The Time We Have - Stefanie Suter - E-Book

The Time We Have E-Book

Stefanie Suter

0,0

Beschreibung

Nach einem tragischen Ereignis in ihrer Heimat braucht Emily dringend einen Neuanfang und reist als Au-pair nach Annandale, Virginia. Dort wohnt sie bei einer fürsorglichen Gastfamilie und passt auf zwei kleine Kinder auf. Als ihre neue Freundin Laura sie zu einer Feier mitnimmt, trifft sie Jason. Der hat nicht nur Partys im Kopf, sondern will auch die erfolgreiche Firma seines Vaters übernehmen. Obwohl sie beide nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung sind, funkt es sofort zwischen ihnen. Doch sein bester Freund Alex hat ebenfalls Interesse an Emily. Überlässt er Jason das Feld? Und was passiert, wenn Emily wieder in die Schweiz zurückkehrt?

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 285

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum

1. Auf­la­ge 2022Co­py­right © 2022 Ste­fa­nie Su­terEbis­qua­re-Stras­se 7b, 6030 Ebi­kon, Schweiz

Um­schlag­ge­stal­tung: Con­stan­ze Kra­mer, co­ver­bou­tique.de

Bild­nach­wei­se: © CA­RA­COL­LA, ©phattha­nit – stock.ad­o­be.com; ra­wpi­xel.com

Satz und E-Book Kon­ver­tie­rung: Con­stan­ze Kra­mer, co­ver­bou­tique.de

ISBN 978-3-754-36569-4

Alle Rech­te vor­be­hal­ten. Das vor­lie­gen­de Werk darf we­der in sei­ner Ge­samt­heit noch in sei­nen Tei­len ohne vor­he­ri­ge schrift­li­che Zu­stim­mung der Recht­e­in­ha­ber in wel­cher Form auch im­mer ver­öf­fent­licht wer­den. Das be­trifft ins­be­son­de­re je­doch nicht aus­schließ­lich elek­tro­ni­sche, me­cha­ni­sche, phy­si­sche, au­dio­vi­su­el­le oder an­der­wei­ti­ge Re­pro­duk­ti­on oder Spei­che­rung und oder Über­tra­gung des Wer­kes so­wie Über­set­zun­gen. Da­von aus­ge­nom­men sind kur­ze Aus­zü­ge, die zum Zwe­cke der Re­zen­si­on ent­nom­men wer­den.

Für alle, die mich auf dem Weg zu meinem ersten Roman unterstützt ha­ben.

Emily

Emi­lys Hän­de zit­tern, als sie den schwe­ren Kof­fer auf die Waa­ge hebt. Das liegt aber nicht dar­an, dass er die er­laub­ten 23 Kilo leicht über­steigt. Ge­nau wie sie wird er etwa sechs­tau­send Ki­lo­me­ter hin­ter sich brin­gen. Um­ge­ben von Gleich­ge­sinn­ten, doch trotz­dem ganz al­lein. Sie be­ob­ach­tet, wie ihr Ge­päck lang­sam auf dem För­der­band ver­schwin­det.

»Hier Ihr Pass und das Flug­ti­cket«, sagt die net­te Dame hin­ter dem Schal­ter und streckt ihr die Do­ku­men­te hin.

Emi­ly er­schreckt. Ein biss­chen zu schnell nimmt sie die Un­ter­la­gen von der Frau ent­ge­gen, die sie fröh­lich an­lä­chelt. Um den un­an­ge­neh­men Mo­ment zu über­spie­len, mur­melt Emi­ly ein net­tes Dan­ke und macht sich auf den Weg zu ih­rer Fa­mi­lie.

Ihre Mut­ter schaut sie be­drückt an. Be­reits seit Ta­gen liegt eine trau­ri­ge, be­sorg­te Stim­mung um sie her­um. Ob­wohl sie Emi­ly an­lä­chelt, zieht sich die Freu­de nicht bis zu ih­ren wäss­ri­gen Au­gen. Emi­lys Va­ter legt den Arm um ihre Tail­le und zieht sie nä­her an sich. Es ist schwer für sie, ihre Toch­ter für ein Jahr weg­ge­hen zu las­sen.

Gott, sie wird ihre Fa­mi­lie so ver­mis­sen!

»Hat das Check-in ge­klappt?«, fragt ihr Va­ter lie­be­voll. Er löst sich lang­sam von ih­rer Mut­ter und reicht Emi­ly den Ruck­sack.

»Ja, al­les gut. Ich habe so­gar einen Fens­ter­platz«, ant­wor­tet Emi­ly und packt die Un­ter­la­gen ein. Ihre Hän­de zit­tern im­mer noch.

Ihr Va­ter scheint Emi­lys Ant­wort aber kei­ne Be­ach­tung zu schen­ken, son­dern wen­det sich zu ih­rem Bru­der, der ne­ben ihm steht. »Jetzt leg doch mal das Han­dy weg!«, sagt er be­stimmt.

Da­ni­el ver­dreht sei­ne blau­en Au­gen, schna­lzt laut und ver­staut sein Te­le­fon in der Ho­sen­ta­sche. Da­bei fal­len ihm sei­ne blon­den Haa­re ins Ge­sicht, die er mit ei­ner schnel­len Hand­be­we­gung wie­der zur Sei­te wischt.

Ein kur­z­er Stich macht sich in Emi­lys Brust be­merk­bar. Wie im­mer, wenn ihr Bru­der re­spekt­los ist. Er hat an­schei­nend Bes­se­res zu tun, als die letz­ten Mo­men­te mit sei­ner Schwes­ter zu ge­ni­e­ßen. Alle wa­ren über­rascht, dass er über­haupt mit zum Flug­ha­fen kam.

Emi­lys Blick trifft auf den ih­rer Mut­ter. So­fort macht sich Wär­me in ihr breit und sie lä­cheln ein­an­der zu.

Es ist auch schwer für Emi­ly, sich von ih­rer Fa­mi­lie zu ver­ab­schie­den. Sie weiß je­doch, dass es das Rich­ti­ge ist. Sie muss ler­nen, mit dem Er­leb­ten kla­r­zu­kom­men, und ver­su­chen, es zu ver­a­r­bei­ten. Ein neu­es Le­ben in ei­nem neu­en Land wird ihr da­bei hel­fen.

Ihr Va­ter räus­pert sich. »Ge­hen wir doch noch et­was Klei­nes es­sen«, schlägt er vor.

»Gute Idee«, ant­wor­tet Emi­ly und wirft sich den Ruck­sack über die Schul­tern. Sie hat zwar kei­ne Lust auf Es­sen, aber die­ses Her­um­ste­hen macht die Si­tua­ti­on auch nicht an­ge­neh­mer.

Gleich ne­ben dem Ein­gang zur Si­cher­heits­kon­trol­le ist die Bye Bye Bar. Der Flug­ha­fen Zü­rich hät­te den Na­men nicht bes­ser wäh­len kön­nen.

Wäh­rend sie sich set­zen, ver­staut Da­ni­el über­ra­schen­der­wei­se so­gar von sich aus sein Han­dy. Viel­leicht hat die An­sa­ge von ih­rem Va­ter vor­hin doch et­was be­wirkt.

