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Kaum eine Weltregion ist in unseren Medien derzeit so präsent wie der arabische Sprachraum mit seinen Revolutionen, Revolten, Kriegen. Und selten wurde mit einer solch eigenartigen Mischung aus Sympathie, Befremden und Unverständnis über welthistorische Ereignisse berichtet wie über das, was seit dem Dezember 2010 in Tunesien und Ägypten, Libyen und Syrien passiert. Das Buch "Theater im arabischen Sprachraum" wurde vor dem Hintergrund dieser Umwälzungen und im Bewusstsein verfasst, dass das Theater oft die politischste und spontanste aller Kunstformen sein kann. Es ist eine Bestandsaufnahme der theaterpraktischen Arbeit im arabischen Sprachraum in einer turbulenten, widersprüchlichen Zeit. Renommierte Journalisten und Theaterwissenschaftler, Kuratoren und Regisseure haben eine Zusammenschau erstellt, die Selbstzeugnisse und Porträts von Theatermachern ebenso wie von Theaterszenen der Metropolen Kairo, Tunis, Rabat und Casablanca enthält. Ergänzt wird der Band um ein kommentiertes Verzeichnis von wichtigen Bühnen und Theaterinstitutionen in der Region. Das Buch erscheint in deutscher und englischer Sprache und parallel im Verlag Sud Edition in Tunis in arabischer und französischer Sprache. - Ägypten, Algerien, Irak, Jordanien, Kuwait, Libanon, Marokko, Palästina, Syrien, Tunesien -
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Seitenzahl: 423
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Theater im arabischen Sprachraum
Theatre in the Arab World
Theater im arabischen Sprachraum
Theatre in the Arab World
Herausgegeben von / Edited by Rolf C. Hemke
Recherchen 104
© 2013 by Theater der Zeit
Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich im Urheberrechts-Gesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlages. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmung und die Einspeisung und Verarbeitung in elektronischen Medien. / All rights reserved. No part of this publication may be reproduced, stored in a retrieval system, or transmitted, in any form or by any means, electronic, mechanical, photocopied, recorded or otherwise, without the prior permission of the publisher.
Verlag Theater der Zeit
Verlagsleiter / Publisher Harald Müller
Im Podewil | Klosterstraße 68 | 10179 Berlin | Germany
www.theaterderzeit.de
Grafik / Design: Bild1Druck, Berlin
Covergestaltung / Cover Design: Sibyll Wahrig Titelphoto aus der Aufführung: Ici Tunis, Regie: Taoufik Jebali, © El Teatro, Tunis
Printed in Germany
ISBN 978-3-943881-28-8 (Druckausgabe)
Theater im arabischen Sprachraum
Theatre in the Arab World
Herausgegeben von / Edited by Rolf C. Hemke
Theater derZeit
Recherchen 104
INHALT
Vorwort / Foreword
Vorwort / Foreword
Editorial / Editorial
Ägypten/Egypt
Sarah Enany
In der Schwebe hängen: Ägyptisches Theater nach dem 25. Januar
Hanging in the Balance: Egyptian Theatre post January
Nedjma Hadj
Kreative Dringlichkeit – das Theater von Laila Soliman
Creative Urgency – The Theatre of Laila Soliman
Algerien/Algeria
Marina Da Silva
Kheireddine Lardjam, Wanderer zwischen zwei Ufern
Kheireddine Lardjam, Traveller between Two Shores
Irak/Iraq
Arifa Akbar
Ein theatrales Vagabundenleben – der irakische Regisseur und Schauspieler Monadhil Daood
The Life of a Theatrical Vagabond – Iraqi Director and Performer Monadhil Daood
Ahmed Sharghi / Muhaned Al Hadi / Rolf C. Hemke
Das Alltagstheater des Muhaned Al Hadi
The Theatre of Everyday Events: Muhaned Al Hadi’s Theatre
Kuwait/Kuwait
Graham Holderness
Sulayman Al Bassam – Portrait eines zeitgenössischen arabischen Theaters
Sulayman Al Bassam – Portrait of a Contemporary Arab Theatre
Libanon/Lebanon
Rolf C. Hemke
Brückenkopf zur Freiheit – Theater in Beirut
