun ja, größtenteils.
»Außerdem, wenn ich ein Lieblingsgeschwisterchen hätte, wäre es Cait.«
»Cait? Warum denn das?«
»Entschuldige, aber hast du schon mal ihren Erdnussbutter-Fudge probiert?«
Von den drei Rafferty-Kindern ist Cait die Einzige, die nicht unter die Schauspieler gegangen ist. Stattdessen hat sie hier in New York City eine Bäckerei eröffnet, und das Geschäft boomt. Als ich letzte Woche vorbeischauen wollte, reichte die Schlange bis hinter den Block. Ich liebe meine Schwester zwar über alles, aber ich werde mich niemals einer solchen Wartezeit aussetzen, wenn ich ihre Kreationen an Feiertagen kostenlos bekommen kann.
»Nein, habe ich nicht.«
»Was? Du wohnst doch nur zehn Minuten vom Laden entfernt!«
»Ich war in letzter Zeit etwas beschäftigt, Jasper.«
Er lacht. »Ich habe gerade die Dreharbeiten zu nicht nur einem, sondern zwei Filmen abgeschlossen. Besuche deine verdammte Schwester, Jude.«
»Ich muss gerade einen Film promoten.«
»Das weiß ich, da wir im Grunde denselben Zeitplan haben. Hör mal, ich bin nächste Woche wieder in der Stadt. Wir könnten zusammen hingehen.«
»Zusammen?«
Alle drei Rafferty-Geschwister in einem Gebäude? Caits kleine Bäckerei würde von Paparazzi überschwemmt werden. Das würde für keinen von uns gut ausgehen.
Aber egal, ob wir von Fotografen umzingelt wären oder nicht, es wäre auf jeden Fall besser, als in diesem winzigen Raum mit diesen schrecklichen Blumen zu warten.
»Ja, zusammen. Ich versuche nur, meinem Lieblingsgeschwisterchen zu einem guten Geschäft zu verhelfen.«
»Zunächst einmal: Fick dich.«
»Genau, kleiner Bruder. Lass jetzt all deine Schimpfwörter raus, damit du sie nicht im Live-Fernsehen sagst.«
Ich stöhne. »Ugh. Warum musstest du mich daran erinnern, dass es live ist?«
»Weil ich ein guter Bruder bin.«
»Nein, bist du nicht. Tatsächlich bist du offiziell mein am wenigsten geliebter Bruder.«
»Ich werde dieses Abzeichen mit Stolz tragen.« Ich kann ihn förmlich grinsen hören und bezweifle nicht, dass es stimmt. So ist Jasper eben. Er lebt davon, nervig zu sein. »Wie auch immer.«
»Tschüss, Jude – und viel Glück.«
»Tschüss, Jas. Ich hab dich lieb.«
Ich bekomme das allzu bekannte Grunzen zur Antwort, bevor die Leitung tot ist, und lächle.
Das ist gut, denn ich brauche das jetzt. In fünf Minuten muss ich auf die Bühne und live »Guten Morgen, New York« sagen.
Ich hasse Live-Sendungen. Das ist der Teil dieses Jobs, den ich am meisten verabscheue. Sie stellen immer dieselben Fragen, und ich gebe immer dieselben Antworten. Das ist ermüdend und fühlt sich so … unecht an. Als würde der Interviewer sich nicht wirklich dafür interessieren, worüber wir reden. Das ist schmerzhaft. Wenn ich nur schauspielern könnte und mich nie mit all dem anderen Mist herumschlagen müsste – Interviews, Premieren oder die Presse –, wäre mein Leben perfekt.
Aber Leute, die das tun, haben keine lange Karriere, und genau das will ich. Ich will schauspielern – und ich will, dass die Welt weiß, dass Jude Rafferty nicht nur ein weiterer Rafferty ist. Er ist etwas Besonderes. Ich binetwas Besonderes.
»Ich bin etwas Besonderes«, murmele ich und versuche, den Worten Glauben zu schenken.
»Ähm, das ist ja schön und gut, aber du bist auch in fünf Minuten dran.«
Ich drehe mich blitzschnell um und sehe, dass die Tür zu meiner Garderobe weit offen steht – wann ist das passiert? – und eine Praktikantin oder so was in der Art starrt mich an, mit einem Grinsen, das mir sagt, dass dieser Moment auf irgendeiner Klatschseite landen wird.
Na toll. Genau das, was ich jetzt brauche.
Ich lasse mich zurück auf die Couch fallen und stöhne, als die Frau fast davonrennt, um dem Typen zu entkommen, der mit sich selbst redet.
Mein Blick schweift durch den furchtbar eingerichteten Ankleideraum. Warum man eine hässliche, unbequeme, orangefarbene Couch mit dunkelgrünen Wänden kombiniert hat, ist mir ein Rätsel. Das erinnert mich an Erbsen und Karotten, eine Kombination, die ich als Kind nie mochte. Dann musste man auch noch riesige Sträuße Chrysanthemen – auf die ich allergisch bin – auf Couch- und Schminktisch stellen.
Ich kratze mich an der Nase. Sie juckt bereits. Oder vielleicht bin ich wieder einmal ›dramatisch‹.
Ich verdrehe die Augen und in dem Moment muss ich niesen.
»Mist«, murmele ich, erhebe mich vom Sofa und gehe zu dem kleinen Waschtisch in der Ecke. Ich reiße die Schublade auf und finde, wie erwartet, eine Reihe von Last-Minute-Gadgets wie Pfefferminzbonbons, Kaugummi, Süßigkeiten, Gesichtstücher, Deodorant, Aspirin und einige Allergiemedikamente in Reisegröße.
Noch bevor ich Letztere erreichen kann, muss ich erneut niesen.
»Gott sei Dank«, murmele ich, öffne die Schachtel und nehme zwei rosa Tabletten heraus. Ich werfe sie in meinen Mund, schnappe mir eine Wasserflasche aus dem Minikühlschrank, desinfiziere meine Hände und setze mich wieder auf die Couch.
Ich schließe die Augen, versuche, die grelle Einrichtung und das Pochen in meinem Kopf auszublenden, und atme tief durch.
Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen.
Ich wiederhole das immer wieder, atme langsam und gleichmäßig ein und aus, um meine Nerven zu beruhigen.
Warum zum Teufel macht mich Live-Fernsehen so nervös? Es ist nur eine Kamera. Ich bin es gewohnt, vor Kameras zu stehen. Verdammt, ich verdiene meinen Lebensunterhalt damit, vor ihnen zu stehen. Das sollte doch keinen Unterschied machen.
Aber wenn ich hier einen Fehler mache, bin ich erledigt. Sicher, die meisten Sendungen werden nicht live aufgezeichnet, aber Good Morning, New York? Das ist live live. Mehr Live geht nicht. Das weiß jeder – wenn man hier einen Fehler macht, gibt es kein Zurück mehr. Man kann die schlechten Stellen nicht einfach rausschneiden lassen. Stattdessen bleiben sie für immer im Internet. Wenn das keine Panik auslöst, dann weiß ich auch nicht.
Es wäre so viel einfacher, wenn Jasper wie ursprünglich geplant bei mir wäre, aber sein verdammter Agent musste in letzter Minute alles umwerfen, sodass ich jetzt allein hier bin. Ich will nicht allein hier sein.
»Ich muss kotzen.«
»Oh, toll. Du redest schon wieder mit dir selbst.«
Ich setze mich auf, etwas zu schnell, und sehe, dass die Praktikantin zurück ist.
»Wir sind bereit für Sie.« Sie krümmt ihren Finger, winkt mich zu sich und passt ihr Headset an, bevor sie mich auffordert, ihr zu folgen.
Ich stehe vom Sofa auf, versuche mein Bestes, um zu ignorieren, wie sehr meine Beine zittern – kommt das von den Nerven oder von den Medikamenten? – und folge ihr aus dem Zimmer. Sie ist mindestens fünfzehn Zentimeter kleiner als ich, aber sie rennt praktisch den Flur entlang, so schnell, dass mein ein Meter achtundachtzig großer Körper Mühe hat, mitzuhalten. Ich fahre mit der Hand über mein Hemd, um sicherzustellen, dass meine Kleidung nicht zu sehr in Unordnung ist, während ich ihr hinterherlaufe. Ich möchte mich am liebsten verkriechen und zurückgehen. In meine schreckliche Garderobe. Verdammt, ich möchte aus dem Gebäude fliehen. Ich wäre lieber irgendwo anders als hier.
