Therapeut der Herzen - Ralph-Dietmar Stief - E-Book

Therapeut der Herzen E-Book

Ralph-Dietmar Stief

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Beschreibung

Der ganzheitliche Therapeut Ralf-Dietmar Stief entfaltet in seinem Erstlingswerk „Therapeut der Herzen“ eine authentische und spannende Geschichte entlang seiner eigenen Biographie. „Tief berühren“ das will er, wenn er seine Leser liebevoll in einen Spiegel blicken lässt. Sensibel erzählt er und hautnah nacherlebbar wird es, wenn er aus Lebensgeschichten und Therapiesitzungen erzählt, die sein Leben geprägt haben. Ein biographischer Roman, gewürzt mit lebenspraktischer Weisheit, der wahrlich tief zu berühren vermag und einem das Gefühl vermittelt, selbst am Geschehen beteiligt zu sein.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 196

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Diesen biographischen Roman widme ich allen darin

erscheinenden Klienten und Freunden,

mit besonderer Herzenswärme aber meiner

Lebensgefährtin Bettina, die nicht nur in diesem Buch,

sondern auch in meinem Leben die Hauptrolle einnimmt!

Heute ist die vierte Behandlungsstunde mit Rosa, und ich spüre deutlich, wie leicht der Energiefluss geworden ist. Ihr Körper nimmt alles befreit auf. Es fühlt sich auch für mich wie ein Einklang an, der sich jetzt eingestellt hat.

„Ich danke dir, ich bin wie neu geboren und könnte Bäume ausreissen! Das war sicher sehr anstrengend für dich, oder?“

„Nein, im Gegenteil, es hat mir ebenso gedient. Auch ich fühle mich sehr wohl und ausbalanciert dadurch.“

„Wie kann das sein, es muss doch Kraft gekostet haben, mich zu behandeln?“

„Ich hatte nicht die Absicht, etwas bewirken zu wollen, ich hatte es den Energien überlassen.“

„Hört sich so einfach an.“

„Ist es auch, wenn man nicht will.“

„Schwierig zu verstehen. Aber es hat mir sehr geholfen, und ich glaube jetzt auch, dass ich keine Angst mehr habe.“

„Das ist ein Riesenschritt für dich, ich freue mich mit dir! Du hast dein Urvertrauen wieder gefunden. Es wirkt auf allen Ebenen, und das ist das Ausschlaggebende.“

„Ja, dann war‘s das wohl …“

Rosa steht da, schaut mich fragend an, druckst irgendwie ein wenig herum, als ob sie noch etwas auf dem Herzen hätte, sich aber nicht traut, es auszusprechen.

„Nun, etwas bewegt dich noch. Frag mich gerne.“

„Du tust mir gut. Von Mal zu Mal spürte ich, wie mein Herz mehr und mehr aufging.“

„Ich danke dir, liebe Rosa. Wie ich aber sagte, ich habe nichts gewollt, nur geschehen lassen.“

„Ja, Michele, aber deine Nähe tut mir gut. Verstehst du, wie ich das meine?“

„Oh, danke, ich freue mich und nehme es sehr gerne an. Und wenn du wieder einmal Unterstützung bei einer Entwicklung brauchst, dann begleite ich dich dabei, wenn du magst.“

„Hmmm, du weisst, mein Mann vernachlässigt mich sehr.“

„Ja, ich fühle mit dir. Du hast aber nun die Stärke, ihm zu sagen, dass du eine solche Beziehung nicht mehr möchtest.“

„Ja, darin bin ich mir auch klar und entschieden, … aber …“

„Aber?“

„Können wir uns nicht auch mal ausserhalb deiner Praxis … ich meine … du nicht als Therapeut … ich nicht als Klientin … du weisst schon …“ Dabei berührt sie ganz leicht meine linke Hand und schaut mich anders an als bisher. Ihre Augen bekommen einen fast sehnsuchtsvollen Blick.

Es war meiner Wahrnehmung nicht entgangen, aber ich konnte nicht verhindern, dass sich bei Rosa ein zusätzliches Gefühl für mich eingestellt hatte. Da haben wir nun die Situation, und jetzt muss ich ihr mitteilen, dass ich mit Klientinnen nichts anfangen möchte. Ich hatte es für mich zum Tabu erklärt, nachdem mich früher einmal eine Erfahrung zwang, mich deutlicher abzugrenzen, weil eine gewisse Abhängigkeit eingetreten war.