Emi­ly er­in­nert sich an die Zeit, be­vor ihr Bru­der in die Pu­ber­tät kam. Da­mals war ihre Be­zie­hung noch nicht so kühl und er zeig­te ein biss­chen mehr Re­spekt. Heu­te ist es für die gan­ze Fa­mi­lie hin­ge­gen nicht ein­fach mit ihm.

Am Tisch ist es ru­hig. Emi­ly sucht ver­bis­sen nach ei­nem Ge­sprächs­the­ma, aber ihr kommt nichts Pas­sen­des in den Sinn.

»Du machst dir zu vie­le Ge­dan­ken, mein Schatz«, un­ter­bricht ihre Mut­ter plötz­lich die Stil­le.

»Ja«, stimmt ihr Va­ter zu. »Freust du dich denn nicht auf die neue Er­fah­rung?«

Emi­ly seufzt. »Doch, na­tür­lich. Aber was, wenn ich kei­ne Freun­de fin­de oder mei­ne Gast­fa­mi­lie mich trotz all der Ge­sprä­che nicht mag?«

»Du gehst ja vor­her zur Trai­ning School. Da lernst du be­stimmt vie­le neue Leu­te ken­nen«, sagt ihre Mut­ter auf­mun­ternd.

Das macht Emi­lys Ner­vo­si­tät nur noch schlim­mer. Sie wür­de lie­ber di­rekt zu ih­rer Gast­fa­mi­lie nach Vir­gi­nia fah­ren, als zu­erst in New York für eine Wo­che mit vie­len frem­den Au-pairs zu ler­nen, wie man auf Kin­der auf­passt. Im­mer­hin muss man so­wie­so schon Er­fah­run­gen in der Kin­der­be­treu­ung mit­brin­gen.

Emi­ly schüt­telt die Ge­dan­ken ab. »Ja, viel­leicht hast du recht.« Sie zwingt sich zu ei­nem kur­z­en Lä­cheln.

Dann kommt der Mo­ment des Ab­schieds doch schnel­ler als ge­wünscht. Ge­mein­sam ge­hen sie zum Ein­gang der Si­cher­heits­kon­trol­le.

»Okay, Zeit um Tschüss zu sa­gen«, flüs­tert Emi­ly und wen­det sich ih­rem Bru­der zu.

Sei­ne Arme strei­fen ih­ren Kör­per nur kurz, be­vor er die­se wie­der weg­zieht. »Viel Spaß«, mur­melt er knapp. Sein Ver­hal­ten ist si­cher nicht böse ge­meint, aber Emi­ly hat­te sich mehr ge­wünscht.

»Dan­ke. Und bit­te be­nimm dich. Kein Gras mehr, wenn du fährst, okay?«, flüs­tert Emi­ly so lei­se, dass ihre El­tern es nicht hö­ren kön­nen. Sie muss die bei­den im Mo­ment des Ab­schieds nicht auch noch an die­se Nacht er­in­nern.

Da­ni­el ver­dreht die Au­gen, nickt ihr aber kurz zu.

Ihr Va­ter nimmt sie fest in die Arme und küsst ih­ren Kopf. »Ich bin so stolz auf dich, mein Son­nen­schein. Die­ses Jahr wird dir si­cher gut­tun und dir sehr viel Lehr­rei­ches brin­gen. Ge­ni­e­ße je­den Mo­ment da­von.«

Emi­ly lä­chelt. Seit Jah­ren schon ist sie für ihre El­tern ihr klei­ner Son­nen­schein. Selbst in den letz­ten Mo­na­ten, in de­nen sie al­les an­de­re als Freu­de ver­sprüh­te, blieb ihr Ko­se­na­me be­ste­hen. Es ist schön zu wis­sen, dass sie im­mer das Gute in ihr se­hen.

So­bald Emi­ly sich vom Kör­per ih­res Va­ters ge­löst hat, wird sie von ih­rer Mut­ter in eine fes­te, fast schon zer­drü­cken­de Um­ar­mung ge­zo­gen. Ihre Mut­ter bricht so­fort in Trä­nen aus und kann kein Wort sa­gen.

Emi­ly er­wi­dert die Um­ar­mung mit ge­nau so viel Kraft und spürt wie­der Wär­me in sich. Auch ihr stei­gen Trä­nen in die Au­gen. Doch sie hält die­se zu­rück, sonst macht es den Ab­schied für sie nur noch schlim­mer. »Ist okay, Mam. Wir blei­ben im­mer in Kon­takt. Die­ses eine Jahr wird schnel­ler vor­bei­ge­hen, als du denkst«, flüs­tert sie mehr zu sich selbst und löst sich aus der Um­ar­mung.

Has­tig dreht sich ihre Mut­ter zur Sei­te und wühlt in ih­rer Ta­sche her­um. Nach ei­nem kur­z­en Mo­ment zieht sie ein Päck­chen her­aus und über­gibt es Emi­ly. »Da­mit du uns nicht ver­gisst. Du darfst es aber erst am Gate öff­nen«, sagt sie, im­mer noch schluch­zend.

Emi­ly nimmt das klei­ne, sorg­fäl­tig ein­ge­pack­te Ge­schenk ent­ge­gen. Es ist schwer und in leuch­ten­des, gel­bes Pa­pier ein­ge­wi­ckelt. Ihre Lieb­lings­fa­r­be.

Sie be­dankt sich bei ih­ren El­tern und nickt auch Da­ni­el kurz zu. Dann muss sie sich aber wirk­lich auf den Weg ma­chen. Sie packt das Ge­schenk ein, nimmt den Boar­ding­pass und schwingt sich den Ruck­sack wie­der über die Schul­tern.

Das Ti­cket in ih­rer Hand zit­tert leicht, als sie es an den Scan­ner für die Bar­rie­re hält. »Ich habe euch alle ganz doll lieb. Bis bald!«, sagt sie noch, be­vor sich die Tü­ren mit ei­nem grü­nen Leuch­ten öff­nen und ihr den Weg zur Si­cher­heits­kon­trol­le frei­ma­chen. Sie dreht sich nicht mehr um, weil sie nicht noch­mals in das trau­ri­ge Ge­sicht ih­rer Mut­ter bli­cken möch­te. Ein mul­mi­ges Ge­fühl macht sich in ih­rem Ma­gen breit. Eine Mi­schung aus Neu­gier, Sor­ge und Ner­vo­si­tät.

Nach der Si­cher­heits­kon­trol­le packt Emi­ly lang­sam ihre Sa­chen wie­der ein.

Hin­ter ihr re­den zwei jun­ge Frau­en mit­ein­an­der und ki­chern. »Auf kei­nem Fall dür­fen wir die Sa­gra­da Famí­lia ver­pas­sen und shop­pen müs­sen wir auch! Ich freu mich so auf die­sen Bes­te-Freun­din­nen-Trip!«

Beim letz­ten Wort ist Emi­ly übel ge­wor­den und alte Er­in­ne­rung kom­men in ihr hoch.