Aber ich kann nicht.
Ich muss einen Film promoten. Verpflichtungen. Ich habe eine Tür, die ich einrennen will, Räume, in denen ich sein will, und Leute, mit denen ich mich unterhalten will. Ich schaffe schon ein Live-Interview. Was kann schon Schlimmes passieren?
Ich folge ihr durch einen dunklen Flur, nicke und lächle den Leuten zu, die buchstäblich durch das riesige Studio rennen, alle mit Kopfhörern und finsteren Mienen. Ich könnte schwören, dass jemand weint. Das beruhigt mich jedoch nicht im Geringsten.
Ein Mann mit gesenktem Kopf eilt an mir vorbei und stößt dabei gegen meine Schulter.
»Entschuldigung«, murmele ich ihm hinterher, aber er hört mich entweder nicht oder es ist ihm egal. Er ist zu sehr damit beschäftigt, auf das Klemmbrett in seinen Händen zu starren und jemanden über sein Mikrofon anzuschreien.
Wenn ich dachte, dass ein Filmset voller Chaos ist, dann ist das nichts im Vergleich zu diesem Wahnsinn. Das Studio könnte leicht als Lagerhalle dienen, vor allem angesichts seiner Größe. Das Einzige, was mich davor bewahrt, mich wie in einer Parallelweltversion eines Costco-Markts zu fühlen, sind die dünnen Wände, die das Publikum davon abhalten, das Chaos zu sehen, das sich hier abspielt. Sicher, sie erschweren es einem, zu sehen, wohin man geht, aber wen interessiert das schon, wenn man gleich im Fernsehen zu sehen ist, oder?
Ich muss wieder niesen und halte mir mit dem Arm Mund und Nase zu. Die PA stoppt abrupt vor einem kleinen runden Stehtisch, der am Eingang eines kurzen Flurs steht, der zur Hauptbühne führt. Er ist etwas abseits und glücklicherweise mit einer Schachtel Taschentücher und einer Flasche Wasser bestückt. Ich nehme mir ein paar Taschentücher, putze mir die Nase und drehe mich dann mit einem, wie ich spüre, zittrigen Lächeln zu der Praktikantin um.
»Alles klar?«, fragt sie und hält eine Hand an ihr Headset, vermutlich um mit jemandem am anderen Ende zu sprechen.
Ich stehe da mit den Händen in den Taschen und warte darauf, dass sie fertig wird, damit sie mir Anweisungen geben kann.
Sie blinzelt zu mir hoch.
Ich blinzele zurück.
»Ähm, hallo? Bist du es gewohnt, nur mit dir selbst zu reden und nicht mit anderen?«
Sprach sie … »Entschuldigung. Ich dachte, du würdest …«
Sie winkt ab und unterbricht mich. »Schon gut. Hier.« Sie holt aus dem Nichts eine Flasche Desinfektionsmittel hervor. Ich strecke meine Hände aus, während sie etwas davon in meine Handflächen spritzt, und reibe sie aneinander, während sie die Flasche in ihren Gürtel steckt. Erst dann bemerke ich, dass sie einen Werkzeuggürtel für Bauarbeiter trägt, der jedoch mit Handdesinfektionsmittel, Taschentüchern, einer Haarbürste, Pfefferminzbonbons und etwa zehn anderen Dingen gefüllt ist, die ich nicht erkennen kann. »Komm schon. Wir sind in fünfzehn drauf.«
»Fünfzehn Sekunden?« Die Worte kommen wie ein Quietschen aus meinem Mund.
»Jetzt zehn. Mach dich bereit.« Sie berührt meinen Ellbogen und führt mich weiter den Flur entlang, näher zum letzten Vorhang, der mich von meinem bevorstehenden Untergang trennt. »Und vielleicht solltest du dich nicht live im Fernsehen übergeben, okay?«
Sie schiebt mich näher an den Vorhang, und ich stolpere, kann mich gerade noch auffangen, bevor ich flach auf mein Gesicht falle.
O ja. Das wird mit Sicherheit eine Katastrophe.
»Unser nächster Gast ist kein Geringerer als Jude Rafferty. Sie kennen ihn vielleicht als Star von Lakedale, einer skurrilen Teenager-Serie von vor einigen Jahren, oder …«
Das mulmige Gefühl in meinem Magen wird stärker, als sie meine Liste mit Erfolgen durchgehen.
»Fünf …«, flüstert der PA.
O nein.
»Vier …«
»Und bald werden Sie ihn aus Love and Arson kennen, dem kommenden Film des weltbekannten Actionfilmproduzenten Larry Brickey, der mit Sicherheit ein Hit wird …«
Ich muss kotzen. Es wird passieren. Will ich mich wirklich so lächerlich machen?
»Zwei …«, murmelt sie. Dann zeigt sie auf mich und formt mit den Lippen:
»Eins.«
Nein, nein, nein.
»Auf geht’s …«
Ich atme tief ein und trete unter die hellen Scheinwerfer.
»Heiliger Bimbam, Olive, diese Fotos sind unglaublich! Du siehst heiß aus!«
»Oh, hör auf damit.«
»Ich meine es ernst. Deine Fans werden ausflippen.«
»Wirklich?« Ich lächele, während ich durch die Bilder auf meinem Handy scrolle. Meine Mitbewohnerin sitzt neben mir auf dem Sofa und schaut mir über die Schulter, um ihr Werk zu begutachten.
Annie mag tagsüber eine knallharte Krankenschwester sein – genau genommen nachts, da das ihre übliche Schicht ist –, aber sie ist auch eine unglaubliche Fotografin. Unsere Wohnung hat in der Dämmerung das schönste Licht, diesen goldenen Schimmer, den ich mit der Stadt verbinde, und so habe ich mehr als einmal die Hilfe meiner besten Freundin in Anspruch genommen, um ein paar Fotos von mir in dem Outfit zu machen, das mir an diesem Tag gerade gefällt. Ohne ihre Hilfe bei den perfekten Aufnahmen hätte ich wohl nicht so viele Follower.
»Danke. Nochmals.« Ich grinse sie an.
Sie stößt mich leicht mit der Schulter an. »Für mein Lieblingsmädchen tue ich alles.« Sie rümpft die Nase. »Na ja, für mein zweitliebstes Mädchen. Daphne ist wohl mein Lieblingsmädchen.«
»Ugh.« Ich werfe dramatisch den Kopf zurück. »Dieses Kind stiehlt mir immer die Show. Ich glaube, ich sollte sie zu einem Kampf herausfordern oder so. Die Gewinnerin bekommt dann deine ganze Zuneigung und Aufmerksamkeit.«
»Du kannst dich doch nicht mit ihr prügeln, Olive. Sie ist vier.«
»Sie ist vier«, wiederhole ich, während ich durch die Fotos scrolle, und mokiere mich nur halb im Scherz darüber, dass Annies entzückende blonde Nichte ihre ganze Liebe und Aufmerksamkeit in Beschlag nimmt. Daphne ist wirklich süß, also werde ich es wohl gestatten.
»Oh, das da!« Annie zeigt auf mein Handy. »Poste das.«
»Meinst du? Ist es nicht zu … langweilig?«
»Machst du Witze? Nein! An diesem Kleid ist nichts langweilig.« Sie fährt mit den Fingern über den Ärmel aus schimmerndem goldenem Stoff, der der Star des heutigen Mini-Fotoshootings ist – ein neues Teil aus meiner Lieblingsboutique, die sich auf übergewichtige Frauen wie mich spezialisiert hat. »Es ist perfekt. Außerdem kommt dein sexy Schmollmund voll zur Geltung. Die Leute werden dich verschlingen.«
»Ja, ich denke schon.« Ich öffne das Foto, das Annie so sehr mag, in meiner Bearbeitungsapp und passe die Beleuchtung an, damit mein Feed einheitlich bleibt, aber das ist auch schon alles, was ich daran verändere. Ich weigere mich, irgendetwas an meinem Gesicht oder meinem Körper zu verändern, wie zum Beispiel etwas zu glätten oder zu verschlanken, denn ich habe hart daran gearbeitet, meinen Körper so zu lieben, wie er ist.