A Bridgehead to Freedom – Theatre in Beirut
Rolf C. Hemke
Issam Bou Khaled – Kampf gegen die Absurdität der eigenen Existenz
Issam Bou Khaled – A Fight against the Absurdity of his own Existence
Anna Furse
Maya Zbib – Unabhängiges Theater als politische Position
Maya Zbib – Independent Theatre as a Political Position
Peter Sellars
Vielfalt und Demokratie – eine Hommage auf Zoukak
Diversity and Democracy – A Tribute to Zoukak
Marokko/Morocco
Ahmed Massaia
Das junge Theater in Marokko
Young Theatre in Morocco
Rajae Rouijel
Naima Zitane – Das Theater als Waffe
Naima Zitane – Theatre as a Weapon
Palästina/Palestine
Rolf C. Hemke
Ramallah, Amman, Haifa – Die palästinensische Theaterszene in der West Bank und der Diaspora
Ramallah, Amman, Haifa – The Palestinian Theatre Scene in the West Bank and Diaspora
Ala Hlehel
Ein Fingerbreit Freiheit – das Theater von Amir Nizar Zuabi
An Inch of Freedom – The Theatre of Amir Nizar Zuabi
Syrien/Syria
Rolf C. Hemke
Wo das Theater versagt – die Syrer Omar Abusaada und Mohammad Al Attar
Where Theatre Has Failed – The Syrians Omar Abusaada and Mohammad Al Attar
Mudhar Al Haggi
Das Schicksal der syrischen Jugend – das Theater der Raghda Al Sharani
The Destiny of Syrian Youth – The Theatre of Ragdha Al Sharani
Abdullah Al Kafri
Die innere Emigration des Oussama Ghanam
The Inner Emigration of Oussama Ghanam
Tunesien/Tunisia
Moez Mrabet
Das tunesische Theater: Vom Widerstreit zur Revolution
Tunisian Theatre: From Opposition to Revolution
Valérie Baran
Lotfi Achour – Auf dem Weg zu einem dramatischen und dokumentarischen Theater
Lotfi Achour – Towards Dramatic and Documentary Theatre
Rolf C. Hemke
Meriam Bousselmi – Der Charme der Provokation
Meriam Bousselmi – The Charm of Provocation
Mohamed Moumen
Eine Träumerei vom Chaos – das Theater von Fadhel Jaïbi
Dreaming of Chaos – The Theatre of Fadhel Jaïbi
Thameur Mekki
Taoufik Jebali – Im Trüben schwimmen
Taoufik Jebali – Swimming in Troubled Waters
Die Autoren des Buches
Authors
Adressenverzeichnis
Directory
weitere Recherchetitel
Vorwort
„Nichts Absurderes als einen Kriegsalltag“ gibt es, so sagt der libanesische Theatermacher Issam Bou Khaled, dessen Heimatstadt Beirut sich vierzig Jahre lang im ununterbrochenen Ausnahmezustand befand, „alles was surreal ist, wird im Laufe der Zeit tatsächlich zu einer Art Normalität“. Jahrzehntelang mussten die in diesem Buch porträtierten Theatermacherinnen und Theatermacher Grausamkeit, Unterdrückung und Willkür erleiden. Unter diesen Umständen konnte sich kein Leben und kein Werk in den Elfenbeinturm zurückziehen und von den Bränden der Gegenwart abkapseln. Diese Unentrinnbarkeit verleiht dem Theaterschaffen in den arabischen Ländern eine ungeheure Aktualität und Brisanz. Im besten aufklärerischen Sinne erklärt und interpretiert es, wo tagesaktuelle Nachrichtenmedien bestenfalls informieren, es erkundet unauslöschliche Widersprüche und öffnet den Raum für das Unaussprechliche.
Jetzt liegt erstmals ein umfassendes Kompendium des heutigen arabischen Theaters vor. Wir danken dem Theater an der Ruhr, dessen Festival Theaterlandschaft Neues Arabien im Herbst 2012 und 2013 den Rahmen für die Zusammenstellung dieses Recherchen-Bandes bildet. Wir danken den Verlagen Theater der Zeit, Berlin, und Sud Editions, Tunis, die das Wagnis einer jeweils zweisprachigen Veröffentlichung des Buches in deutscher/englischer und französischer/arabischer Sprache auf sich nehmen. Vor allem aber danken wir dem Herausgeber und Kurator des Festivals, dem Mülheimer Dramaturgen Rolf C. Hemke, für seine mutige und beharrliche Recherche zu einer in Europa viel zu wenig bekannten Theaterszene, die sich im arabischen Raum mit Geschick und Können auf vielfach vermintem Gelände behauptet.
