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Paul und John machen nach einer langen Bühnenshow im Kaiserkeller an der Reeperbahn einen nächtlichen Spaziergang zum Hamburger Hafen. Dort fällt ihnen ein besonders heller Stern am Himmel auf, der langsam näher kommt und sich als psychedelisch gelbes UFO entpuppt. Heraus steigt ein ziemlich schräger Außerirdischer, der einfach göttlich Gitarre spielt ... -- Inspiriert durch den Auftritt von Clare Sheridan bei 'Voice of Germany' im Oktober 2013, wo sie über ihren Vater Tony und dessen Begleitband 'The Beatles' sprach.
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Seitenzahl: 71
Veröffentlichungsjahr: 2014
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DERHANK
Their Teacher
Wie der außerirdische Tony Sheridan mit einem gelben UFO in Hamburg landete und den Beatles das Gitarrespielen beibrachte.
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Inhaltsverzeichnis
Titel
- 3
- 2
- 1
Their Teacher
Dank
DERHANK
Der LSD-Verlag
Leseprobe Y
Leseprobe ich du er sie es
Leseprobe Meeresspiegel Spiegelmeer
Impressum neobooks
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Their TeacherWie der außerirdische Tony Sheridan mit einem gelben UFO in Hamburg landete und den Beatles das Gitarrespielen beibrachte. Eine kleine science-fictionale Hommage an den 2013 verstorbenen britischen Musiker, der in den frühen 1960er Jahren einer der Begründer der Beatmusik war und vier boys aus Liverpool als Begleitband engagiert.
Inspiriert durch den Auftritt von Clare Sheridan bei 'Voice of Germany' im Oktober 2013, wo sie über ihren Vater Tony und dessen Begleitband 'The Beatles' sprach.
»My father was their teacher«, sagte die junge Schauspielerin vor dem Spiegel. Ihr Kostüm war ein halb futuristischer, halb napoleonischer Armeemantel mit umgeschlagenen Ärmelmanschetten, und auf dem Kopf trug sie einen spitzen, verbeulten Filzhut.
»Teacher?«
»Yep! Ohne Kometen wär' da nix gelaufen!«
»Kometen? Sie meinen Bill Haley? Bill Haley and his Comets?«
Sie sah mich an, im Spiegel, und lachte: »Nein! Oder doch, auch er kannte meinen Vater …«
»Und welchen Kometen meinen Sie?«
»My father came inside one!«, wechselte sie wieder in ihren irisch-gälischen Akzent, »and he taught 'em.«
»Them? Er war ein … Kometenlehrer?«
»Yep!«
Und dann erzählte sie mir, wie in einer Novembernacht 1960 zwei Jungs aus Liverpool, die mit ihrer Band in irgendeiner Spelunke auf der Hamburger Reeperbahn auftraten, weit nach Mitternacht einen Spaziergang zum Hafen unternahmen. Und Paul, so der Name des einen, am Himmel einen besonders hellen Fleck entdeckte …
»Look at that fucking comet«, lallte Paul.
»I don't see any comet«, antwortete sein Kumpel John und lallte nicht weniger. Tatsächlich aber konnten beide den ungewöhnlich hellen Stern am Nachthimmel sehen. Es hatte aufgeklart und es war kalt, beinahe frostig, und die einzigen Wolken, die die Sicht ins Universum behinderten, waren die, die der eigene Atem erzeugte. Sie hatten sich nach der Show vom Rest der Truppe abgesetzt, einen Joint geraucht und waren zu Fuß zur Elbe runter. Es roch nach Kohle, Brackwasser und frittiertem Fisch, aber Letzteres vielleicht nur, weil das Marihuana hungrig und sentimental machte und es einen alles nach Liverpooler Fish n' Chips riechen ließ. Eigentlich stank es nach Fisch, und in einiger Entfernung, die Uferstraße runter, musste der Fischmarkt sein, oder sonst was, aber hier war die Nacht noch nicht vorbei. Paul und John standen ganz allein auf einem langen, leeren Platz zwischen Wasserkante und Straße. Kein Mensch, kein Verkehr, nur das Schwappen von Wasser gegen die Kaimauer und das gelbe Licht der Straßenlaternen, dahinter dunkle, hohe Häuser oder Lagerhallen, und darüber der aufgerissene Nachthimmel mit dem Kometen.
»Was a good show tonight, eh?«, sagte John, und Paul antwortete nur: »Yeah!«, und beide wussten, dass das nicht stimmte. Es war eine Show wie jede andere gewesen, und Johns Gag mit der Klobrille um den Hals wirkte inzwischen reichlich abgedroschen, so wie die ganze Performance nicht besser war als die der anderen tausend Bands, die die Hamburger Nächte mit Brittish Beat bespielten. Alle versuchten sie, durch irgendwelche dämlichen Bühneneinlagen das Publikum für sich zu gewinnen, obwohl dem eigentlich egal war, wer die Gitarren quälte. Hauptsache Beat, Beat war derzeit so in, wie Rock 'n' Roll out war, wobei auch das letztlich egal war, alles war egal, solange es nur laut und tanzbar daherkam.
Aber Paul und John hatten Hunger. Nicht nur auf Fish n' Chips, sie hungerten nach dem ultimativen Kick der Bühne, der sie hinaufschleudern würde zu den Sternen, dahin, wo keine andere Band hinkam. Darum frustrierte es sie, dass die paar Griffe, die sie auf der Gitarre drauf hatten, jeder hier beherrschte.