»Außerdem habe ich die Kommentare zu deinen Fotos gesehen«, fährt Annie fort. »Du könntest einen Müllsack tragen, und deine Fans würden trotzdem in Scharen kommen, um zu sehen, was Olive O’Brien trägt.«
Ich habe diese Theorie einmal getestet und ein Foto von mir in einem beigen Jumpsuit gepostet, von dem ich wusste, dass er mir überhaupt nicht stand. Zwei Tage später sah ich zwei Frauen auf der Straße, die denselben Jumpsuit, dieselben High Heels und dieselben Accessoires trugen. Ich liebe meine Follower, aber manchmal frage ich mich, ob sie mich wirklich mögen oder nur die Version von mir, die sie in ihren Köpfen haben. Ich bin niemand, der sich scheut, authentisch zu sein, aber ich teile auch nicht alles. Ich habe bestimmte Regeln, um einige Teile von mir für mich zu behalten.
»So gerne ich dieses Foto auch machen würde«, fährt Annie fort, »ich muss los. Meine Schicht beginnt in zwanzig Minuten, und du weißt ja, wie wild es freitags in der Stadt zugehen kann. Ich bin mir sicher, dass schon fünfzig Leute im Wartezimmer sitzen, also kann ich genauso gut früh hingehen, um zu helfen, wenn ich kann.«
Sie rollt ihre großen braunen Augen, als würde ihr das Chaos im Krankenhaus nicht gefallen, dann steht sie auf, ihr bezaubernder blauer OP-Kittel schmiegt sich an ihre Kurven. Sie meint, ich könnte einen Müllsack tragen, und es zum Trend werden lassen – aber sie hat gut reden. Sie lässt sogar ihre OP-Kleidung aussehen, als käme sie direkt vom Laufsteg.
»Viel Spaß heute Abend«, sagt sie, während sie ihren treuen Cardigan vom Haken neben der Tür nimmt. Sie beschwert sich ständig, dass es im Krankenhaus kalt ist, und es vergeht kein Tag, an dem sie das Haus ohne dieses alte, abgetragene Teil verlässt. »Und denk daran, wenn du zu viel trinkst, ruf Remi an. Er wird dich gerne …«
»Annie«, unterbreche ich sie mit einem Augenrollen. »Ich weiß. Ich hab dich lieb, Mama.«
Sie kneift spielerisch die Augen zusammen, als sie den Spitznamen hört. »Ich hab dich auch lieb«, sagt sie, während sie zur Tür hinausgeht.
Ich lache, als ich höre, wie sie abschließt.
Sie passt immer auf mich auf und bietet mir sogar an, dass ihr bezaubernd nerdiger Freund mich überall in der Stadt abholt, damit ich nachts nie alleine mit der U-Bahn fahren muss. Er würde das auch tun. Der Mann verehrt sie abgöttisch.
Sie weiß nicht, dass ich, obwohl sie mir Remi immer anbietet, noch nie bei ihm angerufen habe. Die tatsächliche Anzahl meiner Ausgehabende unterscheidet sich erheblich von der, die sie annimmt. In Wirklichkeit ziehe ich mich an den meisten Abenden schick an, mache Fotos und bleibe dann zu Hause. Genau das habe ich auch heute Abend vor.
Ich stehe vom Sofa auf, öffne den Reißverschluss meines Kleides und gehe ins Schlafzimmer. Nachdem ich das Kleid in den Schrank gehängt habe, durchquere ich mein kleines Zimmer und hole meine Lieblingsjogginghose aus der Schublade. An der Seite steht HARVARD, eine Universität, die ich nie besucht habe, und sie hat mindestens drei Löcher, aber ich kann mich nicht davon trennen. Sie gehörte meinem Vater, der diese Eliteuniversität besucht hat, und erinnert mich an einfachere Zeiten. Zeiten, in denen ich meine Abende nicht damit verbrachte, mich zu schminken und teure Kleider anzuziehen, nur um ein Foto zu machen, alles wieder auszuziehen und mich für den Rest des Abends auf meiner Couch zusammenzurollen.
Ich liebe es zwar, in der Modebranche Geld zu verdienen – einer Branche, die ich verehre –, aber manchmal ist es einsam.
Manchmal bin ich einsam.
Ich habe Freunde und jede Menge zu tun, aber es ist trotzdem schwer. Ich wünschte, ich hätte jemanden, mit dem ich darüber reden könnte. Meine Mutter, Gott segne sie, versteht diese Branche überhaupt nicht. Immer wenn ich ihr versuche zu erklären, was ich mache, schaut sie mich mit einem verständnislosen Blick an – als würde ich eine fremde Sprache sprechen. Mit Annie darüber zu reden, ist nicht einfach, denn sie hat einen wirklich anspruchsvollen Job, ist ständig auf den Beinen, hetzt durch die Krankenhausflure und rettet jede Nacht Leben. Was habe ich denn zu meckern über meinen Job, wenn sie eine echte Heldin ist?
Nachdem ich ein ebenso löchriges Shirt übergezogen habe, gehe ich in die Küche, um mir ein Glas süßen Weißwein einzuschenken. Ich würde viel lieber einen süßen Rotwein trinken, aber das ist alles, was wir haben, und zum Laden gehen kommt nicht infrage. Ich habe bereits meinen BH ausgezogen. Ich bin offiziell bereit für den Abend.
Mit meinem vollen Glas hole ich eine Packung Käsecracker aus dem Schrank – ein äußerst gesundes Abendessen, ich weiß – und klettere dann durch das Fenster hinaus auf die Feuerleiter, die wir zu unserer Terrasse umfunktioniert haben. Es ist nicht viel: ein kleiner Tisch, zwei Stühle und genug Platz für mich und Annie, um uns hier nach langen Wochen zu entspannen. Aber es gehört uns.
Ich verbinde mein Handy mit dem Bluetooth-Lautsprecher und drücke auf ›Play‹, um Taylor Swift zu hören. Nichts ist so traurig und einsam wie Wein zu trinken und an einem Freitagabend ›Red‹ zu hören.
»Was für ein glamouröses Leben ich doch führe«, sage ich, bevor ich einen Schluck Wein trinke.
Mit einem Seufzer öffne ich die Cracker-Packung, schnappe mir ein paar und stopfe sie mir in den Mund, während ich Instagram öffne.
Ich scrolle durch meinen Feed, während ich weiteresse, und halte nur inne, um einen neuen allgemeinen Kommentar zu schreiben.
Awww, ich liebe es! Total süß!
Soooooo süß! x
HEISS!
Ich kenne diese Leute nicht – nicht wirklich. Es sind nur Internetfreunde, und mit Internetfreunden meine ich Leute, deren Accounts ich folge und die keine Ahnung haben, dass ich überhaupt existiere. Ihre Accounts haben weit über eine Million Follower, manchmal sogar zwei Millionen. Ich wünschte nur, ich hätte so viele Follower oder Markenverträge oder die Mittel, um all die verschiedenen Länder zu besuchen, in die sie reisen.
Versteht mich nicht falsch – meine Zahlen sind nicht schlecht, ich habe einige gute Markenverträge und kann für Shootings ein wenig reisen. Aber im Vergleich zu ihnen? Bin ich ein Niemand.
Und leider ist das genau das, was ich am liebsten tue: mich mit ihnen vergleichen.
Obwohl ich weiß, dass ich es nicht tun sollte, fällt es mir schwer, es zu lassen. Sie sind wunderschön, ganz ohne Anstrengung. Die Leute strömen zu ihren Accounts, und ich weiß, dass alles, was sie in ihrem Shop verlinken, Tausende und Abertausende von Klicks bekommt. Sie sind das, was ich will. Ich will diese Unterstützung und diese Reichweite. Aber es ist schwer, in dieser Branche als Plus-Size-Model zu arbeiten, besonders wenn man etwas bewegen will, indem man Frauen hilft, sich wohl in ihrer Haut zu fühlen, und gleichzeitig etwas für den Planeten tut.
Es hat zu lange gedauert, bis ich mich selbst lieben konnte, um diese Dinge außen vor zu lassen. So sehr ich von einem größeren Publikum, mehr Unterstützung oder einer größeren Reichweite profitieren würde, würde ich mich selbst verachten, wenn ich meine Prinzipien aufgeben würde, nur um mit Marken zusammenzuarbeiten, die nicht wirklich size-inclusive sind oder sich nicht für nachhaltigere Geschäftspraktiken einsetzen. Nachdem ich den kleinen Platz, den ich mir in dieser Community erkämpft habe, mit Zähnen und Krallen verteidigt habe, bin ich dankbar für das, was ich habe, auch wenn ich immer noch einen harten Kampf um Zugehörigkeit führen muss.