Hortensia Völckers
Vorstand / Künstlerische Direktorin
Kulturstiftung des Bundes
Alexander Farenholtz
Vorstand / Verwaltungsdirektor
Kulturstiftung des Bundes
Foreword
“There is nothing more absurd than everyday life during war,” according to the Lebanese theater director Isaam Bou Khaled, whose hometown of Beirut has found itself in an unbroken state of emergency for the past forty years, “Everything that is surreal becomes, over the course of time, a sort of normality.” For decades, the theatre producers portrayed in this book have suffered from cruelty, oppression, and despotism. Under these circumstances they could not simply withdraw themselves to work and live in ivory towers, to shut themselves away from the flames of today’s world. This inevitability bestows an immense timeliness and explosiveness on theatrical work in the Arab countries. In the best sense of enlightenment, theatre explains and interprets where daily news, at best, only informs; it explores insurmountable contradictions, and opens up a space for the inexpressible.
Now, for the first time, a comprehensive compendium of contemporary Arab theatre is available. We would like to thank the Theater an der Ruhr, whose festival Theatre Landscapes of the New Arabia in the autumn of 2012 and 2013 provides the framework for the compilation of this research volume. We would like to thank the publishers Theater der Zeit, Berlin, andSud Editions, Tunisia, for taking on the risk of a bilingual publication of the book in German / English, and French / Arabic. Above all, we would like to thank the editor and curator of the festival, the Mülheim dramaturg Rolf C. Hemke, for his courageous and tenacious research into a theatre scene too little known in Europe, but one which, with skill and aptitude, is asserting itself on the perilous terrains of the Arab world.
Hortensia Völckers
Board/Artistic Director
Kulturstiftung des Bundes
Alexander Farenholtz
Board/Director of Operations
Kulturstiftung des Bundes
Translation from German: Andrea L. Schmidt
Vorwort
Kaum eine Region in der Welt steht so unter politischen Spannungen wie der arabische Kulturraum. Der Nahostkonflikt, als eine Folge des zweiten Weltkrieges, ist seit Jahrzehnten so sehr Alltag geworden, dass er uns in den friedensverwöhnten europäischen Ländern nur noch schlaglichtartig zu einem Bild aus den Nachrichten gerinnt. Nachdem vor über zwei Jahren der arabische Frühling in dieses Spannungsfeld hinein zündete, liegen heute Hoffnungen auf neue, gerechtere gesellschaftliche Strukturen mit den verschiedensten Beharrungskräften im blutigen Kampf. Keine Zeit für Kunst, möchte man meinen? Falsch: Künstler und Intellektuelle waren treibende Kräfte der Identitätsfindung und Mobilisierung der Reformbewegung. Das Theater vermochte den Sehnsüchten und Hoffnungen Ausdruck zu geben und stellte sich kompromisslos an die Seite derer, die sich empörten. Das Interesse an diesen gesellschaftlichen Umbruchsprozessen ist hierzulande groß, das Wissen um das Theater und seine Akteure eher gering. In diesem Buch kommen die Theaterleute zu Wort, schreiben über ihre Sicht auf die Welt und auf ihr Land und erklären, was sie antreibt Theater zu machen, leidenschaftlich, besessen, unter Einsatz ihres Lebens. Wir wünschen diesen Menschen aktive Partner hierzulande. Dieses Buch soll dabei helfen.
Thomas Engel, Direktor, ITI Deutschland
Foreword
There is hardly any other region in the world that is subject to so much political tension as the Arab cultural arena. Over the decades, the Middle East conflict resulting from the Second World War has become so mundane that for us, in peace-privileged Europe, it has been reduced to mere images on the news. It is over two years since the Arab Spring ignited in this field of tension; hope for new and more just social structures now lies with the various insistent forces in the bloody battle. No time for art, maybe? Wrong: artists and intellectuals have been driving forces in the search for identity and mobilisation of the reform movement. Theatre gave a means of expression to longing and hope, and stood uncompromisingly on the side of those who rebelled. In Germany the interest in this social transition process is great, but there is an overarching lack of knowledge of the theatre and its stakeholders. In this book, theatre people have a chance to speak, to write down their thoughts about the world and their country, and explain what drives them to create theatre, so passionately and obsessively, whilst gambling with their lives. We would like to find active partners for these people over here. This book aims to serve that purpose.