Vor knapp ei­nem Jahr war sie eben­falls hier am Flug­ha­fen mit ih­rer bes­ten Freun­din Kim. Ber­lin war der ers­te ge­mein­sa­me Städ­te­trip und sie plau­der­ten die gan­ze Zeit über die Rei­sen, die noch fol­gen soll­ten. So­gar eine Lis­te mit all den Städ­ten, die sie zu­sam­men be­rei­sen woll­ten, hat­ten sie an­ge­fer­tigt. Sie hat­ten sich ge­nau­so ge­freut wie die bei­den Mä­dels. Doch nur ei­ni­ge Wo­chen da­nach kam al­les an­ders und es war al­lein Emi­lys Schuld.

Sie schließt die Au­gen, um ihre Er­in­ne­rung zu ver­drän­gen. Ihr ist schwin­de­lig und die Welt scheint sich wie ihre Ge­dan­ken wild zu dre­hen. Als sie die Au­gen wie­der öff­net, merkt sie, dass die Leu­te um sie her­um ihr ko­mi­sche Bli­cke zu­wer­fen. Die bei­den Freun­din­nen sind ver­schwun­den.

Schnell packt sie ihre Sa­chen und tau­melt ein paar Schrit­te von der Men­schen­mas­se weg. Ihr Herz schlägt schnel­ler und sie ver­spürt ein tie­fes Ver­lan­gen da­nach, sich hin­zu­set­zen. Als sich ihr Kör­per im­mer mehr er­hitzt, wird ihr klar, was ge­ra­de mit ihr pas­siert. Wenn sie jetzt eine Pa­nik­atta­cke hat, könn­te sie ih­ren Flug ver­pas­sen. Sie muss so schnell sie kann zum Gate. Doch die­ses ist am an­de­ren Ende des Flug­ha­fens.

Ziel­stre­big läuft sie durch den Duty-free-Shop, den man hier lei­der nicht um­ge­hen kann. Der Ge­ruch von Pa­r­fum steigt in ihre Nase, was den Schwin­del noch schlim­mer macht. Ein biss­chen zu schnell dreht sie sich nach links, kann sich aber am Hand­lauf der Roll­trep­pe noch fan­gen, be­vor sie kom­plett das Gleich­ge­wicht ver­liert.

Die Welt kreist, doch auf dem Weg nach un­ten hat Emi­ly einen Mo­ment Zeit, um tief durch­zu­at­men. Sie stützt sich wei­ter­hin ab, um nicht um­zu­kip­pen. Die­se Pa­nik­atta­cken hat sie schon seit ein paar Mo­na­ten. Sie tauch­ten nach dem Zwi­schen­fall mit ih­rer bes­ten Freun­din Kim auf. Aber sie hat noch nie­man­dem da­von er­zählt.

Im un­te­ren Stock bei der Pass­kon­trol­le an­ge­kom­men, schlägt ihr Herz ein we­nig lang­sa­mer. Die Hit­ze in ih­rem Kör­per macht je­doch klar, dass es noch nicht über­stan­den ist. Mit schwit­zi­gen Hän­den nimmt sie ih­ren Pass aus dem Ruck­sack und be­gibt sich zum Schal­ter.

Der Mann da­hin­ter scheint die Schweiß­per­len auf Emi­lys Stirn nicht zu be­mer­ken oder zeigt zu­min­dest kein In­ter­es­se dar­an.

Sie packt die Un­ter­la­gen nach der Über­prü­fung ein und läuft wei­ter zur nächs­ten Roll­trep­pe, die noch­mals einen Stock tie­fer führt.

Glü­ck­li­cher­wei­se fährt zum Zeit­punkt, an dem Emi­ly un­ten an­kommt, die Bahn zu Gate E ein.

Mit kur­z­en, schnel­len Schrit­ten steigt sie ein, al­ler­dings ist kein Sitz­platz mehr frei. Sie stützt sich an der Wand ab und at­met durch.

Mit die­sem Zug zu fah­ren ist nor­ma­le­r­wei­se pure Freu­de. Die ty­pisch schwei­ze­ri­schen Bil­der an den Tun­nel­wän­den, das Mu­hen der Kühe und Läu­ten der Glo­cken sind wirk­lich ein Er­leb­nis, das nur der Flug­ha­fen Zü­rich bie­tet. Im Mo­ment ma­chen die­se Ein­drü­cke die Pa­nik­atta­cke aber nur noch schlim­mer. Denn in der Schweiz fühlt sie sich mo­men­tan al­les an­de­re als zu Hau­se. Die Fahrt dau­ert nur ein paar Mi­nu­ten, ihr kommt es je­doch wie eine Ewig­keit vor.

Bei der An­kunft am Gate E merkt sie, dass sie es nicht bis zum Schal­ter für das Boar­ding schaf­fen wird, ohne um­zu­kip­pen. Da­für quält sie die Hit­ze und der Schwin­del zu sehr. Schnell steigt sie aus und setzt sich nach ei­ni­gen Me­tern auf eine Bank. Sie at­met tief durch und legt den Kopf in ihr Hän­de.

Als sie die­sen wie­der hebt, sieht sie hin­ter den gro­ßen Fens­tern die Flug­zeu­ge. Be­reit, um neue Pas­sa­gie­re und auch sie an einen an­de­ren Ort zu brin­gen.

Bald bin ich hier weg und kann neu star­ten.

Die­ser Ge­dan­ke und die Ate­m­übun­gen las­sen ih­ren Puls sin­ken. Sie steht auf und setzt ih­ren Weg fort. Ihr Flug star­tet am an­de­ren Ende des lan­gen, brei­ten Gangs.

Emi­ly schleppt sich lang­sam in die­se Rich­tung. Auf dem Weg geht sie an ei­nem Sta­r­bucks vor­bei.

Ein hei­ßer Tee ist jetzt ge­nau das Rich­ti­ge, denkt sie und be­stellt sich einen Ka­mil­len­tee. Die­ser soll­te hel­fen, sie et­was ru­hi­ger zu stim­men.

Sie wirft einen Blick auf die Uhr. Das Boar­ding star­tet erst in Drei­ßig Mi­nu­ten, es bleibt also noch Zeit.

Das Ge­tränk nimmt sie mit zum Gate und setzt sich auf einen Stuhl. Ihre Sa­chen legt sie vor sich hin. Sie öff­net den De­ckel ih­res Be­chers, da­mit der Tee schnel­ler ab­kühlt. Doch die­ser sitzt so fest, dass sie beim Öff­nen einen Teil des hei­ßen Ge­tränks ver­schüt­tet. Die Flüs­sig­keit lan­det auf ih­ren Jeans.

»Ah, schei­ße«, flüs­tert Emi­ly wü­tend. Sie stellt den Be­cher ne­ben sich auf ein klei­nes Tisch­chen und sucht im Ruck­sack nach ei­nem Ta­schen­tuch. Statt­des­sen stößt sie auf das Ge­schenk ih­rer El­tern. Sie be­kommt ein schlech­tes Ge­wis­sen, weil sie das Päck­chen völ­lig ver­ges­sen hat­te.