»Bloody hell, it's coming closer!«
Das Marihuana war offenbar heute besonders gut gewesen, oder sie hatten ein paar Joints zuviel gehabt in den Pausen, oder … da kam wirklich ein UFO geflogen!
Paul rieb sich die Augen, aber es war immer noch da, heller als alle Laternen! Ein Flugzeug, ein Hubschrauber, eine Leuchtrakete? Nein, passte alles nicht so richtig; oder war es ein Sputnik? Einer dieser russischen Atombombenspionagesatelliten, die neuerdings das Weltall unsicher machten? Und der nun auf Hamburg niederging? Dann war auch was zu hören, ein Brummensummen, ein Raumschiffsound, der nichts von Sputniks Gezwitscher hatte, es klang eher wie eine zwar ferne, aber schrecklich verzerrte E-Gitarre, ohne Rhythmus, ein zunehmend dröhnendes Stakkato aus schrägen, schrillen Tönen, und das Ding, der Komet oder was auch immer, zog einen Schweif hinter sich her. Seine Form war nicht rund, sondern amorph, fast wie ein zu dick geratenes Flugzeug ohne Flügel, mit einer Art Aussichtsturm obendrauf, aus dem so etwas wie Schiffshörner herausragten: Vier Lautsprecherröhren, die zwischen dem Krachen und Zischen eine leise, ferne Melodie spielten.
Nichts regte sich in den Häusern hinter der Uferstraße. Vielleicht wohnte da auch niemand, der von dem Lärm hätte geweckt werden können, oder das Ding war tatsächlich nur ihre eigene, ganz persönliche Halluzination.
Aber dafür war eigentlich alles zu klar, die Nachtluft ebenso wie das Flugobjekt, was sich soeben anschickte, vor ihnen zu landen, als wären ausgerechnet sie die von einer fremden Zivilisation Auserwählten. Es war nun direkt über ihnen, eierte ein wenig, sackte ab, fing sich, sackte wieder ein Stück, ganz so, als würde es jemand von oben unsichtbar mit einem Seil herablassen, und dieser Jemand hatte mindestens ebenso viel geraucht und getrunken wie sie, so wie das Ding hin und her pendelte - aber der Sound hinter dem Sound, der war göttlich gut!
John und Paul traten ein paar Schritte zurück und blieben am Rande des Platzes stehen, zu fasziniert, um Angst zu haben, sahen sich nur einmal in die Augen mit einem 'Siehst-du-auch-was-ich-sehe?'-Blick und starrten ansonsten gebannt auf das unbeschreibliche Spektakel.
Als das Ungetüm nur noch einen knappen Meter in der Luft hing, über einer großen Pfütze, die augenblicklich zu Eis gefror, da schien das unsichtbare Seil, an dem es vermeintlich hing, zu Ende zu sein. Tiefer ging nicht, es blieb da, wo es war, schwebend, baumelnd in der kalten Nachtbrise, und plötzlich hörte der ohrenbetäubende Krach auf, nur noch ein blechernes Quietschen wie von einer im Wind hin und her schwenkenden, rostigen Gießkanne; leise genug, dass man ungestört der sanften Gitarrenmusik aus seinem Inneren lauschen konnte. Das Ding war vielleicht neun oder zehn Meter lang, drei, vier, fünf hoch und ebenso dick, es hatte zweimal vier Bullaugen an jeder Seite, hinter denen irgendwas geschah, es war zitronengelb lackiert und am Heck stand in bizarren Lettern etwas, das man mit viel Fantasie als 'YSM Bonnie' auszumachen war.
Von weit her wehten die Lautsprecheransagen des Hafens heran, unverständliche Kommandos, die die Frühschicht einläuteten, quäkende Stimmen, die sich mit dem Quietschen und den Klängen der Gitarre vermischten, und das erste, was Paul dachte, war nicht 'Wow, a UFO!', sondern: 'Man, that's how we should sound!'
Und dann … und dann, und dann - plumpste das Ding zu Boden, mit einem lauten blechernen Scheppern, ein paar Schrauben oder Teile flogen umher, es wackelte noch einmal und blieb schließlich liegen, irgendwie schief, und dann war es ruhig.
Stille.
Die unsichtbare Gitarre hatte aufgehört zu spielen. Nur noch ein leises Zischen von einer beim Aufprall leckgeschlagenen Hydraulikleitung.
»Paul?«
»John?«
Und beide gleichzeitig: »Do you see what I see …?«
Sie sahen sich um. Kein Mensch. Nirgends.
»Never gonna smoke that shit again …«
»Never gonna drink that plonk again!«
»Never ever …«
»… ever getting pissed like this again!«
Nichts geschah. Zwei Jungs mit Lederjacken und hochgegelten Modfrisuren, mitten in der Nacht auf einem Platz in Hamburg, auf dem ein leise vor sich hin knisterndes, zischendes Irgendwas lag, dessen Gelb durch das Licht der Straßenlaternen noch gelber wirkte und das sich nur ein Irrer ausgedacht haben konnte. Das unmöglich real sein konnte. Das …
»Did we have some of those pills tonight?«, fragte John.
»Pills?«
»That LSD stuff …«
»Well … no, no I don't think so«, sagte Paul, »we don't do LSD, do we?«
»Who said that?«
»We're good boys … we put on a wild show, but we're good boys, aren't we?«
»Yeah.«
»…«
»But smoking grass can't conjure such a … such a … monster.«
»You're right!«
»Drinking either …«
»That's right too!«
»So: what - is - this - thing?«
»Did you hear the guitar coming from inside?«
»Guitar? Well, I …«