Thomas Engel, Director, ITI Germany
Translation from German: Andrea L. Schmidt
Editorial
Kaum eine Weltregion ist in unseren Medien derzeit so präsent wie der arabische Sprachraum mit seinen Revolutionen, Revolten, Kriegen. Und selten wurde mit einer solch eigenartigen Mischung aus Sympathie, Befremden und Unverständnis über welthistorische Ereignisse berichtet wie über das, was seit dem Dezember 2010 in Tunesien und Ägypten, Libyen und Syrien passiert. Vom arabischen Theater ist da allerdings nicht die Rede. Dieses Buch wurde vor dem Hintergrund der Umwälzungen und im Bewusstsein verfasst, dass das Theater oft die politischste und spontanste aller Kunstformen sein kann. So kann Theater als Seismograph gesellschaftlicher Zustände funktionieren.
Nehmen wir als Beispiel zwei Produktionen, die im vergangenen Jahr im London, anlässlich des kulturellen Rahmenprogramms zu den Olympischen Spielen, für Aufsehen sorgten. Beide Künstler werden in diesem Buch vorgestellt. Der irakische Regisseur Monadhil Daood inszenierte eine zeitgenössische Adaption von Romeo und Julia vor dem Hintergrund der immer wiederkehrenden bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzung zwischen Schiiten und Sunniten. Die Aufführungen in Bagdad wurden heiß diskutiert. Der tunesische Regisseur Lotfi Achour begann seine persönliche Aufarbeitung der Ben-Ali-Diktatur, indem er eine in seiner Heimat ebenfalls hochumstrittene Macbeth-Paraphrase Macbeth: Leïla and Ben – A Bloody History herausbrachte.
Doch dieses Buch will nicht nur von dem erzählen, was das Theater im arabischen Sprachraum leisten kann und leisten darf. Die Rede muss natürlich auch davon sein, wie sich die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Ländern wie Tunesien oder Ägypten zu Lasten der Freiheit der Kunst entwickeln. Von neuen Repressionen durch salafistische Schlägerkommandos, unter denen die Künstler im postrevolutionären Tunesien leiden, weiß die schon jung international preisgekrönte Autorin und Regisseurin Meriam Bousselmi Bände zu berichten.
Unter ganz anderen Umständen arbeiten derzeit die syrischen Theatermacher, die in diesem Buch zu Worte kommen, soweit sie überhaupt noch künstlerisch tätig sein können. Der bis 2011 in Damaskus ansässige irakische Regisseur und Autor Muhaned Al Hadi etwa ist trotz der instabilen Sicherheitslage wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Seine letzte Regiearbeit aber legte er in Tunis am El Teatro des in diesem Buch ebenfalls portraitierten Taoufik Jebali vor.
Wie sich schon aus diesen Ausführungen ergibt, sind die Netzwerke in der arabischen Welt gut, die Zusammenarbeit – je nach finanziellen Möglichkeiten – eng. Die Fäden laufen an einigen zentralen Orten zusammen: den Theatermetropolen Tunis und Beirut, Kairo und Casablanca. Diesen sind dann auch einige Kapitel in diesem Buch gewidmet. Um einen Überblick über die reiche Theaterszene in all den Ländern zu geben, deren Theaterkünstler Aufnahme in dieses Buch gefunden haben, findet sich im Anhang ein kommentiertes Adressverzeichnis.
Vor ziemlich genau drei Jahren konnte ich das Datum unter das Vorwort des älteren „Bruders“ dieses Buches setzen: Theater südlich der Sahara / Theatre in Sub-Saharan Africa. Es erschien im Frühjahr 2010 und war immerhin ein so nachhaltiger Erfolg, dass gerade Gespräche mit dem Verlag über eine teilaktualisierte Neuauflage des Bändchens laufen. Wie damals sei auch für dieses Buch darauf hingewiesen, dass der Fokus auf der Theaterpraxis liegt. Das meint die eher konventionelle Theaterarbeit von Regisseuren, die ausgehend von einem Text arbeiten oder sich im Laufe ihrer Arbeit eine Struktur oder ein Textgerüst gemeinsam mit ihrem Kreativteam erarbeiten.
So werden in diesem Buch weder reine Theaterautoren, noch Choreographen oder Performance-Künstler behandelt. Auch versteht sich dieses Buch weder als Enzyklopädie, noch erhebt es irgendeinen Anspruch darauf in seiner Auswahl repräsentativ zu sein. Im Gegenteil: Es ist Resultat einer ganz subjektiv geprägten Recherche- und Kuratorentätigkeit, die ich bereits seit einigen Jahren für meinen Arbeitgeber, das Theater an der Ruhr in Mülheim an der Ruhr, ausüben darf. Eine Tätigkeit, die mich in den vergangen Jahren insbesondere zu einem regelmäßigen Gast der großen arabischen und afrikanischen Festivals hat werden lassen, so dass die Wahl der Künstler zumindest nicht nur auf den Eindrücken einzelner Aufführungen beruht, sondern aus einer überwiegend jahrelangen Beobachtung ihrer Arbeit resultiert.