Ich schaue auf allen meinen Lieblingsaccounts vorbei, lege dann mein Handy beiseite und konzentriere mich auf die hell erleuchtete Stadt um mich herum.
New York ist voller Leben. Das ist es immer – besonders in Hell’s Kitchen –, aber es ist Freitag, also ist es besonders laut. Hupen schrillen, Menschen schreien und Musik dröhnt aus den Lautsprechern entlang meiner Straße.
Es ist chaotisch, und ich liebe es. Verdammt, ich blühedabei richtig auf. Es ist ganz anders als in meiner kleinen Heimatstadt, und ich könnte nicht glücklicher sein.
Ich knabbere an Crackern, nippe an meinem Wein und beobachte die Straße, wo jemand in einem Kleid vorbeigeht, das auch als Duschvorhang durchgehen könnte. Eine andere Person in Anzug und Krawatte rennt vorbei und schreit in ein Handy, das sie ans Ohr gepresst hat. Ein kleiner Junge fährt auf Rollerblades vorbei und springt über einen Karton.
Ich grinse vor mich hin und liebe alles, was ich sehe.
Ein Paar schlendert vorbei, hält Händchen und lächelt sich an, als wären sie in ihrem eigenen kleinen Musikvideo oder so.
Mein Lächeln verschwindet.
Das will ich auch. Ich will all das – jemanden, der mich versteht, mich akzeptiert und mich unterstützt. Sicher, Annie tut all das, aber eine beste Freundin zu haben ist nicht dasselbe, wie einen Partner zu haben.
Ach, ich bin so erbärmlich. Ich sitze allein zu Hause, trinke Wein in einem löchrigen Pyjama, starre auf mein Handy und esse Cracker zum Abendessen … Wie traurig für mich.
»Du bist ein echter Fang, Olive. Es ist schockierend, dass du Single bist«, murmele ich und nehme einen weiteren Schluck Wein. Ich möchte das Glas austrinken, aber ich will es nicht zu schnell trinken. Nicht nur wegen der Kopfschmerzen, die dann sicher kommen würden, sondern auch, weil es die einzige Flasche ist, die ich habe, und ich möchte, dass sie lange reicht.
Ehrlich gesagt ist es nicht so schockierend, dassich Single bin. Ich hatte über die Jahre hinweg Beziehungen, aber nichts hat gehalten. Das liegt sicher daran, dass ich mich niemandem wirklich öffnen kann, aber kann man mir das wirklich vorwerfen? Es ist schon beängstigend genug, sich auf jemanden einzulassen, weil man nicht verletzt werden will, aber noch beängstigender ist es, wenn man das Trauma erlebt hat, jemanden, den man sehr liebt, aus heiterem Himmel zu verlieren. Das macht einen etwas vorsichtig, sich anderen Menschen zu nähern, aus Angst, sie wieder zu verlieren.
Ich greife wieder nach meinem Handy und vergrabe mein Gesicht in meinem Newsfeed, als würde mir das irgendwie helfen, mich besser zu fühlen.
Ich scrolle zwei Fotos weiter, bevor ich wieder auf ein glückliches Paar stoße.
»Ach, verdammt!« Ich lege mein Handy beiseite. »Scheiß drauf.«
Ich schnappe mir mein Weinglas, kippe den letzten Rest Alkohol hinunter und gehe rein, um mir noch eines einzuschenken.
Als ich durch das Fenster zurück auf die Feuerleiter krieche, setze ich mich wieder in meinen Stuhl, lege die Füße auf die Reling und schließe die Augen, während die kühle Luft des Spätsommers über mich hinwegstreicht. Die Geräusche der Stadt wiegen mich in einen Schlummer. Wenn ich nicht aufpasse, schlafe ich hier draußen ein.
Ich stelle mir vorsichtshalber den Wecker auf meinem Handy und bin überrascht, als ich eine Benachrichtigung sehe, die auf mich wartet.
Ich habe schon vor langer Zeit gelernt, meine Benachrichtigungen auszuschalten, wenn ich eine echte Work-Life-Balance haben möchte, aber für ein paar Meldungen habe ich eine Ausnahme gemacht, und die, auf die ich gerade starre, steht auf dieser kurzen Liste.
Jasper Rafferty hat ein Bild gepostet.
Ich klicke darauf und ein Bild von Jasper in einer Talkshow füllt den Bildschirm. Die Bildunterschrift ist dieselbe, die er immer postet: Ort und Datum. Das war’s. Es ist offensichtlich, dass sein Account von seinem Agenten oder jemand anderem aus seinem Team von Handlangern betrieben wird, denn alles, was er postet, ist generisch. Nichts davon ist echt. Alles ist inszeniert und fake, fake, fake. Wahrscheinlich fühle ich mich deshalb so wohl mit meinem kleinen geheimen Hobby – ihm Nachrichten zu schreiben. Nun, es ist eher so, als würde ich den Chat als mein persönliches Tagebuch nutzen, aber trotzdem.
Als ich letztes Jahr, nachdem ich mich innerhalb von nur drei Monaten von meinem dritten Freund getrennt hatte, anfing, zu einer Therapeutin zu gehen, schlug sie mir vor, meine Emotionen in einem Tagebuch zu verarbeiten. Ingrid meint, ich könne so das Trauma bewältigen, das ich immer noch mit mir herumtrage – hauptsächlich aufgrund des plötzlichen Herztodes meines Vaters im Alter von vierundvierzig Jahren. Ich bezweifle stark, dass sie damit gemeint hat, ich solle einem Prominenten Nachrichten schreiben, aber genau das habe ich getan.
Jasper, der viel zu talentiert für sein eigenes Wohl ist, hatte untypischerweise ein altes Foto seiner Familie in Disney World gepostet, und das hatte mich sofort in die Zeit zurückversetzt, bevor die Firma meines Vaters durchstartete und er jeden Cent zusammenkratzte, den wir hatten, um mit uns Urlaub zu machen. Wir wohnten in einem alten, muffigen Motel und ernährten uns eine ganze Woche lang von Erdnussbutter und Marmelade, aber verdammt, hatten wir Spaß! Es war wirklich magisch, und das nicht nur wegen des Ortes.
Also antwortete ich auf seinen Beitrag und erzählte ihm die Geschichte.
Natürlich hat er es nie gelesen. Wie auch? Er ist Jasper Rafferty. Er hat keine Zeit für Leute wie mich. Sein Posteingang wird täglich mit Tausenden von Nachrichten überflutet. Meine war nur eine weitere in diesem Berg.
Aber nachdem ich ihm geschrieben hatte, veränderte sich etwas in mir. Es fühlte sich unglaublich gut an, Erinnerungen und Gefühle loszulassen, an denen ich so lange festgehalten hatte. Also machte ich weiter, und ehe ich mich versah, war der Chat mit ihm zu meinem Tagebuch geworden.
Ich zoome das Bild, das er gepostet hat, heran und schaue in seine strahlend grünen Augen, die ihm zweifellos allein durch ihren Glanz schon mehrere Rollen eingebracht haben. Er ist der perfekte Hauptdarsteller – einen Meter neunzig groß, mit schmutzig-blonden Haaren und einem Grinsen, das meine Unterwäsche verschwinden lassen könnte.
Null Komma zwei Sekunden. Alles an ihm ist makellos, von seinen geraden Zähnen bis zu seiner tiefen, rauen Stimme. Aber er ist nicht nur hübsch, er ist auch ein phänomenaler Schauspieler, der mühelos alle möglichen Rollen spielen kann.
Beim Durchsehen seines Profils sehe ich einen Ring um sein Bild, der anzeigt, dass er auch eine neue Story gepostet hat, also klicke ich darauf. Der erste Slide ist nur ein Repost dessen, was er zu seinem Feed hinzugefügt hat, aber der zweite ist anders.
Ein Palmen-Emoji, ein Pfeil und dann die Freiheitsstatue.
Er ist auf dem Weg nach New York.
Ich wische nach oben und meine Daumen fliegen über die Tastatur.
@OliveMe: Als ich zum ersten Mal nach New York kam, war ich mit meinem Vater auf einer seiner Geschäftsreisen. Es war mein erster Besuch in einer so großen Stadt und ich konnte es kaum erwarten, sie zu erkunden. Auf dem Flug schlief er ein und schnarchte so laut, dass ich vor Verlegenheit weinte. Das war das erste und einzige Mal, dass ich ihn auf einer Geschäftsreise begleitete.