„Liebe Rosa, ich möchte deine Gefühle nicht verletzen. Du bist jetzt durch unsere Sitzungen in einem so wunderbaren seelischen und körperlichen Zustand, dass ich nur den Wunsch habe, du könntest dies ganz für dich und dein Leben weiterhin nutzen. Schau nach vorn und führe jetzt das zu Ende, was nun Vorrang haben muss. Bleib ganz frei von weiteren emotionalen Verstrickungen. Ich glaube, dass du jetzt Stärke und Klarheit zeigen musst, um durch den Veränderungsprozess mit deinem Mann gehen zu können.“

Rosa kann eine leichte Enttäuschung nicht verbergen. Sie dreht sich etwas verlegen zur Seite, fasst sich dann aber und erwidert:

„Ja, du hast wohl Recht, ich muss das jetzt als Erstes angehen. Ich werde dir berichten. Magst du wieder von mir hören?“

„Aber sicher, sehr gerne! Ich wünsche dir, dass du es souverän schaffst!“

Just in diesem Moment klopft es an der Tür. Ich erwarte den nächsten Klienten und bin auch aufgrund dieser Unterbrechung jetzt erleichtert.

* * *

„Hallo Herr Alegro, darf ich eintreten?“

„Kommen Sie herein! Sie sind sicher Herr Walter, stimmt‘s?“

Während ich Rosa zur Tür hinausbegleite, tritt mir ein etwa Mittvierziger, ziemlich beleibter Herr mit einem sympathischen Lächeln entgegen.

„Herr Alegro, ich bin zu Ihnen gekommen, weil Sie letztes Jahr meiner Frau so gut weiterhelfen konnten und sie mir deswegen jetzt empfahl, Ihren Rat einzuholen.“

„Danke für Ihr Vertrauen, Herr Walter, womit kann ich helfen?“

„Wie Sie nicht übersehen können, stehe ich ziemlich gut im Futter …“, und klatscht dabei mit beiden Handflächen auf seinen runden Bauch.

„Ja, das sehe ich“, sage ich mit verständlicher Mine. „Wo drückt denn der Schuh?“

„Meine Frau meinte, ich solle mal meine Ernährung umstellen und die vielen Bierchen weglassen. Aber ich frage mich, ob es nicht irgendein Zaubermittelchen für das Abnehmen gibt. Diäten sind so anstrengend und schmecken meist nicht. Und warum soll ich denn mein Bierchen auch noch weglassen?“

„Glauben Sie denn, dass Sie durch falsche Ernährung dieses Gewicht aufgebaut haben?“

„Da wird wohl was dran sein. Woher sollen die Pfunde denn sonst kommen? Ich verschlinge wohl zu viele Kalorien, das muss sich ja auf den Körper auswirken.“

„Muss es nicht“, wende ich ein.

„Wie meinen Sie das? Wenn ich die Kalorien zähle, die ich täglich zu mir nehme, dann reimt sich das schon zusammen … Nun gut, früher war ich mal schlanker und hab mich mit dem Essen nicht zurückgehalten …, aber jetzt kommt noch hinzu, dass ich mich wenig bewege, und dann muss es ja Fett ansetzen.“

„Glauben Sie?“

„Das kann man doch überall lesen und hören. Die Ernährungswissenschaftler haben es hinlänglich aufgeschlüsselt, daran kann man schon glauben, denke ich. Jedenfalls mir erscheint es logisch.“

„Verstehe. Sie glauben also, Sie sind, was Sie essen, richtig?“

„Ja genau, so kann man es gut ausdrücken, ein wahrer Satz.“

„Dann werde ich Ihnen leider wenig helfen können, Herr Walter. Solange Sie diesen Glauben haben, wird es sich auch bewahrheiten.“

Grosse, fragende Augen schauen mich an.