Ihre Mut­ter war­tet si­cher schon sehn­lichst auf ihre Re­ak­ti­on.

Als sie auch das Ta­schen­tuch ge­fun­den hat, schließt sie den Ruck­sack und legt ihn zu­rück auf den Bo­den. Sie wischt sich die Sau­e­rei, so gut es geht, von der Jeans und wen­det sich dann dem Ge­schenk zu.

Lang­sam zerrt sie am gelb schim­mern­den Pa­pier des Pa­kets. Dar­un­ter be­fin­det sich eine klei­ne, gel­be Schmuck­s­chach­tel mit ei­ner Son­ne auf dem De­ckel. Die Schach­tel und das Pa­pier pas­sen per­fekt!

Sie öff­net die Box lang­sam und sieht eine sil­ber­ne Ket­te mit ei­nem Me­dail­lon und ein zu­sam­men­ge­fal­te­tes Stück Pa­pier.

Der run­de An­hän­ger hat eben­falls eine schwung­vol­le Ab­bil­dung ei­ner Son­ne und in der Mit­te be­fin­det sich ein klei­ner, fun­keln­der Stein.

Beim ge­nau­e­ren Hin­se­hen merkt sie, dass sich das Me­dail­lon öff­nen lässt. Vor­sich­tig klappt sie es auf.

Im In­ne­ren lä­cheln ihr Va­ter, ihre Mut­ter und ihr klei­ner Bru­der sie von ei­nem Foto an.

Emi­ly lä­chelt zu­rück.

Der bei­ge­leg­te Brief ist von ih­rer Mut­ter. Sie wür­de ihre schwung­vol­le Schrift über­all er­ken­nen.

Lie­be Emi­ly,

wir wis­sen, dass du in den letz­ten Mo­na­ten viel durch­ge­macht hast und du die­ses Zwi­schen­jahr in den USA als Neu­start brauchst. Das Le­ben legt ei­nem manch­mal Stol­per­stei­ne in den Weg. Es liegt nun an dir, die­se zu über­win­den und dich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Für die­sen Schritt möch­ten wir dir einen Rat mit­ge­ben: Die Stär­ke liegt in der Ver­ge­bung. Vor al­lem in der Ver­ge­bung an dich selbst. Und wir den­ken, dass du die­se wich­ti­ge Lek­ti­on in Ame­ri­ka ler­nen wirst.

Da­mit du uns nicht ver­gisst und auch in dun­keln Zei­ten Licht bei dir hast, ha­ben wir ein klei­nes Ge­schenk für dich. Wir sind sehr stolz auf dich und freu­en uns dar­auf, dich in ei­nem Jahr wie­der in die Arme neh­men zu kön­nen.

Ha­ben dich ganz doll lieb.

Mam und Dad

Trä­nen stei­gen in Emi­lys Au­gen und Freu­de blüht in ihr auf. Ihre Mut­ter fin­det im­mer die rich­ti­gen Wor­te. Wor­te, die sie ge­nau jetzt le­sen muss­te. Sie ist dank­bar, eine Fa­mi­lie zu ha­ben, die so un­ter­stüt­zend und lie­be­voll ist. Trotz al­ler Feh­ler ste­hen sie im­mer zu­ein­an­der.

Sie nimmt das Ta­schen­tuch, das vom Tee nur leicht feucht ist, und trock­net sich die Au­gen. Das Me­dail­lon legt sie sich um den Hals. Den Rest packt sie zu­rück in den Ruck­sack.

Ih­rer Mut­ter schreibt sie so­fort eine kur­ze Nach­richt mit ei­nem Bild von sich mit der Ket­te und dem brei­tes­ten Lä­cheln seit Ta­gen.

Vie­len lie­ben Dank für das Ge­schenk! Es ist wun­der­schön und ge­nau, was ich jetzt ge­braucht habe!

Ihre Mut­ter ant­wor­tet so­fort. Wie er­war­tet.

Gern ge­sche­hen. Wir sind froh, dass sie dir ge­fällt. Wir wer­den dich ver­mis­sen. Pass auf dich auf, Son­nen­schein!

Be­vor sie das Han­dy weg­legt, wirft sie noch einen Blick auf die Zeit.

Bald be­ginnt das Boar­ding.

Die Un­ru­he in ih­rem Kör­per, die sich für einen Mo­ment ge­legt hat, kehrt zu­rück. Sie wen­det sich ih­rem Tee zu.

Die­ser hat in­zwi­schen eine gute Trink­tem­pe­ra­tur.

Emi­ly at­met tief durch und nimmt einen Schluck. Die Wär­me brei­tet sich in ih­rem Kör­per aus. Es wird al­les gut, denkt sie im­mer wie­der. Sie trinkt ih­ren Tee Schluck für Schluck aus und wirft den Be­cher dann in den Ab­fall.

Wie ge­plant er­klingt an­schlie­ßend aus dem Laut­spre­cher eine Stim­me. Das Boar­ding für ih­ren Flug be­ginnt.

Kei­ne Se­kun­de nach die­ser Aus­sa­ge ste­hen die meis­ten Leu­te auf und be­ge­ben sich zum Ein­gang des Gates.

Emi­ly schüt­telt den Kopf. Sie ver­steht nicht, wes­halb im­mer gleich alle Pas­sa­gie­re auf­sprin­gen müs­sen. Zu­erst sind so­wie­so die bes­se­ren Klas­sen dran. Sie bleibt noch eine Wei­le sit­zen und be­ob­ach­tet die Leu­te, um sich von ih­rer Auf­re­gung ab­zu­len­ken. Emi­ly liebt es sich Ge­schich­ten über Mit­rei­sen­de aus­zu­den­ken.

Doch ihre Träu­me­rei wird durch Ge­schrei ge­stört. »Tom­my, was machst du denn da? Ich habe dir ge­sagt, hier wird nicht ge­rannt!«, ruft eine Frau wü­tend.

Ein Klein­kind sitzt wei­nend am Bo­den, um­ge­ben von Scho­ko­lin­sen, die es wahr­schein­lich aus­ge­schüt­tet hat. Die gest­ress­te Mut­ter kniet auf dem Bo­den und ver­sucht, alle Sü­ßig­kei­ten schnell zu­sam­men­zu­su­chen.

Die Leu­te rund­her­um ver­dre­hen ver­ständ­nis­los die Au­gen und wer­den lei­se un­an­ge­mes­se­ne Kom­men­ta­re los.

In ein paar Ta­gen könn­test du das sein, schießt es Emi­ly durch den Kopf. Da­bei är­gert sie sich nicht über das wei­nen­de Kind, son­dern fühlt mit der Mut­ter mit. Schnell steht sie auf, um der Frau zu hel­fen, denn sie wäre eben­falls um jede Hil­fe froh.

»Dan­ke schön«, sagt die Mut­ter lie­be­voll, als Emi­ly sich ne­ben sie auf den Bo­den hockt.

»Gar kein Pro­blem«, ant­wor­tet sie lä­chelnd und sam­melt die Scho­ko­lin­sen ein.

Tom­my steht da­ne­ben und zieht einen Schmoll­mund.