Ich drücke auf ›Senden‹ und lasse die Nachricht wie alle anderen in den Äther entschwinden.
Deshalb fühle ich mich so wohl dabei, ihm alle meine Geheimnisse anzuvertrauen – weil ich weiß, dass er sie niemals lesen wird.
Ich scrolle zurück durch die Dutzenden anderen Nachrichten, die ich ihm geschickt habe.
@OliveMe: Ich bin heute mit dem Gefühl aufgewacht, dass ich die Welt erobern könnte, aber dann habe ich den alten Geschäftspartner meines Vaters in der Schlange vor dem Café gesehen und bin im Badezimmer zusammengebrochen. Das hat mich an einen Familienausflug nach New York erinnert, den wir gemacht haben, als ich in der Oberstufe war, und daran, wie wir alle üblichen Sehenswürdigkeiten besucht haben. Ich habe mich in diesen Ort verliebt und mir geschworen, eines Tages hier zu leben. Jetzt lebe ich hier und ich liebe es. Aber ohne ihn ist es immer noch so schwer. Er würde nicht verstehen, dass ich Model bin, aber er wäre trotzdem verdammt stolz auf mich. Ich vermisse den sicheren Ort, den er mir gegeben hat.
@OliveMe: Annie hat heute geschworen, dass sie, wenn Remi nicht bald ernst macht, Schluss machen will. Ich glaube, sie übertreibt. Es ist doch klar, dass sie sich lieben. Es wird schon klappen. Ich weiß es. Beziehungen entwickeln sich unterschiedlich schnell. Nur weil sie schon lange zusammen und noch nicht verlobt oder verheiratet sind, heißt das nicht, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Sie gehen es einfach langsamer an, das ist alles. Oder vielleicht hat sie zu viele Liebesfilme gesehen und sehnt sich nach einer großen, romantischen Geste. Aber welche Frau tut das nicht? Außerdem ist Remi manchmal ein bisschen tollpatschig. Ich glaube, er will dasselbe wie sie, aber er ist zu verdammt … nun ja, zu Remi, um etwas zu unternehmen. Sie müssen beide aufhören, Angst zu haben, das zu wollen, was sie wollen, und es einfach tun.
@OliveMe: Ich habe gestern Abend ›Shut Up and Kiss Me‹ gesehen. Du warst ein totaler Idiot, aber am Ende hast du trotzdem das Mädchen bekommen. Romantikkomödien sind seltsam.
@OliveMe: Mein Vater hat mich früher immer zum Bowling mitgenommen, in eine kleine heruntergekommene Halle in Iowa. Ich habe keine Ahnung, ob es die noch gibt, aber heute, als ich spazieren ging, kam ich an einem Stand mit einer Popcornmaschine vorbei, und es roch genau wie das abgestandene Zeug, das sie dort früher verkauft haben. Das hat mich an ihn erinnert. Und jetzt habe ich Lust auf abgestandenes Popcorn.
@OliveMe: Ich bin eine Betrügerin. Ich gebe vor, eine lustige, stadtliebende Partygängerin zu sein. Aber ehrlich gesagt ziehe ich die Ruhe meiner eigenen Wohnung vor. Hast du auch manchmal dieses Gefühl? Dass niemand dein wahres Ich sieht? Ich bin es leid, mich zu verstellen. Ich bin es leid, mich zu verstecken. Aber ich habe Angst, dass mein wahres Ich nicht genug ist.
@OliveMe: Ich habe heute ein großes Fotoshooting mit Mitch Dirkson bekommen!!!! Ich wünschte, ich hätte jemanden Besonderes (außer Annie), mit dem ich das feiern könnte. Da ich niemanden habe, muss ich mich wohl mit einem Abend mit Wein und Eis begnügen. Glamouröses Leben, was?
Neben jedem Eintrag befindet sich ein Häkchen für ›Zugestellt‹, aber er hat meine Nachrichten nicht gelesen, und darüber bin ich froh.
Mit einem Grinsen, weil ich mein kleines Geheimnis amüsant finde, schließe ich Instagram und lege mein Handy auf den Tisch. Ich lehne mich in meinem Stuhl zurück, neige den Kopf nach hinten und schließe die Augen, während mich die Geräusche der Stadt umgeben. Sie ist weit weg von meinem Geburtsort, einer kleinen Stadt in Iowa. Aber schon mit zehn Jahren wusste ich, dass ich hier leben wollte.
Nach meiner letzten Reise mit meinen Eltern war ich davon besessen, und als es Zeit war, mich für das College zu bewerben, stand die NYU ganz oben auf meiner Liste.
Ich wurde abgelehnt.
Tatsächlich lehnte mich jedes College in New York ab, bei dem ich mich beworben hatte.
Aber ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich Iowa verlassen musste, und ich wollte mich nicht von ein paar Ablehnungsschreiben aufhalten lassen. Nach einer gründlichen Suche – und der endgültigen Zustimmung meiner Mutter – fand ich Annie online, die eine Mitbewohnerin für ihre Wohnung in Hell’s Kitchen suchte, also stieg ich in ein Flugzeug und zog mit meinem gesamten Leben hierher. Ich habe es keine Sekunde bereut.
Es ist nun sieben Jahre her, dass ich die kleine Stadt und die noch kleinere Farm verlassen habe, auf der ich aufgewachsen bin, und meine Mutter ist immer noch nicht gerade begeistert von meinem Umzug, aber das ist mir egal. Ich musste es für mich tun, denn ich hätte unmöglich weiter an einem Ort leben können, an dem jeder alles über jeden weiß. Das hat mich ständig an alles erinnert, was ich verloren hatte. Ich sehnte mich nach etwas Neuem und Aufregendem, nach etwas, das meine Lebensfreude wieder entfachen würde.
Das habe ich hier mit Annie und in der Modelbranche gefunden. Es läuft nicht problemlos, aber es ist besser als die Alternative – ein aussichtsloser Job in einer Kleinstadt, wo ich an jeder Ecke den Geist meines Vaters sehe.
Aber darüber möchte ich heute Abend nicht nachdenken.
Heute Abend will ich Wein, meine Lieblingskäsecracker und Entspannung.
»Ich verwöhne mich«, murmele ich sarkastisch und führe mein Weinglas an meine Lippen.
»Redest du wieder mit dir selbst, Liebes?«
Ich zucke zusammen und verschütte Wein aus meinem Glas über meinen Schoß.
Als ich mich umdrehe, sehe ich Mrs. Hammish von nebenan, die mich mit zusammengekniffenen Augen ansieht, den Kopf – komplett mit Lockenwicklern bedeckt – aus dem Fenster streckend.
»Ja, Mrs. Hammish. Entschuldigen Sie, wenn ich Sie gestört habe.«
»Unsinn.« Sie winkt ab. »Du störst mich nicht. Du machst mich nur traurig.«
Ich stöhne innerlich. Na toll. Sogar meine über achtzigjährige Nachbarin hält mich für erbärmlich.
»Ich bin auch traurig, weil ich wieder meine verdammte Brille verloren habe.«
»Deshalb blinzeln Sie mich so an?«
»Na klar, Kleines«, sagt sie mit dieser rauen Stimme, die ich im Laufe der Jahre lieben gelernt habe. »Hilf einer alten Dame, ja?«
»Klar.« Ich unterdrücke mühsam ein Seufzen, als ich mich aus meinem Stuhl erhebe.
»O Gott. Hast du dir in die Hose gemacht, meine Liebe? Dafür gibt es Windeln, weißt du.«
»Es ist nur Wein, Mrs. Hammish.«
»Na gut. Jetzt komm schon. Ich habe nicht ewig Zeit. Ich bin alt.«
»Ich komme schon, Mrs. Hammish.«
Ich krieche durch mein Fenster und denke wieder daran, wie glamourös mein Leben ist.
Ich Glückspilz, was?
»Komm schon, Jude. So schlimm war es doch nicht.«
Meine Schwester stellt einen Teller mit Fudge vor mich hin, und mir läuft das Wasser im Mund zusammen, als ich die dekadenten Stücke meiner Lieblingssorte sehe – Orange-Cream-Swirl. Ich schnappe mir ein Stück und schiebe es mir wie ein Verdurstender in den Mund.