„Aber woran soll ich denn sonst glauben?“

„Können Sie mir grundsätzlich folgen, wenn ich Ihnen sage, dass Sie in Ihrem Leben das vorfinden, woran Sie glauben?“

„Also grundsätzlich kann ich das schon annehmen. Die Kraft der Gedanken ist ja auch bewiesen. Aber ich kann doch ein Kaloriengesetz nicht so einfach völlig infrage stellen. Die Schwerkraft gibt es doch auch, ob wir daran glauben oder nicht.“

„Das ist so. Aber Sie kennen auch den Placebo-Effekt, oder?“

„Jaja, es ist ein Effekt, und der kann schon eintreten, hier oder da.“

„Können Sie sich vorstellen, dass unser Glaube eine grössere Kraft hat als das Meiste im Leben überhaupt?“

„Hmmm, darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, noch keine Gedanken gemacht.“

„Es ist aber so, Herr Walter. Glaube versetzt bekanntlich auch Berge. Es geht immer um den Glauben, ob ich etwas im Leben erreiche oder nicht. Wenn ich nicht an etwas glaube, werde ich weniger Energie haben, an ein Ziel zu gelangen. Der Glaube ist auch der Antrieb für unsere Leidenschaft, die alles noch verstärkt.“

„Gut, aber was soll ich denn jetzt mit meinem Gewicht machen? Soll ich einfach glauben, es geht von allein zurück, nur weil ich das glaube?“

„Gute Frage, damit haben wir jetzt mal einen neuen Ansatz. Sie glauben, dass mangelnde Bewegung die Pfunde noch verstärkt. Ist okay, das wollen wir mal so lassen, damit Sie wieder in die körperliche Bewegung eintreten, was grundsätzlich dienlich für Körper, Geist und Seele ist. Was die Ernährung betrifft, können Sie kurzfristig Erfolg verbuchen, wenn Sie deutlich weniger essen. Noch glauben Sie ja an den Zusammenhang mit den Kalorien. Langfristig schlage ich Ihnen jedoch ein anderes Konzept vor.“

„Ah, jetzt bin ich gespannt, Herr Alegro, was Sie da aus dem Hut zaubern. Also doch einen Zaubertrank oder so …“

„Wir müssen dabei noch zweigleisig fahren, damit die Wirkung auch tatsächlich eintritt.“

„Nun schiessen Sie mal los, ich bin ganz Ohr.“

„Bevor wir den körperlichen Aspekt wieder aufgreifen, sollten wir uns Ihrer Seele widmen. Ich drücke das jetzt erst mal so einfach aus. Was meinen Sie, könnte der seelische Grund dafür sein, dass Sie an Gewicht zugelegt haben?“

„Vielleicht Stress? Wenn ich so zurückblicke, stehe ich in den letzten Jahren vermehrt unter Druck im Beruf, deswegen fehlt mir auch die Zeit für eine körperliche Betätigung.“

„Das ist schon mal ein Aspekt. Wovor möchte Ihr Körper Sie schützen?“

„Mein Körper will mich schützen?“

„Sicher. Er dehnt sich aus und entwickelt eine Schutzzone. Es ist eher ein emotionaler Schutz. Haben Sie Sorgen? Tritt Ihnen jemand zu nahe? Sie sind doch sehr sensibel. Womit möchten Sie nicht in Berührung kommen? Verdrängen Sie etwas?“

Verdutzt schaut mich Herr Walter an. Seine Augen weiten sich, dann geht er in sich.

Nach einer Weile …

„Lieber Herr Alegro, jetzt haben Sie etwas berührt. Ja, es gibt da ein Thema, welches mir Kummer bereitet. Ich werde seit Jahren gemobbt und kann mich dagegen kaum wehren. Mir sind die Hände gebunden. Ich verliere sonst meinen Arbeitsplatz. Sie verstehen mich doch, oder? Meine Familie … Ich muss sie doch ernähren. Der Arbeitsmarkt ist schwierig.“

„Ich verstehe sehr gut, und ich fühle, wie es Sie im Innern bedrückt, auch wenn Sie sich äusserlich nichts anmerken lassen. Aber was glauben Sie, wie lange Sie das noch so durchhalten? Jetzt sind es noch Pfunde, was kommt dann? Das Rad dreht sich doch weiter, es wird enger darin, zuletzt kommen Sie nicht mehr heraus. Sie müssen die eigentliche Ursache angehen. Das erfordert sicher Mut, aber es gibt keine andere Lösung.“

„Und dann sitze ich auf der Straße, das geht nicht.“

„Doch wir finden einen Weg. Es gibt immer einen Weg! Glauben Sie, dass Sie einfach so in die Mobbing-Situation geraten sind? Einfach so? Ohne Grund?“

„Nein, die Mitarbeiter in der Firma wollen alle nach oben kommen, aber leider sitze ich ihnen noch vor der Nase. Pech für sie, aber ich habe mir die Position auch mühevoll erarbeiten müssen. So läuft das nun mal im Geschäftsleben.“

„Es sieht so aus, als ob es nur damit zu tun hat. Aber schauen wir uns Ihre Situation mal von einer höheren Warte aus. Können Sie sich vorstellen, dass Sie in einer neuen Entwicklung stecken, nur wissen Sie nicht, in welcher?“

Herr Walter kann sein Erstaunen nicht verbergen.