»So­bald die Kin­der zwei wer­den, ver­wan­deln sie sich von sü­ßen Ba­bys in klei­ne Mons­ter. Wut­aus­brü­che, trot­zi­ges Ver­hal­ten, es ist al­les da­bei«, flüs­tert sie Emi­ly lei­se zu und lacht kurz. »Trotz­dem liebt man sie.«

Emi­ly nickt. Sie kann sich er­in­nern, von den Ter­ri­ble Twos ge­le­sen zu ha­ben. Tu­cker, ei­nes ih­rer Gast­kin­der, fällt mit zwei Jah­ren auch in die­se Ka­te­go­rie. Hof­fent­lich wird sie die­se Pro­ble­me mit ihm be­wäl­ti­gen kön­nen.

Als die Un­ord­nung wie­der be­sei­tigt ist, be­dankt sich die Mut­ter noch­mals bei Emi­ly und geht mit ih­rem quen­geln­den Jun­gen zu ei­nem an­de­ren Gate.

Zu­frie­den­heit macht sich in Emi­ly breit. Wie im­mer, wenn sie je­man­dem hel­fen kann. Das Ge­fühl ist so stark, dass es die Nach­wir­kun­gen der Pa­nik­atta­cke über­deckt.

Bei der nächs­ten Laut­spre­cher­durch­sa­ge kommt die Auf­re­gung je­doch wie­der zu­rück, denn die Eco­no­my-Klas­se ist mit dem Boar­ding dran.

Emi­ly holt ihre Sa­chen und stellt sich in die Schlan­ge. Sie nimmt schon mal ih­ren Pass und ihr Flug­ti­cket aus dem Ruck­sack. Sie hat­te die­se ex­tra in ein Ne­ben­fach ge­packt, da­mit sie al­les schnel­ler zur Hand hat.

Als sie an der Rei­he ist, lä­chelt die Flug­be­glei­te­rin ihr fröh­lich zu.

Emi­ly reicht ihr ihre Un­ter­la­gen und zwingt sich ein klei­nes Lä­cheln auf die Lip­pen.

Die Frau nickt ihr zu und gibt ihr die Do­ku­men­te zu­rück. Für einen kur­z­en Mo­ment huscht ein ver­wirr­ter Blick über ihr Ge­sicht. Wahr­schein­lich merkt sie, dass Emi­ly ner­vö­ser ist als an­de­re.

Lang­sam geht sie Schritt für Schritt durch den schma­len Gang in Rich­tung ih­res Sitz­plat­zes. Nach ei­ner ge­fühl­ten Ewig­keit kommt Emi­ly end­lich bei ih­rer Rei­he an. Es sitzt noch nie­mand da, so dass sie sich in Ruhe ein­nis­ten kann.

Sie hebt den schwe­ren Kof­fer in das Ge­päck­fach über ih­rem Kopf, was sich auf­grund ih­rer Grö­ße als sehr an­stren­gend her­ausstellt, und setzt sich dann hin. Für den lan­gen Flug be­nö­tigt sie un­be­dingt ihr Han­dy und ihre Kopf­hö­rer, wel­che sie aus dem Ruck­sack nimmt, be­vor sie die­sen un­ter dem Sitz vor sich ver­staut. Sie tippt noch kurz eine Nach­richt für ihre Fa­mi­lie.

Bin jetzt im Flug­zeug. Bald geht es los. Mel­de mich in New York wie­der.

Da­nach schal­tet sie den Flug­mo­dus ein.

Ei­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter fängt das Flug­zeug an zu vi­brie­ren und kurz dar­auf zu rol­len.

Eine Stim­me er­klingt durch den Laut­spre­cher, es ist der Pi­lot. Er heißt die Pas­sa­gie­re will­kom­men und gibt ei­ni­ge In­for­ma­ti­o­nen zum acht­stün­di­gen Flug.

An­schlie­ßend wird das Si­cher­heits­vi­deo ge­spielt, das Emi­ly aber igno­riert. Ers­tens hat sie es schon oft ge­se­hen und zwei­tens ist sie mo­men­tan zu sehr mit sich selbst be­schäf­tigt, da ihr Herz wie­der schnel­ler schlägt.

Sie steckt sich die Kopf­hö­rer ins Ohr und schal­tet eine Me­di­ta­ti­on ein, die sie be­ru­hi­gen soll. Eine sanf­te Mu­sik er­klingt, be­glei­tet von ei­ner weib­li­chen Stim­me. Emi­ly schließt die Au­gen und kon­zen­triert sich dar­auf, was sie ihr sagt. Ein woh­li­ges Ge­fühl brei­tet sich in ihr aus und tat­säch­lich be­ru­higt sich ihr Puls. Er be­ru­higt sich so sehr, dass Emi­ly merkt, wie doch ein Mo­ment der Vor­freu­de in ihr her­vor­kriecht als das Flug­zeug den Bo­den ver­lässt und in die Höhe steigt.

Emily

Auf dem Weg in den Sü­den wird das Wet­ter im­mer bes­ser und der Schnee im­mer we­ni­ger, bis er ganz ver­schwin­det.

Emi­ly kann die Wär­me der Son­ne durch das Fens­ter­glas spü­ren. Mit Mu­sik in den Oh­ren be­ob­ach­tet sie die vor­bei­zie­hen­de Land­schaft. Trotz­dem kann sie das Ge­schnat­ter der an­de­ren Au-pairs im Bus hö­ren.

Wie be­fürch­tet hat Emi­ly mit nie­man­dem in der Trai­ning School eine wirk­li­che Freund­schaft auf­ge­baut. Es gab zwar ein paar net­te Mäd­chen, die wer­den aber alle an einen an­de­ren Ort in Ame­ri­ka rei­sen. Mit den sechs Mä­dels im Bus hat­te Emi­ly aber nichts zu tun. Für ih­ren Ge­schmack wa­ren sie alle ein biss­chen zu laut und ein­ge­bil­det. Des­halb ist Emi­ly froh, als die mehr­stün­di­ge Bus­fahrt auch end­lich en­det.

Bei der An­kunft in Alex­an­dria war­ten be­reits zwei Gast­fa­mi­li­en auf dem Park­platz, als der Bus ein­fährt.

So­fort wird das Ge­plap­per der Mäd­chen noch lau­ter.

»Ist das dei­ne Fa­mi­lie?«

»Nein, ich glaub mei­ne. Oh, sieh dir den Klei­nen an.«

»Das könn­te auch mei­ne sein!«

Auch Emi­ly starrt su­chend nach drau­ßen, wäh­rend sie lang­sam die Kopf­hö­rer und ihr Han­dy ver­staut. Sie hat sich gut ge­merkt, wie ihre Gast­mut­ter aus­sieht, da­mit sie sie gleich er­kennt.

Je­doch kann sie die­se nicht ent­de­cken.

Als der Bus end­lich hält, stei­gen alle auf­ge­regt aus, um ihre Kof­fer zu ho­len. Dann kommt eine Fa­mi­lie nach der an­de­ren vor­bei und holt ihr Au-pair ab.

Nach ei­ner Wei­le war­tet Emi­ly al­lei­ne mit der Be­treu­e­rin ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on auf dem Park­platz.