Ich weigere mich, mich für das Stöhnen zu schämen, das mir entweicht, sobald es meine Zunge berührt. Es ist perfekt. Der pure Himmel.
Genau wie diese Bäckerei, Caits Confectionery. Das ist ein kleines Stück Paradies, das sich meine Schwester geschaffen hat. Sie hat eine ehemalige Pizzeria in Hell’s Kitchen in eine ausgefallene kleine Bäckerei verwandelt, bei deren Anblickman sich fragt: Was zum Teufel ist das denn? Und gleichzeitig: Wow, das ist cool! Der Laden ist voller eklektischer Kunstwerke und Deko-Elemente, die überhaupt keinen Sinn ergeben, aber gleichzeitig perfekt zusammenpassen. Dazu kommt, dass es hier ständig nach frischem Fudge und Kaffee duftet – der perfekte Ort, um sich zurückzuziehen, wenn man etwas braucht, das einen aufmuntert.
Nach dem gestrigen Tag habe ich das gebraucht. Dass mein Bruder und meine Schwester auch hier sind, ist ein zusätzlicher Bonus.
Ich kaue auf dem Fudge, schlucke ihn und fahre mir dann mit dem Handrücken über den Mund, was mir einen bösen Blick meiner Mutter einbringen würde. »Das kannst du leicht sagen, Cait. Du warst nicht diejenige, die zweimal geflucht hat, zur falschen Zeit von der Bühne gegangen ist und so schlimm gestolpert ist, dass ganz New York ihre Snoopy-Unterhose gesehen hat. Oh, und du hast auch nicht mit den Fingern in die Kamera gefeuert, während du weitergegangen bist.«
Ich unterdrücke ein Stöhnen, wenn ich nur daran denke. Diese verdammten Blumen sind an allem schuld. Nun ja, die und die Allergie-Medikamente, die mich total benebelt haben. Normalerweise bin ich nicht so peinlich … oder?
»Okay, das war echt witzig«, sagt meine Schwester, die nur fünfzehn Monate jünger ist als ich, und kann sich kaum das Lachen verkneifen.
Ich senke meinen Kopf auf den Tisch und schlage ihn zur Sicherheit ein paar Mal leicht gegen die Holzplatte. »Ich bin eine Witzfigur.«
»Bist du nicht«, sagt mein Bruder, und ich merke, dass er sich bemüht, ernst zu bleiben. »So schlimm ist es nicht. Die Snoopy-Unterhose ist nicht ideal, und ich habe viele Fragen dazu – aber es hätte schlimmer kommen können.«
Ich hebe den Kopf. »Nun, für dich sicher. Du bist du. Alle lieben dich, Jas.« Ich werfe mir ein weiteres Stück Fudge in den Mund, überzeugt, dass ich mich dann besser fühlen werde. Das tue ich auch, aber nur minimal.
Er schnaubt in den Kaffee, den er gerade an die Lippen gesetzt hat. Er nimmt einen kleinen Schluck von der dampfend heißen Flüssigkeit, bevor er die Tasse wieder abstellt. »Das tun sie nicht. Ich bekomme jede Menge schlechte Presse.«
»Aber nicht so. Das war schrecklich.«
»Ich habe es gesehen. Du schaffst das schon.«
»Du hast es gesehen?«
»Was? Ich habe Internet.« Er zuckt mit den Schultern, als wäre es keine große Sache, obwohl es das sehr wohl ist. Jasper ist nie online. Das ist nicht sein Stil. Er hat zwar Social-Media-Konten, aber er postet nichts darauf. Das machen seine Assistenten. Wenn er das Video gesehen hat, muss es etwas Besonderes sein. »Mom hat es uns geschickt.«
Oh, verdammt. Meine Mutter hat das Video gesehen?
»Mit einem lachenden Emoji«, fügt Cait hinzu.
»Was hat sie getan?« Ich bereue meinen Ausbruch sofort. Meine Schwester anzuschreien, ist schon schlimm genug, aber meine schwangere Schwester anzuschreien ist noch viel schlimmer. Wenn ich mich nicht irre, ist sie gerade in der vierzehnten Woche. Sie und ihr langjähriger Freund hatten nicht mit einer Schwangerschaft gerechnet, aber sie nehmen diese Überraschung mit ihrer gewohnten Liebe und Vorfreude gelassen hin. Ich freue mich riesig für sie und kann es kaum erwarten, meine zukünftige Nichte zu verwöhnen. Oder meinen Neffen. Das ist ein wichtiger Grund, warum ich mich entschlossen habe, hier in der Stadt eine Wohnung zu nehmen. Außerdem ist es nicht schlecht, in der Nähe meiner Eltern zu sein. Sie verbringen jetzt mehr Zeit hier als in Los Angeles.
Cait zuckt zusammen. »Hätte ich das nicht sagen sollen?«
»Ich finde, du hättest das Emoji weglassen sollen«, sagt Jasper zu ihr. »Aber du musst zugeben, dass es lustig war.«
Beide sehen aus, als würden sie jeden Moment in Gelächter ausbrechen, wenn sie nur an meinen totalen Reinfall denken.
Ich wusste, ich hätte meiner Pressesprecherin niemals sagen sollen, dass ich das Interview mache.
Ich hätte mich durchsetzen und Nein sagen sollen.
Aber das habe ich nicht getan. Ich habe Ja gesagt, weil ich keinen Ärger machen und nicht als schwierig gelten wollte.
Ich murre erneut, und Jaspers große Hand legt sich beruhigend auf meine Schulter.
»Mach dir nicht zu viele Gedanken. In ein oder zwei Tagen ist alles wieder vergessen.«
»Ein oder zwei Tage? Das ist eine Ewigkeit im Internet!«
»Ich habe schon ein Parodie-Video gesehen«, flüstert Cait theatralisch. »Und ein Meme.«
»Du bist wirklich keine Hilfe«, sagt Jasper, aber ich höre, wie er sich das Lachen verkneift.
»Ihr seid beide Verräter. Meine am wenigsten geliebten Geschwister.«
»Wir sind deine einzigen Geschwister. Wir können nicht deine am wenigsten geliebten sein.«
»Könnt ihr und seid ihr.«
»Das ist aber gemein, Jude.«
»Und deinen kleinen Bruder auszulachen ist nicht gemein?« Ich schüttle den Kopf. »Meine Karriere ist vorbei.«
»Ist sie nicht. Ich habe auch genug dumme Sachen gemacht, und sieh mich an.« Jasper winkt ab. »Mir geht es blendend. Verdammt, ich habe mit meiner bloßen Anwesenheit eine ganze Bäckerei geschlossen.«
»Entschuldige bitte, aber ich habe eine ganze Bäckerei geschlossen, weil es mein Laden ist. Ganz zu schweigen davon, dass ich das nur getan habe, weil ihr zu beschäftigt für eure schwangere Schwester seid und das die einzige Möglichkeit war, euch beide allein zu bekommen. Ich brauche mehr Zeit mit meinen Geschwistern, bevor das Baby kommt.«
Cait erreicht mit ihren Worten genau das, was sie beabsichtigt hat – ich fühle mich schuldig.
Ich war überrascht, Jasper heute Morgen vor meiner Wohnung zu sehen. Nicht nur, weil ich schockiert war, dass mein Portier ihn ohne Fragen hereingelassen hatte, sondern weil er gesagt hatte, er würde arbeiten und erst nächste Woche wieder in der Stadt sein. Ich schätze, nach meinem Fauxpas im Live-Fernsehen hielt er es für angebracht, früher zu kommen.
Auch wenn sie mich fertigmachen, bin ich froh, dass meine Geschwister da sind, um mir durch diese Zeit zu helfen.
Seit mehr als vierundzwanzig Stunden spiele ich den gestrigen Morgen in meinem Kopf immer wieder durch. Ich habe letzte Nacht kein Auge zugetan. Ich habe nur ständig meine Google Alerts aktualisiert.
Der jüngste Rafferty fällt zweimal auf die Nase – an der Kinokasse und im Live-Fernsehen.
Jude Rafferty: Ist er der Grund, warum die Familie Rafferty nicht mehr das ist, was sie einmal war?
Nimmt Jude Rafferty Drogen?
Das Letzte hat mich zum Lachen gebracht.
Drogen? Ich bitte euch. Ich bin ganz von allein so dumm, vielen Dank auch.