„Eine neue Entwicklung bringt neue Herausforderungen, und in Wahrheit geht es um diese, Herr Walter.“

„Und welche könnten das sein?“

„Darf ich einen Blick in Ihre Hände werfen?“

„In meine Hände?“ Herr Walter schaut mich ungläubig an, streckt mir dann aber seine Hände entgegen. „Welche Hand wollen Sie?“

„Beide. Ich sehe darin unter anderem Ihre Lebensziele und den Entwicklungsplan.“

Ich schaue mir einige Zeit Aussen- und Innenhände an, zuletzt die Fingernägel.

„Wenn ich Ihr ganzes Leben in allen Bereichen analysiere, dann benötige ich etwa eine Stunde. Doch bleiben wir jetzt mal nur beim derzeitigen Hauptthema. Es ist ein Umbruch vorgesehen, der sollte bereits Anfang Vierzig umgesetzt gewesen sein. Sie sind jetzt wie alt genau?“

„Sechsundvierzig.“

„Gut. Sehen Sie bitte, hier ist in der linken Hand Anfang Vierzig ein wichtiger Neubeginn zu sehen. Das ist der Plan. In der rechten Hand liegt anstelle des Umbruchs eine Insel über einen Zeitraum von etwa fünf Jahren. Erst danach kommt es zur Veränderung. Die Insel zeigt an, dass Sie sich seit Anfang Vierzig im Kreise drehen.“

„Und was für ein Umbruch ist das? Und welche Veränderung bewirkt er?“

„Nach Ihren Aussenhänden zu urteilen, geht es in ihrem Leben darum, Ihre wahre Grösse zu erkennen, sie anzunehmen und sie zur Entfaltung zu bringen. Dazu haben Sie zunächst im Innern gewählt, sich kleiner zu machen, als sie sind und sich auch kleiner machen zu lassen. Sie wollten erst eine Opferrolle einnehmen, um herauszufinden, wo das hinführt. Wenn Sie dann feststellen, dass es dadurch zur Unterdrückung Ihrer eigentlichen Potenziale und der Lebensfreude kommt, sollte das der Ansporn sein, da herauszutreten und sich auf den Weg zu machen, Ihr eigentliches Ziel zu erreichen. Anfang Vierzig sollte der Beginn gewesen sein.“

„Moment, wo mache ich mich denn klein? Ich habe doch einiges erreicht im Leben, sogar eine Vorarbeiterstellung im Beruf.“

„Im Außen scheinen Sie viel erreicht zu haben, aber nicht so im Innern. Sie denken aus einem Mangel heraus, haben die Befürchtung, die Stelle zu verlieren und lassen es zu, gemobbt zu werden. Wenn Sie Ihre wahre Größe kennen und leben würden, sähe das anders aus.“

„Okay, ich verstehe. Und nun? Alles verpfuscht? Geht noch was?“

„Ich kann Sie beruhigen, es geht immer etwas. Sie entscheiden darüber. Ihr Inneres gibt Ihnen ständig Hinweise dazu, zum Beispiel über das Mobbing oder dann über den Körper. Sie werden jetzt eine Veränderung herbeiführen, und wenn Sie möchten, helfe ich Ihnen.“

„Nun, deswegen bin ich doch auch hier.“„Ja, danke, nur Sie hatten sich unsere Sitzung sicher anders vorgestellt … Haben Sie jetzt erst mal ganz großes Verständnis dafür, dass Sie einen gewissen Umweg gemacht haben, der aber auch eine wertvolle Erfahrung war und noch ist. Wir schauen jetzt, wie es weitergehen kann, Herr Walter.“

„Puh, das ist ja heute alles ganz anders, als geplant. Aber ich gewinne Vertrauen, und meiner Frau hatten Sie ja auch so gut geholfen.“

„Danke, lieber Herr Walter, dass Sie mir vertrauen. Was hatte denn damals Ihre Frau? Nur so nebenbei, damit ich mich erinnere.“