»Kei­ne Sor­ge. Sie kom­men si­cher bald. Um die­se Zeit herrscht im­mer viel Ver­kehr und wir wa­ren et­was zu früh hier«, mun­tert sie Emi­ly auf.

Emi­ly lä­chelt ihr zu und ent­spannt sich ein we­nig.

Ihre Gast­mut­ter He­len wird sie be­stimmt nicht ver­ges­sen. Be­reits bei den Vi­deo­calls, als sie ihre Gast­fa­mi­lie ken­nen­lern­te, war He­len nie pünkt­lich und ir­gend­wie wa­ren die Ge­sprä­che im­mer ein biss­chen chao­tisch.

Tat­säch­lich fährt ei­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter ein Auto auf den Park­platz.

Emi­lys Herz fängt vor Freu­de an wie wild zu schla­gen.

Die Au­to­tür öff­net sich. Eine leicht pum­me­li­ge Frau mit lan­gen, brau­nen Haa­ren steigt aus und winkt. Es ist He­len, ganz si­cher.

Emi­ly steht auf und grüßt zu­rück.

He­len geht zur hin­te­ren Tür und öff­net sie. Einen kur­z­en Mo­ment spä­ter hilft sie ei­nem blon­den Jun­gen aus dem Auto.

Der klei­ne Tu­cker hält ein selbst ge­mal­tes Schild mit der Auf­schrift Wel­co­me Home, Emi­ly in den Hän­den.

Emi­ly geht auf die bei­den zu und wird von He­len so­fort in den Arm ge­nom­men. »Es ist so schön, dich end­lich ken­nen­zu­ler­nen!«

Sie lä­chelt. »Das kann ich nur zu­rück­ge­ben.« Nach­dem sie sich aus der Um­ar­mung ge­löst hat, kniet sie sich hin, um Tu­cker eben­falls zu be­grü­ßen.

Der klei­ne Jun­ge steht ganz nahe ne­ben He­len und grinst scheu. Er hat wun­der­schö­ne leuch­tend blaue Au­gen mit den längs­ten Wim­pern, die Emi­ly je ge­se­hen hat.

»Komm schon, Äff­chen. Du musst nicht so schüch­tern sein«, spornt He­len ihn an.

Was für ein sü­ßer Spitz­na­me.

Tu­cker gibt ihr das Will­kom­mens­pla­kat.

»Dan­ke schön. Hast du das selbst ge­malt?«, sagt sie, um ihn ein biss­chen zum Re­den zu brin­gen.

Er nickt fröh­lich und nimmt die Hand sei­ner Mut­ter.

Emi­ly ver­zieht ih­ren Mund zu ei­nem Grin­sen. Die Ges­te mit dem Pla­kat zeigt ihr, dass sie mit of­fe­nen Ar­men in die Gast­fa­mi­lie auf­ge­nom­men wird. Ge­nau, was sie sich ge­wünscht hat. Da sie aber erst die Hälf­te der Fa­mi­lie kennt, hofft sie, dass auch ihr Gast­va­ter und das Baby so po­si­tiv ihr ge­gen­über auf­tre­ten.

Emi­ly steht wie­der auf. Ge­mein­sam mit He­len packt sie ihr Ge­päck in den Kof­fer­raum und steigt ins Auto. Wäh­rend der Fahrt zum Haus ver­sucht Emi­ly mit ih­ren Eng­lisch­kennt­nis­sen, so gut es geht, mit He­len zu plau­dern.

Tu­cker be­tei­ligt sich eben­falls an der Kon­ver­sa­ti­on auf den Vor­der­sit­zen. Lei­der hat Emi­ly ex­trem viel Mühe, ihn zu ver­ste­hen, da er die Wor­te noch nicht so deut­lich aus­spricht wie ein Er­wach­se­ner und nur ein be­grenz­ter Wort­s­chatz be­sitzt. Sie beißt sich auf die Lip­pen und schaut hil­fe­su­chend zu He­len.

He­len schaut in den Rück­spie­gel und be­ant­wor­tet rasch Tu­ckers Fra­ge. Dann wen­det sie sich wie­der Emi­ly zu. »Du wirst dich an sei­ne Spra­che ge­wöh­nen. Auch an­de­re Au-pairs ha­ben an­fangs Mühe, die Gast­kin­der zu ver­ste­hen«, sagt sie be­ru­hi­gend.

Als sie vom High­way hin­un­ter­fah­ren, be­ob­ach­tet Emi­ly die Um­ge­bung durch das Fens­ter­glas.

Al­les sieht so an­ders aus. Die Haupt­stra­ßen sind ei­ni­ges brei­ter und meis­tens mehr­spu­rig. Die meis­ten Ge­bäu­de in den Wohn­vier­teln sind gro­ße Ein­fa­mi­li­en­häu­ser mit schö­nen Vor­gär­ten. Da­vor ste­hen oft Au­tos am Stra­ßen­rand, so­dass zwei Fahr­zeu­ge sich nicht mehr kreu­zen kön­nen.

Nach etwa ei­ner hal­b­en Stun­de Fahrt er­rei­chen sie das Ende ei­ner kur­z­en, en­gen Ein­bahn­stra­ße. Vor ei­nem Ein­fa­mi­li­en­haus aus brau­nem Sicht­mau­e­r­werk hal­ten sie an. Das muss Emi­lys neu­es Zu­hau­se für das nächs­te Jahr sein.

Sie stei­gen aus.

»Will­kom­men zu Hau­se!«, sagt He­len eu­pho­risch, wäh­rend sie Tu­cker aus dem Auto hilft.

Emi­ly lä­chelt. Sie freut sich auf die Zeit, die sie hier ver­brin­gen wird. Doch die An­span­nung und Un­ru­he in ihr macht klar, dass auch die Ner­vo­si­tät mit­spielt. Im­mer­hin hat sie kei­ne Ah­nung, was sie noch er­war­ten wird.

Tu­cker rennt an ihr vor­bei über einen lan­gen dün­nen Weg zum Haus und bleibt vor der klei­nen Trep­pe ste­hen, die hin­auf zur Ein­gangs­tür führt. Er dreht sich um. »Ich brau­che Hil­fe«, ruft er so laut, wie sei­ne wei­che, zier­li­che Stim­me es er­laubt und streckt sei­ne Arme in die Höhe.

He­len ist mit dem Kof­fer be­schäf­tigt und trägt die­sen zum Ein­gang. Des­halb geht Emi­ly auf Tu­cker zu und reicht ihm die Hand.

Nach kur­z­em Zö­gern nimmt er sie an und setzt einen Fuß nach dem An­de­ren auf die Stu­fen.

Erst da be­merkt sie, dass vor der rich­ti­gen Haus­tür auch eine aus Glas ist. Das hat sie noch nie zu­vor ge­se­hen. Ne­ben dem Ein­gang hängt eine ame­ri­ka­ni­sche Flag­ge, was ihr wie­der­um schon bei meh­re­ren Häu­sern auf dem Weg auf­ge­fal­len ist.

He­len öff­net die Tür.