Die Allergiemedikamente waren gut, aber nicht so gut.
»Soll ich etwas ebenso Peinliches tun, um dich aus der Verlegenheit zu bringen?«
»Das würdest du für mich tun?«
Jasper lacht. »Auf keinen Fall. Diese Aufmerksamkeit will ich nicht.«
Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. »Arschloch.«
Er wirft mir einen Kuss zu, ich fange ihn in der Luft und zerdrücke ihn zwischen meinen Händen. Er weicht zurück, als wäre er beleidigt, und ich lächele zum ersten Mal seit über einem Tag.
Es ist lustig, denn für die Außenwelt ist der Rafferty-Clan Hollywood-Adel. Wir sind in vielerlei Hinsicht bekannte Namen.
Aber für uns? Wir sind einfach nur wir.
Wir sind keine Schauspieler. Die Leute kennen unsere Namen nicht. Wir sind nur Geschwister, die sich streiten und Spaß haben wie andere normale Menschen auch. Momente wie diese erinnern mich daran und lassen mich vergessen, dass ich jetzt aus den falschen Gründen eine Internet-Sensation bin.
Ein Seufzer entweicht mir, als ich daran denke, dass ich die neueste Witzfigur der Welt bin. »Hör auf, darüber nachzudenken«, sagt Jasper. »Es könnte schlimmer sein.«
»Ja, aber es könnte auch besser sein«, gibt Cait zu bedenken.
»Das hilft mir nicht«, sagt Jasper mit einem finsteren Blick.
Sie hebt unschuldig die Hände. »Tut mir leid. Aber es ist doch wahr. Ich bin nur froh, dass ich nicht so im Rampenlicht stehe wie ihr beiden Idioten.«
»Hey, du bist doch selbst berühmt.«
»Ja, aber ich will das nicht.« Sie verzieht den Mund. »Dieser ganze Rummel … das klingt anstrengend.«
Sie hat keine Ahnung.
Nun, vielleicht doch. Cait hat sich in ihrer Jugend als Schauspielerin versucht, entschlossen, in das ›Familiengeschäft‹ einzusteigen, aber schnell festgestellt, dass es ihr nicht gefällt, im Rampenlicht zu stehen. Nach einigen Gastauftritten in Shows verließ sie die Branche, konzentrierte sich fortan auf die Kreation köstlicher Desserts und hat diesen Schritt nie bereut.
Manchmal denke ich, sie ist die Einzige von uns, die noch bei Verstand ist. Sie scheint momentan auf jeden Fall am glücklichsten zu sein. Und das sollte sie auch sein. Ihr Laden läuft wie geschmiert. Er wurde bereits in zwei der bekanntesten Foodblogs der Stadt vorgestellt, und die Leute strömen her, um die neuen Fudge-Sorten zu probieren, die sie jede Woche zaubert. Dieser Laden ist nicht zu verachten, und ich könnte nicht stolzer auf sie sein.
»Danke, dass du den Laden für mich geschlossen hast«, sage ich zu ihr. »Du verpasst bestimmt einen guten Geschäftstag.«
Sie zuckt mit den Schultern. »Das stimmt, aber du gehörst zur Familie, und Familie geht vor. Außerdem hat Jasper angeboten, mir die wegfallenden Einnahmen zu ersetzen.«
»Ich?«, fragt er überrascht und zieht die Augenbrauen hoch.
»Noch nicht, aber das wirst du noch.«
»Wirklich?«
»Ja. Weil ich deine Lieblingsschwester bin und weil ich verspreche, unseren Eltern nichts davon zu erzählen, dass du die Tiffany-Vase zerbrochen hast.«
Er wirft den Kopf zurück und stöhnt. »Das ist zehn Jahre her.«
»Eher zwei.«
»Und es war nicht meine Schuld«, fährt er fort. Er zeigt auf mich. »Du hast mich geschubst.«
»Weil du mich ein Arschloch genannt hast«, entgegne ich.
»Nun, du warst ein Arschloch.«
»Ich glaube nicht, dass Jude ein Arsch sein kann«, wirft Cait mit einem Augenrollen ein. »Er ist der netteste Typ überhaupt.«
»So, so nett«, stimmt Jasper zu.
»Einfach der Beste.«
»Der Allerbeste.«
Sie machen sich über mich lustig. Ich weiß, dass sie das tun. Sie machen sich immer über mich lustig.
Ich kann es ihnen nicht verübeln. Ich bin nett. Erst gestern wollte ich Good Morning, New York nicht sagen, dass ich kurz vor einer allergischen Reaktion stand, weil ich keinen Ärger machen wollte. Das ist nett. Zu nett.
»Er kann euch hören, wisst ihr. Und er hält euch beide für Idioten.« Ich verschränke die Arme vor der Brust und starre sie an.
Sie brechen in Gelächter aus, ohne sich darum zu kümmern.
»Ach, komm schon, Jude.« Cait grinst mich an. »Es ist wahr, aber es ist nichts Schlechtes, nett zu sein.«
»Außer als du dieses arme Mädchen drei Jahre lang hingehalten hast«, fügt Jasper hinzu.
»Ich wollte ihr nicht wehtun.«
»Ja, was du getan hast, war viel besser.«
»Nun, Jas, wenn man bedenkt, dass sie mich betrogen hat, würde ich das auch sagen.«
»Oh, Scheiße.« Seine Augen weiten sich. »Das habe ich ganz vergessen.«
»Ich nicht«, sagt Cait. »Sophie war meine beste Freundin.«
Jasper und ich tauschen einen Blick. Cait entgeht das nicht.
»Was? Was soll dieser Blick?«, fragt sie und schaut zwischen uns hin und her.
»Nichts«, sage ich mit einem Achselzucken.
Cait schüttelt den Kopf. »Nein, da war definitiv etwas. Was war los?«
Jasper seufzt. »Es ist nur … Glaubst du wirklich, dass sie deine beste Freundin war?«
»Ja, natürlich.«
Ich werfe einen weiteren Blick auf meinen Bruder, der im Begriff ist, das Herz meiner Schwester zu brechen. Ich sollte ihn aufhalten, aber vielleicht ist es an der Zeit, dass sie es hört.
»Sie hat dich benutzt, Cait.«
»Um an uns heranzukommen«, stimme ich zu.
»Was? Das hat sie nicht! Wir … Wir …« Ihre Schultern sinken herab. »O mein Gott, sie hat mich benutzt.«
Ich zucke zusammen. »Tut mir leid, Schwester.«
Sie atmet schwer aus. »Ist schon gut. Das ist nicht das erste Mal, dass mir das passiert ist.«
Jasper tätschelt ihr die Schulter. »Tut mir leid. Es ist wirklich unfair, so talentierte und attraktive Brüder zu haben, die alle vögeln wollen.«
Sie stößt ihn mit dem Ellbogen weg. »Nicht jeder will mit dir schlafen.«
»Das stimmt nicht. Ich bin total gut zu vögeln.«
»Eher ein totaler Trottel.« Cait rollt mit den Augen.
»Du solltest mal die Leute auf den Partys sehen, auf die ich gehe. Die werfen sich von links und rechts auf mich.«
»Die wollen nur sagen können, dass sie mit einem Promi rumgemacht haben«, meint Cait. »Sie mögen dich nicht wirklich, weil sie dich nicht wirklich kennen.«
Dasist eines meiner größten Probleme in der Unterhaltungsbranche. Nichts ist echt und alles fühlt sich falsch an. Trotz der erfolgreichen Ehe meiner Eltern, die beweist, dass Beziehungen in Hollywood funktionieren können, fällt es mir schwer, an etwas Echtes zu glauben.
Das ist schade, denn ich finde, etwas Echtes klingt schön.
Bang! Bang! Bang!
Ein lautes Klopfen an der Eingangstür der Bäckerei lässt Cait fast aus ihrem Stuhl springen.
»Was zum …« Sie steht auf und hält sich die Hand vor die Brust. »Wer ist da?«
»Ich bin’s! Mach auf!« Oh, Mist.
»Es ist Dylan«, sage ich. »Ich habe vergessen, dass sie kommt.«
»Dylan? Deine Pressesprecherin?«
Ich nicke, stehe auf und gehe zur Tür. Ich fummle an den drei Riegeln herum – etwas übertrieben, da wir ja alleine hier sind – und schiebe die Tür dann gerade so weit auf, dass sie sich hindurchzwängen kann.