An dieser Stelle gilt es zu danken: natürlich an allererster Stelle der Kulturstiftung des Bundes und dem Internationalen Theaterinstitut (ITI/UNESCO), Sektion Deutschland, Berlin, die mit substanzieller finanzieller Unterstützung das Erscheinen dieses Buches möglich gemacht haben – und zwar in sage und schreibe vier Sprachen! Denn der Band erscheint parallel in einer deutsch/englischen Ausgabe im Verlag Theater der Zeit und in einer arabisch/französischen Ausgabe bei Sud Editions in Tunis. Ich danke den Verlagsleitern, Herrn Harald Müller und Paul Tischler in Berlin, und Mohammed Masmoudi in Tunis, der mit besonders viel persönlichem Engagement und Vertrauen in meine Arbeit das Wagnis der tunesischen Edition angegangen ist. Dank gilt zugleich auch Mohammed Moumen, der die französische und arabische Redaktion des Buches übernommen hat und Penny Black, London, für das Korrektorat der englischen Fassung. Last but not least gilt mein Dank der künstlerischen Leitung des Theater an der Ruhr, die mir alle Unterstützung für dieses Projekt angedeihen ließ: Helmut Schäfer, Sven Schlötcke und Dr. Roberto Ciulli, der in einer Zeit, als das Wort Interkultur noch unbekannt war, die Internationale Arbeit des Theater an der Ruhr entwickelte und zu einer Wirkung entfaltete, die bis heute noch weit über den deutschen Sprachraum hinausreicht.
Rolf C. Hemke, Herausgeber,
Köln und Mülheim an der Ruhr im April 2013
Editorial
These days, few regions of the world enjoy as much presence in our media as the Arab world, with its revolutions, revolts, and wars. And there has rarely been, in the reporting of world historic events, such a strange mixture of sympathy, dismay and incomprehension, as in the coverage of what has been going on in Tunisia and Egypt, Libya and Syria since December 2010. Arab theatre, however, is not mentioned in the coverage. This book was written with the context of the upheavals in mind, and with the awareness that theatre is often the most political and the most spontaneous of all forms of art. Hence, theatre can function as a seismograph of societal conditions.
Take the example of two productions which caused a stir in London last year on the occasion of the Olympic Games’ cultural program. Both artists are presented in this volume. Iraqi director Monadhil Daood staged a contemporary adaptation ofRomeo and Julietagainst a backdrop of the recurrent civil war-like confrontations between Shiites and Sunnis. The performances in Baghdad were hotly debated. Tunisian director Lotfi Achour, for his part, tried to personally come to terms with the Ben Ali dictatorship by launching a re-working ofMacbeththat was equally controversial in his home country entitledMacbeth: Leïla and Ben —A Bloody History.
But this book is not just aiming to explore what theatre in the Arab world is able—and allowed—to accomplish. We also have to address the question how the political and social transformations in countries like Tunisia and Egypt negatively affect the freedom of art. Writer and director Meriam Bousselmi, who has already won international prizes at a young age, could fill volumes about new forms of repression suffered by artists in post-revolutionary Tunisia at the hands of Salafi thug squads.
The Syrian theatre makers who have their say in this book work under quite different circumstances at the moment, if they are able to continue their artistic work at all. Iraqi director and writer Muhaned Al Hadi, for instance, who lived in Damascus until 2011, has returned to his home country despite the fragile security situation there. He presented his most recent directing work in Tunis at Taufik Jebali’sEl Teatro. Jebali is also portrayed in this volume.
As these examples illustrate, networks in the Arab world work well and there is close cooperation—depending on the availability of funding. Several central locations form the hubs of these networks: the theatremetropols of Tunis, Beirut, Cairo and Casablanca. Accordingly, some chapters of this volume are dedicated to each of them. And to give an overview of the rich theatre scene in the countries whose theatre artists have been included in this book, there is an annotated directory in the appendix.
Almost exactly three years ago, I was able to put the date under the preface of this book’s so-called older brother, entitledTheatre in Sub-Saharan Africa. It appeared in spring 2010 and has met with a success sustainable enough to initiate talks with the publisher about a partially-updated new edition of the volume. As was the case back then, I would like to point out for this book as well that one that the focus is on the practice of theatre. This refers to rather conventional dramatic work by directors who start from a text or who elaborate a structure or a textual framework during the course of their work together with their creative team.