Ein Gol­den Re­trie­ver, der da­hin­ter war­tet, hüpft ganz auf­ge­regt um­her und war­tet auf ihr Herr­chen.

»Ist das Blue?«, fragt Emi­ly un­gläu­big, denn als sie sich vor ein paar Mo­na­ten für die Fa­mi­lie ent­schie­den hat, war die Hün­din noch fast ein Baby.

He­len lacht. »Ja, sie ist ex­trem schnell ge­wach­sen. Für einen Gol­den Re­trie­ver ist sie so­gar eher zu groß.«

Ei­gent­lich mag Emi­ly Kat­zen viel mehr als Hun­de. Doch da in Ame­ri­ka so ziem­lich jede Gast­fa­mi­lie einen Hund be­sitzt, gibt es nicht viel Spiel­raum. Im­mer­hin ist die Fa­mi­lie wich­ti­ger als ein Haus­tier.

Sie strei­chelt den Gol­die und sieht sich im Raum um.

Sie ste­hen in ei­nem klei­nen Wohn­zim­mer, von wel­chem Emi­ly links die Kü­che er­blickt. Gleich da­vor ist ein Tisch mit acht Stüh­len.

Rechts be­fin­det sich auch noch ein Tür­bo­gen, durch wel­chen Tu­cker so schnell er kann ver­schwin­det. Emi­ly kann aber nicht er­ken­nen, wo­hin die­ser führt.

Auf dem Sofa gleich beim Haus­ein­gang sitzt eine wun­der­schö­ne, jun­ge Frau mit ei­nem Baby auf dem Arm. Das muss Fran­ces­ca sein. Sie sieht ihr so­fort an, dass sie Ita­li­e­ne­rin ist.

Als sich ihre Bli­cke tref­fen, steht Fran­ces­ca auf und be­grüßt Emi­ly in ih­rem neu­en Zu­hau­se.

Über einen Vi­deo­chat ha­ben sie sich be­reits ken­nen­ge­lernt. Sie ist das jet­zi­ge Au-pair ih­rer Gast­fa­mi­lie, wird aber in vier Ta­gen ab­rei­sen. In die­ser Zeit wird sie Emi­ly al­les zei­gen und sie ein­ar­bei­ten.

»Das ist die klei­ne Ma­ddie«, sagt Fran­ces­ca und wiegt das fünf Mo­na­te alte Baby lang­sam in ih­ren Ar­men.

Plötz­lich kommt Tu­cker zu­rück ins Wohn­zim­mer ge­rast, als wür­de er um sein Le­ben ren­nen. In sei­nen win­zi­gen Hän­den ba­lan­ciert er Dut­zen­de klei­ne Spiel­zeu­g­au­tos, die er vor­sich­tig auf­ein­an­der­ge­sta­pelt hat. Ein Wun­der, dass kei­nes run­ter­fällt. »Schau alle mei­ne Au­tos«, ruft er ganz auf­ge­regt, wäh­rend er die­se auf den Bo­den legt.

Der Tor­bo­gen muss also zum Spiel­zim­mer füh­ren, von dem He­len Emi­ly er­zählt hat.

Sie kniet sich zu Tu­cker und be­trach­tet sei­ne Samm­lung auf­merk­sam.

Er zeigt ihr ein Spiel­zeug nach dem an­de­ren und bei je­dem gibt es ir­gen­d­et­was Spe­zi­el­les zu er­zäh­len. Das eine hat eine coo­le Flam­me auf der Sei­te, das an­de­re kann flie­gen und ein Drit­tes kann im Was­ser schwim­men.

Wäh­rend Emi­ly mit Tu­cker be­schäf­tigt ist, be­ginnt He­len zu ko­chen und Fran­ces­ca gibt Ma­ddie ein Bad.

Als der Duft des fei­nen Abend­es­sens sich in der Woh­nung ver­teilt, kommt auch Phil, Emi­lys Gast­va­ter, nach Hau­se. »Hi«, mur­melt er und schaut ein biss­chen ver­wirrt, so als ob er nicht si­cher ist, was Emi­ly hier macht.

Fran­ces­ca hat ihr be­reits er­zählt, dass Phil eher der ru­hi­ge­re Typ ist. Des­halb schiebt sie sein Ver­hal­ten ein­fach auf sei­ne Schüch­tern­heit und grüßt freund­lich zu­rück.

Auch wäh­rend dem Es­sen gibt er nicht viel von sich preis, wäh­rend He­len, Fran­ces­ca und Emi­ly über ihre Rei­se und die Trai­ning School plau­dern. Dies stört sie aber nicht wei­ter, da sie sich auch so schon ge­nug kon­zen­trie­ren muss, um in der neu­en Spra­che kor­rekt zu kom­mu­ni­zie­ren.

Nach dem le­cke­ren Abend­mahl brin­gen Emi­lys Gas­t­el­tern die Kin­der ins Bett.

Als auch der letz­te Tel­ler im Ge­schirr­spü­ler ist, wen­det sich Fran­ces­ca Emi­ly zu. »Komm, ich zei­ge dir dein Zim­mer.« Sie geht zu ei­ner Tür in der Kü­che. Nach dem Öff­nen kommt eine Trep­pe zum Vor­schein, die mit wei­chem grau­em Tep­pich aus­ge­stat­tet ist.

Emi­ly hat sich schon ge­fragt, was sich wohl da­hin­ter be­fin­det. Zu­erst mach­te es sie stut­zig, als sie er­fuhr, dass sich ihr Zim­mer im Ba­se­ment be­fin­det. Doch Fran­ces­ca hat es ihr bei ei­nem Vi­deo­call kurz ge­zeigt. Da wur­de schnell klar, dass ein Ba­se­ment in Ame­ri­ka nichts mit ei­nem Kel­ler in der Schweiz zu tun hat, son­dern eher ei­nem Hob­by­raum gleicht.

Un­ten steu­ert Fran­ces­ca die ers­te ge­schlos­se­ne Tür an. »Dein Zim­mer be­fin­det sich gleich hier und da­ne­ben«, sie zeigt nach rechts, »ist das Büro. Phil oder He­len ar­bei­ten manch­mal von zu Hau­se aus.« Sie öff­net die ers­te Tür und ein klei­ner, hübsch ein­ge­rich­te­ter Raum kommt zum Vor­schein.

Das Queen­si­ze-Bett nimmt schon die Hälf­te des Zim­mers ein. An­sons­ten steht nur noch eine klei­ne Kom­mo­de da­vor. Am bes­ten ge­fal­len Emi­ly die gro­ße Welt­kar­te und die lee­ren Bil­der­rah­men über dem Bett. Die­se wird sie mit Fo­tos ih­rer Fa­mi­lie fül­len.