„Eine chronische Erkältung mit ständigen Kopfschmerzen. Es geht ihr, seit sie bei Ihnen war, weiterhin sehr gut, und ich soll Sie übrigens noch von ihr grüßen!“

„Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein … Ich freue mich. Bitte grüßen Sie sie zurück!“

„Also, wo waren wir stehengeblieben?“

„Ich hätte einen Umbruch Anfang Vierzig vornehmen sollen. Sie sagten, ich könnte ihn nachholen? Aber wie soll ich das denn machen? Soll ich meinen Job aufgeben?“

„Nicht unbedingt, langfristig aber wahrscheinlich. Wenn Ihre Seele darauf wartet, zu erfahren, wie Sie es schaffen, zu Ihrer wahren Größe zu finden, dann geht es genau jetzt darum, dem Mobbing neu zu begegnen und diese Größe zu zeigen. Könnten Sie sich vorstellen, dies umzusetzen, Herr Walter?“

„Ohne zu kündigen?“

„Einfach hinschmeissen wäre hier nicht die Lösung. Sie würden danach wieder in eine ähnliche Situation geraten, weil Sie ja noch nicht aus einem neuen Selbstwert heraus gehandelt hätten, sondern eher aus Resignation.“

„Gut, dann bleibt ja nur, ganz deutlich meine Meinung zu sagen, oder?“

„Hört sich schon besser an. Es kommt hierbei auf Ihre Klarheit und Entschiedenheit an, mit der Sie vorgehen und sich äußern.“

„Wie komme ich dahin?“

„Das genau steht jetzt als erster Schritt Ihrer neuen Entwicklung an, wie komme ich dahin….“

„Und wie?“

„Setzen Sie sich einmal völlig entspannt in den Sessel, und machen Sie es sich ganz bequem. Schließen Sie Ihre Augen.“

Herr Walter geht in die Stille.

„Atmen Sie tief, langsam und gleichmäßig aus … und wieder ein, … atmen Sie mit dem Bauch … , dehnen Sie dabei ihr Zwerchfell mit aus, … entspannen Sie all Ihre Muskeln….

Atmen Sie tief weiter, langsam und gleichmäßig, … noch eine Weile weiter so …

Erinnern Sie sich nun in Ihrer Vorstellung, wo Ihr eigentlicher Ursprung ist …, dort wo Sie keinen Körper haben…, wo nur Ihr Geist existiert …, Ihr absolut freier Geist und Ihre Seele …

Fühlen Sie einmal diese Freiheit …, die absolute Freiheit …

Empfinden Sie hier die unermessliche Liebe Ihrer Seele zu Ihnen, … eine Liebe, die mit Worten nicht zu beschreiben ist, … einfach Liebe, … ohne Wenn und Aber, … reine Liebe …“

Meine Stimme wird leiser.

„Fühlen Sie sie, … spüren Sie, wie Ihr Herz jetzt dabei aufgeht, … sich wieder öffnet, wie bei einem kleinen, unschuldigen Kind …

Sehen Sie in die Augen dieses Kindes, … in das Leuchten, … in diese Unschuld, … das sind Sie, … Sie als zweijähriges, absolut unschuldiges, kleines Kind …

Fühlen Sie jetzt nicht auch die Liebe?.... Nichts als reine Liebe?

Atmen Sie behutsam weiter, … lassen Sie Ihr Herz ganz aufgehen, … ganz, … vollständig… Ja, gut so, … es dehnt sich weiter aus … über Ihr Sonnengeflecht hinaus, … über Ihren Körper hinaus, … goldenes Licht verströmt sich über Ihre Aura, … dehnt sich weiter aus, … weiter und weiter, … bis zum Horizont, … und alles, was es erreicht, schwingt jetzt mit …

Stehen Sie nun in Ihrer Vorstellung auf …“

Meine Stimme verstärkt sich wieder.

„Stehen Sie ganz stabil, mit beiden Beinen, … stellen Sie die Füße etwas auseinander, … spüren Sie den festen Boden darunter, … richten Sie Ihren Oberkörper ganz auf, … heben Sie den Kopf …

Atmen Sie nun wieder etwas kräftiger, … spüren Sie, wie eine neue Kraft Sie durchströmt, … von den Füßen ausgehend über den ganzen Körper …

In Ihrer rechten Hand halten Sie jetzt ein Schwert, … heben Sie es hoch, … strecken Sie es gen Himmel …

Ihre Augen … sie leuchten … stärker, … spüren Sie neue Kraft, … Klarheit, … Entschiedenheit, … Entschlossenheit, ….