Hence, this book does not deal with playwrights, choreographers, or performance artists. Moreover, it should not be understood as an encyclopedia, nor does it raise any claim to be representative in its selection. Quite the contrary: this book is the result of a very subjective research and curating activity that I have had the privilege of carrying out for several years now for my employer, theTheater an der Ruhrin Mülheim an der Ruhr. This activity has notably turned me into a regular guest at major Arab and African festivals in recent years. The choice of artists is therefore not just based on the impressions left by a single show, but mostly on an observation of their work that has lasted for many years.
At this point I have to express my gratitude: first of all, to theGerman Federal Cultural Foundationand theGerman Center of the International Theater Institute (ITI/UNESCO)in Berlin, who have, with their substantial financial support, made this volume’s publication possible—in no less than four languages! This book is both published as a German/English edition atTheater der Zeitand, in parallel, as an Arabic/French edition atSud Editionsin Tunis. I would like to thank the directors of the publishing houses: Harald Müller and Paul Tischler in Berlin, and Mohammed Masmoudi in Tunis, who tackled the adventure of the Tunisian edition with an enormous amount of personal commitment and trust in my work. Thanks are also due to Mohammed Moumen who took on the Arabic edition of the book and Penny Black, London, for correcting the English version. Last but not least, I wish to thank the artistic directors of the Theater an der Ruhr, who granted me every kind of support for this project: Helmut Schäfer, Sven Schlötcke, and Dr. Roberto Ciulli, who developed and unfolded the International Activities of theTheater an der Ruhrto their full potential—to this very day, they have a reach far beyond the German-speaking world—at a time when the term ‘interculture’ was still unknown.
Rolf C. Hemke, editor, Cologne and Mülheim an der Ruhr, April 2013
Übersetzt aus dem Deutschen: David Kreuer
Ägypten
In der Schwebe hängen: Ägyptisches Theater nach dem 25. Januar
Von Sarah Enany
In den 1990er Jahren wandte sich eine Gruppe unabhängigerfeministischerTheatermacherinnen an den Vorstand eines bedeutenden Kulturzentrums eines europäischenLandes und bat um finanzielle Mittel für ihr Frauen-Theaterprojekt. „Aus zuverlässigen Quellen weiß ich, dass Theater keine genuine ägyptischeKunst ist“, sagte der hochrangigeeuropäische Beamte, „und daher finanzieren wir nurindigene ägyptischeKunstformen wie Geschichtenerzählung und Puppenspiel.“
Glücklicherweise hat sichdiese engeSichtheute größtenteils verändertund die Zeit ist vorüber, in der die koloniale WahrnehmungHandin Handmit repressivenägyptischen GesetzenunwissentlichdasfreieTheaterzu ersticken versuchte. Wie in vielen Ländernweltweitexistieren jetzt auch in Ägyptentraditionelle Theaterarten neben, und manchmal auch zusammen mit, neuen und andersartigen Formen: Stand-up Comedy,Geschichtenerzählungund traditionelles ägyptischesSchattentheater, auf der klassischen Guckkastenbühne werden ägyptische und ausländische Texte gespielt. Aber das sagt natürlich nichts über die Qualität dieses Theaters aus.
Zwar gibt es eine staatliche Aufführungsstätte, die sich aktuell „Avant Garde Theatre“ nennt, aber es ist allgemein nachvollziehbar, dass die offiziellen staatlichen Produktionen seit den frühen 1990er Jahren den bereits gesetzten „Avantgarde“-Trends freier Theatermacher folgen. Trotz derso genannten „Goldenen Sechziger“war das Theaterder damaligen Zeitin Wirklichkeitvon der Regierung produziert, Politik-gesteuert betrieben und ideologisch geprägt, um PräsidentNassersneue Ideologie Dissidenten zu dienen. Allerdings war dies für die nicht immer besonders sicher, da viele von ihnen Was das Theater tat, war sorgfältig alles zu meiden, was unter die Devise „das Persönliche ist politisch“ fällt. Weder wurde der Versuch unternommen– in welcher Form auch immer– den traditionellen, patriarchalen und familiären Status quo herauszufordern, noch wurde das religiöse Gebot, den Machtrepräsentanten zu gehorchen oder die Rolle der Frau in Frage gestellt, etwa indem etwas Unkonventionelles über Sexualität geäußert worden wäre.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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