»Ich weiß, es ist klein, aber man hat mehr Platz, als es scheint. In der Kom­mo­de kannst du Kla­mot­ten und sons­ti­ge Sa­chen ein­räu­men. Und hier«, Fran­ces­ca läuft zu ei­ner wei­te­ren Tür, »hast du einen Schrank, in dem du al­les auf­hän­gen kannst. Es wur­de bei mir zwar knapp, da ich viel shop­pen war, aber du kriegst das si­cher auch hin.«

Emi­ly schaut sich das klei­ne Zim­mer noch­mals an. Ja, der Platz ist be­grenzt, doch im Mo­ment hat sie so­wie­so nicht vie­le Klei­der da­bei. Sie lä­chelt Fran­ces­ca zu. »Das soll­te pas­sen.«

»Gut. Ich zei­ge dir noch kurz das Bad. Du hast ein ei­ge­nes für dich, was echt Lu­xus ist. Das ha­ben nicht vie­le Au-pairs.« Fran­ces­ca ver­lässt das Zim­mer, geht am Büro vor­bei und biegt um die Ecke. »So, hier ist es. Ich weiß, auch nicht rie­sig. Aber falls du ir­gen­d­et­was brauchst, kannst du je­der­zeit He­len fra­gen. Sie ist sehr groß­zü­gig und sorgt da­für, dass du die Sa­chen be­kommst, die dir wich­tig sind.«

»Das ist sehr nett, dan­ke. Ich bin schon froh, mei­ne ei­ge­ne Du­sche zu ha­ben und für die Toi­let­te nicht je­des Mal nach oben zu müs­sen.« Sie tre­tet in den Raum. Eine Du­sche, die Toi­let­te und ein Wasch­be­cken be­fin­den sich auf so en­gem Raum, dass sie sich nur knapp im Kreis dre­hen kann, ohne et­was zu be­rüh­ren. Ne­ben dem Wasch­be­cken steht eine klei­ne Kom­mo­de mit Schub­la­den, in der sie al­les ver­stau­en kann, was sie im Ba­de­zim­mer braucht.

Fran­ces­ca dreht sich um. »Ich wer­de vor dem Zim­mer auf der Couch schla­fen. Die kann man zu ei­nem Bett um­funk­tio­nie­ren. Wenn also et­was ist, sag ein­fach Be­scheid.«

Emi­ly nickt Fran­ces­ca freund­lich zu.

In die­sem Mo­ment kann Emi­ly hö­ren, wie sich die Tür zum Ba­se­ment öff­net. Phil bringt Emi­lys Kof­fer nach un­ten. Ob­wohl er dünn und nicht mus­ku­lös ist, trägt er die­sen pro­blem­los bis vor ihr Zim­mer. Sie be­dankt sich.

Phil nickt ihr kurz zu und ver­schwin­det wie­der nach oben, ohne ein Wort zu sa­gen.

»Als du ge­sagt hast, dass er ein ru­hi­ger Typ ist, habe ich ihn mir nicht so ru­hig vor­ge­stellt«, flüs­tert Emi­ly.

Fran­ces­ca lacht. »Ja, so ist er eben. Aber er ist sehr hilfs­be­reit, vor al­lem wenn du tech­ni­sche Pro­ble­me hast. Falls du also mit ihm ein Ge­sprächs­the­ma suchst, rede über Tech­nik« Sie zuckt mit den Schul­tern und zieht eine Gri­mas­se. »Ich las­se dich jetzt al­lei­ne, dann kannst du dich ein­rich­ten.« Lä­chelnd geht Fran­ces­ca nach oben.

Emi­ly packt ih­ren Kof­fer aus. Ir­gend­wie fin­det al­les sei­nen Platz. Der Stau­raum ist al­ler­dings schon ziem­lich voll, wenn man be­denkt, mit wie we­nig sie hier­her­ge­kom­men ist.

Den Rest des Abends ver­bringt Emi­ly mit He­len und Fran­ces­ca.

Ein Ge­spräch mit ih­rer Gast­mut­ter zu füh­ren stellt sich als sehr leicht her­aus, auch wenn es für Emi­ly mit den Wör­tern in Eng­lisch manch­mal schwie­rig ist. He­len gibt sich viel Mühe, um ihr zu hel­fen, kor­ri­giert sie aber nur, wenn wirk­lich nö­tig.

Die Frau­en quat­schen bis Emi­ly ihre Au­gen kaum noch of­fen­hal­ten kann.

Die ers­te Wo­che war we­gen des Jet­lags und dem Ken­nen­ler­nen der Kin­der ziem­lich an­stren­gend. Vor al­lem, als Fran­ces­ca am Mitt­woch ab­ge­reist ist. Des­halb ist Emi­ly froh, dass sie am Frei­tag schon ein biss­chen frü­her Fei­er­abend hat. He­len kann die Kin­der be­reits Mit­te Nach­mit­tag über­neh­men, da sie die­se Wo­che aus­nahms­wei­se von zu Hau­se aus ar­bei­te­te. Das passt per­fekt, da Emi­ly so noch kurz mit ih­ren El­tern sky­pen kann, be­vor sie schla­fen ge­hen.

Als ihr Han­dy klin­gelt, geht sie so­fort ran. »Mam, Dad«, ruft sie er­freut. »Es ist so toll, euch zu se­hen!«

»Son­nen­schein, end­lich hast du kurz Zeit. Wie geht es dir? War dei­ne ers­te Wo­che okay?«, möch­te ihre Mut­ter wis­sen. Sie strahlt über bei­de Oh­ren.

»Su­per, der Jet­lag lässt lang­sam nach. Fran­ces­ca hat mich gut ein­ge­ar­bei­tet, be­vor sie am Mitt­woch zu­rück nach Ita­li­en ge­flo­gen ist. Im Mo­ment ist He­len auch noch da, um mir zu hel­fen. Die Kin­der müs­sen sich ja zu­erst an mich ge­wöh­nen«, er­zählt Emi­ly. Sie kann sich ein Lä­cheln nicht ver­knei­fen, denn sie scheint wirk­lich eine tol­le Gast­fa­mi­lie er­wi­scht zu ha­ben.

»Oh, das klingt ja schön«, meint ihr Va­ter. »Was machst du den gan­zen Tag mit den Kids?«

»Ich habe von He­len eine Lis­te mit Ide­en er­hal­ten«, ant­wor­tet Emi­ly, steht auf und nimmt den Zet­tel von der Kom­mo­de. »Dar­auf sind Orte für drin­nen und drau­ßen auf­ge­lis­tet, die die Kin­der lie­ben. Zum Bei­spiel Spiel­plät­ze, In­door-Parks und die Adres­sen von Freun­den. Ich darf den Ta­ges­ab­lauf aber ganz al­lei­ne be­stim­men, so­lan­ge die Kids ihre Ener­gie los­wer­den. Ich muss mich noch dar­an ge­wöh­nen, so viel un­ter­wegs zu sein.«

Die Stre­cken von A nach B sind hier viel län­ger als in der Schweiz. So­gar der nächs­te Spiel­platz ist zu Fuß rund 30 bis 45 Mi­nu­ten ent­fernt. Die­se Wo­che hat He­len sie oft Hin und Her ge­fah­ren. Doch so­bald Phil ihr ge­zeigt hat, wie ihr ei­ge­nes Auto funk­tio­niert, wird sie al­lei­ne fah­ren. Die Fa­mi­lie stellt ihr näm­lich ei­nes zur Ver­fü­gung.