… absolute SOUVERÄNITÄT …

Sie SIND jetzt Souveränität, … spüren Sie! Stärker noch!........

Lassen Sie es sich manifestieren, … verfestigen …

Sie SIND es! Nichts kann Sie erschüttern! Sie sind absolut souverän! Sie haben jetzt die Übersicht über alles! Sie entscheiden über alles! Sie erreichen jedes Ziel!“

Und ich sage noch einmal sanfter: „Ihre Liebe macht Sie einfühlsam und zugleich stark!“

Stille im Raum.

Herr Walter wirkt ganz ruhig.

Er erhebt sich.

Er steht ganz fest. Die Augen sind jetzt geöffnet, sie leuchten, und seine Stimme spricht klare Worte:

„Ich weiß genau, was ich zu tun habe, und ich werde es tun, weil ich es kann! Ich danke Ihnen aus tiefstem Herzen, lieber Herr Alegro! Es ist unglaublich, was da gerade in mir geschehen ist. Ich spüre keine Angst mehr. Weg! Sie ist weg, einfach weg! Und ich sehe, was vor mir abläuft. Ich weiß genau, was ich zu sagen habe.“

Immer noch steht Herr Walter ganz aufrecht, und in seinen Augen ist ein klares Leuchten, seine Entschiedenheit ist deutlich sichtbar.

„Super! Setzen Sie dem Mobbing ein Ende, und lassen Sie sich überraschen!“

„Das werde ich! Und wissen Sie, was das Tollste ist? Ich weiß, dass ich das jetzt kann und dass es gut ausgeht!“

„Das wird es. Sie sind in einer anderen Energie und gewissermaßen unantastbar.“

„Gut, … und wie werde ich jetzt meine Pfunde los?“

„Nicht loswerden wollen.“

„Nicht?“

„Wenn Sie etwas NICHT WOLLEN, kommen Sie davon nicht los.“

„Okay, und was stattdessen?“

„Voll akzeptieren, sogar dankbar dafür sein, dass Ihr Freund, Ihr Körper, Sie beschützt hat.“

„Oh je, … ist aber nicht so leicht.“

Ich schaue ihn an, mitfühlend, aber auch ganz klar. „Gehen Sie mit Ihrer ganzen Liebe da hinein, jeden Tag. Lassen Sie den Körper, wie er ist. Wenn Sie möchten, machen wir noch etwas gemeinsam, was ein neues Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Körper aufbaut.“

„Und das wäre?“

„Sie geben ihm seine volle Kompetenz zurück, uneingeschränkt. Nur das müssen wir verschieben, da ich die Zeit dafür jetzt nicht eingeplant habe. Es eilt auch nicht so sehr. Sie müssen nicht alles auf einmal umsetzen wollen, sonst entsteht wieder ein leichter Druck. Gehen Sie davon aus, dass Sie heute den besten Schritt in Richtung Ihres neuen Lebensziels gemacht haben. Das sollten Sie erst weiter verinnerlichen und die ersten Herausforderungen angehen. Dadurch werden Sie weitere Erfahrungen sammeln, und so kann sich dieser Zustand dann auch festigen. Wir sind ja hier in Raum und Zeit eingebunden. Da lässt sich nicht gleich ein Schalter für immer umdrehen. Das geschieht erst nachhaltig durch die nächsten Schritte.“

„Einverstanden! Ich komme darauf zurück und gebe Ihnen zwischendurch auch gerne ein Feedback, Herr Alegro.“

Die Verabschiedung ist sehr herzlich, Herr Walter hat auch mich berührt …

Ich nehme noch ein verabredetes Telefonat wahr und freue mich über den Tag, dann genieße ich den Feierabend … Ja, ich gehe ans Meer und entspanne, sage ich mir, … und das tue ich dann auch.