»Da sind drei Kameras, die von der anderen Straßenseite auf diesen Laden gerichtet sind«, sagt sie zur Begrüßung, während sie ihren Schal abnimmt und weiter in Caits Laden geht. »Jeder weiß, dass dies der Laden deiner Schwester ist.« Sie zieht ihre Jacke aus, reicht sie mir und redet weiter. »Die zählen eins und eins zusammen, Jude, also müssen wir schnell handeln; du schleichst dich durch die Hintertür raus, bevor es hier draußen laut wird.«
Als sie fertig ist, sieht sie mich mit strahlenden haselnussbraunen Augen und rot geschminkten Lippen an.
Ich grinse sie an. »Hallo, Dylan. Wie geht es dir?«
Sie kneift die Augen zusammen, aber mit dem Lächeln, das sich auf ihren Lippen abzeichnet, sieht das nicht furchterregend aus. »Hallo, Jude. Mir geht es gut – viel besser als Ihnen, Mr. Snoopy-Unterhose.«
Ich zucke zusammen und sie lacht und tätschelt mir die Wange.
»Keine Sorge. Wir finden schon eine Lösung«, beruhigt sie mich. »Ich habe mir Folgendes überlegt: Ich werde einige meiner Kontakte anrufen, um etwas zu arrangieren. Du brauchst einen Termin. Einen großen Namen. Jemanden, der bereits aus den richtigen Gründen Schlagzeilen macht. Wir besorgen dir einen Platz im angesagtesten Restaurant und sorgen dafür, dass die Paparazzi dort sind. Wir geben ihnen etwas anderes, worauf sie sich konzentrieren können, während wir hinter den Kulissen alles bereinigen. Wenn sie dich sehen, wie du ganz normal aussiehst und dich normal verhältst, lassen sie vielleicht die Schlagzeilen über Drogen fallen. Aber bis ich das organisiert habe, musst du Schadensbegrenzung betreiben. Poste etwas in den sozialen Medien. Mach Witze über das, was passiert ist. Bring die Leute dazu, darüber zu reden, aber auf eine positive Art und Weise.« Sie zeigt auf Jasper, als sie sich dem kleinen Tisch nähert, an dem wir sitzen. »Du. Hilf deinem Bruder. Schreib ein paar Posts für ihn.«
»Ich mache nichts in sozialen Medien.«
»Was? Natürlich tust du das. Du –«
»Mein Assistent kümmert sich um alles.«
Dylan starrt ihn verständnislos an, sichtlich unbeeindruckt, was ich lustig finde, da Jasper die Leute sonst immer beeindruckt. »Kannst du mir die Login-Daten für deinen Instagram-Account geben?«
»Ja, aber …«
»Perfekt.« Sie zieht ihr Handy aus der Gesäßtasche, ihre langen Fingernägel klappern leise gegen den Bildschirm, während sie schneller tippt, als ich es je könnte.
»Schick sie mir. Dein Bruder kann sie für dich posten.« Jasper runzelt die Stirn, offenbar gefällt es ihm nicht, dass meine Pressesprecherin ihn herumkommandiert.
Ich würde auch nicht sagen, dass ich das mag.
»Habe ich dabei irgendetwas zu sagen?«, frage ich.
Dylan lacht laut. »Nein. Überhaupt nicht.«
»Aber …«
»Magst du Italienisch?« Sie schüttelt den Kopf. »Vergiss es. Ist egal. Es ist ja kein richtiges Date, nur Show.« Sie schnippt mit den Fingern. »Lass uns drei Dates machen. So haben wir mehr Gelegenheiten, in den Schlagzeilen aufzutauchen. Vielleicht auch einen Morgenkaffee.« Sie schaut sich im Laden um. »Hier geht das nicht – wir suchen woanders.«
Ich werfe einen Blick auf Cait, die aussieht, als würde sie vor Wut platzen.
»Es tut mir leid«, sage ich leise zu ihr.
Sie atmet tief aus und schüttelt leicht den Kopf. Oh, das werde ich später noch zu hören bekommen.
»Dylan …«
Sie schaut kaum von ihrem Handy auf, als ich ihren Namen rufe.
»Das ist ein bisschen übertrieben, oder?«
Das erregt ihre Aufmerksamkeit.
»›Ein bisschen übertrieben‹?« Ihre perfekt geformten Augenbrauen schießen nach oben. »Nein, das ist nicht ein bisschen übertrieben. Es ist wahrscheinlich sogar noch zu wenig. Du wirst wochenlang in den Schlagzeilen stehen, Jude. Wir sind mitten in der Aufholphase. Du hast noch Wochen voller Pressetermine vor dir und hast dein erstes Interview vermasselt. Jetzt wirst du auf jeden Fall unter genauer Beobachtung stehen.«
»Wird das Internet das nicht einfach belächeln?«, fragt meine Schwester.
Jasper, Dylan und ich sehen Cait an, als wäre sie verrückt. Und vielleicht ist sie das auch, wenn sie so etwas vorschlägt.
»Klar.« Meine Pressesprecherin verschränkt die Arme vor der Brust. »Die Kids auf TikTok werden vielleicht lachen, sich darüber lustig machen und dann weitermachen, aber die Schlagzeilen? Die werden ein ganz anderes Lied singen. Ich habe bereits fünfzig E-Mails in meinem Posteingang, in denen gefragt wird, ob Jude ein Drogen- oder Alkoholproblem hat, dazu noch drei weitere von Führungskräften der Studios, die fragen, ob sie sich Sorgen machen müssen, und damit drohen, die Presseveranstaltungen abzusagen. Die sind alle auf dem Weg von meinem Hotel hierher eingegangen.« Sie lacht sarkastisch. »Dass das Internet Memes und Parodien erstellt, ist unsere geringste Sorge.«
Cait reißt die Augen auf, als sie Dylans Worte registriert. »Das ist …«
»Absolut absurd? Ich weiß.«
Meine Schwester schluckt und ringt mit den Händen. »Beängstigend.« Ihr Blick huscht zu mir. »Wie willst du das wieder in Ordnung bringen?«
Ich schaue Dylan an, die mir ihr bestes ›Vertrau mir‹-Gesicht zeigt. Ich arbeite jetzt schon seit Jahren mit ihr zusammen, und bei jedem Anzeichen eines Skandals hat sie immer die Oberhand behalten und ihn aus der Welt geschafft, bevor er sich überhaupt verbreiten konnte. Ich sollte ihr vertrauen. Nicht nur, weil sie mir wirklich Angst macht, sondern weil sie gut in ihrem Job ist.
Aber diese Dates … das bin ichnicht.
Ich habe schon einmal versucht, eine Beziehung in der Öffentlichkeit zu führen. Das hat nicht gut funktioniert. Ja, das ist schon Jahre her, nachdem Lakedale zu Ende war, aber ich weiß, dass das nichts für mich ist. Wenn ich mich verabrede – was ich in nächster Zeit nicht vorhabe –, dann möchte ich das zu meinen Bedingungen und vorzugsweise ganz privat.
»Gibt es nichts, was ich tun kann?«, frage ich meine Pressesprecherin.
»Sicher. Du könntest mehr Medikamente nehmen und dich im Fernsehen weiter blamieren. Vielleicht filmen sie dich das nächste Mal in deiner Teenage-Mutant-Ninja-Turtles-Unterwäsche statt in deiner Snoopy-Unterwäsche.«
»So eine hat er auch«, sagt Jasper, ohne mir im Geringsten zu helfen.
»Und wenn wir das ausschließen«, sage ich und ignoriere meinen Bruder völlig, »haben wir keine andere Wahl als falsche Verabredungen?«
Dylan seufzt. »Jude. Wir versuchen, deinen Namen in den Schlagzeilen zu halten, aber aus guten Gründen. Wir finden jemanden, der deiner würdig ist, und der ganze Wirbel um deine kleine allergische Reaktion wird sich legen, wenn du Teil des nächsten Traumpaars bist. Vertrau mir, okay? Das ist der beste Weg.«
Ich hasse mich dafür, dass ich das denke, aber … Dylan hat recht. Ich kann gar nicht zählen, wie oft Prominente wegen so etwas in den Schlagzeilen waren und dann in der nächsten Woche wieder wegen ihrer Partner. Das ist eine Ablenkungstaktik.
Und zu meinem großen Bedauern weiß ich, dass sie funktioniert. Dass ich sie brauche.