* * *

Inzwischen sitze ich am Meer. Eine Cafeteria direkt am Strand hat mich eingeladen, Platz zu nehmen. Obwohl gleich ein traumhafter Sonnenuntergang in allen Rottönen seine Magie über die Menschen bringen und tief in deren Gefühle eintauchen wird, sitze ich hier an diesem Platz allein. Aber wirklich allein bin ich dennoch nicht. Wenn das Herz aufgeht, ist jeder in Verbundenheit mit allem, und hier besonders mit der Natur. Dies erzeugt einen Einklang, der nur schwer zu beschreiben ist. Er berührt, verzaubert, spielt, entzückt, bringt alle Sinne zum Erklingen, und unweigerlich fängt man an zu träumen. In diesen Tagträumen bin ich außerhalb von Zeit und Raum … Erinnerungen verweben sich mit dem heutigen Geschehen, Gefühle gehen ineinander über … Die warmen, leuchtenden Sonnenstrahlen, … ich atme sie ein, … zusammen mit der Meeresluft und dem Duft von Jasmin, der von irgendwo herüberweht …

Vor mir erscheint die Silhouette von Rosa und berührt mich plötzlich. Es durchzuckt mich. Es ist, als schwebe sie in einem Hauch von einem Kleid an mir vorüber. Meine Augen öffnen sich, und ich schaue direkt in das volle Rund des orangen Balls, dessen glitzernde Strahlen mich über das lieblich kräuselnde Wasser ziehen. Die abertausend Lichtpunkte tanzen und wiegen sich mit dem leichten Wind im Takt. Ich will es anhalten, aber schon ist die Sonne untergegangen.

Eine Weile sitze ich noch einfach so da, ganz berührt und versunken. Rosa? Sie kann es eigentlich nicht sein. Ich würde so ein Ereignis in meinen Händen sehen. Ich weiß genau, dass noch eine wundervolle, sehr innige Liebe auf mich wartet. Eine solche Linie ist vorhanden. Die Zeit dafür ist auch gekommen. Aber wenn der genaue Eintritt jetzt oder innerhalb der nächsten sechs Monate wäre, würde ich es an den Ringfingernägeln erkennen. Bei hellem Licht werde ich mir das morgen noch einmal anschauen.

* * *

Heute ist Sonntag. Ich hatte mir schon seit Tagen vorgenommen, einmal alle Pflanzen nach ihren Bedürfnissen anzuschauen. Hibiskus und Oleander neigen dazu, Läuse anzuziehen. Ich weiß, es hat auch etwas mit mir selbst zu tun. Meine Pflanzen sind mein Spiegel. Und wenn sie befallen sind, dann nehme ich diesen Hinweis ernst und schaue, wo ich mich von Menschen mehr abgrenzen sollte, wo vielleicht das Geben und Nehmen nicht ausgeglichen ist. Ich gebe gerne, es macht mir Freude, Menschen zu helfen. Mein Herz ist glücklich, die Mitmenschen dort zu erfüllen, wo es ihnen zu ihrer Lebensfreude dient. Dies sehe ich als meine Berufung. Und genau dabei muss auch ich die Grenzen beachten. Wo endet meine Verantwortung, wo darf ich nicht eingreifen? Es geht in immer mehr Feinheiten hinein, die einem nicht gleich bewusst werden. So nehme ich die Hinweise, die ich im Leben vorfinde, ernst. Je höher das Bewusstsein eines Menschen ist, umso stärker wirkt sich alles aus.

Meine Augen erfreuen sich an den blühenden Pflanzen. Ich liebe jede einzelne davon, und mein Herz geht auf, wenn ich ihre Aura wahrnehme. Soeben berühre ich ganz sanft die fast noch weichen Stacheln eines selbstgezüchteten kleinen Kaktus, als das Telefon mich ruft.

„Michele, guten Morgen“, melde ich mich.

„Hallo, ich bin‘s Rosa. Störe ich?“

Einen Moment zögere ich und sage dann: „Nein, Rosa, was hast du auf dem Herzen?“ Ich will erst hören, ob es wichtig ist und dann entscheiden, ob ich mich darauf einlasse.

„Mir geht es nicht so gut heute. Es ist schwierig mit meinem Mann. Er will mich nicht verstehen. Hast du vielleicht etwas Zeit für mich?“

Rosa möchte meine Nähe, das fühle ich deutlich. Ich mag sie auch. Von ihr geht ein Knistern aus. Es ist eine unterschwellige Spannung, die ich kaum ignorieren kann, und so mache ich den Vorschlag:

„Treffen wir uns im Strandcafé?“

„Gerne, Michele, ich freue mich! In einer halben Stunde bin ich dort.“